Ausgabe 
6.2.1933 Frühausgabe
 
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nisterprasidenten übertragen bekommen haben werde. Der Dreimännerausschuß würde dann in den Mitgliedern Pap en und Serri eine Mehrheit fürdie Auflösung des Land­tages umfassen. Es sei anzunehmen, daß, falls diese Gerüchte in die Tat umgesetzt werden, die Re­gierung Braun Schritte einleiten werde, um die verfassungsmäßige Unmöglichkeit eines solchen Verfahrens, die nach ihrer Meinung vorliege, fest­stellen zu lassen.

Kommunale Neuwahlen in Preußen.

Sämtliche kommunale Vertretrmgs- Körperichaften aufgelöst.

Berlin, 4. Februar. (IBIB.) Das preußische Slaalsministerlum (Kommissare des Reiches) hat durch Verordnung sämtliche kommunalen Vertretungskörperschaften aufgelöst. Die Rechtsgrundlage dieser Verordnung ergibt sich aus den einzelnen Gemcindeverfassungsgesehen, in denen das Staatsministerium ermächtigt ist, durch Verordnung gemeindliche vertretungskörperschaften aufzulösen. Zur Verbilligung der hierdurch erforder­lich werdenden Neuwahlen hat das Staatsmini­sterium (Kommissare des Reiches) gleichzeitig be­schlossen, den Wahltag für die Neuwahlen sämtlicher aufgelöster kommunalen vertretungskörperschaften einheitlich, und zwar so feskzusehen, daß die Aus­legung der Wählerlisten zugleich mit der Auslegung der Wählerlisten für die Reichstagswahl erfolgen kann. Als W a h l t a g ist demgemäß der 1 2. Rl ä r z 19 3 3 festgesetzt worden.

250 Millionen Mark für Arbeitsbeschaffung.

Berlin, 4. Febr. ($H.) 21m Samstag fand in der Reichsbank auf Einladung der als Kon­sortialführer fungierenden Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft und der Reichskreditgesell­schaft 21®. eine Sitzung eines aus allen Teilen des Reiches beschickten engeren Kreises von Ban­ken und Bankiers statt, die zur Teilnahme an der Finanzierung von 250 Millionen Mark Arbeitsbeschaffungskrediten aufgefordert worden waren. Diese 250 Millionen Mark stellen den größten Teil des über die Deutsche Gesellschaft für öffentliche QIrbeiten 21®. zu finanzierenden Anteils an den der Oeffent- lichkeit bekannten, mit der Reichsbank vereinbar­ten Arbeitsbeschaffungsprogramms von 500 Mil­lionen Mark dar. Die Finanzierung des Restes ist bekanntlich bereits gesichert.

Sn der Sitzung schilderte nach einleitenden Worten Dr. S o l m s s e n s der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung Dr. ® e r e k e die Grund­sätze, nach denen die Arbeitsbeschaffung verteilt werden soll. Er betonte, daß die Reichsregierung größten Wert darauf lege,

das Arbeitsbeschaffungsprogramm in enger Fühlungnahme mit der Privatwirtschaft durch­zuführen.

Gerade mit Rücksicht auf die große Bedeutung der Arbeitsbeschaffung für die Belebung der Privatwirtschaft rechne er auf die umfassende und verständnisvolle Mitwirkung des gesamten Bank- gewerbes. Reichsbankpräsident Dr. Luther er­klärte namens der Reichsbank, daß diese ebenso wie bei den bisherigen Arbeitsbeschaffungswech­seln die Finanzierung der Arbeitsbe­schaffung erleichtern wolle. Dementspre­chend sei sie bereit, die im Zuge dieses Kredits ausgestellten Wechsel sowohl von Mitgliedern des Konsortiums, als auch von dritter Seite ohne Anrechnung auf die den Einreichern bei der Reichsbank sonst zur Verfügung stehenden Redis­kont-Facilitäten hereinzuneymen. Der Reichsbank­präsident sprach die Hoffnung aus, daß sich in diesen Diskonten außerhalb der Reichsbank ein regelmäßiger Handel entwickeln werde. Die an­wesenden Vertreter der Banken und Bankiers erklärten sich bereit, trotz der Llngunst der Zeiten ihr Bestes zu tun, um durch Llebernahme ent­

