MchchlungdesMiskoMMesderZeiKsbank
B e r I i n , 5. April. (1DIB.) Amtlich. Die Verlängerung des am 4. Mäc; fällig gewordenen sog. Rcdiskontkrcdites dec Reichsbank von 70 Millionen Dollar ist insofern auf Schwierigkeiten gestoßen, als die Gläubigerbanken anläßlich der kürzlich beobachteten Bewegungen des Dollarkurses eine besondere Währungssicherung durch eine verstärkte Goldklausel verlangten, deren Annahme wiederum Schwierigkeiten begegnete. Die Reichsbank hat deshalb den Gläubigerbanken angeboten, von der Aenderung dec Währungsklausel abzusehen oder die Rückzahlung des Kredites entgegenzunehmen. Nachdem eine der Gläubigerbanken sich für die Rückzahlung entschieden hat, ist damit zu rechnen, daß in den nächsten Togen die entsprechenden Goldbewegungen stattfinden werden.
Dazu wird amtlich folgende Erläuterung gegeben: „Sn finanzpolitischen Kreisen ist die Ankündigung, daß die Reichsbank den Rest von 70 Millionen Dollar aus dem Rediskont zurück- zuzahlen beabsichtigt, mit großer Ruhe, man kann vielleicht sagen mit Befriedigung ausgenommen worden. Es handelt sich dabei bekanntlich um den Rediskont, den die Federal Reserve Bank, die Bank von England, die Bank von Frankreich und die B. S. Z. der Reichsbank zur Verfügung gestellt hatten, als im Juli 1931 die großen Goldabzüge die Erschütterungen des deutschen Finanz- und Wirtschaftslebens herbeigeführt hatten. Damals bestand die Befürchtung, daß die llnterschrcitung der 4 0 p r o z e n t i g e n Deckungsgrenze eine Gefahr für die deutsche Währung bedeuten könnte. Daß diese Befürchtung grundlos war, hat sich inzwischen gezeigt, denn die Deckungsgrenze ist schon seit anderthalb Sahren unterschritten.
Die Rückzahlung des Kredits wird vor allem deshalb begrüßt, well es fast noch jedes- I mal Schwierigkeiten gegeben hat, wenn wieder ein neuer Fälligkeitstermin eintrat. Namentlich |
ist noch sehr gut in Erinnerung, wie Die Bank von Frankreich verschiedentlich den Versuch gemacht hat. politische Geschäfte mit der Verlängerung des Kredits zu verbinden. Deshalb hat sich die Reichsbank, als nun neue Forderungen wegen der Goldklausel kamen, entschlossen, den Kredit einfach zurück- z u z a h l e n. Dieser Entschluß erspart der Reichs- bank auch für die Zukunft die Zinszahlungen: und schließlich wird damit nur ein Gedanke verwirklicht. mit dem auch Reichsbankpräsident Luther sich bereits getragen hat.
Irgendeine Beeinträchtigung der Währung ist mit dieser Rückzahlung unte'r keinen Llm ständen verbunden. Sie basiert heute nicht mehr auf der schematischen Golddeckung, sondern es sind ganz andere und wichtigere Maßstäbe für sie gegeben. Sn erster Linie ist in diesem Zusammenhang das Vertrauen zur Reichsbank und namentlich z u r Persönlichkeit des Reichsbankpräsidenten zu nennen. Dazu kommt, daß die Reichsbank durch die D e v i s cnkontingentierung die Bestimmung über den Abfluß von Reichsmark jederzeit fest in der Hand hat: außerdem sind ja auch unsere Zahlungsverpflichtungen durch das Stillhalteabkommen sestgelegt. Unb schließlich ist noch das für die Stabilität der Währung wesentliche Moment zu erwähnen, daß der Geldbedarf dem heimischen Wirtschaf t s b e d a r f a n g e p a ß t ist. Die Reichsbank hat auch, was ein sehr wesentlicher psychologischer Gesichtspunkt bei der Beurteilung der Angelegenheit ist. bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck gebracht, daß es sich bei dem Rediskont nur um geborgte Deckungsmittel handelt.
Uebrigens hat die Bank von England im vergangenen Jahre einen ähnlichen Schritt getan, indem sie einen Rediskont von 110 Millionen Gold pfund an Frankreich und Amerika zurückzahlte. Zusammenfassend kann man nur feststellen, daß der Entschluß der Reichsbank sich von dem Druck dieses Kredits zu befreien, für uns eine Erleichterung bedeutet.
