Ausgabe 
6.1.1933 Erstes Blatt
 
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Zreitag.b.Zanuar (955

185. Jahrgang

m. 5 Erstes Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An­zeigenteil L V.TH.Kümmel sämtlich in (Dießen.

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Oer Wahlkampf in Lippe beginnt

dem

Ke-

Aus-

Nslische Korrespondenz betätigt jetzt die bereits in verschiedenen Blättern wiedergegebene Meldung, wonach zwischen Adolf Hitler und dem früheren Reichskanzler von Papen in Köln eine Unterredung stattgefunden hat. Ls

überwunden werden könne.

Die Börsenzeitung sagt, wir sind der Meinung, das; es sich in Köln um eine einfache Aus­sprache über die politische Lage gehandelt habe, und nichtum das Anspinneneiner großen Intrige gegen Schleicher. Ein derartiges Komplott sei weder der offenen Art des Herrn von Papen zuzutrauen, noch fei ein» zusehen, welche Erfolge sich Hitler von einem sol'chen Kulissenspiel versprechen könnte. Die Doss. Zt g.", die Papen loyal genug nennt, um nicht mit Hitler Intrigen gegen den Kanzler einzuleiten, meint, daß die Ziele Hitlers dabei weniger harmlos seien. Die Zusammenkunft, die auf Hitlers Wunsch zustandegekommen sei, passe durchaus an die mehr als zweideutige Taktik der Nationalsozialisten. Hitler probiere an den H'ntertüren zur Macht herum. DasB. T." sieht in der Unterredung einen erneuten Versuch, unter der FirmaNationale Konzentration"

habe sich dabei, so schreibt die Korrespondenz, ledig­lich um eine zwanglose Unterhaltung über die poli­tischen Vorgänge der letzten Wochen gehandelt. Die Zusammenkunft habe im hause eines Freun­des der NSDAP, in Köln stattgefunden.

Reichskanzler a. D. von Papen erklärte zu feiner Aussprache mit Hitler: Anläßlich meiner Reise nach Düsseldorf zu meiner Mutter habe ich mit Herrn Hitler eine politische Aus­sprache in Köln gehabt. Wie mir mitgeteilt wird, knüpft ein Teil der Berliner Presse an die Meldung hierüber Kommentare, die frei erfunden sind, so insbesondere die Darstellung, als ob die Unter­redung mit Herrn Hitler eine Spitze gegen den Reichskanzler oder die gegenwärtige Regie­rung gehabt habe. Das Gegenteil ist der Fall. Die Aussprache hat sich ausschließlich um die Lö­sung der Frage gedreht, der schon die Arbeit des letzten halben Jahres gewidmet war, der Frage der Eingliederung der NSDAP, in eine nationale Konzentration.

Ein Vertreter derDüsseldorfer Nachrichten" hatte Gelegenheit, mit Herrn v. Papen über feine Unterredung mit Hitler zu sprechen. Auf die Be­merkung des Interviewers, daß es doch auffalle, wenn Hitler mit dem von ihm schrankenlos be­kämpften Kanzler eine Unterredung gehabt habe, erwiderte Herr von Papen:Herr Hitler hat immer betont, daß sein Kampf niemals meiner Uer- f o n galt, und ich glaube, daß, wenn es dem Ziele eines großen nationalen Zusammen­schlusses gilt, jeder nach seinen Krc 'en milhelfen muß, gleichviel was vorher einmal gewesen ist." Auf die Frage, ob der Nationalsozialismus heute noch die gleichen Bedingungen an eine Reiie- rungsbeteiligung knüpfen würde, wie im Mo­nat November und Dezember, oder ob in dieser Hinsicht die Ansprüche und Absichten revidiert seien, gab der ehemalige Kanzler keine Antwort.

sich gezeigt, d die Regierung Schleicher ebenso versagen ... .rde wie die Regierungen Brüning und Papen. Wenn aber der Reichstag am 24. Ja­nuar zusammenlrete, so sei es den Nationalsozia­listen durchaus recht, wenn schon in der er st en Viertel st unde durch die Annahme i) es nationalsozialistischen Mißtrauens­votum s die Entscheidung über das Kabinett fallen würde. Wenn das Kabinett Schleicher gestürzt werde, dann dürfte sich vielleicht auch der Reichs­präsident besinnen, den Reichstag aufzulösen. Neu­wahlen hätten nur dann einen Sinn, wenn Hitler nicht mit der Neubildung der Regierung betraut würde.

