Ausgabe 
4.11.1933 Zweites Blatt
 
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«en handeln die Menschen darnach, nur die besten lebenstüchtigen Exemplare au kreuzen, Hier wird der ganze wissenschaftliche Apparat in Bewegung gesetzt, um wesentlichen Nutzen aus jeder Erfah­rung und Beobachtung herauszuziehen. Aber beim Menschen hält man das alles nicht für notwendig.

Neben all den Aufgaben, wie Behandlung und Pflege des Säuglings und Kleinkindes mit beson­derer Berücksichtiming der Pflege der werdenden Mutter und der Wöchnerin, wie es bereits z. T. in den Mütterschulen geschieht, in denen z. B. auch die Herstellung einfachsten Spielzeugs und die zweckmä­ßige Beschäftigung der Kinder geübt wird, muß der Ernährungs- und Gesundheitsfrage ein breiter Spielraum zukommen. Eins aber muß in den2c* bensschulen" vor allem erörtert werden, die Bedeu­tung und Wichtigkeit der sexuellen Pro­bleme! Uns hilft alles Heucheln und Herum- drücken um diese wichtigste Frage nicht weiter, denn die soziale Frage wird im Ehebett gelöst. Am Anfang war das Geschlecht! Das müssen wir begrei­fen lernen. Und erst die rechte Kenntnis von diesen Dingen wird uns wahrhaft frei machen und uns auch mit der nötigen Ehrfurcht vor der Gröhe ech­ter Menschenliebe erfüllen.

Anaefangen von den körperlichen und geistigen Unterschieden zwischen den Geschlechtern ist die Ent­wicklung beider in den verschiedenen Phasen zu kennzeichnen. Was ist die Bestimmung der Frau? Was ist Liebe? Zeugung und Entwicklung.

Die Ehe, chr Einfluß auf Gesundheit und Lebens­dauer. Wer darf heiraten? Die Bedeutung auf Sattenwahl für die Nachkommenschaft Desruch, hing und Vererbung. Rassenhygiene Ahnen- und Familienforschung. Die Familie. Die rechtliche Stellung der Frau in der Ehe. Mutter und Kind. Das Geschlechtsleben Geschlechts­krankheiten. Prostitution. Die Kunst der sexuellen Lebensführung usw.

Immer wieder müssen wir den jungen Mädchen und Männern zeigen, was die Ehe wir kl ich fein kann, was sie biüigerroeife zu erfüllen ver­mag, was wir tun und lasten müssen, um das ehe­liche Glück dauernd an uns zu ketten. Das Hohelied der Mutter soll erklingen, die der Genius der Menschheit ist. Was wir Männer im Leben werden, ist immer das Werk unserer Mutter! Hier darf nicht trockener, altbackener Derstand allein belehren wol­len, sondern das Herz rede mit glühender Begei­sterung die Sprache des Gefühls. Eine neue Sitt­lichkeit soll das kommende Geschlecht erfüllen, denn alles Wissen nutzt im letzten Grunde nichts, wenn es nicht die Seele entflammt. So soll dieseSchule" den Charakter entwickeln, und durch Wissen zum Gewissen gelangen! Dann wird die Ehe eine Lebensgemein­schaft werden, in der Eltern und Kinder die ehrlich­sten und aufrichtigsten Freunde sind. Wie werden Kinder dann die Liebe von Vater und Mutter ein­schätzen, diese Liebe, die sehend und vernün- ti g ist!

Aus der Provinzialhaupistadt.

D.e Tat.

Denn das Erworbene wär's mit einem Tropfen Schweiß auch nur erworben ist mehr als das Gefundene uns wert. Kleist.

Dünsche werden manchmal plötzliches, ungeahntes geschenktes Glück, Märchen und Sagen erzählen von guten Geistern mit wunderbaren Gaben, von ver­borgenen, plötzlich entdeckten Schätzen, von golde­nen Bergen und silbernen Schlössern. Und nicht nur Kinder träumen von solchen Paradiesen.

