Ausgabe 
7.3.1933 Frühausgabe
 
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Aus -er provinzialhaupista-t

1

Helft -er Winternothilfe!

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nun die versonnene Dame mit den drei Schi und. malitiös. lächelnd rief sie ihr zu:G i

iirrnen,

Utes

(Lust. Bl.)

geben?.'

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Th2.

Bureau be8 Hauses tätig war, bic Erlaubnis zum Witnehmen erhalten und auS dessen Stellung entnommen haben, daß er zu einer derartigen Er­laubnis berechtigt sei. Dieser bestätigte im grö­len und ganzen die Angaben des Angeklagten. Allerdings war er in feinen Aussagen zurück- jaltenb. Auch in diesem Falle erfolgte 5ret pr echung wegen mangelnden Beweises.

Problem Nr. 339.

Don E. Dething, Aiga.

Weih 7 Steine: Kf2; Dg6; Tf6; La5, Bg3, g4.

Schwarz 4 Steine: Kd4; Ba7, eo, g5.

Bornotizen.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, zum letzten­mal das DauernkriegsdramaDer Bundschuh" von Karl Neurath (zweiter Abend im Zyklus hessischer Dramatiker). Gewöhnliche Preise. 22. Dorstellung im Dienstag-Abonnement. Ende nach 22.30 Uhr. Mittwoch, ß. März, 21. Darstellung int Mittwoch-Abonnement um 2 0 Uhr (nicht tote irrtümlich angegeben 19.30 Uhr!) der SchwankDa stimmt waS nicht" vo Franz

Emgesanbt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik tehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem

Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Rundfunk und Straßenbahn.

Trotzdem von Rundfunkhörern schon verschiedent­lich Versuche gemacht wurden, zu erreichen, dah die Gießener Straßenbahn entstört mirtk ist von dem Südwestsunk sowie jetzt durch die Reichspost noch kein Ergebnis erzielt worden. Daß die Entstörung der Straßenbahn ein unbedingtes Bedürfnis ist und jon jedem Runkfunkhörer sehnsüchtig erwartet wird, bedarf wohl keiner besonderen Begründung. Soviel

Schach-Ecke.

Bearbeitet von W. Orbach.

Weih zieht und seht in drei Zügen matt.

Problem Nr. 340.

Don F. Möller. Ahlten.

Weih 6 Steine: Ka2; De7; Tal; Lh6; Sei, g5. Schwarz 5 Steine: Kd2; Df4; Sd4; Bc4, e2. Weih zieht und seht in zwei Zügen matt.

Partie Nr. 244.

Aljech'.ns Verteidigung.

Gespielt um die Schachmeisterschaft der Stadt Frankfurt a. M. am 2. Januar 1933.

Weih W. Orbach (auher Wettbewerb).

Schwarz: St. Decker.

I.e2-e4, Sg8- f6 2. e4 - e5, Sf6-d5. 3. Sbl-c3, Sd5xc3. 4. b2xc3, d7d6. 5. e5xd6, e7xd6. 6. d2 d4, Lf8 - e7. (Besser erscheint der Ausbau 6...,d5 ufto.) 7. Lfl -d3, 0-0. 8. Sglc2. (Der Spr. strebt nach den Feldern f4 und g3.) 8 Lc8g4. 9.0-0. (Dersehll wäre selbstredend 9. f3? wegen 9.....Lh4 usw.) 9....,

Sb8-d7. (Schwarz sollte sich hier lieber durch 9.....

Sc6 den Rückzug für den D-Läufer vffenhalten.) 10. f2f3, Lg4 - h5. (Aus 10 Leb konnte schon 11. db nebst 12. Lxh7+ usw. folgen.) 11. Tal -bl, f7 f5? (Schwarz beginnt zu künsteln, womit das Schicksal seiner Partie besegelt ist; geschehen sollte ... Tb8.) 12. Se2f4, Lh5f7. 13. Ld3xt5, Lf7xa2 (Ganz schön kalkuliert, aber): 14. Lf5-e6+, La2xe6. 15. Sf4xe6, Dd8-c8. 16. Se6xf8, Le7xf8. 17. Ddl-d3!, Sd7-f6. 18. Lei g5, Sf6-d5. 19.c3-c4, Sd5-b6. 20. Tfl - el. a7-a5. 21 Lg5-e7, a5-a4. 22. c4-c5, Lf8xe7. (Aus 22...., Sd5 entscheidet 23. Dc4 und22.....Sd7.

