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35.OJ 81,83 0,841 0,246 5,205 12,69
Nr. 183 Erstes Blatt
183. Jahrgang
Dienstag, 8. Huguft 1935
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Dnicf und Verlag: vrühl'fche Univerfitükr-Vuch- und Steinörudcret R. Lange in Stehen. Schristleitung und Sefchäftrftelle: Zchulftrahe 7.
Erschein» tügUch, autza Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert» (Biebener Familienblattei Heimat im Bild Die Scholl»
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Chefredakteur
Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für denAn» zeigenteil i.D. Th. Kümmel sämtlich in Bietzen.
Das Echo oes französisch-englischen Schrittes.
Einmütige Ablehnung in Deutschland
Berlin, 8. Aug. (CNB.) Die Berliner Blätter nehmenJaft alle zu dem englisch.französi- fchen Schritt in der österreichischen Angelegen- heit Stellung. Uebereinstimmend weisen die Zeitungen daraus hin, daß die gestern erfolgten Demarchen der Botschafter Großbritanniens und Frankreichs eine erhebliche Einschränkung der ursprünglich in der Presse der beiden Länder a n - gekündigten Aktion gewesen sind und daß weiter die Tatsache der Nichtbeteiligung Italiens besondere Beachtung verdient.
Der „Völkische Beobachter" nennt die Angelegenheit, die sachlich völlig unhaltbar sei, mit der ablehnenden Antwort Deutschlands erledigt und sagt weiter: Die innere Triebkraft zu diesem Vorgehen dürfte wohl in Paris zu suchen sein. Der Grund ist naheliegend: Der ö st e r r e i ch j. schenRegierung sollte eine gewissehilfe- st e l l u n g gewährt werden. Es liegt auf der Hand, daß dabei gewisse französische Interessen ausschlaggebend gewesen sind, da, wie bekannt, französische Gruppen an dem gegenwärtigen Regime in Oesterreich stark interessiert sind. Tatsächlich ist der Viermächtepakt nicht ein Vertrag, durch den Angelegenheiten einer fünften Macht, die nicht zu den vier Großmächten gehört, erledigt werden sollen. Der Vieriüachtepakt schreibt auch weiter vor, daß die Angelegenheiten der vier Möchte in freundschaftlicher Form zur Sprache gebracht werden sollen, er ist also nicht dafür gedacht, daß Anklagen gegen eine andere Macht erhoben werden. Alles in ollem genommen: Der gemeinsame Schritt Englands und Frankreichs ist sachlich nicht zu vertei- digcn und wäre am besten unterblieben. Damit dürfte der Fragenkomplex erledigt sein.
Die „V o s s i s ch e Zeitung" führt aus, wenn die Ankündigungen der ausländischen Presse davon sprachen, daß gegen die deutsche Regierung Anklagen wegen der Verletzung irgendwelcher Abmachungen gerichtet werden sollten, so haben .offenbar die zuständigen Stellen in Paris und London inzwischen erkannt, daß solche Ankla - gen nicht möglich sind. Gerade deshalb hat aber auch die Antwort auf den französischen und auf den anschließenden englischen Schritt so a u s s a l l e n können, wie sie in der amtlichen Mitteilung angegeben ist: mit dem Hinweis darauf, daß der Viermächtepakt für Aktionen solcher Art nicht die geeignete Handhabe bietet.
T>os „Berliner Tageblatt" sagt, unsere Politik sei nicht dazu da, internationalen F i n a n z i n t e r e s s e n, auf die im Grunde der sogensnnte Schutz Oesterreichs hinausläuft, V o r - spanndienstc zu leisten, lind ganz gewiß ist dies auch nicht der Sinn des Vierer- Paktes. Mussolini wollte die vier Mächte nicht zu dem Zweck an den Pakttisch drängen, damit die vier Mächte übereinander herfielen, womöglich unter Hinzuziehung eines fünften, gar nicht am Pakt beteiligten Partners.
Die „D A Z." schreibt von einer unzulässigen Einmischung. 3n den Augen aller Deutschen innerhalb und außerhalb der Rcichs- grcnzen sei die Regierung Dollfuß durch diese französische Hilfsaktion aufs neue fern» promi11iert worden. Warum habe Deutschland schließlich die Anwendung des Viermächtepaktes nicht für möglich gehalten? Erstens weil er keine Plattform biete, um die Angelegenheiten eines Partners des Paktes mit einer fünften Macht zur Sprache zu bringen, zweitens weil dieser Pakt der Befriedung der Welt dienen und alle Angelegeicheiten unter den Beteiligten in freundschaftlichster Form erledigt werden sollten.