sprechender Quoten die Bildung des Konsortiums in dem vorgesehenen Ausmaß vorzunehmen. Hier­bei wurde auf den engen Zusammenhang hinge­wiesen, der zwischen der Pflege des Kapital­marktes und einer erfolgreichen Durchführung der Zwischenfinanzierung besteht.

Reichskanzler Hiller in München.

Verzicht auf das Reichskanzler-Gehalt.

München, 5.Febr. (111.) Die Reichsprei,Lpelle der NSDAP, teilt mit: Reichskanzler Adolf Hitler traf heute (Sonntag) bei Einbruch der Dunkelheit,

von Berlin int Flugzeug kommend, in München ein. Der Besuch des Führers dient zunächst privaten Zwecken, dann aber auch der Vorbereitung der Reichstagswahl. Wie bekannt, verbleibt die Leitung der nationalsozialistischen Bewegung auch für die Zukunft in München. Adolf Hitler, der auch persönlich außerordentlich an München hängt, behält hier seine eigentliche Wohnung. Der Führer bezieht im übrigen als Reichskanzler fein Gehalt. Er hat, da er sich als Schriftsteller sein Einkommen selbst verdient, auf seine Bezüge als Reichskanzler Verzicht geleistet.

Aus aller Well.

Das Rheinei» an der Loreley in Bewegung.

Auf dem Rhein kam das Packeis an der Loreley, das bis über Caub hinaus reichte, in Be­wegung. Lediglich an der Pfalz stauten sich die Eismassen noch. Das Eis trieb langsam ab, so daß kein Schaden entstand. Die Schiffahrt auf dem Rhein, die auf dem Unterlauf durch die starke Bereisung eine Zeitlang unterbrochen war, ist jetzt sowohl für die Berg- wie für die Talfahrt völlig wieder ausgenommen worden. Der Verkehr rhein- aufwärts ist aber nur bis Koblenz möglich, so lange der Mittelrhein noch durch die Eisbarriere gesperrt ist. *

Insgesamt 582 Schiffe warten vor und in den Häfen von Mannheim und Ludwigshafen, wo sie Schuh vor dem Treibeis gefunden hatten, auf eine Besserung des Wasserstandes, damit sie ihre Reise fortseyen können. Im Mannheimer Hasen, wo allein 387 Schisse vor Anker liegen, herrscht ein außerordentliches Gedränge, da die kleineren, nicht zu tief gehenden Rheinschiffe auslaufen wollen, was aber bei der Einkeilung inmitten der Rhein­riesen mit großen Schwierigkeiten verbunden ist.

Gewaltiger Eisschub im Argental.

Im Tal der unteren Argen bei Primisweiler ereignete sich, wie aus Wangen (2lllgäu) gemel­det wird, infolge des raschen Witterungs­wechsels ein Eisschub von bisher noch nicht erlebtem Ausmaß. Die Wildwasser der Argen traten über d i e Ufer und strömten in einer Länge von 500 und 1000 Meter Breite über fruchtbares Acker- und Wiesenland. Die Eis- masfen, zu Wällen von 1 bis 2 Meter Höhe geschichtet, haben das Argenbett auf 1 Kilo­meter Länge völlig zugedeckt und sind darüber hinaus noch weit in die Wiesen und Felder ver­schoben, so daß 200 Morgen Flußbett und Ufer- gelände von unübersehbaren Gisblöcken und Eis­platten dicht bedeckt sind. Unter Leitung des Straßen- und Wasserbauamts Ravensburg wur­den unverzüglich Sprengungen vorgenommen.

von stürzenden Schneemassen erdrückt.

