Ausgabe 
7.2.1933 Frühausgabe
 
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der beiden Antragsteller, haben denn auch den Standpunkt eingenommen, daß der Auswärtige Ausschuß jehtnicht tagen solle. Damit dürfte auch die als Eventualfall vergesehen gewesene Einberufung durch den stellvertretenden Vorsitzen­den Abgeordneten Scheidemann (Soz.) weg- fallen. Dagegen bleibt es bei der für morgen

vorgesehenen Sitzung des Ständigen Aus­schusses des Reichstages, in dem Ab­geordneter Lobe (Soz.) den Vorsitz führt. Die TagesordnungSicherung der Wahlfreiheit" und Weiterberatung der Osthilfe" ist bereits gemeldet worden.

Lin holländischer Panzerkreuzer entführt.

Der holländische PanzerkreuzerDe-Zeven-Provincien" wurde durch meuternde eingeborene Matrosen aus dem Hafen von Olele (an der Nordspitze von Sumatra) ins offene Meer entführt. Als andere holländische Kriegsschiffe den Panzerkreuzer einholten und zur Uebergabe aufforderten, richteten die Meuternden die Kanonen gegen ihre Verfolger, so daß diese sich vorläufig zurückziehen mußten.

Große Lleberraschung in Holland.

Amsterdam, 6. Febr. (WLV.) Meldungen aus Riederländisch-Indien zufolge kreuzt der PanzerkreuzerZeven Pro- v i n c i e n, auf dem die eingeborene Mannschaft meutert, zur Zeit längs der Westküste von Sumatra. Die Meuterer haben drahtlos bekanntgegeben, daß sie sich mit dem Schiff auf dem Wege nach dem Flottenstützpunkt S o e r a - b a j a befinden. Die auf dem Panzerkreuzer aus­gebrochene Meuterei hat in ganz Holland ge­waltiges Aufsehen hervorgerufen. Auch in Regierungskreisen empfindet man die Vorfälle an Bord der ..Zeven Provincien" als eine sensationelle Ueberraschung, auf die man trotz der Meldungen über eine starke Beunruhigung bei der niederländisch-indischen Flotte über die wiederholten Besoldungskürzun­gen nicht vorbereitet war. 3m Ministerium für Landesverteidigung betrachtet man die Meuterei als außerordentlich ernst. 3n holländi­schen Marinekreisen bezeichnet man es als un­begreiflich, daß es den eingeborenen Matrosen ohne die Mitwirkung von europäischen Offizieren oder Unteroffizieren gelungen sein soll, em so großes Kriegsschiff wie dieZeven Provincien", das etwa 5650 Tonnen mißt, in See gehen zu lassen.

Zwei Funksprüche von Bord des Kreuzers.

WTB. D a t a v i a, 6. Febr. Der Panzerkreuzer Zeven Provincien" hat vor dem ihn ver­folgenden DegierungsdampferAldebaran" einen Vorsprung von etwa drei Stunden. DerAldebaran" hat Anweisung er­halten, dem Panzerkreuzer stets in einer Ent­fernung von fünf Seemeilen zu folgen. An Bord desAldebaran" befindet sich u. a. eine Abtei­lung europäischer Infanterie, die unter dem Kommando des Kapitäns derZeven Provincien" steht.

An Bord desAldebaran" ist ein Funk­spruch von derZeven Provincien" eingegangen, wonach deren Besatzung bereit ist, 24 Stunden vor der Ankunft im Flottenstützpunkt S o e r a - b a j a den Kommandanten und den restlichen Teil

Gießener Konzrrkverein.

Liederabend Paul Lohmann.

Cs ist eine unableugbare Tatsache, die wie ein Verhängnis auf dem deutschen Konzertgesang lastet, daß wir nur wenige berufsmäßige Lieder­sänger haben. Meist sind cs Opernkräfte, die sich mit mehr oder weniger Erfolg dem Lied zu­wenden: ihnen steht dann, oft nicht die nötige Zeit für ein in die Tiefe führendes Liedftudium zur Verfügung: zudem läßt , die dauernde Ge­wöhnung an die Dühnenszene ein völlig orga­nisches Erschließen des Liedes nur in sehr wenigen Fällen ermöglichen.