23. Dc44- nebst 24. Df7 usw.) 23. Telxe7, d6xc5. 24. d4xc5 (Schwarz gab auf, da er eine Figur ver­liert; z. B: ...24...., Df8. 25. De4! ufto.)

Lösung des Problems Ar. 337. Don Dr. Zepler.

1. De5-d5l, Kgl. 2. Tg74- usto. 1.

2. Te7-s- usto. 1...., Tgl. 2. De4-s-usto. 1

2. Ddl-f- usto. 1. ..., h2. 2. Dd3+ usto.

Lösung des Problems Ar. 338. Don M. Barulin.

l.Sf4h5! usw.

WaswäredasThealerohneQuasseWppe?

Theater am Telefon Telefon am Theater.

Von Professor Emil pirchan.

Geschäft heute, wie?!"

komplizierter Fall.

Nero, der Hund der Familie Müller, ist sehr ge- fräßia. Nichts Genießbares ist vor ihm sicher.

Maxi", fragt neulich Frau Müller streng chren Buben,wo ist die Torte hingekommen, die wir gestern übriggelassen haben?"

Der Nero hat sie gefressen, Mutti!"

Sooo? Und wer hat ihm den Büfettschlüssel ge-

Aus der Schachwelt.

Im vorjährigen Weihnachtsturnier zu Hastings siegte Flohr 4-7, vor Pive 4 6V2. Sultan Khan und L .Steiner je -s- 51/». Michel! -s- 4l/i, Alexan­der, Mih Menshi! und Sir ThomaS je -s-3V,> Jackson 4-3, Thlor 4-2x/r

Aus dem Meisterturnier der Berliner Schach- gesellschast gingen Ahues und K. Richter mrt 4-11 Punkten als Sieger hervor; es folgen: Rellstab 4- 9A, Gumprich und List je -4- 9. Schlage 4~ 8V2. Helling, Koch und Sämisch je +7, Föhn 4- 61/?, Wächter 4-6, Weichert 4-5, Benko und Eelstner je 4-3'/,. Dodenstein 4- IVa-

mal zum HU die automatischen Einstellungen nach Rücksprache mit demelektrisch-versierten" Oberleuchter so verstellt, dah sie nicht mehr richtig funktionierten. Da begab sich Fürchter­liches! Der Schnürbodenmeister erwischte an Stelle derTechnischen Leitung" daS Sekretariat, dem er lakonisch mitteilte, dah derDor-Zug", das Kopfstück", das ersteZug-Stück" hängengeblie- ben, da es aus der Rolle geraten sei. Ungläubig antwortete der Angerufene:Zugstück kenn ich nicht, aberaus der Rolle geraten",hängen- bleiben", das wär allerdings bei unseren Dar­stellern nicht unmöglich", worauf der Maschinist mit einem unsanftenRutsch mir den Buckel 'runter! geantwortet haben soll ... Sehr er­staunt war der Heizer, als er Mitteilung erhielt, tdah der Rapport der gestrigen Abendkasse nur 231 Mark gewesen sei, wofür er bloß ein ver­legen-unpassendesIst schon recht!" gefunden hat.

Der Inspizient wollte aus dem Versamm- lungszimmer den beliebten jugendlichen Helden zur Probe herbeiholen, aber er erhielt ein ra­schesIst leider nicht bei mir von der feschen Stenotypistin als Antwort. Sehr erstaunt war der Dramaturg, als ihm der Portier avisierte, der Geldbriefträger sei da; der herbeigestürmte Augur muhte aber zu seinem bitteren Schmerz mit leerer Tascheabstinken", denn der Betrag galt dem Oberregisseur für eine Funksendung.

