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5.1.1933 Erstes Blatt
 
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21®, Min­der Süddeutsche uigte die tim- srzugsaktien in dem nach M>« Mll. Ak. Der« 4493162 Mark benbt auf die tc DvrzugSaltien m 2 09(162 M. »vrzutragen.

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M. 4 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Donnerstag, 5. Januar 1935

Erlchein» tägltd), autz« öonnmgs und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte ©ießener Familienblötter Heimat m Bild Die Scholl» e Monatr-Bezvgsprelr:

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Dr. Iriedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und lür den An­zeigenteil i.D.TH.kümmel sämtlich m Gie;en.

Werden wir mit Wien deutlich sprechen?

Das alte Satyr ist mit einem peinlichen Miß- klang zu Ende gegangen. Die Begründung, mit der die französische Kammer die öster­reichische Anleihe genehmigt hat, kann in Deutschland nur als eine Herausforderung emp­funden werden. Mit geradezu erstaunlicher Offen­heit hat man im französischen Parlament die mit der Anleihe zusammenhängenden politischen Fra­gen behandelt. Wir haben im Lauf der hochbe­wegten Aachkricgsjahre die Franzosen oft als Po­litiker der Leidenschaft kennengelernt. 3n dieser Kammerdebatte sahen wir sie nur als Politiker, die.^aller Leidenschaften entkleidet, nichts weiter sind als zynische Rechner. Mir müssen uns mit aller Entschiedenheit dagegen verwahren, wenn die Franzosen eine schamlose Erpressung an einem ohnmächtigen deutschen Land mit dem Mantel der Dölkerbundpolitik zu umkleiden suchen. Die finanzielle Tlnterstühung wird als eine Sieger­pflicht gegenüber Oesterreich bezeichnet. Aber im gleichen Atemzug sprach Paul-Boncour davon, daß man das Europa des Sieges organisieren müsse. Daß die französischen Absichten direkt ge­gen das Deutsche Reich gerichtet sind, wurde gar nicht verheimlicht. Man hat uns als die einzige Macht bezeichnet, die fähig wäre, sich Oesterreich einzuverleiben. Wir haben das zynische Einge­ständnis gehört, daß Oesterreich mit kleinen un­zulänglichen finanziellen Hilfsmitteln in die eu­ropäische Mächtegruppe der Siegerstaaten und solcher, die es zu sein glauben, eingerecht werden soll, ilm angeblichen Hegemoniebestreben anderer Mächte zuvorzukommen, verwirklicht Frankreich mit Hilfe seines Goldes die Hegemoniepläne, die Laval noch im vergangenen Jahr weit von sich gewiesen hat. Das mindeste, was uns notwendig erscheint, ist eine amtliche deutsche Gegenkund­gebung an die französische Adresse, die keinen Zweifel daran läßt, daß wir in unserer Dölker­bundpolitik die Konsequenzen ziehen werden, wenn Frankreich seine Absichten der Unterdrückung und seine Erpressungen als Dölkerbundpolitik bezeich­net.

Wir werden uns schließlich aber auch über­legen müssen, ob wir nicht nun endlich auch mit den zur Zeit maßgebenden Herren in Wien einmal sehr deutlich sprechen müssen. Herr Doll­fuß ist nicht Oesterreich, ebensowenig wie es Herr Seipel war. Er kann nur sprechen für die legitimistischen Kreise, die den Anschluß zu ver­hindern suchen. Die Grotzdeutschen und die österreichischen Sozialdemokraten erklären es offen als eine Schmach, dah die Regierung die poli­tische Unabhängigkeit des Landes f ü r e i n L i n» sengericht verkauft habe. Es ist wirklich nur ein Linsengericht. Wie billig Oesterreich von Frankreich zu kaufen war, ersieht man daraus, daß Oesterreich nur ungefähr 50 Millio­nen Schilling ausgezahlt erhalten wird. Die 100 Millionen Schilling, die von England kommen, sind nur eine Kreditprolongation. 90 Millionen werden an die Dank für internatio­nalen Zahlungsausgleich abgeführt, während von dem Rest von 110 Millionen so erhebliche Zins­abschläge gemacht werden, dah schließlich nur ungefähr 50 Millionen Schilling übrigbleiben. Um diese paar Silberlinge läßt es die Regierung Dollfuß geschehen, dah Oesterreich als Eckstein im wankenden Gebäude der Pariser Dorortver­träge benutzt wird.

