Luken sei infolge des Schlingerns während des ganzen Tages Wasser in das Innere gedrungen. Das Feuer an Bord des Ozeanriesen hat immer noch nicht gelöscht werden können. Sowohl am Heck wie am Bug steigen nach wie vor schwarze Rauchwolken empor, die daraus Hinweisen, daß die Flammen im Innern des Schiffes ihr Dcrnichtungswerk sortsetzen. Man hofft trotzdem, daß die Brennswfftanks, die durch fcuerdichte Schotten abgeschlossen werden konnten, nicht explodieren und daß auch der Maschinenraum unberührt bleibt.
Der Minister für die Handelsmarine Leon Meyer hat einem Vertreter des „Paris Midi" über die Arsache des Feuers erklärt, daß es sich
entweder um einen Kurzschluß handele, der allerdings unwahrscheinlich sei, oder um eine Fahrlässigkeit. In einer Kabine l. Klasse seien nämlich etwa dreißig Wollmotrahen untergebracht gewesen. Wenn ein Mitglied der Besatzung eine glimmende Zigarette w.ggeworfen habe, so hätte sie leicht stundenlang schwelen können, bis dann das Feuer plötzlich mit toller Wucht ausbrach. Der Minister sagte, er werde dafür sorgen, daß in Zukunft bei der Inneneinrichtung der Schiffe weniger Holz verwendet werde, daß zwei Funkerkabinen eingebaut würden, eine vorne und eine hinten, und daß der Besatzung Berufsfeuerwehrleute beigegeben würden.
Das Reitungswerk -er „Ruhr".
A m st e r d a m , 6. Ian. (TTl.) Das Motorschiff „Ruhr" der H a p a g , das an der Rettung der Besatzung der „Atlantique" einen großen Anteil hatte, ist, nachdem die Geretteten in Cherbourg an Land gesetzt worden waren, am Donnerstagabend in Rotterdam eingetroffen. Der Erste Steuermann der „Ruhr", Förster, gab eine eingehende Schilderung der Ereignisse. Förster hatte am Mittwoch 4 Mr die Woche bezogen. An Backbord der „Ruhr" bewegte sich in zwei bis drei Meilen Entfernung ein großes Pasfagierschiff. Das Schiff war hell erleuchtet. Gegen 6 ilbr bemerkte Förster mittschiffs des Paffagierdampfers einen eigenartigen roten Schein. Bald darauf sah er einen Funken- regen über dem Schiff. An Bord der „Ruhr" wurden alle Rettungsgeräte klar gemacht und sofort Kurs auf das brennende Schiff genommen. Wegen der riesigen Rauchentwicklung mußte man dos Schiff in einem Dogen, umfahren. Um 6.24 Uhr war man so nahe an das Schiff herangekommen, als es aus Sicherheitsgründen möglich war. Auf einen Funkanruf der „Ruhr" gab der Dampfer keine Antwort.
Inzwischen holte bas Feuer sich mit großer Geschwindigkeit ausgebreitet, riesigeFlam- m e n schlugen mittschiffs empor, und eine halbe Stunde später stand der Dampfer vom Achtersteven bis zum Bug in Flammen. Er gab ein phantastisches, unvergeßliches Bild.
Beim Hellerwerden sah man einige Boote auf See treiben. Insgesamt kamen vier Rettungsboote längsseits der „Ruhr", deren Insassen übernommen wurden. Zwei Rettungsboote wurden ausgesetzt. Eines dieser Boote rettete sechs Schiffbrüchige, die fast alle bereits zwei Stunden im Wasser gelegen haben. In der Zwischenzeit hatten sich einige andere Schisse eingesunden, darunter der Holländer ,,A ch i l l e s", auch dieser nahm Schiffbrüchige auf. Das Rettungswerk vollzog sich in sehr kurzer Zeit, teils noch im Dunkeln, teils bei Morgendämmerung.
