Ausgabe 
6.2.1933 Erstes Blatt
 
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DaspreußischeSlaaismiliisterium ausgeschaltet.

Der Reichskommissar erhält die Befugnisse des Preußischen Staatsministeriums.

B e r l i n, 6. Febr. (WIB. Funkspruch.) Es wird eineVerordnung zur Herstellung geordneter Re­gierungsverhältnisse in Preußen" veröffentlicht, de­ren wichtigster Artikel lautet: Durch das Verhalten des Landes Preußen gegenüber dem Urteil des Staatsgerichlshofes für das Deutsche Reich vom 25- Oktober 1932 ist eine Verwirrung im Staatslebeu eingetreten, die das Staats- (eben gefährdet. Ich übertrage deshalb bis auf weiteres dem Reichskommissar für das Land Preußen und seinen Beauf­tragten die Befugnisse, die nach dem er­wähnten Urteil dem preußischen Staats­ministerium und seinen Mitgliedern zustehen. Der Reichspräsident, gez. von Hindenburg.

Für den Reichskanzler: gez. v. Popen, Stellvertreter des Reichskanzlers. Hugenbergs Wirtschaftspolitik Wiederherstellung des Vertrauens im Interesse von Gläubiger und Schuldner. Berlin, 6. Febr. (ERB. Funkspruch.) Einem Mitarbeiter desLokalanzeigers" erklärte Reichs» Minister Dr. hu gen berg u. a.: Ich bitte davon auszugeben, daß alles falsch ist, was in diesen Tagen über wirtschaftspolitische 21b» sichten geschrieben wird, wenn es nicht von mir kommt. Insbesondere bin ich mir darüber klar, daß es eine Börse gibt und daß es nicht die Aufgabe des Wirtfchaftsministers sein kann, zu spekulativen Mit­teln Anlaß zu geben. Mir scheint sogar, daß die­jenigen schlecht beraten sind. Die jetzt auf unseren Rentenmarkt drücken. Zwangs­eingriffe in die bestehenden Zinsoe^einbarungen, wie sie die Dezemberverordnung des Kabinetts Brü­ning empfiehlt, entsprechen meinen wirtschaftspoli­tischen Auffassungen ebenso wenig, wie sonstiges herumpfuschen des Staates an Dingen, die sich orga­nisch aus sich selbst entwickeln können. Damit ver­trete ich natürlich nicht die Theorie vom Staate als Nachtwächter. Daß Staat und Wirtschaft an einer organischen Senkung des übermäßig hohen Zinsfußes gleichmäßig interessiert sind, bedarf keines Wortes. Auch für die Gläubiger ist die so oft bedrohte Sicherheit des Spar­kapitals wichtiger als die höhe des durch die oraanische Entwicklung der wirtschaftlichen Verhält­nisse bedingten Zinsfußes. Darum gibt es in Wahr­heit keinen Gegensatz zwischen Schuldner und Gläu­biger. Ihr gemeinsames Interesse besteht in der Wiederher st ellung der Sicherheit, d. h. des Vertrauens. Wie und wo im einzelnen die brennenden Fragen anzufassen sind, möchte ich mit derjenigen Ruhe entscheiden, die man auch in un­ruhigen Zeiten nicht verlieren soll. Zu übereilten Experimenten ist die Zeit ebensowenig angetan, wie zur Passivität.

Der Kranz derSydney" für die Helden der Wen.

Feier in Wilhelmshaven.

Wilhelmshaven, 5. Febr. (ERB.) Am Sonntagmittag erfolgte in der evangelischen Standortkirche, der Elisabeth-Kirche, die feierliche Diederlegung des von der früheren Besatzung des australischen KreuzersSydney" für die erste Emden" gestifteten und von Australien nach Deutschland übergeführten Kranzes. Zu der Feier waren Abordnungen aller Marineteile mit dem Chef der Marinestation der Nordsee. Admiral F ö r st e r. und dem Befehlshaber der Linien­schiffe, Commodore Bastian, erschienen.

