Ausgabe 
5.9.1933 Erstes Blatt
 
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fassung stehe, brauchten, um leben und sich entfal­ten au können, die Möglichkeit, in freien Wirtschasts- bündnissen, die nicht durch politische Bestrebungen oder territoriale Forderungen gestört werden durf­ten, die Absatzgebiete zu erlangen, die durch ihre Nachbarschaft bestimmt seien. Eine wirkliche Organi­sation Mitteleuropas könne nicht gegen Italien durchgeführt werden.

Oie Zukunst der österreichischenHochschulen Die Studentenschaft fordert Einheitsfront gegen die Dollfuß-Verordnung.

Wien, 4. Sept. (TU.) Die letzten von der Regierung angekündigten Maßnahmen bei den Hochschulen haben den Kreis VIII der Deut­schen Studentenschaft veranlaßt, in einem Schreiben an die Rektoren zu der geplanten Ein­führung einer Hochschulwache und der Auflösung der Deutschen Studenten­schaft Stellung zu nehmen. Es zeige sich immer deutlicher, daß die Regierung nicht daran denke, die Autonomie der Hochschule zu achten. Es werde klar, * von einer Freiheit der Wissen­schaft und der Lehre in O e st erreich bald keine Rede sein werde. Die Deutsche Studentenschaft sei bereit, alle Maßnahmen zu er­greifen, die für die Deutscherhaltung der Hochschulen notwendig seien. Sie könne aber nur wenig aus­richten, wenn sie nicht in gemeinsamer Front mit den Professoren kämpfe. Sie habe daher den Rektor der Wiener Universität, Othenio Abel, gebeten, eine österreichische Rek­ta r e n k o n f e r e n z einzuberufen, weil sie der Ansicht sei, daß ein geschlossener Protest von Pro­fessoren und Rektoren doch die Regierung zur Zu­rücknahme oder Abänderung ihrer Verordnung bringen könne. Bleibe diese Verordnung aufrecht, sei eine Anstalt, an der der Zusammenschluß deut­scher Studenten, ja überhaupt jede Tätigkeit von Lehrern und Schülern im völkischen Sinne ver­boten sei, keine Hochschule, an der ein deutscher Professor Vorlesungen halten könnte.

Dollfuß kaust sich im Auslande an!

Essen, 4. Sept. (ERB.) Wie dieRheinisch- Westfälische Zeitung" aus München erfährt, hat Bundeskanzler Dr. Dollfuß kürzlich einen rund 1500 Hektar großen Besitz außerhalb Oester- r e i ch s südlich der kleinen steierischen Stadt Leib- nitz auf südslawischem Gebiete gekauft. In der steie­rischen Bauernschaft sieht man in diesem Kauf eine Versicherung gegen eine sehr unsichere politische Zu­kunft. Der Bundeskanzler entstammt einer armen Bauernfamilie und hatte es vor feinem politischen Aufstieg bis zum Sekretär der Niederösterreichischen Landeslandwirtschaftskammer gebracht, so daß er kaum in der Lage war, sich größere Vermögens­bestandteile auf die Seite zu legen.

Neue Tumulte auf Kuba.

Der Wirbelsturm wendet sich demFestland zu

Havanna, 4. Sept. (WTB.) Seit Wochen kommt Kuba, diePerle der Antillen", nicht zur Ruhe. Kaum ist nach der Flucht des Prä­sidenten Machado eine gewisse Ruhe einge­kehrt, die von der neuen Regierung zur Festigung und zum Ausbau ihrer Position benutzt werden sollte, da wird die Insel, vor allem an der Nord­küste, von verheerenden Wirbel st ü r - men heimgesucht. Und schon sind die Straßen der Hauptstadt Havanna, in denen zerstörte Läden noch von den letzten Unruhen zeugen, Schau­platz erneuter Tumulte. Wie zu Beginn der Kämpfe gegen die Regierung Machado, scheinen auch diesmal die Arbeiter der Verkehrsunterneh­mungen eine führende Rolle bei diesen Vorgängen zu spielen. In mehreren Vororten Havannas wur­den Bahnhöfe, Gleisanlagen und De­pots der Eisenbahn zerstört.

