Ausgabe 
9.10.1933 Frühausgabe
 
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19. Fortsetzung.

Sie,

Marlene fragte müde:

nd

Dienerschaft in Schutz zu nehmen. Also hören Frau Helm."

Während Marlene mechanisch weiterpockte.

zählte Olga der dicken 'Auguste die Wahrheit. Die lauschte gespannt, und schließlich entfuhr es ihr:

Herr von Malten ist ja nicht zurechnungsfähig. Es ist jammerschade, daß Sie beide fortgehen! Seit Sic im Schloß waren, besserte sich hier alles. Nun wird es wieder dunkel und freudlos werden." Ihre Augen tauten über. Sie faltete die Hande:Ich bin sicher, Herr von Malten sieht dies doch alles bald ganz anders an."

Sie reichte beiden die Hände, und dann fiel ihr ein, zu bestellen, Marlene solle auf Frau von Mal-" tens Wunsch eine Adresse hinterlassen, an die man schreiben könnte, falls man sie brauche.

sFortsetzung folgt.)

Sie trat dicht vor Auguste Helm hin.Da sst's schon besser, Sie erfahren von mir, was eigentlich los ist: die holde Inspektorin war ja jowieso Leuge der bösen Sache, und was die weiß, könnten Sie erst recht wissen und weitererzählen. Ich bitte Sie jedenfalls, uns gegen üble Nachreden unter der

Es klang alles ein bißchen stumpf und farblos. Die Baronesse nahm Marlenes Hönde.

Kaum zu glauben ist das mit unseren Träumen, aber Nebensache sind sie jetzt."

Marlene fuhr sich mit beiden Händen nach dem

da drinnen tut es schrecklich weh! Aber wei­nen kann ich jetzt nicht, nein, Olga, das liegt mir nicht. Ich kann nur denken, nun ist das große Glück, das so überwältigend mächtig und so wunder­lich mit einem Male da war, schon wieher zu Ende. Alles andere ist unwichtig. Ich ltehe vor einem Rätsel, weil Achim mein Verhalten nicht begreift und nun alles falsch und schief sieht. Don s Standpunkt aus sieht er eben alles, und ich bm machtlos. Hier lut es so weh, daß ich am liebsten auf der Stelle sterben möchte."

Sie preßte die Hände fest auf das Herz. Olga legte die Arme um Marlenes Hals.

"Ich möchte am liebstenlaut weinen vor Stummer über dein verlorenes Auck, und vor Wut ja, auch vor Wut über den Menschen, der sich so verständnislos benommen hat. ?ch rate dw, Mar- lene ieht zu packen, damit wir hier sobald wie möglich abreisen können. Unsere Zeit hier ist vorbei."

Marlene schüttelte den Kopf.Meine Zeit ist vor- be, aber von dir will doch niemand etwas."

Wer dich kränkt, kränkt mich mit", gab Olga betonte zurück,und wenn ich im ersten besten Nacht- osyl unterkriechen müßte, hier bliebe ich nicht mehr." Es klopfte. Ein Diener erschien.

Frau von Malten bittet Fräulein Werner zu sich'" Er verschwand.

Ich gehe gleich mit- dir!" entschied Olga, und Marlene war ihr dankbar. Sie fürchtete sich jetzt vor Achims Mutter, die sie fast so schnell verworfen, wie er es getan. Müde schritt sie an Olgas Arm die Treppe hinunter.

Frau von Malten begann mit deutlich wahr- hmdarer Erregung:Mein Sohn wird den hier im Schlosse Bestohlenen allen Schaden ersetzen und tue Polizei gar nicht von dem Diebstahl unterrich­ten, denn er ist dem Dieb dankbar. Ohne diesen Menschen hätte er nie etwas von dem Dolch er­fahren, der vielleicht nein, hoffentlich bestimmt! dazu dienen wirb, den Mörder aufzuspüren. Du

Frau von Malten saß in chrem Armstuhl, als die Freundinnen eintraten, und am Fenster stand Achim, mit dessen Gegenwart Marlene gar nicht ge­rechnet hatte. Er stand aber anscheinend so teil­nahmslos da, als ginge ihn gar nichts an, was man hier sprach.

Marlene hatte sie mehrmals am Aermel gezogen, haue durch ein paar Worte den Redestrom aufhalren wollen, aber Olga Zadrow war einmal im Zuge. Sie mußte ihrem Herzen noch etwas Luft machen.

