Ausgabe 
6.2.1933 Erstes Blatt
 
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bern und den Absichten deS Vorstandes nicht her- beizuführen war. Der Vorstand zog sich daher nach Abschluß der Aussprache zurück, um über feine Stellungnahme zu beraten. Aach kurzer Zeit verkündete Provinzialdirektor Graes den Be- schluh des Vorstandes: .Der Vorstand glaubt, die Verantwortung für die Bewirtschaftung des Glei- berges in der bisherigen Form und für die Mög­lichkeit der Erfüllung der Aufgaben des Gleiberg- Vereins um die Erhaltung der Burg nicht über­nehmen zu können und tritt deshalb geschlossen von seinen Aemtern zurück." Landrat Miß (Wehlar, teilte mit, daß er als Vertreter der preußischen Aufsichtsbehörde demnächst eine neue Generalversammlung einberufen werde, die sich mit der Reuwahl des Vorstandes zu befassen habe.

** Verhängnisvoller Sturz von der Treppe. Heute gegen 13 Uhr stürzte der 54jährige Hausverwalter Heinrich E r n st, wohnhaft Licher Straße 75, im Hause einer hiesigen Firma so un­glücklich von der Treppe, daß er bewußtlos liegen blieb. Durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurde der bedauernswerte Mann nach der Chirurgischen Klinik gebracht.

** Das Fundsachen-Berzeichnis. Das Polizeiamt teilt mit: Das Verzeichnis über die im Monat Januar gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf-Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefoc- dert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbureau während der Dienststunden geltend zu machen.

Stenograpbieunterricht fällt aus! Die 1. Reichskurzschriftgesellschaft und der Kurzschrist­vereinGabelsberger" machen im heutigen An- zeigenteil darauf aufmerksam, daß der Unterricht für Anfänger und fortgeschrittene Stenographen mit Rücksicht aus die Schulschließungen in dieser Woche ausfallen muß. Der Unterricht beginnt erst wieder am 13. Februar. Auf die Anzeigen sei hingewiesen.

* Einbruch. In der letzten Rächt wurde in dem Uhrmachergeschäft von Beyer in der Bahn- Hofstraße ein Einbruch verübt. Was dem Täter, der in der Hauptsache die Reparaturwerkstatt aufsuchte, dabei in die Hände gefallen ist, steht bis jetzt noch nicht endgültig fest. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.

Trauer im Licher Fürstenhaus.

Lich, 5. Febr. Das Schloß hat heute a u f Halbmast geflaggt. Prinzessin Marie zu S o l m s - H o h e n s o l m s - L i ch , die am 19. Fe­bruar d. 3. ihr 96. Lebensjahr hatte vollenden können, ist nach kurzem Krankenlager heute früh gestorben. Die Entschlafene, eine Tante der Groß­herzogin Eleonore von Hessen und des derzeitigen Fürsten Reinhardt zu Solms-Hohensolms-Lich, erfreute sich bis in die letzten Lebenstage einer seltenen geistigen Frische. Sie war eine Philan­thropin im wahrsten Sinne des Wortes. 3hr segensreiches, stilles Wirken auf dem Gebiete der Wohlfahrts- und Armenpflege brachte ihr dank­bare Verehrung in allen Bevölkerungskreisen der Stadt und des Solmser Landes. Prinzessin M a - r i e war der älteste Einwohner unserer Stadt.

Interessanter Münzenfund in Ober-Gleen.

Ober-Gleen, 5. Febr. Der Landwirt Oohannes H a s e n f l u g , der gegenwärtig ein neues Wohnhaus bauen läßt, stieß bei den Abbrucharbeiten des alten Hauses auf einen wertvollen Münzenfund. Ein Kästchen, etwas größer als ein Zigarrenkistchen, das über der Haustüre in einem besonderen, aus Lehm gefertigten Gefach eingemauert war, wurde vor- gefunden und enthielt Münzen, die wahrscheinlich aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammen. Ins­besondere handelt es sich um Kronentaler in der Gröhe unserer gegenwärtigen Fünfmarkstücke. Die Geldstücke sind aus reinem Silber geprägt.

Wirtschaft.

Berlin nach schwachem Beginn erholt.

