Ausgabe 
8.8.1933 Erstes Blatt
 
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Gegen Festlegung von Mindestpreisen für landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Stellungnahme

des Landesbauernführers Dr. Wagner.

WSN. F r a n k f u r t a. M.. 7. Rüg. Der San- des-Bauernführer Dr. Wagner, der im Rhein- Main-Gebiet den ersten deutschen Bauernstand gründete, wendet sich in einem Artikel gegen hier und dort in der Landwirtschaft auftauchende Wünsche auf Festlegung von Win­de st p r e i s e n für landwirtschaftliche Erzeug­nisse. Diese Mindestpreise, welche ein Fallen der Getreideprcise verhindern sollen, entsprechen nach den Ausführungen des Landes-Bauernführers dem Wirtschaftsdenken eines abgeschlossenen Zeit­alters.Man muh", so führt Dr. Wagner aus,mit den unnatürlichen Hilfen, die doch nie zum Ziele führen, unbedingt brechen. Die natio­nalsozialistische Agrarpolitik wird den ganzen Be­reich der bäuerlichen Erzeugung nach o r g a - nischen Gesetzen einheitlich lenken, die dem gesamten Bauernstand die Rentabilität verschaffen. Das Denken, das nur auf die Fest­setzung von Mindestpreisen für Getreide gerichtet ist, st eht im Gegensatz zu der um f a s- senden Neuordnung derbäuerl i ch en Erzeugung, die allein nach dem Grundsatz der Bedürfnisse und zugleich der Derwertungs- möglichkeit unserer Nationalwirtschaft aufgebaut sein muh."

Der Bauernführer wendet sich in diesem Zu­sammenhang an seinen kürzlich erfolgten Aufruf und fordert zu dessen Befol­gung auf. Dr. Wagner erklärt im Verlaufe seiner Ausführungen, daß der deutsche Bauer nicht unter dem Schuh von Mindestpreisen unter der Vormundschaft des Staates taglöhnern, son­dern in Freiheit, Selbstverantwort- l i ch k e i t und nach eigenem eisernen Willen unter dem Schuh des Nationalsozialis­mus an dem Aufbau und dem ewigen Bestand unseres dritten Reiches Mitarbeiten soll.

Oie Zusammenarbeit der Frauen.

M ü n ch e n, 7. 2lug. (CNB.) Die Reichsstelle der Reichsjugendführung gibt imVölkischen Beobachter" bekannt:

Um eine dauernde enge Zusammenarbeit zwischen der Reichsarbeitsgemeinschaft deut- scherFrauenverbände und den dem Jugend» führer des Deutschen Reiches unterstellten weib­lichen Jugendorganisationen, insbeson­dere dem Bund deutscher Mädel, zu gewährleisten, hat der Jugendführer des Deutschen Reiches auf An­regung des Reichsinnenministeriums eine von ihm beauftragte Vertreterin in den Vorstand der Reichsarbeitsgemeinschaft entsandt. Damit ist die Gewähr für eine erfolgreiche gemeinschaftliche Arbeit der deutschen Frauen- und Mädchenorganisationen gegeben.

23 Kommunisten in Breslau festgenommen.

Breslau, 8. Aug. (WTB.) Am Montag wurde in Breslau eine große Aktion der Polizei mit Unter­stützung der SA. durchgeführt, bei der 23 K o m - i.: uni ft en fest genommen wurden. Bei der Durchsuchung der Wohnungen und Schrebergärten wurden illegale Schriften und Hiebwaffen beschlag­nahmt.

27KommunisteninBonn festgenommen

Bonn, 7. Aug. (WTB.) Umfangreiche Ermitt­lungen und Beobachtungen der Bonner politischen Polizei führten zur Fe st nähme von 27 Kom­mun i st e n, die in letzter Zeit versucht hatten, die Kommunistische Partei in Bonn neu erstehen zu lassen. Weiterhin stellte die Polizei eine große Menge Flugblätter und Plakate sicher, die an einen Bonner Kaufmann geschickt worden waren und an die kommunistischen Funktionäre verteilt werden sollten.

