Ausgabe 
5.1.1933 Erstes Blatt
 
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Donnerstag, 5.Zanuar 1935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Nr. 4 Zweites Blatt

dem

K

aus und nur aus

Mit Pfeil und Bogen auf dem Fischfang.

Wenn unsere Fischer mit Netzen ausgerüstet zum Fang ausziehen, dann würden sie es als eure seltsame Zumutung empfinden, statt dieses Ge­rätes Pfeil und Dogen mitzunehmen. Indessen gibt es jenseits des Ozeans Indianerstamme, die diese Ausrüstung zum Fischen wählen. Die In­dianerbevölkerung im Gebiete des Amzonenstro- mes und seiner Nebenflüsse erwirbt ihren Le­bensunterhalt vor allem durch den Fang von Fischen, an denen diese Ströme außerordentlich reich sind, und gewöhnlich schießt man sie nut Dogen und Pfeil. Im leichten Kanu sitzt un Heck

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ein Indianer, der das Fahrzeug mit kaum be­merkbaren Schlägen eines breiten Paddelruders weitertreibt und zugleich steuert. Im Vorderteil des Dootes steht der Schütze, Dogen und Pfeil schuhgerecht in den Händen haltend. Es gewährt einen prächtigen Anblick, den Iäger zu beobach­ten, an dessem schönen nackten Körper jede Mus­kel in Erwartung gestrafft ist. Selten nur enteilt ein Pfeil der Sehne, ohne sein Ziel zu erreichen. Weihe Deobachter haben häufig Gelegenheit ge­habt, die außerordentliche Sicherheit zu bewun­dern, mit der die Indianer die Fische, die ein europäisches Auge in dem dunklen Wasser der dortigen Flüsse kaum erkennen konnte, auf diese Weise erbeuteten. Der Pfeil wird aus kurzer Ent­fernung direkt auf die Deute abgeschossen. Der etwa 175 Zentimeter lange und aus einem dunkel­roten, schweren, wohlgeglätteten Holze gearbei­tete Dogen wird senkrecht gehalten, der Schütze visiert scharf über den bis nahezu zwei Meter langen Pfeil, zieht die Sehne rasch an und läßt sie mit dem Pfeil fahren. Auch in den Nächten wird den Fischen mit Dogen und Pfeil nachgestellt. Dabei verwenden die Indianer einen kürzeren Pfeil, der nur etwas über einen Meter lang ist. In der Rechten hält der Fischer eine Fackel aus kienigem Holz, die ihm leuchtet und zugleich den Fisch anlockt und blendet: in der Linken hält er den Dogen, und mit den Zähnen zieht er Sehne und Pfeil an, der eben wegen dieser Art der Hand­habung kürzer sein muh... Der Fischfang steht ganz im Mittelpunkt des Lebens bei diesen In­dianern. Schon am frühen Morgen, häusg vor Tagesanbruch, fährt jeder Familienvater mit einem Sohn oder einem jüngeren Freunde in sei­nem Kanu auf den Fischfang, um für die tägliche Mahlzeit zu sorgen. Kehren sie zu Mittag zu­rück und sind sie erfolgreich gewesen, so hört man sie schon von ferne lachen und plaudern. Stolz schreitet der glückliche Fischer mit seiner Deute über den großen freien Dorfplatz und entlockt bis­weilen einer kleinen Flöte aus Hirschknochen schrille monotone Weisen. Deifällige Worte der Frauen und der Alten empfangen ihn, und eifrig werden die gefangenen Fische begutachtet. War er aber erfolglos, dann schleicht er sich womög­lich auf Umwegen in das Haus, um dem gutmüti­gen Spott der anderen zu entgehen.

veil. In vierjähr., rrlichen Naturaul- fTgestellt.

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Oie Wehrverfassung der Zukunst

Deutschland und das Miliz-System.