Sie werden noch eines Tages mit Schmerzen an die Stunde zurückdenken, Herr von Matten, in der Sie ein grundanständiges Menschenkind so niedrig einschägten. Sie besaßen kein Recht, Marlene zu de- bandeln wie ein Richter, der von der Schuld des Ängeklaaten fest überzeugt ist. Nicht einmal Ihre Frau Mutter durfte heute Zeuge der na, sagen wir mal »Aussprache^ zwischen Ihnen und Mar- lene sein; auch ich nicht, aber am wenigsten diese Roberta Olbers, das, mit Respekt zu sagen, unsym- pathischste Weibsbild oder Mannweib, was auf Erden 'rurnläuft. Wie einPascha sagten Sie schwung- voll: Du aber verlaß Maltstein, ich könnte deinen Anblick nicht länger ertragen! Dor Ihrer Frau Mutter, vor mir und vor der Olbers sagten Sie das! Etwas stiller und geschmackvoller hätte sich das bei etwas gutem Willen bestimmt machen lassen, und wenn Sie Marlene wirklich geliebt hätten, würden Sie sich selbst etwas weniger gefühlt, aber desto mehr Gefühl für Marlene gezeigt haben. Aber"

Er unterbrach sie:Sie gestatten, daß ich dieser überflüssigen Szene durch mein Weggehen ein Ende mache. Jedenfalls ersuche ich Sie, meine Mutter nicht etwa weiter zu behelligen. Sie ist, wie Sie willen, leidend."

Lin Lied vom Glück

Vornan von Anny von ponhvys.

Olga Zadrow lachte unfroh:Sagen Sie nur gut deutsch zu mir, ich soll den Mund hatten, Herr von Malten! Aber ich schweige schon, Sie brauchen mei­netwegen das Zimmer nicht zu verlassen. Bitte, zäh- len Sie zweimal das Honorar ab für zwei Wochen und schicken Sie es uns nach oben, wir packen jetzt. Wenn wir gegen dreizehneinhalb Uhr das Auto haben dürfen, fahren wir an die Station. Komm, Marlene, wir haben hier nichts mehr zu suchen!"

Sie zog Marlene mit sich fort, daß sie, die sich von Frau von Malten verabichieden wollte, gar nicht dazu kam. Sie befand sich schon auf dem Flur, ehe sie sich dessen noch recht bewußt war. Sie wußte nur noch, ihr letzter Blick hatte Achim gegolten; der aber hatte sich abgewandt.

Olga zog Marlene die Treppe hinauf in ihr Zimmer.

Olga zog Marlene die Treppe hinauf in ihr Zimmer.

Marlene fragte müde:Wie durstest du ihm nur all das ins Gesich sagen? Er tat mir so leib."

Olga packte sie bei den Schultern.

Wie kann dir nur jemand leid tun, der so mit­

handeltest nicht, wie du hättest handeln muffen, Mar- lene und ich bedauere es sehr. Loch es ist unnütz, darüber zu klagen, ich nehme es wie einen Schick- salsschlag Und nun wollen wir ganz nüchtern reden. Hier ist dein Gehatt für ein halbes Jahr, ich wünsche dir das Allerbeste für die Zukunft. Heute um vier- >ebn Uhr fahrt ein Zug in der Richtung Dresden, der dort gleich Anschluß nach Berlin hat. Unser Auto kann dich rechtzeitig an die Bahn bringen."

Marlene griff nicht nach dem ihr entgegengehattenen Umschlag mit dem Geld. Sie warf auch feinen Blick zu Achim von Mallen hinüber, sagte nur leise:Ein Gehalt von sechs Monaten steht mir nicht zu. Wenn ich um das Gehalt von vierzehn Tagen bitte, ge­schieht es nur, weil ich sonst nicht Reisegeld genug hätte und mir so rasch nichts von Vater schicken lassen kann."

Frau von Matten machte eine Bewegung der Ab­lehnung.

Nimm nur das Geld. Du warst ja für ein halbes Jahr engagiert!"

Olga jagte laut:Und ich bitte auch um mein Gehalt für vierzehn Tage."

Frau von Malten zog die Brauen hoch.

Wenn Sie Geld brauchen, Fräulein Zabrow, steht es Ihnen zur Verfügung. Im übrigen wünsche ich, daß Sie hier bleiben. Ich habe mich an Ihre angenehme Art, vorzulesen, gewöhnt!"

Olga schüttelte heftig den Kopf. Ihre rotblonden Locken flogen um das schmale feine Gesicht. Die hell­braunen Augen schienen in diesem Moment viel dunkler als sonst.