Der Bundeskanzler Dollfuh begründet seine Haltung damit, dah nach seiner Ueberzeugung ein Land nur dann wirklich frei sei, wenn es wirtschaftlich frei und urcabhängig sei. Wie die wirtschaftliche Unabhängigkeit und Freiheit Oesterreichs in Wirklichkeit aus­sieht, darüber sollte man sich keinen Täuschungen hingeben. Es wird in Oesterreich bleiben, wie es bisher war: das Land wird in politischer Abhängigkeit sein, ohne auch nur ein Iota an wirtschaftlicher Unabhängigkeit gewonnen zu haben.

Wir müssen uns in Deutschland fragen, ob die bisherige Politik der Rücksichtnahme auf Dollfuh, die keine Rücksichtnahme aus Oesterreich ist, fort­gesetzt werden kann, ob nicht vielmehr die Re­gierung Papen einen entscheidenden Fehler beging, als sie durch Stimmenthaltung im Fi­nanzausschuß des Dölkerbundes die Anleihe möglich machte. Familienmitglieder haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, sich unter Umständen in einer Weise die Wahrheit zu sagen, wie man es einem Fremden niemals ge- statten könnte. Das muß auch für die Regierung zweier Länder gelten, die nur eine Ration dar- stellen. Rach dem Abschluß der Anleihe erhofft sich Dollfuh von einem neuen Handels Der - trag eine Besserung des Derhältnisses zwischen Deutschland und Oesterreich. Da^i wird sich Ge- legenheit geben, die österreich: chen »egiti>m'.sten mit der Rase darauf zu stoßen, daß ihr Staat nur dann auf die Dauer lebensfähig ist. wenn er in den gesamtdeutschen Wir t- schaftsraum eingebaut wird. §err Dolb> fu|j muh merken, daß das Reich ihm w.rtchaftlch auf lange Frist gesehen doch m ehr^z u bieten hat, als ein Linsengericht von 50 Mil­lionen Schilling. Wir dienen nur den wahren Interessen Deutsch-Oesterreichs, wenn wir den Wünschen einer Regierung, die den großdeutschen Gedanken so verleugnet, nicht zu billig nach­geben. Die ständige Rücksichtnahme ist ein ganz fauler Patriotismus. Das Reich muß d'.e groß­deutsche Sache in die Hand nehmen, wenn die Ohnmacht und die Unterdrückung ihres Landes die vekecntwörtlichen Männer in Wien schwach

Japans Vorstoß auf Peking.

Die Erstürmung Schanhaikwans

Schwere LPfcr der Zivilbevölkerung.

Peking, 4. Jan. (TU.) Die chinesische Presse vom Mittwoch verösfentticht die ersten Berichte über die Einnahme der Stabt Schanhaikwan durch die Japaner. Die Stabt fiel erst beim britten Sturm, ber von Tanks unb Flugzeugen unterstützt würbe. Die Besetzung gelang nur unter heftigen Straßen­kämpfen Die Stabt ist völlig zerstört. Die chinesische äommanbantur wurde von den Chi- nesen selbst in Grunbunb Boden ge­schossen. Auch die Wasserleitung und die Elektrizitätsversorgung wurden stark beschädigt. Sämtlicher Proviant in der Stabt würbe non ben Chinesen mitgenommen, so­weit sie ihn nicht vernichteten. Nach chinesischen Be­richten ist von Schanhaikwan nur eine Straße übrig geblieben. Die chinesischen Blätter erklären weiter, bah bie japanischen Truppen äußerst scharf vorgingen, unb zwar nicht nur gegen chinesische Solbatcn, sonbern auchgegen bie stüchtenbe Zivilbevölkerung. Rach ben bisherigen Fest- stellungen hat auch bie Zivilbevölkerung unerhört starke Verluste erlitten-, es sollen nicht weniger als 8 0 0 Zivilisten getötet worben sein. Die chinesischen Truppen ziehen sich georbnet zurück. Sie werben im Sübwesten von Schanhaikwan ge­sammelt unb haben ben Befehl, bem Vorbrin­gen ber Japaner in Richtung auf Pe­king ben alleräußersten wiberstanb entgegen- zusehen. Die Chinesen haben bereits Schützen­gräben angelegt, um ihre verteibigung wirk­samer zu gestalten. Die chinesischen Behörden in Tientsin haben über die Stadt den Kriegs- z u st a n d verhängt.