Als einen furchtbaren Augenblick bezeichnete es Förster, als er sah, wie bei einem der Rettungsboote, das noch von der „Atlantique" heruntergelassen werden sollte, ein Seil durchbrannte. Alle Insassen wurden herausgeschleudert, einzelne der Schiffbrüchigen konnten gerettet werden. Man befürchtet jedoch, daß die übrigen Insassen dieses Rettungsbootes ertrunken sind.
Inzwischen kämpfte die „Atlantique" den Todeskampf. Anscheinend hotten die Oelvorröte Feuer gefangen. Die Schifsswond war mittschiffs so glühend, daß dos Wasser sehr schnell verdampfte. Als es Tag wurde, sah man, daß von der „Atlantique" nur eine Ruine übrig war. Die „Ruhr" blieb bis 12.30 Uhr in der Nähe der „Atlantique". Um diese Zeit war in der Nähe des Schiffes kein Rettungsboot mehr zu sehen, und man sah auch keine Menschen mehr im Wasser. Darauf setzte die „Ruhr" Kurs nach Cherbourg. Von den Schiffen, die an dem Rettungswerk teilgenommen hatten, war die „Ruhr" dos letzte, das die „Atlantique" verließ.
Oer Teufel aus der Versenkung
Aus dem Tagebuch eines Schauspielers.
Don Otto Krauß GOS.
Jeder ist einmal Anfänger. Das ist ein ernster Zustand, solange man ihn leben muß, aber in der Erinnerung nur komisch anzusehen.
Ich fpielte als blutiger Anfänger „gastweise" in Aschaffenburg den Mephisto. Am Abend, mitten in der Vorstellung, befiel den Spielleiter (hier richtiger: Platzordner) eine Eingebung, eine Idee. So etwas geht nicht ohne Schrecken und schwere Verwicklung für die Umgebung ab. Er besann sich auf die Versenkung, ihre Maschinerie und deren geheimnisvolle Wirkung, wenn einer, den man von rechts erwartet, von unten erscheint. Also er ordnete für mich an, daß ich in der letzten Szene „hochgedreht" werden soll.
Vollkommen ahnungslos über mein Geschick, verfüge ich mich mit den wenigen letzten Versen im Kopf, angetan mit meinem kümmerlich vom ,cyivar° zen Mantel bedeckten, strahlenden Prochtkostüm — vollkommen neu, aussehenerregend für Aschasfen- bürg! — in die vorschriftsmäßige Tiefe.
Schließlich kommt auch der Arbeiter zum „Drehen", der den nie gebrauchten Apparat mißtrauisch, aber eingehend in Augenschein nimmt. Der Raum zum Stehen für den Darsteller, der „Stehplatz" ist eine bescheidene runde Scheibe, von etwa einem Meter Durchmesser, wie ein größerer Bieruntersetzer.
Inzwischen mimen über uns Faust und Gretchen fleißig den vom Dichter vorgeschriebenen Text. Wir hörten in der Tiefe kaum ein Wort. Aber mir das Auftrittszeichen zu geben, war ja der Spielwart da.
Die Scheibe, auf der ich Platz nahm, war noch schmaler als ich dachte, und vor allem ohne Geländer. Man schwebt demnach (ich dachte immer „schweben") freistehend in klassischer Pose, wie aus einer Schönheitsgruppe im Wintergarten, durch den leeren Raum unter der Bühne, dann durch den runden Bühnenausschnitt auswärts und erschien, wenn die Sache klappte, zum Schaudern des zu- schauenden Volkes in der Oessentlichkeit.
Diel zu sagen hat der Mephisto am Schluß nicht mehr, nur die Sache, daß meine Pferde schaudern, weil der Morgen graut (so lange spielten wir tatsächlich) und Faust sollte nicht zaudern.
Schließlich wollten alle einmal nach Haus. Diese wenigen Verse dachte ich noch am rechten Fleck so nach dem Herzen Goethes anzubringen.
Plötzlich — das Plötzliche ist in solchen Augenblicken erschütternd, verwirrend — erscheint der
DerHeuerschutz aus deutschen Schiffen.
