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5.3»- 12-73
Nr. 2U Erstes Blatt
185. Jahrgang
Samstag, 9. September 1935
(6r|<l)eint tägltd), außti Sonntags and Feiertag» Beilagen; vte 3 Quittiert» Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Schall» monat$-Be$ng$prel$;
Mit 4 ‘Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte . 180 Iuslellgedllhk . --25 Auch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.
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Dr. Friede. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Or H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil t. D. TH.Kümmel sämtlich in Bietzen.
Kontrolle statt Abrüstung.
Auf dem Nürnberger Parteitag erklärte der Reichskanzler: „Die Welt soll in unserem Zusammentreffen nicht den Ausdruck des Wunsches sehen, neue Lorbeeren auf dem Schlachtfeld zu erwerben. Das deutsche Volk ist sich dessen bewußt, daß kein Krieg kommen könnte, der uns jemals mehr Ehre geben würde, als wir sie im letzten erworben." eberzeugender kann der Wille eines Volkes nicht zum Ausdruck kommen, eine neue Volksgemeinschaft aufzubauen durch friedliche Arbeit und unter Wahrung freundschaftlicher Beziehungen au den andern Völkern der Welt. Wenn es dabei als Grundlage dieser Beziehungen die Gleichberechtigung erstrebt als eine Forderung seiner politischen Ehre und nationalen Sicherheit, so ist das eine Selbstverständlichkeit, ohne die eine staatliche Souveränität überhaupt undenkbar ist. Und doch wird die praktische Erfüllung grabe dieses natürlichen Verlangens dem größten Volke in der Mitte Europas, ja des Kontinents überhaupt, seit den schwarzen Tagen des Waffenstillstandes im Wald oon Eompiögne hartnäckig verweigert. Nach wie vor liuft Frankreichs Politik einzig und allein darauf hinaus, mit allen Mitteln den Zustand zu erhalten, der durch die scharfe Unterscheidung von Siegern und Besiegten als die Quelle des Unfriedens, des Mißtrauens und des mangelnden Sicherheitsgefühls gekennzeichnet wird. Das ist der leitende Grundsatz einer sterilen, ganz auf die Negation eingestellten Politik, die jedes frisches Lüstchen, das sich im Völkerleben regt, mit Argwohn beobachtet und, ohne selbst irgendeinen fruchtbaren Gedanken zur Lösung der großen, allen Völkern gemeinsam gestellten Aufgaben beizutragen, allein auf die Wahrung des Status, quo und damit auf die Sicherung der eigenen Vormachtstellung bedacht ist, ohne Rücksicht daraus, daß die immer wieder beiseite geschobenen Probleme eines unnatürlich zerrissenen, aus tausend Wunden blutenden Erdteils zwangsläufig einen Zündstoff anhäufen, der, sollte er einmal an einer empfänglichen Stelle Funken fangen, einen neuen Weltenbrand oon ungeahnten Dimensionen entfachen muß.
