DaspreußischeSlaaismiliisterium ausgeschaltet.
Der Reichskommissar erhält die Befugnisse des Preußischen Staatsministeriums.
B e r l i n, 6. Febr. (WIB. Funkspruch.) Es wird eine „Verordnung zur Herstellung geordneter Regierungsverhältnisse in Preußen" veröffentlicht, deren wichtigster Artikel lautet: Durch das Verhalten des Landes Preußen gegenüber dem Urteil des Staatsgerichlshofes für das Deutsche Reich vom 25- Oktober 1932 ist eine Verwirrung im Staatslebeu eingetreten, die das Staats- (eben gefährdet. Ich übertrage deshalb bis auf weiteres dem Reichskommissar für das Land Preußen und seinen Beauftragten die Befugnisse, die nach dem erwähnten Urteil dem preußischen Staatsministerium und seinen Mitgliedern zustehen. Der Reichspräsident, gez. von Hindenburg.
Für den Reichskanzler: gez. v. Popen, Stellvertreter des Reichskanzlers. Hugenbergs Wirtschaftspolitik Wiederherstellung des Vertrauens im Interesse von Gläubiger und Schuldner. Berlin, 6. Febr. (ERB. Funkspruch.) Einem Mitarbeiter des „Lokalanzeigers" erklärte Reichs» Minister Dr. hu gen berg u. a.: Ich bitte davon auszugeben, daß alles falsch ist, was in diesen Tagen über wirtschaftspolitische 21b» sichten geschrieben wird, wenn es nicht von mir kommt. Insbesondere bin ich mir darüber klar, daß es eine Börse gibt und daß es nicht die Aufgabe des Wirtfchaftsministers sein kann, zu spekulativen Mitteln Anlaß zu geben. Mir scheint sogar, daß diejenigen schlecht beraten sind. Die jetzt auf unseren Rentenmarkt drücken. Zwangseingriffe in die bestehenden Zinsoe^einbarungen, wie sie die Dezemberverordnung des Kabinetts Brüning empfiehlt, entsprechen meinen wirtschaftspolitischen Auffassungen ebenso wenig, wie sonstiges herumpfuschen des Staates an Dingen, die sich organisch aus sich selbst entwickeln können. Damit vertrete ich natürlich nicht die Theorie vom Staate als Nachtwächter. Daß Staat und Wirtschaft an einer organischen Senkung des übermäßig hohen Zinsfußes gleichmäßig interessiert sind, bedarf keines Wortes. Auch für die Gläubiger ist die so oft bedrohte Sicherheit des Sparkapitals wichtiger als die höhe des durch die oraanische Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse bedingten Zinsfußes. Darum gibt es in Wahrheit keinen Gegensatz zwischen Schuldner und Gläubiger. Ihr gemeinsames Interesse besteht in der Wiederher st ellung der Sicherheit, d. h. des Vertrauens. Wie und wo im einzelnen die brennenden Fragen anzufassen sind, möchte ich mit derjenigen Ruhe entscheiden, die man auch in unruhigen Zeiten nicht verlieren soll. Zu übereilten Experimenten ist die Zeit ebensowenig angetan, wie zur Passivität.
Der Kranz der „Sydney" für die Helden der Wen.
Feier in Wilhelmshaven.
Wilhelmshaven, 5. Febr. (ERB.) Am Sonntagmittag erfolgte in der evangelischen Standortkirche, der Elisabeth-Kirche, die feierliche Diederlegung des von der früheren Besatzung des australischen Kreuzers „Sydney" für die erste „Emden" gestifteten und von Australien nach Deutschland übergeführten Kranzes. Zu der Feier waren Abordnungen aller Marineteile mit dem Chef der Marinestation der Nordsee. Admiral F ö r st e r. und dem Befehlshaber der Linienschiffe, Commodore Bastian, erschienen.