Das Versailler Diktat zwang uns eine Wehr» macbt auf, deren Angehörige Berufssoldaten au sein hatten. Alle schweren und modernen Waf­fen sind uns verboten morden. Dennoch brachte es die lange Dienstverpflichtung mit sich, daß die Ein­heiten der deutschen Reichswehr eine außerordent­liche Ausbildung und Kriegstechnik erfuhren, die sie geradezu zu einerRahmenarmee" machen. Vorausgesetzt selbstwerständlich, daß genügend an­dere Kräfte vorhanden sind, um diesen Rahmen auszufüllen. Man hat in Frankreich und Polen in­zwischen Ang st vor der deutschen Reichs­wehr, als vor einerRahmenarmee" bekommen. Und man möchte gern die Entwicklung rückgängig machen und Deutschland zu einem Miliz-Sy- st e m nach Schweizer Muster zwingen. Dies ist der ganze Sinn des sogenanntenkonstruktiven Pla­nes^ cherriots und Paul-Boncours.^Aber General von Schleicher dürfte ein zu guter Soldat sein, um nicht bei aller Bereitschaft die Möglichkeiten des konstruktiven Planes" auszunutzen, doch den Pferdefuß dieses Planes zu erkennen. Denn eine

Gchach-Könige.

Bon Philidor bis Aljcchin.

Das Schach, daskönigliche Spiel", das zur Zeit 'eines Bekanntwerdens im Abendlande im Mittel­alter unter die ritterlichen Künste" gerechnet wurde, die jeder junge Adelige erlernen mußte, yat^ heut­zutage mehr und mehr den Charakter eines Sports angenommen. In Turnieren und Einzelkampfen werden Meisterschaften ausgefochten, und der höchste Preis, der auf dem Schachbrett errungen werden kann, ist die Weltmeisterschaft. Doch schon bevor diese internationalen Wettkämpfe aufkamen, traten Schach-Könige" auf, die die Herrschaft aus diesem Gebiet beanspruchten. I. Mi es es'nennt in einem Aussatz in Reclams Universum als die ersten Herr­scher im Reich des Schachs, die noch nicht um den Weltmeisterschaftstitel kämpften, aber für unbesieg­bar galten, den Franzosen P h i l i d o r im 18. Jahr­hundert, der niemals einen Gegner fand, der ohne Vorgabe mit ihm spielen konnte, und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Schachmeister de la Bourdon n a is und den Amerikaner Paul Morph n. Einer der ersten Wettkämpfe in moder­ner Form iand 1843 zu Paris zwischen dem da- mals besten sranzösischen Spieler « a in t'Amant und dem stärksten englischen Meister Staunton statt-, dieser siegte nach einem Ringen von funs Wochen. Zum ersten Mal wurden die bes en Spie/ . ler Europas zu einem Turnier im Jahre 1851 nach London eingeladen. Der Deutsche Adolf e f sei, errang den Siegerpreis, mit dem aber noch nicht der Titel Weltmeister verbunden war Trotz seines Sieges galt Anderssen nicht für den stark en [ Spieler der Welt, wurde nach einigen ^en von i Morphy gesästagen und Derlor ^6z >. Stein itz. Die Frage, wer der .el9entl5L''^Ä- | König" sei, blieb also bis vor einem halben Jahr- | hundert offen. Erst zu Beginn der achtziger Jahre i des vorigen Jahrhunderts ging es zum ersten L, Mal um'die Weltmeisterschaft und zwar zwischen den beiden Schachmeistern S te i n i tz "nd Zucker- fort, die gegenüber allen andern Mitbewerbern . ihre Ueberleqenhest bewiesen hatten. Als diese bei­den ihre Kräfte maßen und S t e i n i tz mit 10.5 f hei fünf Remispartien siegte, da fiel ihm unvestril- | len der Weltmeistertitel zu, den er eigentlich erst geschasfen hat. Im Jahre 1894 gab er, fast sechzig-

Kirche und Schule.

Landkreis Gießen.

y Watzenborn-Steinberg, 4. Ian. In hiesiger Pfarrei wurden im abgelaufenen Iahre 46 Kinder getauft. 24 Paare kirchlich getraut, konfirmiert wurden 21 Kinder, kirchlich beerdigt 15 Personen. In dem vom hiesigen Pfarrer mit­versehenen Nachbarorte Grüningen sind die Zah­len folgende: 9 Taufen, 1 Trauungen, 11 Kon­firmanden, 10 Beerdigungen.

