Ausgabe 
7.8.1933 Frühausgabe
 
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Aili

Kleine politische Nachrichten.

Die Sammlungen unter den Postbeamten für die StiftungOpfer ü er Arbeit" rmd die Spende zur Förderung der nationalen Arbeit haben insgesamt einen Betrog von 70 000 Mark ergeben.

Denkt an dieGtifiung für Opfer der Arbeit"!

Einzahlungen an Reichskreditgesellfchaft Berlin W 8, Behrensstraße 21/22, sowie auf deren Reichs- bankgirokonlo und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der Konlobezeichnung:Stiftung für Opfer öer Arbeit".

wir gewohnt sind. Der aus eigennützigen Motiven, um sich zu bereichern, um irgendwie feine eigenen wünsche zu befriedigen, irgend­welche Handlungen vornimmt, die der SA. und dem Geist unserer herrlichen Bewegung widersprechen, dar mutz unsere Reihen ver­lassen.

Die Welt soll sich davon überzeugen: Die SA. ist trotz Verbot, Terror und Llnterdrückung und trotz allem, was undeutsch war, gewachsen und sie hat die Geschicke Deutschlands gewandelt. Die SA. wird darum und darüber soll sich niemand im Zweifel sein b l e i b e n und ihre Stelle behaupten. Wir rücken nicht von dem Platz, den wir uns erkämpft haben. Wirlassennichtvonden Früchten des Sieges, den wir erfochten haben- Wir werden darüber wachen, daß dieses nationasozia- listisch gewordene Deutschland es auch für alle Zukunst bleibt.

Dank Ihrer Opfer, dank Ihres Kampfes, dank Ihrer Uneigennützigkeit und dank Ihrem tat>fe ren Einsatz, insbesondere aber auch wegen Ihrer Beharrlichkeit und Zähigkeit haben Sie an her­vorragender Stelle den Sieg mit er stritten- Dank der gleichen Eigenschaften werden wir den Sieg erhalten.

Wir werden uns durchsetzen, weil wir uns durch­setzen wollen. Der Wille ist entscheidend. Wir ge­

loben in dieser Stunde unserem Führer, dah wir sein Panier hochhalten werden für alle Zeiten. Wir geloben, datz wir als Adolf Hit­lers Soldaten die Bannerträger fein werden, die nicht weichen.

In diesem Geist der Treue, der Beharrlichkeit, des Mutes und der Entschlossenheit, bringen totr unserem Führer ein dreif aches Sr eg° Heil dar."

Das Horst-Wessel-Lied beschloß die Ansprache. Daraus reitet Stabschef Röhm zusammen mit Obergruppenführer Heines, dem Wehrkreis- kommandeur und sechs weiteren SA.°Führern un­ter den Klängen des Präsentiermarsches dre lan­gen Fronten der Verbände ab, die Führer durch Handschlag begrüßend. Fast zwei Stunden dauerte dieses Abreiten der Front. Rach Abnahme der Front richtete Stabschef Röhm nochmals eine Ansprache an die Berliner und Brandenburger, in der er seiner Freude über den vorzüglichen Eindruck kundgab, den die SA. auf ihn gemacht hat.

Der Generalappell, der größte, den Berlin bisher je gesehen hat, schloß mit dem Vor­beimarsch vor dem Stabschef, dem Wehrkreiskom­mandeur und den SA.-Führern.

Am Aachmittag legten höhere SA.-Führer am Ehrenmal ilnter den Linden einen Kranz nieder.

Paris. 5. Aug. (XU.) Dom Quai d'Orsay wird milgeleill:Rachdcm Italien die Ansicht seiner Regierung hinsichtlich des Vorgehens D e u t f ch l a n d s in O e st e r r e i ch in der Wilhelm- slratze zu Gehör gebracht Hal. haben die Regierun­gen Englands und Frankreichs beschlossen, heute noch einen gemeinsamen Schritt zu unternehmen (demarche concertee). Der englische Botschafter in Berlin und der französische Botschafter Franxois Poncet werden der Wilhclmstratze Roten überreichen, deren Wortlaut identisch fein wird."

