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4.12.1933 Zweites Blatt
 
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Nr. 284 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, 4. Dezember (933

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Oie Gründungsfeier des DOA6

Fahrt ins Oonautal

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deren, in einer fremden Welt. Jeder Grenzüber­tritt mahnt aufs neue daran, daß fast eineinhalb Jahrzehnte nach dem Diktat des Friedens alles andere als Frieden herrscht. Daß ängstliche Gemüter im letzten Augenblick vor der Tschechen­kontrolle noch die deutschen Zeitungen zum Fenster

Wie lange noch dieser Druck auf Hunderttausen­den von Menschen, wie lange noch dieser Haß gegen em Volk, dessen Führer den Frieden will und die Arbeit! Wann wird auch in der Tschechoslowakei Pas sprechen und nicht Berufspolitiker, die ihre Richtlinien von irgendwelchen europäischen Kanzleien beziehen? Vorläufig werden aber in diesen Novembertagen die Schatten am Hradschin langer und länger...

Der neue Präsident des Aoten Kreuzes.

Da, schon liegen in Ufer die Häuserreihen s ch e m Gebiet, und

Der Herr Reichspräsident hat auf Dor« schlag des Rei..isministers des Innern den SA.» Obergruppenführer Herzog Karl Eduard von Sachsen-Co bürg und Gotha zum

ist, die den Volksgenossen Schwester.

dumpfer Ruhe am rechten auf tschechoslowaki-

I.

Zm Schatten des Hradschin

Von unserem AE>.-Sonderberichierftatitzr.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Prag, November 1933.

In München fand m Anwesenheit des Führers des nationalsozialistischen Kraftfahrkorps, Major Hühn- / Gründungsfeier des DDAC. statt, in dem künftig alle deutschen Automobilklubs aufgehen Unser Bild zeigt die feierliche Hissung des neuen Wimpels (dessen Mittelfeld die Zeichnung unten links zeigt) im Hof des Verwaltungsgebäudes.

In Graudenz waren bei einer Wahlversammlung zwei Deutsche von polnischen Gegnern so schwer ver- letzt worden, daß sie starben. An ihrer Beisetzung beteiligte sich die gesamte deutschsprachige Bevölkerung von Graudenz und Umgebung.

. , wenn der Zug in rasender

Fahrt auch Schöna am Fuße seiner romantischen Waldberge hinter sich gelassen hat, wenn dann die Landesgrenze bei Niedergrund vorübergeflogen ist, befindet man sich, noch wenige Stunden vorher in der Hauptstadt des Deutschen Reiches, in einer an-

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Das flaagengeschmückte Dresden mit seinen Barock- und Renaissancewundern verschwindet, und das Sachsenland, in neuem, ernstem "Sinne poli- tisches Grenzland geworden, offenbart sich im Zauber seiner Bergwelt. Die nationalen Symbole, die auch aus dem altersbraunen Dächergewirr Pirnas hervorleuchten und sich im nahen Strome spiegeln, werden Sinnbild der Zuversicht eines Vol­kes, das keine Intrige, keine noch so brutale Ge­walt fortzaubern kann aus dem europäischen Schicksal. Wuchtig, wie die Marienkirche und die lang an der Elbe hingelagerten Gebäudemassen der früheren Feste Sonnenstein, ruht ein einheitlicher volksbewußter Geist auf deutschem Land, ein Geist, öen man besonders dort zu fühlen vermag, wo die politische Grenze nahe " " ~ -

trennt von,Bruder und

Was kleine Erfindungen einbringen.