Und so spinnt sich ein Traum an den anderen. Und es gibt Menschen, die kommen aus diesen Träu­men zeitlebens nicht heraus. Sie warten und war­ten und leben fast mehr in Zukunft und Sehnsucht als in Gegenwart und Wirklichkeit.

Sie vergessen, daß zur Wirtlichkeit das Wirken gehört und daß Warten kein Leben ist. Und daran lieat's, daß selbst die unerwartete Erfüllung ihrer Wünsche, wo sie einmal eintrifft, nicht oorhält.Wie gewonnen, so zerronnen" sagt das Sprichwort. Und es hat schon mancher das große Los gewonnen, der hinterher keinen Deut glücklicher war, als zuvor.

Bauen ist besser als Träumen und Wirken, besser als Warten. Wir müssen rechtzeitig den wahren Zauber der Welt begreifen und üben lernen: den Zauber der Tat!

Die Welt wartet nicht auf uns. Wir dürfen nicht warten, bis sie zu uns kommt, sondern müssen zu ihr hingehen. Sie ist der Rohstoff unserer Arbeit; der große, oft harte, oft aber auch so edle und schöne Marmorblock, aus dem wir die Form un­seres Lebens herausmeißeln sollen. Und das Glück! Wir können alle daran teilhaben. Wir brauchen nur unser Leben als das zu erkennen, was es ist ober doch sein könnte und sollte: unser Kunstwerk!

Bauen und formen wir Stück für Stück! Hier bringt uns die Arbeit Gewinn, dort fammeln wir den Gewinn sparsam auf, und Schritt um Schritt mehren wir unseren Besitz, unsere Lebenssicherheit, unseren Einfluß auf Menschen und Dinge. Das ist alltäglich gedacht, gewiß! Aber in den Fragen der Sittlichkeit und Vernunft sind die besten Losungen meist die allerälteften. Fleiß und Sparsamkeit sind immer das beste Fundament für den Lebensbau gewesen und werden es auch in alle Zukunft blei­ben. Und indes die Träumenden immer unzufrie­den über die Gegenwart hinausfliegen möchten, gründen die Schaffenden bleibende Statten der Be­haglichkeit für sich und für andere.

Denn an jedem Stein, den wir behauen und ein­fügen, hängt nachher für alle Zeit der Stempel un­seres Selbst, wie ein Siegel unserer Herrschaft; hängt freudiger Stolz über ein Stück bezwungener Natur, hängt ein verkörperter Teil unseres Lebens. Wir können an nichts so innige Freude haben, wie an dem, was wir selbst erschaffen.

Wir kennen auch den Wert keines Dinges bester als den des selbst geschaffenen. Durch jeden Ge­danken und jeden Schweißtropfen, den es uns ge- kostet, ist cs mit uns verwachsen. Und darum gibt auch der selbsterworbene Schatz ein viel echteres und dauernderes Glück als der gefundene. Das Glück, das wir erarbeiten, ist das Glück, das wir verdie­nen. Es gibt uns innerlich etwas, was uns fein Geschenk des Zufalls geben kann. Es fetzt uns in ein anderes Verhältnis zu Gott und Welt und Men­schen. Es gibt Zufallssieger und berufene Sieger auch im Wettkampf mit dem Schicksal. Jenen fallt das Glück als Deute zu, die sie nicht dauernd halten und nicht mit innerer Ruhe genießen, da es aud) von ihm gilt:Erwirb es, um es zu besitzen". Berichtigung zum Ausruf des Stahl­

helms vom 31. Cffober 1933.

Anwärter im Alter von über 35 Jahren können in die SA.-Referve ausgenommen werden, soweit sie zur Auffüllung der durch UÜberführung der jungen Jahrgänge aus der Referve in die aktive SA. ge- schwächten Stürme notwendig sind.

Brigade 14 7, Bad-Nauheim.

