Ausgabe 
7.1.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Luken sei infolge des Schlingerns während des ganzen Tages Wasser in das Innere ge­drungen. Das Feuer an Bord des Ozeanriesen hat immer noch nicht gelöscht werden können. So­wohl am Heck wie am Bug steigen nach wie vor schwarze Rauchwolken empor, die daraus Hinwei­sen, daß die Flammen im Innern des Schiffes ihr Dcrnichtungswerk sortsetzen. Man hofft trotz­dem, daß die Brennswfftanks, die durch fcuerdichte Schotten abgeschlossen werden konnten, nicht ex­plodieren und daß auch der Maschinenraum un­berührt bleibt.

Der Minister für die Handelsmarine Leon Meyer hat einem Vertreter desParis Midi" über die Arsache des Feuers erklärt, daß es sich

entweder um einen Kurzschluß handele, der aller­dings unwahrscheinlich sei, oder um eine Fahrläs­sigkeit. In einer Kabine l. Klasse seien nämlich etwa dreißig Wollmotrahen unterge­bracht gewesen. Wenn ein Mitglied der Besatzung eine glimmende Zigarette w.ggeworfen habe, so hätte sie leicht stundenlang schwelen können, bis dann das Feuer plötzlich mit toller Wucht ausbrach. Der Minister sagte, er werde dafür sorgen, daß in Zukunft bei der In­neneinrichtung der Schiffe weniger Holz ver­wendet werde, daß zwei Funkerkabinen eingebaut würden, eine vorne und eine hinten, und daß der Besatzung Berufsfeuerwehr­leute beigegeben würden.

Das Reitungswerk -erRuhr".

A m st e r d a m , 6. Ian. (TTl.) Das Motorschiff Ruhr" der H a p a g , das an der Rettung der Besatzung derAtlantique" einen großen Anteil hatte, ist, nachdem die Geretteten in Cherbourg an Land gesetzt worden waren, am Donnerstag­abend in Rotterdam eingetroffen. Der Erste Steuermann derRuhr", Förster, gab eine eingehende Schilderung der Ereignisse. För­ster hatte am Mittwoch 4 Mr die Woche bezo­gen. An Backbord derRuhr" bewegte sich in zwei bis drei Meilen Entfernung ein großes Pasfagierschiff. Das Schiff war hell er­leuchtet. Gegen 6 ilbr bemerkte Förster mittschiffs des Paffagierdampfers einen eigenartigen roten Schein. Bald darauf sah er einen Funken- regen über dem Schiff. An Bord der Ruhr" wurden alle Rettungsgeräte klar gemacht und sofort Kurs auf das brennende Schiff genommen. Wegen der riesigen Rauch­entwicklung mußte man dos Schiff in einem Do­gen, umfahren. Um 6.24 Uhr war man so nahe an das Schiff herangekommen, als es aus Sicher­heitsgründen möglich war. Auf einen Funkanruf derRuhr" gab der Dampfer keine Antwort.

Inzwischen holte bas Feuer sich mit großer Geschwindigkeit ausgebreitet, riesigeFlam- m e n schlugen mittschiffs empor, und eine halbe Stunde später stand der Dampfer vom Achter­steven bis zum Bug in Flammen. Er gab ein phantastisches, unvergeßliches Bild.

Beim Hellerwerden sah man einige Boote auf See treiben. Insgesamt kamen vier Ret­tungsboote längsseits derRuhr", deren Insassen übernommen wurden. Zwei Rettungsboote wur­den ausgesetzt. Eines dieser Boote rettete sechs Schiffbrüchige, die fast alle bereits zwei Stunden im Wasser gelegen haben. In der Zwischenzeit hatten sich einige andere Schisse eingesunden, da­runter der Holländer ,,A ch i l l e s", auch dieser nahm Schiffbrüchige auf. Das Rettungswerk voll­zog sich in sehr kurzer Zeit, teils noch im Dunkeln, teils bei Morgendämmerung.