Berlin, 6. Febr. (WTB. Funkspruch.) Zum Wochenbeginn war die Tendenz wieder als s ch w ä - ch e r zu bezeichnen. Zwar bat das Angebot im Ver­gleich zu den Vortagen wesentlich nachgelassen, doch genügte das nur in geringem Umfang herauskom­mende Material, um bei der allgemeinen Zu­rückhaltung Kursrückgänge von XA bis 1 v. H., bei einigen Spezialpapieren, unter Führung von Tarifwerten, sogar bis zu 2% v.H. herbeizuführen. Man konnte aber doch eine etwas beruhigtere Stim­mung feststellen, da man hofft, daß die Reichsregie­rung noch heute die erwartete Erklärung zu der Z i n s f r a g e veröffentlichen wird, wodurch natür­lich ein Unftcherheitsmoment von der Börse genom­men werden dürfte. Auch am Rentenmarkt hat das Angebot in Erwartung dieser Erklärung nachge­lassen.

An einigen Märkten lagen niedrigst limitierte Kauforders vor, durch die sich die davon betroffenen Werte etwas befestigen konnten. So zogen Siemens in Erwartung der Bilanz um % v. H. an, Gelsen­kirchen, Harpener, Rheinstahl, verschiedene Braun­kohlenpapiere, Berliner Maschinen und Schiffahrts­werte besserten sich um Bruchteile eines Prozentes, während Tietz VA o. H. und AG. für Verkehrswesen VA v.H. gewannen. Den stärksten Rückgang hatten heute Salzdetfurth aufzuweisen, die um 4$ o. H. zurückgingen.

Anregungen aus der Wirtschaft lagen im allge­meinen nicht vor. Der Rückgang des Ruhrkohlenab­satzes im Januar blieb ebenso wie der unregel­mäßige Verlauf der Reuyorker Samstagbörse ohne stärkeren Eindruck. Mit Befriedigung nahm man die Mitteilungen über die Finanzierung des 500-Mil- lionen-Planes zur Arbeitsbeschaffung zur Kenntnis. Felten waren angeboten, da man für das abge­laufene Geschäftsjahr mit einem wenig befriedigen­den Ergebnis rechnet. Ziemlich schwach lag die Alt­besitzanleihe, die um 1,60 v. H. zurückging, während Nepbesitzanleihe nur einen geringen Verlust aufwies.

Im Verlaufe wurde es allgemein freund­licher. Die Kurse konnten sich allgemein kräftig befestigen, es wurden Deckungen und Rückkäufe vor­genommen, und man konnte daher Besserungen bis zu 1 v. H. feststellen. Siemens befestigten sich sogar um weitere 3% v. H., auch Reichsbank holten einen Verlust von über 1 v. H. im Verlaufe wieder auf.

Die Erleichterung am Geldmarkt machte wei­tere Fortschritte, doch blieben die Sätze unverändert, d. h. Tagesgeld 4% bzw. 4A o. H. an der unteren Grenze. Nach Privatdiskonten, Reichswechseln per 3 Monate und Reichsschatzanweisungen per 16. Au­gust hielt die Nachfrage unvermindert an.

Frankfurt unsicher.

Frankfurt a. M., 6. Februar. (WTB. Draht­meldung.) Die Börse eröffnete auch zu Beginn der neuen Woche infolge der innerpolitischen Lage i n starker Zurückhaltung. Wegen der weiteren Ziele und Absichten der Regierung herrschte weiter­hin Unsicherheit, zu der auch die Zurückhaltung der Neichsregierung gegenüber den am Wochenschluß umlaufenden Gerüchten über ein Moratorium für die Landwirtschaft stark beitrug.

Die ersten Notierungen zeigten bei sehr kleinem Geschäft auf Abgaben der Kulisse überwiegend noch Abschwächungen von 0,50 bis 1 v. H. Die Kundschaft, fehlte weiterhin noch fast vollkommen. Am Renten­markt war die Stimmung eher noch etwas schwächer, wobei die noch nicht veröffentlichte Erklärung gegen­über Gerüchten einer Zinsversion verstimmte. Stär­ker abgeschwächt waren am Aktienmarkt erneut Reichsbankanteile, die 5,50 v. H. niedriger eröffneten, und Kali Salzdetfurth, die 6 v. H. verloren. Deut­liche Rückgänge ergaben sich auch noch am Elektro­markt, an dem Bekula 3,50 v. H., Elektrische Liefe- rungen 2,33 v. H., Licht & Kraft und Schuckert bis zu 1,50 v. H. verloren. AEG. und Gesfürel gaben

je 0,75 v. H. nach. IG. eröffneten mit 101,75 v. H. nur mäßig schwächer. Deutsche Erdöl gingen um 0,65 v. H. zurück.