EineTimes"-Meldung, datz die Berliner englische Botschaft angewiesen worden sei. bei der deutschen Regierung mündliche Vorstellungen wegen der lleberfliegung öster­reichischen Gebietes, wegen des Abwurfes von Flug­blättern und wegen der Aussendung propagan­distischer Rundsunkbolschasten von süddeutschen Sen- dem zu erheben, wird in Londoner politischen Krei­sen bestätigt. n

Der Schlutzlext der Roten, so berichtet Reuter, sei am Freitag zwischen der englischen und französischen Regierung vereinbart worden. Die Raten beständen aus drei Paragraphen, in denen darauf hin- gewieseu werde, datz das deutsche Vorgehen gegen den nternationalen Brauch, gegen den § 80 des Ver­sailler Vertrages und gegen den Geist des Vier- mächtepakkes verstohe.

Bis Samstagabend noch nichts unternommen.

Berlin. 5. Aug. (TU.) Wie die Telegra- Phen-Union erfährt, sind die von der englischen und französischen Presse angekündigten Schritte der drei Großmächte bis Samstagabend noch nicht erfolgt.

Italien macht nicht mit.

Rom. 6.Aug. (WTB.) DieAgenzia Slefani" dementiert die von einer ausländischen Rach- richteuagentur verbreitete Meldung, wonach Ita­lien in Berlin wegen der lleberfliegung öster­reichischen Gebiets durch deutsche Flugzeuge eine Demarche unternommen habe.

Altersbestimmung durch Tintenfraß.

Bei alten Büchern und Urkunden findet man bisweilen Stellen, an denen die Schrift und ihre Umgebung braun bis schwarz ist, das Papier brü­chig wird und schließlich gcrnz zerfällt. Diese Erschei­nung, die man als Tintensrah bezeichnet, ist jetzt von den Chemikern Dr. O. Mezger, W. Heeß und H. Rall wissenschaftlich untersucht worden, und sie haben dabei, wie fie in derUmschau" mitteilen, ein wertvolles Verfahren zur Bestimmung d es Alters der Schrift gesunden. Besonders merkwürdig ist, daß sich der Tintensrah nicht auf die eigentlichen Schrift­züge beschränkt, sondern in dem angrenzenden Papier fortsetzt. Daher können für die Zerstörung nur Bestand­teile einer Tinte in Betracht kommen, die sich im Papier ausbreiten; als solche Stoffe haben sich nun die Chloride und Sulfate, besonders die freie Salz­säure und Schwefelsäure erwiesen, die sich in bei? Eisengallus-Tinte finden. Die wesentlichen Bestand­teile dieser Tinten-Sorten bestehen in Eisenvitriol und Gallus-Auszügen. Indem schon in der Flüssig- keit selbst, zum größten Teil aber nach dem Schreiben unter Mitwirkung des Papiers das Eisen vollständig gebunden wird, verwandelt sich das ursprünglich vom Eisen neutralisierte Sulfat in freie Schwefel­säure, und diese ist der eigentliche ItÜeltäier, der sich nicht nur in alter, sondern auch in moderner Eisengallus-Tinte findet Doch sind düe Mengen der freien Säuren in diesen modernen Tinten so gering, daß sie keine Gefährdung für das Papier bedeuten. Dagegen ist dies bei den altem Tinten in größerem Maße der Fall, da sie einen viel stärkeren Bestandteil an Schwefelsäure aufweisen. Aus diesem Verhalten der Salz- und Schwefelsäure dem Dapier gegenüber lasten sich wichtige Anhaltepunlle für die Bestimmung des Schriftalters gewinnen. Dabei ist das bedeutsamste Moment, das für die Beur­teilung des Alters von Schriftzügen vor Gericht in Frage kommt, die Verbreiterung des Chlorids oder Sulfats unsichtbar in Papier, die sich je nach dem Alter in ganz bestimmten Formen bemerkbar macht. So kann also nach chemischer Sichtbarmachung der verbreiterten Säure auf das Alter einer Schrift geschlossen werden. Ie blaffet die Schrift wird, desto älter ist sie, und das Verblasteu geht schließlich so weit, daß, dem bloßen Auge nicht bemerkbar, im Ultraviolettlicht das Schriftbild ganz weiß erscheint. Dieses Verfahren," so schließen dieDerfaster,haben wir bereits in einer großen Anzahl gerichtlicher Fälle mit bestem Erfolg durch geführt, fei es, daß es sich datum handelte, einen Übereignungs-Antrag als erst nach Eröffnung des Zwangsverfahrens geschrieben zu erkennen, sei es, daß ein unbegrün­deter Verdacht wegen Dalumsfälschung von einem Beschuldigten genommen wurde."

