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5.9.1933 Erstes Blatt
 
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is Geschäft bewegte sich in denkbar n.

aarkt ftaanierle nahezu vollkommen, der Börse nannte man Mesch mit Keubesih mit 9,30 und späte Reich' ungen mit 78 bis 78,25 D.fj., also gcr. U. a. notierten: Reubeschanleiht leihe 77,65, Schutzgebietsanleihe alle Wcidjsbant 145,50, Harpener Berg' dnerroerte 52, Mannesmann 52, iftaljl 72,50, Stahloercin 31, Lkka. ), MG. 17,75, Sonti Gummi Frböl 92,25, Scheiöeanstatt 167.75 id Kraft 89, JG.-Fardm XX5.75 tert 86,50, Beichsdahri-M. 98A >gb 12,13.

artet IKetrewebörse.

a. M., 4. Sept. Am Produkten- Tendenz leicht befestigt, da das An­in und die Nachfrage der Muhlcn ar da sie Ende der Borwoche em hlqcfchäfl hatten bei um 0,25 Marl n. heute konnte sich aber kein gro- mtroicfeln. Weizen war um 3,50 um 1 Mark per Tonne erhöht. Von aa Weizenkleie etwas fester, m >n sich keine Veränderungen, und el war nur klein. Es notierte (®e

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Dienstag, 5. September MZ

185. Jahrgang

Itr. 207 Erstes Blatt

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für denAn- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Erlcheint tügltch, auha Sonntags und Feiertag« vertagen: The Illustrierte (Biefeenei Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl.

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*Obne Illusttierte . 1.80 Zustellgebühr .. , --25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

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poflfchetttonw:

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

vniS und Verlag: Vrühl'sche UniversitStr-vuch- und Stelndruckerei R. Lange in Gießen, rchristleltung und Geschäftsstelle: Zchulftraße 7.

Das österreichische Hilsspolizeikorps bewilligt.

Notenaustausch zwischen Wien und den Mächten.

Landnöten.

In Nürnberg ist, zwar nicht zum ersten Male, aber in einer bisher unerreichten Vollkommenheit, der Beweis erbracht worden, daß sich der deutsche Lebensstil von Grund auf gewandelt hat. Adolf Hitler hat verkündet, daß fortan es nur eine seelische und geistige Grundlage für den bewußten Deutschen gibt: den Heroismus. Heroismus, echt verstandenes Soldatentum und Nationalsozia­lismus sind im Grunde eins. Auf die kürzeste For­mel gebracht, lautet der Wesensgehalt dieser Be­griffe, daß jegliches Interesse des Einzelnen unter­geordnet ist unter das Wohl des Staates und die Sicherheit des Volkes, und daß diese Unterord­nung des Einzelintereffes unter das Gefamtinter- effe sich in Formen zu vollziehen hat, die in Auf­opferung, Freiwilligkeit und Dienstbereitschaft schlechthin selbstverständlich sind. Es gibt für die Sichtbarmachung dieses neuen Staat^willens kei­nen andern Stil, als ihn Nürnberg gezeigt hat. Es ist der gleiche Geist, der in der alten ruhm­reichen Armee Leistungen hervorbrachte, die den Erdkreis überstrahlen, es ist der Geist, der den mo­dernen Arbeiter hinter feiner Präzisionsmaschine ebenso beseelen muß, wie den in den Staatsappa­rat eingesetzten Beamten oder den Führer am Schaltbrett einer Lokomotive oder eines Verkehrs­flugzeugs.