Der mächtige, glasklare Block von Eis. in dem sich der Kranz befindet, war vor dem Altar aus­gestellt. Deutlich sah man den frifchgrünen Lor- oeerkranz mit blutroten Blüten und die alte Kriegsflagge davor ausgebreitet. Eine Rettungs­boje des KreuzersEmden", an den Eisblock ge­lehnt, deutete auf die Derbindung der jetzigen Reichsmarine mit der Bergangenheit hin. An einem Flaggenstock war die alte Kriegsflagge halbmast gesetzt.

Rach einem Musikvortrag der Kapelle der II. Marine-Artillerie-Abteilung und dem gemeinsa­men GesangHarre meine Seele" begann Marine­stationspfarrer Ronneberger seine An­sprache. Wenn jetzt in dieser Feierstunde, so führte er aus. unsere Blicke auf den Lorbeerkranz fallen, der dort umschlossen ist vom kristallenen Eis und der nach langer Fahrt von Australiens Küste, aus Australiens Hauptstadt von ehemali­gen Desatzungsangehörigen des australischen Kreu­zersSydney" gesandt, zu uns gekommen ist. dann sehen wir die Worte geschrieben: Sag' nicht, daß Helden sterben. Hm ihrer Taten willen ha­ben die ehemaligen Gegner dieses äußere Zeichen ihres Erinnerns von Australien nach Deutschland geschickt.

Mit dem LiedIch hatt' einen Kameraden" und gemeinsamem Gesang schloß die Gedenk­feier.

Keine Klärung für Daladier.

P a r i s. 4. Febr. (CRB.-Funkspruch.) Das De­büt des Ministeriums Daladier hat sich ohne be­sonderes Interesse vollzogen. Die S o z i a l i st e n deren Unterstützung für die Lebensfähigkeit der neuen Regierung erforderlich ist, haben sich nicht ohne Zögern erst im Laufe des Abends dazu bereit erklärt, die gleiche Haltung einzunehmen, wie sie seit dem Monat Juli vorigen Jahres festzustellen war. Eine Bindung jedoch sind die Sozialisten nicht eingegangen und so kann man wohl sagen, daß Ministerpräsident Da­ladier sich die Stimmen der Sozialisten von Fall zu Fall neu verdienen muß. Hinzu kommt, daß der jetzige Fraktionsvorsitzende der Radikalen Edouard Herriot, gegen Ende der Debatte sich höchst seltsam über die Regierungs­mehrheit geäußert hat. Er sprach nämlich von einer demokratischen Mehrheit, die soweit wie irgend möglich gehen solle, was dahinge­deutet wurde, daß Herriot sich dem Gedanken der Konzentration genähert habe und daß er andeuten wolle, was er als der Führer der Radikalen au begünstigen gedenke. Die Sozialisten haben deshalb nach Schluß der Rede Herriots keine Hand gerührt und unter eisigem Schweigen der Linken mußte Herriot die Redner­tribüne verlassen. Daladier wird erst am Diens­tag sein Finanzsanierungsprogramm der Kammer unterbreiten, dann wird sich auch möglicherweise

die Situation für ihn klären. Das gestrige Debüt hat jedenfalls nichts geklärt. Die innen­politische Lage in Frankreich bleibt nach wie vor abhängig von der Lösung der Finanzreform, für die das ANeinmittel auch nach den gestrigen Er­klärungen Daladiers noch nicht gefunden zu sein scheint.

Kleine politische Nachrichten.

Vizekanzler v. P a p e n hatte eine Unterredung mit dem Vorsitzenden Der Bayerischen Dolkspar- tei, Staatsrat Schäffer, der Erkundigungen über die Absichten eingezogen hat, die die Reichs­regierung in verfassungsrechtlicher Hinsicht habe.

In der Presse wird behauptet, die Reichsregie­rung erwäge die Einsetzung von Reichs­kommissaren in Ländern mit ge- fchäftsführenden Regierungen. Von der Reichsregierung wird Wert darauf gelegt, festzustellen, daß die Einsetzung derartiger Reichskommissare nicht beabsichtigt sei.

