Für den kommenden Sonntag ist die Wählerschaft für das Land Preußen erneut auf- gerufen, um mit dem Stimmzettel einzutreten für die Erhaltung einer geordneten Staatsverwaltung in den Gemeinden. Kreisen und Provinzen. Die Selbstverwaltung ist ein hohes Gut. Sie ist Schutz gegen diktatorisch-zentralistische Verwaltung. Selbstverwaltung ist Grundlage eines aufrechten und freien Bürgertums und damit Grundlage eines innerlich gesunden Dolksstaates. Die Zusammensetzung des Preußischen Staatsrates und die Vertretung der Provinzen im Reichsrat wird von der Entscheidung am 12. März abhängig sein.
Hugenberg an die Oeuisch- nationale Volkspariei.
Berlin. 6. März. (TU.) Dr. Hugenberg hat an die Landesverbände und Kreisvereine der Deutschnationalen Volkspartei einen Aufruf veröffentlicht, in dem es heißt: Die Wahl hat der nationalen Regierung dieMehr- heit gebracht. 2m Reich und in Preußen sind klare Möglichkeiten für eine durchgreifende Aufbauarbeit geschaffen. Dem Marxismus ist der Rückgang zur Macht versperrt. Dem Zentrum ist zum ersten Male seit 1918 seine verhängnisvolle parlamentarische Schlüsselstellung in der deutschen und in der preußischen Politik genommen. Alle außerhalb der geschlossenen Gefolgschaft der Regierung stehenden schwankenden Gruppen sind zu völliger Bedeutungslosigkeit verurteilt.
2m Rahmen der Kampffront Schwarz-Weitz- Rot, Schulter an Schulter mit den in dieser Front stehenden Führern und Verbänden, hat die Deutschnationale Volkspartei alle ihre Kräfte eingesetzt. Der von allen ihren Mitarbeitern in Stadt und Land mit Hingabe geleisteten Arbeit ist der Erfolg nicht versagt geblieben. Es ist gelungen, den Bestand an Wählern und Abgeordneten, den wir im Rovember vorigen 2ahres bei völlig anderen politischen Voraussetzungen unter Gewinn von fast einer Million Wählerstimmen errungen haben, voll zu behaupten. 2n der Preuhenwahl ist das Wahlergebnis des vorigen 2ahres um 40 Prozent verbessert worden. Die Wahlziffern des 5. März haben erneut bewiesen, daß d.e in christlich-konservativer Staatsauffassung unter der fchwarz-weih-roten Dis- ^marckfahne verbundenen Volkskräfte eine starke und unerschütterliche Wurzel darstellen. Den Dank, den die Deutschnationale Volkspartei ihren unermüdlichen opferfreudigen Mitarbeitern schuldet, bitte ich allen denen zu übermitteln, die in dieser Wahlfchlacht in der Front gestanden haben.
Schon am nächsten Sonntag ist bei den preußischen Kommunalwahlen eine neue ernste Probe für unsere Kampfkraft abzulegen. Auch hier haben wir die feste Zuversicht, daß es gelingt, in der Selbstverwaltung überall Vertretung zu schaffen, in denen Männer und Frauen unserer Anschauung im Rahmen nationaler Eesomtmehrheiten an dem großen Werke mitarbeiten können, dem sich nunmehr, von parlamentarischen Widerständen befreit, die Regierung der nationalen Einigung widmen kann. Heil Deutschland! gez. Hugenberg.
Das Lrgebmsdess.MrzimLcho des Auslandes
Das Echo in Rom.
R um, 6. März. (TU.) Der Sieg der nationalen Parteien bei den Wahlen findet bei der italienischen Presse ein begeistertes Echo. Die Mittags- blätter werden den Zeitungsverkäufern aus den Händen gerissen, und die deutschen Wahlen bilden das Tagesgespräch Roms. Man betrachtet die Tat- stiche, daß Die Regierung die absolute Mehrheit er» halten hat, insofern als sehr befriedigend, als nunmehr ohne Ueberstürzung mit klarer Ruhe an die Um- und Aufbautätigkeit gegangen werden könne. Auch der M e s s a g e r o" betont, nachdem die rote Hydra zermalmt und die politisierenden Jntrigan- ten und Parteigeister unschädlich gemacht seien, werde der nationalsozialistische Kanzler ohne Behinderung an die vielfachen Aufgaben Herangehen können, die in Deutschland zu lösen seien. Das WahlresuUat spreche eigentlich für sich selbst und bedürfe keiner Erläuterungen.
