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5.9.1933 Erstes Blatt
 
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Neuen Bäue 27

Nachdruck verboten! Kapitel.

Das Wunder der Magussi Weiser Vornan von Fr. Lehne. Urheberschutz durch C. Ackermann, Stuttgart.

Sie, Baron? rief sie überrascht,welcher Wind hat Sie hierher verschlagen?"

Ihr kleiner Unmut über den fremden, wenig will­kommenen Besucher war ehrlicher Freude gewichen, sah sie in ihm doch ein Stück Heimat wieder, und herzlich streckte sie ihm beide Hande zur Be­grüßung entgegen, die er wie eine große Kost­barkeit faßte und an seine Lippen führte.

Der Südwind, meine Gnädigste!" beantwortete er 'ihre Frage, sie mit seinen hübschen, dunklen Augen glücklich ansehend,ich will nach dem Bodensee! Schwer war es aber, m dieses Hei­ligtum zu dringen! Himmel, welche Ueberredung hat es gekostet, Ihren Zerberus, der übrigens ein reizender, kleiner, energischer Kerl ist, gefügig zu machen. Es ist mir aber doch gelungen.'

Immer noch der Alte, Baron?'

Lächelnd erwiderte er ihren Blick.

Ja Gnädigste. Ich kann leider nicht aus meiner Haut heraus, so oft ich es schon versucht habe/ seufzte er drollig.

Warum sehnen Sie sich nach einer andern? Sie wäre Ihnen gar nicht angepaßt und druckte Sie überall! Sie fühlte sich in dem Zwang gar nicht wohl. Die wir tragen, hat uns der Herrgott an­gemessen. Man muß seiner Natur folgen und darf sie nicht einengen"

Wie Sie es getan haben, Frau Magussi!

Ja, wie ich es getan habe," nickte sie.

Forschend ruhten seine Augen auf ihrem wieder ernster gewordenen schönen Gesicht, auf dem ein leiser Zug von Schwermut lag.

Gegen fünf Jahre haben wir uns nicht gesehen. Frau Magussi gelt, ich darf doch so sagen? Und allerlei hat sich ereignet in dieser Zeit."

Ja, Baron, es waren inhaltsreiche Jahre.

Was wissen Sie von meinen Eltern?" fragte sie leise nach einer kleinen Pause.

Gesundheitlich geht es den Herrschaften aut, wirt­schaftlich gleichfalls. Die Fabrik blüht und gedeiht unter der umsichtigen, tüchtigen Leitung der beiden Herren. Der Herr Kommerzienrat ist noch steiner­ner und unnahbarer geworden und die Frau Kommerzienrat hat schneeweißes Haar, das ihr sehr gut steht!"

Magussi seufzte leise und senkte den Kopf. Trä­nen standen in ihren Augen. Kurt von Langen nahm ihre Hand und strich zart darüber hin. Sie ließ es geschehen in der Erinnerung an das Eltern­haus.

Von der Mama soll ich Ihnen einen recht herz­lichen Gruß bestellen!" sagte er, sie mit ganz eige­nem Blick ansehend.

Wie elektrisiert fuhr sie zusammen.Baron!" Er nickte.Ja, Frau Magussi! Wir beide, die

Mama und ich, sprechen nämlich von Ihnen I ganz heimlich, ich bin der einzige! Niemand > sonst wagt nach Ihnen zu fragen Sie wissen ja"

Ja, Baron! Der Herr Kommerzienrat Bunte hat ja deutlich genug erklärt, daß er keine Tochter mehr habe und den Gewaltigen fürchtet die ganze Stadt", versetzte sie bitter,so gut der Papa sonst ist: Widerspruch und seinem Willen entgegen­handeln, verzeiht er durchaus nicht."

Verraten will ich Ihnen, Frau Magussi, daß die Mama im geheimen sehr stolz ist, daß die berühmte Sängerin Waldhof ihre Tochter ist. Ihre mit Dol­lars gesegnete Amerikafahrt haben Sie ja auch be­reits hinter sich. Man hat von Ihren unerhörten Erfolgen im Winter gelesen und Ihr Bild in allen Zeitschriften gesehen."

Sie lächelte ihr kindliches Lächeln.

Das muß man mit in Kauf nehmen, leider! Obwohl die Kunst mit Reklame nichts gemeinsam haben dürfte, sie soll durch sich selbst wirken. Ich wäre wahrhaftig noch nicht nach Amerika ge­gangen, doch der plötzliche Tod meiner edlen Gön­nerin, der Fürstin Waldenau, hatte mich sehr er­schüttert: dazu kam noch etwas anderes, so daß ich mich schließlich doch zu der Amerikafahrt entschloß."