drei Pfeile in Brüssel stattgesunden hat. Die Veranstaltet haben es dabei wagen können, eine am Galgen hängende Stroh­puppe durch die Straßen zu tragen, die den deutschen Reichskanzler datstellem sollte.

DerVölkische Beobachter" schreibt dazu: Welch ein Geschrei würde sich wohl in der Welt erheben, wenn in Deutschland gestattet würde, daß ein ausländischer Re­gierungschef in dieser Weise verhöhnt wird?

Englisch-französischer Schritt in Berlin. Freundschaftliche Vorstellungen" zum Schutze der Regierung Dollfuß.

Botschasterbesuche im französischen Außenm nisterium.

P a r i s, 5. Aug. (WTB.) DerdeutscheBot- schasterDr. RolandKöster hatte heute nach­mittag eine Besprechung mit dem Generalsekretär des f r a n z ösi s i s ch e n A u ß e n m i n i st e r i u m s, Botschafter Leger.

Der i t a l i e n i s ch e Botschafter Graf P i g n a 111 d i Custozza stattete heute dem Generalsekretär des A u ß e n m i n i st e r i u m s einen Besuch ab.

Aus Oesterreich ausgewiesen.

Wien, 6. Aug. (WTB.) Dem Chefkorrespon- denten der Scherl-Blätter Christoph S ch e p k y und dem Vertreter derMünchener Zeitung" Hermann Honig wurde heute abend der Erlaß des Bundeskanzleramtes zur Kenntnis gebracht, wonach sie für ftändig aus dem öster­reichischen Bundesgebiet ausgewie­sen werden. H ö n i g, der bis zur Grenze von einem Kriminalbeamten begleitet wird, verläßt noch heute Oesterreich. Die Abreise S ch e P k h s erfolgt in den nächsten Lagen.

Dollfuß fährt nach Rom.

Wien, 6. Aug. (CNB.) Wie dieReichspost" erfährt, wird sich Bundeskanzler Dr. Dollfuß auf Wunsch des Ministerpräsidenten Mussolini demnächst zu einer politischen Aussprache nach der italienischen Haupt st adt begeben.

Oie OolLsuß-Armee von Frankreichs Gnaden.

Berlin, 5. Aug. (TU.) Die Meldung, daß der österreichische Bundeskanzler Dollfuß eine militärisch organisierte Hilf spoli- 5ei in Stärke von 18000 Mann zur Bekämp­fung der Rationalsozialisten aufftellt, ist an sich keine neue Tatsache. Reu ist lediglich, daß Doll­fuß nachträglich die Sanktion fremder Mächte für diesen Schritt zu erreichen sucht.

Freche Provokation Deutschlands in Brüssel.

Berlin, 5. Aug. (ERD.) Der Brüsseler Soir" berichtet über eine antifaschistische Veranstaltung, die unter dem Zeichen der

Flugzeug, das auf den NamenLe Brix" getauft ist, hatte vom Start fünf Stunden lang gegen Re­genböen, Sturm und schlechte Sicht zu kämpfen. Um 18 Uhr befanden sich die Flieger über Cherbourg. Sir teilten der Funkstation des Flughafens Le Bourget mit, daß sie Cherbourg in Richtung Paris überfliegen. Nach den letzten Meldunaen haben die Ozeanflieger heute Nacht München passiert und sind in Richtung Wien weitergeflogen.

