Ausgabe 
6.4.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

Kanzler-

ehr anzuseh ikalischen Teranst

einigungen

Oie Jagd im April

Knospen

ge- ge.

und Sprießen allenthalben! Grüner über den Wiesen, sattgrüne Saaten

storben; 1870: der Komponist Oskar Strauß in Wien geboren.

stellungstages beantragt werden können.

Taten für Tonncrstag, 6. April.

1520: der Maler Raffael Santi in Rom storben: 1528: Albrecht Dürer in Rürnberg

jetzt die Wildpflege. Dem meisten Rutzwild hat der Gesetzgeber seinen Schutz angedcihen lassen, damit es ungestört legen und brüten, sehen und seine Jungen aufziehen kann.

Dieses Recht hat zum ersten Male in diesen Tagen ein deutsches Land sogar unserem ein­zigen wehrhaften und so verfehmten Wilde, dem Schwarzwild, zuerkannt. Das neue Jagd­gesetz von Mecklenburg-Strelitz gesteht der füh­renden Rache eine Schonzeit im April und Mai zu und erkennt damit die weidmännische Auf­fassung an, daß es eine Gemeinheit und eines wahren Jägers unwürdig ist, die Dache von den Frischlingen wegzuschiehen und die Kleinen dem Hungertode zu überliefern.

Der Rothirsch beginnt schon wieder, seinen neuen Kopfschmuck zu schieben. Gerade jetzt sind Salzlecten unbedingt am Platze.

Das Rehwild steht gern in sonnigen Dor­hölzern und tritt auf die Saaten zur Aesung aus. Dieser Liebergang von der winterlichen Trockenäsung zur Grünäsung bringt besonders dann, wenn er sich sehr rasch vollzieht, oft Er­krankungen und Eingänge mit sich. Darbieten von Lecksalz wie von Eicheln hat sich als Diätmittel immer bewährt und schützt vor vermeidbaren Derlusten. Fegestellen verraten dem Weidmanns­augen den Stand oder Wechsel des Dockes. Dald werden die guten Döcke gefegt haben, und es kann nun in aller Ruhe em Sichten von Spreu und Weizen beginnen. Denn noch darf die Büchse nicht sprechen, und gut ist es, wenn sich bei Iagdaufgang der Jagdherr über seinen Destand im Klaren ist.

Das Frühjahrswetter meinte es mit dem Hascnnachwuchs bis jetzt gut. Doch wird die Hasenjagd nur dann ergiebig fein, wenn Krähen. Elstern, Wiesel, Iltis, Katzen und Hunde mit allen Mitteln bekämpft werden. Sie sind die größten Feinde einer Hebung der Äiederjagd.

In Marlepartus sind Junge. Die Zeit naht heran, wo Frau Crmeline am meisten raubt. Wer darin einen Grund sieht, die Fähe abzu- schießen, ohne gleichzeitig die hilflosen Jungen zu graben, ist ein Aasjäger!

Auch im Dachsbau, dessen Dewohner eifrig zur Rachtzeit um sich gehen, sind Iungdächse.

Reben der Bekämpfung der W i l d f e i n d e . dem Abschießen der Krähen am Horst oder ihrer Einschränkung durch Phosphorcier, dem Fang des Wiesels in Kastenfallen, gibt es noch mancherlei Einrichtungsarbeiten im Revier, für die es Zeit ist. Wo kleine Remisen als Schutz für das Wild angelegt werden sollen, ist die Pflanzzeit ge­kommen. Die Ausgaben sind gering, der Rutzen hoch! Die Kanzeln und Leitern sind nachzusehen und auszubessem, neue anzubringen, wo sie feh­len. Denn es gibt keinen besseren Ort, um un­bemerkt sein Revier und sein Wild kennen zu lernen. Auch der Pirschpfad erleichtert dieses Bestreben sehr. Rechen und Besen gehören des­wegen genau so im April zur Ausrüstung des Jägers wie Hammer, Säge und Rägel.

Rur wo auch in der ruhigen Zeit stets das Auge des Weidmanns über seinem Wilde wacht und das Iägcrherz sich um es sorgt, erwächst wahres Weidwerk. Hubertus.

t von anderen Een« n denen vorstehende beteiligt sind.

