die eigenen Kandidaten durchzubekommen, font* mandierten sie, um den Sozialbemokraten nicht den Sieg zu lassen, fünf Stadtverordnete ab, die für d i e k o m m u n i st i s ch e n K a n d i d a t e n stimmten. So wurden zum Vorsteher und zu dessen ersten Stellvertreter Kommuni st en gewählt. Auch der zweite Stellvertreter und die Schriftführer wurden Kommunisten, so baß sich das neue Stadtverordnctenpräsidium also aus fünf Kommunisten zusammensetzt.
Geheimrat Ernst von Borfigf
Berlin, 6. Ian. (D3TB. Funkspruch.) Geheimer Kommerzienrat Dr.-Jng. Ernst von B o r | i g ist heute früh auf seinem Gut Groß-Behnih, 63 Jahre alt. am Herzschlag verschieden.
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Ernst v. Borsig wurde 1871 in Berlin als zweiter der drei Söhne von Albert Borsig geboren. Der Vater hatte 1854 die weltbekannte Maschinenfabrik A. Borsig von s.inem Vater A 'gust Borsig überirommen, der das Werk 1837 in Berlin begründet hatte und schon im Jahre 1847 nicht weniger als 67 Lokomotiven herstellte. Albert Borsig hatte von 1859 bis 1862 das Hochofen- werk Borsigwerk in Oberschlesien erbaut und auch Kohlenfelder bei Biskupih erworben. 1894 übernahmen Albert Dorsigs drei Söhne Arnold, Ernst und Conrad die Verwaltung der Werke aus den Händen eines Kuratoriums, in denen sie seit des Vaters Tod 1878 gelegen hatte. Arnold Borsig verunglückte tödlich 1897 in einer seiner oberschlesischen Gruben, so baß Conrad und Ernst die beiden (Inhaber der Firma waren.
Ernst v. Borsig war bis 1931 Vorsitzender der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände. Dor- sig war Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank, der Borsigwerke AG., in welche Gesellschaftsform die Familiengründung im Jahre 1920 verwandelt wurde, und vieler anderer älntemch- mungeir, ferner Vorsitzender des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller.
Erhöhte Zeuersgefahr auf -er „Atlaniique".
Paris, 6. Jan. (CNB. Funkspruch.) In der französischen Presse war die Behauptung aufgestellt worden, daß der Brand der „Atlantique" auf einen Sabotageakt zurückgeführt werden müsse, und ein Abendblatt war sogar soweit gegangen, in versteckter Weise Deutschland zu verdächtigen.
Gegen die grotesken Beschuldigungen wendet sich aufs schärfste Heros in seiner „Bictoire". Er erklärt, man muß die Annahme einer böswilligen Handlung ausschalten, und sich hüten, dem an sich schon erregten Publikum den Verfolgungswahn ein- zuimpfen. Die „Atlantique", fährt Heros fort, sei ebenso wie der im Roten Meer durch einen Brand vernichtete Passagierdampfer „Georges Philippen" von derselben Werft erbaut und von derselben Gesellschaft ausgerüstet worden. Bereits im vorigen Jahr habe ein bekannter Architekt von Bord der „Atlantique" seiner Familie geschrieben, daß eigentlich nur der Schiffsrumpf und die Maschinen als einwandfrei gelten können, während die gesamte Jnnenaus- stattung beweise, daß die Ingenieure und Architekten Landratten seien. Bei der Einrichtung sei außerordentlich viel Holz verwendet worden, um dem ganzen einen luxuriösen Anstrich zu geben, wodurch aber die Feuersgefahr sehr gestiegen sei. Darauf hätten dann auch die großen Versicherungsgesellschaften hingewiesen und es abgelehnt, das volle Risiko zu übernehmen.
In der Frühausgabe brachten wir eine Beschreibung der Inneneinrichtung der „Atlantique", in der auch von einer Gärtnerei die Rede war. Sie zeigte natürlich die herrlichsten Züchtungen südländischer Flora (nicht Fauna, wie es dort fälschlich hieß).