Rachdcrn jetzt wieder ein großer französischer Paffag.erdainpser den Flammen zum Opfer gefallen ist, drängt sich unwillkürlich die Frage aus, ob auch den großen deutschen Dampfern ein ähnlicher Unfall zustoßen kann, oder ob Men- schenlraft imstande ist, des verheerenden Feuers aus einem Schiff Herr zu werden. Aus Marine- sachkreisen wird uns dazu gesagt, daß die Lösch- methode zunächst ganz und gar von der Art des Materials abhängt, das in der Hauptsache vom Brande ersaßt ist. Die beste Feuerbekämp- sung liegt in der Vorsorge, wie sie auf unseren deutschen Schiffen Vorschrift ist. Durch eine Feuer Meldeanlage, die sämtliche wichtigen Teile des Schiffes erfaßt, wird an einem Schaltbrett auf der Kommandobrücke automatisch eine sog. Rauchfahne erkenntlich, falls in einem Schiffsteil Feuersgesahr besteht.
Maßgebend für die Art des Löschens ist es, ob das in Brand geratene Schiff ein Dampfschiff ist oder ob es andere Treibstoffe zur Inganghaltung der Maschinen verwendet. Bei den Dampfschiffen der deutschen Flotte sind entsprechende Vorrichtungen eingebaut, durch die in die von Feuer bedrohten Räume unverzüglich Dampf geblasen wird, und zwar in einer solchen Dichte, daß die Flammen zum Ersticken gebracht werden. Brennt dagegen Benzin, andere ätherische Stosse oder Oel, so wird ein Schaumlöschverfah- r e n in Betrieb gesetzt. Die Schaumlöscher werfen auf den brennenden Treibstoff eine schaumige Masse, die durch die Hitze immer dichter wird und in kurzer Zeit das brennende Material so dicht abschließt, daß es durch Fehlen von Sauerstoff zum Ersticken kommt.
Eine andere Methode beruht auf Einspritzen von Kohlensäure; diese erfolgreiche Bekämpfung kann nur dann gewährleistet werden, wenn die Brandräume möglichst luftdicht abgeschlossen sind. In verzweifelten Lagen bringt man den Dampfkessel zur Explosion, so daß der ausströmende Dampf von selbst das Feuer zum Ersticken bringt. In einzelnen Fällen hat man auch, um wenigstens den Schiffs- rumpf und die Maschinenanlagen zu retten, die Schisse voll Wasser gepumpt und sie an einer seichten Stelle auf Grund gesetzt. Die bestehenden Vorschriften über die Feuerlöschanlagen auf deutschen Schiffen geben ober — das kann man mit gutem Gewissen sagen — eine Gewähr dafür, daß diese zuletzt geld)iloerten Rettungsmethoden kaum angewandt werden müssen, da nach den neuesten Errungenschaften der Technik eine so katastrophale Ausdehnung eines Brandes nicht zu befürchten ist. Die Beisetzung Geheimrats Cuno
Hamburg, 6. Ian. (WTB.) In der katholischen Marienkirche in Hamburg fand am Freitagmittag die Trauerfeier für den ehemaligen Reichskanzler Geheim- r a t D r. Cuno statt. Die starke Anteilnahme der Bevölkerung und die Anwesenheit zahlreicher führender Persönlichkeiten aus Regierungs- und W.rtfchastskreifen legten noch einmal Zeugnis ab für die Wertschätzung, die der Heimgegangene genoß und für die Bedeutung, die man feinem Wirken beimißt. Die Marienkirche konnte die Zahl der Trauergäste kaum fassen. Der Hochaltar
Spielwart mit dem ganzen Entsetzen eines tragischen fünften Aktes: ein matter Schimmer von Seiigteit überglänzt sein sorgenzerwühltes Antlitz, mich wenigstens irgendwo im Theater gesunden zu haben, und er stammelt atemlos, daß man mich oben dringend zur Fortführung der Handlung benötige. Das war oorauszujehen. Das Stichwort wäre längst über unsere ahnungslosen Häupter dahingegangen, Faust und Gretchen versuchten Goethe, sq genial wie es der in der Eile vorhandene Geist erlaubte, zu verlängern. Jedenfalls: wenn der Teufel nicht schleunigst aus der Klemme helfe, hole der Teufel die ganze Vorstellung.