Als einen furchtbaren Augenblick bezeichnete es Förster, als er sah, wie bei einem der Ret­tungsboote, das noch von derAtlantique" heruntergelassen werden sollte, ein Seil durchbrannte. Alle Insassen wurden her­ausgeschleudert, einzelne der Schiffbrüchigen konnten gerettet werden. Man befürchtet jedoch, daß die übrigen Insassen dieses Rettungsbootes ertrunken sind.

Inzwischen kämpfte dieAtlantique" den Todes­kampf. Anscheinend hotten die Oelvorröte Feuer gefangen. Die Schifsswond war mitt­schiffs so glühend, daß dos Wasser sehr schnell ver­dampfte. Als es Tag wurde, sah man, daß von der Atlantique" nur eine Ruine übrig war. Die Ruhr" blieb bis 12.30 Uhr in der Nähe der Atlantique". Um diese Zeit war in der Nähe des Schiffes kein Rettungsboot mehr zu sehen, und man sah auch keine Menschen mehr im Wasser. Darauf setzte dieRuhr" Kurs nach Cherbourg. Von den Schiffen, die an dem Rettungswerk teilgenommen hatten, war dieRuhr" dos letzte, das dieAt­lantique" verließ.

Oer Teufel aus der Versenkung

Aus dem Tagebuch eines Schauspielers.

Don Otto Krauß GOS.

Jeder ist einmal Anfänger. Das ist ein ernster Zustand, solange man ihn leben muß, aber in der Erinnerung nur komisch anzusehen.

Ich fpielte als blutiger Anfängergastweise" in Aschaffenburg den Mephisto. Am Abend, mitten in der Vorstellung, befiel den Spielleiter (hier rich­tiger: Platzordner) eine Eingebung, eine Idee. So etwas geht nicht ohne Schrecken und schwere Ver­wicklung für die Umgebung ab. Er besann sich auf die Versenkung, ihre Maschinerie und deren geheim­nisvolle Wirkung, wenn einer, den man von rechts erwartet, von unten erscheint. Also er ordnete für mich an, daß ich in der letzten Szenehochgedreht" werden soll.

Vollkommen ahnungslos über mein Geschick, ver­füge ich mich mit den wenigen letzten Versen im Kopf, angetan mit meinem kümmerlich vom ,cyivar° zen Mantel bedeckten, strahlenden Prochtkostüm vollkommen neu, aussehenerregend für Aschasfen- bürg! in die vorschriftsmäßige Tiefe.

Schließlich kommt auch der Arbeiter zumDrehen", der den nie gebrauchten Apparat mißtrauisch, aber eingehend in Augenschein nimmt. Der Raum zum Stehen für den Darsteller, derStehplatz" ist eine bescheidene runde Scheibe, von etwa einem Meter Durchmesser, wie ein größerer Bieruntersetzer.

Inzwischen mimen über uns Faust und Gretchen fleißig den vom Dichter vorgeschriebenen Text. Wir hörten in der Tiefe kaum ein Wort. Aber mir das Auftrittszeichen zu geben, war ja der Spielwart da.

Die Scheibe, auf der ich Platz nahm, war noch schmaler als ich dachte, und vor allem ohne Ge­länder. Man schwebt demnach (ich dachte immer schweben") freistehend in klassischer Pose, wie aus einer Schönheitsgruppe im Wintergarten, durch den leeren Raum unter der Bühne, dann durch den runden Bühnenausschnitt auswärts und erschien, wenn die Sache klappte, zum Schaudern des zu- schauenden Volkes in der Oessentlichkeit.

Diel zu sagen hat der Mephisto am Schluß nicht mehr, nur die Sache, daß meine Pferde schaudern, weil der Morgen graut (so lange spielten wir tat­sächlich) und Faust sollte nicht zaudern.

Schließlich wollten alle einmal nach Haus. Diese wenigen Verse dachte ich noch am rechten Fleck so nach dem Herzen Goethes anzubringen.

Plötzlich das Plötzliche ist in solchen Augen­blicken erschütternd, verwirrend erscheint der

DerHeuerschutz aus deutschen Schiffen.

