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7.2.1933 Erstes Blatt
 
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Was sagt Bayern zur Landtagsauflösung in Preußen? Besorgnis um die Wahrung der Länder-Rechie.

München, 6. Febr. (.) DieBayeri­sche Staatszeitung" schreibt zu den Maß- nähmen des Reiches gegen Preußen, das) ins­besondere Schritte allgemeiner Art gegen die preußische Hoheitsregierung als eine Beein­trächtigung der L ä n d e r i n t e r e s s e n im allgemeinen betrachtet werden würden. Der Staatsgerichtshof habe sich eindeutig auf den Standpunkt gestellt, daß mittels Artikel 48 ein Vorgehen gegen die Länder mit geschäftsführen­den Regierungen auf dem Wege über Reichs- kommisfare verfassungsgemäh unzulässig sei. Diese Schranke sei auch für die Höch ste Gewalt im Reich, gesammelt in der Hand des Reichspräsidenten, unüberschreitbar. Ihre Äeberschreitung sei gleichbedeutend mit einem Staats st reich. Es liege auf der Hand, daß die kommenden Erörterungen über die neue untragbare Lage sehr bald zu Aus­einandersetzungen über das Verhältnis zwischen Reich und Ländern führen würden. Es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß die Ent­wicklung der gegenwärtigen politischen Lage im Reich eine ernste staatsrechtliche Seite habe. Zu den diktaturfesten Änantastbarkeiten der Länderhoheit gehören nach der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes ausdrücklich auch die Volksvertretungen der Länder. Es sei deshalb verfassungsrechtlich unmöglich, mit Hilfe des Artikels 48 die Volksvertretung eines Landes a u f z u l ö s e n. Die politischen Folgen eines solchen Schrittes wären, auch ganz abge­sehen von ihrer verfassungsrechtlichen Anzulässig­keit. unübersehbar.

Die Daherische-Volkspartei-Cor- respondenz schreibt u. a.: Man stehe vor der Tatsache, daß sich die Reichsgewalt mit einem kühnen Sprung über eine auf Grund der be­stehenden Reichsverfassung gefaßte Entscheidung des obersten Gerichtshofes des Deutschen Reiches hinweggesetzt habe. Was man jetzt erlebe, sei nichts anderes als die Fortführung einer Politik, die darauf ausgehe, die Reichsre­form nach ganz einseitigen preutz- schen Bedürfnissen durchzuführen und sich dazu der Diktaturgewalt des Reichs­präsidenten zu bedienen. Bayern müsse darauf bestehen, daß eine solche Reform nur auf dem Wege des Rechts erfolgen könne, wobei die so willkürliche Handhabung des Artikels 48 Reichs­verfassung nicht mehr als ein Weg des Rechts anerkannt werden könne. Der neueste Schritt in Preußen sei wiederum unternommen worden, ohne daß diesem Standpunkte Bayerns irgendwie Rech­nung getragen wurde. Man müsse daraus den Schluß ziehen, daß die Regierung Hitler-Papen- Hugenberg von einer praktischen föderalistischen Politik ebensowenig wissen wolle wie die Regie­rung v. Papen. Anter diesen Ämständen sei es verständlich, daß Staatsrat Schäffer in der Besprechung, die er mit dem Vizekanzler von Papen auf dessen Wunsch hatte, diesem aus­drücklich erklären muhte, daß seine Darlegungen vom Standpunkt der Länder und vom Stand­punkt des Rechtes vollkommen untief rie- di gend seien.

Der Lleberwachungsausschuß aufgeflogen.

