gründet worden fei als Schutzroall gegen bas Her- einfluten fremder Gedanken in unser Land. Ihr Ziel fei, das Erbe deutscher Weltanschauung zu wahren und sachgemäß zu ergründen. Professor Krueger schloß mit einem Sieg-Heil auf den Reichspräsidenten, den Reichskanzler und das deutsche Vaterland. Die Versammlung sang anschließend die erste Strophe des Deutschland- und des Horst- Wessel-Liedes. Unter stürmischem Beifall verlas dann Professor Krueger ein Begrüßunastele- gramm des Reichskanzlers, das folgenden Wortlaut hat: „Den Teilnehmern an der 12. Tagung und Hauptversammlung der Deutschen Philosophen- Gesellschaft entbiete ich beste Grüße. Möge die Pflege echter deutscher Philosophie zur Begründung
und Stärkung der deutschen Weltanschauung beitragen. Reichskanzler Adolf Hitler."
Als Vertreter des Reichsministers des Innern wünschte Ministerialdirektor Dr. Buttmann einen gedeihlichen Verlauf der Tagung. Dberregie- rungsrat Ziegler überbrachte die Grüße und Wünsche des Reichsministers für Dolksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels, der die Tagung der Philosophen mit Interesse und Aufmerksamkeit verfolge. Der preußische Kultusminister Dr. R u st ließ durch Ministerialrat Professor Dr. A ch g e l i s die besten Grüße und Wünsche überbringen. Zum Schluß hielt Professor Krueger einen einführenden Vortrag zu dem Gesarnllhema der Tagung: Zweckmäßigkeit, Sinn und Wert.
1 nen und Formationen der nationalsozialistischen Ortsgruppe nahmen geschlossen mit ihren Fahnen und Wimpeln daran teil. Boranreitende SA. mit Musikkapelle und auf den Zug verteilt drei Fest- wagen, die mit viel Geschick aufgebaut, die Heuernte, Fruchternte und Kartoffelernte darstellten. Anschlie- ßend an den Umzug horte man in den beiden Sälen von Metzger und Trätsch (Löwen und zur Burg) die große Kundgebung auf dem Dückeberg bei Hameln. Den Tag beschloß ein Volksfest im Saal von Weiß.
Ober-Widdersheim.
o. w. Ober . Widdersheim, 2. Oki. Das erste Erntedankfest im Dritten Reich nahm in unserer Gemeinde einen würdigen Verlauf. Schon am frühen Morgen prangten die Häuser im Fahnen- und Blumenschmuck. Um 10 Uhr fand der Fest - gottesdienst statt, zu dem sämtliche politische Organisationen und alle kirchlichen Vereine von Ober- und Unter-Widdersheim mit Fahnen und Wimpeln erschienen waren. Die Frauenschaften von Ober- und Unter-Widdersheim hatten sehr schöne Erntekronen gebunden, die mit bunten Bändern verziert, während des Gottesdienstes hinter dem mit Früchten reich geschmückten Altar aufgestellt wurden. Der Ortsgeistliche legte feiner Predigt die Worte aus dem Johannes-Evangelium Kap. 6 zugrunde. Um 15 Uhr bewegte sich ein sehr schön zusammengestellter Festzug durch die Sttahen. Voran marschierte der Spielmannszug des Jungvolks, dann folgten die Erntekrone, begleitet von vier jungen Mädchen und verschiedene sehr sinnvoll zusammen- geftellte Festwagen. Sämtliche Vereine und Ortseinwohner nahmen am Festzug teil. Am Abend veranstaltete die NSDAP, einen Deutschen Abend im Saal von F. Weiß. Der Zellenwart begrüßte die Gäste und Pg. Lehrer Ganz hielt die Festansprache. Nach dem gemeinsamen Gesang eines Liedes füllten Gesangsvorträge, Gedichte und Reigen der Mädchen des BdM. den Abend aus. Deutscher Tanz hielt die Jugend noch geraume Zeit beisammen.