ilm so mehr werden dann die wenigen Ver­treter des reinen Liedgesanges, die auf einer stetigen Linie ihres Wirkens beharren, in den Vordergrund gerückt. Paul Lohmann (Baß- Bariton. Berlin) gehört zu ihnen. Man wird ihn nicht zu jenet Gruppe von Sängern rechnen, die als glückliche Stimmbesitzer ein gottbegnadetes Orggn bewundern lassen; ebenso wenig zählt er zu den Belcantisten, die ihr Auswirkungsziel in gesteigertster Stimmtechnik sehen; für Paul Lohmann scheint der Ausdrucksgesang das Schaf­fensgebiet zu sein. Dahin verweist ihn auch seine stimmliche Veranlagung. Er besitzt keine von den sogenannten pompösen Stimmen, die sich oft leider an der Fülle des Klanges genügen lassen. Sein Organ ist für einen Baß-Bariton reich an Um­fang, sowohl nach der Höhe als nach der Tiefe hin. Dos, was an seinem Stimmklang jetzt positiv zu werten ist, erscheint als das Ergebnis eines gründlichsten organischen Studiums, als ein Ab- gerungenes, darum aber auch als ein künstlerisch um so willigeres, stets bereites Gestaltungsmittel, und in diesem Sinne ist sein stimmliches Können um so höher einzuschähen. So vermag er sieghaft durchschlagende Forteakzente zu geben, wie durch ein reiches und sympathisch gefärbtes Piano, das, wenn auch zeitweilig etwas stumpf, im Raume schwingt, Ausdruckswerte zu schaffen.

Ein starker Wille zum Gestalten zieht ihn zu jenen Liedwerken hin, die von dramatischen Momenten erfüllt sind. Hier findet er reiche Gelegenheit, seiner Vortragskraft Auswirkung zu geben: ein Höhepunkt, geladen mit starken Ak­zenten. drängt den andern: da kann er sich dem Aufschwünge seines Gestaltungsdranges völlig hingeben. Sein Affekt-Erleben gleicht dabei mehr einem Weg von Gipfel zu Gipfel; weniger wird man bei ihm die" affektbetonte melodische Linie in großem, ausladendem Bogen geführt finden.

der Besatzung mit den üblichen Ehrenbezeugungen wieder an Bord zu nehmen. Gleichzeitig ist von derZeven Provincien" ein Funkspruch abge­gangen, der an die Weltpresse gerichtet ist. Darin heißt cs, daß das Vorgehen der Besatzung als Protest gegen die ungerechtfer­tigte Besoldung skürzung und als Ver­geltungsmaßnahme für'die Verhaftung zahlreicher Matrosen, die gegen die Besoldungskürzung pro­testiert hatten, aufzufassen sei. An Bord der

Zeven Provincien'^ sei alles ruhig. Cs habe keine Verwundeten gegeben.

Aus aller Well

vor der Wiederaufnahme des regelmäßigen Zeppelindlenstes nach Südamerika.

Der Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen und die Hamburg « Amerika ° Linie gaben folgende nähere Einzelheiten über die in diesem Jahr mit dem LuftschiffGraf Zeppelin" geplanten Fahrten bekannt: Die planmäßigen Südamerika­fahrten für Passagiere, Post und Fracht werden am 6. Mai ab Friedrichshafen wieder ausgenommen. Zunächst wird jeden Monat eine Abfahrt von Friedrichshafen stattfinden. Am 2. September wird entsprechend der fortschreitenden Fertigstellung der Luftschisfhäfen in Brasilien und Spanien ein vier' zehntägiger Fahrplan wie im vergangenen Jahre eingerichtet und vis zur Abfahrt am 28. Oktober aufrechterhalten. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr werden alle Fahrten ausnahmslos bis Rio de Janeiro durchgesührt. Für spanische und portugiesi­sche Passagiere sind erstmalig in diesem Jahr regel­mäßig Zwischenlandungen in Barce­lona bzw. Sevilla vorgesehen, um ihnen den Um­weg über Friedrichshafen und damit mindestens zwei Reisetage zu sparen. Die gesamte Fahrzeit von Friedrichshafen über Pernamvuco bis Rio de Ja­neiro beträgt vier Tage. Bis Buenos Aires kann man bei Benützung des unmittelbaren Flugzeug­anschlußdienstes ab Rio in 5i Tagen gelangen. Die Reisezeit von nahezu allen europäischen Haupt­städten bis Buenos Aires beträgt demnach nur sechs Tage. Sobald die Luftschiffhäfen in Rio sowie in Spanien endgültig fertiggestellt sind, wird ein weiterer Ausbau des Südamerikadienstes desGraf Zeppelin", vor allem eine weitere Verkürzung der Fahrzeit möglich sein. Die Fahrpreise sind gegen-