Während so die Negierung Cespedes ich gegen

revolutionäre Umtriebe wenden muß, i

t sie an«

ind vor

ein Kriegsgericht gestellt worden, weil sie die Regierung Machado unterstützt und dabei we­der Blutvergießen noch Martern gescheut hätten.

dererseits damit beschäftigt, die Vergangenheit zu liquidieren. Alle Offiziere der Armee

Versteinerte Panik.

Don Or. Gustav W. Eberlein, :Rom.

P ompej i. im Sommer 1933.

Hinter den Ladengeschäften derStraße des Ueberflusses" liegen die Wohnungen. Es müssen habliche" Leute sein, wie der Schweizer sagt, all diese Händler und Gewerbetreibenden, man merkt es gleich.

Wir traten in ein Haus, das der Oeffentlichkeit nicht zugänglich ist. Cs muß erst ein großes, kost­bares Buch darüber erscheinen. So wichtig wird es genommen. 3d) muhte erst die Sondererlaubnis der obersten Stelle erwirken, bevor mein Fuß die geheimnisvolle Schwelle überschreiten durfte, man gab mir einen Führer-Wächter mit und alle Men­schen, denen wir in den Zimmern und Gängen be­gegneten, zogen stumm den Hut.

Die Türe fiel ins Schloß: wir standen in einem mächtigen Atrium, aus dessen Deckenöffnung, einem runden Auge, gleich dem des Pantheons in Rom, haltlos die Tranen tropften, aufgefangen zu un­seren Füßen von einem großen rechteckigen Becken. Die Hausgötter starrten stumm und teilnahmslos hinein, obwohl schließlich auch die Betreuung des Reaentvassers zu ihren Obliegenheiten gehört, nicht bloß der Schutz des Feuers. Sie waren nicht grö­ßer als Weihnachtspuppen, diese häuslichen Pe­naten oder Laren, und das Lararium, in dem sie standen, erinnerte respektwidrig an ein Kasperle­theater. Dem Hauseigentümer dürften so kindliche Späße freilich nicht gefrommt haben, beeilte sich der Führer zu versichern, er habe seine Freude vielmehr an trojanischem Kriegsgeschrei, an den Komödien der Griechen und an der 3agd. Man sehe es an den Wandgemälden. Die sind farben­freudig und feierlich. Immerhin wird es gestattet sein, da und dort einen Gott zu bemerken, der verzerrt, sagen wir ruhig: karikiert ist.

Unsere Neugierde auf den Besitzer wuchs. Es mußte ein sonderbarer, halb- oder überkultivierter Mensch sein, weder Römer noch Grieche.

Da er leider auch in dem säulenumgebenen 3n- nengarten nicht aufzufinden war, nicht beim Essen an dem reichen, mit silbernen Wildschweinen ver­zierten Dronzetische sah, und auch die Betten auf ihren hübsch patinierten Kupferfühen leer standen, drangen wir kurzentschlossen ins Badezimmer. Schämten uns aber fast, so niedlich, so süß, so in­tim ist es ausgestattet. Richt groß, nicht grell be­leuchtet, hat es eine gewölbte Decke und schwelgt

17 Offiziere, darunter drei Oberste und zwei Kom­mandeure dürften verurteilt werden.

Auch andere Inseln der Antillen sind von den Naturkatastrophen heimgesucht worden. Besonders gilt dies von den Bahama-Inseln, deren Hauptstadt Nassau auf New-Providence nicht von dem Wirbelsturm verschont geblieben ist. Der Sturm, der mit 120 Meilen Stundengeschwindigkeit über die meist sehr flachen und schutzlosen Inseln dahinbrauste, hat auch auf Eleuthera sowie Groß- und Klein-Abaco schwere Verheerungen angerichtet. Die Orkane haben die Halbinsel Flo­rida und den Staat Texas erreicht. Mehrere Städte, darunter Sebring im Innern der Halbinsel und Freeport am Strande von Texas, sind von der Außenwelt abgeschnitten. Die Stadt Houston in Texas ist bedroht.