Merlau.
ll. Merlau, 2. Okt. In sehr schöner Weise wurde der Erntedanktag in unserem Orte abgehalten. Um 14 Uhr begann der Festzug, der von dem Spieünannsaug und der SA.-Kapelle geführt wurde. Im Festzug waren sämtliche bäuerlichen Arbeitsvorgänge versinnbildlicht. Anschließend fand im Saale von Hörle eine Erntedankfeier statt, die mit einem Chorvortrag der Sängervereinigung Merlau begann. Die Feier wurde durch Ortsfachberater Hörle eröffnet. Hierauf hielt Lehrer Dönges eine Ansprache. Die Feier wurde von Gedichtvorträgen der Schulkinder verschönt. Den Abschluß bildete die Rundfunküberttagung vom Bückeberg.
Grebenau.
ss. Grebenau, 2. Okt. Unter großer Beteiligung unserer Einwohnerschaft, sowie der Dörfer Eulersdorf, Reimenrod, Bieben, Merlos und Wallersdorf wurde gestern das Erntedankfest gefeiert. Bereitwillig hatten sämtliche Einwohner Hauser und Straßen mit Girlanden und reichem Flaggen- schmuck versehen. Um 6.30 Uhr erfolgte der Weckruf durch die Kapelle Stein (Grebenau). Anschließend wurde die Kapelle mittels Autos von Forstmeister D. Barth, Dr. A l t h o f f und Äaufmann Schä . fer, die ihre Wagen zur Verfügung stellten, in die einzelnen Dörfer gebracht, um auch hier den Weck- ruf ausführen zu können. Um 10 Uhr erfolgte der gemeinsame Kirchgang der SA., der SAR., der HI., des BdM. und aller Vereine. Pfarrer Schreiber legte feiner Festpredigt bas Dibelwort „Alle gute und vollkommene Gabe kommt von oben", zugrunde. Mittags bewegte sich der Festzug durch Eulersdorf, Reimenrod, Bieben, Merlos und Wallersdorf. Im Zuge konnte man Erntewagen mit Halmfrüchten, Hackfrüchten und Obst, mit Blumen geschmückte Maschinen und Bauern mit landwirtschaftlichen Geräten sehen. Den Abschluß des Zuges bildete die SAR. Die Marschdauer des Zuges durch die einzelnen Dörfer dauerte über zwei Stunden'. Um 17 Uhr oer» farnelten sich die Teilnehmer in der Turnhalle, um die Rede des Dolkskanzlers zu hören. In der Turnhalle hatte man einen großen Lautsprecher aufgestellt, um auch jedem Einwohner die Möglichkeit zu
Die Ernledanksestseier in Oberhessen.
Ruttershausen.
y. Ruttershausen, 3. Oft Das Erntedankfest des deutschen Volkes wurde am vergangenen Sonntag unter hervorragender Beteiligung der Bevölkerung der Gemeinden des Kirchspiels Kirchberg würdig begangen. Die schön ausgeschmückte Kirche zu Kirchberg konnte am Vormittag leider den Massenbesuch nicht ganz fassen. Am Nachmittag bewegten sich durch alle Gemeinden, Staufenberg, Ruttershausen, Mainzlar, Daubrin- gen, Lollar, festliche Umzüge. Es war staunenswert zu beobachten, wie die bäuerliche Bevölkerung in der kurzen Dorbereitungszeit gelungene Erntewagen und Darstellungen bäuerlicher Arbeit in den Umzügen mitführte, die dazu noch den Vorzug der Billigkeit hatten. Die Zellenleiter und Ortsgruppenführer hielten überall entsprechende Ansprachen. Die Häuser trugen reichen Fahnen- und Feftschmuck.
Reiskirchen.