Der mächtige, glasklare Block von Eis. in dem sich der Kranz befindet, war vor dem Altar ausgestellt. Deutlich sah man den frifchgrünen Lor- oeerkranz mit blutroten Blüten und die alte Kriegsflagge davor ausgebreitet. Eine Rettungsboje des Kreuzers „Emden", an den Eisblock gelehnt, deutete auf die Derbindung der jetzigen Reichsmarine mit der Bergangenheit hin. An einem Flaggenstock war die alte Kriegsflagge halbmast gesetzt.
Rach einem Musikvortrag der Kapelle der II. Marine-Artillerie-Abteilung und dem gemeinsamen Gesang „Harre meine Seele" begann Marinestationspfarrer Ronneberger seine Ansprache. Wenn jetzt in dieser Feierstunde, so führte er aus. unsere Blicke auf den Lorbeerkranz fallen, der dort umschlossen ist vom kristallenen Eis und der nach langer Fahrt von Australiens Küste, aus Australiens Hauptstadt von ehemaligen Desatzungsangehörigen des australischen Kreuzers „Sydney" gesandt, zu uns gekommen ist. dann sehen wir die Worte geschrieben: Sag' nicht, daß Helden sterben. Hm ihrer Taten willen haben die ehemaligen Gegner dieses äußere Zeichen ihres Erinnerns von Australien nach Deutschland geschickt.
Mit dem Lied „Ich hatt' einen Kameraden" und gemeinsamem Gesang schloß die Gedenkfeier.
Keine Klärung für Daladier.
P a r i s. 4. Febr. (CRB.-Funkspruch.) Das Debüt des Ministeriums Daladier hat sich ohne besonderes Interesse vollzogen. Die S o z i a l i st e n deren Unterstützung für die Lebensfähigkeit der neuen Regierung erforderlich ist, haben sich nicht ohne Zögern erst im Laufe des Abends dazu bereit erklärt, die gleiche Haltung einzunehmen, wie sie seit dem Monat Juli vorigen Jahres festzustellen war. Eine Bindung jedoch sind die Sozialisten nicht eingegangen und so kann man wohl sagen, daß Ministerpräsident Daladier sich die Stimmen der Sozialisten von Fall zu Fall neu verdienen muß. Hinzu kommt, daß der jetzige Fraktionsvorsitzende der Radikalen Edouard Herriot, gegen Ende der Debatte sich höchst seltsam über die Regierungsmehrheit geäußert hat. Er sprach nämlich von einer demokratischen Mehrheit, die soweit wie irgend möglich gehen solle, was dahingedeutet wurde, daß Herriot sich dem Gedanken der Konzentration genähert habe und daß er andeuten wolle, was er als der Führer der Radikalen au begünstigen gedenke. Die Sozialisten haben deshalb nach Schluß der Rede Herriots keine Hand gerührt und unter eisigem Schweigen der Linken mußte Herriot die Rednertribüne verlassen. Daladier wird erst am Dienstag sein Finanzsanierungsprogramm der Kammer unterbreiten, dann wird sich auch möglicherweise
die Situation für ihn klären. Das gestrige Debüt hat jedenfalls nichts geklärt. Die innenpolitische Lage in Frankreich bleibt nach wie vor abhängig von der Lösung der Finanzreform, für die das ANeinmittel auch nach den gestrigen Erklärungen Daladiers noch nicht gefunden zu sein scheint.
Kleine politische Nachrichten.
Vizekanzler v. P a p e n hatte eine Unterredung mit dem Vorsitzenden Der Bayerischen Dolkspar- tei, Staatsrat Schäffer, der Erkundigungen über die Absichten eingezogen hat, die die Reichsregierung in verfassungsrechtlicher Hinsicht habe.
In der Presse wird behauptet, die Reichsregierung erwäge die Einsetzung von Reichskommissaren in Ländern mit ge- fchäftsführenden Regierungen. Von der Reichsregierung wird Wert darauf gelegt, festzustellen, daß die Einsetzung derartiger Reichskommissare nicht beabsichtigt sei.
