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6.10.1933 Frühausgabe
 
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von Gerechtigkeit und Duldung anzu- wenden. der in den Minderheitenvertragen und den bisherigen Entschließungen des Dolkerbundsrats gefordert wird. Der gegenüber dem ursprünglichen Entwurf bezeichnenderweise abgeanderte zweite Absatz lautet: Die Dölkerbundsvevsammluna ist der Ansicht, daß sie eine Interpretation der Minder- heitenverträge oder der obigen Empfehlung nicht als begründet zulassen kann, die gewizse Kategorien von Staatsbürgern von den Vorteilen der Bestimmungen der Verträge a u s s ch l i e ß t da diese Bestimmun­gen sich a uf a l l e S t a a t s b u r g e r ohne-Unter- schied der Rässe, Sprache oder Religion beziehen.

Ein autonomes Amt beim Völkerbund für die deutschen Emigranten.

Genf, 5.Okt. (WTB.) Der vom technischen Ausschuß der Völkerbundsversammlung zur wei­teren Behandlung des holländischen Antrages über die deutschen Auswanderer eingesetzte Unterausschuß hat heute vormittag seine Arbeiten abgeschlossen. In dem Bericht, den der Unteraus­schuß der Völkerbundsversammlung zur Annahme unterbreitete, wird die Schaffung eines au­tonomen Amtes unter den Auspizien des Völ­kerbundes und unter der Leitung eines Völker­bundskommissars vorgeschlagen. Die Kosten sollen vorläufig vom Völkerbund aufgebracht werden mit der Maßgabe, daß sie später entweder von den direkt interessierten Regierungen oder aus privater Quelle zurückerstattet werden.

Reue Bischof semennungen in der Mpreußischen Landeskirche.

Berlin, 5. Okt. Auf Grund des von der Ge­neralsynode beschlossenen Bistumsgesetzes sind durch den Kirchensenat und den Landesbischof der Alt­preußischen Landeskirche folgende Persönlichkeiten zu Bischöfen berufen: Oberkonsistorialrat Pe­ter zum Bischof von Magdeburg-Halberstadt, Pfar­rer Kessel zum Bischof von Königsberg, Pfarrer Thom zum Bischof von Cammin, Pfarrer Dr. O b e r h e i d zum Bischof von Köln-Aachen.

Zu P r ö b st e n wurden ernannt: Pfarrer L 0 e r- z e r zum Probst der Kurmark, Pfarrer Otto Eckert (Zossen) zum Probst der Neumark, Super­intendent Lic. Grell juim Probst der Grenzmark, Generalsuperintendent D. Lohmann zum Probst von Westfalen-Süd, Generalsuperintendent Stöl­te n h 0 f f zum Probst von Rheinland-Süd und Saar, Superintendent Jenetzki zum Probst von Liegnitz.

Der preußische Kultusminister hat dem Kirchen­senat mitaeteilt, daß gegen die berufenen Persön­lichkeiten Bedenken politischer Art nicht zu erheben sind.

Mit der Berufung der oben genannten Bischöfe und Dröbste, die bis auf zwei zu den ältesten Vor- kämpfern der GlaubensbewegungDeutsche C h r i st e n" gehören, ist der größte Teil der geist­lichen Führerstellen in der Altpreußischen Landes­kirche besetzt. Zum Bischof oon Branden­burg wurde bereits unmittelbar nach der General­synode der Reichsleiter der Deutschen Christen, Pfarrer Hossenfelder, berufen. Auch das Bis­tum Danzig ist bereits durch die Berufung von Pfarrer Beermann besetzt. Die Besetzung der Bistümer Berlin, Breslau, Münster und Merseburg steht noch aus.

©er Oollfuß-Attentäter.

Niemals Mitglied der NSDAP.

Wien, 6. Okt. (TU.) Eine offizielle Verlautba­rung der Polizei besagt, daß eine Reihe von Anga­ben, die Dertil im bisherigen Verhör gemacht habe, sich als unrichtig erwiesen hätten. So behauptet die Polizei erneut, daß Dertil Mitglied der NSDAP, gewesen sei und am 2. Februar 1932 eine provisorische Mitgliedskarte erhalten habe. Seine Aussage, daß er nach einem halben Jahr wieder aus der Partei ausgetreten sei, werde noch überprüft. Die Waffe, mit der er den Anschlag verübte, habe er am 2. Oktober von dem Glasergehilfen Oskar Weigensamer er­standen. Dertil stellte in Abrede, daß Weigensamer und ein Wehrmann, den er ebenfalls am 2. Oktober nach einer Handfeuerwaffe fragte, von dem Anschlag unterrichtet waren. Die Polizei hält aber an dem Verdacht fest, daß Weigensamer und der genannte Wehrmann Müllinger wenigstens in Kenntnis von einem besonderen Vorhaben ge­wesen seien und sich durch Beschaffung der Waffe mitschuldig gemacht hätten.