Der greisenhafte Eigensinn, mit dem Frankreich sich an die Fiktion der bedrohten nationalen Sicherheit klammert, um die Erfüllung des deutschen Gleichberechtigungsanspruches zu hintertreiben, ist ohne Zweisel das ernsteste Hindernis für eine befriedigende Lösung der Abrüstungsfrage. Das freimütige Friedensbekenntnis Adolf Hitlers, das besonders wirkungsvoll fein mußte, da es auf der Siegesfeier des nationalsozialistischen Deutschland vor vielen Hun'oerttausenden nationalsozialistischer Kämpfer abgelegt worden war, hat in Frankreich ein seltsames Echo gefunden. Der französische Ministerpräsident und Kriegsminister D a l a d i e r hat das gewaltige Befestigungswerk besichtigt, das Frankreich längs der Ostgrenze angeblich zur Ver- teibigung gegen einen entwaffneten Nachbarn errichtet hat. Aber obwohl sich ber Regierungschef über bas bort Gesehene hochbefriebigt ausgesprochen hat unb feftfteUen muhte: Frankreichs nationale Sicherheit ist gewährleistet, hat fein Kabinettskollege Paul-Boncour, um etwaige Rück- fchlüffe aus bieten Feststellungen ja nicht aufkom- men zu lassen, schnell roicber bas alte Notenblatt heroorgeholt unb in seiner Gedenkrebe auf Briand, den Vater bes Locarnopakts, bie alte Melodie angeschlagen. „Die Politik der Abrüstung verlangt, bah niemanb aufrüstet", erklärte er. „Wenn jemanb es aber trotzbem versuchen sollte, so werben an unserer Seite alle biejenigen fein, mit benen wir in Ucbereinftimmung, bem Werke bes Friebens zu dienen, auf einige der Sicherheiten verzichtet haben, bie uns bie Verträge gegeben hatten." Die kaum mißverstänbliche Drohung hat schnell praktische Bedeutung bekommen. Am 18. September, zwei Tage vor dem Wiederzusammentreten des Büros der Abrüstungskonferenz, werden die Delegierten Englands und der Vereinigten Staaten in Paris eine Vorbesprechung mit den französischen Ministern haben, ob auch Italien dabei ebenfalls vertreten sein wird, ist noch nicht bekannt, dagegen scheint man auf die Anwesenheit eines deutschen Delegierten keinen Wert zu legen. Denn gegen Deutschland wieder einmal eine Einheitsfront zu errichten, an der die deutsche Gleichberechtigungsforderung scheitern soll, das ist ja der eigentliche Zweck dieser vom Quai d'Orsay inszenierten Vorbesprechung.
Darüber läßt das von ber Pariser Presse veranstaltete Kesseltreiben gegen Deutschlands Sortierungen keinerlei Zweifel. Da man fürchtet, baß bie langatmigen Klagen über Frankreichs bebrohte Sicherheit nicht mehr verfangen werben, hat bie französische Diplomatie einen neuen Dreh gefun- bcn, um ber enblichen Erfüllung bes im Versailler Vertrag, im Artikel 8 ber Völkerbunbssatzung unb in ber berühmten Note (H&nenceaus vom 16. Juni 1919 feierlich abgelegten Abrüstungsversprechens auch weiterhin aus bem Wege gehen zu können. Das neue Stichwort heißt .Kontrolle". Das wäre an sich nichts Neues, wenn bamit gemeint fein soll, daß nach Durchführung ber Abrüftungskon- oention burch Organe bes Nölkerbunbes gleichmäßig sich alle Staaten, bie ber Konvention beigetreten finb, einer periobisch wieberkehrenben Kontrolle unterwerfen würben. Dem ist inbeffen nicht so. Frankreich verlangt nunmehr, baß vor bem Inkrafttreten ber Abrüstungskonvention, ja sogar vor weiteren Verhanblungen über Tempo unb Ausmaß ber Abrüstung eine Kontrolle bes gegenwärtigen Rüstungsstanbes burchgesührt wirb, um, wie ber „Matin" zynisch bemerkt, zunächst einmal zu wissen, über welche Kräfte ber eventuelle Gegner verfügen kann, ba es heute wirklich naiv wäre, zu glauben, baß biefe Kräfte bie vom Ver- iaiUer Vertrag ■ festgesetzten bleiben würben. Die kontrolle müsse zunächst einmal ihre nutzbringende
Fest der deutschen Schule.
Oie Jugend begeht den „Tag des deutschen Volkstums" als Zeichen der Verbundenheit mit den Volksgenossen jenseits der Reichsgrenzen.