Amerika feiert den Arbeitstag.

Johnson organisiert einen Berkaufsfeldzug

Washington, 4. Sept. (WTB.) Reuter. Das nationale Fest desArbeitstages" wurde im gan­zen Lande durch Reden begangen, die den Feld­zug für die Wiederbelebung der Wirtschaft zu un­terstützen bestimmt waren. In C h i k a g o erklärte General Johnson, der Feldzug, der geführt werde, um die Arbeitszeit herabzusetzen und die Mindestlöhne zu erhöhen, müsse mit Energie durchgeführt werden. Er fügte hinzu, er werde den Feldzug am 20. September eröffnen und die Oeffentlichkeit einladen, mehr zu kaufen. Er unterstrich, die gegenwärtige Ge­fahr bestehe darin, daß der Verbrauch nicht das Tempo der Produktion mithalte. Das lasse einen Uebersluß an Waren und als Folge davon einen Rückfall der I n - dustrie in die Krise befürchten. Johnson be­dauerte, daß das Vertrauen zwischen den Arbeiter­organisationen und den Kapitalisten in den Ver­einigten Staaten gestört sei infolge des Gesetzes über den nationalen Wiederaufbau, das den Ar­beitern das Recht gebe, sich ohne Mitwirkung der Arbeitgeber zu organisieren.

Henry Ford

Hai einen eigenen plan.

Bessere Arbeitsbedingungen für seine Angestellten.

London, 2. Sept. (WTB.) Henry Ford soll der einzige Automobilmagnat sein, der sich n o ch nicht zur Annahme des Regierungsplanes für die Automobilindustrie entschlossen hat. Er soll damit beschäftigt fein, für seine Unternehmungen einen eigenen Plan auszuarbeiten, der seinen Arbeitern bessere Arbeitsbedingungen einräume als der offizielle Plan der Regierung. Henry Ford, der wegen dieses Einzelgängertums den Namen der einsame Wolf" erhalten hat, arbeitet in Abgeschie­denheit in den Bergen an seinem Plan, der wahr­scheinlich seinen Arbeitern eine Gewinn­beteiligung bei kürzerer Arbeitszeit anbieten werde. Fords Bedenken gegen den Re- gierungsplan richten sich hauptsächlich dagegen, daß in diesem eine gewisse Anerkennungder Ge­werkschaften enthalten sei.

England wirbifür feineWaren

EineEnglische Woche" in Helsingfors.

Helsingfors, 4. Sept. (WTB.) Die unter dem Protektorat des Präsidenten der Republik Svinhusoud und des Prinzen von Wales stehende Englische Woche" wurde heute hier eröffnet. An dem Eröffnungsakt nahmen finnische Marinetrup­pen, eine Landungsabteilung des englischen Kreu­zersBork", eine schottische Regimentsmusikkapelle in Hochländertracht und ein englisches Militärluft­geschwader von drei Wasserflugzeugen teil. Die ganze Stadt, auch die offiziellen Gebäude, find mit den englischen und finnischen Farben geschmückt. Von allen Plakatsäulen und Schaufenstern grüßt das Werbeplakat der Woche. Es stellt ein unter englischer und finnischer Flagge segelndes Schiff dar mit dem Werbespruch:Kaufe von denjenigen, die von uns kaufen!" Die finnische Presse aller Richtungen stellt seit Tagen ihre ersten Seiten in den Dienst der Propaganda für die Werbewoche und läßt umfangreiche Sondernummern erscheinen. Die

mit seiner Ruhenische in Farben. 3ch griff an die Dampfheizung sie war falt. 3st der Herr viel­leicht verreist, etwa gar in Rom? Haben sich un­sere Wege gekreuzt?