Unter der Ueberschrift „Der Sieg des neuen faschistischen Deutschlands" sagt Gay da im halbamtlichen „Oiornale d'Italia , Weimar sei endgültig tot. Die jetzt noch bestehende Opposition sei geteilt, und wenn in den deutschen Parteien Aufrichtigkeit herrsche, wäre keine Gemeinsamkeit zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten einerseits und dem katholischen Zentrum auf der anderen Seite möglich. Es fei im Gegenteil damit zu rechnen, daß bereits eine Annäherung zwischen dem Zentrum und Reichskanzler Hitler im Gange fei. Mit Weimar fielen zugleich auch die besonders in Frankreich gehegte Illusion, daß der Separatismus in den süddeutschen Ländern eine Rolle spielen könne. Wie alle gesunden und willenskräftigen Völker suche das deutsche Volk, dem Hitler die Treue, den nationalen Stolz und den Unternehmungsgeist wiedergegeben habe, den Grund- und Leitsatz seines Geschickes vor allem in sich selbst. „Der Sieg Hitlers", sagt Gayda, „ist für uns der Sieg der europäischen Kultur. Die Freundschaft und die Zusammenarbeit zwischen Italien und Deutschland werde heute gestärkt durch die betonte Verwandtschaft des Geistes und des Willens. Sie werden immer entscheidendere Faktoren für die Orientierung und den kulturellen Fortschritt in dem unruhigen Europa, das Gerechtigkeit und Einigkeit sucht."
Der „L a v o r o F a s c i st a" hebt hervor, daß das Ergebnis der Reichstagswahl einen Triumph der faschistischen Idee darstelle. — Die „Tribuna" bringt einen Leitartikel ihres Direktors Davanzati, in dem es u. a. heißt, das Zentrum habe bisher politische Profite in Verbindung mit der Sozialdemokratie gemacht. Es müsse jetzt versuchen, sich den Folgen seiner Fehler zu entziehen. — Der vatikanamtliche „Osservatore Romano" enthält sich zu den Wahlen in Deutschland jeden Kommentars.
Lleberraschung in polen.
Warschau, 6. März. (TLI.) Die polnische Presse hat auch diesmal nicht zuletzt auf Grunld entsprechend gearteter Berliner Meldungen, an einen Sieg der nationalen Regierung nicht glauben wollen und ihn zum mindesten als rechd problematisch bezeichnet. Deshalb heute große Lleberraschung. Die offiziöse „Gazeta Pol- s k a" stellt die sophistische Frage, werde dieser Wahlsieg der nationalen Regierung das Ende oder den Anfang des Kampfes darstellen? Das Blatt möchte annehmen, daß der Kampf, worunter es den Bürgerkrieg verstehen möchte, nunmehr erst anheben wird. — Rach dem regierungstreuen „K u r j e r Porannh" sei es klar, daß die eine Million Stimmen, dis die Kommunisten eingebüßt hätten, Hitler zugute gekommen seien, was die Lage sehr originell und fragwürdig gestalte. Daß Hitler selbst nicht die Mehrheit erhalten habe, sei ein Beweis, daß das deutsche Volk ihm sein Schicksal nicht am- vertrauen wollte und daß somit die Entscheidung auch weiterhin in Händen Hugenbergs» liege.
Was sagt man in Schweden?