Den Momenten höchster dramatischer Erregung stehen bei ihm verinnerlichte Stimmungen gegen­über, wo er hineinspiegelt in das Seelenschwmgen, dabei jedoch nicht schlaglichtartig beleuchtend, son­dern hinter dem Schieierklang der Stimme das Ungewisse des Gefühls erahnen lassend. Dem unheimlichen Erschauern, dem düsteren Abseitigen vermag er ganz besonderen Ausdruck zu geben und du.ch Ver unken-eit und Verinnerlichung den Hörer zu getoinmai.

Paul Lohmann ist sich seiner Gestaltungs­kräfte in ihrem vollen Umfange durchaus bewußt und weiß sie bei der Aufstellung der Vortrags­folgen feiner Konzerte in sehr geschickter Weise zu berücksichtigen. Wir werden darum meist solche Werke antreffen, wo das Bildhafte die Gestaltungsgabe und die innere Einstellung des Sängers zu befruchten vermag. So stand Schu­bert mit solchen Gesängen im Vordergrund, die auf ein szenisches Erleben hin-ielten, so war auch Earl L o e w e s Balladen Raum gewährt worden.

SchubertsPrometheus" mit seinem Titanenhaf­ten gab dem Sänger volle Gelegenheit, seine Gestal­tungsfähigkeiten von der günstigsten Seite zu zeigen. Hier, wie auch namentlich später bei den Loeweschen Balladen, hätte man gern noch mehr die Zwischen­entwicklungen berücksichtigt gesehen. Ergreifend in seiner düsteren Sphäre warDes Totengräbers Heimweh", ganz in seiner Nähe standDie Ver­klärung", ein Frühwerk des Sechzehnjährigen. In seiner unheimlichen Gemessenheit nahmMeeres­stille" das Haus gefangen. Der ebenfalls Franz Schubert gewidmete letzte Programmteil stand im Gegensatz zu dem Tragischen des ersten Teils. Hier war es Joh. Gabriel SeidlsBei dir allein", das Paul Lohmann mit begeistertem Schwung gestaltete. An die Leier" hätte unter stärkerer Herauskehrung der Kontraste noch gewonnen. Das unbekümmert heitere Lebensbejahende desMusensohnes" ließ Paul Lohmann voll ausschwingen.

Es wird nur wenige Männerstimmen geben, die es wagen können, die Stimmungshingegebenheit von SchumannsMondnacht" zu erschließen: Paul Lohmann ist es möglich: ja, unter seinen Schumann- Gaben hinterließ dieMondnacht" den allerstärksten Eindruck.

Ganz besondere Verbundenheit zeigt Paul Loh­mann zu Loewes Balladen. Durch seinen großen Stimmumfang ist es ihm möglich, die von aller- stärkster dramatischer Krast getrageneEdward". Ballade auszuschöpfen. Die Gegensätzlichkeit der Gegenreden gestaltete er ebenso charakteristisch tref- send durch, wie er demO"-Ausruf je nach der Situation eine besondere Geltung gab. Zündend

Schweres Explosionsunglück in einer pariser Autofabrik.

Acht Tote, über *100 Verwundete.

Oie erste Meldung.