Die „Börsenzeitung" meint: Ob die Wiener Regierung selbst den französisch- englischen Schritt angeregt hat, entzieht sich der Kenntnis der Oeffentlichkeit. Derartige Vermutungen auszusprechen, ist aber wohl erlaubt. Sicher aber ist, daß die Hauptinitiative zu der Aktion ,v o n Paris ausgeht. Der bemerkenswerte älmschwung in der Haltung der französischen Presse läßt die Annahme berechtigt erscheinen, daß man selbst in Paris keineswegs mehr besondere Lust verspürt, die in so lächerlichem Mißverhältnis zur Bedeutung des Objekts stehende „Demarche" weiter an die große Glocke zu hängen. Für Deutschland jedenfalls ist die ganze Angelegenheit mit der gestrigen Entgegennahme der französischen und englischen Mitteilungen und ihrer unmißverständlichen Beantwortung durch die Reichsregierung endgültig erklärt.
Die „Kreuzzeitung" betont, daß diese merkwürdige Aktion, deren Vorzeichen schon seit Tagen durch die französische Presse geisterten, ein schnei- lesundwenig rühmliches Ende mit ihrer vollen Zurückweisung durch die Reichsregie- rung gefunden hat. Sie war auch nicht gerade gluck- lief) angelegt, wenn man sie nicht gar als eine ausgesprochene Donquichotterie bezeichnen will. Es ist schon eine recht eigenwillige Auslegung des Liermächtepaktes, der zur Sicherung des Friedens geschaffen wurde, wenn man ihn bei seiner ersten Anwendung benutzen will, um gegen einen der Vertragspartner Vorwürfe zu erheben und gar in einer Sache, die seine Beziehungen zu einem an liefern Vertrage nicht beteiligten fünften Staate betrifft.
Unbehagen in Paris.
Paris, 8. Aug. (WTD. Funkspruch.) Die Morgenpresse, die das WTD.-Communique über
den gestrigen Schritt der Botschafter Frankreichs und Englands in Berlin und den Kommentar des Conti-Büros wiedergibt. spricht von einer wenig freundschaftlichen Antwort auf eine fr tu ndschaf11iche Demarche. Die meisten Blätter geben sich nicht die Mühe, auf die deutschen Argumente einzugehen und vor allem eine Antwort auf die im Kommentar des Conti- Büros aufgeworfene Frage zu geben, wie es um öic Einmischung in innerdeutsche Angelegenheiten stehe. Daß die Berufung aus den Diererpakt in jeder Beziehung ein M i ß g r i s ff fei, geben verschiedene Blätter unumwunden zu.
„Das Viermächteabkommen hat nichts mit der österreichisch-deutschen Angelegenheit zu tun", schreibt .Drdre", „Hitler hak recht, das zu betonen. Wir dürfen kein anderes Ergebnis oon einer Demarche erwarten, die so ungeschickt war, aber auch so wenig energisch durchgeführt wurde."
2luch „Figaro" schreibt, die französisch-englische Demarche sei sehr ungeschickt getreten. Es handele sich hier weder um den Versailler Vertrag, noch um den Viermächtepakt, sondern um den Frieden in Mitteleuropa. Deshalb müsse, so meint das Blatt, der Völkerbund mit dem Problem befaßt werden.
Englische Eindrücke.
London, 8. Aug. (WTB. Funkspruch.) lieber die Antwort der deutschen Regierung auf den Schritt der diplomatischen Vertreter Frankreichs und Großbritanniens gehen die Ansichten über
die Haltung der Reichsregierung auseinander. Einige Blätter glauben von einer „Herausforderung" sprechen zu sollen, die im Gegensatz zu der vor drei Monaten gehaltenen Rede des Reichs- kanzlers stehe. Andere sind der Meinung, daß der Ton der deutschen Antwort nicht t r a g i s ch genommen zu werden brauche, und sie glauben, daß die deutsche Regierung bereit sei, zu veranlassen, daß kränkende Aeußerungen in den Rundfunkreden nicht weiter gebraucht werden.
Der Berliner Vertreter der „Times" schreibt: Der Ton, der gestern abend ausgegebenen amtlichen Mitteilung zeigt deutlich, daß die deutsche Regierung nicht bereit ist, irgend etwas zur Erleichterung der Lage zu tun. Der Wunsch nach einem freundlich gesinnten Großbritannien wird schwerlich zu einer ernstlichen Aenderung gegenüber Oesterreich führen.
Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" ist der Meinung, daß die beanstandeten Propagandamaßnahmen aufhören werden und drückt die Ansicht aus, daß mit einer baldigen Besserung der österreichisch-deutschen Beziehungen zu rechnen sei.
Der diplomatifche Korrespondent der „M o r - ning P o st" sagt, die amtliche Antwort zeige kein Entgegenkommen, aber es heiße, daß Berlin angeoeutet habe, es werde in Zukunft sein Bestes tun, um solche Zwischenfälle zu vermeiden. Amtliche Kreise in London seien der Ansicht, daß der Reichskanzler beabsichtige, sein Versprechen vom Mai zu erfüllen, wonach Deutschland nach Die vor innerhalb d e s Rahmens der bestehenden Verträge handeln werde.
Gegen unbefugte Eingriffe in die Wirtschaft.
Eine Verfügung des stellvertretenden ZührerS der NSDAP.
Berlin, 8. Aug. (CNB.) Der Preußische Pressedienst. der NSDAP, veröffentlicht eine Verfügung b e 5 Stellvertretenden Führers der NSDAP., die folgendermaßen lautet:
„Gemäß den Anweisungen des Führers hat Pg. Reichsinnenminister Dr. Frick in seinem bekannten Rundschreiben an die Reichs st atthal- ter ausgeführt:
1. daß unbefugte Eingriffe in die Wirtschaft zu unterlassen sind und daß desgleichen jedes unbefugte und unberechtigte Vorgehen gegen einzelne Personen unbedingt zu unterbleiben hat;
2. daß keinesfalls Instanzen der Partei bzw. ihre Unterorganisationen sich R e g i e r u n g s b e fu g n i s se anmaßen dürfen.
Ergänzend weise ich darauf hin, daß auch die Parteileitung in Zukunft schärfstens gegen d i e Zuwiderhandlungen vorgehen wird. Jede Dienststelle hat sich unbedingt auf die ihr vom Führer Angewiesenen ord - nungsmäßigen Aufgaben zu beschränken.
Ich habe Anweisung gegeben, in Zukunft genau zu prüfen, ob eingehende Beschwerden begründet sind. Wenn nötig, werde ich sofort Beauftragte an Ort und Stelle entsenden."
In einer weiteren Anordnung verbietet der Stellvertreter Hitlers allen Angehörigen, Dienststellen und Einrichtungen der Partei das Sammeln oon Geldbeträgen bei allen Unternehmungen und Verbänden der Wirtschaft, die sich an der „Adolf - Hitler - Spende der deutschen Wirtschaft beteiligen. „Alle örtlichen oder bezirklichen Einzelabmachungen
der Dienststellen und Einrichtungen der Partei mit den für eine Beteiligung an der Spende in Frage kommenden Unternehmungen und Verbänden der Wirtschaft verlieren ihre Gültigkeit. Neue Abmachungen, die die Firmen oder Verbände der Wirtschaft von einer Beteiligung an der Spende abhalten könnten, sind verboten. Ebenso sind Eingriffe oder Maßnahmen hinsichtlich der Durchfüh- rung der Spende untersag t."
Oie Zunahme
der Beschäftigtenzahl.
Berlin, 7. Aug. (WTB.) Von den zahl- reichen Veröffentlichungen in der Presse über die Zunahme der B e s ch ä f t i g t e n z a h l im Deutschen Reich wirkt besonders aufschlußreich ein Schaubild, in dem die Zunahme der Beschäftigten von Januar bis Juni 1933 in den einzelnen Landesarbeitsamtsbezirken figürlich dargestellt wird. Daraus ergibt sich z. B., daß in Ostpreußen in dieser Zeit 79 000 Arbeitslose wieder Beschäftigung gesunden haben, in Pommern 70 000, in Westfalen 121 000, in Schlesien 159 000, in Bayern 214 OOO. An der Spitze der in den Wirtschaftsprozeß wieder Eingegliederten marschiert der Bezirk des Landesarbeitsamtes Brandenburg mit 277OOO Wiederbeschäftigten. Diese Zahl ist.deswegen besonders bemerkenswert, weil hier der Arbeitsmarkt der Stadt Berlin einbezogen ist und auf diesem die durch die Landwirtschaft anderwärts erzielte saisonmäßige Abnahme der Arbeitslosigkeit keine Rolle spielt.
