besten, wenn man möglichst hartes Holz dazu nimmt und den scharfen Sand, den man unterlegt, anfeuchtet. Als Hohlbohrer eignet sich gut ein hohler Knochen, der besser mit trockenem als mit nassem Sand benutzt wird. Es ist sehr wahrscheinlich, daß zum Drehen des Bohrers ein Bogen benutzt wurde; diese Form des Antriebs funktioniert ausgezeichnet. Solche einfachsten Bohrmaschinen, wie sie in der Steinzeit erfunden wurden, sind auch noch in der Bronze- und sogar in der Eisenzeit benutzt worden.
30 Millionen Deutsche im Ausland.
Die Gesamtzahl der Ausländsdeutschen wird heute auf rund 30 Millionen geschätzt; das entspricht ungefähr 50 Prozent der deutschen Reichsbevölkerung. Es wohnt somit heute etwa jeder dritte Deutsche im Ausland, Oesterreich zählt 6 Millionen Deutsche, die Tschechoslowakei 3,7 Millionen, die Schweiz 2,3 Millionen, Frankreich (Elsaß-Lothringen) 1,6 Mil- lionen, Polen 1,3 Millionen, Rußland 1,8 Millionen, Rumänien 900 000, Südslawien 1 Million, Ungarn 500 000, Italien 280 000, Luxemburg 280 000, Danzig 350 000, Belgien 120 000, Dänemark 50 000, andere Länder Europas zusammen 200 000, ferner Kanada 360 000, die Vereinigten Staaten von Amerika 8 Millionen, Mittel- und Südamerika 1 Million, andere Erdteile 280 000. Zusammen rund 30 Millionen. Die Zahl der Ausländsdeutschen wäre jedoch heute noch erheblich höher, wenn die Nachkommen der deutschen Auswanderer alle ihr Volkstum rein bewahrt hätten. Das gilt vorab für das Deutschtum in Nord- und Südamerika. Wenn wir diese heute etwa auf 10 Millionen schätzen, so ist dies etwa nur ein Drittel der Deutschabkömmlinge, die übrigen zwei Drittel sind im Laufe der Jahre dem Prozeß der Amerikanisierung zum Opfer gefallen.
Hocbscbulnacbricbten.
An der Universität Göttingen wurden auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Be- russbeamtentums die ordentlichen Professoren Richard Honig (Strafrecht) und Moritz Geiger (Philosophie), ferner der Bibliotheksrat Dr. Fritz Löwenthal in den Ruhestand versetzt. Den a. o. Professoren der Mathematik Emmy N o e t h e r und Paul Hertz wurde die Lehrberechtigung entzogen, ebenso den Privatdozenten der Mathematik Hans Levi und Lothar Nordheim, sowie Dr Nikolaus P e v s n e r (Kunstgeschichte), Heinrich Ku h n (Physik), Walter Heitler (Physik), Paul Hoch (Medizin) und K. H. H o h e n ß n»1 - * (a^m^ndte Mechanik).
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zreitag, 6. Oktober (933
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Ur. 234 Zweiter Blatt
Der zehnte Tag des Prozesses gegen die ReOSlagsvraniWer
beurlaubt worden.
Torglers Verhalten nach Lntdelkung des Vrandes
rn
Vorsitzender: Als Belastungsmoment wird geltend gemacht und durch Zeugen belegt, daß an dem Abend im Restaurant Schlawicki in der Dircksen- Straße ein auffallend reger Verkehr an Ihrem Tisch geherrscht habe. Die Unterhaltung sei leise im Flüsterton geführt und abgebrochen worden, wenn jemand in die Nähe kam. Einzelne Teilnehmer seien in deutlich wahrnehmbarer Unruhe gewesen. Es seien viele Telephon-
unrichtig; es wären die Beamten im Dienst gewesen, die turnusmäßig an diesem Tage ihren Dienst zu machen hatten. Es handelt sich dabei um alte Beamte, die aus dem alten Regime übernommen worden sind, nicht etwa um neue, die erst von den neuen Regierungsstellen angestellt worden sind.