Am letzten Freitag unternahmen vier Gäste vom Schneefernerhaus (Zugspitze) aus eine Skitour nach dem Brunntalkopf. 2lls sie einen Steilhang querten, löste sich ein Schneebrett von etwa 100 Meter Länge und ging mit drei der Skiläufer einige hundert Meter hinunter. Während zwei der Verunglückten sich aus den Schneemassen befreien konnten, wurde der aus Hof in Bayern stammende Drogerie­besitzer Plischke von den Schneemassen erdrückt.

Schreckensnachl Schiffbrüchiger.

In einer der letzten Rächte strandete an der schwedischen Küste der Stockholmer Tank- dampferKlas". Sieben Männer und zwei Frauen, die sich an Bord befanden, muhten auf dem Wrack eine fürchterliche Rächt zu­bringen. Bug und Mittelschiff sackten ab und die Schiffbrüchigen wurden von den Wellen überspült. Das Feuer im Kessel war erloschen. An Deck wagte man kein Feuer anzuzünden, da auf der See eine dicke Schicht Benzin schwamm. Man hatte nämlich, um das Schiff zu erleichtern, die Tanks geöffnet, in denen sich 360 000 Liter Ben­zin befanden. Am Morgen glückte es schließlich

der Besatzung eines Rettungsbootes, die Schiff­brüchigen zu bergen. Zwei von ihnen muhten mit erfrorenen Gliedern ins Krankenhaus ge­bracht werden.

Sieben französische Fischer ertrunken.

Ein mit acht Fischern besetztes Doot, das in den Hafen von E t a p I e s bei Boulogne zurtick- kehren wollte, wurde plötzlich leck. Die acht In­sassen sprangen in voller Kleidungins Wasser. Sieben von ihnen ertranken, nur einer konnte sich schwimmend an Land retten.

Dom Lisenbahnzug erfaßt. Zwei Tote, drei Verletzte.

Bei Breslau-Schmiedefeld ereignete sich ein schweres Kraftwagenunglück. Der Per­sonenzug GlogauBreslau erfaßte auf der Kreu­zung der Bahn mit der Fernverkehrsstrecke Bres­lau-Berlin den dem Baumeister P e l k e aus Deutsch-Lifsa gehörenden Personenkraftwagen, der die geschlossene Schranke durchbrochen hatte. Der Wagen wurde etwa 60 Meter msigeschleift und völlig zertrümmert. Pelke und seine Frau wurden getötet, zwei weitere Personen wurden schwer und eine Person leicht verletzt.

Drei Todesopfer eines Grubenunglück».

Auf der Bleigrube der Zeche Glanzenberg bei Welschenennest (Kreis Olpe) brach ein Brand in einer Zimmerung aus, durch den 21 Mann der Belegschaft der Weg aus der Grube versperrt wurde. Die Rettungsarbeiten wurden sofort aufgenommen. Es gelang, zunächst 15 der eingeschlossenen Berg­leute zu bergen; unter ihnen befindet sich ein Toter. Später konnten zwei weitere L e i ch e n ge­borgen werden. Die beiden letzten Vermißten, die sich in einen Schacht geflüchtet hatten, in dem sich noch gute Stiftung zeigte, wurden lebend aufgefun­den. Sie befinden sich wohlauf. Zu dem Unglück teilt das Oberbergamt u. a. mit, daß der Brand der Grubenzimmerung vermutlich durch eine Karbid- lampe entstanden sei.

Furchtbarer Kinobrand in Veracruz. Acht Tote, 20 Schwerverletzte.