Ein großer Teil der Wiener Abendblätter ver- öfsentlicht ein Faksimile einer Bei­trittserklärung des Dollfuß-Attentäters zur NSDAP. Oesterreichs, die bei der Ortsgruppe Lainz-Speising am 16. Januar 1932 erfolgt sein soll. Das Dokument soll angeblich aus einer frühe­ren Aushebung bei einer nationalsozialistischen Zen­trale in Wien der Polizei in die Hände gefallen sein. Demgegenüber steht eine authentische Erklärung der Landesleitung Oester­reich der NSDAP., die besagt, daß Dertil nie­mals auch nur vorübergehend Mit­glied der NSDAP, gewesen sei. Kenner der Verhältnisse seien durchweg der Auffassung, daß der Attentäter durch die Gedankengänge seines Stiefvaters Dr. Günther beeinflußt worden fei, der seinerzeit der Christlich-Sozialen Partei ange- hörte, sich jedoch von dieser Partei lossagte und heute im Heimwehrlager steht, wo er der Richtung Fey angehört. Dr. Günther ist der Verfasser der bekannten BoschüreDiktatur oder Unter- gan g". Er ist Legitimist, Gegner des Parteistaates und tritt für den Zusammenschluß aller Deutschen unter Führung Oesterreichs ein. Vor allem lehnt er den Nationalsozialismus in Oester- r e i ch ab.' Seit vielen Monaten steht Dr. Günther in regstem Briefwechsel mit dem Sicherheitsdirektor von Tirol, Dr. Steidle, und mit dem damaligen Vizekanzler Major Fey. Mit diesen Persönlichkei- ten der Starhembergschen Heimwehrbewegung ging Dr. Günther konform. Die Versuche der österreichi­schen Presse, Dertil als » itionalsozialistischen Partei­gänger hinzustellen, erbrachten keinerlei ernstzuneh­mende Anhaltspunkte.

Kleine politische Nachrichten.

Der italienische Ministerpräsident Mussolini hat dem Reichspräsidenten telegraphisch seine herzlichen Glückwünsche zum Geburtstag aus­gesprochen. *

Im Monat September 1933 sind vom Per so- nal der Deutschen Reichsbahn allein durch Abzug von den Bezügen r u n 6 8 0 0 0 0 0 Reichs - mark als Spenden zur Förderung der nationalen Arbeit aufgekommen. Zusammen

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mit den Abzügen in den beiden Vormonaten und den sonst noch gezeichneten Beträgen sind bisher vom Reichsbahnpersonal über zwei Millionen Reichsmark gespendet worden.

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Der gewesene Rektor der Wiener Uni­versität, Professor Dr. Gleispach, Ordina­rius für Strafrecht, der das 60. Lebensjahr noch nicht erreicht hat, ist i n den Ruhestand versetzt worden. Als Begründung werden dienstliche Rück­sichten angegeben. Professor Gleispach hat seinerzeit gleich anderen W'-ner Universitätsprofessoren sach­liche Kritik an den Notverordnungen der Regierung Dollfuß geübt.

Bei der Behandlung des Haushaltsprogramms stimmte der schweizerische Nationalrat mit gro­

ßer Mehrheit dem Antrag des Bundesrats zu, die Besoldung des Bundesperfonals für 1934 und 1935 um grundsätzlich 7v. H. herabzu- setzen. e

Der mit der Neubildung des spanischen Kabinetts beauftragte Unioersitätsprofessor S0 n chez Ro­man mußte seinen Auftrag dem Staatspräsidenten wieder zurückgeben. Die Radikalen um Lerroux weigerten sich, in ein Kabinett einzutreten, in dem sich ein Sozialist befände, und die Sozialdemokraten wiederum lehnen jede Zufammenarbeit mit den Ra­dikalen ab. Neubeauftragt ist nun der Rechtsanwalt Pedregai, der bereits unter der Monarchie Finanzminister war . und den Reformisten ange­hörte.

England spürt die Folgen des Weltkrieges.

Das britische Weltreich ms Hintertreffen geraten.-Oie Konservativen fordern Schluß mit dem Internationalismus.