oo Langsdorf, 4. Jan. Die statistischen Er- Hebungen über das kirchliche Gemeinde leben im Jahre 1932 führten zu folgenden Ergebnissen: Langsdorf: Es wurden 61 Haupt- gottesdienste und 47 Nebengottesdienste abgehalten. Sie wurden im Durchschnitt der 52 Wochen besucht von 179 männlichen, 195 weiblichen Erwachsenen, plus 108 Kindern gleich 482 Personen, d. h. 50 Pro- zent der Evangelischen, 47 Prozent der Erwachse- nen. Die Zahl der Abendmahlsteilnehmer betrug 1186 Personen, oder 156 Prozent der Erwachsenen. 4 Trauungen, 10 Taufen, 6 Konfirmanden, 14 Beerdigungen. Die Gesamtsumme der Liebesgaben betrug 3818 Mark oder pro evangelische Haushal- tung rund 19 Mark. In dieser Summe sind nam­hafte Beträge enthalten, die dem Geldwert der zur Linderung städtischer Not gelieferten Lebensmittel entsprechen. Geliefert wurde nach Hanau, Frankfurt. Darmstadt, Gießen. Für die Filialgemeinde Bet- tenha u se n sind folgende Ergebnisse zu buchen: Es fanden statt 60 Haupt- und 11 Nebengottes­dienste. Der durchschnittliche Besuch betrug 35 männ- unö 39 weibliche Erwachsene, plus 23 Kindern gleich 97 Personen. In Hundertsätzen ausgedrückt 26 Pro­zent aller Evangelischen, 29 Prozent der Erwach­senen. Zur Abendmahlsfeier kamen 427 Personen, oder 153 Prozent der Erwachsenen. Trauungen 3, Taufen 2, Konfirmanden 4, Beerdigungen 4. An Opfern und Kollekten -gingen insgesamt 411 Mark ein, pro evangelische Haushaltung rund 5 Mark. Die größten Beträge wurden für Aeußere und Innere Mission, sowie für Stadtnot aufgebracht. Zu­sammenfassend kann man sagen: das Kirchentum unserer Dörfer, begründet von der reformierten Herbigkeit und Formenstrenge der Väter im 16. Jahrhundert, steht unerschütterlich fest. Jedoch an den Liebesgaben merkt man die sinkende wirtschaft- liche Kraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung. Immerhin zeugen auch diese gegen 1931 um ein Geringes gesunkenen Zahlen noch für den Helfer­willen einer Christengemeinde.

-siGrünberg, 4. Ian. Gestern fand hier un­ter dem Vorsitz von Dekan Schmidt (Grünberg) eine Konferenz der evangelischen Geistlichen des Dekanats Grünberg im Beisein des Superintendenten der Provinz Oberhessen. Oberkirchenrat D. Wagner, statt. Die Eröffnungsandacht hielt Pfarrer Geiß (Ober-Osleiden). Pfarrer Scriba (Wetterfeld) hielt dann einen Vortrag über ,Kirche und Freidenker tum", an dem sich eine lebhafte Ansprache anschloh.

Das Ende desbetrunkenen Hauses^.