In Veracruz (Mexiko) brach während einer Kin­dervorstellung in einem Kino plötzlich ein B r a n d aus. Es entstand eine entsetzliche Panik. Zahl­reiche Kinder wurden niedergetrelen, andere spran­gen aus den Fenstern und blieben mit schweren Verletzungen im Hof liegen. Die Galerien bildeten ein einziges Flammenmeer und stürzten schließlich ein, wodurch zahlreiche Kinder unter den Trümmern begraben wurden. Gleichzeitig spielten sich vor den Eingängen erbitterte Kämpfe zwischen einem Militär^gebot und den verzwei­felten Eltern ab, die zur Rettung ihrer Kinder in den Saal eindringen wollten. A ch t T o t e und zwanzig Schwe rverlehte fielen der Ka­tastrophe zum Opfer.

Gesteigerte Tätigkeit des Vesuv».

Der Vesuv zeigt seit einigen Tagen lebhaf­tere Tätigkeit, als in den beiden letzten Iahren beobachtet werden konnte. Mit dec gesteigerten Tätigkeit waren in den letzten Tagen unter­irdisches Rollen und ziemlich heftige Erdstöße verbunden, die zuletzt so heftig auftraten, daß die seismographifchen Instrumente in dem Desuv- Observatorium aus den Angeln sprangen und in mehreren Besuv-Gemeinden eine Panik aus-

Das Mangobaumwunder mdischer Gaukler.

Don Universiiäiö-Garieninspettor i. ZR. Friedrich Rehnett, Gießen.

Unter ähnlichem Titel wird gegenwärtig in der Unterhaltungsbeilage desGießener An­zeigers" ein Roman veröffentlicht, der mich an einen Vorgang erinnert, welcher fich in den ersten Tagen unserer Ankunft in Colombo 1911 abspielte. Geheimrat Hansen, in dessen Be­gleitung ich damals reiste, ein Mitreisender Schweizer, den man auf dem Schiff kennen ge­lernt, der Indien schon einige Male bereist hatte, und ich befanden uns im Vorraum un­seres Hotels, als ein asketisch aussehender Inder sich zur Vorführung des Mangobaumwunders, und zwar, wie er sagte, ohne Verpflichtung zur Zahlung erbot. Die Vorführung ging denn auch bald im Hotelgarten vor sich. Rachdem wir auf herbeigebrachten Stühlen, der Inder auf seinen unter-geschlagenen Beinen und die zahl- reicheir Zaungäste von Eingeborenen im weiten Halbkreise Platz genommen hatten, entfaltete der Wundermann feinen mitgebrachten Sack. Zum Vorschein kamen ein flacher, mit Deckel ver­seh ner Korb aus Palmengeflecht, ein Tuch, ein V^umentopf mit etwas Erde, ein Glasgefäh mit einer Hellen Flüssigkeit und eine Flöte. Den Korb setzte er behutsam vor sich. Der Deckel blieb geschlossen. Die Flöte führte er zum Munde, und nun begann jene quakende, eintönige Musik, die man dort öfter zu hören bekommt. Gleich nach den ersten Tönen wurde etwas im Korbe lebendig, und es erschien, offenbar durch ein kleines Loch im Deckel, eine Brillenschlange, die sich wie ein steifer Stock aufrecht stellte und den Kopf im Rhythmus der Musik hin und her bewegte. Mir ist es damals vorgekommen, als sollte dieses Vorspiel dazu dienen, bei den Zu­schauern eine Art Dämmerzustand hervorzu­bringen, denn mich überfiel bald eine fast un­überwindliche Müdigkeit, die sich aber auch durch andere Ursachen erklären läßt. Ich wurde ihrer erst wieder Herr, als der Inder seine Schlange wie ein zahmvs Kätzchen zum Streicheln herum- reichte. Das eigenartige Tanzvergnügen der Gift­schlange unter Musikbegleitung wurde noch ein Weilchen fortgesetzt. Dann kommandierte ihr Herr:Geh' in deinen Korbl" Sogleich machte das Tier eine schwanenhalsähnliche Verbeugung und war im Ru im Innern des Korbes ver­schwunden. Run begann der zweite 2HL Unser