Wichtig für körperlich behinderte Wähler'

Von der Bürgermeisterei Gießen wird uns ge­schrieben:

Wähler mit körperlichen Gebrechen können auf Antrag einen Stimmschein erhalten, mit dem sie in jedem beliebigen Abstimmungsraum zur Abstim­mung zugelassen werden können. Dadurch können sie insbesondere einen für sie günstiger gelegenen Abstimmunasraum aufsuchen, namentlich solche, die zu ebener Erde gelegen sind. In Gießen trifft dies für die als 2Ibftimmungsräume benutzten lumbal- len, wie die Turnhalle des Realgymnasiums, Lud- wigstraße 11, und die Turnhalle der Schillerschule, Schillerftraße 8, zu. Die übrigen Wahlräume be- finden sich zum größten Teil im Erdgeschoß. Grund- sätzlich muß jede Person, die wählen will, im Ab- ftirnmungsraum erscheinen. Sie kann sich, wenn sie durch körperliche Gebrechen behindert ist, die Stimmzettel eigenhändig auszufüllen ober in den Umschlag zu legen, der Deihilse einer Vertrauens- person oedienen.

Wahlkundgebung und Tbeaterkosie.

Sic Intendanz des Stadttheaters teilt mit. baß in­folge der Wahlkundgebung die Kasiei.stundev am Samstag nur von 10 bis 11.30 Uhr find und ab 19 Uhr Abendkasse.

DieZwölferkarte" im Stadltheater Gießen.

Jeder Deutsche bekennt sich zum Theater des Neuen Reiches durch Erwerb derZwölferkarte."

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns ge- schrieben:

Um weiten Kreisen die Möglichkeit des verbilllgten Theaterbesuchs zu geben, ohne die Bindung eines Abonnements eingeben zu müssen, hat die Inten­danz des Stadttheaters eine Neuerung eingeführt: dieZ w ö l f e r f a r t e". Die Zwölferkarte enthält zwölf Gutscheine für acht Schauspiele und vier Ope­retten; diese Gutscheine werden an der Theaterkasse gegen Eintrittskarten umgetauscht. Die Zwölferkarte ist übertragbar, weder an einen bestimmten Platz, noch an einen bestimmten Tag gebunden und für jede Abendvorstellung gültig. Die einzelnen Vor­stellungen können vom Inhaber selbst ausgewählt werden; auch können an einem Abend gleichzeitig mehrere Gutscheine derselben Zwölferkarte zum Be- such für eine Vorstellung eingelost werden. Der Preis dieser Zwölferkarte kann für alle Vorstellungen im voraus oder in vier Raten bezahlt werden. Man beachte die heutige Anzeige.

Arbeit! Dienst! pflicht!"

Auch aus Kreisen, die nicht Mitglied derDeut­schen Bühne" find, kommen eine ganze Reihe An­fragen nach Karten zur VorstellungArbeit! Dienst! Pflicht!" am heutigen Abend. Die Intendanz hat sich daher veranlaßt gesehen, in Uebereintommen mit dem Vorstand derDeutschen Bühne" Karten im freien Verkauf auszugeben. Außer den Abonnenten derDeutschen Bühne" können Karten zum Preise von 0,30 bis 1,50 Mark an der Theaterkasse in der Zeit von 10 bis 11.30 Uhr und ab 19 Uhr an der Abendkasse an alle sonstigen Thea ter besu- ch e r abgegeben werden. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr.

An die Einwohnerschaft Gießens!

Die in starkem Wachstum begriffene Gießener Hitler-Jugend beabsichtigt, eine eigene Musikkapelle zu gründen. Dazu fehlen jedoch noch einige In­strumente, deren Beschas'ung uns aus eigenen Mit­teln zur Zeit nicht möglich ist. In Gießen gibt es bestimmt eine Anzahl von Instrumenten, die un­genutzt bei ihren Besitzern lagern. An diele richten wir die Bitte, uns die brachliegenden Instrumente gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung zu stellen.

Die Gießener Bevölkerung in ihrer Gesamtheit wird es den Gebern sicher zu danken wissen, wenn demnächst die Straßen unserer Stadt von den flot­ten Märschen des Musikzuges der Hitler-Jugend widerhallen.