Die Pariser SportzeitungLAuto" erführt aus München, daß das FlugzeugLe Brix" über Mün­chen eine Botschaft abgeworfen habe, in der mitge­teilt werde, daß sich ein ungewöhnlich starker Ver­brauch von Brennstoff bemerkbar mache, der auf Undichtigkeit eines der Brennstoffbehälter hin- deutet: man hoffe aber, dennoch Bagdad zu erreichen.

Der mißglückte amerikanische Slratosphärenslug.

Commandor Settle von der amerikanischen Kriegsmarine unternahm am Samstag, wie be­reits kurz gemeldet, den Versuch, in einem Bal­lon die Stratosphäre tzu erreichen. Der Versuch blieb erfolglos. Der Ballon gelangte nur bis zu einer Höhe von 1500 Meter, ging dann wieder herunter und landete schließlich auf einem Eisenbahndamm. Der Start erfolgte vom Gelände der Chicagoer Weltausstellung aus um 8.05 Uhr. Die Startmannschaft wurde von Iean P i c c a r d,

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Rings um den Gardasee.

Von Or. Gustav W. Eberlein, Vom.

Auf lotrecht in den See stürzenden Felsen, die nie eines Menschen Fuß zu betreten, nie ein Hand zu berühren vermochte, fahren jetzt die Automobile. Es ist kein Lob groß genug für diese Straße. Dem Ame­rikaner wird es vielleicht imponieren, daß jeder Kilometer im Durchschnitt eine Million und hundert- sünfzigtausend Lire kostete; wir, wir unverbesser­lichen Kinder, wir staunen nur.

Ein Wunder und eine Erfindung: das eine hat sich dank unserer Baukunstaus dem anderen er­geben, und diele Erfindung war im Grunde nichts weiter als die Uebertragung des Eisenbahngeüankens auf die Straße, des Gedankens, sich durch die Berge hindurchzubohren, wenn daneben kein Platz ist. Aber wer erkühnte sich, den Wagen Tunnels zu bauen wie den Lokomotiven? Es war wohl die Axenftraße am Vierwaldstätter See, wo zuerst der Versuch im Gro­ßen unternommen wurde, dann hielt man, wie er­schrocken über eine solche Anmaßung, wieder inne, begnügte sich mit den paar romantischen Felsen- fenftern auf den romantischen See hinaus. Es kam die Zeit, wo uns die Wasserfälle und die Schluch­ten in Erregung brachten, wo wir uns an Birken­bänken berauschten und tönerne Zwerglein zu den bunten Glaskugeln in den Garten stellten, während der Makartstrauß den Spiegelmalerisch" gestaltete und auf demTrumearn oder auf der Konsole der gipserne Trompeter von Säckingen unaufhörlich klagte, es mär jo schön gewesen. Wir fuhren brav von Riva zum Ponalefall, wo die Welt aushörte und Frau Siebentanz im Lodenrock, von zwölf grim­mig zubeißenden Klammern hochgehalten, elegisch nach Italien hinüberseufzte: Es hat nicht sollen sein!

Jetzt stiebt der Ponalefall seinen Gischt über Wa­gen und Straße hinweg.

Vieles ist anders geworden. Wer denkt noch an die ßanöesgrerue, die hier durch den See lief? Eine natürliche Grenze war es gewiß nicht jo wenig wie die Grenzen am Luganosee oder Bodensee gottgewollte Grenzen" sind. Es scheint, daß die Menschen ftüherer Zeiten sich bei der Grenzziehung an Seen irgendwie von dem altruistischen Gefühl, solche Himmelsgeschenke seien nicht für einen allein da, beeinflussen ließen. Andererseits vertrug sich am Gardasee eine durchgehende Straße nicht mit Poli­tik und Strategie, die Kanonen schauten sich gegen­seitig ins Maui, sollte man dicht neben der Veroneser Klause eine zweite schaffen? Kurz, in Malcesine hörte das östliche und in Gargnano das westliche Ufer auf, von Süden aus gesehen. Riva lag eingekeilt zwischen Felsen und Forts. Nur zwei schneeweiße Dampfer

stellten die Verbindung mit der italienischen Tief­ebene her.

Und heute fährt man in einem Atem rings um den See. Gardesana heißt die Straße.

