Ausgabe 
9.3.1933 Frühausgabe
 
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Nr.58 Krübaussabe

185. Jahrgang

Donnerstag, 9. März 1955

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GietzemrAMger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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Chefredakteur

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THynat; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und <ür den An­zeigenteil i. D. Th.Kümmel sämtlich in (Biegen.

Die Eröffnung des Reichstags.

Nur die erste Sitzung in der Potsdamer Garnifonkirche.Arbeitstagung im Berliner Krott­theater.Begrüßungsansprache des Reichspräsidenten.

Die amtliche Mitteilung über den Verlauf des Staatsakts

Berlin, 8. Mär;. (TU.) Amtlich wird mil- gefeilt: Der Reichskanzler hat mit dem Reichs­tagspräsidenten Göring und dem Reichsminister des Innern Dr. Frick die Garnisonkirche in Potsdam besucht, um sich über die Vorbe­reitungen für den anläßlich der (Eröffnung des Reichstages dort stattfindenden feier­lichen Staatsakt mit den in Betracht kommen­den kirchlichen und staatlichen Stellen zu befprechen. Als Vertreter der Kirche waren der Präsident des evangkl Ichen Oberkirchenrates Dr. Dr. Kapier ud der geistliche Vizepräsident Dr. Burghart er­schienen. 3m Anschluß an den Besuch der Garnifon­kirche wurde der Lange Stall in Potsdam, dann das Krolltheater in Berlin besichtigt, die beide für die Vollsitzungen des Reichstages in die engere Wahl kamen. Die Entscheidung fiel zugun­sten des Krolltheaters, da der befchleunigte Zusammentritt des Reichstages dringend geboten und der Ausbau des Langen Stalles einige Wochen beanspruchen und auch mit recht erheblichen Kosten verbunden ist. Der Zusammentritt des Reichstages soll möglichst beschleunigt werden.

Die üblichen Erössnungsgottesdienste werden für den evangelischen Teil in der Riko­la i k i r ch e, für den katholischen Teil in der katho­lischen Stadtpfarrkirche in Potsdam stattfinden. An dem Erösfnungsgottesdienst in der Rikolaikirche wird der Herr Reichspräsident keilnehmen. Rach Beendigung der Gottesdienste ziehen die Teilnehmer in geschlossenen Zügen unter dem Geläute aller Glocken Potsdams in öie (Bar­nis o n k i r ch e. Dort findet ein Staatsakt statt. Der Herr Reichspräsident wird eine Begrü­ßungsansprache halten und alsdann dem Herrn Reichskanzler das Wort zur Abgabe der Regierungserklärung geben. Der Staatsakt wird von Kirchenmusik umrahmt fein. An­schließend an den Staatsakt begibt sich der Herr Reichspräsident allein zur G r u s k, wo er zwischen den Särgen Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs des Großen einen Lorbeerkran; nieder­legt. 3m Anschluß daran schreitet der Herr Reichs­präsident vor der Kirche dieFrontderEhren- f o m p an i e ab. hieran schließt sich ein Vorbei­marsch der Ehrenkompanie. Rach Abschluß der Feier in Potsdam begeben sich Reichsregierung und Ab­geordnete ; u r Eröffnungssitzung nach Berlin. Es ist anzunehmen, daß die (Eröffnung voraussichtlich am 21. März ffattfinöen wird.

Das Ermächtigungsgesetz.

Hitler oder Papen M'nislerpräsident in Preußen.

(Berlin, 8.März. Das angekündigte Der» fas fungsändernde E r m ä ch t i g u n g s - gefetz wird, wie dieDAZ." hört, Vollmachten enthalten, die eine Aufhebung einzelner Teile der Verfassung ermöglichen. Sn den nächsten Tagen ist die Aufnahme der Ver­handlungen mit dem Zentrum zu er­warten. Eine inoffizielle Fühlungnahme ist wohl bereits erfolgt, allerdings vorwiegend auf dem -Wege über Preußen. Ebenso finden Unterhaltun­gen über die Ministerpräsidentenwahl in Preußen statt, an der auch maßgebende Mitglieder der nationalsozialistischen Preußen- fraktion beteiligt sind. Heben der schon verzeich­neten Absicht, den Vizekanzler vonPapen zum Ministerpräsidenten zu machen, steht jetzt der Plan im Vordergrund, daß der Reichs- kanzler persönlich gleichzeitig Ministerprä­sident in Preußen werden soll. Hierbei wird an ein Wiederaufleben der Bismarck- f eben Verfassungsverhältnisse ge­dacht.