Der Spitzhacke wird nun auch ein Haus in der italienischen Stadt Foggia zum Opser fallen, das sich der merkwürdigsten Entstehungsgeschichte rüh­men kann. Wan kennt es in der ganzen Stadt nur als dasbetrunkene Haus": es ist im Iahre 1850 errichtet worden und verdankt seinen unter so seltsamen Tegleitumständen vollzogenen Dau einer grimmigen Fehde zwischen dem Weinhändler Antonio Bucci und Don Francesco Saverio Fi- gliolia, einem hohen Deamten des Königreiches der beiden Sizilien. Der Weinhändler, Vereinen kleinen Weinladen in der Nähe des Hauses seines Gegners' besaß, wünschte sehnlich, seinen Nach­barn durch die Errichtung eines Hauses auf seinem Grundstück, das jenem die Aussicht verderben sollte, zu ärgern. Er ließ deshalb Dalken, Sand, Mörtel und andere Baumaterialien herbei schaffen. Da aber bekam Don Saverio Wind von der Sache und ließ ihm sagen, dah es ohne behördliche Er­laubnis nicht gestattet sei, ein Haus zu bauen. Diese Behörde aber, die die Erlaubnis erteilen sollte, war er selber. Der Weinhändler suchte des­halb einen Rechtskundigen auf, der erklärte. wenn er das Haus errichten könnte, bevor es jemand sähe und ihn daran hinderte, so sei sein Recht un­aistechtbar. Bucci suchte nun schleunigst einige Maurer für den Hausbau zu gewinnen. Aber Don Saverio war schneller: er verbot allen Arbeitern für jenen zu arbeiten. Als es dem Weinhändler schließlich doch gelang, einen Meister aufzutrei­ben, der mit seinen elf Söhnen das Werk unter­nehmen wollte, fanden diese alle Brunnen von Foggia unter Bewachung gestellt, die ihnen die Entnahme von Wasser verweigerte. Da aber kam Bucci ein leuchtender Einfall: er beschloß, den Mörtel statt mit Wasser mit Wein anrühren zu lassen. Dem Entschluß folgte schnell die Tat: eine ganze Nacht hindurch arbeitete er und seine Freunde fieberhaft an dem Dau. Und obgleich sie durch den Dampf des Weines völlig berauscht waren, standen doch beim Morgengrauen die vier Wände eines kleinen zweistöckigen Hauses zum Aerger von Don Saverio, als er sich verwundert den Schlaf aus den Augen rieb. Es war keine Täu­schung: gerade vor feiner Nase stand das »be­trunkene Haus" und raubte seiner Billa die Aus­sicht.

Reichskanzler von Schleicher: Es gibt in «der Tat keine bessere Schule für die Ju­gend, um Selbstdisziplin, äußere und innere Bescheidenheit und Kameradschaft zu lernen, als di e allgemeine Wehrpflicht. Dies ist ein Hauptgrund, warum ich mich wieder und wieder für die allgemeine Wehr­pflicht im Rahmen einer Miliz ein­setze.

In allen freien Staaten gehört es zum felbst- verstÄndlichen Recht des freien Mannes, i m Dienst an der Waffe ausgebildet zu werden, um die Grenzen des Heimatlandes zu schützen oder der Außenpolitik des Staates den letzten Rückhalt zu geben. Keine Staatsverfassung hat bisher ge- wagt, dieses freie Recht anzutasten: die demokra­tische Schweiz saßt ihre bereits auf der Schule zum Waffendienst vorbereiteten Männer in der Miliz zusammen, das bolschewistische Rußland unterhält eine starke, stehende Armee und hat selbst Frauen in den Dienst der Landesverteidigung gestellt. N u r unter Zwang haben bisher Völker darauf ver­zichtet, die Rechte ihres Staates gegen böswillige Uebergriffe und Einfälle der Gegner zu schützen. Ehe das Versailler Diktat Deutschland praktisch wehrlos machte, gab es im Verlauf einer mehr als zweitausendjährigen europäischen Geschichte nur noch die Entwaffnung Karthagos. Das Schicksal Karthagos aber ist allen Kindern bereits bekannt llNd sollte hinreichend abschrecken. Denn bald nach der Zwangsentwaffnung der Karthager wurde ihre Haupsttadt zerstört, und sie selbst wurden in alle Winde zerstreut.

Im Vorkriegsdeutschland, das in seiner machtvol­len Blüte vielen Nationen zum Vorbild diente, durchlief der junge Mann drei Erziehungsstätten, ehe er in das berufliche Leben eintrat und staats­bürgerliche Rechte verliehen erhielt: Elternhaus, Schule und Soldatenzeit. Der Deutsche nannte diese Soldatenzeit denDienst", und tatsächlich hat Os­wald Spengler vollauf recht, wenn er die deut- sche Armeedie größte volkssozialistische Leistung aller Zeiten" nennt. Seitdem der Große Kursürst die privaten Landsknechtshaufen, die für irgend­einenmilitärischen Unternehmer" fochten, zu Werk­zeugen des staatlichen Willens machte und den Grundsatz des Beutemachens durch das Prinzip des Ehreerwerbens ablöste, stand zuerst in ^reufeen und dann im ganzen Reich die junge Mannschaft der Nation im unmittelbaren Dienste des Staates. Der Weltkrieg hat bewiesen, welche ungeheure Er­ziehungsaufgabe das deutsche Dolkvheer in den Jahrhunderten feit Fehrbellin geleistet hat.