ürgermeifler

(am.) Lec Ae< Essener Oberbürger* en Antrag bis auf 1 Beurlaubung, ist, heißt, lediglich mit e erfolgt und findet der Amtsführung Grund. Mi der ehmung der rbürgermeisters hat Einvernehmen mit nisterium Dr. phil. Essen kommissarisch unlängst aus der nisch-Destfäli- >er 30 Jahre geleitet

Kirche und Schule.

Landkreis Gießen.

CO Klein-Linden, 5. April. Die erste Volks- schulklasse und ihr Klassenlehrer hatten die Eltern, Lehrer und Freunde der Schule zu einer Entlass sungsfeier in den geschmückten Schulsaal cim geladen. Die Kinder trugen Gedichte mannigfacher Art und mehrstimmige Chöre vor. Eine kurze Un­terrichtsstunde machte die Erwachsenen mit den Zie­len in der Raumlehre bekannt. Lehrer Roth als Klassenlehrer hielt eine Ansprache. Lehrer Keil als Schulleiter sprach über nationale Jugenderziehung und Erziehung zur Opferfreudigkeit und Vaterlands­liebe und wies auf die Helden der deutschen Ge schichte hin. Im Anschluß an die Feier war den Gästen Gelegenheit gegeben, durch eine A u s st e l - lung von Schüler Zeichnungen der Ober­klasse einen Einblick in die Vielseitigkeit im Zeichen­unterricht zu gewinnen. Zur Entlassung gelangten 29 Schüler, 14 Knaben und 15 Mädchen

0 Holzheim, 5. April. Im Gottesdienst am Sonntagvormittag wurde durch den Ortsgeistlichen Pfarrer Schmidt unter stärkster Beteiligung der Gemeinde die Vorstellung der Konfirma n- de-n (4 Knaben, 11 Mädchen) oorgenommen. In unserer kirchlichen Filiale Dors-Gill fand die Vorstellung ebenfalls am Sonntagmorgen statt. Dort waren es 4 Knaben und 3 Mädchen.

Kreis Schotten.

wg. Schotten, 5. April. Die 34 Konfir­manden des Kirchspiels Schotten I nebst zwei Realschülern von auswärts, die am hiesigen Kon­firmandenunterricht teilgenommen hatten, wurden am Sonntag in unsrer Stadtkirche öffentlich vor­gestellt und geprüft.

Deutsche Arbeit in Venezuela.

Ein Gedenktag in der deutschen Giedlungö- und Kolonialgefchichte.

Von Studienassessor Dr. Rudolf Freymann.

marxistischen Bestrebungen dienen, also auch für Turn- und Sportvereine, Wander- vereine, Jugendvereine und alle sonstigen Der- mit marxistischem Einschlag zur Der-

Schimmer , . ,

auf den Feldern. Das Geißblatt, das sich am

liche Zahl seinem Ruf. Die Uebersahrt verlief jedoch für die wackeren Leute sehr ungünstig. Auf der ge­fahrvollen Reise brachen die Pocken aus und sorder ton 70 Opfer. Auch die Ankunft in La Guardia brachte manche Enttäuschungen mit sich. In diesem Hasen herrschte die Pest, und so mußten die Kolo nisten aus manche für ihre Ankunft vorgesehene Be­quemlichkeit verzichten. Dann kam ein langer und überaus schwieriger Ausstieg zu ihrem künftigen Wohnsitz. Auf großen Umwegen erreichten sie diesen erst nach wochenlangen Wanderungen. Für die An­siedlung der Deutschen hatte die begüterte Familie Xooar 4000 Hektar Urwaldland in einer Höhe von 1700 bis 2000 Meter in einem gesunden Klima zur Verfügung gestellt. Rach der Familie Tovar wurde die Siedlung benannt.

Die erste Zeit war für die Kolonisten sehr unheil­voll. Die Regierung hatte zwar genügende Mittel bewilligt, aber Veruntreuungen hatten sie geschmälert. Die 200 Holzfäller, die gesandt wurden, um Acker- und Baugrund freizulegen, entzogen sich der Arbeit durch die Flucht. Es ist verständlich, daß unter den Kolonisten viel Mißmut entstand, zudem Krankheiten die Kolonisten befielen. Bei den min­derwertigen Elementen trat Faulheit, Liderlichkeit und Trunksucht in weitem Ausmaße ein. Aber nach­dem der bessere Teil schließlich doch die Oberhand gewann, entstand im Laufe der Zeit ein anmutiges Dorf mit 85 Häusern deutscher Bauart, mit Kirche, Schule, Wirtshaus, Sägewerk, Kornmühle, Schläch­terei, Brauerei, sowie mehreren Ziegeleien.