Rachdcrn jetzt wieder ein großer französischer Paffag.erdainpser den Flammen zum Opfer ge­fallen ist, drängt sich unwillkürlich die Frage aus, ob auch den großen deutschen Dampfern ein ähnlicher Unfall zustoßen kann, oder ob Men- schenlraft imstande ist, des verheerenden Feuers aus einem Schiff Herr zu werden. Aus Marine- sachkreisen wird uns dazu gesagt, daß die Lösch- methode zunächst ganz und gar von der Art des Materials abhängt, das in der Hauptsache vom Brande ersaßt ist. Die beste Feuerbekämp- sung liegt in der Vorsorge, wie sie auf un­seren deutschen Schiffen Vorschrift ist. Durch eine Feuer Meldeanlage, die sämtliche wich­tigen Teile des Schiffes erfaßt, wird an einem Schaltbrett auf der Kommandobrücke automatisch eine sog. Rauchfahne erkenntlich, falls in einem Schiffsteil Feuersgesahr besteht.

Maßgebend für die Art des Löschens ist es, ob das in Brand geratene Schiff ein Dampfschiff ist oder ob es andere Treibstoffe zur Inganghal­tung der Maschinen verwendet. Bei den Dampf­schiffen der deutschen Flotte sind entsprechende Vorrichtungen eingebaut, durch die in die von Feuer bedrohten Räume unverzüglich Dampf ge­blasen wird, und zwar in einer solchen Dichte, daß die Flammen zum Ersticken gebracht werden. Brennt dagegen Benzin, andere ätherische Stosse oder Oel, so wird ein Schaumlöschverfah- r e n in Betrieb gesetzt. Die Schaumlöscher werfen auf den brennenden Treibstoff eine schaumige Masse, die durch die Hitze immer dichter wird und in kurzer Zeit das brennende Material so dicht abschließt, daß es durch Fehlen von Sauer­stoff zum Ersticken kommt.

Eine andere Methode beruht auf Einspritzen von Kohlensäure; diese erfolgreiche Bekämpfung kann nur dann gewährleistet werden, wenn die Brandräume möglichst luftdicht abgeschlossen sind. In verzweifelten Lagen bringt man den Dampfkessel zur Explosion, so daß der ausströmende Dampf von selbst das Feuer zum Ersticken bringt. In einzelnen Fällen hat man auch, um wenigstens den Schiffs- rumpf und die Maschinenanlagen zu retten, die Schisse voll Wasser gepumpt und sie an einer seich­ten Stelle auf Grund gesetzt. Die bestehenden Vorschriften über die Feuerlöschanlagen auf deut­schen Schiffen geben ober das kann man mit gutem Gewissen sagen eine Gewähr dafür, daß diese zuletzt geld)iloerten Rettungsmethoden kaum angewandt werden müssen, da nach den neuesten Errungenschaften der Technik eine so katastrophale Ausdehnung eines Brandes nicht zu befürchten ist. Die Beisetzung Geheimrats Cuno

Hamburg, 6. Ian. (WTB.) In der katho­lischen Marienkirche in Hamburg fand am Freitagmittag die Trauerfeier für den ehemaligen Reichskanzler Geheim- r a t D r. Cuno statt. Die starke Anteilnahme der Bevölkerung und die Anwesenheit zahlreicher führender Persönlichkeiten aus Regierungs- und W.rtfchastskreifen legten noch einmal Zeugnis ab für die Wertschätzung, die der Heimgegangene genoß und für die Bedeutung, die man feinem Wirken beimißt. Die Marienkirche konnte die Zahl der Trauergäste kaum fassen. Der Hochaltar

Spielwart mit dem ganzen Entsetzen eines tragischen fünften Aktes: ein matter Schimmer von Seiigteit überglänzt sein sorgenzerwühltes Antlitz, mich wenig­stens irgendwo im Theater gesunden zu haben, und er stammelt atemlos, daß man mich oben dringend zur Fortführung der Handlung benötige. Das war oorauszujehen. Das Stichwort wäre längst über unsere ahnungslosen Häupter dahingegangen, Faust und Gretchen versuchten Goethe, sq genial wie es der in der Eile vorhandene Geist erlaubte, zu ver­längern. Jedenfalls: wenn der Teufel nicht schleu­nigst aus der Klemme helfe, hole der Teufel die ganze Vorstellung.