Es ist in diesem Zusammenhang der aufmarfchier- ten 160 OOO Amtswalter, der 60 000 Hitleriungens und der vorbcimarfchierten 100 000 SA.-Männer dem Auslande gegenüber nochmals not­wendig, festzustellen, daß der soldatische Lebens­rhythmus das genaue Gegenteil des so­genannten Militarismus darstellt. Sol- datentum ist die Einbeziehung der Gesamtnation in das Gesetz des Dienstes und der Leistung, Militaris­mus ist der Mißbrauch des schwer bewaffneten Heeres zu Zwecken, die außerhalb der nationalen Lebensnotwendigkeiten liegen. Das bis an die Zähne bewaffnete Frankreich, das wiederum in vieler Hinsicht durchaus pazifistisch zu denken ver- mag, ist trotzdem eine stärkere Bedrohung für den Frieden als das soldatisch empfindende Deutschland, das lediglich innerhalb seines natürlichen Lebens­raums seine arteigenen Gesetze erfüllen will. Manche ausländische Pressestimmen über Nürnberg beweisen immerhin, daß man im Ausland hier und dort diese Tatsache der deutschen Friedensliebe aus dem Geist der seelischen und charakterlichen Stärke heraus zu ahnen beginnt. Die nicht vorsätzlich oder gar gegen klingende Münze deutschfeindliche Ausland­presse bemerkt gerade an den gewaltigen organisa- torisch-wirtschaftliche Leistungen dieses Millionen­treffens die erwachende und in einer Hand zusam- mengeboUte Energie eines alten großen Kultur­volkes, dem nichts ferner liegt als der Gedanke an einen Krieg, wie es der Kanzler auf dem SA.- Appell so wirkungsvoll zum Ausdruck brachte.

Auch die größte organisatorische Tat verblaßt, wenn nicht zu ihren das Gefühl berauschenden Ein­drücken Nachwirkungen treten, die die große Tat und ihren Aufwand berechtigen. War es für den Nationalsozialismus an sich schon ein Recht der Selbstverständlichkeit, nach der in vierzehnjährigem furchtbarem Kampfe errungenen Macht einmal Heerschau zu halten und wäre es nur, um aus tiefstem Herzen das Niederländische Dankgebet ge­meinsam zu fingen, so hat doch neben der Einzigartigkeit ihres äußeren Gewandes die Ta­gung tiefer greifende Gewinne erbracht.

Wie ein roter Faden zog sich durch die ver- schiedensten Veranstaltungen das hohe Ethos der Volksgemeinschaft ein edler politischer Begriff wurde wieder zur Wahrheit, den der alte Parteienstaat, wie so manches andere auch, bis zur Lüge herabgewirtschaftet hatte. Eine Partei, die heute mit gutem Recht von sich sagen kann, daß sie im Falle einer erneuten Wahl fünf Sechstel des Volkes hinter sich hätte, besitzt das Recht, ihre soziale Einstellung als Volksgemeinschaft anzu- sprechen.

In den Reden Adolf Hitlers stand im Vorder­grund die einzige große Richtschnur: wir haben die Macht vom Volke verliehen erhalten, wir werden sie zu nichts anderem nutzen, als u m Deutschland willen. Besonderer Ausdruck der Umkehr zum grundsätzlich Neuen war die end­gültige Stabilisierung des Führerprinzips. Hitler verwarf noch einmal scharf jede demokratische Führerwahl von unten, er errichtete demgegenüber das unabänderliche Postulat der Führerbestimmung von obeP insonderheit in einem Volke, das in den nächsten Jahrzehnten noch systematischer politischer Staatserziehung bedarf!

Die seelischen Gewinne der Nürnberger Tagung werden tms Beste bleiben: jene unvergeßlichen Stunden, da im Gedenken an die Gefallenen oder im gemeinsamen Gebet um Freiheit auch nach außen das Herz von Vylk und Führer in eins schlug! So an die geheimnisvolle Seele seines Vol­kes pochen kann nur ein Mann, der kraft feiner instinktiven Einfühlungskraft in das Wesen des deutschen Volkes und in die Lehren feiner Geschichte dies Volk in Liebe gewann!

*

Nun hat also die ganze Geheimniskrämerei doch nichts geholfen. In Paris und London hat man amtlich zugeben müssen, daß es mit der Aufstel­lung eines Hilfskorps von 8000 Mann in Oesterreich feine Richtigkeit habe. Die Wie­ner Minister find also umsonst dementiert worden; allerdings nicht ganz umsonst. Inzwischen ist etwas Zeit gewonnen, um Ueberlegungen darüber anzu­stellen, wie diese politische Unterstützungsaktion für Oesterreich mit den übrigen militärpolitischen Inter­essen der Länder in Einklang zu bringen sei, das heißt auf deutsch, wie dieses Geschenk an Herrn Dollfuß bewilligt werden könnte, ohne daß Deutschland daraus für sich und feine Ab-