Gerade mit den einfachsten Erfindungen wird häufig das meiste Geld verdient. Es ist aber not­wendig, daß der neue Gegenstand ein alltägliches Bedürfnis befriedigt, das Publikum interessiert und in geschickter Weise vertrieben wird. Nach einer Zu- sammenstellung in der Chikagoer ZeitschriftPo­pulär Mechanics brachte ein in Amerika sehr be­liebt gewordenes Spielzeug, eine Tanzpuppe, ihrem Erfinder jährlich 75 000 Dollar, während der Mann, der den Rollschuh erfand, damit mehr als eine Million Dollar verdiente. Der Findige, der auf den Gedanken kam, am Ende des gewöhnlicken Bleistifts einen Gummi anzubringen, erntete da- durch 100000 Dollar im Jahr, und der Erfinder der Schnürsenkel sicherte sich damit ein Vermögen von 2*/2 Millionen Dollar. Einen gewaltigen Reich­tum erwarb sich der Erfinder der ersten Stahlfeder, und der Mann, der die Schuhabsätze durch Metall­plättchen verstärkte, sicherte sich damit im ersten Jahr einen Gewinn von 700 000 Dollar. Zum rei­chen Mann wurde auch derjenige, der zuerst Baum­wolle als Ueberzug der Schirme verwendet, und nicht minder lächelte das Glück demjenigen, der metallene Aufhänger für Mäntel einführte und da­mit das lästige Abreihen verhinderte.

zeichnen ließ. Und ich ließ mich von Tageszeit und Wetter treiben und stöberte in der unendlichen Waldwelt herum wie in einem riesigen Knaben- bilderbuch. Es ging jeder feinen Weg und wurde auf feine Weise mit den Moskitos, mit den wilden Gewitternächten, mit dem sumpfigen Waldboden und mit der ewig lastenden heißfeuchten Schwüle ertig. Am Abend aber, der am Aequator allzu rüh einbricht, kamen wir stets alle zusammen, aßen und lagen aus der offenen Veranda um den unbeweglich schweren Tisch aus Eisenholz im Schein einer blechernen Erdöllampe, die vom Dach­balken hing. Draußen kochten ober brüllten die Abendgewitter oder fang das rasend schwirrende Jnsektenkonzert des Urwalds, der zu uns herein schaute: wir aber waren dann der Wildnis satt, wir wollten es gut haben, ausruhen und für eine Stunde die lästige Tropenhygiene vergessen, wir wollten fröhlich sein und nichts von der Welt wissen, und so lagen und saßen wir und schöpften aus unfern großen Reisekisten Flaschen mit Sodawasser und mit Whisky, mit Rotwein und Weißwein, mit Sherry und mit Bremer Schlüsselbier. Zu Zeiten hat der Mensch in den Tropen diese Stimmung, daß er Lampenlicht braucht und Whisky und ein Sichabwenden von der herrlichen, üppigen und grausamen Wirklichkeit, die vor seiner Nase liegt. Denn diese Wirklichkeit, der Urwald, der Strom, die Gewitterregen, die Moskitos, die Fieber, der Sumpfgestank, das alles ist zwar großartig und oft berauschend, aber dann riecht es manchmal so heftig nach Verwesung, ist so von Tod und Todesdrang durchflochten, so unsäglich kurzlebig, ebenso gierig nach Sterben wie nach Zeugung, daß man im Her­zen friert, während einem der Schweiß von der Stirn tropft. Nachher schliefen wir dann unter Mückennetzen auf unseren Matratzen am Baden, jeder mit dem Talisman der wollenen Leibbinde versehen, ober wir lagen still und hörten dem Tropenregen zu, wie er in Kübeln herunter­klatschte ober auch zart und singend übers Blätter» dach lief, wie Mädchenfinger übers Klavier, bis um frühen Margen der Nashornvogel und die vielen unbekannten Singvögel ihr Lied begannen und die Affen mit wahnsinnigem Geheule den Tag be­grüßten.

Dann ging ich an den sechs ober sieben Hütten von Pelaiang vorbei in ben Walb, vor den Blut­egeln unb Schlangen geschützt burch biefelben Loben- gamaschen, bie ich im vorigen Winter im Schnee von Graubünden trug, unb alsbalb nahm das wirre Dickicht mich auf unb legte sich zwischen mich unb bie Welt trennenber als alle Meere. Diel war ba zu sehen. Da liefen raschelnb kleine Eichhörnchen vor mir hinweg schöne schwarze mit weißem Bauch unb roten Voroerbeinen, unb große Vögel sahen