2. habe ich festgestellt, daß die Feuerwehr
innerhalb von vier Minuten von zwei verschiedenen Wachen zur Stelle war. Ich habe weiter erklärt, es sei ein unsinniges Gerücht, daß ein Trupp SA.-Männer in der Dorotheen- straße auf das Zeichen des Führers Ernst gewartet habe und dann auf Motorrädern durch Berlin gerast sei. Ich habe ferner erklärt, daß alles sofort alarmiert wurde, und daß in kurzer Zeit
einen großen 5 chwarzen abgegeben, der Popo ff gewesen sei. kempner soll ferner gesagt haben, es seien Ausländer gewonnen worden, um die deutschen kommuni st en nicht zu b e l a st e n. Die Brandstiftung hat in den Händen Torglers gelegen, der insbesondere die Mittäter habe hineinlassen sollen. Der Beginn sei auf 17.30 Uhr festgesetzt gewesen. Einige Tage vorher sei der Plan im Liebknechthaus beraten worden. An diesen Beratungen habe entweder Torgler oder ftoenen teilgenommen, außerdem van der Luppe und Popoff. Popoff sollte den Rückweg decken.
Der Angeklagte Torgler erklärt, alle diese An- gaben seien geradezu phantastisch. Er w i s s e von alledem nicht das Geringste. Das Lieb- knechthaus sei bereits am 23. Februar von der Polizei b esetzt gewesen, worauf Landgerichts- direktor Parisius sagt, daß sich der Zeuge nicht genau auf den Tag der Versammlung habe sestlegen tonnen, die Beratungen hätten auch schon vor dem 24 Februar gewesen sein können. Die Aussagen des Zeugen Groth erklärt der Angeklagte als eine grenzenlose Lüge.
Darauf wurde die Verhandlung auf Freitag vertagt.
bunb am 2 6. Februar 1 933 Hochalarm geherrscht Hobe. Die aktiven Gruppen seien in Gastwirtschaften und Privatwohnungen untergebracht worden. Am Nachmittag des 27. sei besohlen worden, die Alarmquarliere zu räumen. Ein Kraftfahrer Singer soll etwa Anfang April gesagt haben, daß der Reichstagsbrand in der Tat das Signal für das allgemeine Losschlagen gewesen sei. Die Aktion sei aber falsch geführt worden und infolgedessen verpufft. Ein gewisser Kempner soll zu Grothe geäußert haben, er, Kemp- ncr, habe d i e Verbindung gehabt zwischen
Die Frage der Beteiligung der deutschen Kommunisten wird erörtert.
alles polizeilich abgeriegelt war. Das alles habe ich nach gewissenhafter Prüfung dem Kollegen Branting vorgetragen mit der Bitte, das auch im Untersuchungsausschuß zu unterbreiten. Wenn jetzt wieder solche Gerüchte auftauchen, so richten sie sich von selbst, aber sie können dann nur noch als Anwürfe gegen die Verteidigung und ....... "'s gegen die deutsche Rechts-
Es wird dann in der Verhandlung fortgefahren. | der Zentrale und der Brandstiftung. Er habe das Brandmalerial am Portal des Reichstages a n
sehender Mann im Reichstagsfahrstuhl hinaufgefahren sei. ,
Der Vorsitzende weist weiter auf die Aussagen einer Zeugin hin, daß der kommunistische Abgeordnete Koenen zusammen mit van der Lubbe im Preußischen Landtag den Fahrstuhl hinaufgefahren sei. Torgler halt das für ausgeschlossen. Die Fragen des Vorsitzenden an van der Lubbe, ob er den Preußischen Landtag kenne und ob ihm der Abgeordnete Koenen bekannt sei, verneint der Angeklagte. Der Vorsitzende halt dem Angeklagten Torgler weiter die Aussage des Zeugen Weberstedt vor, wonach am Tage nach dem Brande aus dem kommunistischen Fraktionszimmer 35a beide Schreibmaschinen entfernt waren und das ganze Zimmer so aufgeräumt gewesen sei, als ob man die Absicht hatte, nicht zurückzukehren. Der Angeklagte Torgler erklärt, daß von Aufräumen ebensowenig wie bei den anderen Zimmern die Rede gewesen sein kann. Weiter gibt der Vorsitzende eine Zeugenaussage bekannt, wonach am Tage nach dem Brande ein Loch im Glasdach festgestellt ist. Heber dem kommunistischen Fraktionszimmer fei eine Scheibe heraus gewesen, und die Scherben hatten unten gelegen. Heber dem Loch sei eine Leiter angestellt gewesen. Der Angeklagte Torgler erwidert, als er abends das Zimmer verlassen habe, habe er nichts davon bemerkt, und er wisse nicht, durch wen und um welche Zeit diese Scheibe zerbrochen worden sei.