Das Wunder der Magussi Weiser

Vornan von Fr. Lehne.

Urheberschutz durch C. Ackermann, Stuttgart.

4. Fortsetzung. Nachdruck oerbotenl

Ob du noch so sprechen wirst, wenn ich dir sage, daß du dann ausgehört hast, meine Tochter zu sein, und daß du nichts, gar nichts zu erhoffen haft? Für Räuberromantik ist in unserem nüchternen Kauf- mannshause kein geeigneter Boden."

Starr sah er sie an, die Wirkung seiner Worte beobachtend.

Magussi wurde blaß: ein bitteres Lächeln zog ihre Mundwinkel herab. Sie legte die Hand gegen die Stirn.

Darum gleich verstoßen werden, wenn man sich nicht sklavisch den Anordnungen der Eltern fügt? Und das nennt man Elternliebe!" Sie warf den Kopf zurück,sei es drum! Ich verzichte auf alles! Gar nichts will ich von euch als meine Frei­heit! Und lässest du sie mir nicht, Vater, so nehme ich sie mir als mein Menschenrecht, das erwidere ich dir auf deine Drohung, die verzeihe! sehr un­vornehm ist! Mir liegt nichts an deinem Geld und Gut! Ich werde imstande sein, mich selbst durch­zubringen, in meiner Kehle ruht ein Vermögen, wenn ich praktisch denken will! Doch die Hauptsache ist mir, daß ich mich künstlerisch ausleben kann! So jetzt erlaubt ihr wohl, daß ich schlafen gehe! Gute Nacht, Vater, gute Nacht, Mutter!"

Ohne ein weiteres Wort der Eltern abzuwarten, verließ Magussi das Zimmer.

Unerhört!" stieß der Kommerzienrat zwischen den Zähnen hervor. Leise weinte Frau Maria vor sich hin.Warst du nicht zu hart und zu streng?"

Nur mit Härte und Strenge kann man Magujsis Eigensinn brechen und ihr die romantischen Gedanken aus dem Kopfe treiben. Ich habe nicht Lust, unsere Einzige in kurzen Röckchen oder Hosen auf der Bühne zu sehen als Schauobjekt vieler Hunderte von Augen.

Allerdings hätte ich nicht gedacht, daß der Theatergedanke so fest in ihr verankert ist. Der muß ausgetrieben werden, darum soll sie so schnell wie möglich heiraten. Weine nicht. Maria! Die so ver­wöhnte Magussi wird sich schon überlegen, was es heißt, ohne die geringste Unterstützung vom Eltern­hause die sogenannte.Freiheit' zu genießen."

Frau Maria seufzte tief auf. Sie wagte kein Wort für Magussi zu sprechen, um den Gatten nicht noch mehr gegen die Tochter aufzubringen.

Er stand auf.Willst du schlafen gehen, Maria? Ich habe noch allerlei zu erledigen; es wird heute spät für mich. Noch eins: gib, bitte, streng Obacht,

lleberfatt auf SS.-Leute.

Ludwigshafen, 7. Aug. (WSN.) In der Nacht zum 6. August wurden auf z w e i u n i f o r - mierte SS.-Leute beim Riedsaumpark zwei scharfe Schüsse abgefeuert. Die SS.-Leute wurden nicht verletzt. Die bisherigen Erhebun­gen haben ergeben, daß die Täter in kommunisti­schen Kreisen zu suchen sind. Im Zusammenhang damit wurden heute nacht 12 Kommuni st en im Stadtteil Friesenheim f e st ge n o m m e n. Sie wer­den, soweit sie wegen Mordversuchs nicht dem Strafrichter vorgeführt werden, in S ch u tz h a f t ge­nommen und nach Dachau übergeführt.