Stockholm, 6.März. (TLI.) Das 2nteresse in Schweden für die deutschen Wahlen war beispiellos. Die ganze Rächt hindurch übertrugen alle schwedischen Rundfunksender die Wahlergebnisse und auch die Presse steht vollkommen im Zeichen der Vorgänge in Deutschland. Während ein Teil der Linkspresse — darunter „Sagend Ryheter" — von „unglaublichem Wahlterror" spricht beurteilt die Rechtspresse den Wahlausgang durchaus sachlich und sympathisch. „Sv en-
ska Dagbladet" stellt in dem Leitartikel „Regierungssieg in Deutschland" fest, daß die Wahl beweise, wie sehr die deutsche Arbeiterklasse für die nationale Parole zugänglich sei. Der neue Reichstag werde wahrscheinlich in der Hauptsache an Verfassungsfragen arbeiten und das Ergebnis durfte umso durchgreifender werden, als Sozialdemokraten und Kommunisten zusammen nicht einmal ein Drittel der Reichstagsstimmen besitzen. „Das Verbleiben des Kabinetts H i t l e r - P ap en- Hugenberg in unveränderter Gestalt stimmt nicht nur mit den Forderungen der formalen Demokratie überein, sondern ist die beste überhaupt mögliche Bürgschaft für Deutschlands innere Ruhe und wirt^aftliche Konsolidierung.
Dänische Stimmen.
Kopenhagen, 6. März. (DLL.) Die Morgenblätter veröffentlichen den Sieg der nationalen Front in Deutschland mit riesigen Schlag
zeilen. Die gesamte Presse bringt ausführliche Leitartikel. Liebereinstimmend wird festgestellt, ein bedeutendes Moment der Wahl sei darin zu erblicken, daß Hitler namentlich in Süddeutschland einen sehr großen Erfolg erzielt habe. „Derlinske Tidende" (konservativ) stellt weiter fest, die Wahl habe Klarheit darüber geschaffen, daß die nationale Politik wieder eine klare Mehrheit in dem deutschen Volke hinter sich habe und daß die ganze Verantwortung auf dem Kabinett Hitler liege, das in keinem Gegensatz zu der neuen in Preußen zu bildenden Regierung stehen werde. „Sagend Ryheter" (konservativ) stellt fest, daß Der deutsche Parlamentarismus tot sei, der Weg zur Garnisonskirche in Potsdam offen und die Verbindung mit Weimar abgeschnitten sei. Das übrige Europa könne nur hoffen, daß die Wahlen, die fußlange Zeit die letzten sein würden, Ruhe mit sich bringen, deren das Reich im höchsten Maße bedürfe.
Weitere preffeftimmen zum Wahlsieg Hitlers.
Berlin., 6. März. (CNB.) Die Blätter, die politisch den in der Regierung vertretenen Gruppen nahestehen, sprechen in ihren Kommentaren zu dem Wahlausgang von einem „Siege der deutschen Nation" und dem „Siege der Regierung".
Der „Tag" (dtsch.natl.) führt aus, in der berechtigten Freude über diesen Sieg, der unter 14 Jahren erbitterten Kampfes der nationalen Bewegung gegen das System von gestern den Schlußstrich der glatten Rechnung zieht und die Bahn frei gibt für den Kampf für Deutschland, seine geistige und sittliche Erneuerung und wahrhafte innere Konsolidierung, angesichts dieser Wende gilt der erste Dank dem greifen Führer Hindenburg, der den Mut zum 30. Januar hatte und hinter dem nun die absolute Mehrheit seines Volkes steht, um ihm die Verantwortung, die er allein übernahm, freudig tragen zu helfen. — Der ,Lokalanzeige r^ sagt nach Hervorhebung des nationalsozialistischen Sieges, daneben sei der Erfolg der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot an sich fast bescheiden zu nennen. Sie habe aber eine abjolute Stimmenvermehrung erreicht und die in Verhältniszahlen ausgedrückte prozentuale Stärke der Deutschnationalen behauptet. Vor allem aber sei nur zusammen mit i h r die absolute Mehrheit der nationalen Front gegeben. Das und die gerade im nationalen Bürgertum ruhenden sachlichen und moralischen Kräfte machten sie unentbehrlich und ihre Stellung initent- scheidend und unabhängig von allen parlamentarischen Handelsgelüsten der Mitte. Aber wer möchte jetzt an Parteien denken? Um Deutschland gehe es. Und Deutschland habe gesiegt.