Arn Sonntag, bem 10. September, findet in allen Teilen des Reiches das Fest ber beutschen Schule statt, bas vorn Volksbunb für dasDeutsch - tum im Ausland zum erstenmal im Zeichen des nationalsozialistischen Deutschland als „Tag des deutschen Volkstums" begangen wird. Der neue Staat, der vom Volke als der Wesensgrundlage aller deutschen Lebensformen ausgeht, ist sich der Pflichten gegenüber dem Außenvolkstum aufs stärkste bewußt. So haben denn auch die maßgebenden Männer des neuen Deutschland, vor allem Reichsinnenminister Dr. Frick und Kultus- minifter Ruft den VDA. und das Fest der deut- schen Schule durch besondere Erlasse weitgehend ge- fordert. Der Grundgedanke dieses größten aller Schulfeste ist nach außen hin die Bekundung unveräußerlicher Gemeinschaft, nach innen die Betonung der allgemeinen Opferpflicht unter bem Gebanken ber Volksdeutschen Kameradschaft der deutschen Jugend drinnen und draußen. Die deutsche Schul- fügend im Reich, die in sicherer Geborgenheit deutsche Sprache und Wesensart sich aneignen kann, gibt ihre Anteilnahme und ihre Opferbereitschaft gegenüber den auslandsdeutschen Kameraden Ausdruck, die gar nicht ober nur unvollkommen des Segens einer deutschen Erziehung teilhaftig werben.
Der Reichskanzler hat in feinem Lebensbuche „Mein Kampf" über die Bedeutung des Sprachen- und Schulkampfes und über bie Notwenbig- keit ber Unterstützung ber Volkstumsarbeit pacfenbe Worte gefunden. Er sagt u. a.: Von dem ewigen unerbittlichen Kampf um die deutsche Sprache, die deutsche Schule und deutsches Wesen hatten nur ganz wenige aus dem Reich eine Ahnung. Erst heute, da diese traurige Not vielen Millionen unseres Volkes aus dem Reich selber aufgezwungen ist, die unter fremder Herrschaft vom gemeinsamen Vaterland träumen und sich sehnen nach ihm, wenigstens das heilige Anspruchsrecht der Mutter- spräche zu erhalten versuchen, versteht man im größeren Kreise, was es heißt, für fein Volks- tum kämpfen z u müsse n."
Und dann heißt es weiter: „Wie überall wird dieser Kampf um das Kind geführt, und an das Kind richtet sich der erste Appell dieses Streites: „Deutscher Knabe, vergiß nicht, daß du ein Deutscher bist.", und „Mädchen gedenke, daß du eine deutsche Mutter werden sollst."
Wer der Jugend Seele kennt, der wird verstehen können, daß gerade sie am freudigsten die Ohren für einen solchen Kampfruf öffnet. In hunderterlei Formen pflegt sie diesen Kampf dann zu führen, auf ihre Art und mit ihren Waffen. Sie lehnt es ab, undeutsche Lieder zu singen, schwärmt um so mehr für deutsche Heldengröhe, je mehr man versucht, sie dieser zu entfremden, sammelt an vom Munde abgesparten Hellern zum Kampfschatz der Großen. Sie ist unglaublich hellhörig dem unbeut- schen Lehrer gegenüber unb wiberhaarig zugleich, trägt bie verbotenen Abzeichen bes beutschen Volkstums unb ist glücklich, bafür bestraft ober gar geschlagen zu werben. Sie ist also im kleinen ein getreues Spiegelbilb ber Großen, nur oft in besserer unb aufrichtigerer Gesinnung."
Oie wirischastspolikische Gliederung der NGOAP. Darm stabt, 8. Sept. (MSN.) Das Gaupresse- amt melbet: Am 26. unb 27. August fand in München im Braunen Haus eine Tagung ber Kommission für Wirtschaftspolitik in
ber NSDAP, statt, an ber ber Wirtschaftsberater bes Führers unb bie Gauwirtschaftsberater teilnahmen Die Tagung hatte bie Ausgabe der Richtlinien für die künftige wirtschaftspolitische Arbeit ber NSDAP, zum Gegenstand. Die Organisation der NSDAP, zur Erfüllung ihrer wirtschaftspolitischen Aufgaben ist nach den Anordnungen des Führers so einfach wie nur möglich gehalten. Sie besteht aus folgenden Gliedern:
1. Wirtschaftsberater des Führers, Pg. Wilhelm K e p p e l e r , gleichzeitig Referent für Wirtschaftsfragen beim Reichskanzler.