Inder füllte den mitgebrachten Blumentopf mit der lockeren Erde, setzte behutsam den großen Mangokern ein, so daß ein Teil noch aus dem Boden heraussah und begoß ihn aus der en» wähnten Flasche. Dann reichte er uns den noch nassen Topf, wobei man sehen konnte, daß der Mangotern schon angelcimt war. Seber sollte dabei eine Silberrupie so obenauf legen, daß der grüne Keimling davon bedeckt würde- Hier­bei entstanden Schwierigkeiten, als der Schweizer nur eine halbe Rupie opferte. Erst als der Gaukler wohl einzusehen begann, daß weitere Gegenvorstellungen nichts nützten, der Geber auch dabei blieb, daß der Mangobaum auch für 50 Cents wachse, wie das anderwärts schon ausprobiert worden fei, nahm die Vorstellung ihren Fortgang. Sie bestand darin, daß, wie es mir schien, der Inder seine spindeldürren, nackten Beine nicht mehr untergeschlagen, sondern unter dem Tuch habe, das den keimenden Mangosamen bedeckte. Von dem mancherlei Hokuspokus, der unsere Aufmerksamkeit von den verborgenen Vor­gängen ablenken sollte, ist mir nur erinnerlich, daß er in allen nur möglichen, europäischen und indischen Sprachen von eins bis zehn zählte, wobei er uns kaum aus den Augen ließ. Da geschah etwas, was nicht hätte fein sollen: An der mir zugekehrten Seite verschob sich ein Zipfel des Tuches für den Bruchteil einer Sekunde, aber dieser Augenblick hatte genügt, mich ahnen zu lassen, daß man unter Umständen nicht bloß mit den Händen, sondern auch mittels der Zehen bewurzelte Pflanzen in einen Topf setzen kann. Was darauf noch folgte, ist kurz erzählt. Mehr und mehr begann das verhüllende Tuch sich zu heben, die Wölbung wurde höher und wuchs zusehends, bis der Inder es aufhob und ein etwa 40 Zentimeter hohes, beblättertes Mango- bäumchen sichtbar ward.

Soweit das ohne Verdacht zu erregen an­gängig war, sah ich mir das Wunderbäumchen an und konnte feststellen, daß es nach fach­männischen Begriffen nicht ganz fachgemäß ge­pflanzt war, denn es hingen einige Wurzelreste über den Topfrand.

Der Mangobaum hat immergrüne, ziemlich feste Blätter, welche beim Transport wenig leiden oder welk werden. Weshalb der indische Gaukler für seinen Betrieb nicht Pflanzen ver­wendet, die nach Art unserer Topfgewächse fest im Gefäße eingewurzelt sind und die ihm das mühsame Einsehen mit den Zehen ersparen wür­den, ist fein Geheimnis. Alles andere Taschen­spielerkunststück, das wahrscheinlich auch untere Zauberkünstler fertig brächten.

Morgenstunde tmjardin du Luxembourg.

Don Werner Bock.

Wir kamen aus der Krypta des Pantheon. Wir hatten an den Grabern der Dichter gefroren, Keller« lüft benahm uns den.Atem. Der Geist der Großen; sonst blutnah in einer einzigen Zeile, hier, an der Ruhestätte ihrer Leiber war er verflüchtigt. Schon kramvfte sich die Brust im Schauer der Sterblich­keit, oa zeigte uns der Führer die Steine des Ge­wölbes und erklärte, ohne Mörtel seien sie inein­andergefügt, das Ganze ruhe über einem Seiten- fluß der Seine und mache wegen der drohenden Feuchtigkeit die seltsame Bauart notwendig.