Darf ich fragen, wie Sie auf den Namen ,Wald- hof' gekommen sind?"

Durch die Fürstin Waldenau! Sie hatte einen entzückenden kleinen Besitz am Chiemsee, der so hieß, und den gleichen Namen empfahl sie mir als Bühnennamen, da ich mit Rücksicht auf meine An­gehörigen mich anders nennen wollte. Der gütigen Frau habe ich viel zu verdanken. In der ersten schlimmen Zeit, als meine Familie sich von mir als einer Schwerverbrecherin losgesagt, war sie mir Mutter und unterützte mich in jeder Hinsicht, auch mit Geld, bis ich meine erste Gage bezog. Sie ir= innern sich sicher noch all der Unerfreulichkeiten, die sich an mein erstes Auftreten in meiner Vaterstadt knüpften!"

Die aber glücklicherweise längst hinter Ihnen liegen, Frau Magussi! Die Aufregungen in Ihrer Familie waren im Grunde so unnötig. Jeder l-e- wunderte Ihre außerordentliche Künstlerschaft, und die große Mehrheit der Gesellschaft bis auf kleine Kläffer und Neider war ganz auf Ihrer Seite! Wie hat man dem Herrn Kommerzienrat von allen Seiten zugesetzt doch vergebens!"

Papas Eisenkopf!"

Lächelnd sah er sie an.Frau Magussi, ein gut Teil davon haben Sie auch geerbt bei all Ihrer blonden Sanftheit."

Ich will es nicht abstreiten, Baron! Das hat mich auch mein Ziel erreichen lassen. Denn leicht war es nicht. Man stellt sich alles doch rosiger und

Gnädige Frau, es ist Besuch da!" sagte das Mädchen schüchtern.

Wer?"

Ein Herr! Er wartet im Empfangszimmer! Eine Karte hat er mir nicht gegeben!"

Und dennoch haben Sie ihm Eintritt gewährt?" Die feingezeichneten Brauen der schönen, blonden Frau zogen sich unwillig zusammen, als sie in ver­weisendem Tone sagte:

Sie wissen doch, Emmy, daß ich keine Freun­din von fremden Besuchern bin! Wohin soll das führen? Ich hätte ja den ganzen Tag das Haus voller Besucher! Wenn ich von der Probe komme, will ich ruhen und keine gleichgültige Un­terhaltung führen!"

Alles das habe ich dem Herrn gesagt", entschul­digte sich das hübsche, sehr saubere, nette Stuben­mädchen, indem es der Herrin beim Ablegen be­hilflich war,er ließ sich jedoch nicht abweisen: er bat so dringend, mit ihm- eine Ausnahme zu ma­chen, sprach von einer besonderen Angelegenheit, die ihn hergeführt, daß ich nicht anders konnte."

Wohlweislich verschwieg sie jedoch, daß es seine Bitte mit einem sehr gewichtigen Händedruck unter­stützte.

Sie begriff überhaupt nicht recht, warum sich ihre Herrin so streng von jedem Besuch abschloß. Das war wirklich nicht nötig. Wenn man eine so schöne und berühmte Künstlerin war, hatte man auch Verpflichtungen gegen seine Mitmenschen, die einen sehen wollten.

Die Dame betrat das Empfangszimmer, in das durch das breite, offene Fenster die Frühlings­onne voll hereinflutete. Große, mächtige Flieder- träuße, die auf der Verkleidung des Heizkörpers tanden, durchdufteten den Raum, der nur sehr pärlich mit Möbeln eingerichtet war ein paar bequeme Sessel in verschiedener Form und Größe, ein kleines Tischchen und in der Mitte ein herr­licher Jbachflügel.

Der Herr, der am Fenster stand und auf die Straße hinausblickte, wandte sich bei ihrem Ein­tritt schnell um.

Meine liebe gnädige Frau* _______

anders vor. Das Glück kam mir auch zu Hilfe."

Sagen Sie doch lieber Ihr Können und Ihre Tüchtigkeit, Ihr Auftreten in Leipzig war ein Bombenerfolg!"

Es traf sich für mich günstig, daß ich durch die plötzliche schwere Erkrankung der Jugendlich-Dra­matischen dort im Stadttheater einspringen konnte"

und begannen damit den Aufstieg zur Höhe? Oh, ich habe alles genau verfolgt mit der Mama! Jede Zeitung, in der ich von Ihnen las, habe ich ihr zugetragen. Und nun find Sie hier in Mün­chen gelandet. Ich hoffe sehr, daß Ihre Eltern, die Mama bestimmt, den Sommeraufenthalt in Ober­bayern nehmen werden und dann die Fest­spiele"

Baron!"