In drei Jahren wurden die urwelttichen Hinder­nisse überwältigt, Tunnel auf Tunnel in einer Ge­samtlänge von sieben Kilometern auf die 27-Kilo- meterftrecke von Riva bis Gargnano gebohrt, Brük- ken über Brücken geschlagen, 730 000 Kubikmeter Fels umgesetzt, über hunderttausend Kubikmeter Mauern aufgesührt. Dort, wo die Welt aufhört, nie eines Menschen Hand die senkrechten Felswände be­rührt hatte, dort ließen sich die ersten Pioniere an Seilen herunter, schlugen kleine Löcher ins Gestein, erweiterten sie zu Stützpunkten und Nischen heute schwirren die Automobile hindurch, wie Scheuklap­pen schlagen einem die Tunnels um die Augen; dazwischen öffnen sich nicht kleine Felsenfenster, sondern ungeheure Bergschlitze, in denen man par­ken und übernachten kann. Dabei klettert die Straße nicht auf die Gipfel, um gleich wieder herunterzu­purzeln, sie zieht gelassen in maßvoller Aussichtshohe am selbstgeschaffenen Ufer hin, ist öfters selber Ufer, schwebt sogar gerüsthaft über dem Wasser.

Und die verstandeskühlen Techniker vergaßen bei all ihrem naturschützenden Tun nicht die Dinge, die zum Herzen sprechen. Wo ein zimmergroßes Stück Fels eben gemacht werden konnte, da ließen sie es zu Erde zermürben, pflanzten Zypressen, die grünen Wächter des blauesten aller Seen. Sie reagierten ihren Sachlichkeitskomplex nicht mit öden Beton- slächen ab, sondern mauerten Stein auf Stein, so wie man in ehrlichen Zeiten sein Haus baute. Da fliegt das Gras an, da wuchern die Rosen. Vom Schiff aus gesehen, ist die Gardesana nicht cm Zweckbau, den man bewundern, aber nicht lieben kann, sondern ein Werk unendlicher Schönheit. Man darf mit größerem Recht davon schwärmen, als von dem trauten Makartheim.

Wir fahren und staunen. Wir hallen vor den Zi­tronenmädchen am Tunneleingang, die gelbschim- mernbe, überträchtiae Zweige, ganze Zittonenbuschel schwingen, wir binnen sie links und rechts an die Windscheibe und tragen so den Schmelz des Südens ins Innere der Erde, wir schalten die Scheinwerfer ein, denn es ist nicht ungefährlich, aus der strah­lenden Sonne in eine halbdunkle Galerie zu sausen, wir sehen Lichtschlitz für Lichftchlitz drüben das an­dere Ufer aufblitzen, wie die Einschnllte zwischen den Tunnels sich folgen, es ist eine Fahrt ins Phan­tastische.

Diele der berühmten Zitronenhaine sind vertaffen, verfallen, das Geschäft nährt offenbar seinen Mann nicht mehr. Jetzt, wo dank der Seesttaße die Strecke von Brescia nach Bozen auf 175 Kilometer zusam- mengeschrumpst ist, wo ein ausländischer Wagen auf I den andern folgt, jetzt weht ein weitbrüstiger Atem

über den Lacus Benacus, man muß sich umstellen. Freilich, der Fremdenverkehr müßte das auch tun, die große Krisis macht sich in den zahllosen Hotels von Gardone arg bemerkbar. In Salo stößt eben der Monte Baldo" ab,ein stolzer, schwanenweißer Dampfer", wie ich einmal m einer verzückten Reise- jchilderung gelesen habe. Ach Goll, ich habe das Recht, darüber zu lächeln, denn ich habe sie damals vor 25 Jahren selber geschrieben, als ich als blut­junger Stift zum erstenmal nach Italien hinein- rabelte. Nun ist also ein Sechszylinder aus dem Deloziped" geworden, der kleineMonte Baldo" aber fährt noch immer feine Runde, lieber ihm schwirrt auf rotem Flugzeug Agello hin, der schnellste Mann der Welt. Ich habe ihn aufgesucht in Desenzano, er hat von seinem Welttekord erzählt, den er hier, wo das Kobaltblau übergeht in Schilf­grün, durchdrückte: 692 Kilometer in der Stunde.