Japans Ziel.

Ein Eisenbahncndpunkt innerhalb der großen Mauer.

Schanghai, 4. Ian. (WTB.) Don zuverlässi­ger Seite wird erklärt, daß die chinesische Ratio­nalregierung den Zwishenfall von Schanhaikwan zu lokalisieren wünsche. Tie Lage werde zedoch dadurch erschwert, daß der japanische Kom­mandant in Tientsien, General Rakamura, an Tschanghsüliang folgende drei Forde­rungen gerichtet habe:

1. Entschuldigungen Tschanghsüliangs und des chinesischen Kommandanten von Schan­haikwan:

2. Unterstellung des Bahnhofs von Schan­haikwan unter die Kontrolle der Mandschnkuo;

3. Neutralisierung des Gebietes von Schanhaikwan.

Don chinesischer Seite wird darauf hingewiesen, daß die Annahme dieser Forderungen den Man- dschukuob. Hörden einen® isenbahnendpunkt innerhalb der Großen Mauer aus­liefern würde. Tschanghsüliang macht die Ja­

paner für alle Ereignisse verantwortlich und ersucht sie, von nun an alle ihre Mitteilungen an die chinesische Regierung zu richten.

Die japanischen Behörden in Rordchina haben Anweisungen erhalten, mit dem Dertreter Tschang­hsüliangs zu verhandeln, um den Zwischenfall von Schanhaikwan zu lokalisieren. Die japa­nische Abordnung in Genf wird dem Völker- bund davon Mitteilung machen.

Amerika hält sich zurück.

Resignierte Stimmung in Washington.

Washington, 4. Ian. (ERB.) Im Staats­departement herrscht über den neuesten japanischen Dorstoß in China resignierte Stimmung. Allerdings werden in Anbetracht des Interregn­ums, das hier bis zum 4. März herrscht, weder innen = noch außenpolitische Maßnahmen ergriffen und Staatssekretär Stimson hat sich daher ent­schlossen, etwaige Schritte dem Dölkerbund zu überlassen. In der Besetzung Schon- haikwans durch japanische Truppen erb.ickt man

hier keine neue Entwicklung, da auch die Mandschurei von Amerika als integraler Bestandteil Chinas betrachtet wird und die jetzige Regierung entschlossen ist, an ihrer bisherigen Politik der Richtanerkennung irg:ndwelcher Chinas Unabhängigkeit und terri­toriale Integrität verletzenden Schritte unbedingt festzuhalten. Heber diese negative Haltung wird man jetzt jedoch nicht hinausgehen. Erstens, weil der Hooverregierung die zu positiven Maß­nahmen erforderliche Autorität fehlt, zweitens, weil weder England noch Frankreich besonderen Eifer hinsichtlich der Lurchführung der Lyttonschen Empfehlungen bezeigen und schließlich drittens, weil Roosevelt nicht ge­neigt sein wird, Amerika dadurch zu exponieren, dah er es a l s Hüter des Weltfriedens im Auslande auftreten läßt. Bedeutsam erscheint es, dah Botschafter Debuchi, der im vorigen Jahre anläßlich der Kämpfe um Schanghai Staatssekretär Stimson täglich aufsuchte, diesmal um keine Unterredung mit dem Staatsdeparte­ment nachgekommen ist.

Wie steht die ASDAP. zum Kabinett Schleicher? Gerüchte sprechen von einer Fühlungnahme zwischen Hitler und Papen und Verhandlungen zwischen Straßer und Schleicher.

Köln, 4. Jan. (TU.) Die «Kölnische Zei­tung'" bringt in ihrer Morgenausgabe aus Bet- l i n folgende Nachricht: Gregor Straßer ist heute früh hier eingetroffen, offenbar in der Ab­sicht, Verhandlungen zu führen. Jn politischen Krei­sen verlautet, daß er bereits eine Bespre­chung mit dem Reichskanzler gehabt habe oder noch haben werde. An amtlicher Stelle ist die­ses Gerücht bisher noch nicht bestätigt worden. Weiter verlautet, daß zwischen Hitler unb bem früheren Reichskanzler von Papen eine Zusammenkunft in Köln »verabredet worben sei. Offenbar bemüht sich Hitler, ehe er seine letzte Entscheidung über bie Haltung seiner Partei gegenüber bem Kabinett Schleicher trifft, um eine Meinungsäußerung Papens über bie gegenwärtige Lage. Die Unterredung zwischen beiden Politikern ist bisher noch nicht zu''andege- kommen, aber auch offenbar nicht abgesagt worden.