Doch schon im Weltkrieg verwandelten sich Wesen und Aufbau des Heeres. England hatte in kürze­ster Zeil eine Armee aus dem Boden gestampft und sie auf das Festland geworfen. Frankreich und Deutschland mußten die letzten Reserven mobil- machen, um dem glühendem Atem des Material­kriegs gewachsen zu fein. Waren im Frieden jähr­lich Hunderttausende von jungen Männern zurück- gestellt worden, well entweder die Heeresstärke er­reicht war oder aber sie körperlich und geistig nicht der. gestellten Höchstanforderungen entsprachen, so machten es die ungeheuren Verluste des Krieges notwendig, auch auf die jüngeren Jahrgänge und körperlich Mindertaugliche zurückzugreifen. Etwa vom Jahre 1916 ab befand sich in allen Kompag­nien nur noch ein kleiner Stamm von Soldaten, die eine Friedensausbildung hinter sich hatten. Und für das Jahr 1918 bekennt Ludendorff in seinen Kriegserinnerungen", daß das deutsche Heer sei­nem Wesen und inneren Kampfwert nach zur Miliz geworden mar. Diese Entwicklung hat Deutschland schweres Lehrgeld gekostet. Denn die übereilt ausgebildeten Kriegsfreiwilligen-Regimen- ter des Jahres 1914 hatten unter Beweis gestellt, daß selbst die herrlichste Tapferkeit/and Todeskuhn- heil im modernen Krieg nutzlos ist, wenn sie auf überlegen ausgebildete und geschulte Regimenter mit größerer Kriegserfahrung stoßen. So wurden die jungen Jahrgänge, die Deutschland vom Jahre 1915 ab einzusetzen hatte, immerhin rund 5 bis 6 Monate, teils in Garnison, teils auf den Uebungs-- plätzen ausgebildet, ehe sie der Frontarmee einge­reiht wurden. ________

Reise durch Griechenland.

Athen und Eleusis. - Sparta einst und jetzt.-Oer heroische TaygetoS.-Kausts Bürge ilandschast.- Kultur und Lebensraum.

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Miliz nach Schweizer Muster ist für Deutschland unmöglich. Die Vorteile: Erfassung aller wehr­fähigen Männer, unmittelbare Verbundenheit des Heeres mit dem Volk und geringe Kosten treten hinter die Nachteile zurück, die hauptsächlich darin bestehen, daß eine nur wenige Monate ausgebildete Wehrmacht nicht über bie notwendige Schulung verfügt, um einem modernen Kampf gewachsen zu fein. Hinzu kommt, daß bei der in­neren Zerklüftung des deutschen Volkes es geradezu unmöglich erscheint, unbesehen jeden Zwanzigjähri­gen an der Waffe auszubllden oder ihn gar, wie in der Schweiz, die Waste im Zivllleben zu be­lassen. General von Schleicher hat deshalb von einer Miliz im Rahmen der allgemei­nen Wehrpflicht gesprochen. Das will besa­gen, daß Deutschland neben der Heranziehung sei­ner Jugend zur Landesverteidigung nicht darauf verzichten kann, die Formen dieser Heranziehung den bewährten Methoden des alten Heeres anzu­passen. lieber Einzelheiten ist jetzt noch nicht die Zeit gekommen, zu reden. Zweifellos aber führt die wehrpolitische Entwicklung aller Großstaaten dahin, daß sie neben einem spezialisier- ten Berufsheer eine m i l t a -artige Heeresverfassung einführen. Auf der näch­sten Genfer Abrüstungskonferenz dürsten die hier nur angerührten Fragen bereits akut werden.

Hügel, wo wenig Trümmer von großer Ver­gangenheit zeugen, so schweift der Dlick über em grünes Gefilde, über tausend Wipfel immer­grüner Oelbäume, welche in unbeschreiblicher Ar­mut immer wieder die schlanke Zypresse unter­bricht. Ein einziger Garten, süß und mild.