Der Gruft entstiegen, wanderten wir durchs Quartier latin. Silber rann von den Dächern, schwarzsamten glänzten die Hauswände, in zittern­der Bläue zerfloß der Fußsteig unter unserm Schritt. Dann standen wir vor einem jener Buch- läden, die ihre Schätze ins Sonnenlicht reichen. Der Wind fängt sich in den Bänden vergilbter Jahr- hunderte nicht anders als in den Blättern alter Bäume, herbe Welke, in die sich eine Rest von Süße mischt, streut Weisheiten und Gedichte, Gebete und Lüsternheiten über die Straße. Drinnen sitzt der Einsiedler in der Höhle, der Gebieter der papiernen Geschöpfe, beinahe verschüttet von Buchgebirgen, beinahe selbst Pergament geworden, und prüft mit der Linse ein zerschlissenes Werk. Jetzt hebt sich der Graukopf, sein Blick geht über die Regale, er kennt wie bei Dielbetretenen Wegen jede Krümmung, jede Erhebung, jede Schlucht. Und auf einmal ist es, als sähe nicht er die Bücher an, zahllose Augen sind auf ihn gerichtet, für ein paar Sekunden aus traum­schwerem Schlaf geschreckt. Der Alte senkt die Lider unter der Wucht des tausendfachen Aufschlags, er scheint noch mehr zusammenzuschrumpfen, ja zu ver­schwinden in der Dämmerung, die den schweigenden Raum durchgeistert. Wieder fliehen wir, und nun empfängt uns das Tor des jardin du Luxembourg.

Da ist nun der Park, der die Verse der Dichter rauschend und die Farben der Maler glühend macht, da sind die Alleen der Ruhe und Leidenschaft, der Freundschaft und Liede, der Gedanken und Träume. Standbilder und Steingeländer sind von Gewesenem überhaucht, aber an den rostroten Zweigen der schlanken Stämme schimmert ein Warten. Die noch matte Sonne nimmt Platz auf den leichten Stühlen, wo,balb die Gäste sinnen und plaudern werden. Nicht daß der nahende Frühling yier wie in ande­ren sichtbar werden will! Etwas von allen Jahres­zeiten webt in der Lust, nie kann hier Winter ganz

brach. Dachts bietet der Vesuv mit feiner von Blitzen durchzuckten oder vom Feuerschein deA Kraters durchleuchteten schwarzen Rauchkapp- einen Anblick, wie man ihn seit zwei Iahren nicht mehr bewundern konnte. Ein Kommuniqu6 des Direktors des Desuv-Observatoriums besagt, daß nach einer fast zweijährigen Pause der Qfe* suv bereits seit einigen Wochen stärkere Eruptionstätigkeit mit heftigen Explo* sionserscheinungen und Auswürfen glühender Go- steinsrnassen erkennen läßt. In den letzten Tagen wurden mehr als 200 Erdstöße von ziemlicher Stärke beobachtet. Die tellurischen Erscheinungen werden von dem Direktor des Observatoriums auf eine teilweise durch innere Verlagerungen erfolgte Verstopfung des Kraters zurückgeführt.

Aeilungsoerleger Dr. h. c. August Madsack f.

In Hannover ist während eines Soazierganges der Herausgeber desHannoverschen Anzeigers", Zei­tungsverleger Dr. h. c. August Madsack, infolge eines Herzschlages im 2(lter von 77 Jahren ge­storben.

Anschlag auf eine Wiener Schriftstellerin.

In einem Laboratorium der Krankenkasse in Wien ich die dort arbeitende Frau Dr. Rosa Meller von einem unbekannten jungen Mann Überfall l e n und durch Messerstiche verletzt worden. Frau Dr. Meller hatte noch so viel Straft, dem Täter zwei Flaschen Salzsäure ins Gesicht zu schütten. Trotzdem konnte er die Flucht ergreifen. Frau Dr. Meller hat sich als Autorin der BtihnenwerkeLeutnant Komma" undDie Weiber von Zoinsdorf" einen Namen gemacht. Die Hintergründe der Tat konnten noch nicht geklärt werden. Es scheint, daß der Fall eine gewisse Ähnlichkeit mit dem vor Jahren er­folgten Anschlag auf den Wiener Schriftsteller B et- tau e r hat. Bettauer, Redakteur einer WienerTages- zeitung und ein in den Nachkriegsjahren sehr be­kannter Romancier, ist von einem jungen Mann ermordet worden, der die Richtung des Bettauer- schen Schaffens aus politischen Gründen bekämpfen zu müssen glaubte. Es stellte sich dann heraus, daß Oer Mörder geisteskrank war.

