Aus der Provinzialhauptstadt.
Oie drei nächsten Ausstellungen des Kunstvereins.
Som Oberhessischen Kun st verein wird uns geschrieben:
Sonntag, 8. Januar, wird das neue Iahrespro- Sramm mit einer Ausstellung der graphischen Ar- eiten von Daniel Greiner eröffnet. Der Künstler wird zur Eröffnung dieser Ausstellung, deren Anlaß sein 60. Geburtstag ist, selbst die einführenden Worte über seine Arbeiten sprechen. Wir brauchen an dieser Stelle nicht besonders auf die Kunst Dr. Greiners hinzuweisen. Er ist den Gießenern sowohl durch eigene Arbeiten, die er hier ausgeführt hat, als auch ourch eine frühere Ausstellung bekannt. Daß er selbst über sich und seine Werke am Tage der Eröffnung der Ausstellung spricht, wird manchem Besucher eine wertvolle Aufklärung und besseres Verständnis geben. Es sei deshalb auch an dieser Stelle besonders aus den Vortrag hingewiesen.
9m Februar wird sich die Gedächtnisausstellung für den verstorbenen jungen Künstler Walter ßrnmati anschließen. Es ist eine Kollektiv-Ausstellung sämtlicher Arbeiten des bereits mit 32 Jahren verstorbenen jungen Künstlers. Sein Freund, fierr Dr. Friß Eckhardt (Berlin) wird die Ausstellung mit einem einleitenden Vortrage eröffnen und damit manchen Kunstfreund in die noch wenig bekannte und auch von vielen noch nicht verstandene Welt des Künstlers einführen. Vielleicht wird es sogar möglich sein, einen größeren Kreis von Kunstfreunden durch einen Vortrag bei dem Südwest- deutschen Rundfunk in Frankfurt auf diese Gedächtnisausstellung ganz besonders hinzuweisen.
Als dritte Ausstellung in diesem Jahre folgt dann eine Zusammenstellung von Reproduktionen der Werke französischer Maler des 19. Jahrhunderts. Da es nicht möglich ist, über diese Künstler an Hand ihrer Originalwerke eine Uebersicht zu geben, sollen die ausgezeichneten Reproduktionen von Hanf- st a e n g e l und Piper (insgesamt etwa 100 Blatt) Ersatz dafür bieten. Wir sind überzeugt, daß die bekannte Schönheit dieser Blätter den Besuchern der Ausstellung die kunstgeschichtliche Bedeutung dieser Maler dennoch näher bringen kann, zumal Herr Professor Dr. Rauch (Gießen) sich bereit erklärt hat, für diese Ausstellung die einführenden Worte zu sprechen.
9m ganzen soll die Verschiedenartigkeit dieses nächsten Vierteljahresprogrammes den Mitgliedern und Freunden des Kunstvereins die Möglichkeit geben, die Vielgestaltigkeit künstlerischer Bestrebungen zu erkennen, und — mögen sie auch dem Ge- schmacke des einzelnen nicht immer entsprechen —, doch den objektiven Wert dieser Leistungen anzuerkennen.
Taten für Samstag, 7. Januar.
785: Sachsenherzog Widukind gerauft: — 1831: Rcichsposlminister v. Stephan, der Gründer des Weltpostvereins, in Stolp in Pommern geboren: — 1845: der ehemalige König Ludwig III. von Dahern in München geboren.
Schützt die Pferde!
Bei strenger Kälte müssen die Pferde, wenn sie auf der Straße halten, gut zugedeckt werden, damit sie nicht zu sehr frieren, steif werden und sich erkälten. Die Decken sollen aber sorgsam übergelegt und an den Seiten gut befestigt sein. Flüchtiges Ueberroerfen nutzt nicht viel. Dagegen ist es sehr unvernünftig, die Arbeitstiere schon während des Dienstes mit einer Decke einhergehen zu lassen. Darunter schwitzt die Haut, und das Tier wird empfindlich. Rur geschorene Pferde müssen im Winter eine Decke haben.