Es ist das Haus des Menander, sagte mein Begleiter trocken und wies auf ein Oelporträt im Wandelgang, das einen beschaulich dafitzenden Mann zeigt, dem ein nettes Unterhaltungsbuch offenbar über alles geht. Menander? Aber dos war doch, kramte ich in einem alten, nach Schule riechenden Gehirnfach herum, das war doch der olle griechische Komödienschreiber, wegen dessen ich einmal nachsitzen mußte, weil ich ihn mit einem verrückten Flutzlauf verwechselte, dem Mäander!

Kann fein, aber hier steht's: Menander."

Tatsächlich war der Rame rechts unten in die Ecke gemalt, wie es die Porträtisten lieben, und die Farbe schien noch frisch. Rach diesem Bild, erfuhr ich, werde das Haus genannt, der Besitzer heiße allerdings Quinto Poppeo. Altes Geschlecht, wie? zwinkerte Annibale. Hannibal, sagte ich, Sie denken doch nicht etwa an den neuesten Film mit dieser Poppaa, eh?

Gerade die meine ich! Run, gehen wir weiter, Sie werden gleich sehen, was aus dieser Sippe geworden ist.

Damit schritt er rüstig aus, wic überquerten die Hofräume, warfen einen Blick in die Remise, wo ein Dogcart mit Bronzerädern stand, und gerieten in die ausgedehnten Weinkeller. Trocken! Hanni­bal wischte sich verächtlich den Mund und deutete auf einen Haufen Scherben, der auf einer Anrichte lag: hier habe die große Silbertruhe gestanden, die man kürzlich nach Reapel ins Museum brachte, samt dem ganzen prachtvollen silbernen Tafel­geschirr. Dann muß doch in der Rähe der ver­unglückte Diener fein, der im Todessturz noch die Hand an die Geldtasche drückte.

Ditte, hier liegt er!

3ch erschrak. Ein bleiches Gerippe, verkrampft in dem gestampften Kellerboden.

Der Hund liegt auch noch da bitte!

3a, es war so, man konnte die Knochen zählen bis zum letzten winzigen Schwanzknorpel. Der Hund schien eingeschlafen zu sein, um nicht mehr zu erwachen. Er hat offenbar seine flüchtenden Herren gewittert, erläuterte Hannibal, er wollte ihnen nach, ist aber, wie die auch, nur bis zu dieser Wand gekommen.

3n der Wand, in Reichhöhe, ist ein Loch zu sehen, die Haue liegt noch da. wie sie der er-

Veranstaltung soll mit einem Riesenfeuerwerk und einer Predigt des Bischofs von Wakefield abge­schlossen werden.

Sorgen der englischen Gewerkschaftler.

Wird der Faschismus auch nach England nbergrcifen?

London, 4. Sept. (TU.) Am Montag begann in Brighton die Iahreskonserenz des englischen Gewerkschaftskongresses, zu dem 546 Delegierte der Gewerkschaften erschienen waren. Der Konferenz liegen etwa 65 Entschließungen vor, von denen sich etwa 18 auf den Faschismus, den Nationalsozialismus und die Diktatur be­ziehen. Die Konferenz wird bis zum Freitag dauern und hat je einen Tag für die Erörterungen über die Erwerbslosigkeit, Krieg und Abrüstung, Faschismus und Kontrolle der Industrie sowie über den Preisstand vorgesehen. Die Eröffnungsrede wurde von dem Präsidenten Walkoden gehal­ten, der sofort mit einem Angriff gegen F a - schismus und Nationalsozialismus begann, aber danach die Diktaturpläne des eng­lischen Sozialisten Sir Stafford Cripps ziemlich reunblid) beurteilte. Die Angriffe gegen den Fa- chismus bewegten sich in den üblichen Bahnen ozialistischer Phrasen, wobei die Angst der eng­lischen Sozialisten zum Ausdruck kam, daß auch eines Tages in England ein Faschismus kommen könnte, der die sozialistischen Führer Hinwegfegen könnte. Das Wachsen des Faschismus in den verschiedenen Ländern sei umso beunruhi« aenber, als diese Bewegung in der Lage gewesen sei, die junge Nachkriegsgeneration zu gewinnen. Auch in England könnte die Demokratie, wenn die faschistische Bewegung weiter wachse, durch dieselben Methoden gestürzt werden, die anderwärts erfolgreich waren. Walkoden erging sich in Beschuldigungen gegen dieFeinde der Demokratie in Deutschland", während er die Sozialdemokratie als friedliebend und die Gesetze achtend bezeichnete.