Berlin, 7. Febr. (VDZ.) Der Reichstagsaus­schuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung trat unter dem Vorsitz des Abgeordneten L o e b e (Soz.) zusammen. Die Sitzung dauerte nur wenige Minuten. Kurz vor Eintritt in die Beratungen er­klärte Abgeordneter Dr. Frank (Rats.), daß seine Fraktion die Ausschußsitzung unmöglich machen werde, solange L o e b e den Vorsitz führe, da dieser im lippischen Wahlkampf den jetzigen Reichs­kanzler Adolf Hitler in ungeheuerlicher Weise herabgewürdigt habe. Er beantrage Unterbrechung der Sitzung, um einen neuen Vor­sitzenden zu bestimmen. Da es dem Vorsitzenden Loebe nicht gelang, sich das Wort zu verschaffen, hob er die Sitzung auf. Es kam im Sitzungssaal zu heftigen Tumulten. Rach einer halbstündigen Pause waren die Vertreter der Sozialdemokraten und der Vorsitzende Loebe nicht wieder er­schienen. Auch von den Kommunisten war nur der Abgeordnete Torgler anwesend. Der stellvertre­tende Vorsitzende des Ausschusses, Abgeordneter Dr. Frank (Nats.) erklärte, daß er die Sitzung aus unbestimmte Zeit vertage.

Der Abgeordnete Loebe hat an den Reichstags­präsidenten Göring ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, die nationalsozialistischen Mitglieder des Ausschusses hätten unter Führung des Abge­ordneten Frank II durch ununterbrochenes Schreien, Beschimpfen des Vorsitzenden und Drohen mit Ge­walt verhindert, daß der Ausschuß in seine Bera­tungen eintrat, sie hätten ferner gedroht, jede neue Sitzung des Ausschusses unter Loebes Vorsitz mit Gewalt unmöglich zu machen. Er bäte deshalb den Reichstagspräsidenten, auf Grund seiner präsidialen Befugnisse dafür zu sorgen, daß Loebe die Wieder­aufnahme 8er Beratungen in einer neuen Sitzung durchführen könne, die er ansetzen werde, sobald Görings Zusicherung in seinen Händen sei. * Die Deutsche Vollspartei Wessen zum Wahlkamps.

WSÄ. Darmstadt, 6. Febr. Der Vor­stand des Wahlkreises Hessen- Dar m st a d t der Deutschen Volkspartei faßte heute folgende Entschließung:3m Kampf um die Schaffung des deutschen Rationalstaates hat die Rationalliberale Partei und im Kampf um die Befreiung des deutschen Rheins hat die Deut­sche Volkspartei immer in vorderster Linie gestan­den. Gestützt auf ihre vaterländischen, durch die Geschichte bewiesenen Taten, steht daher auch in der Gegenwart die Deutsche Volkspartei bei denen, die gegen internationale Einflüsse, also gegen Marxismus und Bolschewismus, kämpfen. Sie bekennt sich demgemäß zu dem Ge­danken der Zusammenfassung aller na­tionalen Kräfte. Dabei wird aber gerade in Zeiten der Gefahr der Rationalliberalismus nicht entbehrt werden können, denn er ist immer der Vertreter besten deutschen Bür­gertums gewesen. Es wird daher für das Schicksal des deutschen bürgerlichen Mittelstandes entscheidend sein, daß die Deutsche Dolkspartei als Nachfolgerin der alten Rationalliberalen Par­tei gestärkt aus dem Wahlkampf hervorgeht und so dazu beitragen kann, daß Gerechtigkeit und wahre Freiheit xur Geltung kommen, daß keine einseitige Wirtschaftspolitik getrieben wird und daß nicht an Stelle des vergangenen Parteibuch­staates ein neuer entsteht. Deshalb richtet die Deutsche Volkspartei des Wahlkreises Hessen- Darmstadt zu Beginn des Wahlkampfes an alle Teile des freiheitlich gesinnten nationalen Bür­gertums den Appell, sich in gefährlichen Zeiten seiner Bedeutung bewußt zu sein und sich und seine Zukunft durch die Stärkung der Deutschen Volkspartei zu sichern."

3n der gleichen Sitzung des Wahlkreisvorstan­des wurde beschlossen, die seitherigeWahl- l i st e, beginnend mit den Ramen Dingeldey- Darmstadt, Dr. R i e p o t h -Schlitz und Fräulein Dirnbaum-Gießen, erneut aufzustellen. Die Deutsche Volkspartei in Hessen hält am 18. und 19. d. M. einen Landesparteitag ab.

