Ausgabe 
4.12.1933 Drittes Blatt
 
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Bornotizen.

Tageskalender für Montag: Stadt­theater: 20 bis 22 Uhr, Tanzgastspiel Mathilde Buhr, Joachim von Seewitz. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Heideschulmeister Uwe Karsten". Turmhaus am Brand, 16 bis 18.30 Uhr, Kunst­ausstellung. Gesellschastsverein e. B. (Klub), 18 Uhr, Gartensaal, Mitgliederversammlung. Deut­sche Frauenkultur, Ortsgruppe Gießen, Eaf6 Amend, Billardsaal, 14 bis 20 Uhr, Weihnachts-Messe. Evangelische Stadtmission, 16.30 (für Kinder) und 20.30 Uhr, Lichtbildervortrag:China".

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, einmaliges Tanz- Gastfpiel des bekannten Tanzpaares Mathilde Buhr und Joachim von Seewitz. Das Pro­gramm des Abends bringt:Phantastische Tänze". Leitung des Stadttheater-Orchesters hat Kapellmei- ster Fritz C u j e. Das Gastspiel ist außer Abonne­ment und zu kleinen Preisen von 0,30 bis 1,50 Mk. Ende: 22 Uhr. Dienstag, 5. Dezember, als 10. Vor­stellung im Dienstag-Abonnement das Schauspiel: Am Himmel Europas" von Schwenzen-Malina. Spielleitung: Anton Neuhaus. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22.15 Uhr.

*

** Der Tag des Pferdes wurde gestern in unserer Stadt in schöner Weise begangen. Von Oswaldsgarten aus bewegte sich ein langer Zug von Pferden und Wagen mit vielen abwechslungs­reichen Bildern durch zahlreiche Straßen der Stadt und fand dabei die volle Aufmerksamkeit der Bür­gerschaft. Nach bem Umzuge folgte der Aufmarsch auf Oswaldsgarten, wo der Direktor des Tierzucht­instituts an der Universität Gießen, Professor Dr.

Gedenket der hungernden Vögel!

Schuht dieZugtiere vor derMte!

Craemer, eine eindrucksvolle Ansprache über das Pferd und seine herrliche Kameradschaft mit dem Menschen hielt. Anschließend wurden zahlreiche Pferde, die Veteranen des Weltkrieges sind, von einem Vertreter des Tierschutzoereins mit Kränzen geehrt, lieber den Verlauf dieser Veranstaltung wer­den wir morgen näher berichten.

** Sperrung der Schloßgasse. Don der Polizeidirektion Gießen wird uns mitgeteilt: Wegen Abbruchs des Hauses Schloßgasse Nr. 13 wird die Schloßgasse vom 4. Dezember ab auf die Dauer von drei Wochen für jeglichen Fahrzeugoerkehr gesperrt.

** D t e Gemeinde-Hunde st euer, die für das Kalenderjahr 1934 festgesetzt wurde, betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. Hundebesitzer feien besonders darauf aufmerksam gemacht.

** Vor der Inbetriebnahme der Eis­bahn. Der strenge Frost in den vergangenen Näch­ten hat die Eisdecke für die Eisbahn an der Moltke- ftrafje geschlossen und bereits zu 5 Zentimeter Dicke anwachsen lassen. Wenn der Frost auch heute Nacht anhält, wird voraussichtlich morgen um 11 Uhr die Eisbahn eröffnet werden können.

** Frist für Steuererklärungen vom 1. bis 15. Februar. Wie das DdZ.-Büro mel­det, hat des Reichsfinanzministerium als Frist für die allgemeine Abgabe der Steuererklärungen für die Veranlagung zur Einkommensteuer, Körper­schaftssteuer und Umsatzsteuer für die im Kalender­jahr 1933 endenden Steuerabschnitte die Zeit vom 1. bis 15. Februar 1934 bestimmt.

** Keine Selbstversorgung der Gast- wirte mit Branntwein. Gastwirte, die nicht bei der Zollbehörde als Trinkbranntweinhersteller angemeldet sind, dürfen sich nicht Sprit beschaffen und daraus die für ihren Ausschank erforderlichen Trinkbranntweine durch Mischung mit Wasser und Essenzen selbst Herstellen. Das Reichsfinanzministe­rium macht darauf aufmerksam, daß hierin eine Hinterziehung der Branntweinzuschlagssteuer liegt, die zu bestrafen ist und die Entziehung der Schank­erlaubnis nach sich ziehen kann. Die Zollbehörden sind angewiesen, gegen solche Gastwirte unnachsicht­lich vorzugehen.

