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6.11.1933 Drittes Blatt
 
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Nr. 260 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 6. November M3

Wer 30000 Benschen bekennen sich in Gießen zum Mer!

Reichsstaiihalter Gauleiter Sprenger und Reichsbauernführer Reichsminister Darre sprechen unter stärkster Zustimmung der Menge. Bauern und Städter aus Oberheffen und den angrenzenden preußischen Kreisen in geschloffener Front für Deutschlands Recht auf Gleichberechtigung und für seinen völkischen und wirtschastlichen Wiederaufbau.

Das Volk steht au f." Mit diesen Worten war der Leitartikel in unserer vorgestrigen Sams- tagausgabe überschrieben. Einen Ausschnitt aus die­sem Aufbruch der deutschen Nation zwar nur einen kleinen im Verhältnis zur Gesamtheit im Reiche, aber einen noch nie dagewesenen und un­vergeßlichen im Rahmen unserer Stadt erlebten am Samstag mit uns die Tausende von deutschen Volksgeisossen, die sich in dem riesigen Zeltbau auf dem Trieb zu einer außerordentlich eindrucks­vollen Kundgebung der geschlossenen nationalen Gemeinschaft versammelt hat­ten. Das war vor, während und nach der Ver­

Reichsbauernführer Minister Darr6.

sammlung ein Bild, das wegen seiner Einzigartig­keit in unserer Stadt allen, die es sahen und seinen Inhalt mit ganzem Herzen miterlebten, unvergeß­lich in der Erinnerung bleiben wird!

Unsere Stadt hatte am Samstag schon vom frühen Morgen an zu Ehren der als Redner angekündigten beiden Vertrauensmänner des Führers und Volks­kanzlers, des Reichsstatthalters Gauleiters Spren­ger und des Reichsbauernführers Reichsernährungs­ministers Darr 6, aber auch zur Begrüßung der auswärtigen Versammlungsbesucher reichen Schmuck in den Fahnen des neuen Reiches angelegt. Darin allein schon offenbarte sich, wie stark die Herzen unserer deutschen Volksgenossen in Gießen in dem gewaltigen geschichtlichen Geschehen unserer Zeit Mitschwingen, zur Freude und Genugtuung aller derer, die den nationalen Aufbruch unseres Vol­kes feit Jahren ersehnt und ihn zu Beginn dieses Jahres mit aufrichtigem Herzen begrüßt haben. In den Straßen wurde der Menschenoerkehr von Stunde zu Stunde immer größer. Um die Mittags­zeit, als die sechs Sonderzüge aus Homburg über UsingenWetzlar, aus Fulda, Frankfurt a. M., Dillenburg, Limburg und Gelnhausen im Gießener Bahnhof eingetroffen waren, war das Drängen und Schieben der Massen in den Straßen gewaltig, es erfuhr aber noch eine weitere riesige Steigerung, als die Gießener Betriebe, die öffentlichen Aemter usw. usw. nach dem Schließen ihrer Pforten ge­schlossen Mann für Mann sich in imponierenden Kolonnen auf den Weg zu der Kundgebung mach­ten und dazu noch große Menschenmengen aus der nächsten Umgebung hinzukamen, die zu Fuß, per Fuhrwerk oder mit Lastkraftwagen und Autobussen hierhergekommen waren. Vom Bahnhof an durch alle Straßen in der Richtung nach der Volkshalle, ganz besonders aber durch die Bahnhofstraße über den Marktplatz durch die Schulstraße, Garten­straße und. dann natürlich die Kaiserallee entlang, wygte in dichter Geschlossenheit eine unübersehbare riesige Menschenschlange hinauf nach dem Trieb. Daneben fuhr die Straßenbahn unter Einsatz sämt­licher Wagen mit Anhängern dicht gestopft voll den gleichen Weg, knatterten mit dem gleichen Ziel schwer beladen die Autobusse und Lastkraftwagen usw., marschierten die SA. mit klingendem Spiel und die NSBO.-Formationen mit strammen Schritt hinter ihren Fahnen mit frohem Marschgesang ein­her. Neben dem Städter ging der Landmann in herzklcher, volksgemeinschaftlicher Verbundenheit, ging die Landfrau neben ihrer Schwester aus der Stcrdt, marschierte Jung neben Alt, die rüstige