Zu dem Anschlag auf die Aerztin und Schrift­stellerin Rosa Meller wird noch bekannt, daß an dem Tatort von der Polizeikommission ein Zettel gefun­den wurde, auf dem die Adressen der Wiener Schrift­steller Felix Salten und Sil V a r a vermerkt waren. Es wird daraus geschloffen, daß auch auf diese Schriftsteller ein Anschlag verübt werden sollte.

Große Devifenschiebungen bei der Oesterreichischen Nationalbank.

Bei der österreichischen Rationalbank in Wien wurde eine grohangelegte Schiebung mit Aus­fuhrbewilligungen für Reichsmark nach Deutsch­land aufgedeckt. Ein Angestellter. Alfred Schaf­fer, hat solche Bewilligungen gegen Entgelt ver­schafft. Auf diese Weise hatte sich ein Tuchhändler Weise die erforderlichen Markbeträge beschaff fen können. Als die Schiebungen bei der Ratio­nalbank festgestellt wurden, wurde Schaffer so­fort entlassen und für kurze Zeit in Haft genom­men. Gegen ihn sowie den Tuchhändler und seinen Agenten Korkus wurde ein Strafverfah­ren eingeleitet. Es wird angenommen, daß die Beträge, die auf diese Weise der Rationalbank herausgelockt wurden, sich auf etwa 200 000 Mark belaufen.

Leberfchwemnmngen durch einen Dammbruch in Frankreich.

Einer der Dämme des großen Kanals von Roanne-Digoin ist zwischen den Ortschaften 2Ir- taix und Chambilli (Dep. Loire) in einer Aus­dehnung von fast 30 Metern gebrochen, so daß die Wassermassen die ganze umliegende Gegend überschwemmt haben. Das Wasser des Kanals ergoß sich auf eine Strecke von etwa 18 Kilome­tern. E in Schiffer wurde von den Wassermassen fortgerissen und ertrank. Der Schiffsverkehr wird voraussichtlich mehrere Monate unterbrochen werden müssen. Als Ursache für den Dammbruch wird der rasche Witterungsumschwung angenom­men.

Winter, Sommer gang Sommer sein. Die Folge der Gezeiten scheint aufgelöst in einer höheren, einfache­ren Ordnung. Und wir selbst, treten wir nicht auf einmal heraus aus der Zeit, sind wir nicht fernge­rückt der Welt jenseits des Gitters und bewegen uns nach neuen, nur hier gültiaen Gesetzen? Irgendein Mantel, der uns sonst beschwert, scheint aefallen, iraendein Schleier von der Stirn gestreift. Und wir lehnen an der Einfassung des Beckens wie am Rand alles Seins, und uns ist, als ob wir seinen innersten Sinn in diesem Augenblick begriffen.

