Donnerstag, 5.Januar 195.3
Nr.4 Seübaussabe
185. Jahrgang
GietzemrAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und rür >en An- zeigenteil i.V.Th.Kümmel jämtlich m (Biegen.
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Die luxuriöse „Ladenstraße" im Innern des Vzeanriesen.
Der 42 000 Tonnen große Dampfer .L'Atlantique", der erst vor 2 Jahren vom Stapel lief.
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Die Rettungsaktion des deutschen Motorschiffs,/Rubr"
Der Kapitän des Hapag-Motorfchiffs „R u h r" hat der Direktion der Hapag telegraphiert, er habe in den Morgenstunden des Mittwochs den 40 000 To. großen Dampfer „Atlantique" bren-- nend bei Dorniey angetcosfen. Eine telegraphische Verbindung mit der „Atlantique" sei nicht herzustellen gewesen. Motorschiff „Ruhr" habe sofort auf die „Atlantique" zugehalten und, als ■ cs an der Pinfallstelle angekommen sei, s am t - liche Rettungsboote ausgesetzt. Es sei gelungen, die im Dunkeln treibenden voll besetzten Boote des französischen Dampfers zu bergen und die Schiffbrüchigen an Bord der „Ruhr" zu nehmen. Es habe frischer Südwestwind, grobe See und hohe Dünung geherrscht. Insgesamt hätten von der „Ruhr" 86 Mann gerettet werden können. Als in den Mittagsstunden keine Schiffbrüchigen mehr zu entdecken gewesen seien, habe Motorschiff „Ruhr" als letztes Schiff Die Reite nach Cherbourg fortgesetzt, um dort die Geretteten der „Atlantique" zu landen. — Der Teil der Besatzung, der sich nicht an Bord des
„Cin einziges Flammenmeer"
Paris, 4. Ian. (TU. Funkfpruch.) Der französische Südailaniikdampfer ,,'U i I a n t i q u c“ kann nunmehr als verloren gelten. Fünf Flugzeuge, die das Schiff in den Rachmittagsstunden überflogen, haben feffgeffeUf, daß es e i n e i n ; i g e s Flammenmeer bildet und unmöglich gerettet werdeü kann. Die hilfsschiffe, die von Cherbourg ausgelaufen waren, konnten überhaupt nicht eingreifen, da es ihnen nicht möglich war, nahe genug an das brennende Schiff heranzufahren, um ihre Wasserrohre in Tätigkeit zu sehen. Rach den amtlichen Listen befanden sich insgesamt 2 29 wann (Offiziere und Mannschaften) an Bord der „Atlanlique". In Cherbourg sind bis gegen Millernacht 211 Mann von verschiedenen ausländischen Dampfern abgesehl worden, so daß als vermißt 18 Mann gelten. Man nimmt an, daß sie er- sl ick t oder ertrunken sind, von den Geretteten befinden sich 27 verletzte im Hospital von Cherbourg. Die meisten Verletzungen sind leicht, nur zwei geben zu einiger Besorgnis Anlaß.
Oer Reichstag zum 24.Lauuar ««berufen.
Voraussichtlich sofort Regierungserklärung, politische Aussprache und Abstimmung über Oie Mißtrauensanträge Der Parteien.
SieMafirophe des Szeandampsers„Mantique"
Das zweitgrößte Schiff der französischen Handelsflotte ein-------
Der Versuch, die Lebensbedürfnisse konzern- mäßig zu befriedigen, ist kläglich gescheitert. Statt sich um die Förderung der nationalen Werte der Einzelexistenzen zu tümmern, stützt der Staat mit unseren Steuern Bankerotte zum größten Teil an das Ausland verschuldeter unper.ön- licher Großbetriebe. Statt die Person, den Einzel- mcnschen und sein Kö inen, ob Arbeiter oder Unternehmer, als Hauptgegenstand in den Vordergrund aller wirtschaftlichen Maßnahmen zu stellen fördert der Staat die Sxpansionssucht der Monopolbetriebe. Statt von den Großbetrieben den Rachweis ihrer Daseinsberechtigung durch steuerliches Können zu verlangen, wird die Sorge für den Staatsapparat vornehmlich den kleinenund mittleren Eri- st e n z e n auferlcgt. Statt den regulären Handel, das Handwerk und Gewerbe gesetzgeberisch zu fördern, werden ordentliche Existenzen durch Duldung des irregulären Straßen-, Hausier- und Bürohandels und der Schwarzarbeit gefährdet.