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Englische Blätter haben über angebliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Reichskabinetts in bezug auf eine Heimkehr des Kaisers nach Deutschland berichtet. 11. a. soll Reichskanzler Hitler dem von Hugenberg
vorgeschlagenen Plan einer Wiedereinsetzung des Kaisers zugestimmt haben. Alle diese Meldungen werden von amtlicher Seite als grober Unfug bezeichnet.
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Amtlich wird unter Hinweis auf das Verbot der thüringischen Regierung, Rathäuser mit roten Fahnen zu beflaggen, mitgeteilt, daß in $) e f - s e n grundsätzlich keine Parteifahnen auf Rathäusern gehißt werden dürfen. Wo dies dennoch erfolgt, sind die Kreisämter zum Einschreiten aufaefordert worden, und zwar gegen jegliche Parteibeflaggung.
Die thüringische Regierung hat eine Anordnung erlassen, nach der es unzulässig ist, daß die fom- monistischen Vertreter in den Gemeindeparlamenten den Kommunalverwaltungs- a u s s ch ü s s e n angehören.
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Die Hagener Polizei hat eine von der Kommunistischen Partei unterhaltene geheime Vervielfältig gungs- und Verbreitungszentrale für illegale Zersetzungsschriften hochverräterischen Inhalts ausgehoben, die seit langem eine wohlorganisierte umstürzlerische Propaganda in ganz Südwestfalen betrieb' Der Polizei ist wichtiges Schriftenmaterial in großem Umfange in die Hände gefallen. Die Rädelsführer wurden verhaftet.
Reichsminister Göring übernimmt die Leitung der Lustfahrt.
Berlin, 4. Febr. (TU.) Im Reichsverkehrsministerium übergab Reichsverkehrsminister Freiherr v. Elh - Rübenach dem Reichsminister Göring als Reichskommissar für die Luftfahrt die Luftfahrtabteilung des RDM.
Der verstorbene Reichsverkehrsminister Oeser habe das Verdienst, damals in Ministerialdirektor D.-Ing. Brandenburg einen Mann an die Spitze der Luftfahrt berufen zu haben, der trotz schwerster Kriegsverletzung berufen gewesen sei, mit seiner flammenden Begeisterung die deutsche Luftfahrt einem Hellen Morgen entgegenzusteuern. Reben der Tüchtigkeit und Aufopferung der deutschen Luftfahrer, neben dem Genie, dem Erfindungsgeist der deutschen Ingenieure und der erfolgreichen Forschung der deutschen Wissenschaft sei alles, was auf dem Gebiete der deutschen Luftfahrt die Anerkennung der deutschen Welt gefunden habe, das Verdienst von Ministerialdirektor Brandenburg und seiner Mitarbeiter, denen der Minister den Dank der Reichsregierung aussprach. Frhr. v. Eltz begrüßte Minister Göring als einen der hervorragendsten und ruhmreichsten Kampfflieger im Weltkriege und als unermüdlichen Vertreter des Luftfahrtgedankens im Frieden. Seine Person biete die sicherste Gewähr dafür. daß der Aufstieg der deutschen Luftfahrt sich nunmehr durch scharfe Zusammenfassung aller Kräfte im gesteigerten Tempo fortsehen und uns schließlich auf dem Boden der Gleichberechtigung die seit vierzehn Iahren entbehrte Sicherheit zur Luft geben werde.