Paris, 6.Febr. (TU.) 3n der bekannten fran­zösischen Automobilfabrik Renault im Vorort Billancouct ereignete sich am Montag, kurz nach 11 Uhr in der Elektrizitätszenlrale eine schwere Explosion. Durch umherfliegende Eisenteile wur­den mehrere Arbeiter schwer verletzt, ferner wurden über 100 Arbeiter durch die einstürzen- den Gebäudeteile getroffen. Die sofort herbei­geeilte Feuerwehr konnte über 100 verletzte bergen, von denen eine ganze Reihe in Lebensgefahr schweben. Sechs Arbeiter st a r b e n auf dem Wege ins Krankenhaus. Der Ausbruch eines Feuers konnte durch die Feuerwehr verhindert werden. Nachdem das Krachen der Explosion sich gelegt hatte, wurden herzzerreißende Schreie der Verletzten hörbar. Un­mittelbar nach dem Bekanntwerden der Explosion begaben sich der Innenminister, der Polizeipräsident und der Präfekt des zuständigen Departements an die Unglücksslelle, um persönlich die Rettungsarbeiten zu leiten. Die Ursache der Explosion ist noch nicht sestgestellt. Die Automobilfabrik Renault liegt an der Peripherie von Paris und beschäftigt gegen 30 000 Arbeiter. Sie ist erst in letzter Zeit erheblich vergrößert worden und füllt fast den ganzen Vorort Billoncourt aus.

Oie Entstehungsursache.

Rach späteren Meldungen ist das Unglück auf die Explosion eines großen Kessels zurückzusühren. Das Dach des Kesselhauses wurde durchschlagen und die Eisen- und Mauerteile stürzten auf ein danebenliegendes Fabrikgebäude,

in dem einige hundert Arbeiter beschäftigt waren. Das Gebäude stürzte zusammen und be­grub die Arbeiter unter den Trümmern. Die Feuerwehr und die gesamte Belegschaft arbeiten fieberhaft an der . Beseitigung der Trümmer, aus denen heraus man das Stöhnen der Ver­wundeten hört. Ueber 100 Arbeiter konnten be­reits geborgen werden. Außer den bereits ge­meldeten 8 Toten mußten 40 Schwerver­letzte ins Krankenhaus überführt werden. Die Gesamtzahl der Opfer übersteigt 100. Rach den Aussagen der Arbeiter soll die Zahl der Toten wesentlich höher sein als acht, da noch eine ganze Anzahl der in dem zusammengestürz- ten Gebäudeteil beschäftigten Arbeiter fehlen, von denen man annimmt, daß sie unter den Trümmern begraben liegen.

An der Llnglücksstelle.

Die Unglücks st eile wird von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge umlagert, die in Ungewißheit über das Schicksal ihrer An­gehörigen auf Rachrichten warten. Mütter und Väter, Frauen und Schwestern laufen besorgt um­her. Fast die gesamte Pariser Sanitätskolonne be­findet sich an der Unglücksstelle und immer wieder verlassen Rote Kreuz-Wagen mit Verletzten das große Eingangstor. Die Unglücksstelle wird von Polizei stark bewacht. Es ist der Fabrikleitung noch nicht möglich gewesen, eine abschließende Mitteilung über die Ausmaße der Katastrophe bekannt zu geben, da man nicht weih, ob sich vielleicht noch Tote oder Verletzte unter den Trümmern befinden.

Eigentümlicher Weise ereignete sich vor zwei Jahren an derselben Stelle ein ähnlicher Unglücksfall, der ebenfalls zahlreiche Opfer forderte.

über dem Vorjahr um weitere 20 v. H. herab­gesetzt worden. Die Deutsche Luft-Hansa beab« sichtigt, voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres, einen Postdienst mit Flugbooten zu eröffnen. Außer den Südarnerikafahrten wird das LuftschiffGraf Zeppelin" in diesem Jahr wieder eine Reihe der beliebten Schweiz-Fahrten ausführen.

Die Brüder Rotter in Vaduz.

Die flüchtigen Berliner Theaterdirektoren R o t- t e r haben sich seit Ende Januar in einem Hotel in Vaduz (Liechtenstein) einlogiert. Sie hatten sich mit ihrem bürgerlichen Rainen S ch a i e be­reits im Oktober 1931 in der Liechtensteinischen Gemeinde Mauren eingebürgert. Eine Straf­anzeige gegen die Brüder Rotter ist im Fürsten­tum Liechtenstein bis jetzt nicht cingegangen. Da sie das liechtensteinische Bürgerrecht genießen, kommt eine Auslieferung auch nicht in Frage. Wegen Konkursvergehen liefert Liechtenstein nie­manden aus.

Brückeneinsturz infolge Eisganges.