Kleine politische Nachrichten.

Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Arthur Henderson, der als Abgeordneter der Labour- Party bei einer Nachwahl im Wahlkreise Clay Croß kandidierte, ist ins Unterhaus gewählt worden.

3n der französischen Kolonie St. Pierre et M i q u e l o n bei Reufundland ist es zu Unruhen gekommen. Die Bevölkerung hat sich gegen die Erhöhung gewisser Abgaben erhoben und Ge­fangene aus dem Gefängnis befreit.

mattenden Hand entfiel. Es ist augenfällig, wie die Menschen in ihrer Todesangst, schon erstickend, krampfhaft nach einem Ausweg suchten, ein Fluchtloch sich erkämpfen wollten ...

Eccoli!

Da haben Sie fiel Das war alles, was Hanni­bal herausbrachte.

lindere Augen wehrten sich, das furchtbare Bild zu erfassen.

Auf engem Raum zusammengeworfen, in ein Geviert von vielleicht zwei Quadratmeter gepreßt, freiwillig, soweit die Todesangst überhaupt noch Willen zuläßt, verknäult wie eine Gruppe Er­trinkender, lagen da. liegen noch da sechs, sieben, acht Menschen, die Bewohner des Menander- hauses. Man hat die Asche, den Schutt rings­herum weggeschaufelt, so wirkt der Skelettklumpen um so grausiger.

Knäuel. Klumpen und doch jeder einzelne der Unglücklichen überdeutlich erkenntlich, mit feinen paar Zahnlücken, feinem Kindergesicht, feinen in namenloser Atemnot auf die Brust ge­preßten Fäusten. Sie haben sich aneinander ge­klammert, übereinander sind Te gestiegen, sie haben miteinander gerungen, gerungen gegen den Tod, gegen den Weltuntergang, der draußen raste, der über die Dächer fegte, sie eindrückte, die Zimmer füllte mit Asche und Lapilli, die Straßen verstopfte. Sie stießen ihr bißchen Lungenluft dem Atem des Vulkans entgegen, wie die Ameisen zwecklos gegen den hernieder­stürzenden Berg spritzen. Der kleine Hund hat ihr Röcheln noch gehört, bis dicht in die Rähe hat er sich schleppen können ja, jetzt wird alles grauenhaft klar.

Um diese Skelettgruppe ist nicht, wie bei so rielen früher gefundenen Toten, die in die Asche hineingepreht scheinen, ein leerer Raum, den man ausgipsen könnte, um so die menschliche Form wieder zu erhalten, was aber museumshaft aus- sieht. Diese Menschen liegen da, wie sie fielen, wie sie vor ein paar Fahren zu verwesen schienen. 3n Wirklichkeit sind die vielen 3ahrhunderte feit jenem Augusttage des 3ahres 79 dahingegangen. Und jetzt geht jenes unsterbliche Leben, das die Bewegung festhält, von den Resten aus. Ana­tomen nicht nur, Mediziner für 3nneres können an den Objekten studieren.

Herr Quintilius Poppeus, der Hauseigentümer, wird es fein, der so gräßlich nach Luft schnappt. Er war ein reichgewordener Freigelassener Reros

Der Gouverneur hat zwei in der Rähe befindliche Kriegsschiffe angefordert.

Im Palazzo Venezia ist Samstag durch den Chef der italienischen Regierung, Mussolini, sowie dem russischen Botschafter in Rom ein Freund- schafts-, Nichtangriffs- und ein Neutralitäts­vertrag zwischen Italien und Sowjet» r u ß l a n d unterzeichnet worden.

Aus aller Welt.

Meuterei in einer polnischen Besserungsanstalt.

