geben, vorausgesetzt, daß die Privatschule nicht minderwertiger ist, als die öffentliche Schule.
Um den Danziger Staatsangehörigen polnischer Herkunft den Gebrauch ihrer Mutterfprache auch bei dem Fortbildungs - Fachunterricht zu gewährleisten, werden Klassen mit polnischer Unterrichtssprache zu denselben Bedingungen, wie solche mit deutscher Unterrichtssprache errichtet werden, vorausgesetzt, daß für solche Klassen mindestens 25 Danziger Staatsangehörige polnischer Herkunft in den Städten und 15 auf dem Lande eingetragen worden sind.
Technische Hochschule: Die polnischen Staatsangehörigen und andere Personen polnischer Herkunft oder Sprache werden an der Technischen Hochschule in Danzig dieselbe Behandlung erfahren, wie die Danziger Studenten deutscher Nationalität.
Diplome : Die Freie Stadt Danzig verpflichtet sich, die entsprechenden Zeugnisse und Diplome der höheren Schulen und Lehranstalten, die in Polen erworben sind, anzuerkennen und aus diesem Grunde der Ausübung von Berufen, zu denen Zeugnisse und Diplome berechtigen, kein Hindernis in den Weg zu stellen. Dies bezieht sich auch auf Zeugnisse von Handwerksverbänden und anderen Derufsverbänden. Was die Juristen betrifft, so sollen die polnischen Diplome unter der Bedingung anerkannt werden, daß die in Frage
kommenden Juristen ergänzende Studien im Danziger Recht durchgemacht haben und in dieser Beziehung gleichwertige Zeugnisse besitzen.
Sprache: Die Freie Stadt Danzig gewahr- leistet den freien Gebrauch der polnischen Sprache, sowohl in persönlichen, als auch in wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen. Dies bezieht sich auf den Gebrauch der polnischen Sprache in der Presse bei Veröffentlichungen jeglicher Art, als auch bei öffentlichen und privaten Versammlungen. Die Freie Stadt Danzig gewährleistet sowohl die Freiheit, als auch die tatsächliche Möglichkeit, sich in polnischer Sprache an die Behörden zu wenden. Jedoch besteht für Danzig keinerlei Verpflichtung für eine zweisprachige Verwaltung.
Allgemeine Bestimmungen: Die Danziger Staatsangehörigen, die im Dienste polnischer Behörden und Dienststellen auf Danziger Gebiet stehen, genießen absolute Freiheit hinsichtlich der Auswahl der Schule für ihre Kinder. Seitens der polnischen Behörden und Dienststellen darf auf die Auswahl keinerlei Einfluß ausgeübt werden. Die Angestellten dürfen wegen der Ausübung der freien Wahl der Schule keine Nachteile hinsichtlich des Dienstes erleiden. Danzig übernimmt hinsichtlich der Personen polnischer Herkunft oder Sprache, die in ihrem Dienst stehen, die gleiche Verpflichtung.
Oie Zungfaschisten
WSN. F r a n k f u r t a. M., 8. Aug. Auf ihrer Fahrt durch Deutschland trafen die I u n g fasch i st e n heute um 11 Uhr von Kassel auf dem Frankfurter Hauptbahnhof ein. Zu ihrem Empfang hatten sich einige hundert Hitlerjungen auf dem Bahnsteig aufgestellt. Die Behörden und Parteidienststellen waren vertreten durch Negierungspräsident Zschintzsch aus Wiesbaden, Bürgermeister Linder, der in Vertretung des erkrankten Oberbürgermeisters erschienen war, der Landesleiter sür Volksaufklärung und Propaganda Müller-Scheld, dem stellvertretenden Gauleiter und Gebietsführer der HI. Hessen-Nassau, Kramer, Gaubelriebszellenleiter Becker und SA.-Standartensührer Wehner. In Begleitung der Jungfaschisten befand sich SS.-Stan- dartenführer Frhr. v. Schade. der von der Neichsleitung zur Begleitung der italienischen Gäste abkommandiert ist.