Soweit uns Instrumente zur Verfügung gestellt werden können, genügt eine kurze Mitteilung an dieBannführung der Hitler-Jugend Gießen, Aster- weg 23". Die Instrumente werden dann baldigst ab­geholt. Heil Hitler!

Die Bannführung der Hitterjugend Gießen.

Parolen des Tages."

Jünfminutenfenbungen des Südwestfunks.

Am Sonntag, 5. November, bringt der Südweft- funk zum erstenmal Ansprachen zurParole des Tages" von 14 bis 14.05 Uhr und von 17 bis 17.05 Uhr.

Verlegung des Luthertages auch in Hessen.

EPH. Das Landeskirchenamt gibt bekannt, daß in Hessen im Verfolg der Anordnung des Reichsbischofs ebenfalls derDeutscheLuthertag vom 10. No- oember, auf Sonntag, 19. November, ver­legt wird, damit ohne jede Behinderung die evan­gelische Bevölkerung sich an den Vorbereitungen zur Reichstagswahl und an dieser selbst beteiligen kann.

Oie Polizeistunde

für Trinkhallen und Wafferhäuschen.

Die Polizeidirektion Gießen teilt fol­gendes mit:

Der Herr Minister des Innern hat am 31. Mai ds Js. auf Grund des § 14 des Gastftättengesetzes vorn 28. April 1930 zufolge Verordnung über Die Regelung der Polizeistunde für Eisdielen, Trinkhal­len und Getränkewagen vorn 31. Mai 1931 be­stimmt, daß der Beginn der Polizeistunde für Eis­dielen auf 22 Uhr für Trinkhallen und Getränke- wagen in der Zeit vom 1 April bis 30. September ebenfalls auf 22 Uhr, im übrigen auf 19 Uhr fest- gefetzt wird.

Zuwiderhandlungen gegen diese vorerst nur bis 31. Dezember ds. Js. gültige Verordnung werden bestraft.

Die Verordnung wird, wie festgestellt, von den hiesigen Besitzern der Trinkhallen und Wasserhäus- chen bisher nicht befolgt, jedenfalls in der Annahme, nicht unter diese Verordnung zu fallen, da sie im Besitze einer Schankkonzession seien. Diese Ansicht ist irrig. Auch die im Besitz der Konzession befindlichen Besitzer der Trinkhallen und Wasserhäuschen haben um 19 Uhr ihren Betrieb zu schließen.

Die Beamten sind angewiesen, auf die genaueste I Einhaltung dieser Verordnung zu achten und gegen Zuwiderhandelnde unnachsichtlich mit Strafanzeige I vorzugehen.

Oie heutige Volkskundgebung.

Zu der heute um 14 Uhr flattfinbenben Volkskondgebung in Gießen auf dem Trieb, bei der die bereits angekündigten Redner sprechen werden, ergehen nachstehende Anwei­sungen:

L Ordnungsdienst.

Den Ordnungsdienst außerhalb des Versamm­lungszeltes übernimmt die Polizei, sowie die SS. Den Ordnungsdienst innerhalb des Zeltes versieht lediglich die SS.

II. Aufmarschplan.

Der einzige (Eingang zum Zett befindet sich auf der Seite des Sportplatzes 1900.

Die fiaiferatlee ist ab 11 Uhr für Fahr- zeuge jeglicher Art gesperrt. Umleitung Licher Straße, Am Kugelberg, Grünberger Straße zum Parkplatz. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für Fahrräder. Der Parkplatz wird von der SS. überwacht. Die Zufahrtstraße nach Gießen ab Rödgen und Annerod ist von der Abzweigung Grünberger Straße, Annerod an gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Rödgen, Trohe, wieseck bzw. Grünberger Straße, Annerod, Licher Straße. Die Auffahrt zum Parkplatz am Profestoreneck auf den Trieb.

IIL Fußgangeranmarsch.

weg nach der Liebigshöhe an der Volkshalle links vorbei auf den Trieb.