Unruhen aus Kuba.
Kuba wird feit einigen Tagen von schweren inneren Unruhen erschüttert. Es läßt sich wegen der scharfen Zensur im einzelnen nicht genau nachprüfen, wie weit die Gerüchte über blutige Zusammen st öße, Militäraufstände und eine Genera! st reikbewegung zutreffen. Immerhin ist wohl soviel richtig, daß der Präsident M a ch a n o vom Kongreß die Ermächtigung erhalten hat, den Belagerungszustand zu erklären. Andererseits sollen Parteiführer eine Besprechung abgehalten haben, in der sie einmütig den Rücktritt der Regierung Machano forderten. Nach den neuesten Meldungen hat Präsident Machano die Haupt st a d t Havanna durch Militär besetzen lassen. Die Unruhen, die nicht zum ersten Male diese größte Insel des amerikanischen Mittelmeeres erschüttern, dürften ihren Grund in der schweren Wirtschaftslage haben, in der sich, wie alle Rohstoff erzeugenden Länder, auch Kuba befindet, dessen wichtigste Produkte Zucker und Tabak sind, die unter starkem Preisoerfall auf dem Weltmarkt zu leiden haben. Schon im September 1932 war es zu heftigen parteipolitischen Kämpfen gekommen, wobei der Präsident des Senates Dr. Bello und einige konservative Politiker ermordet wurden. Die weltwirtschaftliche Situation hat sich seitdem nicht gebessert. Als Rückwirkung dieser Tatsache wurde zu Beginn des Jahres 1933 der G o l d- standard des kubanischen Peso aufgegeben. Am 30. März d. I. wurde die Regierung ermächtigt, ein zweijähriges Moratorium für alle Hypothekenschulden auszusprechen und auch die Tilgung sämtlicher in- und ausländischer Anleihen für diese Zeit auszusetzen. Neben diesen wirt
schaftspolitischen Gründen gibt es auch national» politische Differenzen, die immer wieder ZU heftigen Auseinandersetzungen führen, bei denen es um die Frage des Einflusses der Nordamerikaner, insbesondere der großen amerikanischen Trusts, die wichtige Teile Kubas im Besitz haben, auf die Entwickelung in Kuba geht.
Kämpfe in Havanna.
Reuhork, 8 Aug. (WTD. Funkspruch.) Die Angaben über die Zahl der Personen, die bei dem Vorgehen derTruppenund Polizei gegen die aufgeregte Volksmenge in Ha- v a n n a vor dem Palais des Präsidenten getötet^ oder verwundet worden sind, schwanken beträchtlich. Während einige Blätter 2 0 Tote melden, sprechen andere von 9 0 Zoten. 200 Personen sollen Verletzungen erlitten haben. Die Zahl der Verhaftungen geht i n d i e H ander t e. Rach einem Bericht der „Chikago Tribüne" ist die Botschaft der Vereinigten Staaten in ein Krankenhaus verwandelt. Der Kongreß habe den Präsidenten Machano ermächtigt, die verfassungsmäßigen Garantien, insbesondere das Recht der persönlichen Freiheit aufzuheben. Heber ganz Kuba ist der Belagerungszustand verhängt worden.
Dor dem Eingreifen der Truppen war es infolge des Gerüchtes, der Präsident sei zurückgetreten, zu großen Freudenkundgebungen gekommen. Uniformierte und Geheimpolizisten hatten Tausende von Schüssen abgefeuert, um die Straßen von der Menge frei-
zumachcn. Aus ihrem Marsch in die Stadt feuerten die Soldaten wiederholt, worauf die Menschenmassen flüchteten.
Oie Parteien Kubas geschloffen gegen Machano.
Havanna, 7. Aug (WTB.) Reuter. Die p o • litischen Führer des kubanischen Staa- t e s haben in den Räumen der amerikanifchen Botschaft eine Besprechung abgehalten, als deren Ergebnis mitgeteilt wurde, sämtliche Parteien feien sich darüber einig, daß die Regierung Machano zurücktreten müsse.
Roosevelt bietet Kuba seine Dermitt- lung an.
H y d e p a r f bei Neuyork, 7. Aug. (Reuter. Funk- spruch.) Präsident Roosevelt hat die guten Dienste der Vereinigten Staaten angeboten, um bei den Wirren aufKubazu vermitteln. Amerika will aufKuba Truppen landen.