Ein paar Knaben lasten über das gekräuselte Wasser Segelboote treiben. Der die kleinen Schiffe verleiht, steht dabei, selbst ein Knabe von zehn oder elf Jahren, und hat die Rolle des Wächters mit der des Mitspielenden vertauscht. Aber der Bleistift überm Ohr und die zu große Geldtasche an der Seite des Jungen erinnern an das ihn anvertraute kleine Amt, das ihn bisweilen zum Standort feiner Flotte abruft. Das Gesicht in seiner blassen Knaben- anmut wäre schön, wenn nicht das linke Auge blind oder halbblind ins Leere starrte. So hat auch dieses Kind schon die Faust verspürt, die früher oder später einmal auf jeden einschlägt. Sein Ernst tränt die Spur vorzeitiger Prüfung, und sein Lächeln scheint sich zu schämen. Aufmerksam hängt das gesunde Auge am Spiel auf dem Wasser; die anderen Kinder, die alücklicheren, freieren, schauen manchmal zu ihm hin, als lenke er mit geheimen Fäden die Fahrt der Boote, als fei er der Herr der Schiffe und der Herr des Teiches und vielleicht des Parkes überhaupt. Der im Stillen also Geehrte betrachtet indes weiter andächtig Haltung und Bewegung der Gefährten, Richtung und Neigung der Segel, und wie der Wind schnell oder sacht kommt und geht, wie die Kinder bald hierhin, bald dorthin eilen, um freudig oder traurig das Schicksal ihrer Boote zu verfolgen, da umrieselt den kleinen Hüter mit dem Bleistift überm Ohr und der großen Tasche an der Seite wirklich ein Dämonisches, etwas vom Hermes, dem Gebiefer der Seelen.

Durchfurchen nicht in dieser Stunde auf allen Flüssen, Seen und Meeren Schiffe die Flut, schwe­ben nicht, geschwellt von Wünschen und Hoffnungen, getrieben von Liebe und Haß, Legionen von Segel über die Tiefen? Und Sonnen und Sterne, ziehen sie nicht im gleichen Wirbel einher. Riesenschiffe des Alls auf geheimnisvoller Fahrt? Jetzt trifft uns der Blick des kleinen Einäugigen, und auch wir sind unentrinnbar eingeordnet in den rätselvollen Zug, eingefangen in die Ganzheit. Es gibt keinen Halt, fühlen wir, in allein Fließen, wenn wir einander nicht festhalten, unser beider Dasein für eine Welt- sekunde festhalten, ohne Mörtel ineinanbergefü^, über dem ewigen Strom,

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unbedingt von sHt , &**£*» den. Es fl1' fincn erho die dauerns w bei irgend oe Md un * i6en. 2Iu 6rfran5/£eute em! wftJÄ« vicht ai Allen tunr der 2ltz.>e!ü ubc l'ch^A gen*1 ia ?De,chassenhe>t von der g5 (a)

L-Ä ssä A normal ist und H ings darf nm Messung als überflüssig hoher Blutdruck in Derb Hitsanzeichen gibt kJ1 Sie Boraussetzung'st nn bei mehreren Messungen ist viel zu wenig bekam requng und Ausregung, ärztlichen Untersuchung druckkurve nach oben j andere vorhergegangene Grund [ein. Sind jedoch geschaltet, und bleibt d so sind allerdings die berechtigt. Die höchsten !k Nierenerkrankungen. De jedoch außerdem stets n Urinanchje festzustellen. dauernder Mdruckerhö Herzen bestehen. Es ist j zen Ausführung, alle K mit einer Blutdruckerhöl nur daraus hingewiesen in der ganzen Medizin, e: nie ausschlaggebend ist, |idjtigungj>es gesamten Arzi vornehmen kann, noch darauf hingewieje' chervortreten der Adern dingt der Vorbote eii braucht. Mancher hat so ster Jugend an und errei Am Schluß möchte ich unter viel gefährlicher i druck zu haben, als ein, plötzlich einsehende nie! Zeichen dafür, daß der ist und zu wenig Abweh Natur hat nämlich die etwa nur darum eintreb «orgen zu bereiten, (on 3®^, z. D. bei darn buch vermehrten Druck ousrechtzuerhalten und i £ bie entferntesten ur treiben.

Man muß also einte' Maschine darstellt | U cmem ltzlutdru ^Akeit obzulesen ist y deshalb das Le 2 ZU verbittern, weil, befunden worden isti

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