London, 2. Sept. (WTB.) Die österreichische Note, die in der Frage der Schaffung eines Militärassistenzkörpers" gleichlautend in London, Paris und Rom überreicht worden ist, und ie von den Regierungen der drei Staaten eben- alls in gleichlautenden Noten beantwortet wurde, führt u. a. aus:

Die gegenwärtige innere und äußere Lage in Oesterreich macht besondere Kontrollmah- nahmen zur Erhaltung der öffent­lichen Sicherheit und Ordnung und zur ofortigen Unterdrückung aller Terrorakte notwen­dig. Die gegenwärtige effektive Stärke jener Kräfte der Wehrmacht (Gendarmerie und Polizei), die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit berufen find, ist auf lange Zeit unzu­reichend, um unter den besonderen Umständen der gegenwärtigen österreichilchen Lage die ihnen ufallenbe Pflicht zu erfüllen. Eine zeitweilige Ver- tärtung des Exekutivorganismus mit geringen Kosten kann durch die umgehende Organisation einer Hilfsmilitär st reitmacht erreicht werden. Die Organisation dieser Hilfsmilitärstreit­macht wird nach Beratung mit den interessierenden Regierungen folgendermaßen erfolgen:

1. Sie wird geschaffen zur Erhaltung der inne­ren Ordnung und Sicherheit, zur Hilfeleistung bei Unruhen und ernsten Unglücksfällen und zur Mit­arbeit im Grenzpolizeidienst.

2. Sie soll e i n I a h r bestehen bleiben unbescha­det der Vereinbarungen, die in der Zwischenzeit auf der Abrüstungskonferenz erreicht werden. Diese Periode kann auf Grund eines vor ihrem Ablauf geschlossenen neuen Abkommens verlängert werden.

3. Die Hilfsmilitärstreitmacht wird einen Teil der Heeresstreitkräfte bilden und dem Bundesmi­ni st erium für Heereswefen unter­stellt fein.

4. Die Stärke der Hilfsstreitmacht wird jährlich von der Bundesregierung so festgesetzt, daß die g e - meinsame Stärke dieser Streitmacht und der. Bnndesarmee die Höchst Ziffer von 30 000 Mann keinesfalls überschreitet.

5. Die Hilfsstreitmacht wird durch freiwil­lige Werbung rekrutiert.

6. Die Unterweisung erfolgt durch die Bundes­armee. Die aktive Dien ft Periode wird mindestens fünf und höchstens sechs Monate betragen. Diese Periode kann in Ausnahmefällen auf Ersuchen bis zu einem Jahre verlängert werden. Die Mitglieder der Hilfsstreit- macht können innerhalb von zwölf Monaten nach ihrer Entlassuna wieder einberufen werden, um die Gesamtdauer ihres Dienstes van höchstens zwölf Monaten zu vollenden.

7. Die Bewaffnung, Ausrüstung, Bekleidung, Er­nährung und Unterbringung wird während der Dienstzeit vom Staate getragen.

8. Die Schaffung der Hilfsstreitkräfte darf keine Ueberschreitung der im Vertrage von St. Germain niedergelegten Höchstziffern für Waffen und Kriegsmaterial bewirken.

9. Die Bundesregierung wird die Stärke der Polizei und Gendarmerie, die über die in Art. 123 des Vertrages van St. Germain festgesetzte Zahl hinausgeht, dadurch reduzieren, daß sie, abgesehen van Einzelfällen, die Ausfüllung van Lücken in

rüstungsfarderungen irgend welche Rechte abzu­leiten imstande wäre. Paris stand also vor der Aufgabe, die Quadratur des Zirkels zu lösen, und dieses Kunststück ist nicht gelungen, trotz der mehr als seltsamen Konstruktion, die schließlich gewählt wurde.