Erörterungen bildete die Frage der Behandlung des preußischen Etats vor dem Land­tage. Wenn auch von amtlicher Seite keine Mit­teilung über diese Unterredung herausgegeben wird, so ist man in politischen Kreisen doch der Auffas­sung, daß diese Besprechung, der noch weitere folgen dürsten, ganz in der Linie der Politik des Reichskanzlers gelegen hat, der um die Bei­legung des Konfliktes zwischen Reich und der alten preußischen

Oie Begegnung Hiiler-papen.

Oie Möglichkeiten einer nationalen Konzentration werden weiter verfolgt.Oer Reichskanzler von Schleicher unterrichtet.-Lebhastes Interesse der Berliner Presse.

g i e r u n g bemüht ist.

Handwerksvertreter beim Reichskanzler.

Sie ASDAp. und das Kabinett Schleicher

Frick kündigt Mißtrauensvotum für den 24. Januar an.

des Handwerks die Notwendigkeit einer möglichst beschleunigten Hilfsaktion für die gewerb­lichen Kreditgenossenschaften. Der Reichskanzler sagte die beschleunigte Ent- (Reibung hierüber zu. hinsichtlich der von deut- chen Genossenschastsverbänden in Verbindung mit dem gewerblichen Spitzen-Kreditinstitut und den Berufsoertretungen des Handwerks geforderten mit­telbaren Reichsunterstützung für eine zu gründende Mobilisierungskasse für die Gewerbliche Kreditgenossenschaft wurde von den Vertretern der Reichsregierung wohlwollende Prüfung zugesagt. Die Vertreter des Handwerks begründeten schließ­lich noch einmal die Forderung nach einer starken organisatorischen Verbindung der Spitzenvertretungen des Handwerks mit der Reichs- regierung. Der Reichskanzler behielt seine Entschei­dung hierüber vor und sagte zu, mit dem zustän­digen Ressortminister Rücksprache zu nehmen.

Oie Margarineverordnung bleibt in Krass.

Berlin, 5. Jan. (TL1.) Ein Berliner Blatt meldet, die ernstliche Warnung an die Reichs- reg'erung aus den Kreisen des Molke­reigewerbes in der Frage der Duttermarga- rinemischung und die einhellige Ablehnung aus Verbraucherkreisen hätten das Reichsernährungsministerium veranlaßt, vor Er­laß der Ausführungsbestimmungen das Problem zunächst noch einmal in erweitertem Sachver- ftändigenkreis zu besprechen. Ob die Beimischung in der vorgesehenen Form überhaupt komme, sei fraglich.

Lazu erfahren wir von zuständiger Stelle auf Anfrage, daß die Reichsregierung an der Durchführung i hrer Verordnung f e st h a l t e. Auch in anderen Ländern habe sich der Butterbeimischungszwang bewährt. Eine Verteuerung der Margarine sei im Hin­blick auf die Verdienstspanne der Margarine- fabrikanten nicht notwendig. Im übrigen fei es selbstverständlich, daß das Aeichsernäh- rungsministerium vor Erlaß der Ausfüh.- rungsbestimmungen mchgebl'che Sach­verständige hinzuziehe, was aber nur für und nicht gigen die Durchführung der Verord­nung spreche.

Keine Landfagssitznng in Hessen.

Eine Hrtle -Rede in Oetmold.

Detmold, 5. Jan. (ZU.) In Detmold sprach der Führer der nationalsozialistischen Fraktion im preu- sischen Landtag, Kube, vor fast 6000 Personen. Um 24 Uhr erschien Hitler. Er führte u. a. aus, daß die NSDAP, mit eisernem Willen bereit sei, den Endkampf bis zum endgültigen Siege durch­zusetzen. Wenn bürgerliche Parteien nicht begreifen könnten, daß es der NSDAP, nicht auf die Regie­rung ankomme, sondern auf höhere Ziele, so komme das daher, daß er Hitler nicht wie die Bürgerlichen hinter den Kulissen zu arbeiten ver­stehe, daß es ihm nicht auf Titel oder Posten an- komme, sondern darauf, in vielleicht fernerer Zu­kunft Deutschland zu retten und dafür jetzt Stein auf Stein aufzubauen. Die Herren in Berlin hät­ten keine eigenen Gedanken, was von ihnen jetzt gemacht sei, sei von den Nationalsozialisten, und was nicht von den Nationalsozialisten sei, sei unter aller Kanone. Die Nationalsozialisten dürsten sich nicht auf eine falsche Ebene schieben lassen. Er werde sich treu bleiben und auf seine Stunde warten.