L 0 n d 0 n , 5. Okt. (TU.) Der Jahreskongreß der englischen Konservativen Partei wurde am Donners­tag in Anwesenheit von 1800 Vertretern in Bir­mingham eröffnet. Die wichtigsten auf der Tages­ordnung stehenden Fragen sind das Abrüstungs­problem, die Indienpolitik Der Negierung Mac- Donald, die Arbeitslosenfrage und das Problem der Elendswohnungen.

Der am meisten gefeierte Sprecher des Eröff­nungstages war Lord Lloyd. Eine von ihm ein­gebrachte Entschließung, daß die Konferenz über Die Unangemessenheit der Verteidl - g u n g s m a h n a h m e n für das englische Weltreich schwer besorgt sei, wurde unter einem Begeisterungssturm einstimmig angenom­men. Lord Lloyd sagte u. a., die Flottenvorherr­schaft Englands fei verschwunden und mit der Luftwaffe stehe England erst an vierter oder f ü n f t e r 'S t e l l e. England fei durch Unter» jeebootsangriffe verwundbar und be­sitze trotzdem nur eine ungenügende Anzahl von Kreuzern. Auch sei feit dem Kriege die englische Landarmee stark herabgesetzt worden. Es qebe überhaupt kein verwundbareres Land als die kleine Insel England". Es fei eine ganz schone Sache, wenn man in der Abrüstung führend oor- anqehe, aber es fei vollkommener Wahn­sinn, immer weiter ab prüften, wenn edes andere Land sich weigere, diesem Beispiel zu folgen.Wir haben es satt, daß die Konservative Partei sich diesen internationalistischen und pazifistischen Lehrsätzen verschreibt. Mit diesen Worten schloß Lord Lloyd feine Rede.

Der Kongreß nahm ferner eine von dem Abge­ordneten Hann'on eingebrachte Entschließung an, daß die konservativen Parteiführer ihre ganzen Be- mühungen auf die Entwicklung und Festigung des englischen Weltreiches, das Auswanderungsproblem und die Entwicklung des Weltreichhandels richten sollen. Hannon erklärt unter lautem Beifall: Seit dem Kriege hatten wir viel zu viel Inter­nationalismus und zu viel Genf. Wir sollten uns mehr auf das englische Weltreich konzentrieren.

Ist Englands Rüstung mangelhast?

Scharfe Kritik an Ausrüstung und Geist des Landheeres.

L 0 n d 0 n, 5. Okt. (WTB.) In einer Besprechung der diesjährigen britischen Armeemanöver malt der

militärische Mitarbeiter desDaily Telegraph', Hauptmann Liddell Hart, ein düsteres Bild von der angeblich mangelnden Bereit­schaft der britischen Armee für einen Modernen Krieg. Er gebraucht den Ausdruck Selbstmörderklub" für die vorhandenen Infante» riedioisionen, beklagt den Mangel an moder­nen Kampfmitteln, besonders an Tanks, die überdies zum Teil veraltet seien, und nimmt Anstoß daran, daß die Infanteristen sich noch im­mer mit dem plumpen Maschinengewehr der Kriegs- zeit abschleppen müßten und auf modernere und leich­tere Waffen biefer Art vergebens warteten.Sie schwingen noch immer grüne und weiße Fahnen, um Tankabwehrgeschütze zu markieren, die sie nicht haben. Nur eine Brigade ist modernisiert und hat Motorantrieb für Maschinengewehre, Mörser und Transportmittel." Außerdem spricht der Korrespon­dent von Mangel an geistiger Beweg­lichkeit und Selbstsicherheit bei einer Anzahl älterer Offiziere, und schließlich vermißt er bei den Hebungen genügend praktische Würdigung des Grundsatzes, daß bei einem Angriff die Heber- rumpelung ein hochwichtiger Faktor ist.

Im Gegensatz zu diesen Klagen steht der Ton eines Aufsatzes des M a r i n e m i ta r b e i t e r s desDaily Telegraph", der mit Befriedigung fest­stem, daß im Wettbewerb zwischen schwerer Gra­nate und Panzerplattebis auf weiteres" d i e Granate gesiegt zu haben scheine. Schießoer» suche mit neuen 40= und 37,5-Zentimeter-Granaten hätten Ergebnisse gehabt, die darauf hindeuteten, daß künftig Schlachtschiffe eine noch ftärferc Panzerung als d i e jetzige würden erhalten müssen. Die neuen Gra­naten würden Stahlplatten von einem Durchmesser bis z u 40 Zentimeter glatt durchschlagen. Sie würden auch im­stande fein, im Innern eines feindlichen Schiffes mit vernichtender Gewalt zu explodieren.

Aus oder Welt

Der Leiter des Zeihkonzerns zurückgelreten.