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Englische Blätter haben über angebliche Mei­nungsverschiedenheiten innerhalb des Reichs­kabinetts in bezug auf eine Heimkehr des Kaisers nach Deutschland berichtet. 11. a. soll Reichskanzler Hitler dem von Hugenberg

vorgeschlagenen Plan einer Wiedereinsetzung des Kaisers zugestimmt haben. Alle diese Meldungen werden von amtlicher Seite als grober Un­fug bezeichnet.

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Amtlich wird unter Hinweis auf das Verbot der thüringischen Regierung, Rathäuser mit roten Fahnen zu beflaggen, mitgeteilt, daß in $) e f - s e n grundsätzlich keine Parteifahnen auf Rathäusern gehißt werden dürfen. Wo dies dennoch erfolgt, sind die Kreisämter zum Einschrei­ten aufaefordert worden, und zwar gegen jeg­liche Parteibeflaggung.

Die thüringische Regierung hat eine Anordnung erlassen, nach der es unzulässig ist, daß die fom- monistischen Vertreter in den Gemeinde­parlamenten den Kommunalverwaltungs- a u s s ch ü s s e n angehören.

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Die Hagener Polizei hat eine von der Kommuni­stischen Partei unterhaltene geheime Vervielfältig gungs- und Verbreitungszentrale für illegale Zersetzungsschriften hochver­räterischen Inhalts ausgehoben, die seit langem eine wohlorganisierte umstürzlerische Propaganda in ganz Südwestfalen betrieb' Der Polizei ist wichtiges Schriftenmaterial in großem Umfange in die Hände gefallen. Die Rädelsführer wurden verhaftet.

Reichsminister Göring übernimmt die Leitung der Lustfahrt.

Berlin, 4. Febr. (TU.) Im Reichsverkehrs­ministerium übergab Reichsverkehrsminister Frei­herr v. Elh - Rübenach dem Reichsminister Göring als Reichskommissar für die Luftfahrt die Luftfahrtabteilung des RDM.

Der verstorbene Reichsverkehrsminister Oeser habe das Verdienst, damals in Ministerialdirektor D.-Ing. Brandenburg einen Mann an die Spitze der Luftfahrt berufen zu haben, der trotz schwerster Kriegsverletzung berufen gewesen sei, mit seiner flammenden Begeisterung die deutsche Luftfahrt einem Hellen Morgen entgegenzusteuern. Reben der Tüchtigkeit und Aufopferung der deut­schen Luftfahrer, neben dem Genie, dem Erfin­dungsgeist der deutschen Ingenieure und der er­folgreichen Forschung der deutschen Wissenschaft sei alles, was auf dem Gebiete der deutschen Luftfahrt die Anerkennung der deutschen Welt ge­funden habe, das Verdienst von Ministerialdirek­tor Brandenburg und seiner Mitarbeiter, denen der Minister den Dank der Reichsregierung aus­sprach. Frhr. v. Eltz begrüßte Minister Göring als einen der hervorragendsten und ruhmreichsten Kampfflieger im Weltkriege und als unermüdli­chen Vertreter des Luftfahrtgedankens im Frie­den. Seine Person biete die sicherste Gewähr da­für. daß der Aufstieg der deutschen Luftfahrt sich nunmehr durch scharfe Zusammenfas­sung aller Kräfte im gesteigerten Tempo fortsehen und uns schließlich auf dem Boden der Gleichberechtigung die seit vierzehn Iahren ent­behrte Sicherheit zur Luft geben werde.