Ich stand auf der Scheibe. Heber meinem erwar­tungsvollen Haupte öffnet sich der Bühnenausschnitt, und damit weiß die Intelligenz im Zuschauerraum, daß das Loch im Bühnenboden für den Ausgang der Tragödie Entscheidendes hervorzubringen bereit ist.

Der Arbeiter spuckte mit Gelassenheit noch einmal in die Hände und leierte mit Pflichteifer nach Stun­denlohn an dem Drehling (wie an einer Wäsche­mangel); das altmodische Räderwerk und Ketten­getriebe stöhnt, knirscht, knarrt eine Symphonie der Hölle. Kein Laut von oben mehr zu verstehn! Reden sie noch ober reden sie nicht mehr? Keine Ahnung. Schließlich gibts einen Ruck dos durfte nicht kommen! Ich knicke ein und finde mich neben meinem Gefährt in unklärbarer Stellung kauernd wieder. Alle Faust-Zitate liegen durcheinander, etwas aus der Fasson gekommen. Der Morgen schaudert, die Pferde zaudern und Faust dämmert grauend herauf.

Die Worte waren entfernt noch von Goethe. Ich fühlte jetzt nur eine Notwendigkeit: oben sein. Reden: Nebensache.

Also mit teuflischem Hebermut schwinge ich mich wieder auf meinen Bierunterseher. Katastrophen- fieber ringsum! Mein Leiermann (Stundenlohn Er teilte die Zeit sehr gemütvoll ein!) spuckte sich erst wieder in die Hände und drehte von neuem. Auf denSchub" bin ich nun gefaßt und er kommt! Ich taumle.

Einmal muß ich doch hinaus. Schließlich warten sie oben auf mich. Das Stück kennt doch jeder. An die Verse dachte ich schon angstschwitzend nicht mehr Diesen Ehrgeiz hatte ich im Kampfe mit der Ma­schine verloren, mir genügte jetzt schon, wenn wir den Leuten zeigten, ich bin tatsächlich durch das enge Loch ohne merkliche Verbeulung emporgekommen.

In der Höhe meiner Stirn endlich der Bühnen­rand. Sehr hart! Ich rannte mir eine Beule, zer­drückte außerdem meine pompöse Drachenkappe, er­griff aber dafür beseligt wie ein Ertrinkender die Bodenkante und richtete mich auf.

prangte im Schmuck Weißen Flieders. Eine Fülle von Kränzen umgab den schlichten braunen (Sarg. An dem Sarge hielten vier Hapag-Kapitäue die Totenwache. Neben dem Sarg hatten die nächsten Familien angehörigen Platz genommen, an erster Stelle die Gattin des Verstorbenen mit drei Söhnen und zwei Töchtern. Zum Trauer­akt waren u. a. Reieysminister Frhr. Elh von Rübe nach für den Reichspräsidenten und die Reichsregierung, der Chef der Marine­leitung, für die He.resleitung Oberst Gehrke, für den Reichsaußenminister Gesandter von Ro­senberg, für den Hamburger Senat Bürger­meister Roß. und zahlreiche weitere Delegierte von Behörden und Organisationen erschienen. Unter den Trauergästen befanden sich weiter Ge­neraldirektor Dr. Dorpmüller von der Reichsbahn, Reichsbankpräsident Dr. Luther, Dr. Melchior, Karl Friedrich von Sie­mens, die Staatsse'retäre König und Planck. Admiral von Karpf legte für den früheren Kronprinzen einen Kranz am Sorge nieder.