Hugenbergs Bedenken gegen den Gereke-Plan.

Lage (Lippe), 6. Jan. (Sil.) Im Rahmen des Landtagswahlkampfes in Lippe sprach am Don­nerstagabend der Führer der Deutschnationalen Volkspartei, Geheimrat Dr. H u ge nb er g. Er betonte u. a.: Das Arbeitsbeschaffungs­programm Gerekes trage die Gefahr in sich daß die Vergebung der Arbeiten wieder durch die großen Gemeinden erfolge, die dabei wieder besondere Schulden mach­ten Für die Gemeinden müsse im Sinne von Handwerk und Mittelstand die Parole gelten: Hände weg von der Wirtschaft! Wenn die Rationalsozialiften, die im Kampfe gegen den Voungplan und auf der Harzburger Tagung die nationale Opposition zunächst hätten ver­wirklichen helfen wollen, in dieser Front ge­blieben wären, würde das Jahr 1932 eine klare und restlose Herrschaft der Vereinigten Ratio- nalen gebracht haben. Daran, daß die Eingliede­rung der RSDAP. in die nationale Front nicht erreicht worden sei, trage B r ü n i n g die Haupt- Verantwortung.

Oie Arbeitsbeschaffung.

Die Beratungen über das Sofortprogramm abgeschloffcn.

Berlin, 5. Jan. (CNB.) Der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung Dr. Gereke hat in den letzten Tagen mit Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie mit ben Ländern die Richt­linien für bie Durchführung bes So-

Pa p e n wieder ans Ruder zu brin­gen und meint, wenn Herr v. Schleicher wohl beraten sei, werde er aus der Beobachtung dieser Vorgänge einige nützliche Hinweise entnehmen, wo er seine Freunde und Feinde zu suchen habe. DieGermania" glaubt, daß man gut daran tue, den politischen Wert dieser Zusammen­kunft und vor allem ihr praktisches Ergebnis nicht zu überschätzen. Die Berliner Ausgabe des Völkischen Beobachters" betont, daß die Anregung zu der Besprechung nach ihren In­formationen nicht von Hitler ausgegan­gen sei. Die Dinge dürften sich vielmehr so ver­halten, daß umgekehrt Herr von Papen das Be­dürfnis fühlte, den Führer der größten deutschen Partei gewisse interessante Einzelheiten über die Vorgeschichte mitzuteilen, die zum Sturze seiner Regierung im Ro- vember v. I. führten. Der Führer der Deutschen Freiheitsbewegung habe bestimmtkeine Ab­sicht, sich mit den Vertretern einer Politik zu­sammenzutun, die er als sachlich falsch erkannt habe.

Zu der Unterredung zwischen Adolf Hitler und dem früheren Reichskanzler von Papen nehmen nur vereinzelte Berliner Blätter Stellung. Im Lokalanzeiger" (Hugenberg) heißt es, die Unterredung habe natürlich eine ganze Reihe von Gerüchten aufgebracht; u. a. werde auch behaup­tet, daß über die Möglichkeit einer Tolerierung Popens bei einer Rückkehr zum Kanzleramt ge­sprochen worden sei. DieV o s s i s ch e Zei­tung" (Dem.) hält es nicht für wahrscheinlich, dvh Papen sich für die Rolle des Pacemachers für Hitler zur Verfügung gestellt habe. Bezeich­nend für die innere Unsicherheit Hitlers sei es aber, daß er vor einigen Wochen keine Annähe­rung an Hugenberg versucht und jetzt die Ver­mittlung des Mannes erbeten habe, dem er im Rovember mündliche Verhandlungen über die Re­gierungsbildung schroff verweigerte. DerV o r - wärts" (Soz.) schreibt: Daß Hitler ein Kom­plott schmieden sollte mit dem Mann, den er mo­natelang in der blutigsten Form als den Herren­reiter, ben Ches der feinen Leute aus dem Herren­klub hat höhnen lassen, das erschien als haar­sträubende Unwahrfcheinlichkeit. Wenn er mit Papen an einem Tisch sitzt und Komplotte schmie­det, kann er nicht gut beschwören, daß er mit Papen nichts zu tun habe. Die Verlogenheit der nationalsozialistischen Agitation, insbesondere des Geschreis gegen die feinen Leute, wird durch die neue Intimität Hitlers mit Papen ins rechte Licht gerückt. DieDeutsche Zeitung" (All­deutsch) kommt zu der Schlußfolgerung, Schlei­cher hält seine Stellung für so stark erschüttert, daß alle Versuche zu einer Verständigung zwischen anderen Persönlichkeiten im nationalen Lager ihm gefährlich erscheinen. Daher das vorzeitige Stö­rungsfeuer derTäglichen Rundschau", daher vor allem auch deren Verdächtigung Papens beim Reichspräsidenten. Als bezeichnendes Gegenstück sei übrigens erwähnt, daß unwidersprochenen Rachrichten zufolge Gregor Straßer sich seit zwei Tagen in Berlin aufhalt und daß Gerüchte über Besprechungen Straßers mit Schleicher von zu­ständiger Stelle nicht eindeutig dementiert wer» den konnten. Auch Herr von Schleicher scheint also hinter den Kulissen nicht ganz untätig zu fein.