Nach kurzer Begrüßung auf dem Bahnsteig marschierten die italienischen Gäste unter Dorantritt des italienischen Generalkonsuls vor den Bahnhof, wo die Hitler-Jugend mit ihren Fahnen und ihrer Kapelle Aufstellung genommen hatte. Die Kapelle der HI. begrüßte die italienischen Kameraden mit der Giovinezza, der Faschisten-Hymne, die von der Faschisten-Kapelle mit dem Horst- Wessel-Lied beantwortet wurde. Der Gebietsführer der HI. Hessen-Nassau und
fteilvertre ende Gauleiter Kramer entbot der faschistischen Jugend im Namen der HI. des Gebietes Hessen-Nassau und zugleich im Namen und im Auftrage des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger herzliches Willkommen in den Mauern der alten Kaiserstadt. Es gereiche uns zur besonderen Freude, die faschistische Jugend auf ihrer Fahrt durchs Deutsche Reich in der Metropole am Main, in der so viele Beziehungen des deutschen und des italienischen Volkes zusammenlaufen, begrüßen zu können. Die Frankfurter Hitlerjugend hätte tief bedauert, wenn der Weg der italienischen Jugend das Nassauer Land und die Stadt Frankfurt nicht berührt hätte. Wenn Millionen deutscher Menschen in diesen Tagen voller Begeisterung die herzlichsten Sympathien mit dem italienischen Volke und seinem Führer bekundet hätten, so sei es sein Wunsch, daß der Südwesten des Deutschen Reiches am Main und Rhein nicht zurückstehe, sondern
aus innerstem herzen die Verbundenheit des neuen Deutschland mit Italien bekunde.
Italiens Jugend sei gekommen, um die Schönheiten der deutschen Lande kennen zu lernen. Wenn sie heute die Reize der alten Stadt Frankfurt, der Stadt eines Wolfgang von Goethe kennenlerne und am I Abend auf historischem Boden, dem Römerberg, das Werk des deutschen Meisters Friedrich von Spillers I
in Frankfurt a. M hören und sehen würde, oder wenn sie morgen den grandiosen Abschluß der deutschen Fahrt auf dem Rhein erlebe, dann würde sie mit tiefen Eindrücken aus der deutschen Westmark scheiden und verstehen, mit welch' heißer Ciebd der bvdenoerbundene Deutsche an diesem Kleinod hinge. Die faschistische Jugend sei gekommen, um das nationalsozialistische Deutschland kennen zu lernen und dem jungen Deutschland die Hand zu reichen, seien doch die Welten, in dic uns unsere Führer führten, nahe verwandt Stellvertretender Gauleiter K r a m e r begrüßte insbesondere, daß sich faschistische und die nationalsozialistische Jugend zusammenfände und sich kennen und schätzen lerne
Gerade die Jugend sei berufen, im Sinne ihrer großen Führer das neue (Europa gestalten zu helfen, dessen ffärtffc Kräfte sich zusammensänden in dem Italien Mussolinis und dem Deutschland
Adolf Hitlers.
Aus ihrer Fahrt durch das neue Deutschland habe die italienische Jugend die deutschen Menschen kennengelernt, einfache, deutsche, in der Arbeit und im Kampfe hart gewordene Arbeiter und deren Sohne, denen es vorwiegend zu verdanken sei, daß die neue Idee, die sie mit Gut und Blut freudig verteidigt hätten, sich durchgeseht habe. Wir seien Arbeiter wie der große italienische Führer Mussolini und unser großer Führer Adolf Hitler Arbeiter gewesen seien. Die junge Garde Adolf Hitlers habe den herzlichen Wunsch, daß die Jugend Mussolinis neben all den Eindrücken und Erinnerungen der schönen Fahrt die Lieberzeugung mitnehme in ihre sonnige Heimat, daß nordwärts der Alpen ein Volk lebt, das sich wiedergefundenhabe, ein Volk, das sich glücklich Preise, einen überragenden Führer zu haben, ein Volk, das im Bewußtsein seiner Kräfte sich in friedlicher Arbeit emporringen werde, ein Volk, das über die Alten hinweg der italienischen Nation und seinem Führer die Hand reiche in freundschaftlicher Verbundenheit. Durchdrungen von der Gewißheit, daß aus der inneren Verbundenheit beider Völker sich diejenigen Kräfte ergeben würden, die dem neuen Europa den Weg bahnten zu einer Welt des Friedens, bringe die Hitler-Jugend und das nassauische Land dem' jungen Italien seinen Gruß. Er schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Italien, seine Jugend und seinen großen Führer.