Reichsminister Goring erllärte: Mit Mini­

sterialdirektor Brandenburg fühle er sich durch die tiefe heilige Kameradschaft aus dem gemein­samen Fronterlebnis eng verbunden. Stets habe er Brandenburgs Leistungen im Krieg und Frie­den in verehrungsvoller Bewunderung verfolgt. Bei aller Größe seiner Leistunge>n im Kriege verdienten vielleicht seine Bemühungen um die Rettung der deutschen Luftfahrt in der Friedens­zeit noch höhere Anerkennung. Ministerialdirek­tor Brandenburg sei er mit dem ganzen deut­schen Volke dankbar, daß er in Genf die natio­nale Würde beim Ringen um die Freiheit mit Rachdruck vertreten habe. Deshalb habe er ihn auch gebeten, diese große Aufgabe fortzuführen, die ebenso wichtig sei, wie die Aufbauaufgabe im Innern. Für letztere habe er sich in Direktor Milch, seinem alten Kriegskameraden, einen Mann aus der praktischen Arbeit des Luftver­kehrs herangezogen, um so die beiden besten Faktoren in den Dienst der deutschen Luftfahrt zu stellen, die vorwärts zu treiben er als heilig­stes Vermächtnis empfinde. Er hoffe, daß der Gedanke der Luftfahrt tief in das Volk ein­dringe und damit dazu beitrage, den hehren Ge­danken der Volksgemeinschaft zu fördern. In der deutschen Jugend müsse der Geist Richthofens, Boelckes und Jmmelmanns tief verwurzelt fein. Sein Kampf um die Freiheit und Entwicklung der Luftfahrt sei eine Ehrenfrage unseres Vater­landes, damit wir auch auf diesem Gebiete gleich­berechtigt in den Reihen der Kulturvölker da­stehen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Weltflieger von Gronau in Gießen, t

Auf Einladung der Stadt und der Universität Gießen, der Provinzialdirektion und des Kreis- I amtes, sowie des Oberhessischen Automobilklubs | und des Vereins für Luftfahrt sprach der bekannte deutsche Weltflieger von Gronau gestern abend im Stadttheater über seine Erlebnisse bei seinem großen Fluge um die Welt. Die in ihrer Art für Gießen seltene Vorträgsveranstaltung hatte star­kes Interesse in der Bürgerschaft ausgelöst, so daß das Theater gut besucht war; immerhin hätte die Beteiligung unserer Mitbürger noch stärker sein können, denn der aufschlußreiche Vortrag hätte ein ausverkauftes Haus verdient.

Bürgermeister Dr. Hamm als Dezernent des Stadttheaters und der Gießener Verkehrsverwal­tung entbot dem prominenten Gast in herzlichen Worten den Willkommengruh unserer Stadt und versicherte, daß Gießen diesen Besuch als eine Auszeichnung empfinde. Dem Gast gab er wei­terhin die Gewißheit, daß die Fliegerei in unserer Stadt eine gute Pflege und Förderung genießt, um dadurch beizutragen zur Wiedererringnng der angesehenen deutschen Stellung in der Luftfahrt, die unser Vaterland vor dem Kriege bereits be­saß.

Herr von Gronau, von starkem und lang­anhaltendem Beifall empfangen, der ihm die herz­liche Freude der Zuhörer über seinen Besuch Überzeugend zunv Ausdruck brachte, sprach zu­nächst über die grundlegenden Erwägungen, die für den großen Weltflug ausschlaggebend waren und die zum Ziel hatten, noch einmal die im Jahre 1930 bereits beflogene nördliche Route nach Amerika über Island und Grönland zu erproben, dann aber die weitere Strecke über den amerika­nischen Kontinent, den Stillen Ozean, Ostasien und den Orient zurück nach Europa zu ermitteln und dabei festzustellen, unter welchen Bedingun­gen auf dieser Strecke eine gedeihliche Verkehrs­fliegerei entwickelt werden kann. Es handelte sich also bei dem Weltflug nicht um ein flugsportliches llnternehmen, sondern um eine auf wissenschaft­licher Grundlage aufgebaute und weit in die Zu­kunft hineinragende Aktion, die mit Recht als Pwniertat ersten Ranges bewertet wurde. Rach- dem Herr v. G r o n a u seine mit großer Span­nung lauschende Zuhörerschaft noch mit den wich­tigsten technischen Einzelheiten der Flugboot-Ein­richtung vertraut und im Bilde die Bekanntschaft mit der Besatzung vermittelt hatte, schilderte er in außerordentlich fesselnder, oftmals von feinem Humor gewürzter Erzählung im Plauderton sei­nen epochemachenden Flug. Im Geiste begleitete man ihn und seine Gefährten vom Ausgangs­punkt des Fluges (Insel Sylt) nach Island, dann über Sudgrönland hinweg nach Alaska, Kanada den amerikanischen Kontinent, weiter bei der lleberquerung des Stillen Ozeans über die Meu­ten nach Japan, dann über Südchina, die hollän­dischen Besitzungen, Indien, Ceylon, den Golf von Bengalen, über den Irak und das Mittelmeer hinweg nach Griechenland und Italien bis Genua von hier über die Alpen «ach dem Bodensee dann das Rheintal hinunter zum Riederrhein, hierauf über die Ems und die Rordsee nach Warnemünde zurück. Eine gewaltige Fülle von 'Eindrücken der I