Vorsitzender: Auch Spuren von genagel- te n Stiefeln sollen auf einem Fensterbrett entdeckt worden sein, über das man vom zweiten Obergeschoß zu den kommunistischen Fraktionsräumen gelangen kann. Torgler erklärt, daß von den Angestellten des Fraktionsbüros niemand genagelte Schuhe gehabt habe.
gespräche geführt worden.
Angeklagter Torgler: An unserem Tische ist nicht im Flüsterton gesprochen worden. Wir haben natürlich ziemlich erregt den Reichstagsbrand besprochen und uns darüber unterhalten, welche politische Bedeutung das haben könnte. Ich bin sehr häufig ans Telephon gegangen, um mich zu informieren.
Verteidiger 0r. Gack weist Verleumdungen zurück.
Nach einer längeren Pause gibt Rechtsanwalt Dr. Sack eine Erklärung ab, in Der es u. a. heißt:
Es tagt in Paris der sogenannte Unter» suchungsausschuß^er den Reichstagsbrand klären will. An diesem Ausschuß nimmt auch teil der amerikanische Kollege Hayes. Ich erhalte soeben eine Verlautbarung, nach der Hayes in Paris dem Sonderkorrespondenten der „Prawda" gegenüber sich geäußert haben soll, daß er ein seltsames «Betragen der Verteidigung sest- stellen müsse, die bei der Entlastung der Angeklagten gleichzeitig die wahren Schuldigen an der Brandstiftung hätte angeben müssen. Ich v e r- wahre mich gegen diesen Anwurf, daß meine Verteidigung irgendwie ein eigenartiges Gebühren hat. Es ist eines deutschen Anwaltes unwürdig, Gerüchte, politische Kombinationen, wie sie im Braunbuch enthalten sind, hier als Beweisan-
Leipzig, 5. Okt. (WTB.) Zu Beginn der Heu- tigen Verhandlung wird zunächst der Angeklagte Torgler weiter vernommen. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten die Aussage des Amtsgehil- sen Aldert vor, daß van der Lubbe am 2 7 Februar im Reichstage gewesen fei und daß er ihn selbst in dem Fahrstuhl nach oben befördert habe. Nach einiger Zeit sei derselbe Mann wieder mit einer Papiertüte in der Hand heruntergekommen. Torgler betont erneut, daß er oan d e r Lubbe nicht kenne. Im übrigen halte er es für ausgeschlossen, daß man einen so aussehenden Menschen ungehindert in den Reichstag hineingelassen hätte. Weiter erklärt Torgler, er habe seit November 1932 für die kommunistische Fraktion einen Studenten Perl beschäftigt, der oan der Lubbe ähnlich sehe, allerdings einen Kopf kleiner sei. Vielleicht sei dieser Mann von dem Zeugen als van der Lubbe angesehen worden. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob es möglich sei, in Begleitung eines Abgeordneten in den Reichstag zu kommen, erwidert Torgler, bas sei so unbeanstandet nicht möglich gewesen, gibt aber auf weitere Fragen zu, daß die Möglichkeit im allgemeinen wohl bestanden Härte.