Reichsminister Goring erllärte: Mit Mini
sterialdirektor Brandenburg fühle er sich durch die tiefe heilige Kameradschaft aus dem gemeinsamen Fronterlebnis eng verbunden. Stets habe er Brandenburgs Leistungen im Krieg und Frieden in verehrungsvoller Bewunderung verfolgt. Bei aller Größe seiner Leistunge>n im Kriege verdienten vielleicht seine Bemühungen um die Rettung der deutschen Luftfahrt in der Friedenszeit noch höhere Anerkennung. Ministerialdirektor Brandenburg sei er mit dem ganzen deutschen Volke dankbar, daß er in Genf die nationale Würde beim Ringen um die Freiheit mit Rachdruck vertreten habe. Deshalb habe er ihn auch gebeten, diese große Aufgabe fortzuführen, die ebenso wichtig sei, wie die Aufbauaufgabe im Innern. Für letztere habe er sich in Direktor Milch, seinem alten Kriegskameraden, einen Mann aus der praktischen Arbeit des Luftverkehrs herangezogen, um so die beiden besten Faktoren in den Dienst der deutschen Luftfahrt zu stellen, die vorwärts zu treiben er als heiligstes Vermächtnis empfinde. Er hoffe, daß der Gedanke der Luftfahrt tief in das Volk eindringe und damit dazu beitrage, den hehren Gedanken der Volksgemeinschaft zu fördern. In der deutschen Jugend müsse der Geist Richthofens, Boelckes und Jmmelmanns tief verwurzelt fein. Sein Kampf um die Freiheit und Entwicklung der Luftfahrt sei eine Ehrenfrage unseres Vaterlandes, damit wir auch auf diesem Gebiete gleichberechtigt in den Reihen der Kulturvölker dastehen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Weltflieger von Gronau in Gießen, t
Auf Einladung der Stadt und der Universität Gießen, der Provinzialdirektion und des Kreis- I amtes, sowie des Oberhessischen Automobilklubs | und des Vereins für Luftfahrt sprach der bekannte deutsche Weltflieger von Gronau gestern abend im Stadttheater über seine Erlebnisse bei seinem großen Fluge um die Welt. Die in ihrer Art für Gießen seltene Vorträgsveranstaltung hatte starkes Interesse in der Bürgerschaft ausgelöst, so daß das Theater gut besucht war; immerhin hätte die Beteiligung unserer Mitbürger noch stärker sein können, denn der aufschlußreiche Vortrag hätte ein ausverkauftes Haus verdient.
Bürgermeister Dr. Hamm als Dezernent des Stadttheaters und der Gießener Verkehrsverwaltung entbot dem prominenten Gast in herzlichen Worten den Willkommengruh unserer Stadt und versicherte, daß Gießen diesen Besuch als eine Auszeichnung empfinde. Dem Gast gab er weiterhin die Gewißheit, daß die Fliegerei in unserer Stadt eine gute Pflege und Förderung genießt, um dadurch beizutragen zur Wiedererringnng der angesehenen deutschen Stellung in der Luftfahrt, die unser Vaterland vor dem Kriege bereits besaß.
Herr von Gronau, von starkem und langanhaltendem Beifall empfangen, der ihm die herzliche Freude der Zuhörer über seinen Besuch Überzeugend zunv Ausdruck brachte, sprach zunächst über die grundlegenden Erwägungen, die für den großen Weltflug ausschlaggebend waren und die zum Ziel hatten, noch einmal die im Jahre 1930 bereits beflogene nördliche Route nach Amerika über Island und Grönland zu erproben, dann aber die weitere Strecke über den amerikanischen Kontinent, den Stillen Ozean, Ostasien und den Orient zurück nach Europa zu ermitteln und dabei festzustellen, unter welchen Bedingungen auf dieser Strecke eine gedeihliche Verkehrsfliegerei entwickelt werden kann. Es handelte sich also bei dem Weltflug nicht um ein flugsportliches llnternehmen, sondern um eine auf wissenschaftlicher Grundlage aufgebaute und weit in die Zukunft hineinragende Aktion, die mit Recht als Pwniertat ersten Ranges bewertet wurde. Rach- dem Herr v. G r o n a u seine mit großer Spannung lauschende Zuhörerschaft noch mit den wichtigsten technischen Einzelheiten der Flugboot-Einrichtung