NSDAP, und Stahlhelm in Hessen.
F^r a n k f u r t a. M., 5. April. (WSN.) In einer in Frankfurt a. M. abgehaltenen Führerbesorechung des Stahlhelms wurde von dem Landesfüyrer Kapitän Weiße u. a. folgende Erklärung verlesen:
Die unter Vorsitz des Landesführers versammelten Gau - und Kreisführer des Landesverbands Groß-Hessen des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, erklären hiermit einmütig, daß sie unerschütterlich fest hinter b er Reichsregierung, dem Reichskanzler Adolf Hitler und dem Kabinett Seldte-o. Papen-Hugenderg stehen, ebenso hinter den Länderregierungen in Preußen und Hessen.
Der Landesverband ist in allen seinen Einheiten bereit, mit den Parteien, Organisationen und Bünden^ die ebenso hinter den Regierungen stehen, in eng st er Geschlossenheit und kameradschaftlich st er Zusammenarbeit alle Gegner dieser Regierungen zu bekämpfen. Als parteipolitisch nicht gebunden und von keiner Partei abhängig, lehntderLandesverbandesaber mit aller Entschiedenheit ab, s i ch von irgendeiner Partei beeinflussen zu lassen ober in Abhängigkeit von ir = genbeiner Partei zu geraten. Er ist in slch als Solbatenbunb so fest geschlossen unb so stark, daß er aus eigenen Kräften seine Reihen rein halten kann. Sein Programm heißt Deutschland, sein Ziel ist Deutschland.
Im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen der NSDAP, wurde folgende Veröffentlichung beschlossen Verschiedene Anfragen bezüglich einer Notiz in dec NSDAP.-Presse betr. getroffener Vereinbarungen für die Abhaltung öffentlicher Werbeoersammlungen des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, veranlassen das Landesamt Groß-Hessen, noch eine nähere Vereinbarung mit dem Staats- konimissar für das Polizeiwesen von Hessen, Herrn Dr. Best, bekanntzuaeben: Die getroffenen Vereinbarungen betr. Abhaltung von Stahlhelmoersammlungen entsprechen lediglich dem Wunsche des Staatskommissars sowie der politischen Leitung der NSDAP., irgendwelche Reibungen zu vermeiden und eine kameradschaftliche Zusammenarbeit zu gewährleisten. Es ist kein Kreisleiter der NSDAP, befugt, dem Stahlhelm irgendwelche Vorschriften zu machen. Diese Erklärung ist allen Dienststellen der NS. zugegangen.
Die Neuordnung imBraunschweigerGtahlhelm
Berlin, 4. April. (CAB.) Die Reichspressestelle des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, veröffentlicht folgenden Beschluß desEr st en Bundesführers vom 4. April 1933:
1. Der Lan^eSführer von Braunschweig, Herr Schrader, ist beurlaubt. Zur Klärung der gegen ihn erhobenen schweren Vorwürfe hat er auch selbst ein Disziplinarverfahren gegen sich beantragt. Er bestreitet diese Vorwürfe durchaus.
2. Kommissarischer Landesführer von Braunschweig bleibt General v. Henning aufSchönhvff. Er stellt seinen Stab Braunschweig selbst zusammen.
3. Der Erste Bundesführer Reichsarbeitsminister Franz S e l d t e bestellt einen besonderen Bevollmächtigten für den Verkehr mit den Braunschweiger Behörden. der mit den Absichten der Reichsregierung durchaus vertraut ist.
Die B u n d e s v o r st a n d s s i tz u n g des Stahlhelms stand, wie wir erfahren, unter dem Zeichen des einmütigen Willens zur engsten Kampf - karneradschaft zwischen den drei gleichberechtigten Wehroerbänden der nationalen Bewegung, Stahlhelm, SA. und SS. Es herrschte Uebereinftimmung darüber, daß die lokal aufgetretenen Spannungen überall in kürzester Zeit beseitigt werden müßten. Werter wurde die Ueberzeugung zum Ausdruck gebracht, daß es dem entschiedenen Eingreifen des Reichskanzlers Adolf Hitler als Führer der nationalsozialistischen Bewegung unb bes Ministers für Arbeit unb Iugenb, Franz Selbte, als erstem Bundesführer des Stahlhelms, unbedingt gelingen müsse, ein ehrlichesZusammenarbeit en unter Wahrung voll st er Selbständigkeit beider Gruppen herbeizuführen.
Keine Strafverfolgung studentischer Mensuren.