Die mittelständische Geduld ist zu Ende. Der deutsche Mittelstand befindet sich in Rot wehr. 1933 entscheidet sich die wirtschaftliche Gestaltung Deutschlands. 3m Kampfe um diese Entscheidung rufen wir den gesamten deutschen Mittelstand auf in der Zeit vom 5. bis 19. Februar in allen Städten Deutschlands durch Massenkundgebungen ihren Willen zum Kampf um die i Erhaltung der Existenz öffentlich machtvoll zum Ausdruck zu bringen. 1933 ist das 3ahr mittel- | ständischer Rotwehr. Mittelstand wehre dich!
Der Beschluß des Aelkestenraks. 1
Berlin, 4. Jan. (vd;) Der Aetteslenral des Reichstags hat beschlossen, den Reichstag s ü t Dienstag, den 24. Januar, einzuberufen. Hebet den verlaus der Sitzung des Aettestenrats des Reichstags erfährt das Rachrichtenbüro des Vd;. noch, daß die Kommunisten die (Einberufung des Reichstags schon f ü r den 9. Dann a r zur Beratung der vom haushattsausschuß gefaßten Beschlüsse beantragten. Die Sozialdemokraten waren gleichfalls für ein rafches Zusammentreten des Reichstages und hatten als Termin den 10. Januar vorgefchla- gen. Dem wurde jedoch entgegengehalten, daß man den Reichstagsausschüssen noch Zeit zur Fortsetzung ihrer Arbeiten lassen müsse und das Plenum erst für einen späteren Termin einberufen möchte. Schließlich schlug Abg. Dr. Belt (Z) den 24. Januar vor. Sein Antrag wurde mit allen Stimmen gegen die der Kommunisten und Sozialdemokraten bei Stimmenthaltung der Rationalsozia- listen angenommen. Der Vertreter der n a - tionalsozialistischen Fraktion hatte beantragt, den Termin für die nächste Sitzung der Entscheidung des Präsidenten (Boring z u überlassen. Er hatte sich daraus berufen, daß der Präsident vom Plenum bereits ermächtigt worden sei, die nächste Sitzung mit Zustimmung des Aettestenrats festzusehen.
Für die Tagesordnung beantragte Abg. Dr. $ a - bricius (Rats), die vorliegenden 7N i ß - trauensanträge (bisher liegen solche nur von den Kommunisten und Sozialdemokraten vor) schon in der nächsten Rekchstagssihung zur Abstimmung zu bringen. Durch Rückfragen der Abgeordneten Cöbe (So;.) und Leicht (Batjr. vp.) wurde flargeftellt, daß die Rationalsozialisten dadurch nicht etwa eine Regierungserklärung verhindern wollten, sondern daß sie eine Abstimmung im Anschluß an die Regierungserklärung oder eine politische Debatte wünschten. Cs wurde schließlich festgelegt, daß über die Tagesordnung erst in einer neuen Aet- testenratssihung am 20. Januar entschieden werden soll. Es sollen insbesondere einige internationale Abkommen im Reichstag sofort erledigt werden, die zur Zeit dem Reichstag noch nicht vorliegen. Cs ist aber auch damit zu rechnen, daß die Regierungserklärung schon aus die erste Tagesordnung gesetzt wird. Aus Anfrage erklärte Staatssekretär Planck von der Reichskanzlei, die Reichsregierung sei bereit, vor dem Reichstag zu erscheinen und 6t- flärungen über ihr Programm abzugeben. Sie lege dann allerdings auch Wert daraus, daß im Anschluß daran eine Klärung der politischen Lage eintrete.
Oie Gründe für den Zentrumsantrag.
Ein Kommentar der „Germania".