Ich stand auf der Scheibe. Heber meinem erwartungsvollen Haupte öffnet sich der Bühnenausschnitt, und damit weiß die Intelligenz im Zuschauerraum, daß das Loch im Bühnenboden für den Ausgang der Tragödie Entscheidendes hervorzubringen bereit ist.
Der Arbeiter spuckte mit Gelassenheit noch einmal in die Hände und leierte mit Pflichteifer nach Stundenlohn an dem Drehling (wie an einer Wäschemangel); das altmodische Räderwerk und Kettengetriebe stöhnt, knirscht, knarrt eine Symphonie der Hölle. Kein Laut von oben mehr zu verstehn! Reden sie noch ober reden sie nicht mehr? Keine Ahnung. Schließlich gibt’s einen Ruck — dos durfte nicht kommen! — Ich knicke ein und finde mich neben meinem Gefährt in unklärbarer Stellung kauernd wieder. Alle Faust-Zitate liegen durcheinander, etwas aus der Fasson gekommen. Der Morgen schaudert, die Pferde zaudern und Faust dämmert grauend herauf.
Die Worte waren entfernt noch von Goethe. Ich fühlte jetzt nur eine Notwendigkeit: oben sein. Reden: Nebensache.
Also mit teuflischem Hebermut schwinge ich mich wieder auf meinen Bierunterseher. Katastrophen- fieber ringsum! Mein Leiermann (Stundenlohn Er teilte die Zeit sehr gemütvoll ein!) spuckte sich erst wieder in die Hände und drehte von neuem. Auf den „Schub" bin ich nun gefaßt — und er kommt! Ich taumle.
Einmal muß ich doch hinaus. Schließlich warten sie oben auf mich. Das Stück kennt doch jeder. An die Verse dachte ich schon angstschwitzend nicht mehr Diesen Ehrgeiz hatte ich im Kampfe mit der Maschine verloren, mir genügte jetzt schon, wenn wir den Leuten zeigten, ich bin tatsächlich durch das enge Loch ohne merkliche Verbeulung emporgekommen.
In der Höhe meiner Stirn endlich der Bühnenrand. Sehr hart! Ich rannte mir eine Beule, zerdrückte außerdem meine pompöse Drachenkappe, ergriff aber dafür beseligt wie ein Ertrinkender die Bodenkante und richtete mich auf.
prangte im Schmuck Weißen Flieders. Eine Fülle von Kränzen umgab den schlichten braunen (Sarg. An dem Sarge hielten vier Hapag-Kapitäue die Totenwache. Neben dem Sarg hatten die nächsten Familien angehörigen Platz genommen, an erster Stelle die Gattin des Verstorbenen mit drei Söhnen und zwei Töchtern. Zum Trauerakt waren u. a. Reieysminister Frhr. Elh von Rübe nach für den Reichspräsidenten und die Reichsregierung, der Chef der Marineleitung, für die He.resleitung Oberst Gehrke, für den Reichsaußenminister Gesandter von Rosenberg, für den Hamburger Senat Bürgermeister Roß. und zahlreiche weitere Delegierte von Behörden und Organisationen erschienen. Unter den Trauergästen befanden sich weiter Generaldirektor Dr. Dorpmüller von der Reichsbahn, Reichsbankpräsident Dr. Luther, Dr. Melchior, Karl Friedrich von Siemens, die Staatsse'retäre König und Planck. Admiral von Karpf legte für den früheren Kronprinzen einen Kranz am Sorge nieder.