Namens der Stadtverwaltung begrüßte
Bürgermeister Linder
im Auftrage des erkrankten Oberbürgermeisters Dr. Krebs die italienischen Gäste. Er sei überzeugt, daß die faschistische Jugend auf ihrer Fahrt
Die Begrüßung durch den stellv. (Sauleiter Kramer.
■A
O
W 4
W i
«
*1 eZ
durch das neue Deutsche Reich die Feststellung gemacht habe, daß der Nationalsozialismus ebenso wie der Faschismus eine Bewegung sei, die keine Klasse kenne. Man dürfe bei dieser Beobachtung nur das eine nicht vergessen, daß wir erst im Anfangsstadium des Dritten Reiches ständen, und daß noch eine ungeheure Arbeit zu leisten sei, bis das System von gestern restlos überwunden fei.
Das deutsche Volk freue sich, daß ihm in dem großen italienischen Führer Mussolini ein Freund erstanden sei, der ehrlich bestrebt sei, mitzuhelfen, daß das in den Friedensverträgen verankerte Unrecht aus der Welt geschafft werde.
Bürgermeister Linder wünschte den Jungfaschisten einen angenehmen Verlauf ihres hiesigen Aufenthalts und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Stunden, die sie in Frankfurt verlebten, mit zu den schönsten (Erinnerungen der Deutschlandfahrt zählen würden. Mit einem Sieg-Heil auf die italienischen Gäste und ihren großen Führer Mussolini beendete der Bürgermeister seine Ansprache.
Die Kapelle der Hitlerjugend stimmte sodann die italienische Nationalhymne an, darauf spielte die Kapelle der Faschistenjugend das Deutschlandlied. Oer Führer Der Zungsaschisten, Gigli, dankte für den herzlichen (Empfang, der der italienischen Jugend in Frankfurt zuteil geworden sei, und gab seiner Versicherung Ausdruck, daß dieser Abschluß der großen Reise durch Deutschland dazu beitragen werde, die gesamte Fahrt zu einem eindrucksvollen Erlebnis für jeden Einzelnen zu machen.
Die Jungfaschisten bestiegen hierauf die bereitgestellten Omnibusse, um eine Rundfahrt durch die Stadt nach dem „Haus der Jugend" zu machen, wo die Gäste während ihres hiesigen Aufenthaltes Wohnung nehmen werden.
Begrüßung der Zungsaschisten in Butzbach.
pb. Butzbach, 8. Aug. Cs mar bekannt geworden, daß der Sonderzug der Jungfaschisten auf seiner Fahrt von Kassel nach Frankfurt a. M. in Butzbach aus betriebstechnischen Gründen eine Minute Aufenthalt haben würde. Die hiesigen Nationalsozialisten nahmen die Gelegenheit wahr, marschierten kurz nach 10 Uhr zum Bahnhof, nahmen in der Kaiserstraße gegenüber dem Bahnhof Ausstellung und begrüßten die befreundeten Faschisten mit Heil- Rufen und dem von der SA.-Kapelle gespielten Horst-Wessel-Lied. Buchdruckereibesitzer K Schneider begrüßte den Kommandanten Gigli, überreichte einen Blumenstrauß, geschmückt mit Schleifen in den italienischen Farben, sowie Ansichten unseres Städtchens Unter Dankesbezeugungen des Kommandanten fuhr kurz darauf der Sonderzug weiter.
Aus aller Wett.
Das Balbo-Geschwader auf den Azoren.
Balbo und sein Geschwader sind am Dienstag um 18.55 Uhr (MEZ.) in Hörta (Azoren) einge- troffen. Von Shoal Harbour bis hierher hat also das Geschwader 10 Stunden und 10 Minuten gebraucht. General Pellegrini ist mit acht Flugzeugen um 19.25 Uhr (MEZ.) über Ponta Delgada eingetroffen. General Balbo mit 15 Flugzeugen ist um 20 Uhr (MEZ.) ebenfalls in Ponta Delgada eingetroffen und gewassert. Somit befinden sich jetzt 23 Flugzeuge des Geschwaders in Ponta Delgada.
Ein Jahr Gefängnis
für die Vernichtung einer Hitler-Eiche.
Die Arbeiter Karl Dietz und Anton Seifert aus ßauban, die beschuldigt waren, am 28. Juli d. I. in Hohwalde bei ßauban die Hitler-Eiche absichtlich umgebrochen zu haben, wurden vom (Bor- litzer Schnellgericht zu je einem Jahr Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt.