Berlin, 4. 3an. (TAV.) lieber die Politik des Zentrums in der Aeltestenratssrhung schreibt die „Germania": Riemand, außer den Rational» sozialisten, habe mehr ein Interesse daran haben können, daß die Klärung der verfassungsrechtlichen Beziehungen zwischen Reichskabinett und Reichstag auf ungewisse Zeithinaus- gezögert würde. Höchst bemerkenswert sei es nun daß ausgerechnet die Rationalsozialisten, die in ihrer Presse den Kampf gegen die neue Relchs» regierung nicht laut genug führen konnten und die dieser Tage erst in ihrem Münchener Hauptblatt den Rücktritt des Kanzlers forderten, eine offene Scheu vor einem baldigen Zusammentritt des Reichstags zur Schau trugen. Wenn d a s Zentrum die Taktik der RSDAP. durchkreuzt und seinerseits den Ausschlag sür einen Zusammentritt des »ei ch s tags in derzweitenIanuarhal f t e gegeben habe, so spreche dafür schon allein die aiottoenbtgtcxt, nachwie vor aus klare v e r s a s s u n g s r e ch t- liche Zu stände Wert zu legen und die politischen Verantwortlichkeiten nicht irgendwelchen rein parteipolitischen und taktischen Erwägungen
Berlin, 4.Jan. (ERB.) Der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung, Dr. Gere ke, empfing die leitenden Personen des Reichsverbandes des deutschen Handwerks zu einer längeren Aussprache. Hierbei wurde der gesamte Bereich des Ardeitsbeschassungsprogramms unter besonderer Berücksichtigung der Belebung der Handwerkswirtschaft erörtert Insbesondere wurde die Fortführung der Arbeiten für die Wiederinstandsetzung des Althausbesitzes in ausreichendem Umfange, weiter die Einschränkung der Wirtschaftsbetriebe der ö f s e n t l i ch e n H a n d und die Frage der st a d t l- schenundländlichenSiedlung besprochen. Die Bertreter des Handwerks brachten zum Ausdruck daß sie an der alsbaldigen Bildung des vorgesehenen Beirates für Arbeitsbeschaffung und an einer ausreichenden Beteiligung des Handwerks in diesem Beirat ein vordringliches Interesse hätten. Außerdem wurde von den Bertretcrn des Handwerks die Notwendigkeit der alsbaldigen Bildung eines entsprechenden Beirats auch für den B e re i chder ländlichen Siedlung und die Bete,ligung des Handwerks in diesem Beirat betont. Die Unterredung hinterließ bei den Handwerksverttetern den Eindruck, daß der neue Reichskommissar fr ei von bürokratischen Hemmungen ist, daß er die Nöte des Handwerks kennt und daß er seinerseits bestrebt ist, sie zu lindern. Eine v e r - trauensvolle Zusammenarbeit scheint jedenfalls gesichert.
Auch Vertreter der Länder
zu opfern.
VeralungSstoff für den Reichstag.
Berlin, 4. Ian. (VDZ.) Wenn der Deichs- tag, wie vom Aeltestenrat m Dussicht genommen, am 24. Januar zusammentritt, findet er viel Stoff für seine Beratungen vor Die 6gial demokraten und Kommunisten haben Mß trauens anträge eingebracht. Aber die.e Anträge wird voraussichtlich i m Anschluß an eine Regierungserklärung und an eine politische. Debatte entschieden werden. In dieser Debatte werden wahrscheinlich auch die von den Ausschüssen bis dLhm vorbere,» teten Gegenstände eine große Dolle spielen der H a u s h a l t s a u s s ch u ß hat bereits Vorschläge
schusses für Donnerstag, den 12. Januar, gefordert. In dieser Sitzung soll die Reichsregierung eine Erklärung über ihre Stellungnahme zu dem „räuberischen Tieberfall des japanischen Imperialismus auf China" abgeben. Außerdem sollen Ost frag en behandelt und schließlich soll Stellung genommen wer- den zu der Verletzung der Immunität des Mitglieds des Auswärtigen Ausschusses. John Schehr.
Mittelstand in Notwehr
Aufruf dcS Reichst«' teils des selbständigen Mittelstandes.