Berlin, 5. April. (TU.) Wie amtlich mit- getellt wird, hat der Kommissar des Reiches für das preußische Sustizministerium. Landtags- Präsident Kerrl. den Staatsanwaltschaften zu der Frage der Strafverfolgung studentischer Mensuren in einem soeben ergangenen Erlaß neue Richtlinien erteilt. Der Erlaß betont, die Freude an der Mensur entspringe dem Kampfgeist, der in der akademischen Sugend nicht gehemmt, sondern gefördert werden müsse. Er weist darauf hin, daß Mensuren den Persönlichen Mut stählen. Selbstbeherrschung verlangen unb die Willenskraft stärken. Sn einer Zeit, welche die Erziehung der rnännlichen Sugend imGeiste der We hrhaftigkeit mit allem Rachdruck fördere, habe die Oeffentlichkeit kein Snteresse an der Unterbindung der studentischen Mensuren. Schon bisher hatten zahlreiche Gerichte dahin entschieden, daß die studentischen Schlägermensuren keine strafbare Handlung seien. Dieser Auffassung tritt Reichskommissar Kerrl bei und ersucht die Staatsanwaltschaften, von der Verfolgung studentischer Schlägermensuren, wenn die dabei üblichen Vorsichtsmaßregeln angewendet worden seien, abzusehen. Gleichzeitig hat der Reichskommissar den Kommissar für das preußische Ministerium des Snnern gebeten. die Polizeibehörden mit entsprechender Weisung zu versehen.
Das neue Beanttengesetz.
Berlin, 5. April. Das neue Beamtengesetz, das am Freitag vom Reichskabinett verabschiedet werden soll, bezweckt, wie der „Lokalanzeiger" meldet, die Aufrechterhaltung des Bern f s b e a m t e n t u m s. So wird das Gesetz emen Eignungsparagraphen enthalten der bestimmt, unter welchen Voraussetzungen ein Beamter, der nicht die gesamte Beamte n l a u f b a h n hinter sich hat, für die Heber- nahme von Posten in der Verwaltung des Staates und der Gemeinden geeignet ist. Es werden Bestimmungen getroffen werden, wo- nach bei der P ensionierung oder Ent
lassung von PartekLuchbcamken bestehenden finanziellen Verpflichtungen her- ab gefetzt werden können. Einzelheiten sind noch nicht festgelegt. Das Beamtengeseh wird sich ober besonders gegen diejenigen Beamten richten, bei denen Verfehlungen festgestellt worden sind. Die Verfehlungen werden selbstverständlich im Rahmen des gesetzlichen Disziplinarverfahrens nachgeprüft werden. Bei solchen Beamten wird die Zahlung einer Pension ausgeschlossen sein.
Ein Komplott zur Verächtlichmachung des Reichskanzlers aufgedeckt.
München, 5. April. (TU.) Die Polizei- dcrektion teilt mit: Die bayerische Politische Polizei verhaftete am Samstag zehn Personen, welche sich zur Aufgabe gestellt Haben, den Reichskanzler Adolf Hitler im Sn- und Auslande verächtlich zu machen. Sie stellten in der Wohnung einer hiesigen Sübin eine Gruppenaufnahme her, welche den Reichskanzler inmitten von Animierdamen auf einem Divan sitzend darstellt. Einer der Festgenommenen war a l s Reichskanzler verkleidet. Die übrigen beteiligten Damen und Herren hatten den Arm zum nationalsozialistischen Parteigruß erhoben. Es konnten mehrere Abzüge, sowie die zur Aufnahme verwendeten Platten beschlagnahmt werden. Einige Abzüge sind bereits von den Herstellern ins Ausland sowie an Stellen im Snland verschickt worden. Der bayerischen Politischen Polizei ist es damit gelungen, eine jener Stellen zu fassen, die für die Auslandhehc gegen Deutschland und gegen den Reichskanzler Adolf Hitler verantwortlich zu machen lind.
Oer Rundfunk schließt 6 ausländische Musiker aus.
Berlin 5. April. (ERB.) Der kommissarische Intendant des Deutschlandsenders Stoffregcn ^bk bekannt: Einer Pressemeldung zufolge haben
Dirigenten und Musiker in USA. sich wegen Ablehnung gewisser jüdischer und marxistischer Berufsgenossen in Deutschland „bcschwerdeführend" an den Herrn Reichskanzler gewandt. Es handelt sich um die Herren Tose anini, Walter Damrosch S. Kussevihkh, A. Bodansky. Harold Bauer, G a b r i l o w i t s ch. Bis zur Aufklärung dieses Falles ordne ich an, daß Kompositionen und Schallplatten 'b er vorstehenden Herren im Programm des Deutschlandsenders nicht mehr anzusetzen ■ finb und daß auch keine musikalischen Veranstaltungen aus Konzertsälen oder von anderen Sendern übernommen werden, an denen vorstehende Herren in irgendeiner Form beteiligt sind.