Infolge des durch das plötzliche Tauwetter auf der Donau entstandenen Eisganges ist eine große Pontonbrücke, die seit etwa 50 Iahren den ge­samten Fußgänger- und Fährverkehr von Melk nach dem nördlichen Donauufer vermittelte, mit großem Krachen eingestürzt. Eine Pionier­abteilung ist mit Einrichtung eines Notverkehrs beschäftigt, der aber erst in etwa einer Woche fertiggestellt werden dürfte.

vier Fischer ertrunken.

Aus der Höhe von Aalesund sind unweit der nor­wegischen Küste zwei Fischerboote' gekentert. Vier Fischer fanden dabei den T-o d.

Feuerüberfall auf ein evangelisches Pfarrhaus.

Einbrecher drangen in einer der letzten Rächte in das evangelische Pfarrhaus Swaro- schin bei Dirschau ein. Auf den Pfarrer, der den Einbrechern entgegentrat, wurde g e s ch o s -

wirktePrinz Eugen", und dasHochzeitslied" war ihm ein gegebenes Feld für feine Charatterisie- rungsfunft; die Ueberfteigerung am Schluß der Tanzszenen fdjeint in der Absicht Paul Lohmanns zu liegen, da ich diese Tatsache schon bei früherer Gelegenheit feststellen konnte.

Ein Gebiet, auf dem vielleicht die größte Stärke Paul Lohmanns zu suchen ist, zeigte die Zugabe Mephistos Lied" von M u s s o r g s k i j. Ihr muß­ten auf Verlangen des begeisterten Hauses noch SchubertsDoppelgänger" undWanderers Nacht­lied (Der du von dem Himmel bist...") folgen.

Starken Anteil an dem Erfolge trug Paul Meyer, Frankfurt, in feiner musikalischer An­passung mit der Untermalung des Szenischen, dem Sänger Stütze und Auswirkungsbasis gebend.

Dr.H.

Roman um einen Roman.

In den letzten lagen ging eine Notiz durch die Presse, wonach die LondonerTimes" ein Preis­ausschreiben für den besten Nachkriegsroman er­lassen und in der deutschen Gruppe von 1400 Be­werbern dem Salzburger Autor Franz Löser den ersten Preis zugesprochen habe. Franz Löser, der nur vier Volksschulklassen besucht, sich als Schlosser, Zirkusmensch, Künstlermodell und Fir­menvertreter durchbrachte, bis Max Reinhardt ihm die Rolle des Ansagers bei denJedermann"- Aufführungen der Salzburger Festspiele gab, habe seinen RomanErbe der Erde" nicht weniger als 42 Verlegern eingesandt und ent­weder ungelesen oder mit einer Höflichkeitsphrase zurückerhalten. DieTimes", die aus den verschie­denen Ländern Insgesamt 10 000 Manuskripte er­halten haben sollen, würden Lösers Buch in sie­ben Sprachen herausbringen, für die deutsch­sprachige Ausgabe seien die Rechte dem Autor über­lassen worden. Mit dieser Notiz soll es nun kein anderes Bewenden haben, als daß der Autor einen geschickten Reklamecoup gelandet hat. Ein Berliner Blatt teilt mit, daß sich auf das verkannte Genie Franz Löser eine Flut von Telegrammen und Expreßbriefen mit Angeboten der bedeutend­sten deutschsprachigen Verlage ergossen habe. Die Rechte hatte der Autor aber bereits einem Wiener Verlag übertragen. Die ganze Geschichte mit dem Times"-Preisausschreiben soll Schwindel sein. Für diesen Preis derTimes" sind nicht 10 000 Manu­skripte eingesandt worden, auch nicht 1400 in beut» scher Sprache. Seines der preisgekrönten Werke wird in sieben Sprachen herauskommen, weil ganz

s e n, er blieb aber unverletzt. Die Einbrecher flüchteten, gaben aber noch von außen Schüsse gegen das Haus ab. Bisher ist es noch nicht ge­lungen, die Täter, denen das Standgerichts­verfahren droht, zu ermitteln.

Kunst und Wissenschaft.

Hanns 3ohst

zum Berliner Ltaotstheater-Intendanten ernannt.