Rach dem musikalischen Vortrag derTräu­merei" von Schumann nahm Pastor-Primarius Winter mann das Wort. Hierauf erklang das Ave Maria". Cs folgte die Absolutio ad tumbam und das KirchenliedIesus, dir lebt ich". Unter den Klängen des Trauermarsches aus derGöt­terdämmerung" wurde der Sarg aus der Kirche herausgetragen, um nach dem Ohlsdorfer Fried­hof übergeführt zu werden. Dort wurde der Trauerzug wiederum von einer gewaltigen Men­schenmenge erwartet, die, entblößten Hauptes, die Wege nach der Gruft ümsäumte. Am Grabe hatten neben der Familie der Vorstand und der Aufsichtsrat der Hapag und eine Reihe von auswärtig n Gästen Ausstellung genommen. Noch­

mals sprach der Geistliche, dann wurde der Sarg der Erde übergeben.

Uniberfitdt und Technische Hoch­schule Indres auwerdenvereinigt

Berlin, 6. Ian. (CNB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, haben dieKom- missare des Reiches sür Preußen den Beschluß gefaßt, die Universität und die Tech­nische Hochschule in Breslau mit Wirkung vom 1. April 1933 in der Weife zu vereinigen, daß die Technische Hochschule als ingenieurwifsen- schaftliche Fakultät der Univers ität angegliedert wird. Der Name der Gefamt- anstalt wird lauten:Schlesische Universität (Friedrich-Wilhelm-Universität und Technische Hochschule)". Die Etats beider Anstalten wer­den mit Wirkung vom 1. April 1933 zusam - mengelegt. Das Hauptziel der Bereinigung ist, den Gedanken der engen Zusammenar­beit aller Wissenschaften als Ge­gengewicht gegen die Gefahr fach­licher Zersplitterung zur Geltung zu bringen und in Forschung und Lehre der gegen­seitigen Befruchtung aller an bei­den An st alten gepflegten Wissen­schaftsgebiete zu dienen. Die Schaffung die­ser neuen Gesamtuniversität in Breslau wird ein bedeutsames und weithin sichtbares Zeichen des deutschen Willens zum Ausbau der Kul­turarbeit im Osten darstellen und ein wich­tiges Glied in der auf die Erhaltung und Stärkung der deutschen Kultur in den östlichen Provinzen gerichteten Politik bilden.

Aus aller Welt.

Russisches Luftschiff bei Aowgorob veruuqlückt.

In Helsingfors ist eine Nachricht eingetroffen, wo­nach am Freitag ein russisches Luftschiff, das die NummerW. II" führt, bei Now­gorod völlig zerschellt ist. Das Luftschiff war mit drei Motoren ausgerüstet und flog in den letzten Tagen vor Weihnachten von Moskau nach Leningrad als Bestimmungsziel. Wegen Motor- ftörungen gelang es ihm nicht, bei dem starken Gegenwind Leningrad rechtzeitig zu erreichen. Man mußte eine Notlandung vornehmen. Die Landung ging gut. Am Donnerstagmorgen sollte das Luft- schiss zur letzten Strecke nach Leningrad starten, um zu einem F'iedertreffen zur Stelle zu fein und dann dauernd in Leningrad stationiert zu werden, wo eine Luftschiffhalle errichtet ist. Die Motoren waren jedoch wieder in Unordnung und das Schiff trieb in Richtung Nowgorod, wo es um 6 Hhr gegen einen Wald st ie h. Beim Zusammenprall mit den Bäumen wurde es vollständig zerstört. Es gelang der Besatzung, sich zu retten. Im Augenblick wird daran gearbeitet, das Skelett des Luftschiffes auseinanderzunehmen, damit es nach Leningrad ge­bracht werden kann. Zu dem Unglücf des neuen LuftschiffesSSR-W II" verlautet in Moskau, daß das Lustschifs bereits am 1. Januar zu einer Fahrt über Leningrad c.ufgeftiegen, wegen Motorschadens aber abgetrieben und nach 20 Stunden willkürlichem Treiben in der Luft auf einem Feld gelandet sei. Es versuchte dann mit einem Motor nochmals auf» Ansteigen, mußte jedoch die Versuche bald aufgeben. Das Lustschifs werde auseinanbenrgenommen und mit der Bahn nach Leningrad gebracht werden, wo es vollständig überholt werden soll.