Damit wären wir nach einem kleinen Schwung um die Halbinsel Sirmione schon am östlichen Ufer. Die Straße bleibt sich immer gleicht gut. Wir rollen in Garda ein und schauen zu, wie sie mehrpfündige Schleien zu Dutzenden aus dem Wasser ziehen. Ein Glück für die Fischer, daß wenigstens in der Nacht der See nicht durchsichtig ist bis auf den Grund, sonst gingen die schweren Kerle nicht in die Reusen.

Dann schwimmen wir auch wie die Fische und setzen uns zu den Wäscherinnen unb winken mit den Sommerfrischlern zu dem Schwanendampf«: hin­über, dem es so schrecklich schwer fällt, ein kleines Auto einzuholen. Wenn wir mit ihm in Riva ein- tresfen wollen, müssen wir unterwegs öfters eine Zitonen-, Kaffee- und Weinpause einlegen. Bor Malcesine schreitet eine Wasserträgers, wie nur eine vom Gardasee schreiten kann. Lässig hüll der nackte Arm das Krummholz über der Schuller, an dessen beiden Enden je ein voller Kupferkessel baumelt Anita behauptet, ich habe nur Augen für das Mädel, wäh­rend sie von der Stupferprad)t doch gar nicht los­komme. Schon, sollst du das Kupfer haben! Und ich knipse das Mädel. Wie es dastand, als die Kessel samt Krummholz zu den Zittonenbüscheln vom ande­ren Ufer wanderten! Verrückte Fremde ...

So beftachtet kamen wir nach Riva, jawohl. Ob­wohl es hinter Malcesine die Welt gewohnt war, aufzuhören wie drüben in Gargnano. Auch hier stie­gen die Hunderte von Meter langen Felsenkerle un­mittelbar ins Wasser, es gab da die berühmte schiefe Ebene, einen pyramidenflächenhaft in den See glei­tenden, schieferkahlen Berg. Nun ist hall auch diese Rutschbahn durchtunnelt, Goethe hat sich das nicht träumen lassen, als fie ihn wegen seiner wild­romantischen Zeichnungen in dieser Gegend verhaf­ten wollten. Torbdle noch die Gardaschleife ist geschlossen, das Wunder vollendet. Alles in einem halben Tag, in wenigen Stunden, wenn man will. Es ist kein Lob groß genug für diese Straße.

Aus aller Well.

Gedenkfeier für befallene deutsche U-Bootsleufe.

Bei dem Passieren von Fastnet Rock veranstaltete der SchnelldampferColumbus" des Norddeutschen Lloyd um 1 Uhr nachts eine Gedenkfeier zu Ehren der gefallenen deutschen U-Dootsleute und zur Erinnerung an die Besatzung des vor 16 Jah­ren dort untergegangenen Unterseebootes WU C 44". Kapitän Ahrens ließ das Schift stoppen. Nach kurzer Ansprache versenkte der frühere Kommandant Kapitänleutnant a. D. Tebbenjohanns einen Kranz aus deutschem Eichenlaub mit fchwarzweiß- roter Schleife.

Graf Zeppelin" wieder nach Südamerika unterwegs.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" startete am Samstag um 20.2-5 Uhr in Friedrichshafen mit 15 Passagieren an Bord zu seiner vierten dies­jährigen Fahrt nach Südamerika. Die Füh­rung hat Dr. Hugo Eckener. Das Luftschiff nimmt 160 Kilogramm Post und 80 Kilogramm Fracht mit Es führt zum ersten Male unter den neuen Hoheitszeichen des Reiches, und zwar befinden sich an der Stabilisierungsfläche oben und unten die Hakenkreuz- und die schwarzweißrote Flagge. Das Luftschiff hat nach einer Meldung aus Funchal am Sonntag um 20 Uhr Madeira passiert.

Massenflugverkehr über den Atlantik.