? R e i s k i r ch e n, 3. Okt. Die Feier des E r n t e • banttages in unserer Gemeinde mußte besonde- rer Unstände halber bereits am Vormittag ftaltfin» den. Am frühen Morgen erscholl der Weckruf des hiesigen Spielmannzugs durch den stillen Ort. Um 10 Uhr versammelten sich alle Vereine, die verschiedenen ®ruppen des Festzugs und fast die gesamte Einwohnerschaft an der Adolf-Hitler-Eiche. Nachdem die Kapelle den Badenweiler-Marsch gespielt hatte, sang der Gesangverein einen dem neuen Deutschland und dem Reichskanzler gewidmeten Chor. Nachdem Zellenwart Stein die Anwesenden auf bas herzlichste begrüßt und auf die Bedeutung des Tages hingewiesen hatte, sprach Pg. K. Hahn (Großen- Buseck) in packender Weise zu der gespannt horchen- den Menge. Seine Rede klang aus in der Mahnung an den Dauern, treu wie seither zur Fahne Adolf Hitlers zu stehen und Hand in Hand mit dem Arbeiter das neue Deutschland, das Dritte Reich, weiter aufzubauen. Nach einem dreifachen „Sieg- Heil" auf unsere Führer und mit dem Horst-Wessel- Lied fand die Kundgebung ihr Ende. Anschließend bewegte sich ein langer 3ug durch die Ortsstraße, dessen sehr geschmackvoll zasammengestellte Gruppen bas Leben unb bie Arbeit bes Bauern barstellten und lebhaft begrüßt wurden. Am Nachmittag fanb für alle Vereine unb die Organisationen der NSDAP. Kirchgang statt. Die Kundgebung vom Bückeberg wurde in der Radioübertragunaverfolgt. Am Abend führten die Mädchen bes BdM. einige Volkstänze auf. Pg. Betz (Gießen) hielt eine An- spräche.
Lindenstruth.
? Linbenstruth, 3.Oktober. Die Feier bes Erntedanktags in unserer Gemeinde war für ung und alt ein schönes Erlebnis. Am Vormittags- lottesdienst nahmen die SA., die HI., die Frauen- chaft unb alle Vereine geschlossen teil. Mittags fanb eine Kunbgebung auf dem Schulhof statt. Pg. K. H a h n aus Großen-Buseck sprach über Sinn und Bedeutung des Erntedanktags. Nach dem Horst- Wessel-Lied und einem dreifachen „Sieg-Hell" auf den Führer bewegte sich ein bunter unb vielgestaltiger Festzug durch bie Ortsstraßen, geführt vom Pfeiferund Trommlerkorps aus Reiskirchen. Am Nachmittag fand die Uebertragung der Kundgebung vom Bückeberg statt, zu der sich fast das gesamte Dorf
eingefunden hatte. Der Abend verlies in sehr harmonischer Weise.
Hattenrod.
? Hattenrod, 3.Okt. Zur Feier des Ernte- d a n k f e st e s hatte sich fast die gesamte Einwohnerschaft zur Verfügung gestellt. Ein Festzug von einer hier noch nie gesehenen Größe und Vielgestaltigkeit bewegte sich unter Vorantritt des Spielmannzugs Reiskirchen durch die hiesigen Ortsstraßen. Auf dem Festplatz hiell der Landwirtschaftliche Fachberater der NSöAP. Pg. W. A l b a ch eine Ansprache, in der er die Bedeutung des Tages würdigte. Er bat die Bauern, immer wieder zu bedenken, daß, wenn Adolf Hitler nicht gewesen wäre, heute keiner mehr Bauer auf seiner Scholle sei und andere Erntefeste feiern würden. Diesem Manne ewige Treue zu geloben, sei Pflicht eines jeden Volksgenossen. Sein dreifaches Sieg-Heil wurde von vielen hundert Bau- ernkehlen freudig ausgenommen.
Holzheim.