Jm Gegensatz hierzu will dieTägliche Rundschau" erfahren haben, dah am Mitt­wochnachmittag in Köln in der Woh­nung des Barons Schroeders eine ge­heime Unterredung zwischen Adolf Hiller und dem früheren Reichskanzler von Papen ft a 11 g e f u n - den habe. Adolf Hitler sei in Begleitung seines neuen Generalsekretärs, Rudolf Heß, und des obersten SS.-Führers, Himmler, und seines Wirtschaftsberaters, Keppler, erschienen. Die Unterredung habe etwa 1$ Stunde gedauert. Gegen 3 Uhr hätten beide in ihren Autos Köln in Rich­tung auf Detmold verlassen, wo Hitler gegen Mitternacht in einer Versammlung gesprochen hat.

Bei ber Unterrebung mit Papen seien bie Möglich­keiten erwogen worden, noch einmal ben versuch einer Kanzlerschaft Hitlers zu unternehmen. Angesichts ber guten persönlichen Beziehungen bes Herrn von Papen zum Reichs- präfibenten hosflen bie Beteiligten anscheinend, daß Herr von Papen den Reichspräsidenten dazu um stimmen könne, seine bisherigen Be­denken gegen eine Kanzlerschaft Hitlers fallen zu lassen.

DieD A 0 schreibt, es habe den Anschein, daß man auf Regierungsseiie die Absicht noch nicht auf­gegeben habe, durch eine erneute Fühlungnahme mit den führenden Männern der natioualsozialisti- schen Partei zum wenig st en eine Tole­rierung der Regierungspolitik zu er­reichen. Jn Verbindung hiermit dürften auch die Gerüchte über eine bevorstehende neue Unter­redung zwischen Schleicher unb hit - l e r nicht ohne tatsächlichen hinlergrunb sein.

Oie Besprechung des Reichskanzlers mit Straßer wird dementiert.

Berlin, 5. Jan. (CRB. Funkspruch.) Zu ben verschiedenen Meldungen über eine B e f p r e - d) u n g des Reichskanzlers mit Gregor Straßer, die gestern stattgefunden haben soll oder anderen Versionen nach noch in Aus­sicht steht, wird von zuständiger Stelle erklärt, daß weder von einer stattgesundenen Aussprache noch von derartigen Ab­sichten etwas bekannt ist.

und müde macht. Müdigkeit allein allerdings ist es nicht. Die schwarzgelbe Reichspost spricht triumphierend von einem Siege der politischen Idee Seipels. Don einer Regierung, die den Ideen Seipels nicht ganz ferne steht, wird man nicht erwarten können, daß sie nach den ent­würdigenden Reden im Pariser Parlament den Anleihevertrag nachträglich zerreißt. Unter diesen Umständen werden w:r durch unser künftiges Verhalten in Genf und ebenso in den direkten Auseinandersetzungen mit Wien deutlicher als bisher erkennen lassen müssen, dah wir die grohdeutsche Angelegenheit nicht als ein politisches Problem zweiten Ranges betrachten.

Oos neue LuftschiffL 3 '129"

Friedrichshafen, 4. Jan. (TU.) lieber das im Bau befindliche neue LuftschiffL. Z. 129" wirb bekannt, daß es größer werben wirb, als Graf Zeppelin". Die Gesamtlänge des Rumpfes beträgt 248 Meter, fein größter Durchmesser 41 Meter, so bah damit eine bedeutende Ber- aröherung des Volumens und der Tragkraft erreicht wird. Der Hohlraum ist in 16 Schotten eingeteilt, die jede einzeln für sich ver­schließbar ist. Die Konstruktion des aus Uralumi­nium bestehenden Gerippes bleibt im Prinzip das gleiche wie beimGraf Zeppelin".

Eine neuartige Gestaltung haben bie Pasja - gierräume burch bie größere Tragkraft erfah­ren. Der Architekt Professor B r e u h a u s - Ber­lin war daraus bedacht, den 50 Fahrgästen, die in den Aufenthaltskabinen beherbergt werden können, dieselbe Bequemlichkeit zu bieten, w i e auf den modernen Ozeandampfern. Alle Aufenchaltsräume werden in zwei übereinan­derliegenden Decke untergebracht, die beide in ber Mitte des Schiffes angeordnete und in ben Rumpf eingebaut find. Auf dem oberen Deck befindet sich ber Speisesaal, an dem sich ein Rauchsal 0 n und eine geräumige Halle an- schliehen. In den darunterliegenden Decks sind alle

Schlafräume, Baderäume, Mannschastsräume und eine Messe untergebracht.