70 Meter hohes Hakenkreuz über Innsbruck.

Innsbruck, 7. Aug. (TU.) In der Nacht zum Samstag wurde auf einer Felswand an der Innsbrucker Nordkette ein riesiges Hakenkreuz aufgemalt, das in der ganzen Stadt und Umgebung weithin deutlich sichtbar war. Dar­auf veranstaltete, wie ein amtlicher Polizeibericht meldet, die Polizei am Samstagnachmittag in den Innsbrucker Schwimmbädern eine Razzia nach ehemaligen Mitgliedern der NSDAP. Es wurden 30 Personen fest genommen, darunter auch Innsbrucker Geschäftsleute. 27 von ihnen mußten am Sonntag unter Bedeckung von Gendarmen und Heimatwehr zur Nordkette auf- steigen und dort von der Felswand das mit Oel- farbe aufgemalte etwa 70 Meter hohe Hakenkreuz wieder wegputzen.

Sozialdemokratische Attacke gegen Oollsuß-plakate.

Wien, 7. Aug. (WTB.) Einem Bahnbeamten gelang es, vier Mitglieder des aufgelösten s o -

zialdemokratischen Schutzbundes da­bei abzufassen, wie sie eines von den jetzt an allen Litfaß-Säulen angebrachten Bildern des Bundeskanzlers Dollfuß beschmutzten und Hakenkreuze darauf malten. Die vier Marxi­sten, die die Nationalsozialisten belasten wollten, wurden verhaftet.

Oie französischen Beamten gegen eine Gehaltsherabsehung.

P a r i s, 6. Aug. (WTB.) Der Vorstand des A l t - gemeinen Französischen Beamtenver­bandes hat heute gegen den Plan der Regierung einer 10-v. H.° Herabsetzung aller G e h ci l- ter und Löhne Stellung genommen. Er kündigt an, daß die Beamten sich mit allen Mitteln gegen jedwede Kürzung ihrer Bezüge weh­ren würden.

Kleine politische Nachrichten.

Staatskommissar Engel, dem Gründer und Organisator der NSDO., ist von seinem Geburts­ort E r n st h a u s e n (Kreis Frankenberg) die Ehrenbürgerschaft verliehen worden.

Die Deutsche Frauenfront teilt, laut Preuh. Pressedienst der NSDAP., mit, daß der Frauenkongreh am 10. August nicht stattfindet, sondern verschoben ist.

Ministerialdirektor Metzer vom Auswärtigen Amt hat sich nach K o w n o begeben, um die Wirtschaftsverhandlungen mit Li­tauen fortzusetzen.

Aus aller Welt.

Dalbo-Geschwader auf dem Rückflug.

Wie ein Funkspruch aus Clarenville (Neufund­land) meldet, ist das B a l b o - G e s ch w a d e r heute nacht 2.45 Uhr örtlicher Zeit zum Rückflug aufgestiegen.

Ein Ehrenmal für die Gefallenen in Aachen.

Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Marienturm in Aachen ist nach Plänen von Professor Schnieders und Regierungsbau­meister Mommerh zu einem Krieger- ehrenmal umgestaltet worden, das von der Ludwigsallee hinüberschaut nach Eupen-Mal- medh. Am Gedenktag der siegreichen Kämpfe vor Lüttich, in denen die ersten Söhne der Kaiserstadt Aachen den Heldentod sanden, wurde das Ehrenmal seiner Bestimmung über­geben. Das stärkste Bollwerk der einstigen freien Reichsstadt wurde zum Gedächtmsmal der ge­fallenen Söhne der Stadt Aachen. Tausende und Abertausende aus der nahen und weiteren Um­gebung nahmen an den Feierlichkeiten teil. Die Stadt prangte im Festschmuck zahlreicher Fahnen.

Außenaufnahmen zum Horsl-Wefsel-Film.

Auf dem Horst-Wessel-Platz, dem ehemaligen Dülow-Plah in Berlin, wurden vor dem Horst- Wessel-Haus einige weitere Auhenaufnahmen zum Hör st- Wessel-Film gedreht. Es handelt sich um eine der Schlußszenen dieses großen Fil­mes, der von dem heldenmütigen Kampf der SA. um dasrote" Berlin berichtet. Dieser Teil des Filmes hält die beispiellosen Vorgänge fest, die sich bei dem Begräbnis des von der Kommune er­schossenen Horst Wessel abspielten. Der Trauer­zug wurde bekanntlich von Kommunisten ange­griffen. Dor dem mit roten Transparenten und Tod dem Faschismus" und dem Bilde Thäl­manns ausstaffierten Horst-Wessel-Haus, dem ehemaligen Karl-Liebknecht-Haus, hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, die diesen daß Magussi das Haus nicht verläßt. Sie darf jetzt keine Fühlung mit der Konsilius suchen; überwache auch ihre Telephongespräche."

