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Neuen Bäue 27
Nachdruck verboten! Kapitel.
Das Wunder der Magussi Weiser Vornan von Fr. Lehne. Urheberschutz durch C. Ackermann, Stuttgart.
„Sie, Baron?• rief sie überrascht, „welcher Wind hat Sie hierher verschlagen?"
Ihr kleiner Unmut über den fremden, wenig willkommenen Besucher war ehrlicher Freude gewichen, — sah sie in ihm doch ein Stück Heimat wieder, und herzlich streckte sie ihm beide Hande zur Begrüßung entgegen, die er wie eine große Kostbarkeit faßte und an seine Lippen führte.
Der Südwind, meine Gnädigste!" beantwortete er 'ihre Frage, sie mit seinen hübschen, dunklen Augen glücklich ansehend, — „ich will nach dem Bodensee! — Schwer war es aber, m dieses Heiligtum zu dringen! Himmel, welche Ueberredung hat es gekostet, Ihren Zerberus, der übrigens ein reizender, kleiner, energischer Kerl ist, gefügig zu machen. Es ist mir aber doch gelungen.'
„Immer noch der Alte, Baron?'
Lächelnd erwiderte er ihren Blick.
Ja Gnädigste. Ich kann leider nicht aus meiner Haut heraus, so oft ich es schon versucht habe/ seufzte er drollig.
Warum sehnen Sie sich nach einer andern? Sie wäre Ihnen gar nicht angepaßt und druckte Sie überall! Sie fühlte sich in dem Zwang gar nicht wohl. Die wir tragen, hat uns der Herrgott angemessen. Man muß seiner Natur folgen und darf sie nicht einengen —"
„Wie Sie es getan haben, Frau Magussi!
„Ja, wie ich es getan habe," nickte sie.
Forschend ruhten seine Augen auf ihrem wieder ernster gewordenen schönen Gesicht, auf dem ein leiser Zug von Schwermut lag.
„Gegen fünf Jahre haben wir uns nicht gesehen. Frau Magussi — gelt, ich darf doch so sagen? Und allerlei hat sich ereignet in dieser Zeit."
„Ja, Baron, es waren inhaltsreiche Jahre.
„Was wissen Sie von meinen Eltern?" fragte sie leise nach einer kleinen Pause.
„Gesundheitlich geht es den Herrschaften aut, wirtschaftlich gleichfalls. Die Fabrik blüht und gedeiht unter der umsichtigen, tüchtigen Leitung der beiden Herren. Der Herr Kommerzienrat ist noch steinerner und unnahbarer geworden — und die Frau Kommerzienrat hat schneeweißes Haar, das ihr sehr gut steht!"
Magussi seufzte leise und senkte den Kopf. Tränen standen in ihren Augen. Kurt von Langen nahm ihre Hand und strich zart darüber hin. Sie ließ es geschehen in der Erinnerung an das Elternhaus.
„Von der Mama soll ich Ihnen einen recht herzlichen Gruß bestellen!" sagte er, sie mit ganz eigenem Blick ansehend.
Wie elektrisiert fuhr sie zusammen. — „Baron!" Er nickte. — „Ja, Frau Magussi! Wir beide, die
Mama und ich, sprechen nämlich von Ihnen — I ganz heimlich, — ich bin der einzige! — Niemand > sonst wagt nach Ihnen zu fragen — Sie wissen ja —"
„Ja, Baron! Der Herr Kommerzienrat Bunte hat ja deutlich genug erklärt, daß er keine Tochter mehr habe — und den Gewaltigen fürchtet die ganze Stadt", versetzte sie bitter, „so gut der Papa sonst ist: Widerspruch und seinem Willen entgegenhandeln, verzeiht er durchaus nicht."
„Verraten will ich Ihnen, Frau Magussi, daß die Mama im geheimen sehr stolz ist, daß die berühmte Sängerin Waldhof ihre Tochter ist. Ihre mit Dollars gesegnete Amerikafahrt haben Sie ja auch bereits hinter sich. Man hat von Ihren unerhörten Erfolgen im Winter gelesen und Ihr Bild in allen Zeitschriften gesehen."
Sie lächelte ihr kindliches Lächeln.
„Das muß man mit in Kauf nehmen, leider! Obwohl die Kunst mit Reklame nichts gemeinsam haben dürfte, — sie soll durch sich selbst wirken. Ich wäre wahrhaftig noch nicht nach Amerika gegangen, doch der plötzliche Tod meiner edlen Gönnerin, der Fürstin Waldenau, hatte mich sehr erschüttert: dazu kam noch etwas anderes, so daß ich mich schließlich doch zu der Amerikafahrt entschloß."
„Darf ich fragen, wie Sie auf den Namen ,Wald- hof' gekommen sind?"