Wenn es sich nur darum gehandelt hätte, daß die Wiener Regierung das ihr vertrags­mäßig zu stehende Ausmaß der Bewaff­nung durchführte und ihr Heer von 22 auf 30 000 Mann verstärkte, dann brauchte sie dazu keiner­lei Genehmigung bei den Garanten des Trianon-Vertrages einzuholen, dann konnte sie vollkommen selbständig handeln. Aber das wollte ja Herr Dollfuß nicht. Sein Ziel war eben, durch die Zustimmung zu diesem Korps zu zeigen, wie stark er in der Gunst der Großmächte sitzt. Er wollte sich in seinen Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus einen starken Trumpf ver­schaffen. Außerdem aber sollte ja etwas Neues gebildet werden, das sich nicht ohne weiteres in den Rahmen des österreichischen Berufsheeres hin­eingliedert. Denn die Verstärkung der Armee um 8000 Mann hätte zur Voraussetzung die zwölf­jährige Dienstzeit gehabt, während das neue Hilfskorps aus Freiwilligen besteht, die nach einer sechsmonatlichen Dienstzeit ausge­wechselt werden. Da das Korps zunächst auf ein Jahr bewilligt ist, bedeutet bas hie Ausbil­dung von 16 000 Mann, für das kleine Oester­reich eine nicht unbedeutende Anzahl, indirekt also eine Stärkung feiner Widerstandskraft für den Ernstfall.

Welche Gesichter darüber in den Kabinetten der Kleinen Entente gemacht werden, wissen wir nicht. Im Augenblick wird man zwar in Prag sehr begeistert fein, daß Herr Dollfuß eine bessere militärische Grundlage für seine antideutsche Politik erhält. Aber diese Waffe kann doch auch einmal gegen Prag schlagen. Und deshalb könnten wir uns vorstellen, daß dort einige Sorge wegen der Weiter­entwicklung herrscht, zumal da ja die einfachste Ueberlegung ergibt, daß ein solches österreichisches Schulbeispiel bei dem Gang der Abrüstungskonfe- renz nicht ohne Folgen sein kann. Die

diesem Korps unterläßt. Diese Beschränkung be» zieht sich nicht auf die Kriminalpolizei.

In der Antwortnot heißt es u. a.: Ange­sichts der Tatsache, daß die Ergänzung einen zeitweiligen und außergewöhnlichen Charakter trägt, daß weiter die erforderlichen Mannschaften durch freiwillige Meldung rekrutiert und daß fernerhin die im Vertrag von St. Germain festgelegten Grenzen der Effektiv­stärken und des Kriegsmaterials nicht über­schritten werden, wird die britische (französische, italienische) Regierung keinen Einwand gegen die Errichtung und Aufrechterhaltung dieser mili­tärischen Hilsstruppe erheben, solange die in der Note des österreichischen Geschäftsträgers gekenn­zeichneten Umstände bestehen bleiben, nämlich insbesondere der Terrorfeldzug gegen die gegen­wärtige österreichische Regierung und die Abwehr­maßnahmen der Regierung Dollfuß gegen die Ele­mente des Ungehorsams und der Verwirrung.

Neue Truppenverstärkungen an der Tiroler Grenze.

Wien, 4. Sept. (TU.) An die Tiroler Grenze sind neuerlich Militärverstärkungen abgegangen. So wurde am Samstagnachmittag, wie jetzt bekannt wird, auf einem Bahnhof in der Nähe von Wien in Penzing Artillerie aus Kaifer-Elversdorf

Paris, 3. Sept. (WTB.) 'Der Minister für Auswärtiges, Paul-Boncour, weihte einen Gedenkstein für Briand ein. Er betonte, dast die gegenwärtige französische Außenpolitik auf der Grundlage der politischen Auffassungen Briands weiterbaue. Die stillschweigend» Besichtigung der Verteidigungsanlagen an der Ost grenze durch den Ministerpräsidenten war die angemessene Antwort auf Kundgebungen, von denen man zum wenigsten sagen darf, daß sie die Friedensatmosphäre, die für den Wiederaufbau Europas so notwendig ist, stören. Briand habe un­aufhörlich die notwendige Verbindung zwi­schen Abrüstung und Sicherheit ge­fordert, nicht etwa einer vagen, inhaltlosen Sicher­heit, sondern einer Sicherheit, die positive inter­nationale Garantien enthalte, deren wesentliche eine wirksame ständige, an Ort und Stelle vorzu­nehmende Kontrolle sei.