Sn Irourn doid W
Roman von Margarete Antelmann.
Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle (Saale)
24 Fortsetzung. Nachdruck oerboten.
3n dem zweiten Jahre ihrer Ehe hatte sie einen herzigen Knaben bekommen. Mit drei Jahren war der Junge einer Grippe erlegen, zum ungeheuren Schmerz seiner Eltern.
Allmählich hatten sie sich mit diesem Schicksal abgefunden. Edith Calonni war eine zufriedene Frau. Ihr Mann war tüchtig, hatte eine gute Stellung als Werkmeister in einer Makkaronifabrik, war arbeitsam und sparsam; er liebte sie. und sie war glücklich.
Magdalene war wieder in die Sphäre zurück- gekehrt, aus der sie gekommen war. Wie ein leuchtendes Meteor war eine Helle Zukunft vor ihr aufgetaucht, um ebenso schnell wieder zu versinken; nichts zurücklassend als Dunkelheit und Sehnsucht.
Als August Richter den Genueser Hafen erreichte. lag das Schiff schon seit zwei Stunden vor Anker. Die Ausschiffung der Pafsagiere war noch nicht beendet.
Doktor Richter lieh sich zu dem Kapitän führen. Er erzählte ihm alles, was sich in der Zwischenzeit ereignet hatte, und breitete schließlich den Inhalt der Aktentasche vor ihm aus, wenigstens soweit er die Schmucksachen der Schiffspassagiere betraf.
Daß er die Papiere und Gelder Magdalene Winters gefunden hatte, verschwieg er dem Kapi- tän. Diese Angelegenheit wollte er selbst in die Hand nehmen.
Der Kapitän beschloß, alle jene Passagiere zusammenzurufen, die das Schiff noch nicht verlassen hatten, um ihnen ihr Eigentum wieder zurückzugeben.
„Haben denn viele Passagiere das Schiff verlassen?" fragte August Richter.
„Ja! Einige sind schon weg, unter ihnen auch Madame Wintere, die es am eiligsten hatte, fortzukommen."
„Wissen Sie, wohin Madame Wintere gefahren ist?"
Man teilte ihm mit, daß Madame die Adresse eines Mailänder Hotels angegeben hatte, und daß sie heute noch nach Mailand hatte fahren wollen.
Der Kapitän sprach August Richter gegenüber den Verdacht aus, ob nicht Madame Wintöre unter einer Decke mit dem Verbrecherpaar gesteckt habe. August Richter vermochte ihn indes von der Haltlosigkeit dieses Verdachts zu überzeugen. Beide waren sich einig über die Rotwendigkeit.
ZrankreichverstärltdieGamisonenanderOstMenze
Oer Betonwall gegen Deutschland erhält Leben.