** Spende für das Winterhilfswerk. Je 730 Mk. führen die Angestellten und Arbeiter von Schade & Füllarabe A.-G. in den 6 Monaten Oktober 1933 bis März 1934 = 4380 Mark an das Winterhilfswerk ab.

** Neue Bücher in der Bücherhalle. In den letzten - Wochen sind in der Bücherhalle folgende Bücher neu eingestellt worden: Gedichte: A. Miegel, Gesammelte Gedichte. H. Sachs, aus­gewählte poetische und dramatische Werke. L e - oensbeschrelbungen: E. Czech - Jochberg, Unser Führer. P. de Krull, Kämpfer für das Leben. I. Plüschow, Günther Plüschow, deutfcher Seemann und Flieger. Reisebeschreibungen: A. Kar­lin, Einsame Weltreise K. Faber, Weltwanderers letzte Fahrten und Abenteuer. H Jngstad, Pelz- jäqerleben in Kanada. W Langewiesche, Das ame­rikanische Abenteuer. W. Penck, Puna de Atacarrna, G. v. Jungenfeld, Ein deutsches Schicksal im Ur­wald. E. v. Kapherr, Die Abenteuer des Fürsten Dschaparidse. Geschichte, Kriegsgeschichte: H. Gumprecht, Die magischen Wälder. H. ©rote, Das Schicksalsbuch des deutschen Volkes. Stein­hardt, Wir reiten still, wir reiten stumm. R. Schneider, Die Hohenzollern. M. v. Richthofen, Der rote Kampfflieger. Volkswirtschaft, Poli­tik: A. Ehrt, Bewaffneter Aufstand Th. Lüddecke, Meisterung der Maschinenwelt. Fr. Burgdörfer, Volk ohne Jugend. ©. Gedye, Die Revolverrepu­blik. R. W. Darr6, Neuadel aus Blut und Boden. Technik: C. Matschoß, Technische Kulturdenk­male. Philosophie, Erziehung: F. Kun­kel, Die Arbeit am ©ha* ifter. A M Roos, Ver­borgene Kräfte. H. Duvert, Die Frau von heute, ihr Weg und Ziel. W. Hoffmann, Die Flegeljahre. Krankheitslehre: E. Liek, Krebsverbreitung, Krebsbekämpfung, Krebsverhütung. G. V-mzrner, R-gler des Stoffwechsels. Romane: I. Klepver, Kahn der fröhlichen Leute. H. Brandenburg, Pan- froi der Hirt-nbub. R. S-xan, Brigitta. E. Reger, Schiffer im Sttorn. F Beielstein, Rauch nn der Ruhr. Th. ©oote, Die Fahne hoch. H. W G"ißler, Der letzte Biedermeier. M Hänsmann, Abel mit 6er Mundharmonika. R. Schaumann, Simei. K. Schenfinger. Hitlerjunge Quer. W. Desver, Sam in Schnabelweide I. Frank, Keine Angst vor morgen S. G. Millin, Gottes Stiefkinder D. Ziegel, Der Mann, der die Frauen anzog. F. Kraze, Die schöne und wunderbare Jugend der Hadumoth Sieb-nstern. O. Brües, Das Mädchen von Uttecht. W. Scharrelmann, Das Fahrhaus. I. v. Arnmers» Küller, Der stille Kampf. W. Deeping, Der Schick- jalshof.

RS-Vvlkswohlfahrl des Kreises Gießen.

Cs kommt in letzter Zeit wiederholt vor, daß auf das Konto der NS.-Volkswohlfahrt bei der Bezirks- sparkasse Gießen Konto Nr. 4513 von Privat­personen Beträge eingezahlt werden, ohne nähere Angabe, welchem Zweck der eingezahlte Betrag die­nen soll. Verschiedene Mitglieder der NS.-volks- Wohlfahrt sind dazu übergegangen, ihren Monats- beitcag einzuzahlen, ohne den Verwendungszweck mitzuteilen. Bei der Vielseitigkeit der Einzahlungen ist es schwer, alsdann diese Beträge als Mitglieds­beiträge zu erkennen. Bei Einzahlungen auf das Konto 4513 bei der Bezirkssparkasse Gießen ist immer anzugeben, ob der Betrag für bas Winter- hilsswerk, oder für die NS.-Volkswohl­

fahrt (N S V.) bestimmt ist. Die NS.-volks- wohlfahrt ist eine vom Führer geschaffene Mohlfahrtsorganisation und ist nicht zugleich das Winterhilfswerk. Lediglich die Durchführung des Winterhilfswerks unter Mitarbeit der anderen Wohlfahrts-Einrichtungen und -verbände bildet zur Zeit die Hauptarbeitsleistung der HSV. Ls ist daher unbedingt erforderlich, daß für die Zukunft bei Einzahlung von Beträgen auf obenerwähntes Konto der Verwendungs­zweck angegeben wird.

heil Hitler!