verschiedensten Art und von großen Erkenntnissen in flugtechnischer, aber auch in wirtschaftlicher und politischer Beziehung, daneben ein reiches Maß landschaftlicher Schönheiten entrollten sich durch die Erzählung des Vortragenden und durch die Illustrierung an Hand vieler und guter Licht­bilder vor der sehr interessierten Zuhörerschaft. Es ist unmöglich, aus den reichen und vielseitigen Erlebnissen Gronaus und seiner Begleiter an dieser Stelle auch nur einen Auszug wiederzu­geben, denn der Stoff ist zu gewaltig und die Leistungen und Erlebnisse sind samt und sonders so hervorragend, daß man schlechthin keine Aus­lese vornehmen kann, wenn man nicht der Ge­samtleistung schaden will.

Beherrschend war wohl für jeden Besucher die­ses denkwürdigen Vortragserlebnisses der Ein­druck, daß Herr von Gronau und seine Ge­fährten dem deutschen 21 amen und der deutschen Sache durch diesen Weltflug einen ganz Hervor­ragenden Dienst erwiesen haben, der ihnen berech­tigten Anspruch auf den Dank und die Aner­kennung der ganzen Ration verleiht. Aus dieser Auffassung heraus dürfte wohl auch der sehr starke und langandauernde Beifall, der dem Vortragen­den am Schlüsse seiner Erzählung für den unver­gleichlichen Abend dankte, zu erklären sein. Wer diesen Vortrag besuchte, darf sich um den Besitz eines großen geistigen Erlebnisses reicher schätzen.

Mit dankbarer Anerkennung sei aber auch der Veranstalter gedacht, die der Gießener Bür­gerschaft diese denkwürdige Bekanntschaft mit einem der Besten unseres Volkes vermittelten.

Forstmeister Graf Bernstorff f.

In Angenrod bei Alsfeld, seinem Ruhesitz, ver­starb als einer der Senioren der deutschen Jägerei der mecklenburgische Forstmeister i.R. Eberhard G r a f B e r n st o r f f. Ein Weidmann aus der alten strengen Schule der hirschgerechten Jäger ist mit ihm dahingegangen, dessen Name über die Grenzen des Reiches hinaus einen guten Klang besaß. Wenn heute noch eine der edelsten deutschen Hunderassen, der Hannoversche Schweißhund, des Rotwildjägers Weidgeselle ist, so wird man im VereinHirschmann" die hohen Verdienste des Verstorbenen daran nicht vergessen. Aber auch jeher wahre Gebrauchshunde' mann kennt den langjährigen ständigen Richter der großen Berliner Prüfungen für den in allen Sätteln des praktischen Jagdbetriebes gerechten deutschen (3e- brauchshund.

Auch der Gebrauchshundebewegung in Hessen hat er durch seine Arbeit auf den Prüfungen des Hubertus" in Gießen wertvolle Dienste geleistet. Daneben verdankt die Jagdwissenschaft ihm da­durch sehr viel, daß er die planmäßige und ein­heitliche Wildmarkierung ins Leben gerufen hat, eine Tat, die in ihrer Bedeutung gerade jetzt ge­würdigt werden kann, weil praktische Ergebnisse in größerer Zahl zu Überblicken sind.Den Vater der Wildmarken" hat ihn die Iägerwelt genannt, und der Allgemeine Deutsche Iagofchutzverein, der ihm und seiner Arbeit sehr viel verdankt, verlieh ihm seine höchsten Auszeichnungen.