Paris, 5. Ian. (WTB.) Der Kriegsminister und der Große Generalstab sind ermächtigt worden, bestimmte neue Truppeneinheiten zu schaffen, die für di« Befestigungsanlagen an der Ost grenze bestimmt sind. Die Durchführung der Grenzbefestigungsanlagen mache es notwendig, bereitszu Friedenszeiten nicht nur über besondere Fuhartillerie und Pionierabteilungen zu verfügen, sondern auch über Infanterie- und Feldartillerie-Cinheiten, die dauernd in dieDefestigungsanla- gen gelegt werden und evtl, für di« Verteidigung ihres Frontabschnittes eingesetzt werden sollen. Zu diesem Zweck werden acht französische Infanterie-Regimenter besonders z u- famniengeseht und verstärkt werden und zwar zwei zu je sechs Bataillonen, zwe- <u je fünf Bataillonen und vier zu je vier Bataillonen. Ebenso werden die motorisierten Artillerieabteilungen der Grenzbefestigungsgegend umfassen: ein Regiment mit acht leichten und vier schweren Batterien und «ine Abteilung mit vier leichten und zwei schweren Batterien. Di« Luftschuhabteilungen werden von vier auf sechs erhöht werden. Am französisch-deutschen Grenzabschnitt wird diese Reorganisation bedeutende Aenderungen in der Garnisonierung mit sich bringen. So wird das 29. Bataillon der Jäger zu Fuß von Schlettstadt nach Gerardmer verlegt. Das 170. Infanterieregiment wird auf vier Bataillone verstärkt, von denen zwei in Remiremont und zwei in Schlettstadt Garnison beziehen. Das 23. Infanterieregiment wird ebenfalls auf vier Bataillone verstärkt werden, davon zwei in Hagenau, eines in Weißenburg und eines in Muhig. Das 158. in Straßburg liegende Infanterieregiment wird «in weiteres viertes Bataillon erhalten. Das 153. Infanterieregiment wird auf fünf Bataillone herausgesetzt werden, von denen vier in Bischweiler und in der Rähe der Fortbefestigungsanlagen so
wie im Feldlager von Bitsch untergebracht würden. Im Abschnitt des VI. Armeekorps wird besonders das 146. Infanterieregiment von Metz verstärkt werden. Statt bisher dvei wird es künftig sechs Bataillon« zählen. Dies« Verstärkung der an der Grenze stehenden Regimenter soll eine Verringerung der Truppen bestände anderer Divisionen mit sich bringen. Di« älmstel- lung soll am 1. April durchgeführt sein.
Belgiens Rüstungssystem.
Wechsel in der Leitung des belgischen Generalstabcs.
Brüssel, 5. Ian. (ERD.) An die Stelle des Generalstabschess General G a l e t, der die Altersgrenze erreicht hat und in Pension gegangen ist, ist dessen bisheriger Mitarbeiter General Ruhten getreten. Ruhten steht in seine' stra- tegischeir Auf as u gen seine n Dorg nger insofe n nahe, als er wie dieser Anhänger eures beweglichen, räumlich gegliederten Verte i d i g u n g s f y st e m s ist, im Gegensatz zum Kabinettschef des Verteidigungsministers, dem General T a s n i e r, der ein st a r r e s , an der Linienführung derGrenze festhaltendes Dertei- digungssystem befürwortet. Auch der jetzige Verteidigungsminister, der liberale Parteiführer D e - vöze, hat sich in besonders energischer Weise für diese letztere Auffassung ausgesprochen. Cs ist deshalb nicht verwunderlich, daß der Pariser „Temps" zwar Devsze und seinen Kabinettschef bei ihrer Ernennung lebhaft begrüßte, während man über die Ernennung Ruhte n s in Pariser Kreisen weniger erfreut zu sein scheint. Ruhten ist übrigens Flame und hat, als er 1926 Kabinettschef des damaligen Verteidigungsministers Droqueville war, die Trennung von flämischen unb wallonischen Bataillonen durchgesetzt.
Aus aller Welt.
Freiherr von willisen,
der Vorsitzende des Deutschen Schutzbundes t-
Der Vorsitzende des Deutschen Schutzbundes. Oberstleutnant a. D. Friedrich Wilhelm Freiherr von Willis en, ist nach längerem Leiden verschieden. Nach glänzender militärischer Laufbahn — besondere Verdienste hatte er sich durch Leitung der Operationen an der Jsonzofront errungen — faßte Freiherr von Willisen Ende 1918 alle militärischen und freiwilligen Kräfte zusammen zur Verteidigung der Ostgrenze. Bald darauf trat er mit den deutschen Führern der übrigen bedrohten Grenzgebiete in Fühlung und war mit ihnen einer der Gründer des Deutschen Schutzbundes für das Grenz- und Auslandsdeutschtum, zu dessen ersten Aufgaben die Durchführung der Dolksabstim- mungen gehörte. Die Volksdeutsche Bewegung verliert in Freiherrn von Willisen einen ihrer tätigsten Freunde und Förderer.