Sühne für eine kommunistische Mordbubentat.
Das Schwurgericht in Dortmund verurteilte den 21jährigen Arbeiter Baltschui und den 23jäh- jährigen Arbeiter S t r i e p l i n g , die dem Kommunistischen Kampsbund gegen den Faschismus angehörten und unter der Anklage standen, in der Nacht zum 23. Februar d. I. in Dortmund-Hörde den Polizeioberwachtmeister Zieroth in gemeinschaftlicher Tat durch einen Schuß in den Rücken getötet zu haben, zu je zwölf Jahren Zuchthaus und je zehn Jahren Ehrver- „ lust.
Urteil im Kommunistenprozeß Kerber.
Das Schwurgericht des Berliner Landgerichtes verurteilte in dem Prozeß wegen des kommunistischen Feuerüberfalles auf das SA.-Heim in der Bohen-Straße den Hauptangeklagten Kerber wegen versuchten Totschlages zu zehn Jahren Zuchthaus, den Angeklagten Klapper zu einem Jahre Gefängnis, die übrigen Angeklagten zu zwei Jahren Gefängnis.
Hinrichtung in Hamburg.
Die Staatliche Pressestelle in Hamburg teilt mit, daß das Todesurteil gegen Wilhelm Volk, den Mörder des Polizeihauptwachtmeisters Stefan K o p k a, auf dem Hof des Untersuchungsgefängnisses vollstreckt worden ist.
Einbrecherbande fcstgenommen.
Die Kriminalpolizei in Recklinhausen hat eine IStöpfige Einbrecherbande festgenommen, die insgesamt 130 Wirtschasts- und Geschäftseinbrüche ausgeführt hat. Die Bande stand unter der Führung zweier erheblich vorbestraften kommunistischen Funktionär^_____________________________________________
Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumschein.
Der Jünger.
Don Ernst Wiechert.
In dem Jahre, da man allenthalben in der Welt mit Messen und Symphonieen, mit Quartetten und Sonaten das Gedächtnis des vor hundert Jahren verklärten Beethoven feierte, machte sich eines Morgens der hochbetagte Schulmeister des ärmsten deutschen Dorfes im Norden der Ku- rischen Nehrung aus die Wanderung, um in vier langen Tagesmärschen die Stadt zu erreichen, in der ein großer und weitbekannter Pianist die vier letzten Sonaten des Toten einer frommen Gemeinde darbieten wollte.
Der Schulmeister, obwohl von Kind an ein sonderlicher und weltabgewandter Mensch, hatte sich trotzdem mit den Widerständen des Lebens nicht ohne Erfolg abgefunden, bis die politische Verworrenheit seiner Heimaterde und der Tod seines Vaters, dessen Schuldenlast er übernahm, ihn aller bescheidenen Behaglichkeit beraubt und ihn in eine Dürstigkeit verseht hatte, die kaum mehr als Bank und Bett ihr eigen nannte. Seine Rechtlichkeit hatte beim Verkauf seiner Habe nichts fest- gehalten als die vielfach vererbten und gänzlich zerlesenen Klavierwerke eben Deethovens, und am Beginn seines neuen Lebens stand er da wie ein Mensch, dem sie die Hände abgeschlagen, weil er nach dem Verlust seines alten und zerspielten Flügels sich ihrer gar nicht mehr bewußt war.
Doch hatte er mit der stillen Heiterkeit der geistlich Armen auch dieses ertragen, des Unverlierbaren eingedenk, das er an Worten Gottes und weniger Menschen und an ihren Melodien besaß, und ein ganzes Jahr lang Pfennig auf Pfennig gelegt, bis er, nicht ohne Gewissensbisse, die beseligende Konzertkarte in seiner Tasche trug.
So schritt er denn, nachdem er die Fischerkinder in die Ferien entlassen hatte, in dein langen Rock seines Großvaters und den schweren Schuhen seines rauhen Landes die sanft sich begrünende Nehrung hinab, die Hände auf dem schon gebeugten Rücken und das graue, bis auf den Rockkragen reichende Haar vom Winde leise gerührt. In den wenigen, gleichsam auf einen dünnen Faden gereihten Dörfern fand er Speise und Tlnterkunft bei seinen Amtsbrüdern, gelangte ohne Behinderung über die Grenze und traf so, ermüdet, aber mit hellem innerem Leben, am Abend des vierten Tages vor der Konzerthalle ein, als die ersten Besucher sich gerade zögernd zum Eintritt sammelten.