mich aus starren blanken Walbaugen unfreunblich an, unb bald erschienen in zahlreichen Familien bie Assen, rannten im grünen Astgeschlinge, burch bas kaum ein Himmel blickte, wildfröhlich hinauf unb hinab ober hockten hoch im Gezweig unb heul­ten toll unb herzzerreißenb in langgebehnten schmerzlichen Tonleitern. Schaukelnb flog manchmal einer von ben großen schillernben Schmetterlingen über mich hin, unb am Boben tat bas kleine Ge­zücht seine Arbeit. Riesige, fußlange Tausendfüßler, braun ober hellgrün, rannten in blinbem Eifer burchs Gebränge, unb überall strebten in bichten dunklen Zügen mächtige Ameisenvölker, graue, braune, rote, schwarze, geordnet nach gemeinsamen Zielen. Dicke faulende Baumstämme liegen hier unb bart in ben Gräsern, tausendfach überwachsen von formenreichen Farnen unb bünnem, zähem Dorngeschlinge. Hier gärt bie Natur ohne Pause, ohne Herbst unb Winter in erschreckenber Frucht­barkeit, in einem rafenben Lebens- unb Verschwen- bungsfieber, bas mich betäubt unb beinahe entsetzt, unb mit norblänbischem Gefühl roenbe ich mich je­her Erscheinung bantbar zu, bie inmitteh bes er» stickenben Zeygunastaumels eine einzelne Form befonbers ausgestaltet zeigt. Da steht zuweilen, vom bicken Gewirre ber Kleinern umgeben unb als Sieger über sie empor gebrochen ein einzelner Rie- fenbaum von unwahrscheinlicher Stärke unb Höhe, in besten Krone tausenb Tiere leben und nisten können, und aus feiner königlichen Höhe hängen still und vornehm die schnurgeraden, baumdicken Lianenfäden herab.

Erst seit kurzem wird in diesem Walde van Menschen gearbeitet. Die holländische Gesellschaft, deren Gast ich hier bin, fängt hier feit kurzem an, den Wald feiner besten Eisenholzstämme zu berau­ben. Es ist aber ein mühseliges Rauben, es geht nicht leicht, und oft bleibt der Wald Sieger. Ich ließ mich eines Tages zu einer (Stelle führen, wo vor kurzem große Stämme getappt und behauen worden waren, und sah eine Weile der mühsamsten und gefährlichsten Waldarbeit zu, die ich je gesehen hatte. Da wurden Stämme von etwa zwanzig Me­ter Länge, schwer wie Eisen, von singenden unb keuchenben Kulischaren mit Winben unb Hebeln, an Tauen unb Ketten aus tiefen, urweltlich hämmern- ben, sumpfigen Walbschluchten heraufgeschleppt, auf Holzrollen unb auf primitiven Schlitten, über Sumpf unb burch Dorngestrüpp, über Busch unb fettes feuchtes Gekrönte hinweg, Elle für (Süe mit atemloser Mühe gezerrt, gehalten, unterstützt unb wieher weiter geschleppt, jebe Stunbe ein winzig kleines Stück weiter. Ein Ast von biefem Holze, den ich spielend mit einer Hanb aufnehmen wollte, erwies sich als so schwer, baß ich ihn auch mit bei­den Armen unb mit Aufwand aller meiner Kraft

Herrlich ist der Blick vom Hradschin über die Mol­dau auf Prag und schwarz sind die Schatten, die die Burg am frühen Novemberabend auf die Landschaft roirft. So schwarz, wie es diese Schatten eben auch bildlich sind, die Schatten der tschechischen Regie- rungspoutit auf ein riesiges Gebiet, das nichts an­deres darstellt als ein unglückseliges Erbe eines noch größeren Reiches, dessen zufälliger, jahrhundertealter Zusammenhalt eben einem Zufall zu danken war, der sich in ber Geschichte ebensowenig zu roieber» holen pflegt wie im Leben der armen Erben­menschen.