Die Kolonisten, zu denen sich später einige Pfäl zer und Hessen gesellten, bildeten eine selbstän dige Gemeinde, wählten ihren eigenen Bürger­meister und blieben vom Militärdienst befreit. Zur Reinhaltung des Deutschtums mußte jeder das Dorf verlassen, der sich mit Eingeborenen verheiraten wollte. In den sechziger Jahren wurde die Kolonie während der Bürgerkriege saft vollständig zerstört. Aber durch die zähe Ausdauer der Ko­lonisten blühte die Siedlung wieder auf. In Sitte, Bräuchen und Lebensweise sind die Tovarer ihrer alten Heimat treu geblieben. Ende des vorigen Jahrhunderts gingen sie jedoch vom wenig ergiebi gen Körnerbau zur Kultur von Mais und Kaffee über.

Das Fehlen von Schule und Lehrern führte je­doch dazu, daß die Tovarer nahe daran waren, ihre Muttersprache zu verlieren, bediente sich doch die Heranwachsende Generation in der Zeit vor dem Kriege fast ausschließlich der spanischen Sprache. Der Weltkrieg wirkte, wie in jo vielen aus- landdeutschen Gebieten, auch hier rückerobernd für die deutsche Sache. Die Tovarer besannen sich auf ihr Deutschtum und es wurden 1000 Bolivar für das Deutsche Rote Kreuz gesammelt. Ein Schulhaus wurde gebaut, in das der langersehnte deutsche Leh­rer einzog.

Die ungünstige Verkehrslage verhindert ein stär­keres Aufblühen von Tovar, das 1920 850 Seelen zählte. In den letzten Jahren setzte jedoch ein rege­rer Verkehr der Deutschen aus Caracas, der Haupt­stadt des Landes nach Tovar ein. Tovar kann sich dank seinem gesunden Klima und der schönen Um­gebung zu einem Ausflugs- und Erholungsort ent­wickeln. Möge dieser Verkehr die Bande zwischen den Kolonisten von Tovar und den Reichsausland­deutschen und somit auch nach der deutschen Heimat wieder stärken.

Außer in der Siedlung Tovar sind deutsche Land­siedler nur noch in verschwindend geringem Maße vorhanden. Im Westen des Landes sind etwa 4 o deutsche Grundbesitzer ansässig. Der größte Teil der Deutschen in Venezuela ist jedoch nicht bodenständig, sondern wohnt in den Städten des Landes. Die Zahl der Deutschen in den Städten Venezuelas dürfte, wie bereits angegeben, etwa 3000 betragen. Als Kaufleute, Handwerker ufw. haben die Venezueladeutschen in hohem Maße für die Vermehrung deutscher Geltung und deutschen Ansehens in Ueberfee beigetragen. So ging vor dem Kriege weit mehr als die Hälfte des Außenhandels von Venezuela durch deutsche Hände. Beim Bau von Bahnen und bei der Ausbeutung der Petro­leumfelder von Maracaibo ist deutsches Kapi­tal und deutsche Arbeitskraft stark heran­gezogen worden. Wie stark der deutsche Einfluß war, ist daraus zu erkennen, daß Venezuela im Weltkrieg neutral blieb. In Caracas, wo die stärkste deutsche Kolonie ist, besteht eine deutsche Schule. Die deutschen Vereine bilden den Mittelpunkt des deut­schen gesellschaftlichen Lebens.

Es ist zu hoffen, daß die zukünftige Entwicklung dazu beitragen wird, daß das Deutschtum in Venezuela seine durch den Krieg geschwächte Stellung wieder voll ausbauen kann.

fügung gestellt werden. Die BoUzugsmeldung muh bis zum 30. April eingegangen sein.