Jünglings- und Manneskraft neben dem mühsam seines Weges ziehenden alten Veteranen der Ar­beit auf dem Acker, in der Werkstatt, der Fabrik oder dem Büro alle von dem einen gleichen Impuls getrieben: teilzunehmen an der gewaltigen Kundgebung deutscher Volksverbunden­heit und dem Ausdruck unverbrüchlicher Gefolgschaftstreue für den Führer und Kanzler des nationalsozialistischen Deutschland Adolf Hitler! Prächtiges Spätherbstwetter mit hellem Sonnenschein begünstigte den Besuch dieser Kund­gebung der geschlossenen nationalenWillens- und Zielgemeinschaft.

In dem riesigen Zeltbau, den erwerbslose Kame­raden der Gießener SA. in etwa achttägiger un­unterbrochener Tag- und Nachtarbeit auf dem Trieb zwischen der Volkshalle und den Sportplätzen er­richtet hatten, saßen die deutschen Volksgenossen aus Stadt und Land schon einige Stunden vor Be­ginn der Kundgebung beieinander. Immer größer und immer drängender wurde der Zustrom, der sich durch mehrere Eingänge in den gewaltigen Zeltbau ergoß. Hier unterhielt unsere Gießener Reichswehr­kapelle unter Leitung von Obermusikmeister Krauße die Besucher in eifriger Weise mit guter und flotter Marschmusik, daneben fand aber auch die Menge selbst durch die Beobachtung der fesseln­den Vorgänge beim Hereinströmen der Menschen­massen reichlich Unterhaltung, so daß wohl niemand die Wartezeit bis zu dem durch mehrere Autopannen der Redner auf dem Wege von Bad Ems nach Gießen verursachten etwa einstündigen Späterkom­men zu lang wurde. Mit besonderem Interesse wurde der Einzug einer starken Gruppe von Schlitzerländer Bauern und Bäuerinnen in ihrer schönen Tracht bemerkt, wie diese Gruppe auch schon unterwegs -starke Aufmerksamkeit gefunden hatte. Mit wärmster Anerkennung ist der vortreffliche Ord­nungsdienst der SS. unter Leitung des der Führung des SS.-Sturmbannes IV/33 SS.-Stan- darte beauftragten SS.-Sturmhauptführers Nickel hervorzuheben, der die riesige Menschenmenge in angenehmer, verbindlicher Tonart, aber doch mit klarer Entschiedenheit leitete, so daß der gesamte Verkehr in dem Zeltbau sich flott und reibungs­los abwickelte. Mit starkem Interesse wurde weiter­hin der Einmarsch von mehr als 1200 Bauernschafts­führern beobachtet, wobei die Standartenkapelle 116 unter Kapellmeister N i e b e r g a l l, die mittlerweile die Militärkapelle abgelöst hatte, die Marschmusik stellte.

Mit stürmischem Jubel begrüßt erschienen dann Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, Reichs- bauernführer Minister D a r r 6 , Staatssekretär Backe und Landesbauernführer Dr. Wagner, geleitet von dem Kreisleiter der NSDAP, des Krei­ses Gießen, Dr. Harth (Allendorf a. d. Lda.), und gefolgt von ihrem Stab. Die riesige Menschenmenge, deren Zahl guf 3 0 000dis35000 Person en geschätzt werden kann, bereitete den Führern eine eindrucksvolle und herzliche Kundgebung, die das feste Band zwischen der Führung und der Gefolgschaft offenbarte. Unmittelbar an­schließend rückten unter Führung von NSBO.-Kreis- leiter W a g n e r die zahlreichen Fahnengruppen der NSBO. ein, hierauf folgten die Hitlerjugend und das Jungvolk mit ihren Fahnen und Wimpeln. Sodann rückte unter Führung von Standartenführer Lutter die SA.-Standarte 116 mit ihrem Feld­zeichen und den Sturmfahnen an der Spitze ein. Die riesige Menschenmenge begrüßte die Fahnen und die SA. mit herzlicher Ehrerbietung und Begeiste­rung. Nachdem die Standarte und die Fahnen auf dem großen Podium im Halbkreis aufgefteUt waren, beaann die Kundgebung.