Magussi umklammerte in der Aufregung seinen Arm was ließ er da durchblicken, welchen Licht­strahl! Ach, schwer litt sie, trotz aller Triumphe, unter der Entfernung vom Elternhause! Wenn sie vielleicht auch kaum auf Versöhnung mit dem Va­ter rechnen durfte, doch mit der Mutter, der lie­ben, da hatte sie die Hoffnung nicht aufgegeben!

Ja, Frau Magussi, ich habe tüchtig vorgearbei­tet und betrachte mich gewissermaßen als Schritt­macher", sagte er leicht gerührt, als er ihre Freude bemerkte.

Wie soll ich Ihnen das danken, Baron!" Sie preßte die schmalen, weißen Hände, die von je sein Entzücken gewesen, auf die Brust und sah ihn mit einem so sprechenden Blick der schönen Augen an; daß es ihm ganz eigen ums Herz wurde. Seine stille Verehrung hatte ja immer ihr gegolten. Wie schön sie war und immer noch schwebte der Reiz einer holden Mädchenhaftigkeit um diese ent­zückende Frau.

Ach, lieber Freund, die Mutter wiedersehen! Welches Glück, das Sie mir da zeigen." Tränen schwangen in ihrer weichen, wunderschönen Stimme.

Sie sehen, ich fange wenigstens an, mich zu einem nützlichen Mitglied der menschlichen Gesell­schaft zu entwickeln", sagte er scherzend, eine ihm unbequeme Rührung damit abwehren wollend.

Und was tun Sie sonst?"

Noch nichts anderes, als Sie bereits wissen; immer bestrebt, dem Leben die heiterste Seite ab­zugewinnen! Der unverbesserliche Taugenichts! Und in Katzenjammerszeiten baue ich Kohl und betä­tige mich landwirtschaftlich sehr heftig zur be­ginnenden Zufriedenheit meines Bruders."

Warum heiraten Sie nicht Baron?"

Da Magussi keinen Rng an seinen Fingern ent­deckt, glaubte sie diese Frage stellen zu dürfen.

(Fortsetzung folgt.)

28. Fortsetzung.

18.

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gelber im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat Juli 1933 können noch bis zum 15. d. ITC. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Sperre auf Kosten des Abnehmers. 5495D

Gießen, den 4. September 1933.

Direktion

der Elektrizitätswerke, Ue&erlanöanlage und Straßenbahn, sowie des Gas- und Wasserwerks der Stadt Gießen.

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mit Obslbäumen u. Gartenhütte zu ver­pachten. 05191

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Bekanntmachung.

Am Mittwoch, dem 6. September 1933, vormittags 11 Uhr, werden im Hofe des Stgh^'chen Gas- und Wasserwerks

zirka 6 Zentner Einmachbirnen öffentlia' gegen Barzahlung versteigert.

Gießen, den 4. September 1933.

Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.

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(Altertum) Sams­tagabend verloren. Gegen Belohnung abzugeben 05183

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Für die wohltuenden Beweise liebevoller Teil­nahme, die uns beim Heimgange unserer lieben, unvergeßlichen Entschlafenen

Frau Elisabeth heil Witwe, geh. Schmall zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herz­lichen Dank aus.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Gießen, im September 1933.

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Am 2. September verschied im Alter von 50 Jahren an den Folgen eines im Dienst der Schule erlittenen UnglücksfaUes unser Amts­genosse und Lehrer

Herr Stiidienrat Dr. Wilhelm Schraub

Seit 1923 hat er an unserer Schule mit vorbildlicher Hingabe an seinen Beruf gewirkt. Der Grundzug seines Wesens war selbstver­ständliche Pflichterfüllung und Treue. Die Schüler schätzten seine bestimmte Freundlichkeit und seine unbedingte Gerechtigkeit. Die Lehrer danken ihm seine stete warmherzige Hilfsbereitschaft in allen menschlichen und beruflichen Dingen. Ein Mann von kern­deutscher Gesinnung und Pflichttreue ist mit ihm dahin gegangen. Sein Andenken wird bei uns lebendig und fruchtbar bleiben.

Für den Lehrkörper and die Schüler der Oberrealschule Hieben,

Leonhardt, Oberstudiendirektor.

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