Von den oppositionellen Blättern nennt die „G e r- m a n i a" (Zentrum) die Wahlen „ungewöhnlich in ihrer Vorgeschichte und in ihrem Ergebnis". Die Zentrumspartei habe sich mit jener Sicherheit behauptet, die immer wieder ein Beweis für die unerschütterliche Treue und Geschlossenheit ihrer Gefolgschaft sei. Eine große Schlacht fei vorüber, aber der Kampf um die Selbstbehauptung des katholischen Volksteiles im Staat und in der Politik müsse weitergeführt werden. Aus der eindeutigen Mehrheit der Regierungsparteien ergäben sich klare Folgerungen. Die von einer Mehrheit des Volkes bestätigte Reicbs- regierung habe die Möglichkeit und damit die heilige Pflicht, verfassungsmäßig zu regieren. Es gebe heute keinerlei „Notstand", es gebe fein Versagen des Parlaments.
Die „V o s f i s ch e Zeitung" unterstreicht die Tatsache, daß alle Voraussetzungen für eine stetige Regierungsarbeit gegeben seien. Das „B. T." meint ebenfalls, daß feit langem keine Regierung eine so große Chance gehabt habe, aber auch keine sei mit so großen Verpflichtungen und einem so großen Vertrauensvorschuß an die Arbeit gegangen. Der „Börsencourier" spricht von einer Stabilisierung und Beruhigung der innerpolitischen Zustände, die schon dadurch erreicht sei, daß die neue Regierung jetzt verfassungsmäßig eine unbedingt zuverlässige parlamentarische Basis
habe und sich v i er Jahre langher Aufbauarbeit widmen könne, die sie sich vorgenommen habe. Eines der wesentlichsten Ergebnisse sei die Erstarkung der Zentralgewalt in Berlin, die zugleich eine Erstarkung der Reichseinheit bedeute.
Die „B ö r s e n z e i t u n g" (konserw) betont, daß, nachdem die Wahl der nationalen Bewegung den großen innerpolitischen Entscheidungssieg gebracht habe, die Regierung nun ihre Aufmerksamkeit der Außenpolitik zuwenden müsse. Sie werde das Bekenntnis der nationalen Mehrheit des deutschen Volkes als die Aufforderung zu einer kraftvollen und kompromihlosen Außenpolitik zu bewerten haben, kompromißlos besonders in Bezug auf den Kämpf um die deutsche Ehre, die deutsche Gleichberechtigung. — Die „Deutsche Tageszeitunq,! (Landbund) sieht in dem gestrigen Tage die Bestätigung dafür, daß wir uns in einer national - revolutionären Periode befinden. Revolutionen, gleichgültig mit welchem Vorzeichen, seien aber kein Dauerzustand, sondern stellten Llebergangserschei- nungen dar. Der Grundtendenz, nach der diese Regierung in ihrer Gesamtheit angetreten sei, entspreche es, wenn ihre Arbeit die Krönung finde in dein Zusammenschmelzen aller Gutgesinnten, aller Staatsbewußten zur Einheit der Ration, einem Ziel, für dgs sich in besonderer Klarheit der Vizekanzler v. P a p e n und die Führer des Stahlhelms wiederholt schon öffentlich eingesetzt hätten. — Die „K r e u z z e i t u n g" (Stahlhelm) sagt, die Demokratie sei mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Das deutsche Volk habe die Revolution, die Herr von Popen von oben einleitete, von unten her bestätigt und weitergeführt. Damit sei der Weg in die Zukunft gewiesen. Die nationale Regierung werde nicht ein Weimar von rechts schaffen, sie werde sich nicht nach irgendwelchen ausländischen Vorbildern richten, sondern einen kraftvollen und eigenständigen deutschen Staat bauen.
Kleine politische Nachrichten.