Rach dem musikalischen Vortrag der „Träumerei" von Schumann nahm Pastor-Primarius Winter mann das Wort. Hierauf erklang das „Ave Maria". Cs folgte die Absolutio ad tumbam und das Kirchenlied „Iesus, dir lebt’ ich". Unter den Klängen des Trauermarsches aus der „Götterdämmerung" wurde der Sarg aus der Kirche herausgetragen, um nach dem Ohlsdorfer Friedhof übergeführt zu werden. Dort wurde der Trauerzug wiederum von einer gewaltigen Menschenmenge erwartet, die, entblößten Hauptes, die Wege nach der Gruft ümsäumte. Am Grabe hatten neben der Familie der Vorstand und der Aufsichtsrat der Hapag und eine Reihe von auswärtig n Gästen Ausstellung genommen. Noch
mals sprach der Geistliche, dann wurde der Sarg der Erde übergeben.
Uniberfitdt und Technische Hochschule Indres auwerdenvereinigt
Berlin, 6. Ian. (CNB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, haben dieKom- missare des Reiches sür Preußen den Beschluß gefaßt, die Universität und die Technische Hochschule in Breslau mit Wirkung vom 1. April 1933 in der Weife zu vereinigen, daß die Technische Hochschule als ingenieurwifsen- schaftliche Fakultät der Univers ität angegliedert wird. Der Name der Gefamt- anstalt wird lauten: „Schlesische Universität (Friedrich-Wilhelm-Universität und Technische Hochschule)". Die Etats beider Anstalten werden mit Wirkung vom 1. April 1933 zusam - mengelegt. Das Hauptziel der Bereinigung ist, den Gedanken der engen Zusammenarbeit aller Wissenschaften als Gegengewicht gegen die Gefahr fachlicher Zersplitterung zur Geltung zu bringen und in Forschung und Lehre der gegenseitigen Befruchtung aller an beiden An st alten gepflegten Wissenschaftsgebiete zu dienen. Die Schaffung dieser neuen Gesamtuniversität in Breslau wird ein bedeutsames und weithin sichtbares Zeichen des deutschen Willens zum Ausbau der Kulturarbeit im Osten darstellen und ein wichtiges Glied in der auf die Erhaltung und Stärkung der deutschen Kultur in den östlichen Provinzen gerichteten Politik bilden.
Aus aller Welt.
Russisches Luftschiff bei Aowgorob veruuqlückt.
In Helsingfors ist eine Nachricht eingetroffen, wonach am Freitag ein russisches Luftschiff, das die Nummer „W. II" führt, bei Nowgorod völlig zerschellt ist. Das Luftschiff war mit drei Motoren ausgerüstet und flog in den letzten Tagen vor Weihnachten von Moskau nach Leningrad als Bestimmungsziel. Wegen Motor- ftörungen gelang es ihm nicht, bei dem starken Gegenwind Leningrad rechtzeitig zu erreichen. Man mußte eine Notlandung vornehmen. Die Landung ging gut. Am Donnerstagmorgen sollte das Luft- schiss zur letzten Strecke nach Leningrad starten, um zu einem F'iedertreffen zur Stelle zu fein und dann dauernd in Leningrad stationiert zu werden, wo eine Luftschiffhalle errichtet ist. Die Motoren waren jedoch wieder in Unordnung und das Schiff trieb in Richtung Nowgorod, wo es um 6 Hhr gegen einen Wald st ie h. Beim Zusammenprall mit den Bäumen wurde es vollständig zerstört. Es gelang der Besatzung, sich zu retten. Im Augenblick wird daran gearbeitet, das Skelett des Luftschiffes auseinanderzunehmen, damit es nach Leningrad gebracht werden kann. — Zu dem Unglücf des neuen Luftschiffes „SSR-W II" verlautet in Moskau, daß das Lustschifs bereits am 1. Januar zu einer Fahrt über Leningrad c.ufgeftiegen, wegen Motorschadens aber abgetrieben und nach 20 Stunden willkürlichem Treiben in der Luft auf einem Feld gelandet sei. Es versuchte dann mit einem Motor nochmals auf» Ansteigen, mußte jedoch die Versuche bald aufgeben. Das Lustschifs werde auseinanbenrgenommen und mit der Bahn nach Leningrad gebracht werden, wo es vollständig überholt werden soll.
Gefährliche Lage des Eisbrechers „Malygin".