Als erster Redner sprach Reichsstatthalter Gau­leiter Sprenger. Er gab in feinen kraftvollen und überzeugenden Worten Satz für Satz der wah­ren Meinung aller deutschen Volks- genossen Ausdruck und zeugte in eindring­licher Weise unter häufig spontan ausbrechender stärkster Zustimmung der Versammlung dafür, daß der Führer und Dolkskanzler mit feinen Vertrauens­männern und allen deutschen Volksgenossen eine f e st geschlossene Einheit des Willens und des Zieles find, eine Einheit, die auch durch keinerlei Machenschaften vom Auslande her zu erschüttern ist. Das starke Echo, das die Rede des Reichsstatthalters allenthalben in der riesigen Menschenmenge auslöste, war zugleich Ausdruck der großen Verehrung und der starken G e - folgschaftstreue, die dem Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger überall in seinem Gau in Dankbarkeit für sein Wirken entgegengebracht werden.

Nach kurzen Ausführungen des Staatssekretärs Backe hielt dann Reichsbauernführer Darrt* eine große Rede über die Grundlagen und die

Eine Teilansicht des riesigen Zeltbaues auf dem Trieb.

§iele der Bauernpolitik im nationalsozialistischen eutschland. Seine Darlegungen, oft von stärkstem Beifall begleitet, legten eindrucksvoll Zeugnis ab für das ehrliche und tief in b i e Probleme eindringende Streben der nationalsozia­listischen Führung zur Rettung und zum Wohle des deutschen Bauernstandes, aber auch zum Besten der gesamten deut­schen Nation. Minister D a r r £, den wir zum ersten Male in Gießen hörten, wird ebenso wie wir die Ueberzeugung aus dieser Versammlung mitge­nommen haben, daß der Führer und Volkskanzler Adolf Hitler, Minister D a r r 6, der deutsche Bauer und die deutschen Volksgenossen in der Stadt in herzlicher Gesinnungsgemeinschaft auchinunsererengerenHeimatfe st zu­sammen st ehe n. Die ausgezeichnete und überzeu- gende Rede des Ministers hat dieses Band der Volks­gemeinschaft noch enger und fester geknüpft falls dies überhaupt noch möglich war und dadurch die Stoßkraftdes geeinten nationalen Willens für den 12. November noch bedeu­tend verstärkt. Der gewaltige Jubel, der den Bauernführer und Minister beim Verlassen der Riesenversammlung begleitete, war dafür der über­zeugendste Beweis und zugleich der Ausdruck großer Liebe und Verehrung des Volkes für die Männer, die die deutsche Schicksalsgestaltung jetzt, vom rück­haltlosen Vertrauen der deutschen Volksgemeinschaft getragen, in der Hand haben. Volk und Füh­rer sind eins! Diese Riesenkundgebung hat es erneut eindeutig bewiesen!

Bekenntnisse znm Führer!

In den Straßen unserer Stadt waren am Sams­tagnachmittag quer über die Fahrdämme hinweg als Ausdruck der Volksmeinung Bänder mit den nachstehenden Aufschriften angebracht:

Niemals mehr einen Pakt, der unsere Ehre schändet!"

Mit Hitler für einen Frieden der Ehre und der Gleichberechtigung!"

Hitlers Kampf ist der Kampf um den wirklichen Frieden der Welt!"

Hitlers Kampf ist der Kampf um den wahren Frieden der Welt!"

Wir wollen kein Volk minderen Rechts fein! j

Landesbauernprasident Dr. Wagner

als erster Redner sagte u. a.:Wir begrüßen hier im Herzen von Oberhessen unseren Reichsbauern- führer D a r r 6 und unseren lieben Gauleiter Sprenger mit dreimaligemSieg-Heil". Begei­stert stimmte die Menge in die Huldigung ein.Wir freuen uns besonders darüber, daß der Reichs« bauernführer in seinem Gau, aus dem er hervor- gegangen ist, zusammen mit dem Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger sprechen kann und daß eine herzliche Freundschaft beide Männer ver­bindet."

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Die Führer beim Beginn der Kundgebung.