Nein, gnädige Frau, ich kann nicht bleiben! Die Gegenwart von Menschen könnte ich nicht vertragen, die meine liebe, gute Marlene beleidigt haben."

Marlene faßte nach Olgas Arm.

Bitte, schweige!"

Dom Fenster her trat Achim von Matten ein wenig näher.

Sie vergreifen sich im Ton meiner Mutter gegen­über, Baronesse!"

Olga Zadrow nickte.Sie mögen recht haben; aber im Ton gegen Sie, Herr von Malten, würde ich mich bestimmt nicht vergreifen. Und damit 'sie sich davon überzeugen können, will ich Ihnen rasch erklären: Sie haben nicht recht gegen Marlene ge­handelt. Statt zu begreifen, von welchen edlen Mo­tiven geleitet Marlene gehandelt hat, was sie tat, spielen Sie sich auf wie ein Dramenheld. Statt Mar­lene ans Herz zu ziehen und zu sagen: Du armes Ding, wie schwer muß dich dein Geheimnis belastet haben! behandeln Sie die Aermste wie eine Ver­brecherin. Teufel noch mal! Ein richtiger Mann hätte alles ganz anders angeschaut. Sie wissen von wahrer Liebe nicht einmal die ersten Buchstaben des Alphabets, und Ihre Handlungsweise gegen Mar­lene ist einfach unmoralisch. So, nun wissen Sie, Herr von Malten, wie ich über Sie denke, und wenn ich von hier in irgendein graues Elend hineinliefe, bliebe ich nicht hier."

leidlos an dir gehandelt hat! Nein, Marlene, das bißchen, was ich ihm gesagt habe, war ihm äußerst gut und dienlich. Man darf nicht alles schweigend hinnehmen, und ich konnte nicht dulden, daß sie auf dir herumtrampeln. Du hast mir dein schönes schwarzes Seidenkleid geschenkt. Jetzt kriegst du es natürlich wieder zurück; jetzt brauchst du den hübschen Lappen selbst. Nichtsdestoweniger bin ich dir dank- bar. Und davon abgesehen, ich bin dir gut, wie 'ne Freundin der anderen gut sein muß. Jetzt fangen wir an zu packen, und alles andere wird sich finden."

Sie umarmte Marlene:Vielleicht steht draußen schon irgendwo das Glück und wartet auf uns."

Marlene lächelte matt. Das Glück wäre für sie Achim von Malten gewesen. Nun sie ihn für immer verloren, gab es auch kein Glück mehr für sie.

Ader sie begann willig zu packen. Sie wollte jetzt selbst gern fort. Sie sehnte sich nach dem Vater. Siel- leid): wurden ihr die Augen feucht, wenn sie ihm ihr Leid klagte, vielleicht konnte sie sich an seinem Herzen ausweinen. Ungemeinte Tränen brennen gar zu sehr.

Auguste erschien. Sie brachte das Gehalt für vier­zehn Tage für beide, und nachdem sie es abgegeben, fragte sie leise:Was ist denn nun eigentlich los, Frauleinchens? Frau von Mallen jagte mit, 6ic wollten beide abreifen, und ich dachte doch, Fraulein Werner wäre Achims, ich meine Herrn von Matten» Braut?"

Ihr gutes rundes Gesicht war voll Spannung.

Olga klopfte ihr auf die Schuller.

..Liebe Frau Helm! Das alles zu erklären, würde etwas lange dauern, und ich weiß auch gar nicht, ob ich berechtigt dazu bin. Sie stehen ja gut mit der gnädigen Frau. Sie erzählt Ihnen sicher noch, warum es mit der Liebe zwijchcn ihrem r:ohn und uns aus ist. Ich meine natürlich, zwischen ihrem -Lohn und Marlene. Es gab Meinungsverschieden- fjeüen zwischen Herrn von Malten und Fräulein Werner."

Die Wirtschafterin wiegte den Kops bin und her.

.Hat Ihr Weggehen etwas mit dem Diebstahl zu tun? Herr von Matten tchll den Bestohlenen alles ersetzen."

Olga schlug sich vor die Stirn.

Ach, du lieber Augustin! Das ist 'ne Lesart, an die habe ich noch gar nicht gedacht. Wenn wir so Knall und Fall verschwinden, tonnte man glauben, mir hätten geflaut!"

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Lveitag, den 20. Oktobev 1933, abends 8/< Uhr, im Saale deS Gewerkschaftshauses

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Tagesordnung: 1 .Berichterstattung der Leitung überibre Tätig­keit seit Amtsübernahme a) des Vorstandesr b) des Aussichtsrates.