Und doch gibt es eine Erklärung: den Tayge­tos. Denn fünf Kilometer westlich von Sparta er­hebt sich, ohne Uebergang, mit schroffer Plötzlich­keit, 2500 Meter hoch dieses Gebirge. War es der Blick auf diese heroische Landschaft, der die Spar­taner hart und tapfer machte? War es der Gegen- satz des lieblichen Tales, in dem Sparta liegt, zu dieser gigantischen Berglandschaft, der die Phan­tasie der Spartaner wach hielt, sie an die Gegensätze des Lebens erinnerte und ihnen die Hingabe an die Genüsse des Lebens verbot? Das antike Sparta zerfiel um Christi Geburt. Das heutige Sparta ist eine Gründung der dreißiger Jahre des 19. Jahr­hunderts. Es nimmt nur die südlichste Ecke der alten Siedlung ein. Der erste König Griechenlands nach der Befreiung von den Türken, glaubte Lake- dämon ein neues Sparta schuldig zu fein. Aber dieses neue Sparta ist auch danach geworden. Es ist eher ein bayerischer, als ein an« t i ter Ort, und das ist verständlich, denn der König stammte aus Bayern.

Die alten Spartaner pflegten au sagen, daß ihre Stadt keiner Mauern bedürfe, da die Tapfer­keit der Dewohner Schutz genug sei. Das Mittel­alter dachte anders. Als die Dhzantiner, die Kaiser von Konstantinopel, welche sich kulturell immer mit Griechenland innig verbunden fühlten, sich eine Stadt in dieser Landschaft bauten, ver­schmähten sie das alte Sparta: eine halbe Stunde Weges entfernt bauten sie an den schroffen Ab­hängen des Taygetosgebirge ihre befestigte Resi­denz, in der sie oft selbst residierten und in der immer einer ihrer Stadthalter herrschte. Die Türken haben sie später im gleichen Sinne be­nutzt. Heute ist sie zerfallen. Aber ein Labyrinth von Ruinen erzählt von diesem griechischen Mit­telalter. Wan erinnert sich der Durgenlandschaft Griechenlands, welche Goethe im Faust II. Teil der Handlung um Helena zugrunde legt. Diese phantastische Burgenlandschaft bei Sparta, heute Mistra genannt, paßt zum II. Teil des Faust. Vielleicht werden spätere Zeiten, denen das übrige historische Material über Goethe verloren gegangen ist, daraufhin annehmen, dah Goethe in Griechenland gewesen sei.

Die Menschheitsgeschichte liebt komplizierte

Natürlich sieht Griechenland ganz anders aus, als man es sich Dorf teilt. Dor allen Dingen ganz an­ders, als cs sich der klassisch Gebildete vorftellt. Athen vft eine modernere Stadt als Rom. Wäre nicht die Akropolis, niemand könnte auf die Idee kommen, es sei das Athen des Sophokles, des Plato, des Perikies. Dabei steht das Theater noch, in dem die Premieren des Sophokles stattfanden. Mer die moderne Stadt liegt auf der anderen Seite der Akropolis, und in dieser modernen geräusch­vollen Stadt ist kein Platz für das Altertum. Man fährt mit einer Untergrundbahn nach dem P i - räus, dem Hafen Athens. Kein Denkmal aus dem Altertum ist hier übrig geblieben, nichts als der Name. Ein Autobus fährt von Athen nach Eleufis. Er fährt die heilige Straße entlang, die einst die Prozessionen zogen, aber die Straße ist afpl>altiert und umsäumt mit Tankstellen, lieber» dies sagen die modernen Griechen, um sich von den alten Griechen zu unterscheiden, Elefsssis statt Eleufis, unb das trifft die Sache nun wirk­lich. Denn über die eleusischen Gefilde qualmen die Schlote moderner Fabriken, und die eleusifchen Mysterien sind begraben in den Büchern der Gelehrten, und auch die dort aufgeftellten Theorien über die Mysterien sind aller Wahrscheinlichkeit nach restlos falsch. Also sagen auch wir lieber Elefffsis.