Dritter von links: Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, daneben rechts Reichsbauernführer Reichs« Minister Da r r 6; am Rednerstand Landesbauernführer Dr. Wagner ; als Letzter ganz rechts Stets« leiter Dr. Harth, Gießen-Allendorf a. d. Lda.

Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger

wurde bei feinem Erscheinen am Rednerstand mit stürmischen Beifall begrüßt. Er führte in seiner Rede u. a. aus: Ich glaube, wenn die Welt gewußt hätte, wie stark sie das deutsche Volk in der jetzt täglich in allen Teilen Deutschlands sichtbaren Weise zusam- menfügen würde, man es sich in Genf noch einmal überlegt hätte, das neue, nationalsozialistische Deutschland vor aller Welt demütigen zu wollen. Die Gleichberechtigung und nur darauf erhebt Deutschland Anspruch der Völker am Ver­handlungstisch kann uns nicht beliebig durch ein Land oder durch ein Gremium abgesprochen werden.

Auf die Gleichberechtigung haben wir Anspruch auf Grund unserer eigenen Leistung, ferner ist sie vertraglich festgelegt und wir können sie von den andern fordern. (Lebhafte Zustimmung.) Sie findet ihre Begründung in der Völker­bundssatzung, sie ist Deutschland aber auch offiziellversprochen worden, wenn Deutsch­land in den Völkerbund eintrete. Stresemann war im Oktober 1926 beim Eintritt Deutschlands in den Völkerbund stolz darauf, daß Deutschland als gleichberechtigt in den Völkerbund ein­zuziehen die Ehre habe. Heute versucht man erneut, uns diese Gleichberechtigung abzusprechen. Dem neuen Deutschland will man die Gleichberechtigung nicht zugestehen. Es wird gesagt, die deutsche Re­gierung versichere zwar ihre Friedfertigkeit, das Volk aber sei kriegerisch. Dieser Unsinn wird nur vorgebracht, damit man jederzeit in dem Deutschen den Sündenbock suchen kann.

Das deutsche Volk dankt es Adolf Hitler, daß er angesichts der Verhältnisse in Genf seine Unterhändler zurückzog. Er rettete dadurch die Ehre Deutschlands und verhinderte die Er­klärung, daß wir die Gleichberechtigung nicht hätten.

Wir brauchen den andern nicht erst den Nachweis zu führen, daß wir ein Kulturvolk sind. Die andern Völker haben viele Jahre lang die Einrichtungen Deutschlands studiert, sie haben sie anerkannt und auch sehr gerühmt, daß das deutsche Volk eine jahr» tausende alte Kultur sein eigen nenne. Heute will die Welt davon nichts mehr wissen. Das national­sozialistische Deutschland hat schon in der kurzen Zeit seines Bestehens durch seine Taten die Ach­tung aller Guten in der Welt wiedergewonnen. (Lebhafter Beifall.) Die Staatsverwaltung ist wieder konsilidiert. Die nationalsozialistische Regierung be­sitzt das Vertrauen des Volkes, wie die Vertreter der Verwaltung die Vertrauensmänner des Füh­rers sind. Landauf, landab regen sich fleißige Hände.

Der Bauernstand ist gerettet und mit ihm die Untermauerung des gesamten Volkstums und feine Sicherstellung für alle Zeit, dank der Maß­

nahmen des Reichsbauernführers und Reichs­ministers Darre. (Stürmische Zustimmung.)

Der deutsche Arbeitsdienst findet besonders auch in England Anerkennung, wo der englischen Regie­rung empfohlen wird, ebenfalls den Arbeitsdienst einzuführen, aber vorher die Methoden in Deutsch­land zu studieren. (Beifall.) Auf der einen Seite steht das organisierte Deutschland, das nur durch friedliche Arbeit seine Lebensgrund­lage festigen und entwickeln will, auf der andern Seite sehen wir eine waffenstarrende Welt. Von dem jetzigen Völkerbund haben wir nichts zu er­warten, denn dort wird eine Welt in Waffen ver­treten. (Beifall.) Deutschland wird nicht dorthin zurückkehren. Solange jene Welt in Waffen starrt, in Deutschland aber wie jetzt ein aufrichtiges und charakterstarkes Volk ohne

Reichsminister Darrö während feiner Red«,

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