Schülermord wegen beobachteter Brandstiftung?
Dor einiger Zeit war der achtjährige Schüler Benno Hafke aus Rastenburg (Oftpr.) mit einem Schnitt im Halse ermordet auf gefunden worden. Die unsinnigsten Gerüchte waren über diesen Mord durch die Stadt gegangen. Man hatte «inen Traktätchen-Händler aus Gumbinnen verhaftet. Jetzt ist der Fleischermeister Popp, der im gleichen Hause wie die Eltern des Kleinen wohnte, unter dem Verdacht der dreifachen Brandstiftung unb bes Morbes an bem Jungen verhaftet worden. Bemerkenswert ist, baß kurz vor
die Polizei auf die Spur der Verbrecher zu bringen.
Ohne viel Zeit zu vergeuden, benutzte August Richter wieder das Flugzeug nach Mailand. Zwei Stunden spater betrat er das Hotel „Bristol".
Magdalene konnte ja kaum schon da sein; er nahm sich ein Zimmer und beauftragte den Portier, ihn sofort zu verständigen, wenn Madame Wintöre eintreffen würde.
Darrn lag er auf dem Ruhebett in dem verdunkelten Zimmer und malte sich das aus, was jetzt kommen würde. Zuerst würde Magdalene erschrecken; vielleicht hatte sie auch selbst schon den Verlust entdeckt unb war niedergeschmettert. Aber dann — dann würde sich alles lösen und in höchster Seligkeit enden. August Richter mußte die Augen schließen, wenn er an diese Seligkeit dacht«.
Welch ein Glück, daß ihm Magdalenes Vermögen in die Hände gefallen war, daß der Zufall es den Gaunern entwendet hatte! Jetzt konnte er über das Schicksal der geliebten Frau wachen; der Zufall selbst hatte es bestimmt.
August Richter war nicht einmal unruhig, als Magdalene an diesem Abend nicht mehr eintraf. Sie war den Abend über in Genua geblieben, vielleicht mit anderen Schiffspassagieren aufam- men; dann würde sie eben am anderen Mittag eintreffen. So ungeduldig er war — es nützte nichts, er mußte warten.
älnruhig wurde er erst, als Magdalene bis zum Mittag nicht im Hotel eingetroffen war. Es war auch keine Rachricht von ihr eingetroffen, weder eine Anmeldung, noch eine Absage.
August Richter wartete, wartete den ganzen Tag; auch noch den nächsten und den übernächsten.
Er wußte nicht mehr, was er tun, wo er Magdalene suchen sollte.
Was sollte er nur beginnen? Lange konnte er nicht mehr hierbleiben. Soviel Geld hatte er nicht zur Verfügung. Er hatte schon von Theobalds Geld nehmen müssen, um die letzten Tage zu finanzieren.
Cs blieb ihm nichts anderes übrig — er mußte nach Deutschland zurück, ohne Magdalene gefunden zu haben.
Es war entsetzlich. In welcher Rot würde sie sich befinden? älnd er war machtlos, konnte ihr nicht helfen.
Seine Heimreise war fürchterlich; wie zerschlagen kam er in Löbbau an.
Wie ein Gespenst sah Theobald Fischer ihn an, als er ins Zimmer trat.
»Was ist das mit dir, Menschenskind? Was machst du für Sachen? Erst depeschierst du aus Barcelona deine Ankunft, ich schicke zu jedem Zug an di« Bahn, richte einen fürstlichen Empfang ein — und wer nicht kommt, das bist du. Ich mach« mir die größten Sorgen, weiß nicht, was ich anfangen soll. Tagelang bleibst du aus, ohne Rachricht zu geben, und bann stehst bu mit
dem Mord zum zweitenmal ein Brand in bem Haus Hafke-Popp entstand, unb auch kurz nach der Tat das Haus zum drittenmal in Brand geriet. Man vermutet, daß der Fleischermeister den Schüler ermordete, da er ihn bei der zweiten Brandstiftung beobachtete.