Der Direktor wurde wirklich ungebührlich mit dem Auftrag bedacht, heute noch alle Wider­stände und die Versahteile zu kontrollieren. Als er über diese unangebrachte Zumutung wütend die Zentrale wählte, schnauzte chn mit seines Basses Grundgewalt der Bibliothekar an: Mensch, warum bimmeln Sie mich fortwährend an, ich hab' doch gesagt, dah unser Schmieren­häuptling die Textbücher für den ollen Schinken noch immer nicht ... weitet kam er nicht, denn das Hörrohr wurde unsanft in seine Ruhe­lage zurückgeschleudert.

Fast aber hätte die falsche Derbindung zu einer richtigen Derbindung gekuppelt, als der Tenorbuffo den Korrepetitor verständigen wollte, aber die ihm schon lange gewogene Sekretärin ans Hörrohr bekam:Heute, abends um sechs, können wir das Liebesduett im Ehorsaal endlich so lang versuchen, bis es klappt. Also auf Wiedersehen bei der KuhszeneI"

mir bekannt ist, hatte der Südwestfunk zur Ent­störung schon damals 1800 RM. bereitgestellt, dis nun auf die Reichspost übergegangen fein sollen. Di­zweite Hälfte (die Entstörung soll 3600 RM. kosten) sollte die Stadt Gießen aufbringen. Aber trotz dieses Entgegenkommens lehnte die Stadt Gießen ab. Jeden anderen jedoch, soweit er im Besitz einer störenden Anlage ist, zwingt man dazu, diese zu ent­stören. Warum nicht auch hier? In anderen Städten ist diese Angelegenheit längst erledigt. Der Rund- funtb rer hat doch ein Anrecht auf einwandfreien Empfang oder er ist, als Gegenmaßnahme, schließlich dazu berechtigt, die monatliche Gebühr so lange nicht zu bezahlen, bis die Beseitigung dieser großen Stör, quelle in Angriff genommen bzw. beseitigt ist. Selbst die Fachgeschäfte, die im Bereich der Straßenbahn­linie liegen, und das ist die Mehrzahl, haben sehr unter dieser Störquelle zu leiden, die sich bei Vor­führung eines Geräts auf den Käufer (als Laien) benachteiligend auswirkt. Hoffentlicb bedarf es nur dieses Hinweises, um hier eine Aenoerung eintreten zu lassen und dafür zu sorgen, daß die Entstörung vis zur wärmeren Jahreszeit, wo die Einwirkungen am stärksten sind, durchgeführt ist. B.

führung der OperetteDas Dreimäderlhaus findet am Samstag, 11. März, als DollSvorstel- lung zu kleinen Operettenpreisen ftatt Anfang 20 Uhr; Ende 23 Uhr.

* Bekämpfung der Schnakenplage. Das Polizeiamt Giehen teilt mit: Die Grund­stückseigentümer werden nochmals auf die Be­kanntmachung des Kre'.samts Giehen im Amts- Verkündigungsblatt Ar. 70 vom 13. Dezember 1932 hingew.esen, wonach jeder Grundstückseigen­tümer verpflichted ist, in den Monaten Dezember bis Februar die auf seinem Grundstück befind­lichen, den Schnaken zur Brut dienenden Ge­wässer (Wassertümpel), Regenfässer, Bassins, Wasserlachen, Iauchegruben, Abortgruben usw. mit einem zur Dertilgung der Brut geeigneten Mittel (Saprol, Petroleum ufto.) zu übergießen. Richtbefolgung hat Bestrafung zur Folge.

* Seinen 71. Geburtstag begeht, wie man uns mitteilt, am morgigen Mittwoch Herr Lud­wig Euler, Bleichstraße 20. Der Jublllw war 33 Jahre lang als Fuhrmann bei der Firma Lynker tätig und ist dadurch in weiteren Kreisen bekannt geworden.