IV. Fußgängerabmarsch.

Entsprechend Anmarsch.

V. Anmarsch.

Der Anmarsch geschlossener Gruppen (Vereine. Betriebe usw.) nimmt den gleichen weg. Es emp­fiehlt sich, daß die Eintrittskarten im Vorverkauf im Laufe des vormittags in den Verkaufsstellen abgehott werden, voroerkaufs-

stellen bei Richter, Frankfurter Straße, Krauch. Papierwaren, Bahnhofskolonnaden, Buchladen, Sri- tersroeg, Oberhessische Tageszeitung, Ortsgruppe Bord bei Rohl, Lderstraße, Ortsgruppe Ost bei Weber, Kaiserallee, Kreisleitung, Löberstrahe.

VI Aahncngruppen.

Die Fahnen, d. h. nationalsozialistische Fahnen, versammeln sich spätestens um 13.30 Uhr auf dem freien Platz zwischen Zett und Liebisghöhe.

VII. Zeltöffnung.

Die Oeffnung des Zeltes erfolgt um 11.30 Uhr. VIII Schluß der Kundgebung.

Rach Beendigung der Ansprache:» erfolgt zu­nächst der Redner- und Fahnenausmarsch. dann erst ist die Kundgebung geschlossen.

IX. Wirtschaftsbetrieb.

3n der Volkshalle ist wirtschaflsbelrieb.

Die Errichtung des Zeltes ist beendet. Die in dem Zett nntergebrachten Lautsprecher sorgen für einwandfreie Uebertragung der Anfprachen. Das Zett der Firma Strohmeyer & Lo. (Konstanz), das eine Größe von 94X112 Weier aufweist, ist der­art aufgebaut, daß die Volksgenoffen an allen Teilen des Zeltes der Kundgebung von Anfang bis zu Ende folgen können. Der Boden in dem Zett ist gut abgetrocknet, fo daß auch hier keine Mängel auftreten, wie fchon erwähnt, sind die eingehenden Weidungen derart zahlreich, daß -diese Kundgebung alle bisherigen Veranstaltungen in Gießen bei wei­tem übertreffen wird. 3n Anbetracht der nach Gießen kommenden Taufende und aber Taufende Volksgenossen wird von jedem Teilnehmer erwar­tet, daß er die oben angegebenen Anweisungen bis I ins Kleinste befolgt, um fomlt einen reibungslosen Verkehr zu garantieren.

Die firel«leifnng Gießen.

Eintopfgericht und Volksverbundenheit.

Ein einig Volk von Brüdern.

Dorn Gaupresseamt wird zum morgigen Eintopftag geschrieben:

Wie es vielfach ist .. .

Sonntag 13 Uhr. Die zum Fenster hereinlachende Sonne wirft ein leuchtendes Strahlenbündel auf einen geschmackvoll gedeckten Tisch, spiegelt sich wieder in dem glänzenden Porzellan und läßt Die Kristallgläser funkeln. Die Familie hat Platz ge­nommen. Mieze, das niälliche Kammerkätzchen mit dem weißen Häubchen trägt auf. Einer leckeren Suppe mit Krebsschwänzen folgt ein knuspriger Kalbsrücken mit verschiedenen Gemüsen, und den Abschluß bildet eine besonders von der Jugend mit Begeisterung bejubelte Nachspeise. Nach erfolgreich durchgeführtem Dernichtungsfeldzug gegen diese Genüsse zündet sich der Hausherr behaglich schmun- flelnb eine von jenen Zigarren an, deren Dust Zedern Kenner den Preis verrät. Mit listigem Lächeln richtet er, mit dem Finger drohend, an die Hausfrau die Fraye:Weißt du eigentlich, Bert- chen, daß heute Emtopssonntag ist? Auf unserem Tich habe ich davon nichts bemerkt, aber immer­hin ..Hier unterbricht ihn die Hausfrau mit den Worten:ijat es dir geschmeckt? Na schön! Ich sehe nicht ein, weshab wir so ein greuliches (Ein­topfgericht herunterwürgen sollen, denn, wenn nach- her die Sammler kommen, habe ich schon 10 Mark bereitgelegt, und das ist doch schließlich die Haupt­sache."