Don den technischen Neuerungen, mit denen der neueL. Z. 129" ausgestattet wird, ist besonders bemerkenswert, daß er mit he 1 iumgas g e - füllt wird. Damit erhöht sich die Feuersicherheit ganz bedeutend. Auch das gefährliche Benzin ist vermieden worden. Das Luftschiff wird durch vier Maybach-Rohölmotoren angetrie­ben, von denen jeder 800/1000 PS. leistet. Die vier Motoren können dem Schiss eine Geschwindigkeit von 130 bis 150 Kilometer in der Stunde geben. Welchen Namen das neue Luftschiff bekommen soll, steht noch nicht fest. Die Mutmaßung, daß der Name des Reichspräsidenten in Frage komme, dürfte verfrüht sein.

Polens Beschwerde in London

Die Presse fordertin den Papierkorb"!

London, 4. Ian. (TU.) Der polnische Bot­schafter in London sprach am Mittwochnachmit ag im Zusammenhang mit der polnischen Pro­testnote gegen den englischen Rund­funk noch einmal im Foreign Office vor. Er wurde vom Unterstaatssekretär Dansittard emp­fangen. Die Kommentare der engli- lischen Presse zu dem polnischen Protest las­sen an Deutlichkeit gegenüber Polen nichts zu wünschen übrig.Cvening Standard" kann sich nicht vorstellen, dah man die polnische Rote über­haupt crn.fl nehmen könne. Es sei restlos richtig, daß Polen ein Drittel feiner Staatsein­nahmen für seine Rüstungen ausgebe, wie im Rundfunk gesagt worden war. Polen solle sich je­doch daran erinnern, dah es sein ganzes Be­stehen England verdanke und eine der größten Belohnungen durch den Friedensvertrag erhalten habe. Lord Palmerston hätte die pol­nische Rote in den Papierkorb geworfen. Das heutige Foreign Office werde behutsamer sein, denn es sei zum größten Teil verant­wortlich für den anmaßenden Geist, dem die polnische Rote entsprungen sei. Durch

die vorzeitige Gewährung des Dotschafterranges für die Londoner polnische diplomatische Dertre- tung habe es die Versuche des polnischen Trosses, sich zu einem Ochsen aufzublähen, ermutigt. Im ähnlichen Sinne schreibt der liberale .Star": Daß Polen ein Drittel seiner Einnahmen für Rüstungen verwende, sei sehr verwerflich und es würde dadurch nicht besser, wenn man darüber schweige.

Roch keine Bergung berAtlontique".

Paris, 5. Jan. (WTB. Funkspruch.) Der Ka­pitän berAtlantique", Schoofs, Hal heule früh an Borb eines Schleppers Cherbourg ver­sa s s e n, um bie versuche zur Bergung bes Wracks zu leiten. Die winbstärke ist geringer geworben, bas Wrack berAtlantique" soll am Bug hochliegeu unb ein großes Leck aufweisen, burch bas Was­ser einbringt. Roch immer aber ist es unmöglich, an Borb zu gehen. Das Wrack treibt nach ber englischen K ü st e ab. Man hält es nicht für ausgeschlossen, baß es zwischen Portlanb unb ber Jnsel Wight stranbet. Heber bie Zahl ber vermißten ist noch nichts Zuverlässiges be­kannt. Die Angaben schwanken zwischen 18 unb 22 vermißten.

0er Bericht des Kapitäns.

Die Branbkatastrophe bes französischen Dampfers Atlantique" hat, wie nunmehr feststeht, boch etwa 3 0Tobesopfer gefordert. Jn Cherbourg traf in den Abendstunden des Mittwoch der erste Hilfs- dampfer mit den Geretteten ein, unter denen sich auch Kapitän Schoofs, der Führer derAtlan­tique", befindet. Er erklärte, daß er gegen 3.30 Uhr morgens auf eine außerordentlich ft a r k e Rauch­entwicklung aufmerksam geworden fei, bie aus den unbewohnten Kabinen 1. Klasse aufstieg. Die Besatzung habe sofort alles unternommen, um den