Ein wohlwollender Kutscher darf nicht vergessen, über Nacht das Gebiß des Pferdes im Stalle aufzubewahren und es vor dem Gebrauch in warmes Wasser zu tauchen, oder mit einem wollenen Tuche warm zu reiben, weil sonst das kalte Eisen an Zunge, Lippen und Gaumen kleben bleibt und sehr schmerzhafte Beschädigungen der Schleimhaut verursacht, so daß das Tier hartes, stechendes Futter scheut.
Aus witterungsgemäßen Husbeschlag muß jetzt auch geachtet werden. Bei unebenem Boden, der mit Eis oder Schnee bedeckt ist, gehören an die Hufeisen Stollen, von denen die einschraubbaren H- und Z-Stollen die empfehlenswertesten sind. 9st die Fahrbahn glatt, also Zement, Beton ober Asphalt, so verhindern Hufeisen mit Strickeinlagen das Rutschen noch am besten. Um Pferde, die auf glatten Straßen gestürzt sind, leichter aufzurichten, führe man stets Torsmull ober Sanb zum Bestreuen des Bodens mit sich. A. B.
** Die Besuchszeiten der Museen. Das Oberhessische Museum im Aten Schloß. das Bölkermuseum und das Kriegsmuseum, sowie die Städtische Gemäldesammlung im Reuen Schloß sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.
politischer Krach in Frankfurt.
WSR. Frankfurt a. M., 6. 3an. Am Donnerstagabend fand, nachdem Nationalsozialisten und die Eiserne Front Kundgebungen veranstaltet hatten, auch eine Demon» ftralion der Sommuniften statt. Rund 4C00 Demonstranten, darunter viele Frauen und Kinder, hatten sich auf dem Börsenplatz versammelt, zogen durch die Altstadt zum Bahnhof und von du zurück zum Börsenplatz. Zu nennenswerten Störungen kam es hierbei nicht. Dagegen gab es heute morgen am Platz der Republik eine wüste Schlägerei. Bei einer hiesigen Kleiderfirma wurde gestreikt, wobei die Kommunisten gnscheinend die Streikleitung in Händen hatten. Dor dem Geschäftslokal hatten sich annähernd 500 Kommunisten versammelt. Als auch noch ein größerer Trupp Rationalsozia- listen hinzukam, entwickelte sich zwischen den beiden Grrcvpen ein wüstes Handgemenge, wobei es zu erheblichen Derletzungen auf beiden Seiten kam. Die Polizei und Rettungswache mußte eingreifen, woraus wieder Ruhe eintrat.
ArbeilMchaffimg in dec hessischen Iorstwirffchasi
Die Hessische amtliche Pressestelle teil! mit:
Die hessische Ministerialforstabteilung hat im abgelaufenen Jahr der Arbeitsbeschaffung ihr besonderes Augenmerk zugewandt und schon zu Beginn des Jahres die Forstämter veranlaßt, in vermehrtem Maße Projekte in den Staats- und Gemeindewaldungen auszuarbeiten und durchzuführen. Bei den stark gesunkenen Holzpreisen waren die Kreditmittel natürlich be- fcyränlt, und die Arbeits^uantitälen und -mög ich- keiten drohten weiter abzusinken. Eine Stichprobe im Monat Oktober 1931 und 1932 ergab folgende Beschäftigung von Waldarbeitern: Oktober 1931: Tarisarbeiter in Staats- und Gemeindewaldungen 871, Oktober 1932 — 861; Rotstandsarbeiter 74 (606): freiwilliger Arbeitsdienst 75 (2909): sonstige Arbeiter 231 (534); insgesamt 1251 (4910).
Der Oktober ist in der Forstwirtschaft allgemein ein Monat mit geringer Beschäftigung. Die Kredite aus dem abgelaufenen Wirtschaftsjahr, das am 30. September zu Ende geht, find erschöpft. Es find nur einige Wegebau- und Kulturarbeiten im Gange. Die Holzhauerei hat noch nicht begonnen. Die Beamten find mit Holzauszeichnen und sonstigen Vorarbeiten beschäftigt.
Die Gesamtzahl der männlichen Beschäftigten ist von Oktober 1931 auf Oktober 1932 von 1251 auf 4910, also fast auf das vierfache gestiegen.