Gez. K l ö ß, kreiswalter der HSV.

Gondergenchi in Gießen.

Unter dem Vorsitz von Lan^gerichtsdirektor H e ck l e r (Darmstadt) hatte sich am Samstag das Sondergericht mit fünf Vergehen gegen den § 3 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 21. März 1933 zum Schutze der nationalen Regierung und der hinter ihr stehenden nationalen Verbände gegen heimtückische Angriffe zu befassen.

Der in Berlin wohnhafte Kaufmann Albert Bleicheröther, zur Zeit in Untersuchungshaft, schickte von Bad-Nauheim aus, wo er sich zur Kur aufhielt, einen Zeitungsausschnitt, der sich mit der seiner Zeit erfolgten Verhaftung bayerischer SA.» Leute durch die Dollfuß-Regierung befaßte, an den Stabschef der SA., indem er u. a. seine Billigung der Verhaftung zum Ausdruck brachte. Außerdem gebrauchte er auf diesem Zettel gegenüber den Ministern Göring, Goebbels, Frick und Frank schwer beleidigende Ausdrücke. In Anbetracht seiner verminderten geistigen Konstellatton und anderer körperlicher Gebrechen erkannte das Gericht, ent­sprechend dem Antrag des Vertreters der Anklage, auf eine Gefängnisstrafe von fünf M o - nuten unter Anrechnung von vier Monaten Untersuchungshaft. Die Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte.

Der bei Ockstadt beschäftigt gewesene Schweizer Franz Meisner äußerte Ende Oktober d. I. bezüglich des Reichstagsbrandes zu einer Haus- angestellten schwer beleidigende Worte gegen Hitler und Göring. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte schon bei früherer Gelegenheit seine kommunistische Einstellung zeigte. Der Staatsan­walt beantragte ein Jahr Gefängnis. Das Urteil lautete in Anbettacht des Geständnisses des Ange­klagten und der Tatsache, daß er bis jetzt unbe­straft ist. auf neun Monate Gefängnis.

Eine Ehefrau hatte sich wegen dummer Schwätze- reien über den Führer zu verantworten, u. a. meinte sie anläßlich der Reichstagsauflösung im Oktober,Hitler wäre zurückgetteten, die alten Parteien wären wieder aufgenommen und das fei ganz gut, sonst gäbe es bis zum Frühjahr Bürger­krieg". In Anbettacht des Widerrufes der einen Aeußerung erkannte das Gericht auf vier W o -

chen Gefängnis. Außerdem trägt die Ange­klagte die Kosten des Verfahrens.

Wegen ähnlicher dummer Schwätzereien und Be­merkungen stand bann ihr Ehemann vor Gericht. Nach dem Sachverständigengutachten handelt es sich bei dem Angeklagten um einen etwas beschränkten Menschen. Jedoch konnte der § 51 RStGB. keine Anwendung finden. Nachdem der Anklagevertreter die Entscheidung in das Ermessen des Gerichts stellte, lautete das Urteil auf eine Gefängnis­strafe von sechs Wochen, die mit der er­littenen Untersuchungshaft als verbüßt gilt.

Schließlich hatte sich das Gericht mit dem Hilfs­arbeiter Heinrich Richard M a r s ch e ck aus Wieseck zu befassen. Durch die Beweisaufnahme, insbe­sondere durch das Gutachten eines Schriftsachver- ftändigen aus Darmstadt, wurde festgestellt, daß der Slngetlagte in den Hof des jetzigen Bürger­meisters sowohl als auch auf die Treppe eines Wiesecker Geschäftsmannes Zettel mit folgender Aufschrift warf:Wir gedenken des 1. Mai, wo unser Blut geflossen in ganz Deutschland. Einst kommt der Tag, da wir uns rächen werden. Es lebe die Weltrevolution. Wir gedenken der Ge­nossen, die ihr Leben ließen durch die braunen Mordbanditen" usw. In feinem Plädoyer betonte der Staatsanwalt, daß dieser Fall im Vergleich zu den vorhergehenden Fällen besonders schwer ge­lagert sei und zwar so schwer, wie man ihn selten selbst vor den Sondergerichten finde. Die Persön­lichkeit des Angeklagten sei so, daß man ihm die Tat zutrauen könne. Nach den Zeugenaussagen war er nicht nur gewöhnliches Parteimitglied der KPD., sondern ein aktiver Kommunist. Die Tat beging er im August. Er war also gewillt, trotz Verbotes noch für die Partei zu arbeiten. Nach Ansicht des Staatsanwalts hat man es hier mit einem gefährlichen Gegner der nationalen Regle- rung zu tun, der keine Einsicht kenne. Entsprechend seinem Anttag erkannte das Gericht, das sich auch in der Urteilsbegründung der Auffassung des An- flageoertrefers anschloß, auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis. Die Kosten des Ver­fahrens trägt der Angeklagte.