Landgerichtsdirektor Parisius fragt den Angeklagten, ob er mit dem Studenten Perl in dem Vorraum gesessen habe, und fügt hinzu, das wäre wieder eine neue Lesart. Gegen diese Art der Fragestellung protestiert der Verteidiger Torglers, Rechtsanwalt Dr. Sack. Der Vorsitzende richtet nun seinerseits die Krage an Torgler, ob er am Brand- . tage im Obergeschoß des Reichstages mit dem Studenten Perl zusammengewesen sei. Torgler verneint und sagt, er habe die Verwechslungsmöglichkeit nur im Zusammenhang mit der Behauptung erwähnt, daß am Tage vorher ein vanderLubbe ähnlich
Aufgaben einer deutschen Dichterakademie.
Von Rudolf G. Binding.
Das Idealbild und die vollkommenste Gestalt einer „Deutschen Akademie der Dichtung" (wie wohl ihr Name sein müßte) wäre das einer autonomen, freien Körperschaft schaffender weiter Geister auf diesem Gebiete, mit dem Zwecke ebensowohl einer würdigen Repräsentation als einer würdigen unmittelbaren Einwirkung auf das gesamte geistige Leben der Nation. Diese vollkommenste Gestalt wird jeder Staat feiner Akademie geben wollen. Sie erhält durch Unterstellung unter das Kultusministerium die öffentliche Legitimation und den autoritativen Rückhalt. Denn eine Akademie ohne Autorität dieser Art fiele aus der Gemeinsamkeit des Staates und damit der Nation heraus.
Eine höhere Autorität freilich hätte sich die autonome Akademie selber zu schaffen: Durch hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Dichtung und des Schrifttums, denen die Welt ihre Anerkennung und Bewunderung nicht versagen dürfte. Eine Akademie einer Nation, ohne daß sie in den Wettstreit anderer Nationen einträte, wäre fast gegen den Sinn des Wortes. Eine Akademie ohne leuchtende Leistungen ist eine Akademie von Dunkelmännern.
Es ist selbstverständlich, daß eine deutsche Akademie der Dichtung nicht ihr Augenmerk darauf zu richten hat, in der Welt zu wirken. Vielmehr wirkt sie, indem sie dem Volke dient, durch das Um= fassende deutschen Geistes auf die Hmwelt. Denn das Merkmal Des deutschen Geistes ist Das Hmsassende: Der seelische Raum, Die seelische Tiefe und Uner» schöpslichkeit. Andere 2 .Iker dürfen andere nationale Eigenschaften auch in ihrer Dichtung zum Ausdruck bringen: Klarheit und Brillanz des Sprachlichen höheren Wohlklang, das rein Schriftstellerische' mie es in bewundernswerter Weise Der französische «krivain seinerzeit aufweist und Dartut, Das hellere und leichtere Wesen süDlicher und westlicher Völker und Dergleichen mehr während dem Deutschen immer di^ Tiefe Des Seelischen, das Umfassende unD gefährlich Grenzenlose Reiz unD Lockung bieten werden. •
Nur durch ein solches Wissen um den deutschen Geist wird es der Akademie deutscher Richtung möglich sein, auch das geistige Gewissen für das deutsche Volk abzugeben. Eine solche Verantwortung wäre gigantisch. Man soll sie als solche ansehen. Eine Akademie ohne bas Wissen um eine gigantische Berank-
Es wird Dann in Der Verhandlung fortgefahren. | Dem Angeklagten Torgler wird eine Zeugenaussage vorgehaltey, wonach Torgler einige Zeit vor dem Brand mit Dimitroff im Reichstag, an einer Brüstung lehnend, gesehen worden ist. Torgler erklärt, daß er Dimitroff erstmalig in seinem Leben in Leipzig in dieser Verhandlung kennengelernt habe. Der Bergmann K u nza ck, der früher selbst Kommunist war, hat von einer. Zusammenkunft im Jahre 1925 i n Düsse 1 dorf berichtet. Leiter der Aussprache war Der Abgeordnete Heinz Neumann. Es waren drei Holländer anwesend, von denen einer Lübben hieß, der nach der Aussage des Zeugen unbedingt mit dem Angeklagten oan der Lubbe identisch sei. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten van der Lubbe diese Aussage vor und fragt ihn, ob er Heinz Neumann kenne, was van Der Lubbe verneint. In DüsselDorf will van Der Lubbe erst im Jahre 1933 gewesen sein.