In leichter Liebkosung glitt seine Hand über ihr schönes, bekümmertes Gesicht. Dann küßte er sie herzlich auf den Mund.Gute Nacht, Liebe! Schlafe gut!"

4. Kapitel.

Als ob sie schlafen könnte!

Frau Maria blieb lauschend vor der Zimmertür der Tochter stehen; durch die Türspalte fiel ein schwacher Lichtstreifen auf den roten Läufer des Kor­ridors. Sie hörte Magussi drinnen hantieren. Als sie den Türgriff niederdrückte, gab er nicht nach; Magussi hatte zugeschlossen. Sie klopfte.

Magussi, öffne mir, bitte!"

Einen Augenblick, Mama!"

Magussi ließ die Mutter eintreten.Verzeihe, Mama, ich habe es mir schon bequem gemacht!" Ihr schlanker, zarter Körper war von einem blauseidnen, gestickten Kimono umhüllt, über den das schöne, lichtblonde Haar in zwei dicken Zöpfen fiel; bild­hübsch und jung wie ein Backfisch sah sie aus.

Frau Buntes Augen überflogen den reizenden Raum, der in Weiß und Hellblau gehalten, mit seiner buntlustigen Tapete einen kleidsamen Rahmen für Magussis zarte Blondheit abgab. Es war nicht alles so ordentlich, wie sie sonst ihr Zimmer zu halten pflegte. Schubfächer waren aufgezogen; Kleider lagen auf dem Diwan und Bett, und ein geöffneter Koffer gab den Beweis daß Vorbereitungen zu einer größeren Reise getroffen wurden.

Was tust du noch, Magussi? Ich denke, du bist längst im Bett"

2Bie du siehst, Mama, ich packe!" erwiderte Ma­gussi ruhig,bitte, setze dich!" Sie nahm ein Päckchen feiner Battisthemden von einem Stuhl, um Oer Mutter Platz zu schaffen; dann suchte sie weiter im Kleiderschrank, sich nicht stören lassend.

Frau Bunte war entsetzt.Magussi, du hast doch nicht im Ernst den unglücklichen Gedanken, fort zu wollen? Das ist doch unmöglich"

nicht unmöglicher alsPapas Plan, mich gegen meinen Willen zu verheiraten."

Kind, du machst uns alle unglücklich!" rief die Kommerzienrätin händeringend,lasse ab von deinem Vorhaben! Wo willst du hin? Magussi, ich bitte dich flehentlich um meinetwillen, gib nacht Und du wirst den Himmel auf Erden haben! Eduard Weiser liebt dich; alles wird er für dich tun! Und wie glücklich wird Papa über diele Heirat fein!"

Nach meinem Glück fragt man aber nicht!" entgegnete Magussi mit tiefer Bitterkeit.Ihr habt euer Leben gelebt; das meine liegt noch vor mir, und ich will es mir nach meinem Geschmack ein­richten. denn i ch soll es leben!"

Beschwörend faßte die Kommerzienrätin Magussi an beiden Händen und zog sie zu sich heran.

Die Aufregung läßt dich nicht überblicken, wie folgenschwer der Schritt ist, den du tun willst! Kind,

hier im Film festgehaltenen Vorgängen aus der schmachvollsten Notzeit der Reichshauptstadt schweigend folgte.

Früherer Stinnes-Generaldirekior der Dilanz- fälschung angeklagt.