Auf den Posten des Staatstheater-Jntendanien in Berlin, der seit dem Weggang von Professor Leo­pold Heffner lange Zeit interimistisch verwaltet wurde, ist jetzt der in München lebende Dichter Hanns I o h st berufen worden. Damit hat die lang­wierige preußische Staatstheaterkrise vorerst ihren Abschluß gefunden. Johst ist 1890 in Seerhausen in Sacdsen geboren und hat sich in der Literatur der Nachkriegszeit vor allem als Dramatiker einen Namen gemacht. Von seinen Stücken seien genannt das Grabbe-DramaDer Einsame", das ekstatische SzenariumDer junge Mensch",Der König", Propheten",Wechsler und Händler",Stroh", Die fröhliche Stabr unb der vor längerer Zeit in Gießen aufgeführteThomas Paine . Johst hat auch erzählende Prosa (Der Anfang",Consuela", Ave Eva"), Gedichte (Rolandsruf",Lieder der Sehnsucht") unb Essais veröffentlicht; in der letzten Zeit wurde er als eine der führenden Persönlich­keiten im Kampfbund für deutsche Kultur häufig genannt. Er steht weltanschaulich dem National­sozialismus nahe.

Geheimrat Hohenegg t-

Der Präsident des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Raiffeisen-Genossen­schaften, Geheimer ßanbesöfonomierat Hohen- e g g, ist in München im Alter von 65 Jahren einem längeren Leiden erlegen. Mit seinem Tode verliert das deutsche landwirtschaftliche Genossen­schaftswesen eine seiner führenden Persönlichkeiten.

einfach weder die LondonerTimes" noch dieNew- vork Times" jemals ein derartiges Preisausschrei­ben erlassen haben. In den Redaktionen der deut­schen Geschäftsstellen dieser beiden Blätter hat man sich über die Notizen von dem Preisausschreiben ge­wundert und versichtshalber bei den Hauptredak­tionen angefragt. Auch dort war von dem Preis unb dem preisgekrönten deutschen Dichter Franz Löser nichts bekannt. Löser soll eine abenteuerliche Vergangenheit haben. Ausgewachsen ist er als Pfleg­ling einer sog. Engelmacherin. Fünf seiner älteren Brüder waren schon gestorben. Als er an die Reihe kommen sollte, wurde die Frau verhaftet und abge­urteilt. Mit 14 Jahren ging er in die Welt. Als Schlosser arbeitete er in Nürnberg und wurde be­geisterter Ringkämpfer. Bei einer Schönheitskonkur­renz in Wien erhielt er den ersten Preis. Dann hat er in München Rodin, Hodler und Zumbusch Mo­dell gestanden. Nach dem Krieg wurde er Boxer. Ein k. o. von einem Mulatten warf ihn 6 Wochen aufs Krankenlager, in Zürich lernte er einen Zirkus­direktor kennen, der ihn zum Dompteur ausbildete. Später ließ er sich in Salzburg nieder, als Kranken­kassenbeamter und Direktor eines Bauerntheaters. Als 1920 die Salzburger Festfoiele begannen, wurde er Ansager derJedermann"-Aufführungen. Was an diesen Berichten über den Werdegang eines Dichters" Wahrheit oder Reklame ist, laßt sich schwer erkennen.

Die lustigen Seiber von Wien.-

Unter diesem Titel, der an berühmte Vorbilder erinnert, läuft tm Lichtspielhaus (nur bis heute abend) ein Tonfilm-Lustspiel mit Gesang und Tanz, das durch den hübschen Kostüm-Ein- fall, die Handlung ins letzte Drittel des vorigen Jahrhunderts zu verlegen, von zahllosen ähn­lichen Stücken, die auch in Wien spielen, auf eine pikante und witzige Manier absticht. Auch sonst hat sich die Regie (Bolvary) der Fabel welche die überraschende Tänzerinnenkarriere von zehn feschen, aber ehrbaren Hvfratstöchtern aus Protest gegen eine unstandesgemäße Ver­lobung ihres Papas behandelt mit allerlei hübschen Motiven liebevoll angenommen. Das Terzett der Herren Hörbiger, Forst und Sima und die charmante Lee Parry spielen im Ensemble die erste Geige. Das Publikum verlebt angesichts dieser ausgelassenen, spritzig und echt wienerisch instrumentierten Angelegen­heit einen unbeschwert-heiteren Abend.