Gin Gefpensterschiff kreist um den Nordpol.

Amundsens ,/Slaub* alsFliegender Holländer^ im ewigen Eis.

Von Franz Langer.

DieM a u d", bas berühmte Expebitions- sch ff Amundsens, ist ohne Mannschaft im Packeis zwischen Spitzbergen unb Grönland gesichtet worden. Das Schiff war nach dem tragischen Tod des gro­ßen Forschers verkauft worden und wurde 1931 von feiner kanadischen Besatzung, die der Pelztierjaad und dem Pelzhandel nach­gingen, verlassen. Das Schiss ist aber nicht gesunken, sondern scheint vom Eis umschlos­sen, seit dieser Zeit in einer Kreisbahn um den Pol zu treiben.

Grausig sind meist jene Geschichten, die alte See­bären den Landratten aufzubinden pflegen; es wimmelt, wenn man biesen Erzählungen glauben sollte, auf allen Weltmeeren von fliegenben Hollän­dern, von der Mannschaft verlassenen, herrenlos da- hintreibenden Schiften, die dem Schift, in besten Kurs sie kommen, Unheil künden. Sie treiben da- hin, von geheimnisvoll-geisterhaftem Steuermann gelenkt, und, betritt man frevelnd das Gespenster­schiff, findet man vielleicht noch Blutspuren, die von schrecklichen Kämpfen zwischen der ehemaligen Be­satzung und unbekannten Gegnern herrühren. Oft ist man mit Recht geneigt, diese Seebärenerzählun­gen in das Bereich zu verweisen, bas bie Seeschlange regiert. Es gibt aber auch Schisse, bie, von der Mannschaft verlassen, aus den Weltmeeren treiben. Sie können auch Unheil bebeuten, benn oft genug sind bei Nacht und Nebel diese verlorenen Schiffe zu schweren Gefahren für bie Schiffahrt geworden.

Nun bringt aus Skandinavien die Kunde zu uns, daß unweit des Nordpols ein Schiff, das von allen Lebewesen längst verlassen ist, gesichtet worden ist. Es ist nicht einmal ein gewöhnliches Schift Ganz Europa, die ganze Kulturwelt hatte einst den Klang [eines Namens im Ohr, als der große Norweger Roald Amundsen auf ihm seine kühnen For- scherfahrten ausführte: dieM a u d". Wechselnd wie selten das Schicksal eines Schiffes war das der Maud", ehe es nun, in den Bann des Polareises geraten, in geheimnisvollem Kurs um den Pol glei­tet, von keines Menschen Hand geführt. Einst wurde es als Werkzeug kühnen Forscherdranges in bie ewigen Weiten der Volarmeere gelenkt, und nun läßt der Pol das Schiff nicht mehr los, genau fo wenig wie den Mann, der es einst führte. Beide sind in Nacht und Eis verschollen, Amundsen und seineMaud". Vielleicht führt einmal der Zu- fall einen Menschen zu der Stelle, an der Amund­sen nach heldenhaftem Rettungsversuch seine letzten Atemzüge tat, wie man vor einiger Zeit den Schwe­den Andräe fand, nachdem mehr als drei Jahr- zehnte seit seinem verwegenen Polslug mit dem Bal­lon vergangen waren. Und vielleicht gelingt es ein­mal, das Schift, das man jetzt wieder gesichtet hat, Heimzubringen in das Land des toten Forschers, zu seinem Andenken, nachdem längst die Fragen erstorben sind, ob Amundsen noch zurückkehren könnte, und nachdem es wohl ganz sicher ist, baß die unendliche Eiswüste unerbittlich und grausam bas Geschick des Wiking-Nachfahren erfüllt hat.