Nach Meldungen aus Spitzbergen ist die Lage des Eisbrechers „M a l y g i n" sehr gefährlich, da das Schiff vollzulaufen droht. Die Pumpen arbeiten unablässig. Es hängt jetzt alles davon ab, ob der Eisbrecher „Lenin" noch rechtzeitig anlangt, um an dem Leerpumpen des Eisbrechers teilzunehmen, da er bei Sturm sinken würde. — Die Leningrader Hafenverwaltung erhielt einen Funk- spruch von dem Eisbrecher „Sedow", daß die Ret
tungsarbeiten am „Malygin" wegen des starken Sturmes eingestellt werden mußten.
Durch Starfffrom getötet.
Der gesamte S traßenbahnverkehr der Stadt Haag wurde durch einen Tlnglücksfall in der Zentrale des Städtischen Elektrizitätswerkes für längere Zeit lahmgelegt. Ein Monteur geriet bei Ausbesserungsarbeiten mit einem 10 000-Volt- Kabel in Berührung und war auf der Stelle t o t. Der Verunglückte war ein deutscher Monteur.
43 000 Mark bei einer Kirchenkasse unterschlagen.
Der Kaufmann Walter Rohloff aus Waldenburg (Schief.) hat' als Verwalter der Kasse der Cvangel s )-Lucher s.hen Gem.inde Tlnter- schTagungen in Höhe von 43 000 Mark begangen. Er hatte diese Gelder ins Geschäft ae» no-mmen in der Hoffnung, sie später zurückzahlen zu können, was ihm aber nicht möglich war.
Erweiterungsbauten der Reichsbank.
Die Reichsbank beabsichtigt, noch im Laufe des Sommers mit der Errichtung eines Erweiterungsbaues für das Hauptgebäude in Berlin zu beginnen. Das Terrain, das bebaut werden soll, hat eine Größe von etwa 10 000 Quadratmeter. Auf diesem Terrain stehen zur Zeit etwa 3 5 ©ebäubc , die schon im Frühjahr abgerissen werden sollen. Die Bauzeit wird etwa drei Jahre dauern. Die gesamten Baukosten dürsten zwischen 2 3 u n t> 30 M i I- Honen Mark liegen.
RaubüberfaU auf eine Greisin.
Einen furchtbaren Kamps mit einem Räuber hatte im Norden Berlins die 80 Jahre alte Gastwirtswitwe Johanna Schwiederfki zu bestehen. Ein junger Mann, der angeblich ein Zimmer mieten wollte, war in ihrer Wohnung erschienen. Als sie über den Preis verhandelten, fiel der junge Mann plötzlich über die Frau her und würgte sie so lange, bis sie besinnungslos war. Die alte Frau wehrte sich tapfer. Der Räuber durchsuchte in großer Hast die Wohnung nach Geld und Schmucksachen. Dann flüchtete er.
Der Mann unter mir drehte weiter, das spürte ich, na, und so war ich denn auf dieser Well.
Faust lehnte irgendwo im Rembrandtschen Hell- Dunkel des Kerkers, vom Schwindel über meine Fahrt oder vom Lachen gepackt, und Gretchen blickte mit beängstigender Echtheit geistesgestört auf meine lange und heißersehnte Erscheinung.
Entweder, sagte ich mir, ist das Stück inzwischen doch zu Ende gegangen, obwohl der „Faust" am Schluß noch ziemlich lang ist, oder man schweigt aus Takt, weil ich an der salscyen Stelle in den Dialog gefahren bin oder wartet meine verdiente Erholung ab.
Da ich annahm, genug bestaunt worden zu fein, und keiner sich entschloß, noch einige Verse zu bringen, raunzte ich Faust an: „Her zu mir". — Dank, großer Goethe, daß dein Genius dir diese Verse eingab, man kann sie überall da anbringen, wo man zu Ende kommen will.
Ich hole meinen Kollegen Faust entschlossen heran, der sich aufs äußerste, aber fruchtlos verteidigte, wahrscheinlich, weil er glaubte, er müsse als mein Fahrgast mit da hinunterrutschen, woher ich gekommen war.