Gefährliche Lage des EisbrechersMalygin".

Nach Meldungen aus Spitzbergen ist die Lage des EisbrechersM a l y g i n" sehr gefährlich, da das Schiff vollzulaufen droht. Die Pumpen arbei­ten unablässig. Es hängt jetzt alles davon ab, ob der EisbrecherLenin" noch rechtzeitig anlangt, um an dem Leerpumpen des Eisbrechers teilzu­nehmen, da er bei Sturm sinken würde. Die Leningrader Hafenverwaltung erhielt einen Funk- spruch von dem EisbrecherSedow", daß die Ret­

tungsarbeiten amMalygin" wegen des starken Sturmes eingestellt werden mußten.

Durch Starfffrom getötet.

Der gesamte S traßenbahnverkehr der Stadt Haag wurde durch einen Tlnglücksfall in der Zentrale des Städtischen Elektrizitätswerkes für längere Zeit lahmgelegt. Ein Monteur geriet bei Ausbesserungsarbeiten mit einem 10 000-Volt- Kabel in Berührung und war auf der Stelle t o t. Der Verunglückte war ein deutscher Monteur.

43 000 Mark bei einer Kirchenkasse unterschlagen.

Der Kaufmann Walter Rohloff aus Wal­denburg (Schief.) hat' als Verwalter der Kasse der Cvangel s )-Lucher s.hen Gem.inde Tlnter- schTagungen in Höhe von 43 000 Mark be­gangen. Er hatte diese Gelder ins Geschäft ae» no-mmen in der Hoffnung, sie später zurückzahlen zu können, was ihm aber nicht möglich war.

Erweiterungsbauten der Reichsbank.

Die Reichsbank beabsichtigt, noch im Laufe des Sommers mit der Errichtung eines Er­weiterungsbaues für das Hauptge­bäude in Berlin zu beginnen. Das Terrain, das bebaut werden soll, hat eine Größe von etwa 10 000 Quadratmeter. Auf diesem Terrain stehen zur Zeit etwa 3 5 ©ebäubc , die schon im Früh­jahr abgerissen werden sollen. Die Bauzeit wird etwa drei Jahre dauern. Die gesamten Baukosten dürsten zwischen 2 3 u n t> 30 M i I- Honen Mark liegen.

RaubüberfaU auf eine Greisin.

Einen furchtbaren Kamps mit einem Räu­ber hatte im Norden Berlins die 80 Jahre alte Gastwirtswitwe Johanna Schwiederfki zu be­stehen. Ein junger Mann, der angeblich ein Zimmer mieten wollte, war in ihrer Wohnung erschienen. Als sie über den Preis verhandelten, fiel der junge Mann plötzlich über die Frau her und würgte sie so lange, bis sie besinnungslos war. Die alte Frau wehrte sich tapfer. Der Räuber durchsuchte in großer Hast die Wohnung nach Geld und Schmucksachen. Dann flüchtete er.

Der Mann unter mir drehte weiter, das spürte ich, na, und so war ich denn auf dieser Well.

Faust lehnte irgendwo im Rembrandtschen Hell- Dunkel des Kerkers, vom Schwindel über meine Fahrt oder vom Lachen gepackt, und Gretchen blickte mit beängstigender Echtheit geistesgestört auf meine lange und heißersehnte Erscheinung.

Entweder, sagte ich mir, ist das Stück inzwischen doch zu Ende gegangen, obwohl derFaust" am Schluß noch ziemlich lang ist, oder man schweigt aus Takt, weil ich an der salscyen Stelle in den Dialog gefahren bin oder wartet meine verdiente Er­holung ab.

Da ich annahm, genug bestaunt worden zu fein, und keiner sich entschloß, noch einige Verse zu bringen, raunzte ich Faust an:Her zu mir". Dank, großer Goethe, daß dein Genius dir diese Verse eingab, man kann sie überall da anbringen, wo man zu Ende kommen will.

Ich hole meinen Kollegen Faust entschlossen heran, der sich aufs äußerste, aber fruchtlos verteidigte, wahrscheinlich, weil er glaubte, er müsse als mein Fahrgast mit da hinunterrutschen, woher ich ge­kommen war.