Die französischen Fliegerleutnants Maurice Rossi und Paul C o d o s sind am Samstag um 10.41 MEZ. vom Lloyd Bennett-Flugplatz bei Reuyork zu einem Flug ohne Zwischen­landung nach der Türkei, wenn möglich sogar bis Bagdad oder nach Karatschi (2ritisch-2n- dien) gestartet Sie haben die Absicht, den» Weltftreckenrekord für ununterbrochenen Flug zu brechen. Die polnischen Flieger Gebrüder Benjamin und Ioses A d a m o w i h treffen Vorbereitungen zu einem Oltlantifflug, der sie über Harbourg-Grace nach Warschau führen soll. Der frühere englische Fliegeroffizier Trier- s o n ist am Samstagmorgen vom Brough-Flug­platz bei Hüll zu einem Atlantikflug mit dem Ziel Reuyork gestartet. Der schweizerische Flieger Karl Rauer ist von Kapstadt zu einem Dauerflug nach London gestartet. Das Flieger- Ehepaar Lindbergh ist nach siebenstündigem Westflug-Ost-Flug über das Inlandeis am Freitagabend bei der Ella-Insel an der grön­ländischen Ostküste eingetroffen.

Der französische Ozeanflug.

Die beiden französischen Flieger Rossi und C o - dos, die am Samstag gegen 5 Uhr Reuyork ver­lassen haben, um einen Angriff auf den von England gehaltenen Weltrekord im Langstrecken- flugzu unternehmen, haben den Ozean bezwungen. Die Landung soll erst erfolgen, wenn der mitgenom­mene Brennstoffvorrat vollständig erschöpft ist. Als Proviant haben die Flieger fünf Brathähnchen, ein sehr starkes Fleischbruhen-Gelee, 36 Orangen, star­ken Kaffee und 24 Zllronen mitgenommen. Diese Speisentarte hat chnen den SpitznamenFliegende Feinschmecker" eingebracht.

Beim französischen Luftfahrtministerium trafen um Mitternacht die ersten Funksprüche ein. Das

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dem Zwillingsbruder des berühmten Professors Piccard, befehligt. Der Ballon wurde nur hall» gefüllt, um Gasverluste beim Erreichen der dün­neren Lufftchichten zu vermeiden. Er stieg schnell empor und entschwand schließlich den Blicken. Zehn Minuten später meldeten Beobachter auf Dem Dach eines Ausstellungsgebäudes, dah der Ballon in der Stadt Chicago niedergegangen sei. Die Landung erfolgte auf einem Eisenbahndamm, ungefähr 30 Meter östlich des Äsers des Chi­cago-Flusses. Die Gattin des Fliegers, Feuer­wehrwagen und Krankenwagen eilten sofort an Ort und Stelle, doch Commandor Settle ent­stieg unverletzt der Dallongondel. Seine ersten Worbe waren:Zigaretten auslöschen!" Er be­richtete:Als der Ballon 1500 Meter erreicht hatte, zog ich die Dentilleine, um eine Weile diese Höhe Ku halten. Das Ventil klemmte aber und schloh sich nicht wieder. Der Ballon begann zu fallen. Ich fing an, Ballast auszuwerfen, 55 Sack im Gewicht von je 40 Pfund, aber der Ballon ging unaufhaltsam herunter." Commandor Settle _ äußerte große Freude darüber, daß der Ballon und die wertvollen Instrumente unbeschädigt ge- . blieben sind und drückte die Hoffnung aus, daß er bald in der Lage sein werde, einen neuen Versuch gai unternehmen.

3m 3uli 157 Kriegerleichen in Rordfrankreich geborgen.

Im Departement Pas de Calais wurden im Juli 157Leichendeutfcherundfranzösischer K r i e g s t e i l n-e b m e r geborgen. Von den deut­schen konnten neun an Hand der Erkennungsmarken identifiziert werden. Bei 23 war jede Feststellung unmöglich.

Hitzewelle in Spanien.

Infolge Hitzsch lags sind in Cordoba fünf und in Sevilla vier Personen g e ft o r b e n. Außerdem sollen 200 Fälle ernstlicher, durch die in ganz Spa­nien herrschende Hitze verursachter Erkrankungen zu verzeichnen sein.

Verantwortlich für Politik: i. V.: Ernst Blumschein.