Betrachtet man die Gesamtzahl der Tarifarbeiter — hierzu gehören auch die Notstandsarbeiter —, so ergibt sich auch hier eine Zunahme von 945 auf 1467, also um zirka 55 v. H. Den größten Zuwachs hat der Freiwillige Arbeitsdienst, von 75 auf 2909. zu verzeichnen. Hier waren, ebenso wie bei den Notstandsarbeitern, nur zusätzliche, gemeinnützige und volkswirtschaftlich wertvolle Arbeiten im Gange. Bei den „Sonstigen Arbeitern" handelt es sich in der Hauptsache um Beschäftigung von Wohlfahrts-Erwerbslosen in Gemeindewaldungen und um Beschäftigung gegen Gewährung von Naturalien.
Zur Zeit sind fchähungsweife allein 10 000 bis 12 000 Arbeiter bei der Holzhauerei im Tariflohn beschäftigt.
Nach Beendigung dieser Arbeiten sollen zahlreiche zusätzliche Arbeiten wieder in Angriff genommen werden, deren Planung bereits vorliegt bzw. im Gange ist. Die Planung und Durchführung dieser Arbeiten stellt eine starke Mehrbelastung der Beamtenschaft dar, die häufig nur in Ueberftunben geleistet werden kann. Die Beamten haben gern diese Mehrarbeit auf sich genommen und die Durchführung mit großem Eifer und großem Verständnis gefördert. So werden auch im Frühjahr wieder zahlreiche Arbeitslose in der Forstwirtschaft Beschäftigung finden.
Rundsunkprogramm.
Sonntag, 8. Januar.
6.35 Uhr: von Bremen: Hafenkonzert. 8.30: Katholische Morgenfeier. 9.30 bis 10.15: Stunde des Chorgesangs. 10.30: Goethes „Mahomet" (Einführungsvortrag vorn Dramaturgen Horst Hoffmann). 10.50: Sprachliche Ausdrucksformen — Der Ausruf in den Mundarten. Von Paul Laven und Alfred Auerbach. 11.15 vom Deutschlandsender: Eröffnung der Ausstellung „Ostpreußen, was es leidet, was es leistet". Ansprachen: Oberregierungsrat Hoffmann, Landeshauptmann Blunck, Reichsminister Bracht. 12: Mittaaskonzert I auf Schallplatten. 13: Mittagskonzert H des Orchesters des Westdeutschen Rundfunks 14.10: Stunde des Landes. 15: Stunde der Fügend. 16: Kurhaus Wiesbaden: Konzert des Städtischen Kurorchesters. 18: Vortrag. 18.25: Vergnügliches Zwischenspiel. 18.55: Vortrag. 19.30: Konzert 20 50: Großer Saal des Saalbaues, tfranifurt: IV. Sonntagskonzert des Frankfurter Orchesteroereins: Fünfte Symphonie in B-Dur von A. Bruckner. 21.50: „Bewahrt das Feuer und das Licht ...", eine Hörfolge. 22.45 bis 24: Nachtmusik.
Montag, 9. Januar.
7.25 Uhr: Frllhkonzert auf Schallplatten. 12: Mittagskonzert I. 13.30: Mittagskonzert II. 17: Mannheim: Nachmittagskonzert. 18.25: Stunde des Flttns: Filmjahr 1932 — Rückblick und Ausblick von Curt 9eret. 18.50: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Selbstanzeige. Axel Eggedrecht. 19.45: Wer ist es? Literarische Rätsel (VII). Aufgegeben von Wolfgang Weyrauch. 20.05: (M und Deutschlandsender) aus dem Großen Saal des Saalbaues Frankfurt: VI.Mon- tagskonzert des Frankfurter Orchesteroereins. 20.40: (M und Deutschlandsender): „Deutsche Burgen als Ausdruck deutscher Eigenart", Vortrag von Geheimrat Professor Dr. Bodo Ebhardt. 21.05: (Deutsch
landsender, Breslau): Tausend Jahre wie ein Tag, eine Hörfolge von der Burg Dreieichenhain von Alfons Paguet. 22: (M und Deutschlandsender): Konzert. 22.45 bis 24: Nachtmusik.
Dienstag, 10. Januar.