Wie es sein soll. . .

Ein bürgerliches Heim, ein weiß gedeckter Tisch, auf dem heute der zweite Teller ebenso fehlt, wie jener tleiqp andere, der sonst am Sonntag auf die übliche Süßspeise schließen läßt. Marianne, die Aetteste, rft der Mutter in die Küche gefolgt und bringt nun in einer großen verdeckten Schüssel das Eintopfgericht, weiße Bohnen mit Speck. Mit dem gesunden Appetit gefunZ>er Menschen ver­

schwindet das Gericht bis zum letzten. Nur Häns­chen ist mit dem Mahl nicht ganz zufrieden. Er hatte sich doch so sehr auf den Mandelpudding ge­freut. Die Mutter erwähnt freudig strahlend, daß sie sich genau ausgerechnet habe, durch das heutige Essen fünfzig Pfennig pro Kopf gespart zu haben, und daß sie nachher den Sammlern 2 Mark aus- händigen könne.Schön", sagt der Vater,viel ist es ja gerade nicht, aber, wie ich in der Zeitung ge­lesen habe, kommt es ja weniger auf die Höhe der Geldspende in diesem Falle an, sondern der Sinn der Sache ist ja ein viel tieferer. Seht mal her, Kinder" und dabei zog er den kleinen Hans zu sich heran,so, wie wir heute gegessen haben ist es immer noch üppig, wenn ich daran denke, daß so viele, viele andere fo ein Eintopfgericht als ein Festessen ansehen würden. Wenn unsere armen, vom Schicksal getroffenen Volksgenossen, die oft nur einen Teller Suppe und ein Stückchen Brot auf ihrem Tisch haben, daran denken, was anders Dessergestellte sich leisten können, und so manche Mutter mit wehem Herzen den kargen Pfennig in den Händen herumdreht und sich überlegt, ob sie es wagen darf, am Sonntag einmal ein Stück­chen Fleisch zu kochen, dann scheint diesen Armen ihre traurige Lage noch um vieles trauriger und bitterer. Und darum sollen sie einmal wenigstens im Monat sehen, daß wir freiwillig unsere An­sprüche zurückschrauben, um mit ihnen verbunden au sein auch in der Einfachheit des Mahles. Denn oer MeiPch ist nun einmal so, daß er ein eigenes schweres Los leichter trägt, wenn er weiß, daß es allen anderen auch nicht anders geht. Wir wollen uns doch selbst zu dem Verständnis erziehen für die Not der anderen, wollen versuchen, uns in sie hineinzudenken, damit wir groß werden in dem Willen, arcberen zu helfen in jeder Lage, zu jeder Zeit, und das zu jein, was dem Besten und Größ­ten von uns, Adolf Hitler, als Ziel vorschwebtt Sin einig Volk von Brüdern."

Aenderung des Hess. KeldbereinigungS- gesetzeS.

Durch Gesetz vom 2. Oktober 1933 ist der Absatz 13 des Artikels 67 des Hessischen Feldbereinigungs- Sesetzes vorn 22. November 1923, der von dem ostenwefen handelt, geänbed worden. In der Regel wird für das gesamte Kastenwesen für jede Feldbereinigungsgesellschaft eine Feldbereinigungs­kasse gebildet. Neu ist die Bestimmung, daß künftig für die sämtlichen Gemarkungen des Amtsgerichts­bezirks eines Feldbereinigungskommissars, oder für einen Teil derselben eine einheitliche Feldbereini- gungskajse errichtet werden kann, in welchem Falle die durch die Kassenführung entstehenden Kosten anteilmäßig auf die einzelnen Feldbereiniaungs- gefellschaften ausgeschlagen werden. Während seit­her die Feldbereinigungsrechner von der Dollzugs­kommission mit Genehmigung der Landeskommifsion bestellt wurden, werden künftig die Rechner der Feldbereinigungskasien durch die Landeskommission ernannt, welche auch die entsprechenden Anordnun­gen wegen der Vergütung, der Dienstanweisung und Sicherheitsleistung der Rechner trifft.