Wir gingen aber Arm in Arm zur Tür hinaus, während hinter uns die Engel fangen: „Sie ist gerettet!"
Ich war es auch.
Zeitschriften.
— „Die Kun st" (Verlag F. Druckmann AG., München) bringt in ihrem Ianuarheft die reich illustrierten Beiträge. Ein deutscher Landschaftsmaler. — Moderne Brunnenplastik. — Das Künstlerlichtbild — Isländische Malerei — Der Bildhauer Terkah. — Schwarz-Weiß-Kunst. — Ein surrealistischer Maler. — Eine antike Apollo- ftatue und die reinen Textbeiträge: Dan Gogh. Anekdoten. — Vom künstlerischen Nachwuchs. — Kunst der Sudetendeutschen. — Kunst und Künstler in Not zeigen die Weitläufigkeit des künstleri- schen Programms. Der für neue Wohnkultur und das Kunstgewerbe vorbehaltene Teil ist nicht weniger reizvoll und reichhaltig: Der bürgerliche Wohnbau. — Ein Landhaus. — Kleinhäuser. - Neue Aufbaumöbel. — Duntes Bauen. — Neue Teppiche. — Moderne Lichtträger und Kunst- gewerbe, insgesamt über 70 Bilder werden in anregender Schau dargeboten.
— „Berliner Monatshefte", herausgegeben von Dr. Alfred vonWegever, ll.Iahr-
gang, 1933 (Quaderverlag, Berlin W15; Preis des Heftes 1,20 Mct.). Der ll.Iahrgang der ..Berliner Monatshefte" beginnt mit einem Aufsatz des ehemaligen Chefs der Heeresleitung. Generaloberst von S e e ck t über „Die Völkerbundsarm re und die französisch-englischen Abrüstungsvor- schläge". Der Au sah des Wi.ner Historikers Hans Tiebersberger „Zur Dorkriegsgeschichte Serbiens" gibt ein zusammenhängend.s Bild von der Entwicklung des Verhältnis,es zw'schen Oesterreich-Ungarn und Serbien seit dem Ausgang des 17. Iahrhunderts. AI, red von Wegerer widerlegt Behauptungen, die ein französischer General No-- gues im „L'Ami du Peuple" über angeblich» Kriegsvorbereitungsmaßnahmen deutscher Reedereien im Mai und Iuli 1914 auf gestellt hat.
richte von Asquith und Lord Crewe an den König von England über Sitzungen des engliUen Kabinetts während der Iulikrise 1914 zeigen die Auffassungen des englischen Kabinetts über die belgische Frage in neuem Licht.
dod)fd>u(nd(brtd>fen
Die medizinische Fakultät der Hniversität Marburg hat den Vorsitzenden des Kuratoriums der Blindenstudienanftalt in M.arburg, Geheimrat Anton K e r s ch e n st e i n e r, 'Präsident des Bayerischen Landesarbeitsamtes in München, zum Ehrendoktor ernannt.
Der durch den Weggang von Professor Dr. W. Heubner an der Heidelberger Hniversität erledigte Lehrstuhl der Pharmakologie ist dem ordentlichen Professor Dr. Fritz Eichholtz in Königsberg angeboten worden.
Professor Dr. Hans Herbervon der Tlniver- sität Bonn hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der klassischen Philologie an der Universität Tübingen angenommen.
Dem ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule Berlin, Dr.-Ing. Adolf Lud in, ist der durch die Emeritierung von Professor Th. Rehbock freigewordene Lehrstuhl dcs Wasserbaues an der Technischen Hochschule in Karlsruhe augebote' werden.
Der a. o. Professor Dr. theol. et phil. Ioses Koch von der Universität Breslau hat einen Ruf als Nachfolger des emeritierten Professors v. Dessen-Wefierski auf den Lehrstuhl für_ Apologetik und philofophifch»theologifche Propädeutik an der katholisch-theologischen Fakultät bcrllni- versität Breslau angenommen.