7.25 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Mittagskonzert I des Rundfunkorcycsters. 13.30: Mittagskonzert II auf Schallplatten. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Nachmittag. 17: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.25: „Freiwilliger Arbeitsdienst", Gespräch zwischen Lili Fink, Fürsorgerin, und Fr. Sommer, Gewerbelehrerin. 18.50: Dank an Finnland. Meine Opernarbeit in Helsiki. Von Hans Es- dras Mutzenbecher. 19.30: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchrsters. 20 20: Frau Morris gegen die Daily Mail. Ein englischer Spiritistenprozeß, bearbeitet von Dr. Richard Müller. 21.40: Klaviermusik für die linke Hand allein. 22.30 von Leipzig: Orgelkonzert.
Mittwoch, 11. Januar.
7.25 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten. 10.20 bis 10.50: Schulfunk: Eine halbe Stunde beim Staatsanwalt. Von Actualis. 12: Mittagskonzert I des Rundfunkorchesters. 13.30: Mittagskonzert II au Schallplatten. 15.15 bis 1615: Stunde der Jugend. 17: (M, BR) Konzert 18.25: „Goethes persönliche Beziehung zum Frankfurter Theater", Vortrag von Unioerfitätsprofeffor Dr. Pfeiffer-Belli. 18.50: Zeitfunk. 19.30: Konzert des Rundfunkorchesters. 21.20: Die Stillen im Land. Aus der Chronik des schlichten Lebens. 22.20 bis 24: Von London: Konzert der BBC.-Militärkapelle.
Donnerstag, 12. Januar.
7.25 Uhr: Frühkonzert erwerbsloser Berufsmusiker. 12: Augsburg: Mittagskonzert I. Blasmusik. 13.30:
Mittagskonzert II auf Schallplatten. 15.30 bis 16.30: Stunde der Jugend 17: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.25: Um das Buch. „Buchkritik", ein Gespräch zwischen Dr. Wolfgang von Einsiedel und Dr. Max Tau. 18.50: „Die Bedeutung des Kredits in der heutigen Wirtschaft", Vortrag von Professor Dr. Robert ßiefmann, Freiburg. 19.30: Mandolinenkonzert. 20: von Breslau: Boykott. Hörspiel. 21.15: Sonaten-Stunde, Kompositionen von Paul Juon. 22: Nachtmusik der Kapelle Eyfoldt. 23.40 bis 0.10: Dortmunder Sechs-Tage-Rennen. Sprecher: Dr. Ernst-Probst.
Jreifag, 13. Januar.
7.25 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Mittagskonzert I auf Schallplatten. 13.30: Mittagskonzert II. 17: Konzert. 18.25: Freiburg: „Ist das Weltall endlich ober unendlich?", Vortrag von Professor E Beutel. 18.50: Bemerkungen über die Entstehung und die ersten Aeußerungsformen einer Knochen-
und Gelenktuberkulose, Aerztevortrag. 19.30: Wachsfigurenkabinett, eine heitere Plauderei von Paul Ederling. 20.30: Orchesterkonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 21: Europäisches Konzert. 21.35: Konzert. 22.45 bis 24: Nachtmusik.
Samstag, 14. Januar.
7.25 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten. 10.10: Schulfunk: Nur ein Streichholz, Hörbild von Anton Betzner. 12: Mittagskonzert I auf Schallplatten. 13.30 bis 14 40: Mittagskonzert II des Rundfunkorchesters. 15.30 bis 16.30: Stunde der Jugend. 17: Nachmit- tagskonzert, Westdeutsches Kammerorchester. 18.25: „Ostmark und deutsche Kultur", Vortrag von Dr. Franz Lüdtke, Oranienburg. 18.50: .Ostdeutsche Agrarprobleme", Vortrag von Dr. Theodor Häbrich, Königsberg. 19.30: Karlsruhe: Mandolinenkonzert. 20: Der Graf von Luxemburg. 22.45 bis 24: Nachtmusik.
Geschichten ans aller Welt
troffen. Dann ließ er das Geld, das er sich inzwischen besorgt hatte, auf den Tisch des Hauses zählen und verschwand hochmütig. Die Herren von Juan les Pins schämten sich fünf Minuten und strichen dann vergnügt das Geld ein. Basil Bleck wird niemals mehr nach Juan les Pins gehen ...