Torgler erklärt, daß die Bekundungen Kun- zacks in keiner Weise mit der Wahrheit übereinstirn- men. 1925 sei van der Lubbe e r st 1 6 Iahre alt gewesen, es sei nicht vorstellbar, daß ein so junger Mensch schon als Führer der holländischen Kommunisten auftreten konnte. Der Oberreichsanwalt weist darauf hin, daß der junge Holländer auf der Düsseldorfer Konferenz lediglich erklärte, er wolle eine kommunistische 3ugenbberoe*"~2 Holland ins Leben rufen. Ein weiterer Vorhalt aus den Bekundungen des Zeugen Kunzack, Torgler und Casper seien an Sprengversuchen einer kommunistischen Gruppe in der Wuhlheide beteiligt gewesen, wird von Torgler bestritten.
Der Zeuge Grothe, der Ende Februar noch Kameradschaftsführer im Rotfrontkämpfer- b u n d war, hat bekundet, daß im Rotfrontkämpfer-
Es kommen dann die Vorgänge nach dem Reichstagsbrand zur Sprache. Der Angeklagte Torgler schildert, daß er vom Reichstag aus z u m R e st a u- rant Aschinger am Bahnhof Friedrichstraße gegangen ist, wo er sich mit dem Zeugen Birkenhauer verabredet hatte. In seiner Begleitung war außerdem Koenen. Etwa um 22 Uhr sei ein Kellner an ihren Tisch gekommen und habe gefragt, ob sie schon wüßten, daß der Reichstag brenne. Torgler erklärt, er habe das zunächst als Flauserei ausgefaßt und gesagt: Machen Sie doch keinen Hnsinn. Der Kellner erwiderte jedoch: Nein, nein, es sind schon Tausende von Leuten da. Erst dann habe ich die Sache ernsthaft aufgefaßt. Ich bin sofort aufgestanden, und wir haben kurz nach 22 Hhr das Restaurant verlassen.
Vorsitzender: Das Wesentliche bei der Sache ist doch, daß der Zeuge Hoest, der Geschäftsführer des Lokals, sich darüber gewundert hat, daß Sie tue Nachricht so ruhig ausgenommen haben, als Sie da zusammensaßen.
lorgly: Das ist dadurch zu erklären, daß mir, die wir allein hinten in der Ecke saßen, noch gar keine Ahnung davon hatten, wenn auch vorn die Leute es schon wußten und aufgeregt nJaren. Er habe sich in die Straßenbahn gesetzt und sei zum Reichstag gefahren. Er habe es aber aufgegeben, durch die Absperrung zu kommen, besonders, nachdem er gesehen hatte, daß in dem Flügel, wo die Zimmer der kommunistischen Fraktion lagen, alles dunkel war. Er sei dann zu Aschinger zurückgefahren und habe dort Birkenhauer seine Beobachtungen erzählt. Koenen hatte sich inzwischen zum Alexanderplatz begeben. Wir hielten uns dann bei Aschinger bis etwa 23.30 Hhr auf, und dann fuhr ich ebenfalls zum Alexanderplatz, ging in ein Restaurant in der Dircksen-Strahe, wo wir uns schon am Nachmittag für den Abend verabredet hatten.
wortung ift ein Prunkstück für Prominente und verdient ihren Namen nicht.
Nur durch die Hebernahme dieser Verantwortung ist das Selbstbestimmungsrecht verantwortbar, das der Staat ihr zubilligt. Dieses Selbstbestimmungsrecht sollte die Akademie nie durch die Abhängigkeit und den notwendigen Zusammenhang mit dem ihr übergeordneten Ministerium in Gefahr bringen. Das Ministerium aber sollte nicht und niemals seine Akademie durch eine Verantwortung in Gefahr bringen, Die sie sich nicht selber wählt und auferlegt. Die Akademie ist das Instrument des Volkes und des Volksganzen. Das Ministerium ehrt sie durch die Anerkennung biefer Stellung. Denn ein Gewissen muß frei handeln, frei wissen, wo es und wem es zu dienen hat — oder es ist kein Gewissen.