Reichskanzler Hitler empfing den Vorsitzenden und Geschäftsführer des Reichsbundes der Kinderreichen. Der Kanzler erklärte, er werde sich gern zu gegebener Zeit der Mitarbeit des Reichsbundes bedienen, um auf den verschiedensten Gebieten grundlegende Aenderungen herbeizuführen, die die Erhaltung der Familie und damit des ganzen Volkes sicherstellen.
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Zur Lage nach der Reichstagswahl spricht auf Veranlassung der Reichsregierung der Leiter der Pressestelle der Reichsregierung, Ministerialdirektor Funk, am heutigen Dienstag von 19.30 bis 20 Llhr. Der Vortrag wird über alle deutschen Sender verbreitet.
Wo unsere Störche rasten.
Von unserer L. O.-Berichterstatterin. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Luxor (Oberägypten), im Vorfrühling 1933.
Wer da glaubt, daß sich unsere Störche Aegypten als Winterquartier ausgesucht haben, irrt sich. Der Fremde zumal, der als Tourist reist, und es sich nicht vorstellen kann, daß ein Land, in dem den ganzen Winter über die Orangen- und Mandarinenbäume voller Früchte hängen, zahllose fremde und bekannte Vogelstimmen ihn am Morgen wecken, unserem an manchen Sturm gewohnten Storch, noch immer nicht als Winteraufenthalt genügt. Weil der Fremde aber, wie er annimmt, an jene Orte nicht geführt werden will, an denen die Störche sich in großen Scharen aufhalten sollen, wie er wohl in der Heimat hörte, begibt er sich schließlich selbst auf die Suche. Lind da kann es ihm leicht passieren, daß er jeden zierlichen Kuhreiher für einen jungen Storch hält oder gar für einen 2bis. 2a, solch einer optimistischen Touristin kann noch Qlerge- res zustoßen. Glaubte doch eine von ihnen neulich, statt eines Putenbratens einen schön gebratenen 2bis vorgesetzt bekommen zu haben, dessen zartes Fleisch sie laut pries. Daß niemand bei diesem Ausruf in die Worte ausbrach: „Da brat mir einer einen Storch usw." war wohl darauf zurückzuführen, daß gerade kein Deutscher zur cteile war. Aber allen Ernstes: Der Storch wie der 2bis, das Krokodil und das Rilpserd und die Paphrusstaude sind in Aegypten wild nicht mehr zu finden. Störche sieht man hier zu Zeiten allerdings. Aber nur im Vorüberfluge, auf kurzer Rast ober in Gestalt armer Invaliden, die nicht toeiterfliegen können und zurückbleiben müssen, während ihre Gefährten in gradem Flug die schlammigen Ufer der südafrikanischen Gewässer aufsuchen. Cs ist der Weiße Äil mit seinen Zuflüssen, der sie besonders lockt.
Mit voller Genauigkeit ist der Weg, den die verschiedenen Scharen nehmen, nicht festzustellen. Lins interessiert wohl aber zumeist der Weg, den unsere Störche einschlagen. Wan kann durch in ihrer Heimat beringte Restlinge beobachten, daß die im nördlichen Europa brütenden Störche, die sich im August zum Herbstzug sammeln, in südöstlicher Richtung den Weg über den Balkan, Kleinasien und Syrien nehmen. 2n Syrien kommen die ersten Züge schon in der dritten Augustwoche, die letzten aber erst etwa Mitte Septem
ber an: Hier teilen sich die Scharen. Die einen ziehen den Wustenweg nach Suez vor, wo die ersten bereits Ende August gesichtet werden und gehen, mit kurzer Berührung des Deltas, über das Rote Meer, und kreuzen das Riltal ungefähr erst bei Wadi Haifa. Die anderen halten sich strikt an der shrisch-palästinischen Küste, über- streichen das Sinaigebiet, dos Rote Meer und gelangen, gleich den ersten, auf diesem Wege auch erst in Äubien in das Riltal. 2e näher bte Vogel dem Sudan kommen, desto näher rüden die Felsen und die Wüstenstriche an das Flußbett. Das bewässerte grüne Fruchtland wird demgemäß immer weiter zurückgedrängt und die Futteraufnahme dadurch immer schwieriger. Daraus geht hervor, daß der nördliche Sudan ihr Ziel immer noch nicht sein kann. Das ist, wie erwähnt, der Weihe Ril im südlichen Sudan und seine von Sümpfen, stellenweise auch von Wäldern umgebenen Llfer im weiteren Afrika.