Don Montanwerten lagen Gelsenkirchen 1 v. H., Mannesmann und Rheinstahl je 0,50 v. H. niedriger, Stahlverein waren zu 31,75 v. H. unverändert. Don Nebenwerten büßten Deutsche Atlanten Telegraf 3 v.H. ein. Holzmann und Schiffahrtswerte gaben bis zu 0,50 v. H. nach. Nach den ersten Notierungen zeigten die Kurse verschiedentlich Erhöhungen bis zu 0,50 v. H.

Deutsche Anleihen waren weiter abge­schwächt. Altbesitz verloren 0,50 v. H., Neubesitz 0,30 v. H., wogegen späte Reichsschuldbuchforderun­gen mit 70,25 v. H. kaum verändert waren. Von variabel gehandelten Jnduftrieobligationen gingen Reichsbahnvorzugsaktien um 1,25 v. H. und Stahl­oereinbonds um 0,65 o. H. zurück. Von Ausland­renten lagen Anatolier und Zolltürken etwas höher, während 4-o.H.-Einheitsrumänen 0,13 v.H. verloren.

Am festverzinslichen Markt waren Goldpfand­briefe stärker angeboten und durchschnittlich bis zu 1 v. H., teilweise auch bis zu 1A v. H. schwächer. Liquidationspfandbriefe gaben XA bis XA, Kom­munalobligationen % bis 1 v. H. nach. Auf den übrigen Marktgebieten war das Geschäft noch un­entwickelt.

Im Verlaufe waren die Aktienkurse meist weiter leicht erholt, die Stimmung blieb aber unsicher und das Geschäft außerordentlich klein. Am Geldmarkt setzte sich die Erleichterung fort, Tagesgeld stellte sich auf 3% v. H.

Frankfurter Schlachtvichmarkt.

Frankfurt a. M., 6. Februar. Auftrieb: 1233 Stück Rinder, 341 Ochsen, 95 Bullen, 412 Kühe, 305 Färsen, 627 Kälber, 103 Schafe, 3855 Schweine. Ochsen: oollfleischige, jüngere 25 bis 28; ältere 22 bis 24; sonstige vollfleischige 19 bis 21. Bullen: jüngere, vollfleischige 24 cis 26; sonstige oollfleischige 20 bis 23. Kühe: jüngere, vollfleischige 21 bis 23; sonstige vollfleischige 18 bis 20; fleischige 15 bis 17; gering genährte 12 bis 14. Färsen: vollfleischige 27 bis 29; oollfleischige 24 bis 26; fleischige 20 bis 23. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 30 bis 35; mittlere Mast- und Saugkälber 26 bis 30; geringe Kälber 21 bis 25. Schweine: oollfleischige Schweine, 240 bis 800 Pfd, 36 bis 38; vollfleischige, 200 bis 240 Pfd., 35 bis 38; oollfleischige, 160 bis 200 Pfd., 34 bis 37; fleischige, 120 bis 160 Pfd., 31 bis 36. Marktverlauf: Rinder ruhig, geringer lieber- stand, Kälber und Schafe ruhig, geräumt; Schweine schleppend, ausverkauft.

LLettervorausfage

Die Störungstätigkeit im Rorden hat ihr Ende noch nicht erreicht. Der gestern über Schottland gelegene Wirbel ist ziemlich schnell östlich weiter­gewandert und die von Island her vordringende Kaltluft hat über 'den britischen Inseln Baro- meteranftieg hervorgerufen. Da aber im Raume zwischen Irland und Island ein neues Fallgebiet erschienen ist, wird die Kaltluftzufuhr wieder ab- geschnitten, älnser Wetter verbleibt somit unter dem Einfluß feucht-milder Luft, die mit dem Wei- terzug der neuen Störung vorgeschoben wird, so daß neben wechselhafter Bewölkung weiterhin zeit­weise Riederschläge auftreten.

Aussichten für Dienstag: Weiterhin mildes und wechselnd wolkiges Wetter mit Rieder- schlügen.

Aussichten für Mittwoch: Fortdauer des ziemlich milden und wechselhaften West­wetters.