Der im 70. Lebensjahre stehende Professor Dr. Rudolf Straubei ist von (einen Aemtern als Leiter der Optischen Werke Carl Z e i ß - Jena und der Jenaer Glaswerke Schott und Genossen zu­rückgetreten. Der um die Entwicklung Der (Sari- Zeiß-Stiftung hochverdiente Physiker kommt aus der wissenschaftlichen Laufbahn. Er war Professor an der Unioerfität Jena und wurde im Jahre 1901 von Professor Ernst Abbe, dem Gründer der

Berliner Krühbörse.

Berlin, 6. Okt. (WTB.-Funkspruch.) Trotz der gestern abend zu beobachtenden Geschäftslosigkeit waren die Schlußkurse der Mittaasbörse im all­gemeinen gut gehalten, auch heute früh hat sich an dieser Situation wenig geändert. Allgemein klagt man wieder über die geringe Unternehmungslust der Kundschaft. Die Spekulation verhält sich daher weiter abwartend. Altbesitz werden offiziell nicht mehr notiert, scheinen im Freiverkehr aber weiter mit 75 (der Auslösungswert wird mit 3 bis 3,25 v. H. gehandelt) angeboten zu fein. Späte Schuld­bücher nannte man mit 84,50 und Farben mit 114,75 bis 115. m ,

Am Devisenmarkt hörte man Pfunde gegen Paris mit 78,70, Mailand 58,68, Spanien 38,85, Amfter- dam 7,6350, Schweiz 15,90 und Kabel zirka 4,76.

Zeiß-Werke, in die Leitung des Unternehmens be­rufen. Prafesvr Straubei wurde in Anerkennung feiner Verdienste um die deutsche Wissenschaft und Wirtschaft zum Ehrendoktor dreier Fakultäten und zum Mitglied des Kuratoriums der Physikalisch- Technischen Reichsaristalt ernannt.

Zwei Todesurteile rechtskräftig.

Das Schwurgericht beim Landgericht II in Berlin hatte am 7. Juli den 30jährigen Kaufmann Fried­rich Mann und den 29jährigen Kellner Alfted Schulz wegen gemeinschaftlichen Mordes in Tat­einheit mit gemeinschaftlichem schweren Raub mit Todeserfolg zum Tode und zu lebenslänglichem Ehrverlust verurteilt. Die Angeklagten hatten am 22. Oktober 1932 die 75jährige Frau K ö n n i ck e in ihrer Wohnung überfallen, gefesselt und geknebelt. Sie raubten dann 3000 Mark und ließen die alte Frau hilflos liegen, so daß sie erstickte. Gegen das Urteil hatten die beiden Angeklagten Revision ein­gelegt. Die Revision wurde am 5. Oktober vom 2. Strafsenat des Reichsgericht als völlig unbegrün­det verworfen. Das Urteil ist dadurch rechts­kräftig geworden.

SOS-Kufe von Byrds Eisbrecher.

Der bekannt amerikanische Polarflieger, Admiral Byrd, sandte von Bord seines Eisbrechers Bear of Oakland" SOS-Rufe aus. Er meldete, daß der Eisbrecher Maschinenschaden habe und sich in schwerer See befinde. Aus dem Hafen oon Wellington (Nordkarolina) eilten zwei Schlepper dem Eisbrecher zu Hilfe. Das Schiff wurde ins Schlepptau genommen.

Brennendes wrack. Besatzung gerettet.

Das brennende Wrack des norwegischen DampfersR 0 hel m", der, wie bereits gemeldet, am Mittwoch SOS-Rufe ausfchickte, ist nördlich von Vardoe steuerlos an Land getrieben worden. Durch einen glücklichen Zufall ist es einem den Kurs des brennenden Schiffes kreuzenden Fahrzeug gelungen, die 25töpfige Mannschaft aus höchster Not zu retten.

Erdbeben auf Ehalkidike.

Die griechische Halbinsel Chalkidike wurde oon eitlem starken Erdbeben heimgesucht. Das Zen­trum des Bebens liegt in der Nähe der Stadt Hierissos. Einige Ruinen stürzten vollkommen ein. Auch wurde ein Seebeben beobachtet.

Oas Limburger Schloß wird wieder aufgebaut.

Limburg, 5. Okt. (WSN.) Das vor einigen Jahren abgebrannte Limburger Schloß, das gemeinsam mit dem Dom das Limburger Stadt­bild beherrschte, soll jetzt wieder aufgebaut werden. Dem Preußischen Hochbauamt Diez ist es gelungen, die erforderlichen Mittel über das Reichs­arbeitsbeschaffungsprogramm zu erhalten. In Kürze wird mit den Arbeiten begonnen.