In einer mit 80 Zöglingen belegten Besserungs» anstatt in Könitz kam es zu schweren Tumulten, die schließlich den Charakter einer Meuterei annahmen. Die Zöglinge, unter denen sich viele aus dem ehemaligen russischen Teilgebiet Polens stam­mende Elemente befinden, warfen sich plötzlich wäh­rend des Essens auf die Wächter, überwältigten sie und verbarrikadierten den Eßsaal. In den Räumen der Anstalt entspann sich dann ein erbitterter Kampf mit der Polizei, wobei eine große Anzahl von Meuternden verletzt wurde, auch einige Polizisten und Grenzbeamte wurden nicht unerheb­lich verletzt. Die Anstifter dieser Revolte, etwa 20 Zöglinge aus dem Warschauer Gebiet wurden ver­haftet, gefesselt und in das Gerichtsgefängnis ein­geliefert.

Zwei Todesopfer eines Autounglücks.

In der gefürchteten Kurve zwischen Neudorf und Schlangenbad ereignete sich ein schweres A u - to Unglück. Ein mit vier Personen besetzten Kraftwagen fuhr gegen die Strahenbäume, über­schlug sich und begrub die Insassen, darunter zwei Damen, die in Schlangenbad zur Kur weil, ten, unter sich. Im Wagen saß noch der 24jährige Empfangschef Wilhelm Schmidt aus Wiesbaden. Der Wagen wurde von dem Chauffeur Scheu­ring aus Wiesbaden gesteuert. Der Chauffeur war sofort tot, während Schmidt lebensgefährlich verletzt nach dem Eltviller Krankenhaus geschafft wurde, wo er ebenfalls alsbald verschied. Die beiden Damen, die nur leichtere Verletzungen erlitten, wurden nach Schlangenbad verbracht.

RichtDeutsches INodeamt", sondern Deutsches Modeinstitut".

In der Oeffentlichkeit sind vielfach irrige Auffassun­gen über den Charakter des Deutschen Modeamtes entstanden. Um auch nach außen hin klarzustellen, daß das Modeamt keine amtliche Stelle ist, hat das Deutsche Modeamt im Einvernehmen mit dem Reichs­ministerium für Volksaufklärung und Propaganda mit sofortiger Wirkung seinen Namen inD a s Deutsche M o d e i n st i t u t" umgewandelt. Der Leiter des Deutschen Modeinstituts ist Dr. Hans Horst.

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oder vielmehr der Kaiserin Poppäa. Hat sich nach Pompeji zurückgezogen, ein paar bescheidene Häuser zusammengekaust und daraus dieses eine, künstlerisch halb- oder überkultiviecte gemacht, das er nach dem Vorbilde der Vornehmen dem griechi­schen Geiste weihte. Die Laren stehen noch da, als seien sie überzeugt, daß er, wenn nicht heute, so doch morgen vor ihnen beten werde. Menander liest ein Buch. Bett und Tisch warten

Zeitschriften.