Reue Todesopfer politischer Ausschreitungen. 3n Dormagen bei Düsseldorf wurde ein Trupp SA-Leute auf der Hauptstraße von K o m- munisten überfallen. Ein SA-Mann er­hielt einen schweren Bauchschuß, an dessen Folgen er st a r b. Der Kommunist, der den Schuh ab- gegeben hatte, flüchtete, wurde aber durch einen Schuß der verfolgenden Polizeibeamten schwer

verletzt. Er ist ebenfalls an den Folgen dieser Verwundung gestorben.

3n Harburg-Wilhelmsburg wurde ein 27jähriger Arbeiter, als er aus einem sozial­demokratischen Verkehrslokal kam, von drei Leu­ten durch einen Bauchschuß getötet. Sein Begleiter, gleichfalls ein Arbeiter, wurde durch einen Fuhschuh verletzt. Die Täter, die verhaftet wurden, sind, wie die Polizei mit­teilt, drei Harburger Rationalsozialisten.

3n Duisburg-Hamborn wurde bei der Beerdi­gung des bei den Homberger Anruhen erschosse­nen SA-Manns Pfafsenrath der Leichenzug aus dem Hinterhalt beschossen. Die Schüsse wur­den von der Polizei und zum Teil auch von Zugteilnehmern erwidert. Aus den Gärten in der Rähe des Polizeipräsidiums wurde der Lei­chenzug abermals beschossen. Der angebliche Schütze, ein Anstreichergehilfe, der angeblich dort mit Malerarbeiten beschäftigt war, wurde von der Polizei, die das Feuer erwiderte, erschos­sen. Das Gelände sowie auch die Häuser, aus denen geschossen wurde, wurden durchsucht. Täter konnten nicht festgestellt werden. Bei dem Äeber- fall erlitten acht Personen lebensgefährliche Stich- verletzungen und Schüsse.

2n Denkingen (Oberamt Reutlingen) ge­riet ein Kommunist, der früher bei einer politi­schen Schlägerei einen SA.-Wann durch Messer­stiche schwer verletzt hatte, mit Leuten des Frei­willigen Arbeitsdienstes in Streit. Der Kommu­nist wurde von dem Rechnungsführer des dor­tigen Arbeitslagers erschossen.

Aus Der provirizialharrptstaVt.

Nachtspaziergang.

Ganz spät abends, nach der Arbeit, dicht vor dem Schlafen, mache ich gern einen letzten Spazier­gang durch die Stadt. Es reizt mich, die Straßen und Plätze, die ich am Tage durchhastete zwischen dem Menschentreiben, nun noch einmal zu besuchen, wenn auch sie ruhen. Es hat sich alles verwandelt: statt des bunten Gewirrs: große einfache Massen. Alles türmt sich zu ernstem Schwarzweiß.

Wie die Kirche nun ragt, die Finsternis an der Mauer ist kühl und schauerlich, der Turm geht senk­recht und stark hinauf in die Sterne; man fühlt jetzt erst, welche ungeheure Steinmenge hier wuchtet.

An der Ecke brennt eine Gaslaterne, wie sie ein« am hindämmert, mit der Spiegelung auf dem suchten Pflaster allein! Da kommt ein Mensch, eine Schritte hallen, im empfinde ihn als etwas Seltsames, als ein Ereignis. Werde ich feine Augen sehen können in dem Dämmer? Nein, nur ein Um­riß wandelt vorbei, die Linie des Ganges gewinnt neue Bedeutung.

Doch hoch oben im vierten Stock schimmert noch Licht. Apfelsinengelbrot die kleine Scheibe. Da wacht noch jemand um Mitternacht. Ein übermüdetes Mädchen bei der Heimarbeit? Ein Gelehrter, ein Jüngling, der krampfhaft energisch sich bilden will? Eine Mutter bei ihrem kranken Liebling? Wohnt da oben das Glück?

Ich betrete einen Platz, leer und weit liegt er da, wie ein verlassener Tanzsaal. Die Anlagen: so geheimnisvoll sind die Büsche, ich horche. An der Ecke zur Seitenstraße steht eine Katze, wie gespannt sie den Kopf hebt! Jetzt hat sie mich bemerkt, sie wendet sich und läuft im Schatten an den Häusern entlang.