2. Kommission für Wirtschaftspolitik, Leiter Bern-
Saarbrücken, 8. Sept. (TU.) Wie unerhört der Terror ber französischen Grubenverwaltung auf bie beutsche Bevölkerung ist, beweist ein Fall, der sich dieser Tage in dem kleinen Bergmannsdörfchen Maybach zugetragen hat. Dort wird zur Zeit die Propaganda für den autonomistischen „Generalanzeiger" mit geradezu zynischer Schamlosigkeit betrieben. Wer das Autonomistenblatt nicht bestellt, erlebt binnen kurzem eine Maßregelung und wird von der Grude entlassen. Der Gewissenszwang nahm in bem Ort berartige Formen an, baß sich am Sonntag, ben 27. Aug., ber katholische Pfarrer bes Ortes veranlaßt sah, von der Kanzel herab gegen bie Zustände Stellung z u nehmen. Er sprach davon, daß die Katholiken wohl die bestehende Obrigkeit und ihre Gesetze anzuerkennen hätten, das könne sie aber keinesfalls von der Treue gegen Volk und Vaterland entbinden. Wer immer die abhängige Stellung unb bie wirtschaftliche Notlage eines Menschen ausnütze, um ben Gewissens- zwang auszuüben, ber begehe eine himmel- schreienbe Sünbe. Diese Prebigt würbe in ber Kirche zu Maybach gehalten, bie Eigentum ber ©rubenoerroaltung ist, aber fast nur oon ben beutschen Katholiken besucht wirb. Am 31. August teilte nun ber Generaldirektor der französischen Grubenverwaltung dem Pfarrer mit, daß er sich in Zukunft jeder Kundgebung in Der Kirche z u enthalten hätte. Der Pfarrer antwortete, er werde pflichtgemäß roie bisher bie
Neuer Terror gegen Nationalsozialisten.
Wien, 8. Sept. (WTB.) Zwei nur gegen ben Nationalsozialismus gerichtete Aktionen ber Regierung Dollfuß treffen zeitlich mit bem Beginn des Katyoliken-Tages zusammen, so baß es schwer fällt, nur an einen Zufall zu glauben. Die eine ist bie feit langem angetünbigte unb scheinbar gerade rechtzeitig erfolgte Herausgabe des fo genannten Braunbuches, über bas am Vorabenb bes Beginns ber Feierlichkeiten ben Blättern entsprechend Auszüge zugeleitet würben unb bas von ber Presse auch in nicht zu verkennenber Art besprochen wirb. Die zweite Aktion besteht in ber Auf -
Harb Köhler, bie wirtschaftspolitische Stelle ber Reichsleitung München.
3. Die Gauwirtschaftsberater, wirt- schaftspolitische Berater ihrer Gauleiter unb bie wirtschaftspolitischen Vertrauensmänner ihrer Gaue. Die Gauwirtschastsberater finb politisch ben Gauleitern, wirtschaftlich ber Komission für Wirtschaftspolitik unterstellt, bie ihrerseits dem Wirtschaftsberater des Führeres untersteht. Andere wirt- fchaftspolitifche Organe und Gliederungen kennt die NSDAP, nicht. Für alle wirtschaftspolitischen Angelegenheiten in den Gauen sind einzig und allein bie Gauwirtschaftsberater zuständig.
Gottesdienste weiter halten. Darauf hat die Grubenverwaltung mitgeteilt, daß dem Pfarrer die Verfügung über bie Kirche entzogen werbe. Er würbe aufgeforbert, bis zum 9. September bas Allerheiligste unb bie Kunstgegcn- ftänbe aus ber Kirche abzuholen. Das geschah beim auch. Die Grubenverwaltung hat mit biesem unerhörten Vorgehen gezeigt, bah sie offen bas erpresserische Vorgehen ber Separatisten unter ft ü^t.
Unbequeme Filme werden unterdrückt.