Die Vorbereitungen für die Errichtung des Ministeriums für Propaganda und nationale Kultur" sind im Gange. Diese Zentralstelle wird Rundfunk, Film. Theater Mu­seumswesen und Auslandspropaganda einheitlich betreuen. Shr "eingegliebcrt wird wahrscheinlich die Reichszentrale für Heimat dien st. Fraglich ist es aber offenbar, ob die Presse- a6 teilung in dieses Ministerium eingegliedert ist. Als sicher kann es gelten, daß Dr. Goeb­bels die Leitung des Ministeriums erhalt. Er dürfte dann einen deutschnationalen Staatssekre­tär erhalten. DieDAZ." nennt in diesem Zu­sammenhang den Hamen des deutschnationalen Abgeordneten Schmidt (Hannover).

Eine Antwort Görings an das Zentrum.

Berlin, 8.März. (WTB.) Der Zentruiys- abgeorönete S o os hat aus Köln folgendes Tele­gramm an den Reichsminister Göring gerichtet: Hebertoiegenber Teil der Bevölkerung ist mit Hissung von Halenkreuzfahnen auf

I staatlichen und Kommunalgebäuden durch Organe der RSDAP. unter keinen Um» 1 ständen einverstanden. Zentrumspartei verlangt Anordnung der sofortigen Einziehung und Durchführung der Anordnung unter Einsatz der für den Schutz aller Bürger bestimmten Polizei.

Reichsminister Göring hat wie folgt geant­wortet: Der überwiegende Teil der deutschen Be­völkerung hat sich am 5. März zur Haken­kreuzfahne bekannt. Ein verschwindend kleiner Teil der deutschen Bevölkerung stimmte .für das Zentrum. Sch bin dafür verantwortlich, daß der Wille der Majorität des deutschen Volks gewahrt wird, hingegen nicht die Wünsche einer Gruppe, die anscheinend die Zeichen der Zeit noch nicht verstanden hat.

Zlaggen-Zwischenfall in Koblenz.

Koblenz, 8. März. (TTi.) Sm Anschluß an die Hissung der Hakenkreuzfahne auf dem Koblenzer Rathaus kam es am Mittwochnachmittag zu einem Zwischenfall, als ein nationalsozialistischer Führer der auf 10 000 Personen angewachsenen Menge befanntaab, daß der Oberbürgermeister gedroht habe, die Hissung der Hakenkreuzfahne auf dem Rat­haus durch Polizeibeamte verhindern zu lassen. Die Menge forderte unter stürmischen Rufen, daß der Oberbürgermeister aus seinem

Ruhe in Hessen.

Erhöhte Alarmbereitschaft der Polizei aufgehoben.

Zn Anbetracht der ruhigen Verhältnisse im Lande Hessen hat der Inhaber der Polizeigewalt, Dr. Mül­ler, die erhöhte Alarmbereitschaft bei der hessischen Sicherheitspolizei a u f g e h o b e n. Es tritt wieder normaler Dienst ein. Das Gerücht, daß der Darmstädter Polizeidirektor Dittmar durch den nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten

Dr. Müller, der Inhaber der Polizeigewatt in Hessen.

Hauptmann a. D. Wassung ersetzt worden sei, trifft nicht zu. Zum Leiter des Landes- kriminalpollzeiamts, das dem Inhaber der Polizeigewalt direkt unterstellt wurde, ist Re­gierungsrat S ch ne i d e r bestellt worden. Schnei­der leitete wahrend der Separat'stenzeit die Ab- wchrstelle der Regierung und war unter dem Na-

Amtszimmer geholt werde. Vier SA.- Leute begaben sich in das Amtszimmer des Bür­germeisters und führten diesen an das Balkon­fenster. Die Menge brach in stürmische Pfuirufe aus. Der Oberbürgermeister muhte dann eine etwa Dreiviertelstunde dauernde öffentliche An­klagerede eines nationalsozialistischen Führers von einem gegenübcrlieacnöen Balkon aus über sich ergehen lassen. Die Menge zollte dem Redner stürmischen Beifall.

Nationale Kundgebung der Berliner Jugend.