Wie dieD A Z." berichtet, hat Herr von Papen der Reichsregierung eine Mittel ung über seine Unterredung mit Hitler zukommen lassen. In ähnlicher Weise schreibt der Deutsche Schnellbien st, man burfe gewiß sein, oatz nicht nur ber General von Schleicher voll ms -ö.LD gesetzt wurde, sondern daß auch der --Kavalier ohne Furcht und Tadel" dabei nur als ehrlicher Makler gewirkt habe. Wie dieBörsenzeitung aus ftoln erfährt, hat Baron v o n S ch r o e b e r m des­sen Hause sich Papen unb Hitler getroffen haben, aus Ansage sehr entschieben alle Gerüchte demen- tiert wonach bie Zusammenkunft sich lrgenb- einer Weise gegen ben Reichskanzler von «chleicher gerichtet habe. Vielmehr soll nach ben Angaben

Berlin, 5. Jan. (ZU.) Die vorgesehene spräche von Vertretern bes Reichsverbandes des Deutschen Hanbwerks unb bem Reichs­kanzler hat am Donnerstag im Beisein bes Reichs­wirtschaftsministers, bes Reichskommissars für Ar­beitsbeschaffung unb bes Reichskommissars für Hanbwerk unb Kleingewerbe ftattgefunben. Es würbe weitgehenbe Uebereinftimmung über bie Notwenbigkeit balbiger positiver Maßnah. men hauptsächlich auf bem Gebiete ber A r b e i t s beschaffung, vor allem ber I n st a n b s e tz u n g bes Althausbesitzes erzielt. In Verbinbung bamit würben auch bie Fragen ber Schwarz­arbeit erörtert. Außerbem betonten bie Vertreter

fortprogramms zur Arbeitsbeschaffung burch- gesprochen. Der Arbeitsbeschaffungsausschuß bes Reichskabinetts hat seine Beratungen ebenfalls ab- gefchloffen.

Die Ausführungsverorbnung für bas Sofortpro­gramm wirb aller Wahrscheinlichkeit nach bereits (En b e ber Woche veröffentlicht werben. Diese Verorbnung wirb zunächst bie Grunbsätze für bie Arbeitsbeschaffung regeln, d. h. es wirb barin bestimmt werben, welche Arbeiten in An­griff zu nehmen sinb. Ferner wirb sich bie Verorbnung mit ber Art ber Finanzierung beschaffen. Schließlich wirb in ber Verorbnung bas geschäftsmäßige Verfahren behandelt werben, b. h. es werben bie Stellen angegeben, bie für bie Einreichung ber Anträge zu- ftänbig finb. Für bie Durchführung bes Programms sollen bie vorhanbenen Organe in Anspruch ge­nommen werben. Neue Stellen werben nicht ins Leben gerufen.

UnterredungzwischendemReichskanzler und Ministerpfäsident Braun.