Ungewöhnlich wie bas Schicksal dieses Schisses, das jetzt der Vergessenheit wieder entrissen wurde, war auch seine Entstehung. Er war ganz das

Werk seines großen Besitzers, auch äußerlich, in feiner ungewohnten Bauart. Lange Erfahrungen hat damals Amundsen ausgenutzt, als er den Hilfs­motorschonerMaud" bauen ließ. Er lernte kennen, welche Fehler für den Arktisforscher dieGjöa" hatte, mit der er den magnetischen Nordpol und die Nordwestpassage sand, und nicht weniger die F r a m", das alte Schiss Nansens, mit der er im August 1910 ausgefahren war, um in sieg­reichem und stürmischem Vordringen den Südpol zu erreichen, während fein unglücklicher Widerfacher Kapitän Scott wenig später ans Ziel kam, aber nie heimkehrte. Aus all diesen Erfahrungen und auf Grupd der Theorien, die ihm in feinen Jüng­lingsjahren der damalige Direktor der Hamburger Seewarte, Dr. N e u m a i e r, eingepaukt hatte, baute er nun dieMaud", als er berühmt genug geworden war unb damit bie Mittel in bie Hanb bekam, um den Plan eines Spezialschiftes zu ver­wirklichen.

Das Problem für Amundsen war, ein Schift zu bauen, das den vesonders schweren Beanspruchun­gen der Arktis gewachsen war. Das Schift mußte es aushalten, vpn der ungeheuren Gewalt Der Eispressung in die Höhe gehoben und zur Seite gelegt zu werden. Also baute Amundsen bie Maub" f a st in Ei form unb fast ohne [eben Kiel So konnte es ber Bezwinger bes Sübpols enblich wagen, sich bem Eis zu überlasten, benn dieses Schift bot den Eismassen nur sehr wenig Angriffsfläche, würde also überhaupt nicht zerdrückt werden. Amundsens Theorie hat sich dann auch als richtig erwiesen.

Nur das Wetter hat Amundsen und seinem Schiff einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn als er 1918 durch die Norbostpassage im Norden Sibiriens Kurs nahm, um dieMaub" möglichst rasch in bie Oberslächensttömung hinein- Aubringen, wo es einfrieren unb mit berTrift" dem Nordpol zugetrieben werden sollte, begann eine Reihe schlechtester Eisjahre. In drei Wintern fror die Expedition im Norden Sibiriens fest unb konnte nicht weiterkommen. Fast schien es, als ob an Amundsen und an seinerMaud" sich bas Schicksal ber Polarnacht erfüllen sollte, schon würbe ein amerikanischer Zollkutter entfanbt, um ben ver­schollenen Forscher zu suchen. Unb noch ein brittes Mal versucht es ber Forscher, auf einer Triftfahrt bem ersehnten Ziel nahezukommen, ehe er von ber Maud" Abschied nimmt, um es mit dem neuen Verkehrsmittel, dem Flugzeug, zu versuchen: bas waren jene zwei deutschen Dornier-Wal-Flugbovte, mit denen er auch für lange, bange Wochen ver­schollen blieb, ehe es ihm gelang, die eine der Maschinen ilottzumachen unb dem Lande der Nacht und des Eises zu entfliehen.

Für das Schiff schien die große Zett vorbei, es sollte fortan einen sehr prosaischen Zweck erfüllen. Als es 1925 heimkehrte, kaufte es eine amerikanische Gesellschaft für ben Pelztierfang in ber Nordwest passage. Lange war dieMaud" oergeffen, wenn auch in Norwegen immer wieder der Plan trroogen wurde, das berühmte Schiff zu erwerben. Das Geld fehlte aber. Dann kam vor ein paar Jahren eine letzte Nachricht: In der

Cambridge-Bucht war dieMaud" gestran­det, und die Mannschaft verließ das Schiff. Aber Schiffe sterben schwerer als Menschen. Während sein aroßer Führer das Opfer seiner heldenhaften Hilfsbereitschaft gegenüber wurde, ist sein Schiff wohl auch von Eismassen umschlossen, aber mit ihnen treibt es auf bem Rücken ber Meeresströ-

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mungen runb um ben Pol. Den hat trotz ge­waltigster Ansttengungen boch nicht Amundsen zu­erst erreicht, weil ein anderer, Glücklicherer, der Amerikaner Byrd, chm zuvorgekommen war, wie er selbst einst Scott ben Ruhm bes Sübpol» Entdeckers abgejagt hatte.