Wenc^ Voraussage.
Von Süden und Südwesten entwickell sich hoher Luftdruck, der über Zentraleuropa und dem südlichen Teil der britischen Inseln zu Barometeranstieg führt. Gleichzeitig hat eine leichte Westströmung auf dem Festlands Platz ergriffen, die vereinzelt geringe Niederschläge bringt. Wenn schon der Hoch- druck seinen Einfluß geltend macht, so wird anfänglich unter der Einwirkung etwas entsprechender maritimer Luft sich zeitweise noch Bewölkung einstellen und auch sttichweise etwas Niederschlag auftreten. Im allgemeinen wird jedoch der Witterungscharakter mehr und mehr durch den hohen Druck beeinflußt.
Vorhersage für Samstag: Leicht wechselnd, bewö kt mit Aus Lren, nach s Temperaturen um und etwas unter dem Gefrierpunkt, nur ganz vereinzelt geringe Riederschläge, auf den Bergen als Schnee; schwache westliche Winde.
Lufttemperaturen am 5. Januar: mittags 5,4 Grad Celsius, abends 1,7 Grad; am 6. Januar: morgens 2,7 Grad. Maximum 5,9 Grad, Minimum 0,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. Januar: abends 0 Grad; am 6. Januar: morgens 0 Grad Celsius. — Niederschläge 0,1 mm.
—— । ।
einem Male da und siehst aus, als ob du von .einer Beerdigung und nicht von einer Ver- •gnügungSreife kämst. Sag' mal, woher kommst hu eigentlich?"
„Aus Mailand!"
„Aus Mailand? Ja, vielleicht erzählst du mir jetzt, was das alles zu bedeuten hat. Barcelona ... Mailanb...“
„Alles werde ich dir erzählen, guter Theo! Gib mir nur zuerst mal was zu trinken, ich bin ganz gusgedörrt von der Hitze."
August trank. Theobald sah ihm xu, und es war ihm, als ob eine große Veränderung mit dem Freunb vor sich gegangen war. Besorgt fragte er:
„Was ist nur mit dir, Gust? Du siehst so anders aus!"
„Ich bin auch anders geworden... ich liebe eine Frau... rasend, bis zum Wahnsinn... und ich finde diese Frau nicht mehr!"
„Ich glaube, Gust, bu phantasierst! Man verliert doch heutzutage keinen Menschen. Man finbet ihn, wenn man ihn finden will. Vielleicht erzählst du mir alles der Reihe nach; ich werde dir dann helfen."
August Richter erzählte — erzählte von seiner erwachenden Liebe zu Magdalene Winter, von der leisen Zuneigung, die er bei ihr zu bemerken glaubte — erzählte von ihren Triumphen, von seiner Werbung und ihrer Zurückweisung — erzählte, daß er trotzdem an die Liebe des Mädchens glaube. Dann berichtete er von feiner Entdeckung in der kleinen spanischen Stadt unb ba- von, wie er Magbalene gesucht unb nicht gefunden hatte. Unb bah er nun da wäre unb nicht wüßte, was er für bas geliebte Mäbchen tun könnte.
„Sie ist übrigens aus beiner Heimatstadt, Theo! Vielleicht kennst du fiel"
„Magdalene Winter? Ich kenne doch eigentlich alle Leute, die in Frage kommen, bas heißt, die reich sind. Aber Magdalene Winter...
„Ich hab' ja vergessen... Magdalene Winter war früher nicht reich; sie ist erst reich geworden durch eine Erbschaft ober durch ein Los — ich weiß es nicht genau. Sie war früher Tippfräulein."
„Du, Gust, beschreibe sie mir doch einmal! Wie siebt sie denn aus?"
August Richter schilderte Magdalene. Roch während er sprach, sprang Theobald auf.