Das Krokodil auf dem Trockenen.
(r) Amsterdam.
Im „Telegraaf" erzählt ein holländischer Wasserbau-Ingenieur, der lange Zeit in den Kolonien tätig gewesen ist, Erlebnisse mit Krokodilen, die er während feines Aufenthalts auf Borneo hatte. Eine dieser Erzählungen zeigt eins dieser riesigen Wasserraubtiere in einer Klemme, in die Krokodile im allgemeinen wohl sehr selten geraten:
Es war in Balikpapan, dem Petroleumzentrum der Ostküste Borneos, wo der Erzähler ein Baubüro leitete. Eines Vormittags kam ein aufgeregter Eingeborener in das Zeichenbüro gestürmt mit dem Schreckensruf: „Schnell, schnell, ein Krokodil!" Mehr war aus dem entsetzten Eingeborenen nicht heraus- zubekommen, und schließlich bewaffneten sich die Weißen mit ihren Flinten und folgten dem Schrek- kensboten. Er führte sie zum — Pumphaus des Wasserwerkes von Balikpapan, und hier sahen sie tatsächlich ein über sieben Meter langes, mächtiges Krokodil in einer Situation, in der ein Krokodil wohl noch nie getroffen worden ist.
Das Wasserwerk liegt an der Mündung eines kleinen Baches in das Meer. Ein Teil des Rohren- systems der Pumpstatton liegt nun etwa einen Meter hoher als das Bachnioeau und wird nur bei Hochwasser des Baches mit Wasser gefüllt. Beim letzten Hochwasser nun mußte dies .Krokodil in eine dieser Rohren gelangt sein, die sich beim Abflauen der Ueberschwemmung schnell leerte und das Tier im buchstäblichen Sinne des Wortes auf dem Trockenen ließ. Wegen der Enge der Rohre konnte das Riefentier auch nicht zurück und war so gefangen.
Nach vielen Mühen gelang es, den stattlichen Räuber lebend zu fangen. Er wurde dem Zoologischen Garten in Rotterdam lebend angeboten.
Der bekehrte Menschenfresser.
(g) London.
Der Häuptling des Namba-Stammes auf den Neuen Hebriden hat König Georg von England als Beweis feiner Hochachtung durch Vermittlung der Forfchungsreisenden Miß Evelyn Cheesman einen Speer mit vergifteter Spitze und eine aus Korallen und Kokosnüssen geflochtene Halskette überreichen lassen, die eines der Glanzstücke im „Kronschatze" des Häuptlings darstellte. Diese Geschenke waren von folgendem Schreiben begleitet:
Ringapat, der König der großen Namba, teilt feinem königlichen Bruder Georg mit, daß er von nun an kein Mer.schenfleisch mehr essen will, weder das von Weißen noch das von Farbigen. In Verfolg dieses wird er auch keinen Weißen oder Farbigen mehr töten, mit Ausnahme des Falles, daß ein Weißer ihm Eingeborene rauben sollte!"
Nikapat, der erst jüngst gestorbene Vater des Königs Ringapat, war ein berüchtigter Liebhaber von Menfchenfleifch. Seinen Tod betrauern heute noch sechzig Witwen, und es wären ihrer noch ein gutes halbes Dutzend mehr, wenn ihr Herr und Gebieter nicht ab und zu während seines genießerischen Daseins, so auch kurz vor seinem Hinscheiden wieder, einige von ihnen für feine Mittagstafel bestimmt gehabt hätte.
König Georg hat das Geschenk seines „königlichen Bruders" Ringapat mit Dank angenommen und dem Londoner Museum für Völkerkunde überwiesen. Eine chemische Untersuchung der Speerspitze ergab deren Vergiftung mit einem strychninähn- lichen Stoff.
Der Geiger mit dem Bienenstich.