Oer Essener Oberbürgermeister beurlaubt.
Düsseldorf, 5. April. (WTD.) Der Regierungspräsident hat den Essener Oberbürgermeister Schäfer auf eigenen Antrag bis auf weiteres beurlaubt. Die Beurlaubung.ist wre es in der Verlautbarung heißt, lediglich mit -Rücksicht auf die politische Lage erfolgt und findet weder in der Person noch in dec Amtsführung des Oberbürgermeisters ihren Grund. Mit der vorläufigen Wahrnehmung der A m t s g e s ch ä f t e des Oberbürgermeisters hat der Regierungspräsident im Einvernehmen mit dem preußischen Snnenministerium Dr. phil. Reismann-Grone in Essen kommissarisch beauftragt, der bekanntlich unlängst aus der Verlagsleitung der „Rheinisch-Westfälischen Z e i t u n g", die er über 30 Sahre geleitet hatte, ausgeschieben war.
Gießener Stavttheaier.
Hans Christoph Äae gcl: „Andreas Holtmann."
Der Schlesier Hans Christoph K a e r g e l, heute 44 Sahre alt, ist zwar in der Stadt Striegau geboten, hat sich aber, wie er selber über den Wandergang seines Lebens schreibt, immer als bäuerlicher Mensch, der heimatlichen Scholle und vor allem dem väterlichen Windmühlengewese im Freystädter Kreis innerlich verbunden gefühlt. Diese Verbundenheit hat auch die spätere Tätigkeit auf der Präparandenanstalt und dem Bunzlauer Seminar, hernach als Dorfschulmeister in Weihwasser und als Theaterkritiker in Dresden nie aufheben können; und eine Reise nach Amerika erst recht nicht. Sm Gegenteil: Kaergel bat das Beste von dem, was er geschrieben hat, aus dieser immer lebendigen Beziehung zur heimatlichen Umwelt und zum Lande seiner Väter geschöpft: von seinen zahlreichen Büchern nennen
<Pter oie Romane „Des Heilands zweites Gesicht' , „Das Marienwunder", „Heinrich Bud- schlSk" „Zingel gibt ein Zeichen" und „Ein Mann stellt sich dem Schicksal": dazu die Dramen „Volk ohne Heimat", „Bauer unterm Hammer" und „Andreas Hollmann".
Heber den Sinn dieses zuletzt erwähnten Schau- sp.selsH. das im Februar d. S- mit Erfolg am Sächsischen Staatstheater in Dresden seine Uraufführung erlebte, schreibt Kaergel selber in einer Einführung: „... überall begegnet dir ein Andreas Hollmann. Und wenn du ihn fragst, wohin willst du denn? Warum klagst du denn?
schrot ,er dir das Sehnsuchtswort jedes Schlesiers aus tiefstem Herzen entgegen: „Heem will lech — suste nischt — ock heem!" Heem! Richt in einen Staat, sondern heem in das Volk auf daß Frieden herrscht über dem deutschen Dache und über der deutschen Erde Sonne, -“Ono unb (Sterne aufgehen mögen über ein Gesthlecht, das diese Heimat verdient!" Mit solchen Sätzen ist schon der Grundakkord angeschlagen und das Generalthema gegeben für das Schauspiel, welches das Schicksal einer kleinen schlesiichen Gemeinde im Riesengebirge behandelt.
Ein Bauerndrama, ein Volksstück, ein Heimatschauspiel: die Fabel ist hochaktuell: in drei Akten wird geschildert der verzweifelte und erbitterte Kampf einer grenzländischen, sudetendeutschen Dorfgemeinschaft um ihr angestammtes Recht, um ihr Volkstum und ihre ererbte Scholle.
*) Hans-Christoph Kaergel: Andreas Hollman n. Ein Schauspiel in drei Akten. 79 Seiten. Sm Dietzmann-Verlag, Leipzig. — (92.)