„Ach, Gust, natürlich kenne ich dies« Magdalene Winter! Sie war Tippfräulein, bei uns, in unserem Betrieb. Ein nettes Mädel, ein wenig hochnäsig; aber ich weiß, bah Vater sie gut leiben mochte.
Zu dumm, daß ich mit Vater nicht gut bin; er könnte uns sicher helfen!"
„Ja, Theo, das ist freilich dumm! Aber waS soll man da machen?"
„Ich will dir was sagen, Gust! Ich muß dir ohnehin eine Neuigkeit mitteilen. Lucie unb ich,
Aus der provinzialhaupistadi.
Steckbrief.
Ein gewisser Winter wird gesucht, der gebürtig aus dem hohen Norden. Er wird hierorts als vermißt gebucht, keiner weih es, was aus ihm geworden. Winter hat, wie noch erinnerlich, sich gezeigt vor ein paar Wochen, feit der Zeit indessen hat er sich ohne Meldung irgendwo verkrochen.
Es besteht begründeter Verdacht, daß er seiner Dienstpflicht sich entziehn will und mit der ihm eignen Niedertracht über irgendeine Grenze fliehn will.
Auch besteht vielleicht die Möglichkeit, daß in diesen aufgeregten lagen ein gewisser Lenz in einem Streit den Vermißten irgendwo erschlagen.
Jeden Falles hat das Publikum auf den pp. Winter streng zu achten und die Gegend um die Stadt herum mit erhöhter Sorgfalt zu betrachten.
Als befondres Merkmal fei genannt: Er trägt meistens dicke, weiße Kleidung. Seine Nase ist als rot bekannt, auch versteht er sich auf Grog-Bereitung.
Er verbringt die Tage gern zu Haus, steifgefroren sind ihm Kopf und Glieder, geht er aber schnellen Schrittes aus, rutscht er oft und fällt zuweilen nieder. Er versteckt sich gern im tiefen Wald und verkriecht sich auf den höchsten Kiefern Jedenfalls ist der Genannte bald hierorts möglichst lebend einzuliefern!
Puck.
Oreikönigsiag.
In vielen Teilen unseres Vaterlandes erhält dje Reihe der kirchlichen Festtage gleich im neuen Jahre eine Vervollständigung durch Den Drelkönigs - t a a am 6. Januar. Unsere katholischen Volksgenossen feiern Ihn als wichtiges Fest und heiligen ibn als Feiertag, der seine besonderen Bräuche hat. Den evangelischen Volksgenossen ist der Dreikönigstag als E p i p h a n i a s f e st bekannt, das sich im Kirchenjahr unmittelbar an das Neuiahr anschließt.
Die Veranlassung zur Feier des Dreikönigstages gab der biblische Vorgang: Aus dem Morgenlande kommen die drei Weisen, auch die drei Könige genannt, nach Bethlehem, um Dem Christuskinde zu huldigen: Caspar, Melchior und Balthasar. Sie haben in ihrem fernen Lande schon von dem Ereignis gehört, der Stern der Christnacht wies ihnen den Weg zur Geburtsstätte im jüdischen Lande. Sie sanden den Stall, in dem das Christuskind in der Krippe lag. Und nun beugten sie vor ihm die Knie; sie, die weltlichen Herrscher, demütigten sich vor dem Kinde von göttlicher Herkunft. Mit Gold, Weihrauch und Myrren, die sie mitbrachten, statteten sie den Tribut ab, den sie dem neuen geistigen Herrscher aller Welten nach damaliger Anschauung schuldig zu kein glaubten.