Reue Beitragsmarken in der Angestellten-Dersicherung. Dom 1. April 1933 an werden neue Beitragsmarken der Angestellten-Dersicherung ausgegeben, die das gleiche Markenbild wie bisher zeigen, sich aber durch die Farben und einen orangefarbenen Schuh­druck von den bisherigen Marken unterscheiden. Die bisherigen Marken werden von der Post nur bis einschliehlich 31. März 1933 verkauft. Wer nach diesem Zeitpunkte noch Beiträge für die Zeit vor dem 1. April 1933 zu entrichten hat, erhält nur noch die neuen Marken. Es ist ratsam, etwaige Beitragsrückstände noch vor dem 1. April 1933 zu beseitigen. Die Gültigkeitsdauer der bisheri­gen Marken läuft mit dem 30. April 1933 ab. Sie dürfen also nach dem 30. April 1933 nicht mehr verwendet werden. Unbeschädigte Stücke der bisherigen Marken können bei der Post bis zum 31. Juli 1933 gegen neue Beitragsmarken der Angestelltenversicherung umgetauscht werden.

ee Siebente Baugeldzuteilung ber Oef fentlichen Bausparkasse. Die sie­bente Baugeldzuteilung der Oessentlichen Bau­sparkasse (Abteilung der Landeskommunal-Giro­zentrale für Hessen) in Darmstadt findet am Mittwoch, 12. April, in Darmstadt, Landes- kommunalbank-Girozentrale, statt. Zuteilungs­berechtigt sind sämtliche Bausparer, deren Der- trag spätestens am 1. Januar 1933 (für Tarif 18 spätestens am 1. Dezember 1932) begonnen hat und die mit Einzahlungen nicht im Rückstand sind. Alle öffentlichen Bausparkassen in Deutschland haben bis Ende 1932 insgesamt 50 211 Bauspar­verträge über zusammen 258 Millionen Mark ab­geschlossen. Davon wurden bisher 7222 Bauspar­verträge über zusammen 45 445 000 Mark zu- geteilt.

Amtsgericht Giehen.

In der Rähe der Einmündung des Wetzlarer Wegs in die Frankfurter Strahe in Klein-Linden, einer bekannten Gefahrenstelle für Fahrzeuge aller Art, aber auch für unvorsichtige Fußgänger, rannte ein von Grohen-Linden kommender Rad­fahrer frühmorgens wider ein Mädchen, das im Begriff stand, die Strahe zu überqueren, um zu ihren bereits vorausgegangenen Kameradin­nen zu gelangen. Beide fielen, und das Mädchen wurde leicht verletzt. Der Angeklagte hatte das Gefühl, dah nur dieses an dem Unfall schuld sei, und gab ihm eine derbe Ohrfeige, doch wurde gegen ihn Anklage wegen fahrlässiger Körper­verletzung erhoben, der Radfahrer aber frei- gesprochen. Das Gericht nahm an, dah nicht er, der mit mäßiger Geschwindigkeit gefahren und des öfteren Glockensignale gegeben hatte, sondern die Derletzte unachtsam gewesen ist und beim Herannahen des Radfahrers unüberlegt gehandelt hat. Eine vorübergehende Frau hatte kurz vor dem Unfall sich veranlaßt gesehen, dem MädchenAchtung" zuzurufen. Dadurch mag es verwirrt worden sein, denn es lief fast in das Rad hinein. Wäre es, wie ein Augenzeuge aus­sagte, ruhig weitergegangen oder hätte ftidgeftan- den, würde nichts passiert fein. Der Angeklagte, der durch den Unfall schwer zu Schaden ge­kommen war er hatte 13 Wochen mit seinen Verletzungen zu tun und wurde daher frei- sprachen. Wegen der Ohrfeige war ihm be­reits ein Strafbefehl über 10 Mark zugegangen, den er, da er sich offenbar schuldig fühlte, rechts­kräftig werden lieh.

Ein wegen Betrugs vorbestrafter auswärtiger Viehhändler soll sich wiederum eines solchen schul­dig gemacht haben. Er verkaufte dem Geschädig­ten eine Kuh als fehlerfrei für 175 Mk., obwohl sie krank und höchstens 100 Mk. wert war. Eie war kurze Zeit vorher von ihm gekauft worden, allerdings ebenfalls als fehlerfrei, so dah ev nach seiner Behauptung vollauf berechtigt gewesen ist, sie auch seinerseits dem Käufer gegenüber als fehlerfrei zu bezeichnen. Es lag aber eine Reihe von Verdachtsmomenten gegen ihn vor, nament­lich waren Krankheitserscheinungen aufgetreten, nach denen zu schliehen war. dah er doch um die Krankheit der Kuh wuhte, sie aber arglistig ver­schwieg. Trotzdem konnte das Gericht sich nicht von der vollen Schuld des Angeklagten über­zeugen und sprach ihn wegen mangeln­den'Beweises frei.