Heimkehrenden begegne ich, sie haben keine Ehr­furcht vor der Stille, sie reden laut, sie kommen wohl aus dem Wirtshaus.2000 Mark!" sagte der eine. Und es zittert feine Stimme vor Erregung. Der andere lacht höhnisch, und es scheint, er will diese Wunschträume zerstören. Sie streiten. Ihre Stimmen verlieren sich.

Der Mond geht hinter einem dunklen Giebel auf. Das ist der alte deutsche Mond der Stadt. Er be­scheint die Dächer. Er hütet die Häuser. Ich grüße ihn. Er hat es heute schwer, er muß hart kämpfen mit den prasselnden Glühlampen. Doch hier in der Nebenstraße herrscht er golden und rein.

Auf der Bank fitzt ein Liebespaar, still aneinander gelehnt. Obwohl es empfindlich kalt ist, sie spüren es nicht. Oh, diese süße, feine Silhouette junger Seligkeit. Was mögen sie flüjtern? Passen sie zu­einander? Ich träume den Zukunftswegen dieser hoffenden Seelen nach.

Jetzt streicht ein Wind durch die Straße. Wie Kühle des oberen Himmels, als käme herunter­sinkend aus dem Weltall ein Gruß. Als müsse nun jeder Staub des kleinlichen Tages fortgenommen werden von einer befreienden Kraft. Ich atme tief ein. Wie frisch es mir um die Stirne weht!

7, e. 33

In weitem Bogen habe ich meine Wohnung wie­der erreicht. Lebt wohl, ihr schlafenden Dinge! Ich sehe euch gern in das stumme, sinnende Antlitz. Nun liege ich bald ausgestreckt, das gleiche Dunkel drückt meinen Körper nieder. Wie tief diese Ein­heit der späten finsteren Stunde ist. Ich fühle mich brüderlich nahe allem Schlafenden. Aus einer großen gemeinsamen Schwere heraus werde ich Zunderooll müde.

Studentenschaft und Asta-Wahlen.

Zur gemeinsamen Stellungnahme zu den be­vorstehenden Asta-Wahlen der Gießener Stu­dentenschaft fand gestern abend in der Reuen Aula eine von der Allgemeinen Studentenschaft einberusene Studentenversammlung statt.

Rachdem der 2. Vorsitzende des Asta kurz auf den Zweck der Versammlung hingewiesen hatte, sprach zunächst der Vertreter derRoten L i st e", Herr Bernhardt, der die Forderung aufstellte, der Student müsse politisch sein, und der betonte, die Anhänger derRoten Liste" fühlten sich als Kämpfer des Proletariats.

Der Vertreter der Katholischen Ar­beitsgemeinschaft, Herr D e g en, erklärte, einer absoluten und einseitigen politischen Tätig­keit der Studenten könne nicht das Wort geredet werden. Die in der Katholischen Arbeitsgemein­schaft zusammengeschlossenen Studenten wollten ihre Belange religiöser Art gewahrt sehen. Das Bemühen der Gruppe gehe besonders darauf hinaus, die sozialen Einrichtungen der Studenten­schaft zu halten und zu verbessern. In wehrsport­licher Hinsicht gelte es alle Kräfte zusammen­zufassen, um die Gefahr, die von den Grenzen her drohe, bannen zu helfen. Die Hochschule dürfe nicht zum Kampffeld politischer Ideen wer­den. Zusammenarbeit sei im Interesse des Vater­landes wünschenswert.

Für die Grohdeutsche Arbeitsge­meinschaft legte zunächst Herr I b b e k e n ein Bekenntnis zur Kampfgemeinschaft an der Äni- versität ab. Die neue Form des Wahlkampfes, wie er in der gegenwärtigen Versammlung in Er­scheinung trete, sei als bewußte Abkehr vom Par­lamentarischen zu werten. Man begebe sich auf den Boden der lediglich geistigen Auseinanderset­zung. Die Studentenschaft in der Grohdeutschen Arbeitsgemeinschaft sei bestimmt von den Ideen der Frontgeneration, sie bejahe den Wehrgedan­ken, die Arbeitsdienstpflicht, den Arbeitsdienst und wolle kulturelle und nationale Erziehung in den Lagern. Beschäftigung mit Politik sei not­wendig. Der enge Horizont einer Partei solle nicht Maßstab sein. Anzustreben sei vielmehr der hündische Aufbau in unserem Volke. Die Uni­versität müsse eine Stätte verantwortungsbewuß­ter nationaler Erziehung werden. Weitere For­derungen der Grohdeutschen Arbeitsgemeinschaft feien Pflege der Grenzlandarbeit, des völkischen Zusammenschlusses und die Schaffung eines mit­teleuropäischen Raumes unter Führung Deutsch­lands.