Aus dieser biblischen Geschichte sind alle die Bräuche abgeleitet, die beute noch in manchen Gauen unseres Vaterlandes Geltung und Bedeutung haben. Die Verkörperung der Heiligen drei Könige aus dem Morgenlande wurde frühzeitig schon von der katholischen Kirche gestattet, und daher ist es Sitte geworden, daß drei Personen sie darstellen und m ihrer locker nachgeahmten Tracht Durch den Ort ziehen. Sie singen die Dreikönigslieder, uralte Gesänge, die sich durch die Jahrhunderte erhalten haben; sie klopfen bei den Mitbürgern des Dorfes und der Stadt an unb bitten um milde Gaben. Jeder wird den freundlichen Wunsch, durch Gesang dargebracht, gern erfüllen, und so kommen die Dreikönigssänger reich beladen wieder zurück, um mit den Liebesgaben die Armen zu beschenken und sich selbst ein kleines Festmahl zu bereiten, bei dem Jubel und Trudel herrschen, wie sie unter froher Jugend nur angebracht unb
wir haben uns verlobt. Zunächst heimlich. Ihr Vater weiß noch nichts. Er kann mich ja gan# gut leiben; aber er hätte, glaube ich, lieber einen anberen Schwiegersohn. Er ist von meiner Tüchtigkeit noch immer nicht ganz überzeugt.
Jetzt aber werbe ich mit ihm sprechen. Ich werbe ihn sicher herumkriegen, denn ich habe Lucie auf meiner Seite, die nie von mir lassen wirb. Wir beibe werden sicher fertig werden mit bem guten alten Brummbären.
Unb bann, wenn ich biese Festung erstürmt habe, bann werbe ich zu meinem Vater fahren. Ich habe Sehnsucht nach ihm unb er sicher auch nach mir. Er wirb mir verzeihen, wirb mich sicher liebevoll aufnehmen, mich unb Lucie. Unb bann werben wir mit vereinten Kräften versuchen, dir zu helfen!"
Am anberen Morgen schon fuhr Theobald nach Löwen hinüber. Cs war zu einer Zeit, ba bet Gutsherr draußen auf den Feldern weilte.
Als Theobald den Park betrat, sah er Lucie schon von weitem. Langsam unb leise kam er näher. Sie war dabei, ihre morgenbliche Turnarbeit zu verrichten. Sie trug nichts als ein Dadetrikot, unb sie führte geschickt unb exakt ihre Uebungen aus: Handstand, Brücke, Kerze...
„Bravo!" rief Theobalb entzückt, als ihr gerade «ine besonders schwierige Hebung gelungen war.
Lucie von Löwen fuhr in die Höhe.
„Du hier, Theo? Schon so früh?" Mit einem Sprung war sie bei ihm drüben, hing an seinem Halse. Sin langer Kuh hielt sie gefangen.
Lucie machte sich für einen Augenblick frei.
„Was ist, Theo, daß bu schon so früh hier bist?" „Gust ist heute früh zurückgekommen; ich muh nach Berlin unb ba mußte ich vorher noch einmal herüberkommen! Ich hab' solche Sehnsucht nach bir; ich weiß nicht, wie ich es in Berlin aushalten soll!"
Theobald hatte die schmale Mädchengestalt wieder an sich gepreßt; beide standen reglos ba, in «inen langen Kutz verstrickt.
„Ja, zum Donnerwetter, Lucie, was soll benn bas heitzen?"
Dl« beiden fuhren auseinander, als sie die polternde Stimme des Herrn von Löwen hörten, der plötzlich und unerwartet vor ihnen stand.
Lucie sah den zornigen Blick ihres Vaters, und hilfesuchend schmiegte sie sich an Theobalds Brust.
„Lucie, was soll das? Augenblicklich kommst bu zu mir herüber. Ich bin empört, Herr Fischer, batz Sie mein Vertrauen so täuschen."
Theobalb Fischer sah Herrn von Löwen an unb sagte, ohne Lucie aus seinen Armen zu lassen:
: „Die finb im Irrtum, Herr von Löwen! Richts liegt mir ferner, als Ihr Vertrauen zu täuschen. Ich bitte Sie um ble Hanb Ihrer Tochter. Wir lieben uns, treu unb innig, unb wir möchten unS heiraten."
(Fortsetzung folgt.)