> Holzheim, 2.Okt. Das erste Erntedankfest im Dritten Reich wurde auch in unserer Gemeinde feierlich begangen. Die Häuser hatten reichen Flaggenschmuck angelegt. Beim Hauptfestgottesdienst am Sonntagmorgen, nahmen sämtliche Formationen der NSDAP., sowie alle Vereine teil. Don der Adolf- Hitler-Straße aus, in der die Aufstellung des Fest- zuges stattfand, marschierte bann der Zug geschlossen zur Kirche, wo die einzelnen Fahnenabordnungen um den Altar Aufstellung genommen hatten. Pfarrer Schmidt gedachte in seiner Predigt bes greifen Reichspräsibenten von Hinbenburg.zu besten 86. Geburtstage, sowie bes Dolkskanzlers Abolf Hitler. Nachmittags bewegte sich ein stattlicher Festzug buid) bie Straßen bes Ortes. Auf einer Wiese außerhalb bes Dorfes fand eine Feier statt, bei der Zellenwart Pg. Kuhl, sowie Pg. Dr. B u ß (Gießen) eine eindrucksvolle Ansprache an die anwesenden Volks- genossen richteten. Der BdM. führte einen Ernte- reigen auf, der große Begeisterung hervorrief. Das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied bildeten den Abschluß der Feier. Anschließend wurde noch die Kundgebung auf dem Bückeberg in allen Sälen übertragen.
Münzenberg.
8 Münzenberg, 2. Okt. Nachdem in einer von der Jugend überaus stark besuchten Versammlung unter Führung der nationalsozialistischen Ortsgruppe die Richtlinien für bas Erntedankfest und der Tag des deutlchen Bauerntums (Tii»gegeben und gründlich besprochen worden waren, ging es an das Richten für den großen Tag. Die Wellen des neuen Geistes schlugen bis in jede Gaste und jedes Haus. Uno so prangte unser Ort am 1. Oktober in einem Meer von Fahnen des Dritten Reiches. Im Gottesdienst, an dem die ganze Gemeinde teilnahm, erschollen die Lieder einer dankbaren Gemeinde, kündete Gottes Wort Gottes Gaden und der Menschen Aufgaben. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Lenz, hämmerte der lauschenden Gemeinde in der Predigt ein: Die Voraussetzung der politischen Sendung bes beutschen Bauerntums ift fein religiöses, b. h. christliches Senbungsdewußtsein. Am Nachmittag marschierte ein stattlicher Festzug durch die geschmückten Straßen unseres alten Städtchens. Alle Vereine (kirchliche unb weltliche) unb sämtliche Organifatio-
Das verwandelte Ammer.
Anmerkungen von Julius Kreis.
Wie war bas in gesunden Tagen? Man fiel zuweilen spät nachts aus den Kleibern heraus in tiefen Schlaf, man las mit bem Gefühl rounberbarer XlUeinfamteit noch in einem Schmöker, in einer Zeitung, manchmal vergönnte man sich ein bißchen „Spinnen", bergeftalt, daß man sich in bie Koje eines Polarschiffs, in bie Geborgenheit eines Samo- jedenzettes, in die primitiv-komfortable Höhle Robinsons hineinphantasierte, — ewiger Spaß aus Kindertagen. Ober an einem regenschweren Sonntag hörte man mit Behagen bie Tropfen auf bas Fensterblech fallen, froh, baß man unter Dach unb Decke noch eine Stunbe lang von Herzen faul sein konnte ohne Appell an bas Wanbergewifsen, ohne Verpflichtung, fein Haupt an ben manchmal so harten Busen her Natur zu halten.
Ansonsten aber war einem bieses Schlafzimmer ziemlich wesenlos, am hellen Tag hinterließ es keinerlei Einbrücke, war ohne Interesse, fremb, ungemütlich.
Liegt man aber längere Zeit krank in so einem Raum, so bekommt er von Tag zu Tag ein anbc- res, ein vertrauteres Gesicht. Das kleine Rißchen an ber Decke, bie Blase im Fensterglas, ber Webfehler im Vorhang, bas Muster bes Bobcnbelags, alles wirb mit unheimlicher Schärfe klar, ins kleinste hinein bewußt, in Fieberftunden gefpen- stich und voll Dämonie ins Hirn gezeichnet.