Saarbrücken, 8. Sept. (CNB.) Die Regie- rungsfommiffion bes Saargebietes hat abermals eine für bie gesamte beutschsühlenbe Bevölkerung an ber Saar völlig unverstänbliche Maßnahme getroffen. Die „Saarbrücker Volksstimme", bas Organ ber Marxisten, hatte, wie nicht anbers zu erwarten, hetzerische Ausführungen gegen ben feit etwa acht Tagen in ben Lichtspieltheatern bes Saartunbgebung am Niederwalbbenkmal gezeigten Filmstreifen von ber gewaltigen Saartunbgebung am Nieberwalb gebracht unb ein Verbot burch bie Regierungskommission verlangt. — Unter bem Druck ber Regierungskommission, die bie Filmverleiher auf eine mit ber Vorführung bes Filmstreifens angeblich verbundene „Gefahr von Störungen der Ruhe und Ordnung" aufmerksam machte, ist die weitere Vorführung unterblieben.
ft e 11 u n g von „Putzschare n", die in Wien zum ersten Mal zu Beginn des Katholikentages zur Zwangsarbeit herangezogen wurden. In verschiedenen Bezirken von Wien hatte man heute vormittag angebliche „Nationalsozialisten" mit der Polizei aus ihren Wohnungen geholt und zwang sie dazu, Wände, Mauern und Plakatsäulen, Die schon seit längerer Zeit Aufschriften ober Hakenkreuzzeichen trugen, z u reinigen. Gegen mehrere Personen, bie ben Weisungen ber Polizei nicht nachkamen, werben Haft- unb Geldstrafen verhängt werden.
In der Provinz dauert bie Verfolgung ber Nationalsozialisten unoeränbert an. Wegen eines angeblich bie Regierung beleibigenben Schreibens würbe ber Bezirksrichter des Gerichts St. Johann
Frankreich stützt die Saar-„Antonomisten"
Terror der Grubenverwaltung gegen Bevölkerung und Kirche.
Opfer des Dollfuß - Kurses in Oesterreich.
Anwendung erwiesen haben, ehe man Frankreich zumuten könne, die Sicherheit als gegeben zu betrachten unb Zugestänbnisse in ber Abrüstung zu machen. Das ist wirklich ber Gipfel einer ebenso heuchlerischen wie erpresserischen Politik, bie sich ganz einbeutig gegen Deutschlanb richtet. Unb es würbe schon ein erstaunliches Maß von Uebelwollen und Verständnislosigkeit gegenüber der tatsächlichen Lage dazu gehören, wenn, wie es den Anschein zu haben scheim, die englische Regierung in den Pariser Besprechungen Dem Druck Frankreichs nachgeben und sich bie französische Forderung zu eigen machen würde. Es ist doch nicht zu verkennen, daß diese neueste Taktik der französischen Diplomatie auf ber gleichen Linie liegt mit ben früheren Vorschlägen einer „Volkerbunbsarmee" unb einer Verstärkung der Sicherheitsgarantien durch Abschluß neuer Kriegsächtungsverträge und einer Definition des „Angreifers". Immer war der Zweck eine Sabotage der Abrüstung und diese neueste Schiebung bedeutet nichts anderes.
Was will man eigentlich in Deutschland kontrollieren? Die deutschen Grenzen liegen jedem Reisenden offen. Wie Hunderte ausländischer Journalisten ungehindert der Saarkundgebung am Niederwald- denkmal beiwohnen konnten oder mit den Angehörigen des diplomatischen Korps als Gäste beim Nürnberger Parteitag weilten, steht es ihnen frei, überall in Deutschland ein- und auszugehen. Die zahlreichen Berichte englischer und amerikanischer Reisender, bie grabe jetzt in ber großen Presse ihrer Heimatländer erscheinen, sind ja das beste Zeugnis dafür, daß das nationalsozialistische Deutschland nichts zu verbergen hat. Englische Studenten besuchen unsere Arbeitsdienstlager, amerikanische Journalisten studieren unsere Industrien.