Freundlich und hilfsbereit, wo es gatt, gutes deutsches Weidwerk zu pflegen, scharf in Wort und Schrift, wenn es der Bekämpfung des Schie- ßertums und der Iagdschinderei galt, so steht der

alte Bernstorfs", wie ihn die oberhessischen Jäger voll Ehrfurcht nannten, vor dem Auge der deut­schen Jägerei, wenn sie seinen Grabhügel mit grünen Brüchen schmückt. v

Oer Kreis-Obst- und Garienbauverein Gießen im Zahre 1932.

Der Kreis-, Obst- und Gartenbau­verein Gießen hielt am Samstag im Ka- tholischen Vereinshaus seine diesjährige Jahreshauptversammlung ab. Der stellvertretende Vorsitzende, Gartenbauinspektor Rehnelt -Gießen, gedachte des im Laufe des Jahres nach Alzey versetzten 1. Vorsitzenden, Kreisdirektor Wolf, und hob dessen Verdienste um die Führung des Vereins hervor. Er schlug sodann die Wahl von Regierungsrat Dr. Krü­ger vom Kreisamt Gießen Aum neuen Vor­sitzenden vor. Einstimmig wurde der Vorschlag angenommen. Degierungsrat Dr. Krüger ver­sprach, alles zu tun, was in seinen Kräften stände, um die von seinem CBorgänger geschaffene Auf­wärtsentwicklung des Vereins weiter zu för­dern. Auf Beschluß des Vorstandes wurde Kreis­direktor Wolf einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Landwirt Wolf- Düdelsheim über­brachte die Grüße des Landwirtschaftskammer- Ausschusses für die Provinz Oberhessen.

Die Rechnungsablage durch P. Happel- Gießen ergab bei 2042,12 Mk. Einnahme und 1418,27 Mk. Ausgabe einen Heberschuß von 623,84 Mk., der teilweise zinstragend angelegt wurde. Dem Rechner wurde für seine einwand­freie Arbeit der Dank des Vereins ausgespro­chen und ihm Entlastung erteilt. Der Voranschlag für 1933 ist mit 2050 Mk. ausgeglichen. Der größte Teil der eingehenden Beiträge kommt wieder den 40 Ortsvereinen zugute. Für die Weiterbildung der Baumwärter wurde eine Summe von 250 Mark vorgesehen.

Erstmalig wurden sechs Vereine mit Prämien bedacht, deren Daumpflege als mustergültig be­zeichnet wurde. Es sind dies Bellersheim, Wieseck, Holzheim, Dettenhausen, Grün berg und Saubringen.

Anschließend erstattete Obstbauinspektor Enk - Ier (Gießen) den Rechenschaftsbericht. Er teilte u. a. mit, daß im Kreise Gießen im Jahre 1932 3812 Bäume mit 36168 Pfropfköpfen veredelt worden feien, und zwar in der Hauptsache mit den Standardsorten. Rund 6500 Pfropfreiser wurden seitens des Landwirtschaftskammer-Aus­schusses Gießen zur Verfügung gestellt. Die Er­gebnisse der an verschiedenen Stellen mit ver­schiedenen Pflanzenschutzmitteln durchgeführten Spritzversuche waren teilweise sehr befriedigend. Heber 41 800 Obstbäume wurden einer planmäßi­gen Winterspritzung mit Obstbaumkarbolineum unterworfen. Reben 29 Vorträgen und 26 Ge- markungsrundgängen wurde noch ein Pfropf- und Schnittkursus abgehalten.

In der Zusammensetzung des Vorstandes gab es einige Aenderungen. Für den zurückgetretenen, 20 Jahre dem Vorstände angehörenden Rektor Bender (Watzenborn-Steinberg) wurde Bür­germeister Schäfer (Watzenborn-Steinberg) ge­wählt. Ferner wurde der Vorstand um zwei weitere Beisitzer, Bürgermeister Lang (Grohen- Linden) und Bürgermeister Metzger (Röthges), erweitert.