„Durch die Fürstin Waldenau! Sie hatte einen entzückenden kleinen Besitz am Chiemsee, der so hieß, und den gleichen Namen empfahl sie mir als Bühnennamen, da ich mit Rücksicht auf meine Angehörigen mich anders nennen wollte. Der gütigen Frau habe ich viel zu verdanken. In der ersten schlimmen Zeit, als meine Familie sich von mir als einer Schwerverbrecherin losgesagt, war sie mir Mutter und unterützte mich in jeder Hinsicht, auch mit Geld, bis ich meine erste Gage bezog. Sie ir= innern sich sicher noch all der Unerfreulichkeiten, die sich an mein erstes Auftreten in meiner Vaterstadt knüpften!"
„Die aber glücklicherweise längst hinter Ihnen liegen, Frau Magussi! Die Aufregungen in Ihrer Familie waren im Grunde so unnötig. Jeder l-e- wunderte Ihre außerordentliche Künstlerschaft, und die große Mehrheit der Gesellschaft — bis auf kleine Kläffer und Neider — war ganz auf Ihrer Seite! — Wie hat man dem Herrn Kommerzienrat von allen Seiten zugesetzt — doch vergebens!"
„Papas Eisenkopf!"
Lächelnd sah er sie an. „Frau Magussi, ein gut Teil davon haben Sie auch geerbt bei all Ihrer blonden Sanftheit."
„Ich will es nicht abstreiten, Baron! Das hat mich auch mein Ziel erreichen lassen. Denn leicht war es nicht. Man stellt sich alles doch rosiger und
„Gnädige Frau, es ist Besuch da!" sagte das Mädchen schüchtern.
„Wer?"
„Ein Herr! Er wartet im Empfangszimmer! Eine Karte hat er mir nicht gegeben!"
„Und dennoch haben Sie ihm Eintritt gewährt?" Die feingezeichneten Brauen der schönen, blonden Frau zogen sich unwillig zusammen, als sie in verweisendem Tone sagte:
„Sie wissen doch, Emmy, daß ich keine Freundin von fremden Besuchern bin! — Wohin soll das führen? Ich hätte ja den ganzen Tag das Haus voller Besucher! Wenn ich von der Probe komme, will ich ruhen und keine gleichgültige Unterhaltung führen!"
„Alles das habe ich dem Herrn gesagt", entschuldigte sich das hübsche, sehr saubere, nette Stubenmädchen, indem es der Herrin beim Ablegen behilflich war, „er ließ sich jedoch nicht abweisen: er bat so dringend, mit ihm- eine Ausnahme zu machen, sprach von einer besonderen Angelegenheit, die ihn hergeführt, daß ich nicht anders konnte."
Wohlweislich verschwieg sie jedoch, daß es seine Bitte mit einem sehr gewichtigen Händedruck unterstützte.
Sie begriff überhaupt nicht recht, warum sich ihre Herrin so streng von jedem Besuch abschloß. Das war wirklich nicht nötig. Wenn man eine so schöne und berühmte Künstlerin war, hatte man auch Verpflichtungen gegen seine Mitmenschen, die einen sehen wollten.
Die Dame betrat das Empfangszimmer, in das durch das breite, offene Fenster die Frühlingsonne voll hereinflutete. Große, mächtige Flieder- träuße, die auf der Verkleidung des Heizkörpers tanden, durchdufteten den Raum, der nur sehr pärlich mit Möbeln eingerichtet war — ein paar bequeme Sessel in verschiedener Form und Größe, ein kleines Tischchen und in der Mitte ein herrlicher Jbachflügel.
Der Herr, der am Fenster stand und auf die Straße hinausblickte, wandte sich bei ihrem Eintritt schnell um.
„Meine liebe gnädige Frau —* _______
anders vor. Das Glück kam mir auch zu Hilfe."
„Sagen Sie doch lieber Ihr Können und Ihre Tüchtigkeit, — Ihr Auftreten in Leipzig war ein Bombenerfolg!"
„Es traf sich für mich günstig, daß ich durch die plötzliche schwere Erkrankung der Jugendlich-Dramatischen dort im Stadttheater einspringen konnte —"
und begannen damit den Aufstieg zur Höhe? Oh, ich habe alles genau verfolgt — mit der Mama! Jede Zeitung, in der ich von Ihnen las, habe ich ihr zugetragen. Und nun find Sie hier in München gelandet. Ich hoffe sehr, daß Ihre Eltern, die Mama bestimmt, den Sommeraufenthalt in Oberbayern nehmen werden und dann — die Festspiele —"
„Baron!"