vertraut und im Bilde die Bekanntschaft mit der Besatzung vermittelt hatte, schilderte er in außerordentlich fesselnder, oftmals von feinem Humor gewürzter Erzählung im Plauderton seinen epochemachenden Flug. Im Geiste begleitete man ihn und seine Gefährten vom Ausgangspunkt des Fluges (Insel Sylt) nach Island, dann über Sudgrönland hinweg nach Alaska, Kanada den amerikanischen Kontinent, weiter bei der lleberquerung des Stillen Ozeans über die Meuten nach Japan, dann über Südchina, die holländischen Besitzungen, Indien, Ceylon, den Golf von Bengalen, über den Irak und das Mittelmeer hinweg nach Griechenland und Italien bis Genua von hier über die Alpen «ach dem Bodensee dann das Rheintal hinunter zum Riederrhein, hierauf über die Ems und die Rordsee nach Warnemünde zurück. Eine gewaltige Fülle von 'Eindrücken der I
verschiedensten Art und von großen Erkenntnissen in flugtechnischer, aber auch in wirtschaftlicher und politischer Beziehung, daneben ein reiches Maß landschaftlicher Schönheiten entrollten sich durch die Erzählung des Vortragenden und durch die Illustrierung an Hand vieler und guter Lichtbilder vor der sehr interessierten Zuhörerschaft. Es ist unmöglich, aus den reichen und vielseitigen Erlebnissen Gronaus und seiner Begleiter an dieser Stelle auch nur einen Auszug wiederzugeben, denn der Stoff ist zu gewaltig und die Leistungen und Erlebnisse sind samt und sonders so hervorragend, daß man schlechthin keine Auslese vornehmen kann, wenn man nicht der Gesamtleistung schaden will.
Beherrschend war wohl für jeden Besucher dieses denkwürdigen Vortragserlebnisses der Eindruck, daß Herr von Gronau und seine Gefährten dem deutschen 21 amen und der deutschen Sache durch diesen Weltflug einen ganz Hervorragenden Dienst erwiesen haben, der ihnen berechtigten Anspruch auf den Dank und die Anerkennung der ganzen Ration verleiht. Aus dieser Auffassung heraus dürfte wohl auch der sehr starke und langandauernde Beifall, der dem Vortragenden am Schlüsse seiner Erzählung für den unvergleichlichen Abend dankte, zu erklären sein. Wer diesen Vortrag besuchte, darf sich um den Besitz eines großen geistigen Erlebnisses reicher schätzen.
Mit dankbarer Anerkennung sei aber auch der Veranstalter gedacht, die der Gießener Bürgerschaft diese denkwürdige Bekanntschaft mit einem der Besten unseres Volkes vermittelten.
Forstmeister Graf Bernstorff f.
In Angenrod bei Alsfeld, seinem Ruhesitz, verstarb als einer der Senioren der deutschen Jägerei der mecklenburgische Forstmeister i.R. Eberhard G r a f B e r n st o r f f. Ein Weidmann aus der alten strengen Schule der hirschgerechten Jäger ist mit ihm dahingegangen, dessen Name über die Grenzen des Reiches hinaus einen guten Klang besaß. Wenn heute noch eine der edelsten deutschen Hunderassen, der Hannoversche Schweißhund, des Rotwildjägers Weidgeselle ist, so wird man im Verein „Hirschmann" die hohen Verdienste des Verstorbenen daran nicht vergessen. Aber auch jeher wahre Gebrauchshunde' mann kennt den langjährigen ständigen Richter der großen Berliner Prüfungen für den in allen Sätteln des praktischen Jagdbetriebes gerechten deutschen (3e- brauchshund.
Auch der Gebrauchshundebewegung in Hessen hat er durch seine Arbeit auf den Prüfungen des „Hubertus" in Gießen wertvolle Dienste geleistet. Daneben verdankt die Jagdwissenschaft ihm dadurch sehr viel, daß er die planmäßige und einheitliche Wildmarkierung ins Leben gerufen hat, eine Tat, die in ihrer Bedeutung gerade jetzt gewürdigt werden kann, weil praktische Ergebnisse in größerer Zahl zu Überblicken sind. „Den Vater der Wildmarken" hat ihn die Iägerwelt genannt, und der Allgemeine Deutsche Iagofchutzverein, der ihm und seiner Arbeit sehr viel verdankt, verlieh ihm seine höchsten Auszeichnungen.