Lufttemperaturen am 5. Februar: mittags 11 Grad Celsius, abends 9,2 Grad; am 6. Februar: morgens 9,2 Grad. Maximum 11,2 Grad, Minimum 8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. Februar: abends 0,2 Grad; am 6. Februar: morgens 0,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 2% Stunden.

G. A.-Sport.

Internationales Berliner Reitturnier.

Drei Entscheidungen am Samstagabend.

MH

Oberleutnant Sa bla mitUblitf", auf dem er das .Kanonen-Jagdfpringen" des Berliner Reitturniers mit einer Serie schwierigster Hindernisse gewann.

3m Berliner internationalen Reitturnier fiel am Samstagabend die Entscheidung im Trost- springen. Der alte Schimmel Tommy unter seinem Besitzer I. Pasch und Edelfräulein unter Ritt­meister Gleininger blieben als einzige fehler­los. In der Amazonen-Prüfung teilten sich Gu­drun (Frau Fischer) und Bulgarenfürst (Ba­ronin v. Eich sied t) in den Sieg, während Teut in der Vielseitigkeits-Prüfung um den Amateur- Preis das bessere Ende für sich behielt.

Den Höhepunkt des Turniers bildete derPreis der Rationen" am Sonntagnachmittag, zu dem Deutschland, Irland und die Tschechoslowakei an­traten. Die einzelnen Reiter hatten einen ziem­lich schwierigen Kurs je zweimal zurückzulegen, wobei für das Gesamtklassement die drei Besten jedes Landes gewertet wurden. Der Held des Tages war Oblt. M o m m auf Baccarat, der den Parcours beide Male fehlerlos beendete. Im Gesamtergebnis tarnen die deutschen Retter auf 24, die Iren auf 28*/2 und die Tschechen auf 4872 Fehler. Wiederum haben die deutschen Reiter mit diesem Siege bewiesen, daß sie zur Zett als die besten der Welt anzusprechen sind. Brausender Jubel dankte den deutschen Reitern, als am Siegesmast die deutsche Flagge erschien.

^Attacke gegen Schaufensterscheiben.

* Friedberg, 5. Febr. Im Verlaufe der letzten Rächt wurden an dem hiesigen Kaufhaus Geschwister Mayer wiederum drei große Schaufensterscheiben eingeschlagen, nachdem erst vor etwa vier Wochen fünf dieser Schaufenster und einige Wochen vorher deren drei zertrümmert worden waren. Die polizeilichen Er­mittlungen sind im Gange.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 llhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

111_____9'.

Nachruf.

Die Beamten der Oberförsterei Krofdorf.

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Gießen, km Februar 1933.

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|Verschiedenes|

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Kein Laden

857 D

iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii)

Else Gräfe, geb.Wigandt

im Namen aller Hinterbliebenen.

In der kurzen Zeit, die es ihm vergönnt war, die Oberförsterei Krofdorf zu verwalten, hat er sich die Wertschätzung und Ver­ehrung seiner Untergebenen erworben.

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

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Oeffenlliche Aufforderung zur Abgabe von Steuererklärungen bei der Veranlagung für die 1932 endenden Steuerabschnitte.

Die Steuererklärungen für die Ein­kommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer sind in der Zeit vom 15. bis 28. Februar 1933 unter Benutzung der oorgeschriebenen Vordrucke abzugeben.

Steuerpflichtige, die zur Abgabe einer Erklärung verpflichtet find, erhalten vom Finanzamt einen Vordruck zugesandt. Die durch das Einkommensteuergesetz, Körper- schaftssteuergesetz und Umsatzsteuergesetz begründete Berpflichtung, eine Steuer­erklärung abzugeben, auch wenn ein Vor- druck nicht übersandt worden ist, bleibt unberüht, erforderlichenfalls haben die Steuerpflichtigen Vordrucke vom Finanz­amt anzufordern. 8580

Gießen, Grünberg, Hungen,

den 3. Februar 1933.

Dje Finanzämter.

Statt Karten.

Für alle Beweise liebevoller Teilnahme, die uns bei dem Heimgänge unseres Heben Entschlafenen

Karl Wigan dt

zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herz­lichsten Dank aus.

Am 4. Februar 1933 entschlief nach kurzer, schwerer Krankheit der preußische Staatsobertörster

Walter Schede

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