VornoNzcrr.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, als 26 BorsteUung im Freitag-Abonnemcnt zu ge­wöhnlichen Preisen Wiederholung des Schau­spiels ..Andreas Hollmann" von Hans-Christoph Kaergel mit Frau Auguste Prasch-Greven- berg. Ehrenmitglied des Meininger Landes­theaters. als Frau Hollmann unter Wolfgang Kühnes Spielleitung. Gewöhnliche Preise. An- fang 20 llf)r; Ende 22 Uhr.Bor Sonnen­untergang" mit Intendant Dr. Prasch in der Rolle des Geheimrats Claasen und unter der Regie des Intendanten gelangt am Sonntag. 9. April, als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen zum letztenmal zur Aufführung. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß von jetzt ab die sonntäglichen Fremdenvor- stellungcn er st um 19 Uhr beginnen. Außerdem weist die Theaterkasse darauf hin, daß Umtauschgutscheine nur bis 13 Uhr des Dor-

unb episodenhaften großen Strom h'sto- > W 1757 und an Mer von Molo gen Krieges in freier, m in feinem schone" end geschildert: W Zrundlagc für d.etm itn Motive: vor allem chen Szenen vor der liffeur Carl Fr°e- -eil oder andeutungs- lepunft feiner Regle ichlszenen, d:e ihrer' sturm auf den Kirch- e bekanntehiftom^ haben tdjemt Regie-Repoye 9 Banden smd. M DOn Löberitz ZU 'M -ZS kfr«»;

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6 ausländische ö.

Haselstrauch emporwindet, zeigt die ersten Blätt­chen, des Huflattichs gelbe Blüten schmücken Haldon und Raine, und blattlos gleich ihm steht der Seidelbast im Schmucke seiner betäubend duftenden Blüten. Wo die Obstbäume am sonni­gen Hange stehen, sind die Deilchen erblüht, und bald werden Anemone, Himmelsschlüssel, Lerchen­sporn und Lungenkraut den Bvoen des Laub­waldes in einen bunten Teppich verwandeln. Bon früh bis spät ertönt der Dögel Lied, hoch im Himmelsblau kreist das Bussardpaar im Hochzeitsflug, und fleißig tragen die Krähen Reisig, Moos und Gras zum Horstbaum. Der Frühling ist eingekehrt in Wald und Feld.

Im Morgengrauensingt" der Auerhahn im Gebirgswald sein eigenartige^ Minnelied.

Gleich ihm wirbt in Heide und Moor sein luftiger Better, der Birkhahn, in den alten, wiedererstandenen Farben des Deutschen Reiches um die Gunst der Hennen.

Lebhaft geht es im Fasanenrevier zu. Des Fasanenhahnes rauher Balzrus kündet das Frühjahr, und die Hennen aller Wildhuhnarten beginnen mit dem Gelege.

Auch der unverkennbare Lockruf des Reb- Hahnes tönt morgens und im Abenddämmern über die Felder. Die Hühner sind gepaart und schreiten dort, wo genügend Deckung vorhanden ist, bald zur Brut.

Der Zug der Waldschnepfe, der nach sei­nem Einsehen um die Monatsmitte in diesem Jahre keine Stockung erfuhr, wird sich noch bis in den Monatsanfang hinein ausdehnen und den, der Sinn hat für die Eigenart des Schncpfen- striches um die Uhlenflucht im Frühlingswald, noch manchmal hinauslocken. Am 15. April endigt dann in Hessen wie in Preußen die Schuhzeit des Bogels mit dem langen Gesicht. Da Brut- schnepfcn mit fertigem Gelege bei uns schon wiederholt am Monatsanfang beobachtet wurden, ist Zurückhaltung beim Schuß auf stumm strei­chende Schnepfen ebenso geboten wie die Unter­lassung des Buschierens, das nur im Herbst weidmännisch sein sollte.

Auch die Bekassine, die in nassen Wiesen oder an Bach- und Flußufern liegt, ist noch bis zum 15. schußbar und bietet gute Arbeitsmöglich­keit für Schütze und Hund. Rur wenigen ist es vergönnt, den großen Hahn im dämmernden Frühlingswald anzuspringen. Dem Weidmann, der dieses Weidwcrk nicht pflegen kann, bietet derHahn des kleinen Mannes", der rufende Tauber einen willkommenen Ersatz. Doch ist vielfach noch nicht bekannt, daß seit dem Dorjahr die Wildtauben auch in Hessen eine Schon­zeit vom 15. April bis zum 15. Juli genießen. Bei dieser Gelegenheit sei wiederholt, weil man immer auf Unkenntnis der Bestimmungen trifft, darauf hingewiesen, daß sämtliche Raubvögel außer Habicht und Sperber das ganze Jahr hindurch geschützt sind. Rur der Bussard hat eine halbjährige Schußzeit, die am 15. April abläust.