Briand verdanke man auf internationalem Ge­biete die einzige positive Sicherheit, die man feit Kriegsende erzielt habe: Locarno. Je mehr ge­wisse Drohungen sich bemerkbar machten, die Frank­reich nicht veranlassen könnten, seine Kaltblütigkeit zu verlieren, die ihm aber geböten, wachsam zu bleiben, um so dankbarer müsse man dem Manne sein, dessen diplomatische Aktion Ende 1925 d i e Unterschrift Englands und Italiens für einen Vertrag erzielt habe, in dem es heiße:

offiziösen Schreiber des Quai d'Orsay haben sich zwar darum bemüht, den Nachweis zu erbringen, daß analoge Fälle bereits früher zu verzeichnen gewesen wären. Sie haben speziell auf Bulgarien hingewiesen. Aber dieser Vergleich hinkt, devkn Bul­garien hat sich damals gehütet, vorher anzufragen. Die Batschafterkonferenz hat nur stillschweigend die Aufstellung eines Polizeikorps geduldet. Hier da­gegen liegt eine amtliche Zustimmung zu einer Aenderung des Friedensoertrages vor. Was den Oesterreichern recht ist, muß eigentlich Deutschland billig sein ...

*

Die Amerikaner haben uns manche interessante Werbemethode vermittelt. Daß sie sich auf dem Ge­biete der Reklame noch immer nicht erschöpft haben, hat uns eben erst Henry Ford varexerziert, der nicht nur Automobilfabrikant, sondern auch einer der gewiegtesten Reklamefachleute ist. Immer wie­der hat er für seine Volkstümlichkeit und damit selbstverständlich auch für die Steigerung des 21b- fatzes seiner Erzeugnisse gesorgt. Auch fein jetziger Streit mit der Regierung wegen des Ar­beitsvertrages für die Automobilindustrie ist nicht zuletzt seinem Bedürfnis entsprungen, von sich reden zu machen, den Namen Ford wieder in aller Munde zu bringen und so in der bequemsten Form die Auf­merksamkeit auf das Auto zu lenken, das feinen Namen trägt. Seine Abneigung gegen jedes Hin­einreden von Behörden und Organisationen in wirtschaftliche Angelegenheiten hat unzweifelhaft mit dazu beigetragen, wegen der Produktions- und Lohnbedingungen, wie sie die Regierung Roosevelt jetzt im Interesse ihres Prosperitätsplanes allen Unternehmern mehr oder weniger unverhüllt dik­tiert, das Kriegsbeil auszugraben. Dabei geht er im Grunde genommen mit Roosevelt zusammen: denn Wirtschaftsaufschwung bedeutet auch Absatzvermeh- rung der billigen Dolksautos Fords. Doch Ford ist der Mann des selbständigen Handelns, der keine Vormundschaft zu ertragen vermag. Was aber jetzt als Zwang für ihn gedacht war, kam ihm hoch will­kommen. Erst sträubte er sich, tat so, als wäre die Regierung für ihn Luft, blieb ruhig auf feiner Luxusjacht und ließ sich ein Ultimatum überreichen,

verladen, die für Innsbruck bestimmt war. Außerdem wurden nach Kufstein das Burgen­ländische Feldjägerbataillon Nr. 2 und die Ge- birgsbatterie 111/1 verlegt.

Ser Lebergang zum Milizsystem.

Erläuterungen Paugoins.

Wien, 4. Sept. (TU.) In einer Versammlung kam Heeresminister V a u g o i n auf die Bildung des Hilfspolizeikorps zu sprechen und be­tonte u. a., daß die Mannschaften auf Grund frei- williger Meldung angeworben werden. Darin liege der grundlegende Unterschied zwischen dem neuen Korps und einem Milizheer. Das neue Mklitär- assistenzkorps fei allerdings nur als zeitlich begrenzte Einrichtung gedacht.Wir hof­fen ja", fuhr der Minister fort,daß d i e Ab­rüstungskonferenz, die im Oktober wieder zu tagen beginnt, uns den Uebergang z u einem neuen W e h r f y ft e m in absehbarer Zeit gestatten wird." Aus der Tatsache, daß die interessierten Mächte die Bewilligung der Errich­tung eines neuen Militärkörpers gegeben haben, sei das große Verständnis für die Lage Österreichs und dasJntcresse zu ersehen, das sie an der Erhaltung Oesterreichs in feiner bisherigen Gestalt nehmen.