Nach Mitteilung der Justizprefsestelle Berlin ist es der Staatsanwaltschaft gelungen, noch rechtzeitig vor der Verjährung eine im Jahre 1928 begangene Bilanzfälschung großen Ausmaßes aufzudecken, die der frühere Generaldirektor des Slinnes-Konzerns, Friedrich Minoux, und der Kaufmann Ludwig begangen haben. Minoux wollte 1926 die Aktienmehrheit der Zigarettenfabrik Batschari in Baden-Baden erwerben. Wegen rück­ständiger Steuerschulden von nahezu 12 Millionen Mark machte Minoux den Aktienkauf von dem Ent­gegenkommen des Reichsfinanzministeriums ab­hängig, das der Firma Batschari gegenüber auf die Verzinsung der riesigen Steuerschuld verzichtete und sich mit der ratenweisen Tilgung in zehn Jahren einverstanden erklärte. Dieses Entgegenkommen be­nutzten die Angeklagten, um in der Sanierungs­bilanz nach Abschluß des Kaufvertrages eine Summe von 4,5 Millionen Mark als Gewinn zu verbuchen. DieserGewinn" wurde in der Weise errechnet, daß man die Zinsen der Gesamtschuld für die ganze Stundungsdauer von zehn Jahren feststellte und diese Zinsen als Rediskontkredit von der Gesamt­schuld abzog. Mit dem so erzielten Scheingewinn wurden dann bilanzmäßige Verluste aller Artaus­geglichen".

Acht Personen beim Baden in der Ostsee ertrunken.

Die bewegte See hat in den letzten Tagen in Ostpreußen eine Reihe Todesopfer beim Baden gefordert. Die Rettungsmannschaften der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft hatten in Rauschen unge­heure Arbeit zu leisten. Insgesamt konnten 19 Per­sonen geborgen werden. Vier Personen aus Königs­berg sind ertrunken. Im Ostseebad Cranz wur- törichtes, liebes Kind! Ich spreche als deine ältere, erfahrene, beste Freundin, als deine Mutter, zu dir, keiner meint es doch so gut wie ich! Gib nach! Füge dich! Sonst ich weiß nicht, was werden soll! Papa ist sehr erregt! Ich habe mich zu dir hergestohlen, er ist noch in seinem Arbeits­zimmer. Glaube mir, er hält, was er gesagt, beharrst du auf deinem Willen, so bekommst du nicht einen Pfennig, obwohl du sein alles bist, denn für wen arbeitet und schafft er, als nur für dich! Magussi, du, so zart und verwöhnt, wie willst du im Lebenskämpfe bestehen, es wird deine Kraft übersteigen!"

Dann ist es auch nicht schade, wenn ein Mensch mehr zugrunde geht. Solltest du nochmals mit Papa sprechen, so sage ihm, wie tief es mich em­pört hat, daß er mich wie eine Ware verhandelte, und daß die Gegenseite darauf eingegangen ist. Das hat mir Eduard Weiser, der mir bis jetzt nur gleichgültig war, beinahe verhaßt gemacht! Mein Bleiben bei euch ist für beide Teile unmöglich ge­worden, das mußt du einsehen, Mama! Morgen fahre ich darum nach Leipzig, um meine Gesangs­studien aufzunehmen."

Mein Gott, Kind, wovon willst du leben?"

Frau Maria hielt die Tochter fest im Arm. Sie hoffte durch überredende Güte Magussi zur Ver­nunft zu bringen. Strenge, Vorwürfe, Einschüchte­rungsversuche hätten deren Trotz und Eigensinn nur verstärkt, das hatte der Gatte nicht be­dacht. Hier ging es aber um mehr; man mußte klug sein, sich das Herz des Kindes nicht zu ent­fremden.

Starr sah Magussi die Mutter an.Wirst d u mir helfen, Mama?"

Nein, Kind, das kann ich nicht! Ich habe noch nie gegen den Willen Papas gehandelt und nichts hinter seinem Rücken getan; es ist ausgeschlossen, und auch darum, weil ich unmöglich deine Wünsche billigen kann! Ich will meine Tochter nicht auf der Bühne sehen; es widerstrebt meinem ganzen Denken und Fühlen!"