Als letzter Redner sprach Edler von Graeve für die R ationalsozialistische Arbeitsgemeinschaft. Es habe sich eine neue Auffassung von studentischer Zusammen­arbeit herausgebildet. Für die Studentenschaft müßten in Zukunft die Belange des ganzen Volkes im Vordergrund stehen. Der Student habe seit 1918 Wandlungen durchgemacht, er sei nicht mehr der Änbekümmerte, heute müsse der Student mitten im Volke stehen. Jeder Student müsse zur Arbeit herangezogen werden. Das Werkjahr fei noch nicht Wirklichkeit, aber jeder müsse darüber Bescheid wissen. Der FAD. dürfe nicht vernachlässigt wer­den. Enge Zusammenarbeit mit der Arbeiterschaft sei notwendiger denn je. Es dürfe nicht wieder eine Kluft zwischen Student und Arbeiter auf­reihen.Student im Volke" dürfe nicht nur Schlag­wort sein, sondern müsse Tat werden. Die Stu­dentenschaft müsse im Rahmen des Staates in­nerlich und äußerlich zum Faktor gemacht wer­den. Der Student müsse nationalpoutischer Wah­rer sein. Keiner dürfe sich von der Mitarbeit aus- schliehen. Aus einer Parteilichkeit dürften keiner­lei Schwierigkeiten mehr erwachsen. Jeder Stu­dent sollte von dem Wunsche durchdrungen sein, später als Führer arbeiten zu können. >

Vornotizen. /

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 20 bis 23 Ähr,Das Dreimäderl-

haus". Goethe-Bund: 20 Ähr, Reue Aula. Dichterabend gelij! Timmermans. Deutsch- nationale Volkspartei: 20.15 Ähr,Hotel Schütz". Vortragsabend. Allgemeiner Deutscher Frau­enverein: Turmhaus am Brandplah, 11 bis 13, 15 bis 17 Ähr, Ausstellui^ der Arbeiten des freiwilligen weiblichen Arbeitsdienstes. Licht­spielhaus Bahnhofstraße:Die lustigen Weiber von Wien".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Infolge eines bedauerlichen Versehens im Bureau enthielt die gestrige Spiel­plan-Bornotiz einen Irrtum, der heute seine Be­richtigung erfährt. Heute, 7. Februar, als 18. Vor­stellung im Dienstag-Abonnement, in neuer 3n- . szenierung die OperetteDas Dreimäderlhaus" mit der Musik nach Franz Schubert. Wrede- Moehl-Bäulke. Operettenpreise. Schüler­karten haben Gültigkeit. Spieldauer von 20 bis 23 Ähr. Für Mittwoch seht der Spielplan als 18. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement 20 Uhr unter Karl Heysers Spielleitung eine Wie­derholung des Lustspiels^2:2 unentschieden" von Lichtenberg an. Gewöhnliche Preise. Ende 22 iltir. Zum erstenmal kommt die Komödie Bargeld lacht" von Cbermayer und Cammerlohr unter Peter Fasfo11s Spielleitung am Frei­tag, 10. Februar, als 18. Vorstellung im Freitag- Abonnement zur Aufführung. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22.15 Ähr. Für Sonn­tag, 12. Februar, verzeichnet der Spielplan die 9. und 10. Aufführung der Operetten-Revue3m weihen Röhl" in der Premierenbesetzung. Beide Vorstellungen (15 bis 18 Ähr, 19 bis nach 22 Ähr) sind als Fremdenvorstellungen zu ermäßigten Operettenpreisen und auher Abonnement. 3n beiden Vorstellungen haben Vorzugsscheine Gül­tigkeit, nachmittags auch Schülerkarten.