So bietet sich dem Jäger mancherlei Go legenheit zur Betätigung. Aber obenan steht

ääÄ es gefXW d'rd d^list "i.HLlf»;

** Personalveränderungen beim Gießener Grenadier-Bataillon. Mit Wirkung vorn 1. April wurden verseht: Oberleut­nant Wagner zum Regts.-Stab JR. 15, Kassel, Leutnant Fett zur 1. Komp. 15.2R., Gießen. Mit Wirkung vom 1. April wurden ernannt: Ober­leutnant Wagner zum Regts.-Rachr.-Offizier JR. 15. Oberleutnant Knetsch zum Bataillons- Rachr.-Offizier des I. Bataillons 15. 2R.

"Wer sind dieGewinner? Dom Der- kehrsverein Bad-Rauheim wird uns geschrieben: Bei der mit dem Schäserfest in Bad-Rauheim ver­bundenen Lotterie für das Jugendnotwerk fielen auf die Rümmer 4600 ein Kaffeeservice und auf die Rümmer 477 eine Brautaussteuer. Beide Ge­winne sind noch nicht abgeholt. Der Derkehrs» verein Bad-Rauheim bittet, daß sich die Gewinner alsbald melden.

** Oie Portosätze der Osterpostkar t e n. Vorn Reichspostministerium wird mitgeteilt: Gedruckte einfache Osterkarten, die ohne Umschlag versandt werden, unterliegen einer ermäßigten Ge­bühr. In diesen Karten dürfen außer den Absender- angaben (Absendungstag, Name, Stand und Wohn­ort nebst Wohnung des Absenders) noch weitere 5 Wörter, die mit dem gedruckten Wortlaut im Zu­sammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzuge- fügt werden. Solche zulässigen Nachtragungen sind z.B. die üblichen Zusätzesendet",Ihre",Dein Freund",sendet Dir",sendet mit besten Grüßen Ihre" usw. Die Gebühr beträgt sowohl im Orts- bcreich des Aufgabeorts als auch im innerdeutschen Fernverkehr sowie im Verkehr mit der Freien Stadt Danzig, Litauen und Memelgebiet, Luxemburg und Oesterreich für einfache Karten (ohne Umschlag ver­sandt) 3 Rpf., für Karten in offenem Umschlag bis 20 Gramm 4 Rpf.

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Oie Lustbarkeiten in der Karwoche.

Dom Po.lizeiamt Gießen wird uns mit­geteilt:

Aus Grund der Derfügung des Herrn Mini­sters des Innern vom 10. März 1924 und 19. März 1929, sowie des Herrn Staatskommissars für das Polizeiwesen in Hessen vom 31. März 1933 haben am Palmsonntag, 9. April, öffentliche Lust­barkeiten zu unterbleiben. Theatralische und Kinovorführungen werden nur dann zu- gelassen, wenn die Darbietungen ernsten oder belehrenden Inhalts sind und der beson­deren Bedeutung und Weihe dieser Tage ange- paßt sind.

Am Karfreitag, 14. April, sind nach wie vor öffentliche Lustbarkeiten jeder Art, auch solche mit ernstem Hinter­grund, nicht erlaubt.

An den übrigen Tagen der Karwoche einschließ­lich des ersten Osterfeiertags, sind theatra­lische Dorführungen und Konzerte aller Art, einschließlich der Begleitmusik, bei Licht­spielen zulässig, wenn sie ebenfalls ernsten, beleh­renden Inhalts find und der Bedeutung und Weihe dieser Tage angepaßt werden.

Oeffentliche Tanzlu st bark eiten werden für den ersten und zweiten Ofterfeiertag grund­sätzlich nicht genehmigt.

Die für die Karwoche vorgesehenen Konzertpro- gramme sind dem Polizeiamt (Zimmer 40) zwecks Prüfung sofort, spätestens bis 7. April, in dop­pelter Ausfertigung einzureichen.

EineWarnung zum Schuh des Waldes.