Bericht derKriminalpolizeistelleGießen

Ein Student aus Wolfenhaufen bei Weilburg ließ gestern mittag durch einen Kellner der Gast- wirtschaft Boller die Polizeidirektton benachrich. tigen, daß in dem Lokal ein Gast anwesend sei, der steckbrieflich gesucht werde. Als die Polizeibe­amten in dem Lokal erschienen, war der fragliche Gast bereits fortgegangen, er konnte aber in der Grabenstraße eingeholt und fe ft genommen werden. Der Mann leistete bei feiner Festnahme erheblichen Widerstand. Es handelte sich um den 32 Jahre alten Bergmann Adolf Lenz aus Wol- fenhausen bei Weilburg, der am 5. Oktober nach Verbüßung einer Freiheitsstrafe von 3/» Jahren aus der Strafanstalt Ziegenhain entiaffen worden war. In der kurzen Zeit seiner Freiheit hatte Lenz schon wieder eine Anzahl Ein­brüche verübt. Bei seiner Festnahme hatte er eine Mehrladepiftole, Kaliber 6,35, einen Dolch, ein Prismcn-Femglas und 41 Mark Bargeld in feinem Besitz. Das Geld und die Sachen stammen offenbar von feinen jüngsten Diebstählen her Kurz nach seiner Einlieferung In das Polizrigefängnis beging

Lenz Selbstmord durch Erhängen in der H a f t z e 11 e. Die Leiche wurde nach kreisärzllicher Besichtigung dem Neuen Friedhof zugeführt.

pol zeibericht

der Staatspolizeistelle Gießen.

Am 30. Oktober 1933 vormittags wurden durch Beamte der politischen Polizei in der Schloßgasse mit einem Drucktasten hergestellte Flugblätter (ab­geschnittene Geschäftspostkarten mit der Aufschrift Drucksache" und auf der Rückseite liniiert) aufge- funben. Der Aufdruck lautet:SA. steckt Reichstag an. KPD. nicht. RFB. lebt." Ein gleicher Zettel wurde am Abend vorher durch einen Zivilisten in der Rödgener Straße gefunden. Im Verlaufe der Er­mittlungen wurde ein junger Mann als Derdäch- tiger festgenommen, jedoch mußte er wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

Am 2. November wurde ein ähnlicher Zettel mit gleichem Druck in Krofdorf vor einer Wirt­schaft in einen Personenkraftwagen hineingeworfen. Dieser Zettel trug den Ausdruck:Stimmt am 12. Noo. mit Nein. Reichstagswahlzettel ungültig ma­chen. KPD."

Nach den Herstellern und den verbreitern der Flugblätter wird noch gefahndet.

Wegen Vergehens gegen die Verordnung vom 21. 3. 1933 wurden in den letzten Taaen vier Per- fönen aus Gießen und anderen Orten festgenommen.

Welche Anforderungen müssen an die Inventur gestellt werden?

In den vom Wirtschaftsprüfer Hermann Will in Gießen herausgegebenenAktuellen Steuer­fragen" (Rundschreiben Nr. 21) lesen wir folgendes:

Der Reichsfinanzhof hat sich in einem Urteil vom 1. Februar 1933 VI A 1883 bis 1885/31 - (RStBl. 1933, 1062) sehr eingehend mtt der Frage beschäftigt, welche Anforderungen an die Inventur des Steuerpflichtigen gestellt werden müsien. Der Reichsfinanzhof stellt fest, daß weder in der Reichs- abgabenorbnung, noch im Einkommensteuergesetz be­sondere Vorschriften darüber enthalten sind, wie eine Inventur auszustellen tft Deswegen können an die Genauigkeit der Inventur keine anderen Anforderungen gestellt werden, als den Grund­sätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht. DU