Der Llrsprung des Weißen Riis führt auf den „Kagera" zurück, öer sich aus dem Hochgebirge in den schon in Höhe von 1135 Meter gelegenen Viktoria-See ergießt, der weitere schlammige Binnenseen durchläuft und nach Aufnahme verschiedener südafrikanischer Quellenflüsse schließlich den Weihen Ril bildet. Das ihn umgebende Flachland ist eine Kombination von Wüste und Steppe, das in seiner ganzen Ausdehnung von dem Fluh wie von einem weihen dickflüssigen Schlamm-Meer monatelang überschwemmt wird. Die zurückbleibenden ©d)tamm- bänke, Lagunen und Sümpfe, wie die von den Lleberschwemmungen und Regengüssen ausgerissenen Wüstenpflanzen gebildeten 2nfeln bilden nun das Paradies aller Zug», insbesondere aller Wasservögel. Lind hier findet man auch unsere Störche mit allen ihren Ramensvettern in großen und in kleineren Gruppen wieder. Den weihschwarzbefrackten Hausstorch manchmal sorgar in geselliger Vereinigung mit anderen Dogelarten. 2n strenger Absonderung, stets kampfbereit, die schwarzen Störche. Dann die Löffel- und die Tantalusstörche, den Marabu- und den Sattelstorch. Kurz und gut, alt das andere Vogelvolk, das sich aus allen Breiten- und Längengraden hcer wärmen und laben will. Da schwimmen und waten sie futtersuchend zu Hunderttausenden. Zwischen ihnen oft kleinere Vögel, denen sie Schutz bieten gegen die über ihnen kreisenden Geier und Adler. Immer neue Schwärme langen an und verdrängen die anderen weiter in das südöstliche Afrika hinein bis ins Kenja- und Tanganjika-Gebiet, durch Abessinien und Rhodesien bis zum fernen Sambesi-Fluh. Bis in
den Oktober folgt ein Zug dem anderen. 2hr Futter finden die Sörche gleich den übrigen Wasservögeln in kleinen Schlangen, Eidechsen, Grillen und vor alten Dingen in Heuschrecken, ihrer Liebtingsnahrung, nach der der Sudaner sie oft auch Heuschrecken-Voget nennt.
Etwa Mitte Februar scheint sich der Storch in seinem südlichsten Quartier der fernen Heimat zu erinnern und zum Ausbruch zu „klappern". 2n einem der letzten 2ahre wurden z. D. schon am 24. Februar fünfzig beringte Störche, die dem nordöstlichen Europa angeboren, unter den Trupps gesichtet, die südlich von Rhodesien aufbrachen und etappenweise andere Storchengruppen aufnahmen. Man nimmt an, daß viele dieser Schwärme in ‘Sauerflügen bis Palästina fliegen, wo im März und den ganzen April hindurch mächtige Schwärme anlangen. Wer in dieser Zeit Palästina durchreist, kann, wohin er auch schaut, Störche und immer wieder Störche sehen. Ruhende Störche, schlafende Störche und futter- suchende Störche. Ein großer Teil der aus dem Süden zurückkehrenden Vögel überfliegt auf den Frühlingszugen auch Obetagtsten, oft in solchen kompakten Massen, dah man glauben könnte, ein schwarzes Reh überziehe minutenlang den strahlenden Himmel. Die Fremden, die in dieser Zeit in Luxor weilen, können dann auch erzählen, an ruhigen Stellen des Riis und der Kanäle^ auf deren Schlammbänken und Landzungen, sogar in der Wüste, große Massen ruhender und ihrer Rahrung nachgehender Störche zu finden. Denn auf ihrem Rückfluge lassen sie sich Zeit und haben es sichtlich nicht eilig, ihre nördlich gelegenen Brutstätten zu erreichen.