Ein wenig verwirrt von dem Glanz des Saales und seiner Menschen, der nach dem einsamen
Wandern zwischen Himmel und Meer ihn doppelt bedrückte, sah er dann in der ersten Reihe des Raumes, die Hände gefaltet und den Blick mit lächelnder Wehmut auf den drohenden Glanz des Flügels.gerichtet, der in unerbittlicher Strenge seine Form über das leere Podium hob, einem Heiligtum gleich, das des Priesters wartet. Wohl streifte ihn mancher verwunderte Blick, da seine Erscheinung einer vergangenen Zeit zuzugehören schien, doch erstarb jedes Lächeln auf spöttischen Lippen, wenn unter der reinen Stirn die Augen eines Kindes sich aufschlugen und mit sanfter und fast demütiger Frage sich zu den Neugierigen wendeten.
Und dann stand der Geist des Toten auf, und der Atem seines Mundes ging über die tief gebeugten Häupter. Cs war nun nicht mehr, als brennten die hundert Kerzen im Saal mit dem milden Licht einer menschlichen Erde, sondern als schimmerten die Sterne eines ungeheuren Weltenraumes hoch aus dem llncr- messenen, und unter ihrem kalten Glanze beginne und vollende sich, was zwischen Chaos und Schöpfung liege. Das Vergessene wie das nie Gewußte hob sich aus dem Dunkel und der Sage: das Lächeln des Kindes, das ihnen ferne war, und der Zorn des Gottes, der die Erstgeburt schlug, der Gram der Könige und der Schrei eines Vogels über herbstlichem Wald. Sie saßen gebeugt wie im Staub und Dunkel einer Wüste, und über ihnen loderte der Dornbusch im Feuer und Gottes Hand schlug an die ehernen Tafeln und der erzene Ton unwandelbarer Gebote stürzte über sie nieder wie ein Strom von glühender Lava, Llnd sie verbrannten in ihr, ohne Grauen und ohne Schmerz, weil sie zu Gottes Füßen lagen.
Als es zu Ende war, die Töne wie der Jubel des Dankes, und der Saal sich verdunkelte, sah der Schulmeister noch immer auf seinem Platz, die Augen aufgehoben zu der nun schweigenden Schwärze des Flügels, der verstummt war gleich einem mächtigen Toten, aus dessen Antlitz es nur noch nachleuchtet wie von einem Gewitter. Er hätte kaum selbst zu sagen vermocht, was durch ihn gewandelt sei in dieser heiligen Zeit, ob das Dampfen der Düne vor seinem sterbenden Dorf oder der Schrei des Meeres oder das Bild seiner leeren Stube, an dessen dunkle Fenster der Tod sich stahl'. Er wußte das alles nicht. Nur daß ein Schwert seine Seele durchbohrt hatte wie jener Mutter Gottes, das glaubte er zu wissen Und daß es schön sein würde, nun ganz allein unter den
Sternen die Düne entlangzugehen, immer weiter nach Norden, über die Grenze in ein fremdes Land, und doch ohne Grenzen erfüllt von diesen Tönen, die alles bedeckten, was Menschenhand erfand. War nicht auch jener arm gewesen und einsam im dunklen Gemach? War er nicht taub gewesen und ein Gast des Himmels wie der Hölle? Und alles was er besah, war es nicht in die Wurzel seines Baumes hinabgesunken, während die Blätter starben und die Zweige verwehten?