Freundlich und hilfsbereit, wo es gatt, gutes deutsches Weidwerk zu pflegen, scharf in Wort und Schrift, wenn es der Bekämpfung des Schie- ßertums und der Iagdschinderei galt, so steht der
„alte Bernstorfs", wie ihn die oberhessischen Jäger voll Ehrfurcht nannten, vor dem Auge der deutschen Jägerei, wenn sie seinen Grabhügel mit grünen Brüchen schmückt. v
Oer Kreis-Obst- und Garienbauverein Gießen im Zahre 1932.
Der Kreis-, Obst- und Gartenbauverein Gießen hielt am Samstag im Ka- tholischen Vereinshaus seine diesjährige Jahreshauptversammlung ab. Der stellvertretende Vorsitzende, Gartenbauinspektor Rehnelt -Gießen, gedachte des im Laufe des Jahres nach Alzey versetzten 1. Vorsitzenden, Kreisdirektor Wolf, und hob dessen Verdienste um die Führung des Vereins hervor. Er schlug sodann die Wahl von Regierungsrat Dr. Krüger vom Kreisamt Gießen Aum neuen Vorsitzenden vor. Einstimmig wurde der Vorschlag angenommen. Degierungsrat Dr. Krüger versprach, alles zu tun, was in seinen Kräften stände, um die von seinem CBorgänger geschaffene Aufwärtsentwicklung des Vereins weiter zu fördern. Auf Beschluß des Vorstandes wurde Kreisdirektor Wolf einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Landwirt Wolf- Düdelsheim überbrachte die Grüße des Landwirtschaftskammer- Ausschusses für die Provinz Oberhessen.
Die Rechnungsablage durch P. Happel- Gießen ergab bei 2042,12 Mk. Einnahme und 1418,27 Mk. Ausgabe einen Heberschuß von 623,84 Mk., der teilweise zinstragend angelegt wurde. Dem Rechner wurde für seine einwandfreie Arbeit der Dank des Vereins ausgesprochen und ihm Entlastung erteilt. Der Voranschlag für 1933 ist mit 2050 Mk. ausgeglichen. Der größte Teil der eingehenden Beiträge kommt wieder den 40 Ortsvereinen zugute. Für die Weiterbildung der Baumwärter wurde eine Summe von 250 Mark vorgesehen.
Erstmalig wurden sechs Vereine mit Prämien bedacht, deren Daumpflege als mustergültig bezeichnet wurde. Es sind dies Bellersheim, Wieseck, Holzheim, Dettenhausen, Grün berg und Saubringen.
Anschließend erstattete Obstbauinspektor Enk - Ier (Gießen) den Rechenschaftsbericht. Er teilte u. a. mit, daß im Kreise Gießen im Jahre 1932 3812 Bäume mit 36168 Pfropfköpfen veredelt worden feien, und zwar in der Hauptsache mit den Standardsorten. Rund 6500 Pfropfreiser wurden seitens des Landwirtschaftskammer-Ausschusses Gießen zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse der an verschiedenen Stellen mit verschiedenen Pflanzenschutzmitteln durchgeführten Spritzversuche waren teilweise sehr befriedigend. Heber 41 800 Obstbäume wurden einer planmäßigen Winterspritzung mit Obstbaumkarbolineum unterworfen. Reben 29 Vorträgen und 26 Ge- markungsrundgängen wurde noch ein Pfropf- und Schnittkursus abgehalten.