Auch der nächste Angeklagte, ein hiesiger Ar­beiter. war wegen wiederholten Diebstahls schon vorbestraft und soll einen solchen erneut be­gangen haben, indem er ein auf dem Speicher deS Gewerkschaftshauses stehendes altes Rad mitnahm. Er leugnet aber die Diebstahlsabsicht und will von einem Bekannten, der in einem

Oie Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedaktionStisch.

Die Dame mit den Schirmen.

Eine nicht mehr junge Same, die offenbar in schwere Gedanken vertieft war, saß in der Unter­grundbahn, um aus einem Berliner Vorort in die In­nenstadt zu fahren. Sie hatte ihren Schirm links neben sich gestellt, und als sie aussteigen wollte fast hätte sie ihre Haltestelle verpaßt griff sie ver­sonnen und eilig nach der rechten Seite, wo der Schirm einer anderen Same stand, und wollte ihn mitnehmen.

Sie Same, die sich beraubt wähnte, rief empört: Aber bitte! Sie nehmen ja meinen Schirm!" Sie versonnene Same eilte mit einer schnell ge­stammelten Entschuldigung hinaus.

Sie ging bann mit ihrem Schirm in ein bekanntes Schirmgeschäft in der Nähe des Potsdamer Platzes, wo sie zwei in Reparatur gegebene Schirme abholen wollte; die waren fertig repariert, und mit den drei Schirmen, die sie nun hatte, machte sich die ältere Same auf den Heimweg.

Sie benutzte wieder die Untergrundbahn, und der Zufall wollte es, daß die empörte Same vom Vor­mittag wieder in dem Abteil mit ihr saß. Sa sah sie

Arnold. Ende 22 Uhr. Gewöhnliche Preise. 3um Abschluß dcs Hauptmann-Feierjahres bringt der Spielplan am Freitag, 10. März, unter der Spielleitung deS Intendanten daS letzte Werk des nunmehr 70jährigen Dichters Gerhart HauptmannVor Sonnenuntergang" zur Auf­führung. Intendant Dr. Prasch selbst spielt die RÄle des Geheimrats Elausen. Die Erst­aufführung ist bei gewöhnlichen Preisen die 22. Vorstellung im Fre.tag-Abonnement. Spiel­dauer von 20 bis 22.45 Uhr. Die letzte Auf-

Wie man vor Erfindung des Telephons ein Theater leiten konnte, ist heute ein Rätsel. Der Herr Tenor sagt plötzlich ab, und nur telepho­nisch kann aus einer anderen Stadt gerade noch ein Ersah engagiert werden, der vielleicht nur mit Augzeug zur Abendvorstellung eintreffen wird. Immer plötzlich geänderte Proben können nur durch den Fernsprecher den Mitgliedern an­gelegt werden, die Kritiker vermag man, wenn man Glück hat, noch ebenso zu der Abendvorstel­lung zu laden. Das Telephonfräulein hat alle Hände und Ohren voll zu tun, um Verbindungen herzustellen: Sechs Meter Samt sind schnellstens zu liefern für ein Kleid der unzufriedenen Prima­donna! Hundert Quadratmeter Schirting eilig senden zu einem Transparent, das abends schon ausgemalt spielen muh! Sechzig Programmhefte mehr drucken, da heute einstarkes Haus! Um Gvtteswillen die zweiOrchesterstimmen" gleich noch nachliefern, sonst kann die Vorstellung nicht stattfinden!

Der Heldenvater stellt sein familiäres Mit­tagessen ab, das Dallettmädchen ihr Rendezvous, well die Probe viel länger dauert. Die beliebten Freikarten sind doch bewilligt, da müssen Freun­dinnen, Tanten unb gnädige Lieferanten gleich verständigt werden. Das Publikum hängt un­geduldig an der Quasselstrippe, um bei der Kasse Karten zu bestellen, sich über die nächste Be­setzung zu erkundigen oder gar Beschwerden zu führen.