Wenn am Graben unb am Wenzelplatz bie ersten Lichter aufblinken, wenn sich bie zahlreichen Kaffeehäuser zu füllen beginnen, bann erwacht an ben Marmortischchen bie Privatpolitik unb Zeit- geschichte. Was man so alles Zeitgeschichte nennt. Obskure Blättchen unbeutscher Emi­granten werben ba gelesen, Gesprächsfetzen in allen Sprachen unb Munbarten flattern auf, Geifer, Flüche. Aus bem Munbe von Menschen, bie bazu nicht wissen, ob sie nicht schon morgen in irgenb- welchen Speiseanstalten bie übriggebliebenen Brat­reste werben sammeln müssen, um ben Hunger zu stillen, ben es auch hier gibt, hier in ber Tschecho­slowakei, in der freien Republik, wo man zwar auf Deutschland schimpfen darf, so viel man will, wo jedoch solches Geschäft für gewöhnlich nicht seinen Mann ernährt.

Am Graben, da ist auch basDeutsche Hau s", jene bekannte Gaststätte, wo noch vor Jahresfrist ein jeher fein Scherflein beifteuem durfte für bie deutsche Schule im Sudetenland. Heute lieft manRestaurant 26", unb nur der Eingeweihte weiß, daß hier ein deutsches Speise­haus sich befindet, befinden darf, und wer weiß, wie lange noch.

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nicht ganz zu heben vermochte. Dieser Schwere we- gen ist dies Holz so unendlich mühsam zu trans­portieren: Bahnen gibt es im Lande noch nicht, hie einzige Straße ist der Strom, und bas Eisen­holz schwimmt nicht, feine Last muß vorsichtig auf Flößen unb Booten flußabwärts befördert werden.

Die Arbeiter haben es schleckt. Was sie bei der schweren und oft gefährlichen Arbeit verdienen, das wird ihnen für Bier und Tabak, für Uhrketten unb Sonntagshüte wieder von ben auslänbischen Unter- nehmern abgenommen.

Unberührt von ben paar winzigen Feinden, bie da an feinem Reichtum zu zehren unb zu zapfen versuchen, steht noch immer ber Urwald. Am Ufer bes Stromes sonnen sich bie Krokobile, unerschöpf­lich glüht in ber feuchten Hitze bas Wachstum wei­ter, unb wo bie Eingeborenen ein Fleckchen rohen, um Reis barauf zu bauen, ba steht in zwei Jahren schon roieber hoher Busch unb in sechs Jahren schon roieber hoher Walb.

Ehe wir abfuhren, versenkten wir unsere leeren Flaschen in ben breiten braunen Fluß. Unsre Ma- trotzen rourbf n Bastmatten eingerollt und auf das Boot gt. cht, wir stiegen aufs Boot, bie Seile mürber -löst, unb wir sahen unsre gelbe Bambushütte . Ranbe bes ewigen Walbes stehen unb langfa Keiner werben, bis bei ber ersten Winbung bc Stromes alles versank.

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hinauswerfen, mag genügen, um zu zeigen, wel­cherGeist" im Nachbarstaate herrscht. Gespräche reihen im Nu ab, eine seltsame Ruhe legt sich über bie Fahrgäste, jene Ruhe, bie heute über ganz Norbböhmen lastet unb bas Leben beutscher Menschen im Erzgebirge ebenso zur Qual macht wie im Eger- unb im Subetenlanb, wie im Zipser Ge­biet unb im früheren Oesterreich-Schlesien, in den Gebieten am Bubweis unb Znaim, am Hange des Riesengebirges, mit einem Wort im ganzen Herzen des ehemaligen großen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Nur wer dessen eingedenk ist, wer sich bewußt wird, daß er hier im Tschechenland auf urdeut - scher Erde sich befindet, wem die ganze tragische Wahrheit aufgehtz daß die gotischen Namensschilder auf der Prager Burg über ber tschechischen Bemer­kung, stehen: Nicht zerstören, historische Erinnerung! ber wird begreifen, was habsburgische Dulbsam- Feit in Jahrhunberten unb Siegerübermut in weni­gen Jahren hier angerichtet. Es gibt einen tsche­chischen Korribor im beutschen Raum, fürch- terlicher, folgenschwerer als ber an der Weichsel. Einen tschechischen Korridor, der systematisch gebaut unb unterbaut wurde, unb ben man jetzt verbreitern will burch Ausrottung ber Menschen im Subeten­lanb.