OWnarggt-unft und eigentlicher Brennpunkt dieses K.'.mpses ist das zähe Ringen der Bauern um ihre deutsche Schute — gegen den übermächtigen tschechoslowakischen Staat; sie empfinden ganz richtig: „Die Schule ist denen bloß em Vorwand. Die wollen uns alle an a Kragen — wir sollen eben fein deutsches Dorf Ehr sein." Sn diesem hoffnungsarmen Kampf um die Schule, um das natürliche Recht gegen ein widersinniges Staatsgesetz, um die Zukunft der Kinder und damit um das gemeinsame deutsche Schicksal hier an der Grenze steht der Gastwirt und Gemeindevorsteher Hollmann, ein starker, ehrenhafter, aufrechter Mann, in vorderster Linie. Seine Stimme hebt sich aus dem Chorus der erregt Streitenden immer wieder machtvoll und wegweisend heraus.
Dieser Hollmann ist auch der tragische Held des Dramas: weil ihm sein ehrlicher Kampf von den eigenen Volksgenossen schnöde Der» oacbtigt wird und weil sein Sohn gegen den Willen des Vaters und gegen das Gesetz aus deutscher Gesinnung seine Pflicht verletzt. Eine zweite Handlung taucht neben der ersten auf — neben dem Schulproblem die Rekrutenfrage —, und diese zweite Handlung gewinnt die Oberhand und bestimmt nun den ferneren Ablauf des Dramas entscheidend.
Aber beides ist in diesem Zusammenhang nicht von einander zu trennen. Sinmer wieder fällt r^'2Sort: geht ums Ganze! Hnd um die
gleiche gemeinsame Sache aller in der Gemeinde, ob nun der Kampf um die Schulkinder oder um Die eben für die tschechische Armee ausgehobenen Rekruten geht. Wie der Sunge desertiert, wie Der Vater ihn deckt und dafür ins Gefängnis muß, wie er später den Sohn von sich weist und dann doch gegen den fremden Gendarm zu ihm hält und ihn endlich, in starrem Pflichtgefühl, zum Gesetz zurückfuhrt: das sind alles Szenen aus dem Kampf der deutschen Bauern an der Grenze um ihr Volkstum, ihre Selbstbestimmung, ihr Recht und die Zukunft ihrer K^der, — aus einem Kampf, von dem viele
Reich zu wenig wissen ober gar nichts ahnen. As ist Kaergels Verdienst, mit seinem „Andreas Hollmann' ein eindringliches und aufrüttelndes Bild von der Rot des bedrängten und bedrohten Deutschtums im Osten gegeben zu haben.
Der Dramaturg Wolfgang Kühne hatte die Spielleitung; er empfand die Gegenwartsnahe und brennende Aktualität des Schauspiels und brachte seine mahnende und anklägerische Handlung zu unmittelbar zündender Wirkung. Die drei Akte standen in ihrer einfachen Tatsächlich- kelk und der schlichten und bäuerlichen Rede ihrer Gestalten geschlossen und wuchtig nebeneinander. Die Bühnenbilder von Löffler bauten
den Schauplatz, Wirtsstube und Küche bei Hott- mann in ruhigen und sparsamen Formen vor dem Zuschauer auf.
Andreas Hollmann war Peter F a s s o t t: er wuchs aus der überlegenen Gelassenheit der Eingangsszenen allmählich mit starker Steigerung in das echte Pathos einer tragisch umleuchteten Gestalt hinein: gefährlich aufgereckt unter Den auf ihn hereinbrechenden Schicksals- fchlagen stand er im Mittelpunkt der erregten ?dCn™«.lf ein Dauer, als ein Mann des Rechtes, der Pflicht und der Freiheit — auf seinem Grund und Boden unerschütterlich.
Freundliche Wiederbegegnung mit Frau Auguste Prasch-Grevenberg, die hier bei uns immer ein gern gesehener Gast ist; sie spielte die alte Frau Anna Hollmann: neben dem erd- verwurzelten Mann eine fast zarte Erscheinung, gute, ängstliche und mütterliche Frau, mitten im Geschrei und Aufruhr der Männer um sie herum, wehrlos gegen das Unglück, das sie trifft, immer zitternd um Leben und Sicherheit der Shren. Eine schöne und zu Herzen gehende
Den Kraus spielte Herr Hauer mit einem aufwühlenden Temperament überzeugend und > n richtig. Auch die anderen Kleinbauern bildeten eine geschlossene, in sich gut charakteri- jiertc Gruppe bodenständiger Gestalten: V o 1 ck J ch et. 5 u 6 Sieten und R i e r e N. Den tlchechischen Gendarmen gab Herr Hehser schacl pp, mit überlegener Siegerhaltung. Ganz schlicht: Maria K o ch in einer kleinen Szene mit der Hiobsbotschaft der Frau Kraus. Die Herren Eggemann (als der heißblütig aufbegehrende *Ucj. «IImann) und Geiger (als treuherzig- rechtschaffener Knecht Adolph) standen ebenfalls feder auf seinem Posten ihren Mann.