Aber auch auf der Bühne selbst spielt das Telephon eine oft sehr wichtige Rolle, vom Marquis von Keith" bis zumKopf in der Schlinge" wird mit imaginären an der kaschier­ten Attrappe eines solchen Apparats zum Scheine, der die Wirklichkeit bedeutet, eindringlich ge­sprochen ...

Was aber als eingeheiztes Theater" gelten will, hat eine mehr ober minder stattliche An­zahl von automatischen Haustelephonen instal­liert; der Direktor muß mit der Kasse, die Kasse mit dem Portier, der Portier mit dem Dersammlungszimmer, das Versamm­lungszimmer mit der Bühne, die Bühne mit der Bibliothek, die Bibliothek mit dem Ballett­saal, der Ballettsaal mit dem Sekretariat, das Sekretariat mit der Kasse, und die Kasse mit dem Direktor zu einem mehr oder minder melo­dischen Sprechreigen verbindbar sein!

Einer der nie aussterbenden Spaßvögel hat

Schulentlassung Berufswahl.

Roch drei Wochen, dann verlassen wieder Zehn­tausende von jungen Leuten die Schule. Sie Ent­scheidung über ihr künftiges Leben tritt mit allem Emst an sie heran. Welchen Beruf ergreifen? Noch nie ist diese Frage so schwer zu beantworten ge­wesen, wie gerade jetzt. Immer schlechter sind die Aussichten geworden, beim Handwerk, im Gewerbe, in kaufmännischen Berufen ebenso wie in der aka­demischen Laufbahn. Auch die Aussichten, die Be­amtenlaufbahn einzuschlagen, haben sich verschlech­tert.

Soweit noch eine Anstellungsmöglichkeit bei irgendeiner Behörde besteht, ist diese denkbar ge­ring geworden. So hat sich bei der Re 1 chsp 0 st der Rückaang der Einnaymen auch auf die Beam- , ten und Angestellten ausgewirkt. Zwar werden im Etat 2000 neue Planstellen für den mittleren und unteren Dienst verlangt, bei insgesamt 240 000 Post, beamten ist die Zahl der neuen Stellen an ftrfjjchon gering. Dazu kommt noch, daß diese neuen «teilen zu einem wesentlichen Teil mit Dersorgungsanwär- tern besetzt werden. Bei der Reichsbahn liegt die Sache ebenso. Auch hier ist in den letzten Jah­ren ein großer Abbau von Beamten und Ange­stellten erfolgt. Trotzdem Ist der Bestand an An­wärtern noch sehr groß. Ehe diese nicht unterge­bracht sind, ist mit einer Öleueinftellung von Schul­entlassenen nicht zu rechnen. Sie Reichswehr teilt alljährlich zum Frühjahrs- und Herbstscbul- chluß etwa 9000 Mann ein. Auch hier ist der An­fang sehr groß und die Auswahl dementsprechend ehr sorgfältig. Nur ein geringer Bruchteil der Frei- willigen kann berücksichtigt werden. Sieselben Vor­aussetzungen (teilt die Polizei an die große Zahl der Bewerber. Hier ist außerdem noch zu be­rücksichtigen, daß die Anwärter 21 Jahre alt sein müssen, eine Bewerbung für eben Schulentlassene also er ft später in Frage kommt. Im Reichsdienst kommt hauptsächlich die Reichsfinanzver­waltung als Behörde in Frage, bei der Ergän­zungen des Personals erfolgen. Aber auch hier sind die Aussichten auf eine Sauereinstellung sehr be- schränkt, denn von den etwa 1300 jährlich benötig­ten Neueinstelkmgen sind bereits über 300 gestri­chen, und soweit vorübergehende Mehrarbeit zu leisten ist, wie zur Zeit der Steuererklärungen, wer­den Aushilfskräfte auf kurzfristige Kündigung ein- gestellt. Dasselbe gilt auch von der Reichsar - beitsverwaltung. Auch hier begnügt man sich in der Hauptsache mit Aushilfskräften, zumal die Anstellung des Personals bet dieser Behörde nur auf Tarifvertrag nach dem Leistungsprinzip erfolgt, eine Beamteneigenschaft also nicht erworben wird. Ebenso liegt es bei den zahlreichen Kommunal- b e h ö r d e n , wo der Aufgabenkreis bei allen Ver­waltungszweigen in den letzten Jahren wesentlich verringert worden ist. Da die freiwerdenden Stellen von abgebauten Beamten anderer Behörden besetzt werden, ist hier zu beachten, daß durch die Außer­kraftsetzung des Wohnungsmangelgesetzes unb der damit erfolgten Aufhebung her Wohnungsämter wieder zahlreiche Beamte frei werden, die in ande­ren Behörden untergebracht werden müssen.