Berlin, 8. März. (ERB.) An sämtlichen preußischen Schulen fiel auf Anordnung des preußischen Kultusministers wegen des großen Wahlsieges der nationalen Parteien der Un­ter ri cf) t aus. Sm Lustgarten sammelte sich die Berliner Sagend äu einer Massenkund'* g e b u n g. Auch die Kleinsten mit Vätern und Müttern nahmen an dem Massenaufmarsch teil. Ein langer Zug Sungen und Mädchen mit Hakenkreuzsahnen durchzog die Linden. Vom Bal­kon des preußischen Snnenministeriums wurde er vom Reichs Minister Göring begrüßt. Der Zug bewegte sich daraus durch die Snnenstadt und kehrte zum Lustgarten zurück, wo er sich auf* löste.

menEäpten" (Schneider war Kapitän zur See) in Separatistenkreisen gefürchtet.

Aus die zahlreichen Anzeigen von Waffen- und Sprengstofflagern bei Kommunisten und Sozialdemokraten hat das Lon- deskriminalpolizeiamt eine umfangreiche Tätigkeit entwickelt. Der Geist, aus dem die Anzeigen an die Polizei und die starke Mitarbeit des Publikums entspringen, ist zwar außerordentlich zu begrüßen, hat jedoch in vielen Füllen zu keinem Ergebnis geführt. Selbstverständlich geht die Polizei allen Angaben nach. Bisher wurden keine größeren Wasfenbeschlagnah- m ungen oder Waffenfunde gemacht, es handelt sich vielmehr um einzelne Waf­fen und Munitionsbestände. Einige Funde werden zur Zeit noch von den Chemikern des Polizeiamts untersucht. Es ist richtig, daß einige Kommuni­sten verhaftet worden sind. Auch der Führer des Reichsbanners, Lehrer Rosar, ist in Schutz­haft genommen worden.

Der neue Hamburgische Senat.

Alle Parteien von NSDAP, bis Ltaais- partei vertreten.

Hamburg. 8. März. (TU.) Am Wittwoch- nachmittag fand die Heuwahl des Hamburgischen Senats statt. Zur Sitzung der Bürgerschaft war die kommunistische Fraktion nicht erschienen. Prä­sident Ruschewey machte Mitteilung von dem Ausscheiden der sozialdemokratischen Senatsmit­glieder und der Amtsniederlegung des ersten Bürgermeisters Petersen. Der Sozial­demokrat Podeyn erklärte für seine Fraktion, daß diese sich nicht an der Senatswahl beteiligen werde. Es wurden dann gewählt:

Die Rationalsozialisten Karl Vincent Krogmann (1. Bürgermeister), Alfred Rich - t e r (Polizeibehörde), Dr. Rothenberger (Sustiz- und Gesundheitsbehörde). Dr. Oster- dinger (Hochichulbehörde), Wilhelm v. All­wörde n (Wohlfahrtsbehörde), Dietrich W. C n° gelten (Deputation für Handel, Schiffahrt und Gewerbe);

die S t a h l h e l m e r Hans v. Pressentin (Arbeitsbehörde) und Philipp K l e p p (Land- herrenschast);

die Deutschnationalen Max Staven- Hagen (Baubehörde) und Karl Witt (Schul­behörde);

der Doltspartciler W. A. Durchardt- Motz (2.

der Staatsparteiler Dr. Matthä ei (Finanzdeputation).

Der Sieg der nationalen Einigung und die Reu- wahl des Senats wurden von Hamburgs Bevöl­kerung begeistert gefeiert. A u f dem Rat­hausmarkt sand eine Kundgebung statt. Um 15 Uhr marschierten die SA. und SS., der Stahlhelm und mehrere Hundertschaften Polizei auf, die von einer riesigen Menschenmenge mit Heilrufen begrüßt wurden. Als der neue Se - n a t mit Bürgermeister Krogmann an der Spitze auf dem Balkon erschien, wurde er von den Menschenmassen stürmisch begrüßt. Rachdem sich der Subei gelegt hatte, spielten mehrere Ka­pellen den ChoralHun danket alle Gott', wor­auf Gauleiter Kaufmann und Bürgermeister Krogmann vom Balkon des Rathauses herab An­sprachen hielten. Rachdem die Menge die erste Strophe der Hamburger Rationalhymne gesungen hatte, gingen unter den Klängen des Deutschland- Liedes und dem Glockenläuten sämtlicher Kirchen an den Fahnenmasten die schwarzweißrote und die Hakenkreuzfahne hoch. Dieser Akt wurde von der Bevölkerung mit ungeheurem Subei begleitet. Bürgermeister Krogmann brachte dann ein Hoch auf Hamburg, Gauleiter Kaufmann ein Hoch auf den Reichspräsidenten, den Kanzler und das deut­sche Vaterland aus. Mit dem Horst-Wessel-Lied fand die Kundgebung ihren Abschluß.