Don der Stadtverwaltung wird uns ge­schrieben:

Der am Sonntag, 26. März, in Abteilung 110b des Stadtwaldes ausgebrochene Wald- brand konnte dank dem tatkräftigen Zugreifen des spazierengehenden Publikums alsbald ge­löscht werden, so daß die Stadt vor größerem Schaden bewahrt wurde. Allen denen, die sich in uneigennütziger Weise an den Löscharbeiten be­teiligt haben, sprechen wir hiermit den verbind­lichsten Dank aus.

Ferner machen wir bei dieser Gelegenheit noch­mals darauf aufmerksam, daß das Rauchen und jegliches F e u e r a n z ü n d e n im Wald und in dessen Rähe im Umkreis von 20 Meter vom Waldrand verboten ist. Auch das Betreten von Hegen "nd Abreißen von Weidenkätzchen und dergleichen ist nicht ge- . stattet. Das Forstaufs.chtspersonal ist angewiesen, jede ^Übertretung künftig zur Anzeige zu brin­gen.

Keine Turnhallen mehr für marxistische Vereine.

Der Hessische Minister für Kultus und Bil­dungswesen hat angeordnet, daß vom Beginn des neuen Schuljahres an weder Turnhallen noch Schulsäle oder sonstige zum Schulhaus gehörige Räumlichkeiten für (Bereinigungen oder Deranstaltungen, die offen oder versteckt

Große Strafkammer Gießen.

* Gießen, 4. April. Der frühere Rechner einer Gemeinde der Wetterau, der zugleich auch Unter- erbeber des Finanzaints^Lcchnei des Postagcnten- verbandes und außerdem Rechner eines lanöivirt fchaftlichcn Kreditvereins war, hatte sich wegen 'Amtsoerbrechen, Unterschlagung und Urkunden­fälschung zu verantworten. Eine unvermutet vor- genommene gleichzeitige Revision sämtlicher von ihm geführten Kassen ergab einen ganz erheblichen Fehlbetrag. Infolge langwieriger Erkrankung des Angeklagten konnte die Verhandlung erst jetzt statt­finden. Diese beschränkte sich nach Vernehmung des Angeklagten in der Hauptsache darauf, zunächst die zngezogenen ärztlichen Sachverständigen aber die Frage der strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Angeklagten zu hören. Aus Grund der erstatteten Gutachten kam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß sich der Angeklagte zur Zeit der Begehung der ihm zur Last gelegten strafbaren Handlung in einem Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit befunden hat. Es hielt ihn daher strafrechtlich nicht für verantwortlich und sprach ihn frei.

Der frühere Rechner der Feldbereinigunasgcsell- schast desselben Orts stand ebenfalls unter Anklage der Unterschlagung ihm annertrauter Gelder. Der Angeklagte, der damals dem Trünke ergeben war, behauptete, von anderer Seite hintergangen worden zu fein, konnte aber hierfür keine Beweise erbringen, lieber den Verbleib des Geldes wollte er auch nichts wissen. Nach eingehender Beweisaufnahme und Ver nehmung eines eodjDerftänbigen beantragte die Staatsanwaltschaft gegen den Angeklagten wegen Unterschlagung in Tateinheit mit Untreue eine mehrmonatliche Gefängnisstrafe. Das Gericht hielt noch weitere (Ermittlungen für erforderlich und ver tagte zu diesem Zweck die Verhandlung auf den nächsten Mittwoch.

In diesen Tagen kann das Deutschtum der süd- amerikanischen Republik Venezuela auf ein neunzig­jähriges Bestehen zurückblicken. Am 6. April des Jahres 1843 landeten in einem kleinen Nebenhafen von La Guaira 358 deutsche Siedler, die dann die einzige geschlossene deutsche landwirt­schaftliche Siedlung des Landes begrün­deten. Auf diese Siedlung wird weiter unten näher eingegangen werden.

Die Tatsache des neunzigjährigen Bestehens dieser Siedlung Taoor inmitten eines fremden Staats­wesens, zu der noch etwa 3000 Deutsche in den Städten zuzuzählen sind, mag uns aber auch ver­anlassen, unseren Blick zurückschweifen zu lassen in die Geschichte dieses Landes, da wir damit gleich­zeitig ein wenig bekanntes Stück deutscher Kolonialgeschichte erfassen. Die Geschichte Venezuelas, besonders die Zeit vor 400 Jahren, ver­dient es aber, von uns gewürdigt zu werden, han­delt es sich bei Venezuela doch um das einzige Land Südamerikas, das im Mittelalter vorübergehend unter deutscher Herrschaft gestanden hat.