Berlin, 6. Ian. (LNB. Funkspruch.) Die schon seit lagen angekündigte Besprechung des Reichs- kanzlers von Schleicher mit bem preußischen Ministerpräsidenten Braun hat heute vormittag um 10.30 Uhr ftattgefunben. Das Hauptthema der

D ar m ft abt, 5. Jan. (WHP.) Der Leite­st e n r a t bes Hessischen ßanbtags hat, wie ein amtlicher Bericht mitteilt, mit Zustimmung bes Staatspräfibenten gegen bie Stimmen ber Korn» munistischen Partei beschlossen, von einer Ta­gung des Plenums vorläufig abzu- sehen und die bereits verhandlungsreifen An­träge, Anfragen und Eingaben mit der Beratung des Staatsvoranschlages zu verbinden. Maßgebend für diesen Beschluß war einmal die Tatsache, daß eine große Reihe Punkte noch in den Aus­schüssen behandelt werden soll, um die dar­auf folgende Beratung des Staatsvoranschlages un­behindert vor sich gehen zu lassen, anderseits ver­sprach man sich nach Anhören der Regierung keinen Vorteil von einer Behandlung der Winter­hilfe- und Erwerbslosenfrage, nachdem die Regierung erklärt hatte, daß sie j e tz t schon alle ihrzur Verfügung stehenden Mit­tel c e ft l o s a u s f cf) ü 11 e , um die Not der Er­werbslosen zu lindern. Eine Debatte über die Frage der Erwerbslosenhilfe schien der großen Mehrheit auch um deswillen überflüssig, well aus dieser Be­sprechung der uferlosen und undurchführbaren An­träge zur Winterhilfe für die Erwerbslosen prak­tisch nicht das geringste herauskäme und weil die Meinung vorherrsche, daß bereits alles geschieht, um bei der katstrophalen Fi­nanzlage des hessischen Staates den Erwerbslosen möglichst zu helfen. Da die große Mehrheit des Aelteftenrates einsah, daß nur auf diesem Weg praktische Realpolitik getrieben werden könne, entschloß man sich, von einer Tagung des Plenums bis auf weiteres abzusehen. Der Staatsvoran- schlag für 1933 wird spätestens am 1. Februar dem Landtag vorgelegt und dann im Finanzausschuß zur Beratung kommen.

Oer Polizeibeamtenkonflikt in Braunschweig.

Braunschweig, 5. Jan. (CNB.) Bei einer Besichtigung der Braunschweiger Schutzpolizei durch den braunschweigischen Innenminister K l a g g e s gab dieser in einer Ansprache zu der Angelegenheit des seit Jahresfrist bestehenden Konflikts wegen der Zugehörigkeit zum Braunschwei­gischen Polizeibeamtenverband die Er­klärung ab, daß er bereit sei, die Mitgliedschaft zum Landesverband der Polizeibeamten wieder zu- z u l a s s e n , wenn der Deutsche Beamtenbund für sich und seine Unterverbände die Erklärung abgebe, daß er Kommunisten zu seinen Veran­staltungen nicht mehr zulassen werde. Der Minister erklärte, er sei davon überzeugt, daß die Leitung des Deutschen Beamtenbundes das er­forderliche nationale und staatliche Verantwortungs­bewusstsein besitze, um diese Forderung als un­erläßlich anzuerkennen und zu erfüflen.

Kommunistisches Stadtverordneten- Präsidium in Chemnitz.

Chemnitz, 5. Jan. (TU.) Die erste Sitzung des neuen Chemnitzer Stadtparlaments am Don­nerstag das sich aus 25 Rationalsozialisten. 17 Sozialdemokraten, 14 Kommunisten und 5 Bür­gerlichen zusammensetzt, nahm bei der Wahl des Präsidiums einen überraschenden Verlauf. Da die Rationalsozialisten keine Aussicht hatten,

München, 5. Jan. (CNB.) Im überfüllten Bürgerbräukeller erklärte der Vorsitzende der natio­nalsozialistischen Reichstagsfraktion Dr. F r i ck, das Kabinett Schleicher sei von den Nationalsozialisten begrüßt worden, weil damit endlich der Mann in das Licht der Oefsentlichkeit getreten sei, der verantwortlich sei für die Re­gierungskrisen in den letzt en 2 Jahren und mitverantwortlich für die Politik der letzten 13 Jahre überhaupt. Man habe es vermeiden wol­len, die Vertrauensfrage für das Kabinett Schleicher schon gleich bei Beginn der ersten Reichstagssession zu stellen, unb der Redner selbst hätte mit dem Reichstagsbeginn lieber bis zum Februar gewartet; denn, so erklärte er, bis dahin hätte

München, 5. Ian. (LNB.) Die Nationalsozia- | Baron Schroeders lediglich die Frage erörtert wor- ........... * den fein, wie die im Augenblick noch bestehende Zersplitterung der nationalen Kräfte