Bestellung weiterer Aeichstommiffare fürdiepolizeibefuaniffe in den Ländern

B e r l i n , 8. Mär,. (WTB.) Auf Grund der Hol- Verordnung ;um Schuh von Volk und Staat hat der Reichsminister des 3nnern die Polizeibefugniffe in Schaumburg - Lippe, Baden, Württemberg und Sachfen übernommen. Zu Beauftragten des Reiches sind vom Reichsinnenminister ernannt worden für Schaumbur g-L ippe Beigeordneter Matthäi aus Marl bei Recklinghausen, für Baden badischer Landtagsabgeordneter Wagner, für Württem­berg Reichslagsabgeordneter von 3agow, bis­her Eßlingen, für Sachfen Reichslagsabgeordnetec Freiherr von killinger.

Vereitelter Dynamitanschlag auf die Wehtauer Brücke.

Königsberg, 8. März. (ERB.) Sn der Rähe des Bahnhofs Wehlau (Strecke Königs­bergEtzdtkuhnen) wurden zwei Männer verhaftet, die einen Sprengkörper vergraben hatten. Den Sprengstoff hakten sie von dem in Wehlau wohnenden Schlosser Thiel. Bei der Haussuchung in dessen Woh­nung sand man eine mit Sägespänen ausgefüllte Holzkiste, in der noch einige Rollen Dy­namit eingebettet waren. Die vorgefun­dene Verpackung läßt jedoch darauf schließen, daß sich in dieser Kiste noch etwa 20 bis 30 Pfund Dynamit befunden haben, die vollständig ausgereicht hätten, um die Eisen* bahnbrücke in die Luft zu sprengen. Aus einer noch in der Kiste befindlichen Deklara­tion über den Snhalt geht weiter hervor, daß sie nicht allein Dynamit, sondern auch einige hundert Zünder und Zündschnur enthal­ten hat.

Sn Lobenstein (Thüringen) entdeckte man bei einer Haussuchung im Anwesen der Witwe Knörner ein kommunistisches SPreng­st o f f l a g e r. Man fand ein Holzfaß, enthaltend 3 Kilogramm Schwarzpulver, 80 Sprengkapseln und verschiedene Waffen. Als Täter und Mit­wisser eines Sprengstoffdiebstahls in einer Dach­ziegelei. wurden ein Schmied und der 17jährige Sohn der Witwe Knörner ermittelt. Die Täter sind Mitglieder der KPD. Die Spreng­stoffe sollten während einer nationalsozialisti­schen Versammlung zur Sprengung des Rathauses und des Kurhauses dienen.

SA Leute in Breslau beschossen.

Breslau, 8. März. (TLl.) Als am Mitt­wochfrüh ein Zug SA. in Stärke von etwa 250 Mann am Breslauer Gewerkschafts­haus in der Margaretenstrahe vorbeimarschierte, wurde er aus dem zweiten Stock des Gewerk­schaftshauses beschossen. FünsSA. - Leute wurden durch Kops- und Schulterschüsse schwer verletzt. Der 20jährige Herbert Wellisch ist inzwischen seinen schweren Verletzungen erle­gen. Die SA. sowie inzwischen eingetroffene Schutzpolizei besetzten das Gewerk­schaf t s h a u s und nahmen hier und im ge­genüberliegenden Hause Durchsuchungen vor. Bis­her wurden 13 Personen verhaftet. Aus dem Ge­werkschaftshaus wurde die Hakenkreuzsahne auf­gezogen. Bei der Säuberung des Gewerkschafts- Hauses, aus dem geschossen worden war, wurde der Sohn des Oekonomen des Gewerkschastshauses erschossen. An einer anderen Stelle der Stadt geriet um die Mittagsstunde einBauarbeiter mit politischen Gegnern in einen Streit, in dessen Ver­lauf er einen Messerstich in den Rücken und eine Schuhverlehung erhielt, an deren Fol­gen er starb.

Llebersall auf den peruanischen Konsul in Bremen.

Bremen, 8. März. (TTi.) Von der Polizei wird mitgeteilt:3u einem bedauerlichen Zwi­schenfall kam es am Mittwochnachmittag in der Schillerstrahe. Der Konsul von Peru wurde von einem unbekannten Täter überf allen

und am Auge verletzt. Der Täter soll e i n Bürgermeister und Sugendbehörde); ' Hakenkreuzabzeichen getragen haben.

Der Kurswechsel in den Ländern.

Reichskommissar Dr. Müller vereidig! durch Handschlag die hessische Hilfspolizei.