Ohne Rast treibt bas Schiff, fern ben von Men­schen bewohnbaren Gebieten, immer in geheimnis­vollen Kreisen um den Pol herum. Der hat bas Schiff in feinen Bann geschlagen und läßt es nicht mehr los. Zeitlos ist der Weg, riesige Entfernun- aen hat dieMaud" schon zurückgelegt, feit die letzten Menschen sie verließen; teils wird es vom Eise getragen, teils von den eisig-grünen Fluten bes arktischen Meeres. Wohin geht sein Weg? Der Mann, ber es jetzt sah, glaubt, es könnte vielleicht allmählich zwischen Grönlanb unb Spitzbergen ge­trieben werben, wo es ben Menschen leichter er­reichbar wäre. Aber bas kann Jahre bauern.

Oberbeffen.

Ministerialrat Ningshausen in Langsdorf.

oo Langsdorf, 3. Dez. Unsere Drganifatio- nen der NSDAP, hatten auf heute zu einer fett langem erwarteten Kundgebung eingeladen. Wir hatten die Freude, den nach Sprache und Ge­samthaltung ganz oberhessischen Ministerialrat Ringshausen zu hören. Bei vollbesetztem Hause eröffnete Sfützpunktleiter Fabian die Zusammen­kunft mit Worten der Begrüßung. Unser Gesangver- ein brachte deutsche Lieder zu Gehör. Ministerialrat Ringshausen erinnerte an eine Versammlung vor etwa acht Jahren im gleichen Raume, wo da­mals die Gewalten des inzwischen rühmlos ver­sunkenen Deutschland gegen das dagegen anfämp- fende neue Deutschland aufbegehrten. Dann machte der Redner in großem Zuge den Unterschied zwi­schen einst und jetzt deutlich und umriß sowohl die Ausgaben des unter dem gottgeschenkten Führer ge­einten Deutschlands, wie auch das Wesen des auf Glauben, Blut, Rasse und Boden begründeten natio­nalsozialistischen Menschen. Die Langsdorser Ver- fammlung, der aus der Geschichte ihres Dorfes diese Ausführungen nichts durchaus Neues waren, beant­wortete Ringshausens Darlegungen mit bem freu- bigen Gesang bes Deutschland- und bes Horst- Wessel-Liedes.

Landkreis Gtetzen.

X Wieseck, 3. Dez. Die Ortsgruppe Wieseck der Deutschen Stenographenschaft hielt gestern im Lokal Döbus eine Versammlung ab, bie von Ortsgruppenführer Abolf Kling eröffnet würbe. In Erledigung ber Tagesorbnung gab er bekannt, baß bie Ortsgruppe in ber nächsten Zeit viele Neuanmelbungen aus ben Ansängerkursen er­halten wirb. Weiter würben bie Diplome vom Ver- banbswettschreiben in Friedberg verteilt, auf bem unsere Teilnehmer gute Erfolge erzielten. Es er­hielten in 80 Silben ben 1. Preis: Elfriede Kai - f e r. In 100 Silben Friba D ö r i n g e r, Lina Bötz unb Friebrich H i l b e b r a n b ben 1. Preis. In 100 Silben ben 1. unb Ehrenpreis Emmi Schäfer. In 120 Silben Abolf Schmidt ben 1. Preis. Nach ber Umgestaltung bes Unterrichts- planes übernimmt Ortsgruppenführer Kling einem vorangegangenen Vorstandsdeschluß zufolge ben aus dem Anfängerkursus gebilbeten Fortbilbungskursus, Otto Deibel ben jetzigen Fortbilbungskursus. Für ben aus biensttichen ©rynben scheidenden Rechner Fr. Hildebrand wurde Walter F a a tz zum Kassierer bestimmt. An Stelle des sonst üblichen Winterfestes wird am Samstag, 9. Dezember, im Saal von Döbus bie Ortsgruppe für ihre Mit­glieder, deren Angehörige sowie Freunde der Sache eine Weihnachtsabendfeier veranstalten.

£ Wieseck, 4. Dez. Am Donnerstag, 7. Dezem­ber, nachmittags und abends wird im Saale von Heinrich Braun ber Tonfilm vom Deut- schen Turn fest in StuttgartTreue unse­rem Volk" gezeigt. Allen Svortsfreund-'n wirb dies Gelegenheit aeben, das Fest von Stuttgart im Geiste zu erleben.

z Großen-Linden, 3. Dez. Das e v a n o e - l i f ch - k i r ch l iche Sterberegister des Kir- Schlecht Wetter droht!

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