Aus seiner dritten Reise im Jahre 1498 entdeckte Kolumbus das Festland. Bereits 30 Jahre spä­ter, 1528, kam Venezuela in die Hände der Wel­ser, einer angesehenen Augsburger Kaufmanns­familie, die sich in diesem Jahre mit dem Handels- haufe der E h i n g e r zu Konstanz vergesellschaftete. Die zahlreichen überseeischen Unternehmungen der Welser bewirkten, daß diese in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts d-n Fuggern an Bedeutung nicht nachstanden.

Ob Karl V. das Land den Weisern zum Pfand für Schuldverschreibungen überließ, oder ob es ihnen lediglich zur bergbaulichen Ausbeutung überlassen wurde, mag unerörtert bleiben. Jedenfalls war das Land 28 Jahre lang unter deutscher Herrschaft, und es ist viel zu wenig bekannt, welche beträchtlichen Mittel das Kaufhaus der Welfer aufwandte, um vaterländischem Kapital und deutscher Unlernehmer- lust einen Anteil an den Schätzen und Wunderlän­dern der neuen Welt zu sichern. Ungeheure An­strengungen waren erforderlich, um das Erworbene zu behaupten. Trotzdem scheiterte das große Werk, das einer der wenigen verheißungsvollen A n - fänge einer überseeischen deutschen Kolonialpolitik darstellt.

Der erste Kolonisationsversuch der Welser bestand darin, daß fünfzig Bergleute aus der Gegend von St. Joachimstal gewonnen wurden, um Venezuela bergmännisch zu erschließen. Aber nur einzelne hat­ten Glück, ein großer Teil ging am Klima zu Grunde, viele ließen sich in die Heimat zurückbe­fördern. Von größerer Bedeutung wurde ein ande­res Unternehmen der Welser. Von ihrem Gesell­schafter Ehinger wurden 300 Kolonisten geworben und in das Land gebracht. Die Streitigkeiten zwi­schen Spaniern und Deutschen erschwerten die kolo­nisatorische Tätigkeit jedoch ungeheuer. Nur die Kühnheit und Entschlossenheit der welserschen Statt­halter und Feldherren, Ambrosius Ehinger, Hohermuth, Feder mann und Philipp von Hutten, bewirkten, daß der deutsche Einfluß der vorherrschende blieb. Die Streifzüge dieser kühnen Abenteurer, die in Gebiete eindrangen, die auch heute noch wenig erforscht sind, halten den Leistun­gen Pizarros und (Sorte,) die Waage. Eine Anzahl der noch heute bestehenden Städte wurde von ihnen begründet. Aber derDank des Hauses Habsburg" blieb nicht aus, wie Gröhe treffend bemerkt. Im Jahre 1556 mußten die Welfer auf Drängen der neidischen Spanier Verzicht auf das Gebiet leisten.

Die zweite Periode deutscher Tätigkeit in Vene­zuela setzt erst in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ein. Im Jahre 1811 trennte sich Ve­nezuela von Spanien und bildete bis 1830 einen Teil von Kolumbien. In diesem Jahre riß es sich los und bildete fortan einen selbständigen Staat. Nicht ohne Interesse für uns Deutsche ist es zu er­fahren, daß auch zwei Deutsche Uslar und Lützow zu den bedeutendsten Unterführern Bolivars gehörten. Die Freiheitskriege und die darauf folgenden dauernden Revolutionen brachten dem Lande starke Verluste an Arbeitskräften, und so suchte die Regierung die Einwanderung zu för­dern. 1840 wurde einGesetz zur Förderung der fremden Einwanderung" erlassen und der Oberst Codazzi mit Studien im Lande und der Anwerbung von Auswanderungslustigen in Europa beauftragt. Der deutsche Kupferstecher Benitz, der Codazzi die Karten seiner Werke über Venezuela ätzte, hat diesen wohl angeregt auch deut­sche Einwanderer in das Land zu rufen. So wurde Benitz von Codazzi beauftragt, im südlichen Baden zu werben. Seine Werbungen waren erfolgreich und, wie bereits einleitend bemerkt, folgte eine statt-

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