Wir gingen aber Arm in Arm zur Tür hinaus, während hinter uns die Engel fangen:Sie ist gerettet!"

Ich war es auch.

Zeitschriften.

Die Kun st" (Verlag F. Druckmann AG., München) bringt in ihrem Ianuarheft die reich illustrierten Beiträge. Ein deutscher Landschafts­maler. Moderne Brunnenplastik. Das Künstlerlichtbild Isländische Malerei Der Bildhauer Terkah. Schwarz-Weiß-Kunst. Ein surrealistischer Maler. Eine antike Apollo- ftatue und die reinen Textbeiträge: Dan Gogh. Anekdoten. Vom künstlerischen Nachwuchs. Kunst der Sudetendeutschen. Kunst und Künst­ler in Not zeigen die Weitläufigkeit des künstleri- schen Programms. Der für neue Wohnkultur und das Kunstgewerbe vorbehaltene Teil ist nicht we­niger reizvoll und reichhaltig: Der bürgerliche Wohnbau. Ein Landhaus. Kleinhäuser. - Neue Aufbaumöbel. Duntes Bauen. Neue Teppiche. Moderne Lichtträger und Kunst- gewerbe, insgesamt über 70 Bilder werden in anregender Schau dargeboten.

Berliner Monatshefte", heraus­gegeben von Dr. Alfred vonWegever, ll.Iahr-

gang, 1933 (Quaderverlag, Berlin W15; Preis des Heftes 1,20 Mct.). Der ll.Iahrgang der ..Ber­liner Monatshefte" beginnt mit einem Aufsatz des ehemaligen Chefs der Heeresleitung. General­oberst von S e e ck t überDie Völkerbundsarm re und die französisch-englischen Abrüstungsvor- schläge". Der Au sah des Wi.ner Historikers Hans TiebersbergerZur Dorkriegsgeschichte Ser­biens" gibt ein zusammenhängend.s Bild von der Entwicklung des Verhältnis,es zw'schen Oester­reich-Ungarn und Serbien seit dem Ausgang des 17. Iahrhunderts. AI, red von Wegerer widerlegt Behauptungen, die ein französischer General No-- gues imL'Ami du Peuple" über angeblich» Kriegsvorbereitungsmaßnahmen deutscher Reede­reien im Mai und Iuli 1914 auf gestellt hat.

richte von Asquith und Lord Crewe an den Kö­nig von England über Sitzungen des engliUen Kabinetts während der Iulikrise 1914 zeigen die Auffassungen des englischen Kabinetts über die belgische Frage in neuem Licht.

dod)fd>u(nd(brtd>fen

Die medizinische Fakultät der Hniversität Mar­burg hat den Vorsitzenden des Kuratoriums der Blindenstudienanftalt in M.arburg, Geheimrat An­ton K e r s ch e n st e i n e r, 'Präsident des Bayeri­schen Landesarbeitsamtes in München, zum Ehrendoktor ernannt.

Der durch den Weggang von Professor Dr. W. Heubner an der Heidelberger Hniversität er­ledigte Lehrstuhl der Pharmakologie ist dem ordent­lichen Professor Dr. Fritz Eichholtz in Königs­berg angeboten worden.

Professor Dr. Hans Herbervon der Tlniver- sität Bonn hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der klassischen Philologie an der Universität Tü­bingen angenommen.

Dem ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule Berlin, Dr.-Ing. Adolf Lud in, ist der durch die Emeritierung von Professor Th. Rehbock freigewordene Lehrstuhl dcs Wasserbaues an der Technischen Hochschule in Karlsruhe augebote' werden.

Der a. o. Professor Dr. theol. et phil. Ioses Koch von der Universität Breslau hat einen Ruf als Nachfolger des emeritierten Professors v. Dessen-Wefierski auf den Lehrstuhl für_ Apo­logetik und philofophifch»theologifche Propädeutik an der katholisch-theologischen Fakultät bcrllni- versität Breslau angenommen.