Die nüchterne Ordnung unb Sachlichkeit bes Schlafraums verliert sich, sowie er Krankenraum wirb. Da stapeln sich Zeitungen, Zeitschriften unb Bücher auf Stuhl, Tisch und Ottomane, Blätter unb Blättchen zigeunern auf ber Bettbecke, auf dem Boden herum, Post quillt aus bem Schubfach bes Nachttisches, Decken unb Kissen, Wärmflaschen unb Wickel, Leinwand und Guttapercha, das alles treibt sich mit penetranter Hilfsbereitschaft herum. Das Unordentliche, Desorganisierte bes Körpers hat sich gewissermaßen auf ben Raum übertragen, auch er hat erhöhte Temperatur, auch in ihm „ftimmt’s nicht mehr."
Eine mertroürbige Gesellschaft von Flaschen, Dosen, Schachteln reiht sich aneinanber, eine kleine Armee, bie mit Essenz, Pillen, Pulver ben Krankheitsteufel austreiben soll, starke Bataillone, sofern die Krankheit nickt die stärkeren hat. Da liegt auch in ihrem Alkoholbad (sie bafs gut!) die kleine Spritze, ultima ratio, wenn alle Pulverl versagt haben, gefürchtet unb bedankt zugleich.
Das kleine Viereck b« Nackttisches ift nun die unmittelbare Welt. — Hier tickt die Uhr unentwegt
die Zeit zur erhofften Genesung ab. Hier steht das Glas mit Himbeerwasser (ehemals brrrrr! — jetzt eine Leckerei ersten Ranges — nur ein Eßlöffel voll erlaubt), hier ist ein kleiner Kramladen von Pastillen und Tröpferi, die man sich wie ein braves Kind einoerleibt, so wie es ber Gott aus ber Wolke, ber Onkel Doktor, befahl. Tellerchen mit vertrockneten Orangenschnitzeln, ein Nestchen Milch, bas unoermeibliche Apfelkompott des kranken Mannes, wenn bie Schmerzen nachlassen, bentt man, ein bißchen Bitterkeit im Herzen, barüber nach, baß alles, was einem schmeckt, gesunbheitswibriq, bah alles was man nicht mag, gefundheitsförberlich ift.
Wie schön beispielsweise könnte eine Krankheit verlaufen, wenn Fieber mit Tiroler Speckknöbeln unb Kolik mit einer guten Flasche Wein bekämpft werben könnte.
Aber ein Kranker soll nicht allzu unbanfbar fein. Er barf sich — als ein bißchen unzurechnungsfähig — mehr herausnehmen als ein Gefunber. (Man nützt es leiber au wenig aus, weil man zu viel durch die Krankheit abgelentt ist.)
Dann: bie Besuche! Sie finb sozusagen bas Pflaster auf bie Wunbe. Der Beweis von Anhänglichkeit, Freunbschaftlichkeit unb Freunblichkeit erquickt zu jeher Zeit, es fei beim, man hätte eben nach •bem kleinen bisfreten Gefäß geangelt.
Besucher eines Kranken sind immer von einer großen relativen, wenn es bem Kranken ganz schlecht geht, von einer absoluten Aufrichtigkeit unb Herzlichkeit ber Teilnahme. Alle Desensivmaßnah- men, bie ber Oefunbe bem Gesunben gegenüber (bei aller Freundschaft) aufrechterhält, sind überflüssig. Der da in den Kissen ift ungefährlich.
Freilich gibt es teilnehmende Gemüter, bie dir gleich sagen, wer alles schon an deiner Krankheit gestorben ist, delikatere Naturen berichten sogar, wer baoongetommen ift, — es finb bie robusten Seelchen unter beinen Bekannten. Sie haben es natürlich nicht so gemeint. — Der wahrhaft freundliche Besuch bagatellisiert deine Krankheit mit einem Plausch von „draußen", mit einem Scherzwort, mit sanfter Ironie, es sei denn, daß der Kranke selbst, ein bißchen gekränkt, daß man feine Krankheit nicht wichtig genug nimmt, davon zu erzählen anhebt.