Ich dachte es mir, Mama! Es war nur eine Frage! Dann muß ich sehen, wie ich ohne deine Hilfe durchkomme! Es gibt Gott sei Dank noch gute Menschen, die einem für den Anfang helfen, und Schmuck habe ich reichlich! Die Unterrichtsstunden werden mir umsonst erteilt auf den Zukunfts­wechsel meiner Stimme hin! Ich bin mündig und kann tun, was ich will!"

und verscherzt dir dadurch für immer bas Elternhaus! Papa ist unerbittlich und wenn es ihm das Herzblut kostet und wir alle darüber zugrunde gehen"

Magussi nicktein seinem tyrannischen Selbst- bewußtsein. Sieh dich an, Mama, was er aus dir gemacht hat. Du denkst mit seinen Gedanken, siehst mit seinen Augen, du bist fein Geschöpf gewor- den und hast deine ganze Persönlichkeit in ihm auf- ,

gehen lassen. Von dir selbst ist nichts übrig ge­blieben."

Ein feines Rot färbte das noch immer schöne Ge­sicht der Kommerzienrätin; sie konnte sich der Wahr­heit von Magussis Worten nicht verschließen.

Weil ich meinen Mann liebte, Kind, da kommt das ganz von selbst. Und auch du wirst das einst an dir erfahren für ihn tut man alles"

Doch Magussi schüttelte lebhaft den Kopf.Nein, so selbstlos kann ich nie werden. Mein Eigenleben will ich behalten. Doch es ist schon spät, Mama. Wir wollen uns die Nachtruhe nicht noch mehr ver­kürzen." Sie legte die Arme um den Hals der Mutter,bist doch meine liebste Mama!"

Frau Bunte strich zärtlich über Magussis blondes Haar,gelt, Kind, du nimmst Vernunft an, dann ist alles vergessen!"

Aus Magussis Gesicht wich der weiche Ausdruck.

Ich bin vernünftig, Mama! Ich habe doch nichts getan, was zu vergessen und vergeben ist!"

Und die Wäsche und Kleider, Kind, wollen wir nicht alles gleich wieder an Ort und Stelle bringen? Ich helfe dir" und Frau Bunte war schon dabei, ein Kleid in den Schrank zurückzuhängen.

Magussi lächelte ein wenig, sie durchschaute ja die Mutter.

Ich danke dir, Mama. Ich möchte selbst fertig einpacken."

Die Kommerzienrätin war verzweifelt.

.Magussi, es ist Wahnsinn! Der Papa wird dich mit^ allen Mitteln zurückhalten, du darfst nicht

Auf die Dauer kann man mich doch nicht ein­sperren, und wenn er morgen wirklich meine Ab« reife verhindert, so wird sich an einem der nächsten läge sicher Gelegenheit dazu finden! Dann müssen wir uns eben gegenseitig noch ertragen. Heimlich rote eine Diebin will ich nicht aus dem Hause schlei- chen; ich gehe in meinem guten Recht. Denn ich habe selbst nicht Lust, den Leuten und dem Perso­nal ein Schauspiel zu bieten."

!ch>er verzweifelte Mutter schien das ein Lichtblick. Daß Magussi morgen nicht aus dem Hause konnte, dafür würde man sorgen. Dann hatte sich auch Magussis erste Erregung gelegt, und beim nüchternen Tageslicht würde sie die Angelegenheit auch mit anderen Augen ansehen, würde sie die ungeheuren Schwierigkeiten bedenken, die sich ihr entgegentürmten, und verwohnt, wie sie war, schließlich doch davor zurückschrecken.

Schlaflos lag sie des Nachts im Bett, angestrengt auf die Geräusche im Hause lauschend, schlich sich Magussi doch nicht heimlich hinaus? Allerlei Abenteuerlichkeiten gaukelte ihr die aufgeregte Phantasie vor.

Endlich dämmerte der Morgen heran im fahlen ©rau. Allmählich erwachte das Leben im Hause. Sie war froh, als sie endlich aufstehen konnte; die Unruhe hatte sie fast verzehrt.

(Fortsetzung folgt.)

Aus Öer Provinzialhauptstadt.

Gegen unzulässige Werbemethoden im Iettungsgewerbe.