Berlin, 4. Ian. (TU.) Unter der Ueber- schrift .Rotwehr gegen Existenzraub. Mittelstand wehre dich!" erläßt das Reichskartell des selbständigen Mittelstandes e.V., Arbeitsgemeinschaft der Reichsfachverbände, Reichszentrale der Landes» und Ortskartelle, einen Aufruf an den gesamten deutschen Mittelstand, in dem es u. a. heißt:
zur Aenderung der Rotverordnung und zur Er- Haltung der Arbeitslosenhilfe usw. vom 14. Juni 1932 und der 4. Rotverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schuhe des inneren Friedens vom 8. Dezember 1932 sowie Beschlüsse zur Explosionskatastrophe im J.-G.-Faibenwerk Premnitz und zur Winterhilfe vorbereitet, der Siedlungsausschuß Beschlüsse über die Siedlerrenten.
In der politischen Debatte werden meist auch die Interpellationen miterlcdigt. Diesmal verlangt das Zentrum Auskunft über den Begriff „subventioniert" in der Rotverordnung vom 4. September, die sich mit der Cinschiänkung der Personalausgaben der subventionierten plntemehmungen befaßt. Weiter hat das Zentrum Interpellationen über die Durchführung der O st Hilfe, über die Finanzlage und über die Zeche „Sachsen" eingebracht, die Deutschnationalen beschäftigen sich in Interpellationen mit der Schaffung der Stelle eines Staatssekretärs für Handwerk und Einzelhandel und mit der Renrab'.li- tät der Landwirtschaft.
Zur ersten Beratung stehen zahlreiche internationale Abkommen, die den Re.chsrat bereits passiert haben, darunter das Abkommen zur Bekämpfung der Falschmünzerei, das Arbeit szeitablommen für den Kohlenbergbau, die Abkommen zur Vereinheitlichung des Wechsel- und Scheckrechts und die Verlängerung der Verträge m.t Rußland vom 24. April 1926 (Berliner Vertrag) und von 1929 (Schl.chtungsabiommen).
Weiteres Material werden die Reichstagsausschüsse in der Zwischenzeit für das Plenum beratungsreif machen. Am Dienstag, 10. Januar, tritt der Haushattsausschuß zusammen, auf dessen Tagesordnung zunächst eine finanzpolitische Aussprache steht. Es ist allerdings fraglich, ob Reichsfinanzminister Gras Schwerin von Krosigt an diesem Tag schon Auskunft über die Finanzlage geben kam;. Der Sozialpolitische Ausschuß tritt gleichfalls am 10. Januar zusammen; auf seiner Tagesordnung steht der Arbeitsbeschaffungsplan. Hierbei wird der Sozialpolitische Ausschuß sich auch mit den Anträgen der Parteien zur Arbeitsbeschaffung beschäftigen müssen. Weiter liegen ihm zahlreiche Anträge vor, die verlangen, daß die Kürzungen der Sozial- und Kriegsopferrenten wieder rückgängig gemacht werden. Der Rechtsausschuß soll die Terrornotverordnung vom 9. August und der Siedlungsausschuß die Rückzahluna der Darlehen für Landarbeiterheime aus der werteschaffenden Arbeitslosenfürsorge beraten.
Handwerk und Arbensbeschaffana
Bon derAusfprache milDr.Gercke befriedigt
bei Or. Gerete.
Berlin, 4. Jan. (WTB.) Der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung, Dr. Gereke, empfing am Mittwoch Vertreter der Länderregierungen einer Aussprache über die Richtlinien für öte Durchführung des Sofortprogramms. Die Länder sagten übereinstimmend ihre Mitwirkung bei der Durchführung des Programms zu und bekundeten insbesondere ihr Einoerstandmv mit dem Wunsch des Reichskommissars nach m o g - lich st beschleunigter Ingangsetzung der geplanten Arbeitsbeschafsungsmaßnahmen. An der Aussprache nahmen Vertreter sämtlicher Lander teil. Oie Kommunisten fordern Einberufung
des Auswärtigen Ausschusses.
Berlin, 4. Jan. (VDZ.) Die kommunistischen Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses haben die Einberufung des Auswärtigen Aus-