Dann allerdings darf und soll ein gelernter Krankenbesuch sofort mit ergriffenem Antlitz ben Kopf schütteln unb einige schwere goldene Worte des Mitleids und der Hochachtung über einen so seltenen Fall vertieren.
Den Scheidenden begleiten die Augen zur Tür, dankbar, aber auch nicht ohne einen kleinen Schuß Neid, baß ber Besucher ba jetzt in eine märchenhaft frembe Welt tritt: auf Die Straße, in ein Kaffeehaus, zum Tanzen ober ins Theater geht.
Wir liegen roieber einsam unb hören bas ferne Rauschen ber Straßenbahn, ein Autohupen, Schrei unb Ruf, burch bie Mauern sickert Rabio-Rebe unb Klaoierübung, viel gefunber Lärm, wir greifen reicher einmal zu einem Pack alter illustrierter Blätter, 1911/1912/1913 steht herauf unb was ba an Jubiläen, Geburtstagen, an Berühmtheiten unb Sensationen abgebUbet ift, mutet bisweilen an wie ein grotesker Totentanz. Zwanzig Jahre haben genügt, bie Welt zwanzigmal umzuformen.
Aus ben Zimmern in ber Wohnung kommt Gespräch unb Geräusch wie von einem fernen Planeten. Da über ber Türschreelle ist eine Welt, in ber man einmal geftanben — bie jetzt unerreichbar ist-
Wenn man erst roieber über ben Korribor gehen könnte!
Lesen wir also bis bahin als kleinen, unzulänglichen Ersah über Reisen auf bem Amazonenstrom. — Viertausenb. Kilometer.
Aber alle Wunber bes Urwalds wögen nichts, wenn man jetzt einmal bie breißig Schritte ins an- bere Zimmer tun könnte.
Da finb die Gefunden — da ist die Fremde ...
Das Mainzer Gutenberg Museum.
Schon vor über dreißig Jahren wurde im An- fchluß an das große Gutenberg-Fest in Mainz vom Jahre 1900 ber Plan eines Gutenberg-Museums gefaßt, aber es fehlte an einem Museums-Raum, unb erst her Iohannestag 1933 brachte wenigstens eine Zwischenlösung. Don biefem neuerftanbenen Gutenberg-Museum in Mainz berichtet Dr. Hans Knies im Buchhänbler-Börsendlatt. Die Hauptabteilung bes Museums ist jetzt in einem Juwel ber Mainzer Baukunst untergebracht, bem schönen Renaissance-Haus, bas ber reiche Mainzer Kaufmann Edmunb von Rokoch hinter dem Dom um bie Mitte des 17. Iahrhunberts erbaute, und das später als »ben Namen „Zum Römischen Kaiser" er- iele Berühmtheiten finb hier abgeftiegen, so Voltaire unb Goethe: ber junge Mozart gab hort ein Konzert. Die Stadt Mainz, die bas Haus im baufälligen Zustand übernahm, hat es in seiner ur- sprünglicheii Schönheit wieder hergefteCt, und eine amerikanische Geldspende ermöglichte eine geschmackvolle Innenausstattung. Im Erdgeschoß ist jetzt der technische Teil untergebracht: man sieht hier eine ganze Reihe von Werkzeugen und Maschinen, die die Geschichte ber Type unb bie bes Druckes veranschaulichen. Bisher war bie Rekonstruktion ber Gutenberg-Presse das Einzige, was auf diesem Gebiet in Mainz gezeigt wurde. Nunmehr kann ein viel reicherer Ueberblicf gegeben werden, denn die
§eben, die Rede tu hören. Deutscher Tanz bildete ben lbschluß der Feier.
Lauterbach.