Zu dem Konkurrenzkampf, der sich verschiedentlich zwischen der nationalsozialistischen Presse und nicht- parteiamtlichen Blättern ergeben hat, veröffentlicht bas®öttinger Xageblatt" folgende, seinem Hauptschriftleiter von dem nationalsozialistischen Staatssekretär Feder zugegangene Erklärung:

Der Konkurrenzkampf der nationalsozialistischen Presse gegen die nichtparteiamtlichen Blätter in ihrem Bezirk ist mir eingehend geschildert worden. Ich bestätige die Ihnen gegenüber mündlich erfolg­ten Ausführungen, daß der Konkurrenzkampf nur m i t l o y a l en Mitteln geführt werden darf. Es ist nach meiner Meinung unzulässig, daß im Konkurrenzkampf Zwangsmaßnahmen und wirtschaftliche oder sonstige Nachteile oderBe- nachteiligungen i m Verhältnis zur Partei angedroht werden. Ich verweise auf die wiederholten Erklärungen des Herrn Reichs­kanzlers und seines Vertreters und mache dar­auf aufmerksam, daß Zuwiderhandlungen gegen die wiederholt ausgesprochenen Verbote Beunruhigungen in die Wirtschaft hineinzutragen, gegebenenfalls von der Partei disziplinarisch mit den schärfsten Mittel geahndet werden müßten."

Heber eine weitere Unterredung in dieser Frage, die mit dem stellvertretenden Reichs- Pressechef, Ministerialdirektor Dr. Jahnke, stattfand, teilt das®öttinger$ageblatr noch mit:

..Die Regierung werde von jetzt an jeden Ver­such, den Konkurrenzkampf mit den machtpoliti­schen Mitteln zugunsten der Parteizeitung zu führen, aufs schärf st e bekämpfen, da dieses

1. nicht in Einklang zu bringen ist mit den Erklärungen, die die Regierung und insbesondere auch der Führer der deutschen Presse wiederholt gegeben hat,

2. weil die Formen des Kampfes die Tendenz haben, statt durch Leistung durch macht- politischen Druck die Konkurrenz zu be­seitigen.

Es ist deshalb den Gauleitern und Gaupresse­warten im Zusammenhang mit dem bekannten Er­laß des Reichsarbeitsministers, der gleichfalls jede Z w a n g s a n d r o h u n g und Boykottmatz- nähme verbietet, mitgeteilt worben, baß un­zweckmäßige Eingriffe und machtpolitische Druck­mittel zu unterbleiben haben, da sie dem wider- sprechen, was der Führer kürzlich den deutschen Zei­tungsverlegern in wirtschaftlicher Hinsicht ausdrücklich zugesichert hat.

Es wird daher erwartet, daß sich in Zukunft die Dienststellen der Partei in bezug auf Presseangelegen­heiten aller Eingriffe strikte enthalten, die

den ebenfalls zehn Personen gerettet. Ein zwölf­jähriger Schüler aus Hamburg fand den Tob in ben Wellen. Auch in Neukuhren sinb brei Königs­berger ertrunken, bie sich trotz Warnung zu weit in bie See hinausgewagt hatten; gegen Abend konnten zwei ber Leichen geborgen werden.

Deutscher Dampfer rettet englische Seeleute.

Ein deutscher Dampfer rettete, wie aus Hel» fingfors gemeldet wirb, bie Besatzung bes sinken- ben englischen DampfersAchills" von 13 Mann. DieAchills" gab Notsignale außerhalb ber Territorialgrenze in ber Nähe von Vasa. Die gerettete Besatzung würbe nach Vasa gebracht.

Raubmord an einem Geistlichen?

Unweit des Pfunberer Joches bei Bozen wurde die Leiche bes 62jährigen Pfarrers ber Erzbiözese Köln, Joseph L e n n a r t s , gefunben. Während man ursprünglich an einen Unglücksfall glaubte, er­gab bie genauere Untersuchung verschiebene Anhalts­punkte für einen Raubmorb. Die Leiche wies schwere Verletzungen am ganzen Oberkörper und am Kopf auf. Außerdem fehlten ber Reisepaß und ein größerer Geldbetrag.

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