Im Falle einer flagranten Verletzung von Art. 2 dieses Vertrages ober eines flagranten Verstoßes gegen die Art. 42 oder 43 des Vertrages von Ver­sailles durch eine der kontrahierenden Parteien ver­pflichtet sich jede der anderen kontrahierenden Par- teien bereits jetzt, sofort ihre Hilfe der Partei zu gewähren, gegen die eine derartige Verletzung ober ein berartiger Verstoß gerichtet sein wird.

Nun aber hätten diplomatische Akte nur Wert durch die Realität der Bindungen, die sie aufrecht­erhielten. Deshalb habe er, Briands Werk getreu, de Iouvenel mit einer besonderen Mission betraut, nämlich die wachsenden Mißverständnisse zu be­seitigen, die Frankreich van einem Lande trennten, mit dem es starke Berührungspunkte habe.

Das Viermächte-Abkommen sei dis Fortsetzung und Verwirklichung der Abkommen von Locarno, das Mittel einer Verständigung unter vier benachbarten Großmächten, die untereinander bedeutende gemeinsame Interessen zu regeln und durch ihre Verständigung die Mittel vorzubereiten haben, um im Völkerbund zu einem Erfolg zu ge­langen. Paul-Boncour betonte dann die Notwen­digkeit der Unabhängigkeit Oe st erreich s. Niemand mehr als Briand habe sich gegen jede Verletzung dieser Unabhängigkeit gewandt.

Die Staaten des heutigen Mitteleuropa, die auf dem Nationalitätenrecht aufgebaut seien, das im fundamentalen Widerspruch zu der völkischen Stuf-

so daß nun auch der letzte Mann in der Union auf ihn aufmerksam wurde. Das Interesse der Ameri­kaner an seinem Konflikt mit Washington war so­mit auf das Höchste gesteigert, jetzt kannte er zum Gegenzug ausholen: er ging über den Regie­rungsvorschlag hinaus und regte von sich aus für die Autoindustrie Lohnerhöhungen um 15 bis 20 Prozent, sowie eine Gewinnbeteiligung für die Werkangehörigen an.

Ganz Amerika spendet begeiftetten Beifall, der Reklametrick ist g e g l ü ck^t, seine wirtschaft­lichen und finanziellen Ergebnisse werden nicht aus­bleiben, genau so, wie sich alle seine Absichten er­füllten, die seinerzeit mit der laut verkündeten Ein­führung der Fünftagewoche, mit dem Vorstoß gegen feine erbitterten Feinde, die Bankiers, mit feiner Friedensreise durch Europa im Jahre 1915/16 ver­bunden waren. Ford alsFriedenstaube" wollte nur die Aufmerksamkeit der Kriegführenden auf feine Werke lenken, die denn auch sehr bald auf den Kriegsbetrieb umgestellt wurden. Sein Vorstoß gegen die Banken, der zahllose Bankinstitute ?wi Schalterschluß zwang, war zwar das Ergebnis einer bis zum Haß gesteigerten Feindschaft mit den Herren der Wallstreet. Aber Ford war mit Ueber­legung zu Werke gegangen. Seine Art, im geeig­neten Augenblick als Netter aufzutreten, machte ihn von neuem volkstümlich. Popularität braucht e r, das ist das ganze Geheimnis feiner Propa­ganda. Nur aus diesem Grunde hat er jetzt gegen die Regierung eine Attacke geritten, um sich im Augenblick der höchsten Spannung als einen edlen Menschenfreund feiern zu lassen. Daß seine Pro­duktionsmethoden sehr viel weniger human sind, spielt in den Vereinigten Staaten keine Rolle. Henry Ford hat jetzt die dicksten Trümpfe im Spiel, sowohl gegenüber der Regierung als auch seinen Konkurrenten. Die Konkurrenz wird es nun wieder fein, die auf eine Milderung der Fordschen Vor- fchläge hinarbeiten dürfte, was ihr aber dann auch unzweifelhaft den Vorwurf einbringen wird, sowohl den Plänen der Regierung als auch den Inter­essen der Arbeitnehmerschaft feindlich gegenüberzu­stehen.

Was Frankreich vomViermächteaSkommen erwartet Eine außenpolitische Rede paul-Boncours.