£ Lauterbach, 2. Oft Der gestrige Ernte« b a n 11 a g, der Tag bes deutschen Bauern, war auch für Lauterbach ein großes Erlebnis. Die Häuser waren schön geschmückt. Der Tag wurde durch einen Weckruf eingeleitet Im Anschluß daran war ber Bevölkerung Gelegenheit gegeben, bie Eröffnungsrebe bes Herrn Reichsminifters Dr. Goebbels anzuhören, bie burch öffentlich auf- gestellte Lautsprecher übertragen wurde. Zu bem um 930 Uhr angefetzten F e st g o t t e sd i e n st marschierten bie Kampfformationen, die Jugend- verbände, die NSDO. und die Deamtensachschaften geschlossen tur Kirche. Das Gotteshaus, dessen Altar sinnvoll geschmückr war, war diesmal fast zu klein für all die Menschen, die gekommen waren, bem allmächtigen Schöpfer zu bauten für all bas, was er aus beutschem Boden erstehen ließ. Don 11 bis 12 Uhr konzertierte bann bie SA.-Kapelle vor bem Rathaus. Nachmittags fetzte sich vom Norbbahnhof aus her Festzug in Bewegung. Voran fuhren auf einem Wagen bie Veteranen ber Arbeit, im Zug selbst würben alle lanbwirtschastlichen Maschinen, sinnvoll geschmückt, mitgeführt, außerbem sah man alle Erzeugnisse ber Lanbreirtschaft unb Gruppen, bie durch alle möglichen Gerätschaften symbolisch die schwere Arbeit des Landmanns darstellten. Arbeiter, Handwerker und Beamte marschierten mit. Der Zug erreichte auf dem Gelände bei ber Abolf-Spieh-Tumhalle fein Ziel. Dort sprachen bann Kreisletter Dr. Lang unb Kreisbauernführer Fischer über bie Debeutung der 1. Oktober als Erntebanktag. Sie ließen ihre Reben ausklingen in einem breifachen „Sieg-Heil!" auf ben Reichs. Sräfibenten unb ben Dolkskanzler Abolf Hitler. Jon 17 Uhr ab konnte man bie burch Lautsprecher übertragene Kunbgebung auf bem Vückeberg anhören. Bei Konzert unb Tanz blieb man noch lange beisammen. Mit diesem erhebenden Festtag hat bie Lauterbacher Bevölkerung aufs neue bewiesen, baß sie einig unb geschlossen hinter der Regierung und ihrer Führung steht.
Wißmar.
< Wißmar, 1. Okt. Der Stützpunkt ber NSDAP. Wißmar hatte unter ber Leitung seines unermüblichen unb eifrigen Stützpunktleiters Pg. Haibach unb bes Ortsbürgermeisters Pg. Best sein Bestes gegeben, um ber Erntedank- f e ft f e i e r in Wißmar zu vollem (Erfolge zu Der- helfen. Nicht minder hatte die Bauernschaft mit Liebe unb Hingabe an ber Ausgestaltung bes Festzuges mitgearbeitet. Fist alle Ortsbürger hatten chre Häuser reichlich mit Fahnen, Blumen unb" grünen ©eroinben geschmückt. Trompetensignale eröffneten am Sonntagmorgen das Erntedankfest. Die Rede des Reichsministers Dr. Goebbels wurde von ber Bevölkerung auf bem Abolf-Hitler-Platz mitangehört. An bem Festgottesbicnst, bei bem ber Kirchenchor mitroirtte, nahmen alle Vereine geschlossen teil. Desonbere Aufmerksamkeit erweckte Dabei bie SA. Wißmar, bie wie eine Mauer um ihre neue Fahne ftanb. Pfarrer Trauthig ermahnte in einbringlichen Worten bie Gemeinde zum Loben unb Danken für ben Segen des Herrn.
Den Höhepunkt des Festtages bildete der Fest- z u g, an bem jung unb alt teilnahm. Begeisterung unb Freube leuchtete aus aller Augen, unb großer Jubel brach aus, als bie Festreagen erschienen, benen zwei reichgebänberte Früchterkänze an lar> ger (Erntegabel burch Frauen unb Mäbchen voran- getragen würben.