(u) Mexiko
Jrn stetig brodelnden Mexiko hat man immerhin doch auch noch einiges Interesse für die Kunst. So gab kürzlich ein bekannter französischer Geiger in Veracruz ein Konzert, d. h. er wollte eins geben, wurde daran aber auf eine eigentümliche Art und Weise verhindert. Als der Künstler nämlich wenige Minuten vor Beginn seines Konzertes sein wertvolles Instrument ergriff, angeblich eine echte Stradivarius, mußte er die Entdeckung machen, daß eine Biene oder Wespe (genau war das nicht zu erkennen) in den Resonanzboden seiner Violine gekrochen war und nun in ihrem engen Gefängnis umherbrummte und lärmte, ohne den Ausgang wiederfinden zu können. Mit einem tobenden Infekt in der Violine hätte sogar ein Paganini nicht spielen können, und alle Bemühungen des Künstlers, des Impresarios und der herbeigerufenen Konzerthausangestellten brachten es nicht zuwege, den lebenden Fremdkörper aus dem Resonanzboden hervorzuholen, und man mußte, da das ungeduldige Konzertpublikum schon zu murren begann, schnell eine Ersatzgeige beschaffen, deren Wohlklang allerdings an den der echten Stradivari nicht heran- reichte.
Der Geiger nahm beide Instrumente mit auf das Podium und entschuldigte den späten Beginn des Konzertes mit dem Hinweis auf das ihm widerfahrene Mißgeschick, womit er gleich einen Heiter- feitserfolg errang. Sodann begann er fein Programm auf der entliehenen Geige. Aber schon bei der zweiten Piece, der Chaconne von Bach, warf er mit einem gellenden Schmerzensschrei das Instrument auf den Konzertflügel, die Biene, erst jetzt war sie als solche zu erkennen, hatte sich inzwischen aus dem abseits liegenden Instrumente des Künstlers frei gemacht und nichts befferes zu tun gewußt, als ihm während feines Spiels in die Unke Hand zu stechen. — Damit war das Konzert natürlich vorzeitig durch die „höhere Gewalt" des Bienen- ' stachels beendet.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Eine kleine Nebenbeschäftigung.
(rt) Berlin.
So geschehen im verflossenen Jahre 1932 in einer kleinen deutschen Stadt: Bei einer Tagung der Stadtväter beschloß der Magistrat, einer Eingabe der freiwilligen städtischen Feuerwehr stattzugeben — und auf dem Marktplatz eine Wasserpumpe anzulegen, die man im gewöhnlichen Sprachgebrauch „Hydrant" nennt. Dieser Beschluß wurde kurz darauf im Kreisblättchen veröffentlicht. Stolz und selbstbewußt verkündete man, demnächst würde ein Hydrant ausgestellt.
Vierundzwanzig Stunden später erreichte den Magistrat ein Brief. In diesem Brief stand zu lesen:
„Hochwohllöbliche Herren!
Ich war früher Schneider. Jetzt bin ich ohne Beschäftigung. Suche mir daher einen kleinen Nebenberuf. Wollte also anfragen, hochwohllöbliche Herren, ob Sie mich nicht als Hydrant auf dem Marktplatz aufstellen wollen. Falls diese Stelle noch frei ist, bitte ich ergebens! um Bescheid..." Es ist leider nie bekannt geworden, ob dieser gute Mann nun doch eine Anstellung als Hydrant, Feuermelder oder Gasometer in feiner Vaterstadt erhalten hat...
Hygienische Jahreswende.
(Avk) Budapest.
Budapest ist schon vor geraumer Zeit das „Stilldorado" von Europa geworden; hier regelt die Polizei nicht nur den Straßenverkehr, sondern auch den Straßenlärm. Kein Wunder also, daß man auch für die Silvesternacht weitgehende Vorkehrungen traf, um die Ruhe, Ordnung und die — öffentliche Sauberkeit zu bewahren. Insbesondere die Lerkehrs- gesellschaft, die ihren Straßenbahn- und Autobusbetrieb natürlich die ganze Nacht hindurch aufrecht hielt, rechnete damit, daß (wie soll man das nur sagen?) die alkoholische Jahreswende nicht allen in den Morgenstunden nach Hause torkelnden feuchtfröhlichen Zechern gut bekommen würde. Man stellte also eine ganze Anzahl von weiblichen Hilfskräften, zu gut deutsch — Scheuerfrauen, für diese einzige Nacht ein und ließ „Hygienesonderfahrscheine" drucken, bestimmt für Fahrgäste, denen etwas Menschliches zustoßen sollte. Für die Kleinigkeit von nur zwei Pengo hätten da die Bummler mit fchwachem Magen... Das Sensationelle geschah aber! Entweder gibt es in Budapest keine Bummler mehr, oder verfügen sie alle über einen imponierenden widerstandsfähigen Magen. Die Schaffner mußten die Fahrgäste, wie auch sonst mit dem einfachen Fahrschein abfertiaen und haben kein einziges Zusatzbillett abgesetzt. Man mußte die neuartigen „Fahrscheine für Silvester 1933 aufheben ...