Der Zeppelin
als Deutschlands „Visitenkarte^.
Die Zeppeline werden in immer höherem Maße ihre praktische Wirksamkeit beweisen, wenn erst der regelmäßige Verkehr mit Südamerika eingerichtet ist. In einem Aufsatz von „Reclams Llniversum" betont Dr. Hugo Eckener die Wirtschaftlichkeit dieser Organisation, die durch den Dau einer Luftschifshalle in Rio de 2aneiro und in Spanien gestützt werden soll. Er erzählt von den großen Leistungen seines Luftschiffes in den letzten Jahren und vergißt auch nicht den ideellen Wert der Zeppelinfahrten, für den das deutsche Volk immer dankbar fein wird. 2n Zeiten, in denen die Welt Deutschland feindlich gegenüberftanb. hat der Zeppelin gleichsam unsere „Visitenkarte" abgegeben und damit einen ge
waltigen Eindruck gemacht. „Als wir das erste Mal in den Strahlen der aufgehenden Sonne über Reuyvrk erschienen", schreibt Eckener, „als wir nach einer viertägigen Fahrt über Tokio schwebten, und als wir in der Morgenröte über der schon an sich phantastischen Landschaft und den bizarren Berggestalten der Bucht von Rio de Janeiro dahinfuhren, da haben wir Millionen in den Städten vor Erstaunen gleichsam den Atem anhalten sehen, um dann in einem Taumel wildester Begeisterung auszubrechen. Cs ist nur zu natürlich, daß die Freude über das prächtige Schauspiel dem Llrsprungsland des Schiffes zugute kam, und die Sympathie-Bezeugungen für Deutschland äußerten sich nicht nur in Empfängen und freundlichen Reden, sondern auch in recht realen Begünstigungen, die dem deutschen Handel nützlich sind. Rach dem ersten Besuch über Reu- York sagte mir ein deutscher Importeur dieser Stadt: „Dor Ihrem Besuch war es kaum möglich, wieder in Fühlung mit unseren alten Geschäftsfreunden zu kommen, nach dem Gesuch hat man uns von der Straße hereingerufen und gefragt, weshalb wir uns nicht mehr sehen ließen, und hat von dem Luftschiff und Deutschlands Tüchtigkeit gesprochen." Roch ein anderes Erlebnis schildert Dr. Eckener: „Wir haben uns einmal, als wir über den Genfer See zur Zeit der Lausanner Tagung kamen, die etwas kühne Geste laubt, vor dem Grand Hotel in Ouchy, wo eine Sitzung ftattfanö, die Motoren abzustoppen. Wie ein riesiger Gedankenstrich standen wir unbeweglich vor dem Hotel. Wir konnten sehen, wie Mac Donald und Herriot mit anderen Herren auf den Balkon traten und das Schiff beobachteten. Lind ich las dann in Pariser Blättern, dah Herriot zu französischen Journalisten gesagt hätte: „Die da oben ahnen wohl nicht, wie ehrlich wir uns hier bemühen, zu einer guten Lösung zu kommen!" In der Tat: Wem drängt sich nicht die Empfindung auf, daß ein Widerspruch darin liegt, auf der einen Seite die Verkehrsmittel mit solchem Eifer zu entwickeln und auf der andern Seite sich gegenseitig abzusperren und sich die Zähne zu zeigen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß in diesem Widerstreit der Tendenzen Die Technik, wie immer, siegen wird. Denn entweder bringt die moderne Technik die Menschen enger und freundschaftlicher zusammen, oder sie wird zu einer Kraft der Zerstörung, in der alle Kultur untergeht. Roch haben wir offenbar die Technik in ihren Wirkungen nicht meistern gelernt, aber die Aufgabe kann nur die sein, dieses zu lernen und nicht die technischen Möglichkeiten außer Kraft zu sehen."