Herrlich ist ber Blick von der Burg, vom H r a - bschin, über bie Moldau auf die Brücken von Prag. Die Meisterschöpfungen eines Peter Parier und die Türme von St. Joseph, von St. Tomas, unb St. Veit umrahmen bie alte beutsche Reichskanzlei. Hier sind bie beiden steinernen Pyramiden mit ben Kreuzerln darüber, bie Erinnerung an bie rounber» bare Errettung ber kaiserlichen Räte, bie man an einem Maientag des Jahres 1616 aus ben Fenstern ber Statthalterei in ben Festungsgraben warf, wor­auf benn in Europa ein kleiner Krieg begann, ber brei Jahrzehnte gebauert ...

Das Paradies tm Urwald.

Von Hermann Hesie.

Der Europäer, der mit anderen als geschäftlichen Absichten nach den malayischen Inseln fährt, hat stets, und wenn er auch gar nicht auf Erfüllung hofft, als Hintergrund feiner Vorstellungen und Wunschbilder eine Robinsonade ober bie Lanbschast unb primitive Parabiesunschuld einer van Zanten- schen Insel. Reine Romantiker werben biese Para­diese gelegentlich auch finden und eine Weile, be­zaubert von ber gutartigen Kinblichkeit ber meisten Eingeborenen, Teilhaber an einem köstlichen Ur- zustanbe unb in die Morgenfrühe des Menschen­tums zurückgekehrt zu sein glauben.

Mir ist ber Genuß einer solchen schönen Selbst­täuschung nie geworden, nicht weil ich ihn mir nicht gewünscht ober weil es mir zu sehr an Glauben gefehlt hätte, fonbern weil ich unklugerweise in ber Heimat Spannungen unb ungelöste Probleme zu» rückgelassen hatte, bie mich im Innern festhielten unb es mir erschwerten, ben Bezauberungen zu unterliegen. Aber ein Parabieschen für Tage habe ick bennod) gefunben, einen weltfernen Platz hach oben an einem Strom namens Batang Hari. Dort war ich eine Woche lang im Urwald zu Gast, dort wurde mir wohl und heimisch, und dieser kleine Ort am Batang Hari ist es, der in meiner Erinne­rung die ganze Wald- und Stromwelt von Sumatra zusammenfaßt und ausdrückt. Sein lieblicher Name war Telaiana, unb er war noch nicht einmal ein richtiges Dorf, fonbern nur ein provisorischer Unter­schlupf für Holzfäller. Er liegt zwei Tagereisen fluß. aufwärts von Djambi, unb zur Zeit meines Be­suches war er, in einem kaum erst friedlich ge­wordenen Äoloniftengebie* ber erste Vorposten einer holländischen Gesellschaft, oie dort burch einheimische Arbeiter ben Urroalb anzuzapfen versuchte unb eine Konzession für bas Schlagen von Eisenholzstämmen besaß. Außer ben paar Hütten ber Walbarbeiter hatte man hort auch eine Rasthütte für etwaige Besuche ber weißen Herren erbaut, einen kleinen, hübschen Pfahlbau, ganz nahe am Flußufer.

Dort wohnten mir zu vieren samt unserem chine­sischen Koch Gomok in unsrer Hütte aus Bambus, Deren Dach unb Wände aus Palmblättern gefloch­ten waren unb bie auf hohen Pfählen ruhte. Da hingen wir in unsrem gelben, zierlick geflochtenen Käfig zweieinhalb Meter hoch über ber Erde auf Stangen, und lebten, wie es uns gefiel. Die beiden Kaufleute gingen auf Jagd oder taxierten bie im Walde rubenben Kapitalien an Eisenholz, ber Ma­ler stieg mit einem Aquärellkasten am Ufer herum unb ärgerte sich über bP Malaienweiber, die von weitem so schelmisch dl'cktSst^und bann, wenn man in die Näh« kam, so scheu waren, daß keine sich

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