Der Naturforscher" vereint mitNa­tur und Technik". Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaft und ihre An­wendung im Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgeber Dr. Oskar P r o ch n o w , Jahrgang X, Heft 6. Preis vierteljährlich 2,50 Mk, einzeln 1 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin- Lichterfelde. Die Auffassung, daß der Staat ein Lebewesen ist, zwingt uns, der in der Natur für die Gesunderhaltung aller Lebewesen notwendigen natürlichen Auslese der ßcbenstüd)tigen und Aus­merzung der Untüchtigen auch im Dolkskörper er­höhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Denn wir ha­ben erkannt, daß für die Entwicklung eines Volkes nicht die Lebensumstände, sondern die Erbanlagen wichtig sind. Diese Grundlagen der nationalsozialisti­schen Staatsausfassung legt der bekannte Rassen- forscher und Eugeniker Professor HaNs Günther, Jena, dar. Wichtig in biologischer wie medizinischer Hinsicht sind fernerhin die Ausführungen von 0r. med. A. Stimpfl über die Verfahren, Ergebnisse und Anwendungsmöglichkeiten der Blutgruppenfor­schung. Ein anderer Beitrag führt uns mit Pros. Beebe in der Tiefenkugel in 500 Meter Seetiefe zu den leuchtenden Tiefseetieren. Reizvolle Beobach­tungen und Versuche über das Sehen der Spinnen stellt Dr. Homann dar, während an Hand prächti­ger Bilder ein großer Aufsatz die neueren Forschun­gen und Auffassungen über die Entstehung der Karsthöhlen behandelt. Aus den neuesten For­schungsergebnissen dürfte der zeitgemäße Beitrag überGasschutz durch Atemfilter" größte Beachtung finden. Die kleinen Aufsätze über zahlreiche Fragen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Technik, über Be­obachtungen und Betrachtungen aus allen Gebieten vervollständigen den wertvollen Inhalt dieses Hef­tes, das in seinem sauberen Druck und mit seinen vielen Bildern außerordentlich ansprechend ausge­stattet ist und jedem Naturfreunde viel Neues und Schönes bietet.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Oie Gattenwahl.

KVR.Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist." Könnte man in Abwandlung dieses Wortes nicht auch den folgenden Satz für richtig erklären:Zeige mir deine Frau, und ich sage Dir, was du wert bist?" Aber gerade in unse­rer gegenwärtigen Zeit hat dieser Satz keine volle Gültigkeit, weil eben die Gattenwahl gar zu leicht­sinnig betrieben wird.

Wie oft kommt es schon nach kurzem, oberfläch­lichen Kennenlernen zum Eheversprechen; und gar bald, vielleicht noch vor dem Hochzeitstage, empfin­den beide, daß sie nicht zueinander passen. Aber nun will der junge Mann das Mädchen doch nicht mehr verlassen, die Bindungen find fdjon zu fest. Und wenn es beide mit ihren Ehepflichten ernst nehmen, kann die spätere Ehe ohne größere Störungen ver­laufen, man gewöhnt sich aneinander, aber das erträumte wirkliche Eheglück hat doch keines der beiden gefunden. Und wie wird es erst, wenn die gegenseitige Abneigung deutlich in Erscheinung tritt? Dann geht jedes seine eigenen Wege, und zuletzt ist die gerichtliche Ehescheidung das notwen­dige Endresultat. Das Eheglück selbst war schon längst restlos vernichtet.Drum prüfe, wer sich ewig bindet!"

Aber die Gattenwahl soll nicht nur dem eigenen

Glücksverlangen dienen! In der Gattin wählt der junge Mann auch die Mutter seiner Kinder! Und während kein Mensch in der Wahl feiner Eltern vorsichtig fein kann, hier in der Wahl der Mutter für die eigenen Kinder ist Vorsicht nicht nur mög­lich, nein sie wird zur unabweisbaren Pflicht dem ungeborenen Geschlecht gegenüber! Wer immer von sich selbst behaupten darf, wohlgeboren zu sein an Körper und Geist, der hat kein Recht, seine Kinder aus purem Leichtsinn der Gefahr des Uebelgeboren- feins auszusetzen. Darum ist die Gattenwahl eine lebensernste Angelegenheit, die keineswegs erledigt ist mit der Feststellung des gegenseitigen Bankgut­habens! Das Glück des eigenen Lebens hängt da­von ab, Das Gedeihen der kommenden Geschlechter und die Zukunft der Rasse.

Gictzener Wochenrnarktpreisc.

* Gießen, 5. Sept. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Landbutter, Das Pfund 1,30 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 10, Wirsing (grün), das Pfund 10, Weißkraut 8, Rotkraut 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 15, Römischkohl 8, Bohnen (grün und gelb) 10 bis 20, Mischgemüse 10, Tomaten 15 bis 18, Zwiebeln 7 bis 10, Kürbis 6, Kartoffeln 3 Pf., der Zentner 2,30 bis 2,50 Mk., Frühäpfel, das Pfund 12 bis 25 Pf., Falläpfel 5, Persische 30