Stück und Darstellung fanden verdientermaßen starken Beifall. hthu
,/Dec Choral von Lenihen." Lichtspielhaus.
Reichspräsident von Hindenburg hat mit oen folgenden Worten diesem letzten in der Reibe Der Fridericus-Filme ein Motto gegeben: Dec Geist von Leuthen war nicht nur der Geist der Tapferkeit und des Wagemutes, sondern auch der Treue, des Pflichtgefühls, der Vaterlandsliebe und des Gottoertrauens". Die große historische und heroisch gestimmte Grundmelodie des Werkes entwickelt sich aus ruhigem, stimmungsvollem Natur- eingang und einer halb heiteren, halb balladesken Liebesgeschichte zwischen einem preußischen Rittwelster und der Komteß von Mudrach aus Schloß
Lissa. Aber diese privaten und episodenhaften Szenen münden bald in den großen Strom historischer Bilder, die sich an das Jahr 1757 und an den Namen Leuthen knüpfen. Walter von Molo hat diesen Teil des Siebenjährigen Krieges in freier, dichterisch-konzentrierender Form in seinem schönen „Fridericus"-Roman bezwingend geschildert; sein Buch gab auch die literarische Grundlage für die im Mittelpunkt des Werkes stehenden Motive: vor allem in jenen denkwürdigen nächtlichen Szenen vor der Entscheidungsschlacht. Der Regisseur Carl Froelich hat sie (wenigstens zum Teil oder andeutungsweise) übernommen; der Höhepunkt seiner Regie liegt in den eigentlichen Schlachtszenen, die ihrerseits wiederum im berühmten Sturm auf den Kirchhof gipfeln, wofür übrigens eine bekannte Historienmalerei Modell gestanden zu haben scheint. Wir haben früher schon in einer Regie-Reportage geschildert, wie diese Szenen entstanden sind: fast dreitausend Mann (unter Mitwirkung der Reichswehr) wurden auf dem Felde von Döberitz zu imponierender Entfaltung gebracht und zum Sturm der Bataillone und der Reiterattacke gegliedert und eingesetzt. Das Choralmotiv „Nun danket alle Gott" verbindet sich mit der bekannten friderizianischen Anekdote von Lissa zu einem starken und stimmungsvollen Ausklang, in den auch die freundlich zum Abschluß gebrachte, idyllische Liebesgeschichte zwanglos mit einbezogen wird. — Otto Gebühr gibt ben König, und es ist wiederum erstaunlich, mit welch einer überzeugenden Porträtähnlichkeit in Maske und Erscheinung er die Gestalt erfaßt und vertieft: und zwar ^sympathischerweise vor allem in öen gewichtigen, stilleren Jnnenszenen im nächtlichen Quartier, bei der großartigen Ansprache an die Generale vor dem Angriff und in der abendlichen Episode von Lissa bei den Oesterreichern: „Bon soir, Messieurs!" Aus der großen Solobesetzung hebt sich eine Reihe markanter Köpfe und Figuren heraus: Harry Frank, frisch und männlich als Rittmeister von Wustrow; die Tschechowa als pi- kannte Gräfin Mariann: die zarte Elga Brink als Comteß Charlotte: Paul Otto, sehr nobel als Prinz Heinrich; Veit Harlan als preußischer Grenadier; bei den Oesterreichern: Walter Janssen Paul Richter und Anton P o i n t n e r. — Marc Roland schrieb, unter Benutzung historischer Motive, die Musik.
Eine Feftoorstellung gab der Vorführung des Films gestern abend einen würdigen Rahmen. Die Spitzen aller Behörden bekundeten durch ihren Besuch das Interesse, das dieses Filmwerk bei ihnen gefunden hat. Unsere Garnison war durch zahlreiche Herren des Offizierkorps vertreten. Die Militärkapelle unter Obermusikmeister K r a u ß e bereichen- den Abend durch mehrere schneidig dargebotene Militarmärsche, die das Publikum zu starkem Beifall veranlaßten. Das Haus war dis auf den letzten Platz ausverkauft.