In der Zusammensetzung des Vorstandes gab es einige Aenderungen. Für den zurückgetretenen, 20 Jahre dem Vorstände angehörenden Rektor • Bender (Watzenborn-Steinberg) wurde Bürgermeister Schäfer (Watzenborn-Steinberg) gewählt. Ferner wurde der Vorstand um zwei weitere Beisitzer, Bürgermeister Lang (Grohen- Linden) und Bürgermeister Metzger (Röthges), erweitert.
Im Mittelpunkt der Versammlung stand ein Vortrag von Obstbau-Oberinspektor Mazarin- Worms über: Wie erzielen wir in Oberhessen Qualitätsobst?" Der Redner wies auf Grund feiner jahrzehntelangen Erfahrungen auf die Rotwendigkeit verbesserter Baumpflege und besonders der Düngung hin und forderte die Anpflanzung von Hochbüschen, sowie ein besseres Sortieren und Verpacken des Obstes und den Anbau der in die Augen fallenden Sorten. Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen. Eine Verlosung von Obstbäumen, Beerensträuchern, Rosen, Sämereien und Risthöhlen beschloß die anregend verlaufene Tagung.
Am Vormittag fand eine Versammlung der „Arbeitsgemeinschaft derBaumwär- ter des Kreises Gießen" statt, die sich unter Leitung von Baumwart W. Kopf I. - Bellersheim mit Fachfragen beschäftigte und bei der Obstbauinspektor Metternich-Büdingen. Obstbauinspektor E n k l e r-Gießen und Baum- Wart Weisel- Muschenheim Vorträge aus dem Gebiete des Obstbaues hielten.
Daten für Montag, 6. Februar.
1846: der oberbayrische Maler Karl Haider in München geboren; — 1860: der Dichter und Philosoph Bruno Wille in Magdeburg geboren; — 1864: der Dichter Henry Mackay in Greenrock geboren; — 1866: der Geograph Karl Sapper in Wittislingen geboren; — 1919: Eröffnung der Deutschen Nationalversammlung in Weimar; — 1922: Kardinal Ratti wird Papst (Pius XL).
Vornotizen.
— Tageskalender für Montag. Stadt- theater: 20 bis 23 Uhr: „Die endlose Straße". — Allgemeiner Deutscher Frauenverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 13, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung der Arbeiten des Freiwilligen weiblichen Arbeitsdienstes. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die luftigen Weiber von Wien". — Wiesecker Lichtspiele: 20.30 Uhr, „Der Geheimagent".
** Vom Stadttheaterbureau werden wir gebeten, darauf hinzuweisen, daß „Das Drei- mäderlhaus" nicht als 17. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement, sondern als 17. Vorstellung im Dienstag- Abonnement gegeben wird. In der Vornotiz des Stadttheaterbureaus in der heutigen Frühausgabe war ein Fehler unterlaufen.
** Außerordentliche Generalversammlung des Gleiberg-V er eins. Der Vorstand des Gleiberg-Vereins hatte auf Samstag nachmittag eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, die unter starker Teilnahme der Mitglieder (viele waren auch aus Krofdorf erschienen) im Saale des „Aquariums" stattfand. Der einzige Punkt der Tagesordnung betraf die Reuverpachtung der Gleiberg-Bewirtschaftung. Der Vereins-Vorsitzende, Provinzialdirektor G r a e f, gab bekannt, daß sich der Vorstand nach eingehender Beratung in sechs Sitzungen entschlossen habe, eine Reuverpachtung der Gleiberg-Bewirtschaftung in die Wege zu leiten. In Einzelheiten begründete er diese Rotwendigkeit und gab der Versammlung von einem inzwischen vorbereiteten Vertrag Kenntnis, der mit einer hiesigen Drauereifirrna abgeschlossen werden solle und bei neuzeitlicher bzw. zeitgemäßer Bewirtschaftung der Burg dem Verein statt der bisherigen 800 Mark eine Pachtsumme von 1500 Mark einbringe. In der eingehenden Aussprache erklärten sich die meisten Redner für die Belassung des bisherigen Pächters. Die Versammlung ergab, daß eine Einigung zwischen den Mitglie-