Die Festwagen zeigten in finniger Weise borge« stellt alle Zweige Der Lanbwirtsckaft. Da sah man ben Werbegang vom Saatkorn vis zum täglichen Brot. Dem Pflug folgte ber Säemann im Leinenkittel unb blauer Arbeitsschürze: hinter schweren vollen Aehren folgten Schnitter unb Schnitterinnen in bäuerlicher Tracht. Der Erntewagen führte alle Felbfrüchte unb Felderzeugnisse mit. Auf einem anderen Wagen stellte man die Verarbeitung bes Mehles zu Teig unb Brot bar. Bäckerburschcn trugen Brot unb echten Wihmarer „Pekekuchen" hinterher. Beim Zwetschenmuskochen sah man „Wiß- marcr Hoinknose". Neben ber Mostkelter ftanb ein
Maschinen finb betriebsfähig aufgestellt, unb die verschiedenen Typengießmaschmen, Setz- und Druck- maschinen werden vorgeführt. Die beiden oberen Geschosse bes „Römischen Kaiser* finb bazu bestimmt, bas Andenken an den größten von Mainz zu ehren, sein Werk zu zeigen und seine unmittelbare Auswirkung zu veranschaulichen. Was aus (Butenbergs Zeit erhalten ist unb auf ihn selbst Bezug hat, ift ja nur wenig: es finb nur ein paar Urkunden. Aber die Menge der ausgestellten Drucke, die aus ber Zeit vor 1500 herüyren, und nach ben ßänbern ihrer Herkunft angeorbnet sinh, vergegenwärtigt ben Siegeszug, ben die „schwarze Kunst" sofort nach ihrem Erscheinen burch die zivilisierte Welt antrat.
Oer Affe, der das Rauchen nicht lassen konnte.
Bubu, ber lchwarzgesichtige Schimpanse bes Lon- boner Zoos, hatte burch seine Leidenschaft für bas Rauchen kürzlich beinahe schweres Unheil ange» richtet. Trotz bes sehr beutlick angebrachten Verbotes, ben Insassen bes Affenhauses Tabak in irgenbeiner Form zu verabreichen, erhielt Bubu von einem Besucher eine brennende Zigarre. Der Schimpanse, ber zwar in bie Genüsse des Rauchens eingeroeiht ist, wußte aber nichts von ber Gefahr, bie barin besteht, wenn man einen brennenben Stummel ins Stroh wirst. Er tat bie», unb bie Flammen züngelten bereits empor, als glücklicherweise noch ein Wärter Darauf aufmerksam würbe unb mit bem Löschapparat ein Umsichgreifen ber Flammen verhinderte. Bubus Rauchsucht ist ein Problem, mit dem sich die Direktion des Zoo» jetzt ernsthaft beschäftigt. (Er war nämlich, bevor er in bas Affenhaus kam, in einer Familie, in ber ihm bas Rauchen gestattet würbe. So hatte er sich ben Konsum von fünf Zigaretten täglich angewöhnt. Die Beamten des Zoos aber halten das Zigarettenrauchen für Affen aus verschiedenen Gründen für unangebracht, und ba ihm bas geliebte Kraut versagt würbe, so legte sich Bubu auf» Betteln. Da ber Anblick eines rauchenben Schimpansen stets bas Interesse ber Besucher erweckt unb außerbem sich auch noch an ber Tür bes Affenhauses eine große Photographie eines Affen definbet, bie auf diese (Eigenart bes Bewohners hinweist, so bekommt Bubu immer wieder Zigaretten von feinen Bewunderern unb ist schon häufig danach krank ge» worden. Die Verwaltung beabsichtigt daher, ihm täglich ein bis zwei Zigaretten verabfolgen zu lassen, die er in Gegenwart des Wärters rauchen barf. Zu biefer Zeit kann bann ber rauchenb» Schimpanse berounhert werben.