Ganz anders sieht ebenfalls Sparta aus, als man es sich vorstellt. Die alte Tradition ist insofern gewahrt, als Sparta ohne Bahnverbin­dung ist: schon die alten Spartaner waren ja mit Erfolg bemüht, das Reisen ins Ausland zu er­schweren. Eisernes Geld gibt es aber nicht mehr. Dafür unsagbar schmutzige Geldscheine, welche eine amerikanische Firma herstellt. Doch Sparta lebt in unserer klassischen Phantasie als Horst der Disziplin, der Strenge und der Herbheit. Wie überrascht war ich, als das Auto, übrigens auf der schlechtesten Autostraße Europas, in ein liebliches Tal hinabfuhr. Eine schönere Land­schaft besitzt ganz Griechenland nicht. Weiche Hügel über den Curotas-Fluß, den schon Homer schilfreich nennt und der es noch heute ist. Lieberhaupt hat Homer Sparta und Lakedamon richtig eingeschäht. Denn hier ließ er die groß­artigste Liebesgeschichte passieren, welche die Sage kennt: die Entführung der Helena durch den Prinzen Paris aus Troja. Wer heute die Statte sieht, hält das in dieser Landschaft für mogl.ch: aber nicht den Kasernenhofdrill der historischen Spartaner. Steigt man auf einen der niedrigen

"jährig^das"heißumstrittene Schach-Zepter an den 33 Jahre jüngeren Emanuel Lasker ab, der nun durch 27 Jahre bie Schachwelt als Meister be­herrschte. Erst im Jahre 1921 brachte ein neu aus­gegangener Stern, der Kubaner Capablanca, dem für unbefieglid) geltenden Lasker eine Nieder­lage bei. Aber bie Waffen waren dabei nicht gut unb gleich, denn der Wettkampf wurde in Havanna ausgefochten unb zwar in einem ungewöhnlich heißen Frühjahr. Während der Kubaner an das tropische Klima gewöhnt war, litt Lasker sehr darunter unb trat nach der 14. Partie wegen Krank­heit vom Kampfplatz ab. Lasker hat auch noch |pa= t°r in zwei großen internationalen Turnieren in glänzender Weise seine Meisterschaft gezeigt^ indem er aus ihnen als erster Sieger hervorging, öeitbem hat er sich aus der Oesfemlichkeit ganz zunickgezo- qen und Capablanca blieb sechs Jahre lang König im Reich der 64 Felder. Dann wurde er 1927 von dem genialen Russen Alexander ,211- j e ch i n in jenem denkwürdigen Wettkamps zu Buenos Aires geschlagen, der wegen seiner Hart­näckigkeit in der Geschichte des Schachspiels einzig dasteht-, er dauerte über zweieinhalb Monate und umfaßte nicht weniger als 34 Partien, bis schließ­lich Aljechin mit 6:3 bei 25 Remispartien Sieger blieb So ist also jetzt Aljechin Schachkonig, aber bei dem geringen Vorsprung, den er vor Capablanca hatte erwartet die Schachwelt einen neuen Wett­kampf zwischen diesen beiden besten Spielern der heutigen Welt, dem allerdings große schwierig. Feiten persönlicher unb finanzieller Art entgegen» stehen.

Wege, und sie hat es sich unnötig schwer ge- macht, daß sie die Wiege der europäischen Kul­tur in jene unwirtschaftlichen Derglandschaften des Balkans stellte. Unfruchtbar und steinig, von hohen Gebirgen ausgefüllt, mit wenig Tälern gesegnet war bas alte Hellas, ist das moderne Griechenland. Die Natur kam dem Menschen nicht zu Hilfe. Die hellenische Kultur ist hundert­prozentig ein Werk des Menschen, den ungünstigsten geographischen Bedingungen abge­kämpft und abgetroht. Eng war das Land: denn man kann die wenigen Niederungen fast am den zehn Fingern abzählen. Selbst Attika besteht

- nicht mehr als zwei, drei kleinen Ebenen im übrigen aus Dergland. Lakedämon aus der Ebene von Svarta, Arkadien drei Talbecken, in die kaum ein Paß aus win übrigen Griechenland führt. Klein ist die Ebene von Argos, klein der Raum Ko­rinths, klein der Platz M e g a r a s. Am reich­sten und geräumigsten ist noch die Landschaft, welche die geringste Rolle gespielt hat, Mes­senien. Die griechischen Völker und Stämme gediehen um so besser, je weniger Lebensraum sie hatten, je mehr sie kämpfen mußten und je feindlicher ihnen die Natur gegenuberstand. Nichts als der Genius der Menschheit half ihnen.

für unseren

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