Er lächelte, als der Saaldiener ihn zum Gehen mahnte, ein etwas trauriges aber nicht bitteres Lächeln, und mit demselben Lächeln ging er den langen, einsamen, sturmüberbrausten Weg zu seinem Dorfe zurück. Er lieh sich nun mehr Zeit als vorher, und allabendlich, bevor er zu den Dörfern niederstieg, stand er eine Weile auf dem Kamm der Düne, wo Haff und Meer sich grau und weit erstreckten und der Sand wie Säulen über die bleichen Berge schritt. Er blickte vor sich hin nach Norden, wo das Leuchtfeuer seines Dorfes über dem grauen Wasser stand, und sah sein Leben sich neigen zwischen jenen Bergen, wo der Wind den Sand von den Hängen trieb und der Elch in den Nächten über die Dünen schrie. Er stand da, ein wenig gebeugt, das Haar über die Stirn geweht und die Hände auf dem Rücken zusammengelegt, nicht unähnlich dem grohen Toten, von dessen Gedächtnis er kam und dessen Klänge gleich einer Flamme ihn wärmend erfüllten. Aber über dies hinaus trug er von jener Feier etwas Köstliches mit sich heim: ein untrügliches Bewuhtsein, dah dort in jenem glänzenden Saal unter dem Brausen der Melodien eine kühle Hand sich auf die seine gelegt hatte, als neige sie sich zu den, geflüsterten Worten: „Mein Bruder ... auch du bist von Gott ... auch du ...“
Die Fischer des einsamen Dorfes aber, die um die Mitternacht zum Fang hinausgingen, verhielten den Schritt, als sie in ihres Schulmeisters Stube wieder ein Licht erblickten, traten näher im tiefen Sande und sahen ihn wieder vor dem hölzernen Brett sitzen, das jedem Kinde ehrfürchtig bekannt war und das doch weder Saiten noch Töne besah, sondern nur mit schwarzem und weihem Papier gleich Tasten beklebt war. Darüber stand neben einer niedrigen Kerze ein zerrissenes und vielfach geklebtes Notenheft, und davor sah der Schulmeister mit geneigter Stirn, und seine alten, schon etwas unruhigen Hände glitten in demütiger Bewegung über das starre Holz, es hier sanft streifend, dort lange wie
nachklingend verharrend, während sein Ohr den unhörbaren Tönen nachlauschte und um seine Lippen die Gebärde des Rufers war, der am Ufer eines breiten Stromes steht, während jenseits der rauschenden Wasser eine andre Stimme erklingt und die Worte, fern und verschleiert, eine schwanke Brücken bilden, über deren Bogen Frage und Antwort verwehend wechseln.
Oie fliegende Schlange
Fliegende Fische, die sich aus dem Wasser auf- schnellen und mittels großer Brustflossen, die sie als Gleitflügel benutzten, wieder in das Wasser zurückschweben, kennt man seit langem. Nun hat man auch vor kurzem auf dem Bismarckarchipel, einer Inselgruppe bei Neu-Guinea, die früher deutscher Kolonialbesitz war, eine neue Schlangenart gefunden, die imstande ist, in ähnlicher Weise, wie man sie von den fliegenden Fischen her kennt, Gleitflüge auszuführen. An den beiden Seiten ihres Körpers trägt sie Gleitflächen, die sie befähigen, von sehr hohen Bäumen, auf denen sie lebt, im Gleitflug auf die Erde herab- zusliegen. Man hat Flüge dieser Schlange aus einer Höhe von über 20 Meter beobachtet. Dr. G.
Zeitschriften.
— 3m Augustheft der „Deutsche Zeitschrift" (Verlag Callwey, München) zeichnet u. a. Max Clauß den „Grundriß des neuen Volksstaates", mie ihn die nationalsozialistische Umwälzung in ihrem ersten Abschnitt geschaffen hat, als tragenden (Bruni) für kommende Werke. In dem Aufsatz „Das Ewige und der Augenblick" läßt Wilhelm Michel die Art der Geschichtsschau Friedrich Hölderlins aus feinen Dichtungen erkennbar werden, verdeutlicht er ihren seherischen, unsere Gegenwart mit klaren Zügen oorausdeutenden Fernblick, ihren frommen Ernst und heroischen Enthusiasmus. „Vom kommunistischen zum faschistischen Manifest" betitelt sich ein, Beitrag von Michael Freund, worin der Verfasser die geistige Distanz ausmißt zwischen der marxistischen Verheißung und der Kundgebung Mussolinis in Form eines von ihm für die italienische Enzyklo- pädie verfaßten Aufsatzes über die politische Lehre des Faschismus. Den Dichter Paul Ernst würdigt als Verkünder einer strengen sittlichen Weltanschau- ung Peter Muthmann. Ulrich Christofsel deutet Form und Wesen des Eskorial, dieses „herrlichsten und traurigsten Bauwerks der Renaissance". Eine aktuelle Darstellung der Beziehungen zwischen „Deutschland, Oesterreich und Ungarn" von Karl Megerle, Abhandlungen über „Alte Musik und Volksmusik auf Schallplatten", über Theaterfragen und „Neue Lyrik" beschließen das gehallvolle Heft.