Beseelte Natu r". Am Donnerstag, 9. Februar, veranstaltet wie man uns schreibt das Institut für experimentelle Psychologie und Pädagogik einen Filmabend, in dem eine Freun­din des Institutes, Frau Dr. E. R o d a k i e w i e c z (Neuyork), Aufnahmen ihres Sohnes zeigen wird. Der Film, zum großen Teil an der mexikanischen Küste aufgenommen, sucht den Ausdrucksgehalt be­wegter Lichter zum Erlebnis zu bringen. Der Film will nicht bloße Naturfchilderung geben, sondern greift sehr viel tiefer, indem er dem Beschauer den flutenden Rythmus des Allwebens in feiner Ge­staltenfülle, so wie ihn der junge Schöpfer des Filmes sah, miterleben läßt. Der Film ist mehr noch als eine Natururkunde, ein Seelendokument für die Erlebniswelt eines jungen Amerikaners. Auf die heutige Anzeige fei hingewiesen.

** Der Bienenzüchterverein Gießen und Ämgegend hielt am Sonntag im Hotel Hopseld seine diesjährige 3ahreshauptversamm- lung ab, an der sich über 70 Mitglieder betei­ligten. Rach der Begrüßung erstattete der Ob­mann, Gottlieb Bodenbender, den 3ahres- bericht, aus dem u. a. mitgeteilt sei, daß die Honigernte einen knappen Mittelertrag brachte und der Mitgliederbestand sich trotz der miß­lichen Wirtschaftsverhältnisse von 204 auf 211 er­höhte. Die neuerrichtete Königin-Zuchtstation im Krosdorser Forst soll im neuen 3ahre weiter aus­gebaut werden. Die Rechnungsablage erfolgte durch Eduard Schäfer und ergab bei 1934,04 Mark Einnahme und 1600,93 Mark Ausgabe einen Äeberschuh von 332,11 Mark, wozu noch ein Kapitalvermögen von mehreren hundert Mark kommt. Der Voranschlag mit 1400 Mark wurde einstimmig angenommen und dem Rechnungsfüh­rer für seine pflichttreue Arbeit der Dank des Vereins ausgesprochen. Für den wegen Arbeits­überlastung zurückgetretenen Rechner wurde H. K o r m a n n, Gießen, zum Rachfolger gewählt. Der Vorsitzende berichtete dann über die Geschäfts­führung des 1400 Mitglieder zählenden Ober­hessischen 3mkerbundes, dessen Vertreterversamm­lung zu Ostern 1933 in Hungen anläßlich des 50- jährigen Bestehens des dortigen Zweigvereins stattfinden soll. In seinem VortrageWas muß jeder 3mker von der Königinzucht wissen", befaßte sich der Obmann mit den neuesten Problemen und gab dabei auf Grund seiner langjährigen Erfahrungen praktische Hinweise zur erfolgreichen Durchfüh­rung. Mit einem Hinweis des Vorsitzenden auf die in diesem Sommer in Bad-Rauheim ftatt- findende Tagung des Deutschen 3mkerbundes wurde die anregende Versammlung geschlossen.

rahnkanalisterung und Freiwilliger Arbeitsdienst.

Bei der Ämschau nach Möglichkeiten zum Frei­willigen Arbeitsdienst hat der 3ungdeutsche Or­den in Gießen, der sich bisher für die Eingliede­rung der Jugend in den Arbeitsprozeß eifrig und erfolgreich bemühte, sein Augenmerk u. a. auch auf die Lahnkanalisierung gerichtet. Veranlaßt durch die Arbeitsbeschaffungspläne des Reiches hat sich in Gießen das 3nteresse für dieses Projekt neuerdings wieder stark belebt, wobei neben der unzweifelhaft reichen Arbeits­möglichkeit bei diesem Bau auch die Erwägung,

durch die Kanalisierung der Lahn auf der Streife von Steeden bei Limburg bis nach Gießen eine zukunftsreiche wirtschaftliche Tat zu vollbringen,

für die erneute 3nitiative maßgebend war. Auf Einladung des 3ungdeutschen Orden fand gestern abend im Hause des Arbeitgeberverbandes eine Besprechung über deren Einzelheiten wir morgen noch näher berichten werden statt, an der Vertreter von Gießener Behörden, der Gießener Wirtschaft und des öffentlichen Lebens, ferner eine Anzahl Herren der Wetzlarer 3n- dustrie, Vertreter von Wetzlarer Behörden und Männer des dortigen öffentlichen Lebens teil­nahmen.