Magussi umklammerte in der Aufregung seinen Arm — was ließ er da durchblicken, welchen Lichtstrahl! Ach, schwer litt sie, trotz aller Triumphe, unter der Entfernung vom Elternhause! Wenn sie vielleicht auch kaum auf Versöhnung mit dem Vater rechnen durfte, doch mit der Mutter, der lieben, — da hatte sie die Hoffnung nicht aufgegeben!
„Ja, Frau Magussi, ich habe tüchtig vorgearbeitet und betrachte mich gewissermaßen als Schrittmacher", sagte er leicht gerührt, als er ihre Freude bemerkte.
„Wie soll ich Ihnen das danken, Baron!" Sie preßte die schmalen, weißen Hände, die von je sein Entzücken gewesen, auf die Brust und sah ihn mit einem so sprechenden Blick der schönen Augen an; daß es ihm ganz eigen ums Herz wurde. Seine stille Verehrung hatte ja immer ihr gegolten. Wie schön sie war — und immer noch schwebte der Reiz einer holden Mädchenhaftigkeit um diese entzückende Frau.
„Ach, lieber Freund, die Mutter wiedersehen! — Welches Glück, das Sie mir da zeigen." Tränen schwangen in ihrer weichen, wunderschönen Stimme.
„Sie sehen, ich fange wenigstens an, mich zu einem nützlichen Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu entwickeln", sagte er scherzend, eine ihm unbequeme Rührung damit abwehren wollend.
„Und was tun Sie sonst?"
„Noch nichts anderes, als Sie bereits wissen; immer bestrebt, dem Leben die heiterste Seite abzugewinnen! Der unverbesserliche Taugenichts! Und in Katzenjammerszeiten baue ich Kohl und betätige mich landwirtschaftlich sehr heftig — zur beginnenden Zufriedenheit meines Bruders."
„Warum heiraten Sie nicht Baron?"
Da Magussi keinen Rng an seinen Fingern entdeckt, glaubte sie diese Frage stellen zu dürfen.
(Fortsetzung folgt.)
28. Fortsetzung.
18.
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gelber im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat Juli 1933 können noch bis zum 15. d. ITC. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Sperre auf Kosten des Abnehmers. 5495D
Gießen, den 4. September 1933.
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der Elektrizitätswerke, Ue&erlanöanlage und Straßenbahn, sowie des Gas- und Wasserwerks der Stadt Gießen.
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5492D
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Bekanntmachung.
Am Mittwoch, dem 6. September 1933, vormittags 11 Uhr, werden im Hofe des Stgh^'chen Gas- und Wasserwerks
zirka 6 Zentner Einmachbirnen öffentlia' gegen Barzahlung versteigert.
Gießen, den 4. September 1933.
Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.
Brosche
(Altertum) Samstagabend verloren. Gegen Belohnung abzugeben 05183
Rregelvfad 32,1.
Zugelaufen
grauer Svib (schm. Schnauze), abzuhol. oiisoKaplansgasseZSp
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Feierliche ßinf heute morgen zu fr Schimmer des neuen Horizont im Osten — Schrille der SA.-Kot unserer Stadt. Die SA Tagen van Nürnberg te, vor den einzelnen Stur marinierte dann in gescht 2anbgrai=$l)ilippWi01 bei Sturmbannes Manches Zensier öffnete s bw MÄem, nahmen di ftuisinÄ AuMung. Du sich schon emgesunden. ' Sturmbann 11 denMorsi! wurde er bereits von eir fterter Anhänger begle’ zog die SA. durch die
Es galt, die Jlümb abzuholen, das Selb’ 116 vom Mm ver zubringen und den herzlichen En der ihnen in Anbetrach den die Tage in Nürn vielen Hausern wehte, die Farben Schwarz-n erneut kund, daß sie si Sache des nationalsozil engste verbunden fühlt der Liebigstraße bis vielen hohen Masten di n? ,nn?er fischen Mc Jun Bahnhof ongeko 'Hatten wieder in gesch ! 5 Dßl DO d
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Frau Elisabeth heil Witwe, geh. Schmall zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herzlichen Dank aus.
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Gießen, im September 1933.
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Herr Stiidienrat Dr. Wilhelm Schraub
Seit 1923 hat er an unserer Schule mit vorbildlicher Hingabe an seinen Beruf gewirkt. Der Grundzug seines Wesens war selbstverständliche Pflichterfüllung und Treue. Die Schüler schätzten seine bestimmte Freundlichkeit und seine unbedingte Gerechtigkeit. Die Lehrer danken ihm seine stete warmherzige Hilfsbereitschaft in allen menschlichen und beruflichen Dingen. Ein Mann von kerndeutscher Gesinnung und Pflichttreue ist mit ihm dahin gegangen. Sein Andenken wird bei uns lebendig und fruchtbar bleiben.
Für den Lehrkörper and die Schüler der Oberrealschule Hieben,
Leonhardt, Oberstudiendirektor.
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