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Wir ersuchen unsere Mitglieder ihr Interesse an der Genossen­schaft durch allseitigen Besuch zu bekunden.

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Bekanntmachung.

Betr.: Personenstands- und Betriebsauf­nahme am 10. Oktober 1933.

Der Herr Reichsminister der Finanzen hat zum 10. Oktober 1933 eine Perso­nenstands- und Betriebsauf­nahme angeorbnet Durch Beamte des Polizeiamts Gießen werden in den näch- l'ten Tagen an alle Hausbesitzer Haus- listen, Haushattungslisten und Betriebs­blätter ausgegeben, die nach dem Stand vom 10. Oktober 1933 auszufüllen sind; die Nichterfüllung dieser Verpflichtung kann mit Geldstrafe belegt werden. Das Abholen der Listen erfolgt ab 11. Oktober 1933. Die Haushaltungslisten, die von jedem Inhaber einer selbständigen Woh­nung auszufüllen sind, bilden die Unter­lage für die Steuerkartenausstellung 1934. Im Interesse aller Arbeitnehmer (Ge­halts-, Lohn-,, Pensions- und Renten­empfänger) liegt es, die Haushattungs­listen (insbesondere die Spalte 11 über das Arbeitsoerhältnis) so sorgfältig und voll­ständig wie irgend möglich auszufüllen, damit bei der Ausstellung der Steuerkar­ten für 1934 Unrichtigkeiten vermieden werden. Nachdem die für den 1. Januar 1934 vorgesehene Bewertung des Grund­besitzes nicht stattfindet, sind von den Haus­eigentümern oder deren Stellvertretern in den Hauslisten auf der 1. Seite nur die Ziffer 1 (Eigentümer) und auf den Seiten 24 nur die Spalten 13 oder 3a aus­zufüllen. Die Angaben über die Jahrcs- rohmieten usrn. sind nicht erforderlich.

Gießen, den 4. Oktober 1933. (6135C

Bürgermeisterei Gießen. I. D.: Dr. Seib. Erstklassige Erwerbsquelle durch beziyksw.Uebernabme d.Alleinfabr. u.Verkaufsrecht ein.neuenArtikels d.Bau- branche. Herft. v.Wand» u.Fuhbodenvlat» ten, niannor. Kunststeine, a. s. Möbelein- loa. u. Schalttafeln, Fensterbänke u'w.mit rert. vodifilani, ohne Volieren u. o. Maich. Ucberrafd). eins. Herstellung, leicht erlern­bar. Da konkurrenzl. bill. Fabrikat., werd, sehr höbe Gewinne erzielt. Nur em'tbnft. Interessenten mit enttvr. KapitalIca. 300 bis 1000 Mien.?ch Grobe d. Verwenden nch an Erwin Lais, Freiburg ».Breisgau

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AmtSverkündigungen aus den oberhessischen Kreisen.

KreiS Alsfeld.

Es ist bei dem Kreisamt Alsfeld Antrag auf Errichtung einer Schuhmacherzwangs­innung für den Kreis Alsfeld gestellt worden. 6238C

Zur Ermittelung der Mehrheit der be­teiligten Handwerker hat das Kreisamt Herrn Syndikus Rohr von der Hand- Werkskammernebenstelle Gießen als Kam- misjar bestellt.

Es ist bei dem Kreisamt Antrag auf Errichtung einer Pflichlmnung (Zwangs- Innung) für das Sattler- und Tapezier- Handwerk für den Kreis Alsfeld gestellt worden.

Zur Ermittelung der Mehrheit der be­teiligten Handwerker hat das Kreisamt den Syndikus der Handwerkskammer­nebenstelle in Gießen, Herrn Rohr, als Kommissar bestellt.

Das Kreisamt Alsfeld beabsichtigt fol­gende Amtstage abzuhatten.

Znittfood), den 11. Oktober 1933, von vormittags 11.30 Uhr bis nachmittags 1 Uhr. auf dem Bürgermeistereizimmer in Grebenau für die Gemeinden des Gre­benauer Grundes.

Donnerstag, den 12. Oktober 1933, von vormittags 10 bis 12 Uhr, auf dem Rat­haus in Homberg für die Gemeinden des Amtsgerichtsbezirks Homberg.

Dienstag, den 17. Oktober 1933, von vor­mittags 11-30 Uhr bis nachmittags 1230 Uhr, auf dem Rathaus in TUeder-Ohmen für die Gemeinden der Amtsgerichtsbczirke ©rünberg und Ulrichstein.

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