Zusammenfasiend muß feftgeftellt werden, daß die öffentlichen Verwaltungen des Reichs, der Län- der und Gemeinden junge Beamtenanwärter vor­läufig kaum einftellen und daß die öffentlichen Verkehrsbetriebe, Reichsbahn und Reichspoft, eben­falls keine erwähnenswerten Anstellungsmöglich- kellen bieten. Nur Reichswehr und Polizei bieten noch Aufnahmemöglichkeiten. Jedoch ist hier zu be- achten, baß von 100 Bewerbern etwa 90 abgewie- fen werben müssen. Es ist zu wünschen, baß dieser Zustand bald ein Ende finden möge.

Zackelzug

der (5(5./ (5A. und des Stahlhelm.

Aus Anlaß des Wahlsieges der Regierungs­parteien veranstalteten die Gießener ES. und SA., sowie der Gießener Stahlhelm gestern abend als sichtbaren Ausdruck ihrer Genugtuung über den Wahlausfall einen Fackelzug.

Um 20 Uhr stellten sich die SS.-. SA.- und Stahlhelm-Formationen am Brandplatz und vor dem KreiSamt auf. Dor Beginn des Umzuges wurde unter stürmischen Heilrufen die Haken­kreuzfahne am Kreisamtsgebäude gehißt, anschließend fang die große Menschen­menge gemeinsam mit den Teilnehmern des Fackelzuges das Horst-Wessel-Lied.

Sodann begann der Umzug, der vom Kreisamt aus durch die Ostanlage, Walltorstrahe, Kirchen- plah, Schulstraße, Sonnenstrahe, Seltersweg, Frankfurter Straße, Liebigstraße. Dahnhofstraße, und Reustadt zum Oswaldsgarten führte. Schon vom Drandplah ab säumte eine große Men­schenmenge die Warfchstraßen des Fackelzuges, dem unterwegs vielfach Sympathiekundgebungen bereitet wurden. Hinter einem SA.-Spielmanns- zug und einet SA.-Kap«le marschierten die ES. und SA., die Hitlerjugend, die nationalsoziali­stische Frauenschaft und zahlreiche' Rational­sozialisten in Zivil, anschließend folgte der Stahl­helm unter Vorantritt seiner StahLelmkapelle.

Aus Oswaldsgarten marschierten die Forma­tionen in einem großen Kreis auf, der ebenso wie am Samstagabend wieder von einer gewal­tigen Menschenmenge umsäumt wurde. Rach dem Zusammenwerfen der Fackeln sang man unter Begleitung der beiden Kapellen gemeinsam das Deutschlandlied. Mit begeisterten Heil-Rufen auf den Reichskanzler Adolf Hitler fand die em- drucksvvlle Kundgebung ihren Abschluß. Hierauf rückten die Formationen gruppenweise nach chren Standquartieren ab.

Heute vormittag kurz nach 7 Uhr marschierte die Gießener SA. unter Witführung ihrer Fah­nen zum Stadthaus an der Bergstraße, auf dem die SA. ebenfalls die Hakenkreuzfahne hißte. Ferner wurde die nationalsozialistische Fahne rwch am Stadthaus in der Gar­te n st r a h e und am A l t e n R a t h a u s gehißt. Ebenso war heute früh am Polizeiamt die Hakenkreuzfahne zu bemerken. Die genannten Ge­bäude sind außerdem noch in den Landesfarben beflaggt.