Studienrat Schmidt (Gießen) als Grohkomtur des 3ungdeutschen Ordens leitete die Verhand­lungen und skizzierte einleitend in kurzen Worten den Zweck des Abends. Anschließend sprach der langjährige und verdienstvolle Vorkämpfer der Lahnkanalisierung, Direktor Bansa (Limburg) über das weitreichende Projekt der Schiffbar­machung der Lahn auf der Strecke von Steeden bis Gießen, nachdem sie von der Mündung bis Steeden bereits kanalisiert ist und zur Zeit von 13 Schiffen befahren wird. Der Redner gab durch seine Dar­legungen eine aufschlußreiche Grundlage für die nachfolgende umfangreiche Aussprache, an der sich zahlreiche Herren ans Gießen und aus Wetzlar beteiligten. Daß die Lahnkanalisierung in wirt­schaftlicher Beziehung für unsere engere Heimat von weitreichendster Bedeutung sein wird, wurde allgemein anerkannt. Die Rotwendigkeit der Schaffung eines billigen Warentransportweges durch die Kanalisierung der Lahn für die Erzeug­nisse der 3ndustrie ging besonders eindrucksvoll aus den Mitteilungen eines Vertreters der Bu-

derusschen Eisenwerke hervor, der u. a. darauf hinwies, daß

zur Zeik die Eisenbahnfracht für oberhessisches Erz von Hungen bis nach Essen 5,20 Mk. je Tonne kostet, dagegen der Frachtsatz für Erz von Spanien (mit Umladung in Rotterdam) nach Essen sich auf 3,50 bis 3,80 Mark pro Tonne beläuft und erst beim Erztransport von Kanada nach Essen der gleiche Frachtsatz wie für die Strecke von Hungen nach Essen heraus- fommt.

Das Schwergewicht der Aussprache war der Frage gewidmet, inwieweit der freiwillige A r b e i t s d i e n st für die Verwirklichung des Projekts nutzbar zu machen und dadurch die be­schleunigte Verwirklichung des seit vielen 3ahren erstrebten Zieles zu erreichen sei. 3n der Erör­terung zeigte sich, daß bei diesem Dauunierneh- men Tiefbauarbeiten (Baggern) und eine Anzahl Kunstbauten (Schleusenkammern usw.) Wohl den größeren Teil der Arbeiten ausmachen, dagegen die im freiwilligen Arbeitsdienst auszuführenden Leistungen an TÄmfang zurückstehen. Die endgül­tige und zuverlässige Klärung dieser Frage ist von ausschlaggebender Bedeutung für die Finan­zierung und damit für die Verwirklichung des Projekts. Die Versammlung kam daher am Schlüsse der gründlichen Aussprache zu dem Er­gebnis, durch Vermittlung des 3ungdeutschen Or­dens in Gießen und in Gemeinschaft mit Direktor Bansa (Limburg), dem Geschäftsführer des Lahnkanal-Vereins, bei den Wasserbauämtern in Diez und in Mainz eine Rachprüfung des vor­liegenden Projekts hinsichtlich der Einschal - tungsmöglichkeit für den freiwilli­gen Arbeitsdienst umgehend vornehmen zu lassen. Sobald das Ergebnis dieser Rachprüfung vorliegt, soll eine erneute Beratung und die Be­schlußfassung über weitere Schritte stattfinden.

Daten für Dienstag, 7. Februar.

1812: der Dichter Charles Dickens in Landport bei Potsmouth geboren; 1851: der Kunsthistoriker Hugo von Tschudi auf Gut Jakobshof in Niederöster­reich geboren; 1878. Papst Pius IX. in R?m ge­storben; 1909: der Hofprediger und So, lpoli- tiker Adolf Stöcker in Gries bei Bozen gefto t.