Die Zusammensetzung einer Dichterakademie im Hinblick auf ihre Mitglieder muß eine kollegiale fein: eine Anerkennung jedes Einzelnen ohne Selbstüberhebung, aber mit aller persönlichen Würde und Selbstbehauptung ausgerüstet. Das größte Genie, wenn es sich durch Hnverträxsiichkeit, Streitlust und unproduktiven Sarkasmus hervortun wollte, würde in dem Gremium einer Akademie untragbar fein. Das Genie an sich ist — leider — keine brauchbare Substanz für eine kollegiale Körperschaft. Es kann daher sehr wohl für das oberste Gewissen einer Nation, das eine Akademie darstellen soll, ein Genie als Mitglied ausfüllen müssen, wie überhaupt die Vollständigkeit der Vereinigung aller hervorragenden Geister in einer Akademie nicht zu erreichen und nicht einmal wünschenswert erscheint. Sie wurde Arbeitsfähigkeit und die Segnungen vereiteln. Die man von einer solchen Körperschaft erwartet.
Diese im einzelnen sind mannigfaltig. Die Förderung und Heranziehung junger geistiger Strafte muß immer das höchste Ziel einer Generation bleiben, Die vermöge schon bestehender Leistungen und schon bestehender Anerkennung die Sitze einer Akademie inne hat. Das Neue, das Junge, das Niedagewesene, bas Kühne und Verwegene, bas Stolze, bas Hohe, bas Lebenstrotzende und ßebenfpenbenbe immer von neuem zu entdecken und einer Nation por die Augen zu rücken, wird die schwerste Aufgabe des Geschlechtes sein, dem schon Anerkennung zuteil geworden ift. Es wird aber auch die schönste Aufgabe fein.
In Ausschüssen aller Art, die der Behandlung der berufsständischen Angelegenheiten, der inneren Verfassung der Akademie, der Werbung, der Reinheit der Sprache, dem Theater, dem Verlagswesen den Beziehungen Des deutschen Dichtertums zum Ausland und zu ausländischen Akademien, Vortragen und Darbietungen im Rahmen Der Akademie selbst dienen sollen, wird sich die praktische und fühlbare
Tätigkeit der Akademie auswirken. Presse, Rundfunk und Film dürfen nicht als Mittler geringerer Art als das Buch und das persönliche Wort gewertet werden: auch dort sollte höchster Geistigkeit ein Raum offenstehen. Es wird die Ehre der Mitglieder der Akademie sein, sich auch an diesen Stellen dem Dienst an ihrem Volke verantwortungsvoll zu weihen.
Die Nation aber sollte endlich davon überzeugt sein, daß es sich in einer Akademie der deutschen Dichtung um etwas eminent Oeffentliches, ungeahnt Weithinwirkendes handelt. Denn Schrifttum und Dichtung sind der vornehmste, sichtbarste und dauerndste Ausdruck der Nation. In Dichtung und Sprache tritt der Geist und die Artung der Nation ans Licht, tritt in den Raum der Geschichte, tritt! in öen Raum der Welt und der Sterne. Wenn die Nation ihre Dichter nicht als Repräsentanten ihrer selbst empfindet und ehrt, wenn sie sich nicht durch jedes Wort dieser Männer ausgedrückt sieht, begeht sie ein Unrecht und fast einen Vertrauensbruch.
Möge eine deutsche Akademie der Dichtung dazu beitragen, daß dieser Glaube weiter nichts ist als eine Natürlichkeit und eine Selbstverständlichkeit: Zur Ehre deutschen Wesens.
1. Das Gerücht, an dem Brandtage wären Reichstagsbeamte aus bestimmten Gründen Ich habe erklärt, das sei ? Beamten im Dienst ge-
Vorgeschichtliche Bohrmaschinen.