Löwenjagd in Frankreich.
(kn) Paris.
Zwei biedere Zollbeamte liegen im Walde bei Quesnoy an der französisch-belgischen Grenze im Hinterhalt und lauern den Schmugglern auf, die hier täglich die billigen belgischen Zigaretten über die Grenze bringen. Der Himmel ist grau, und dichter Nebel lagert über Wiesen und Feldern. Auf 20 Meter im Umkreis wird die Sicht fast unmöglich. Leichter Regen riefelt hernieder. Da plötzlich —: zwei eigentümliche Gestalten tauchen in der Lichtung auf uni) verschwinden sofort wieder unter Holz. Pflichtbewußt schleichen die beiden Beamten heran, bis sie, starr vor Schrecken, stehen bleiben. In wenigen Metern Entfernung hebt sich die Silhouette zweier Löwen vom dunklen Hintergrund ab, die majestätischen Schrittes der Grenze zuschreiten. Kehrtmachen und nach Quesnoy zurücklaufen, um Verstärkung zu holen, war das Werk weniger Augenblicke. Im Wachtlokal wollte man ihnen keinen Glauben schenken, denn man war bisher nur an Rehe, Füchse ober auch einmal ein Wildschwein gewöhnt, aber Löwen —?
Eine Jagdexpedition wurde unverzüglich improvisiert, und gruppenweise stießen die tapferen ^Zollbeamten von verschiedenen Seiten gegen die Stelle vor, wo die beiden Raubtiere zuletzt gesichtet worden waren. Natürlich fand man feine Löwen, dafür aber in der aufgeweichten Erde frische Spuren von zwei Hunden, die sicherlich von angesehener Größe gewesen fein müssen. Jetzt war das Rätsel gelost. Die findigen Schmuggler, die sehr häufig abgerichtete Hunde über die Grenze schicken, hatten die Tiere mit Löwenfellen bedeckt, um den Zollbeamten einen Schrecken einzujagen und ihr verbotenes Gewerbe ungehindert durchführen zu können. Sie haben ihr Ziel erreicht, und in Quesnoy hat man noch lange über diesen Schmugglertrick gelacht.
Roulette.
(g) Monte Carlo.
Die Kasino-Verwaltung von Juan (es Pins sollte sich eigentlich erheblich schämen. Da hat sie gegen einen jungen Rechtsanwalt Basil Bleck eine Klage eingereicht und zwar in seiner Heimat, in London nämlich; eine Klage, die auf 132 500 Franken lautet. Sie verlangt die sofortige Zahlung dieser Summe, oder aber Basil Bleck müsse strafrechllich verfolgt werden, weil er drei nicht gedeckte Schecks ausgegeben habe. Schecks gegen Spielschulden ...
Basil Bleck kann sich nicht selbst verteidigen in dieser Sache. Aber er ließ durch seinen Anwatt folgendes sagen: Er fei ein reicher Mann gewesen, indem sein Vater ihm Millionen hinterließ. Das war 1927. Seit dieser Zeit habe er sein Geld am Spiel- tksch und auf der Eisenbahn vertan. Aber in der Hauptsache im Spielsaal. Sein ganzes Vermögen habe er dort gelassen und schließlich^ um einen guten Abgang zu finden, die Schecks „geändert". Er habe gehofft, er treffe in der Direktion von Juan les Pins ©entfernen. Er habe aber kleine Krämer ge-