Im Mittelpunkt der Versammlung stand ein Vortrag von Obstbau-Oberinspektor Mazarin- Worms über: Wie erzielen wir in Oberhessen Qualitätsobst?" Der Redner wies auf Grund feiner jahrzehntelangen Erfahrungen auf die Rot­wendigkeit verbesserter Baumpflege und beson­ders der Düngung hin und forderte die An­pflanzung von Hochbüschen, sowie ein besseres Sortieren und Verpacken des Obstes und den Anbau der in die Augen fallenden Sorten. Rei­cher Beifall lohnte seine Ausführungen. Eine Verlosung von Obstbäumen, Beerensträuchern, Rosen, Sämereien und Risthöhlen beschloß die anregend verlaufene Tagung.

Am Vormittag fand eine Versammlung der Arbeitsgemeinschaft derBaumwär- ter des Kreises Gießen" statt, die sich unter Leitung von Baumwart W. Kopf I. - Bellersheim mit Fachfragen beschäftigte und bei der Obstbauinspektor Metternich-Büdingen. Obstbauinspektor E n k l e r-Gießen und Baum- Wart Weisel- Muschenheim Vorträge aus dem Gebiete des Obstbaues hielten.

Daten für Montag, 6. Februar.

1846: der oberbayrische Maler Karl Haider in München geboren; 1860: der Dichter und Philo­soph Bruno Wille in Magdeburg geboren; 1864: der Dichter Henry Mackay in Greenrock geboren; 1866: der Geograph Karl Sapper in Wittislingen geboren; 1919: Eröffnung der Deutschen Natio­nalversammlung in Weimar; 1922: Kardinal Ratti wird Papst (Pius XL).

Vornotizen.

Tageskalender für Montag. Stadt- theater: 20 bis 23 Uhr:Die endlose Straße". Allgemeiner Deutscher Frauenverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 13, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung der Arbeiten des Freiwilligen weiblichen Arbeits­dienstes. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die luftigen Weiber von Wien". Wiesecker Lichtspiele: 20.30 Uhr,Der Geheimagent".

** Vom Stadttheaterbureau werden wir gebeten, darauf hinzuweisen, daßDas Drei- mäderlhaus" nicht als 17. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement, sondern als 17. Vorstellung im Dienstag- Abonnement gegeben wird. In der Vornotiz des Stadttheaterbureaus in der heutigen Frühausgabe war ein Fehler unterlaufen.

** Außerordentliche Generalver­sammlung des Gleiberg-V er eins. Der Vorstand des Gleiberg-Vereins hatte auf Samstag nachmittag eine außerordentliche Gene­ralversammlung einberufen, die unter starker Teil­nahme der Mitglieder (viele waren auch aus Krof­dorf erschienen) im Saale desAquariums" statt­fand. Der einzige Punkt der Tagesordnung be­traf die Reuverpachtung der Gleiberg-Bewirt­schaftung. Der Vereins-Vorsitzende, Provinzial­direktor G r a e f, gab bekannt, daß sich der Vor­stand nach eingehender Beratung in sechs Sitzun­gen entschlossen habe, eine Reuverpachtung der Gleiberg-Bewirtschaftung in die Wege zu leiten. In Einzelheiten begründete er diese Rotwendig­keit und gab der Versammlung von einem in­zwischen vorbereiteten Vertrag Kenntnis, der mit einer hiesigen Drauereifirrna abgeschlossen wer­den solle und bei neuzeitlicher bzw. zeitgemäßer Bewirtschaftung der Burg dem Verein statt der bisherigen 800 Mark eine Pachtsumme von 1500 Mark einbringe. In der eingehenden Aussprache erklärten sich die meisten Redner für die Belas­sung des bisherigen Pächters. Die Versammlung ergab, daß eine Einigung zwischen den Mitglie-