die ausländischen Militärattaches wohnen ben Hebungen unserer Reichswehr bei. Sie können sich jeberzeit baoon überzeugen, daß Deutschland seine bewaffnete Macht lediglich im Rahmen der ihm im Versailler Diktat zugestandenen Möglichkeiten ausbaut unb schult, ja aus Ersparnisgründen von diesen Möglichkeiten noch nicht einmal erschöpfend Gebrauch macht. Niemand sollte besser darüber Bescheid wissen als bas hochgerüstete französische Volk, daß man im Zeitalter höchstentwickelter Technik bie Waffen eines mobernen Krieges, Kampfflugzeuge, Panzerwagen, schwere Artillerie, Unterseeboote nicht im Geheimen Herstellen ojier gar auf ihre Brauchbarkeit erproben kann, ebenso wenig wie man für ben mobernen Großkampf erzogene unb im Zusammenwirken aller Waffen geschulte Solbaten unbeobachtet heranbilden kann. Von alledem werden bie auslänbischen Reisenben bei uns nichts gespürt haben, sie brauchen jeboch nur unseren Nachbarn in Ost unb West einen ebenso aufmerksamen Besuch abzustatten, um kennen zu lernen, wie heute ein „Volk in Waffen" aussieht. Die Franzosen wissen das alles ja am allerbesten, um so widerwärtiger empfinden wir die infamen Verdächtigungen und Anspielungen, in denen sich ihre Presse auf Befehl der französisch-tschechischen Rüstungsindustrie und der ihr hörigen Politiker gefällt.
Deutschland hat sich mit ber Annahme bes Mac- bonald-Pkans bereiterklärt, auch einer Rüstungs- konrrolle zuzustimmen unter ber selbstoerstänblichen Voraussetzung, daß sie burch unparteiische Instanzen ober paritätisch zusammengesetzte Kommissionen gleichmäßig in allen Staaten, bie Unterzeichner ber Abrüstungskonvention sind, durchgeführt wirb, sobald die Abrüstung in den vorgesehenen
Phasen wirksam geworden ist. Niemals wird das deutsche Volk, völlig eins mit feiner nationalsozialistischen Regierung, Die Wiederaufnahme einer einseitigen Kontrolle dulden, wie sie einst die Rollet- Kommission in Deutschland ausüben konnte. Das deutsche Volk empfindet Diese Zumutung als beleibi- genD für feine nationale Ehre unD steht zur Abwehr jeDer Diffamierung einmütig unb entschlossen hinter feinem Führer. Es hat roieber unb roieber seine Bereitwilligkeit ausgesprochen, in ber eigenen Abrüstung so weit zu gehen, wie Die anDern Völker, es ist Den Wünschen Amerikas unb EnglanDs nach einer lieber- gangsphase, nach einer nur schrittweisen Einräumung Der vollen Gleichberechtigung entgegengekommen, es hat alle internationalen Verträge unterzeichnet, bie ber Kriegsächtung Dienen, um Den Fran- zosen auch Den faDenfdjeinigften VorwanD zu nehmen, von einer BeDrohung ihrer Sicherheit zu reDen. Ader nun verlangt DeutschlanDs eigene Sicherheit gebieterisch, Daß in Der Abrüstungsfrage nach vierzehn langen Jahren geDulDigen Wartens enDlich eine klare unb unzweibeutige Entfcheibung fällt. Es kann sich weber mit Versprechungen abfpeifen lassen noch sich vor neue Zumutungen gestellt sehen, Die wie eine einseitige Kontrolle bes gegenwärtigen Rüstungs- standes ben Stempel ber Unehrlichkeit Deutlich an Der Stirn tragen. Deutschlands nationale Sicherheit fordert Die Erfüllung Der Deutschen Gleichberechtigungs- forberung. Gestützt auf fein gutes Gewissen unD sein ihm vertraglich gesichertes Recht sieht Das Deutsche Volk mit Ruhe Dem neuen Kampf um Die Wiedererlangung feiner Souveränität entgegen bereit, allem zuzustimmen, was einer wirklichen Abrüstung Dienen kann, aber auch ebenso entschieben alles abzulehnen, was Den Deutschen Interessen unb dem Gebot der nationalen Ehre widerspricht.