Schon in der Steinzeit hat man die Technik so weit entwickelt, daß in einen Steinhammer ein Schaftloch gebohrt werden konnte. Da als Werkstoff für einen Bohrer Metall nicht in Frage kam, so mußte der vorgeschichtliche Mensch zu Stein, Holz ober Knochen seine Zuflucht nehmen. Die vielen Tausenbe von durchbohrten Steinhämmern in unseren vorgeschichtlichen Sammlungen sinb ein Beweis bafür, bah ihm seine Aufgabe glückte. Die meisten biefer Aexte und Hämmer zeigen angefangene Bohrungen, bei denen in der Mitte des Bohrloches ein Zapfen stehen geblieben ist; diese müssen also mit einem Hohlbohrer hergestellt worden fein; andere Stücke lassen aber erkennen, daß auch Vollbohrer verwendet wurden. Wie Prof. Wolfgang La Baume in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" heroorhebt, besaß der Mensch der jüngeren Steinzeit bereits eine Bohrmaschine, und wenn auch kein einziges Stück dieser Art erhalten ist, so können wir uns doch eine Vorstellung davon machen, wie sie ausgesehen hat. Verschiedentlich sind solche vorgeschichtlichen Bohrmaschinen im Modell oder auch in Naturgröße hergestellt worden, und es hat sich gezeigt, daß es sehr wohl möglich ist, mit ihnen in einigen Stunden ein Schastloch in einen Steinhammer zu bohren. Der Vollbohrer arbeitet am
Wettervoraussage.
Nachdem die nordöstliche Störung weiter abgezogen ist, hat sich über Deutschland ein Kern hohen Druckes aufgebaut. Im Bereich seiner absinkenden Luft wird daher trockenes Wetter herrschen und nach Frühnebelbildungen der Himmel aufheitern. Somit kommen Ein- und Ausstrahlung zur Geltung, so daß die Tempera^urgegensätze sich verschärfen und nachts Werte bis in Gefrierpunktnähe erreicht werden.
Aussichten für Samstag: Neblig und wolkig mit Aufheiterung, nachts kalt, am Tage etwas wärmer, trocken.
Lufttemperaturen. Am 5. Oktober: mittags 12,8 Grad Celsius, abends 9,5 Grad ; am 6. Oktober: morgens 8,3 Grad; Maximum 13,5 Grad, Minimum 5,0 Grad; Niederschläge 0,0 Millimeter; Sonnen- fcheindauer % Ltunde. — Erdtemperaturen in zehn Zentimeter liefe. Am 5. Oktober: abends 10,5 Grad; am 6. Oktober: morgens 10,1 Grad Celsius.
träge zu formulieren. Daraus ein eigenartiges Verhalten der Verteidigung herzuleiten, bedeutet einen Anwurf, gegen den ich in aller Öffentlichkeit protestiere, wobei ich von den ausländischen Pressevertretern erwarte, daß sie diese Dinge als Verleumdungsfeldzua. gegen die deutsche Rechtspflege und die deutsche Verteidigung brandmarken.
Oberreichsanwalt Dr. Werner: Ich stimme den Ausführungen des Verteidigers vollkommen bei, die sich gegen die Verleumdung richteten, die in einem Teil der Auslandspreise und dem sogenannten Braunbuch erhoben worden sind. Diese Behauptungen ohne jede Unterlage Haden in diesem Stadium des Prozesses auch mir keinen Anlaß gegeben, auf diese Dinge irgendwie einzugehen.
Rechtsanwalt Dr. Sack: Ich habe in der Nacht vom Freitag zum Samstag in einem Hotel in London mit Rechtsanwalt Branting zusammengesessen und ihm in Gegenwart meiner Referendare und seiner sogenannten Sekretäre erklärt, welche . .
verschiedenen Gerüchte nicht nur haltlos sind, son- I nur noch als Anwurfe ge dem, wenn sie immer wieder vorgebracht werden, als ein bösartiger Angriff Den Stempel der Verleumdung tragen: I pflege gewertet werden.