Washington, 8. Aug. (TU.) Die Vorgänge auf Kuba beschäftigen das Weiße Haus aufs lebhafteste. Wie aus hohen Regierungstreuen verlautet, hat Roosevelt dem amerikanischen Botschafter in Havanna, Welles, völlig freie Hand gegeben. Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß die Vereinigten Staaten, falls Welles dies für notwendig halten wird, Truppen auf Kuba zur Wie« derherstellung der Ordnung landen werden.
Wie aus Havanna gemeldet wird, soll Präsiden/ Machano sich gegenüber Welles geweigert haben, jurüdjutreten. Die Lage hat hierdurch eine wesentliche Verschärfung erfahren Nach Auffassung der Washingtoner Regierung bildet Machano das Haupthindernis der Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung auf Kuba.
Frühere Rundfunkgrößen ins Konzentrationslager.
Berlin, 8. Aug. (WTD. Funkspruch.) Wie das Geheime Etaatspolizeiamt mittcilt, sind der ehemalige Intendant der Berliner Funkstunde Flesch, der ehemalige Rundfunkreporter Alfred Braun, der ehemalige Direktor der Reichsrundfunkgesellschaft Magnus und der Ministerialrat a. D. G i e s e ck e, der ebenfalls bei der Reichsrundfunkgesellschaft tätig war, in Schuh- Ha f t genommen und in das Konzentrationslager Oranienburg eingeliefert worden. Der ehemalige Direktor der Berliner Funkstunde K n ö p f k c, der zum gleichen Zwecke in>Oberhof festgenommen wurde, erlitt bei seiner Ankunft in Berlin einen Nervenzusammenbruch und wurde ins Staatskrankenhaus gebracht. Die Festnahmen stehen im Zusammenhang mit der Aufdeckung der ungeheuren Verschleuderung öffentlicher Gelder und der ungerechtfertigten Bereicherung auf Kosten der Oeffentlichkeit durch die Festgenommenen.
Staatssekretär a. O. Bredow will auch ins Konzentrationslager. Berlin, 8. Aug. (ERB. Funkspruch.) Der ehemalige Reichskommissar, Staatssekretär a. D. Bredow hat heute an das Reichsministerium für Volksauffklärung und Propaganda ein Telegramm gerichtet, in dem er erklärt, daß um den Rundfunk „hochverdiente Männer" verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht worden seien. Er fühle sich mit diesen Männern verbunden und bitte um die gleiche Behandlung.
Die Bezeichnung „hochverdiente Männer" für die Herren Braun, Flesch, Magnus usw. beruht offenbar auf einem Druckfehler. Cs soll wohl heißen hochverdienende Männer", denn diese Herren haben sich ihre „Verdienste" um den Rundfunk mit vielen Hunderttausenden Mark bezahlen lassen.
Rückkehr der deutschen Flotte aus den nord fchen Gewässern.
Kiel, 7. Aug. (TU.) Der K r e u z e r „K ö n i g s - berg" ist, wie die Marinestation der Ostsee mit- teilt, oon der Auslandreife (Norwegen) zurück» gekehrt und hat in Kiel-Wyk festgemacht. Die erste Torpedobootflottille wird um Montagabend oon ihrem Besuch in Malmö in Kiel eintreffen, während das L i n i e n s ch i f f „S ch l e s> w i g - H o l st e i n", das in Gotenburg einen Besuch machte, im Laufe des Dienstags in Kiel einlaufen wird.
Kundgebung der Studentenschaft.
Aachen, 7. Aug. (TU.) Der Deutsche Stube n t e n t a g hat folgende vorn Führer der Deutschen Studentenschaft, Krüger, unterzeichneten Telegramme gesandt.
„An Reichsinnenminister Dr. Frick: Deutscher Studententag vollzog sich in der strengen schlichten Form eines neuen Stubententums. Die Deutsche Studentenschaft begrüßt ben Vorkämpfer btefer Schlichtheit in unserem Volke."
„An ben Stabschef ber SA., Hauptmann a. D. Rö h m: Das Gebilde der SA. formte den Studenten neu. Der 16. Deutsche Studententag begrüßt die SA. in ihrem Chef.
„An Kultusminister 9t u ft: Deutsche Studentenschaft begrüßt am Schluß des 16. Deutschen Stuben- tentages ben Verkünder bes nationalsozialistischen Stubentenrechtes und gelobt weiterhin Gefolgschaft bei Neugestaltung der deutschen Kulturpolitik.


