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4.11.1933 Zweites Blatt
 
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Nr. 259 Zweites Blatt Etzener Anzeiger (weneral-Anzelger für Gverhesse»,5am§tag, 4. November 1933

Landnöten.

Am 4. November jährt sich zum zwölften Male der Tag, an dem sich 46 junge nationalsozia­listische Saalordner gegen eine zwanzigfache Uebermacht von mehr als achthundert Marxisten in einer Saalschlacht im Hofbräukeller in München siegreich behaupteten. Im Frühjahr des Jahres 1921 hatte Hitler seine ersten Massenver­sammlungen in München abgehalten, die ihm auch die ersten großen Erfolge brachten. Die große Pro­testkundgebung im Spätsommer des gleichen Jah­res auf dem Königsplatz in München gegen den Terror der Franzosen im Rheinland war von 80 000 Menschen besuch. Das war ein Erfolg der jungen aufstrebenden Bewegung, der den Sozial­demokraten keine Ruhe mehr ließ. Sie beschlossen, demHitlerspuk" ein Ende zu machen und d i e nächste Massen - Versammlung unter allen Umständen zu sprengen. Die roten Kerntruppen sammelten sich. Die Parole wurde ausgegeben, die Hitler-Versammlung, die für den Abend des 4. November an gesetzt war, voll­zählig zu besuchen, so daß schon eine Viertelstunde vor Beginn der Riesensaal polizeilich geschlossen werden mußte.

Die Sozialdemokraten hielten den Saal dicht be­setzt. Das Freibier floh in Strömen, ein unge­heuerlicher Lärm und Getöse füllten den Saal. Die Roten lieferten die Maßkrüge nicht ab und ver­stauten sie unter den Tischen. Heimlich wurden Tisch- und Stuhlbeine gelockert, und mit lautem Krach sausten dicke Eichenknüppel auf die Tischplat­ten, um die wenigen im Saal anwesenden Leute desNationalsozialistischen Saalschutzes" schon zu Beginn einzuschüchtern.

Hitler erkannte die Gefahr, und geschickt hatte er seine wenigen Getreuen im Saale verteilt. Dann sprang er auf einen Tisch und begann seine Rede, von wütenden Pfuirufen, aber auch teilweise star­kem Beifall empfangen. Langsam und jedes Wort wohl abwägend sprach Hitler. Und es gelang ihm, annähernd zwei Stunden zu sprechen, ohne daß es zu einer nennenswerten Störung gekommen wäre. Zurufe fing er geschickt auf. Als er dann aber zu einem flammenden Schlußappell ansetzen wollte, brach der Sturm los. Ein Maßkrug flog dicht an Hitler vorbei und zerschellte an einer Säule. Hitler hatte einen Zwischenruf, durch die Unterbrechung wütend gemacht, nicht gerade mit einer Schmeiche­lei beantwortet.

Das war das Signal zum Losbrechen gewesen. Im Handumdrehen war der ganze Saal mein wüstes Schlachtfeld verwandelt. Stühle jlo- gen durch die Luft, Maßkrug über Maßkrug zer­brach mit lautem Krach. Die nationalsozia­listischen Saalordner hatten sich aber bald gesammelt und gingen nun systematisch gegen die Ruhestörer vor. Sie drängten die roten Angreifer zur Tür. Nach kurzer Zeit flog auch ein gutes Dutzend der Sozis die Treppe runter. Plötzlich setzte vom Saaleingang ein wildes Geknatter von Revol­verschüssen ein, daß der Mörtel nur so von der Wand spritzte. Jetzt flogen auch die letzten Marxisten eiligst aus dem Saal. Die Versammlung war gerettet vielleicht in dieser Stunde die ganze junge Bewegung. Hitler stand noch immer aufrecht auf seinem Tisch. Und nun rief der Versammlungs­leiter Hermann Esser mit lauter Stimme in den Saal:Die Versammlung geht weiter!" Hitler sprach zu Ende. Zur Belohnung für das brave und tapfere Verhalten gab Hitler der kleinen Saalschutz­truppe den NamenSturmabteilung" (SA.). Das war der Geburtstag der SA., die von da ab zur Vorkämpferin der nationalsozialistischen Bewegung wurde.

Für Frankreich war die Fremdenlegion immer Ehrensache und bleibt es. Keine koloniale Expedition war ohne sie denkbar. Sie hat in Ton- king, auf Madagaskar, in Marokko und kürzlich in Syrien gekämpft. Ueberall war sie bewundernswert. Wir verdanken ihr einen großen Teil der Befriedi­gung Südmarokkos und jetzt Südalgeriens. Sie arbeitet gegenwärtig daran, die letzten Widerbor­stigen zu überzeugen und sie für unsere Zivilisation

Hinter uns reitet -er Tod.

Von Edwin Erich Owinger.

Es gibt wohl kaum eine erschütterndere Tragödie der Weltgeschichte, als den Rückzug der Weißen Armee, den D w i n g e r mit einigen anderen entlassenen kriegsgefangenen Deutschen mitmachte. Er berichtete davon in einem kleinen BändchenZug durch Si­birien", das soeben in der neuen 80-Pf.- BüchereiDeutsche Reihe" des Verlages Eugen Diedrichs erscheint.

Bis zum Morgengrauen geht alles gut. Die Sonne geht Über fernen Wellen strahlend auf, die endlose Steppe glitzert in keuscher Unberührtheit. Das Oberste Kommando hat gleichfalls die Stabs* züae verlassen, fährt irgendwo mit Schlitten in unserem Heerzug.

Die Armee zieht in dichten Schlangen dahin. Gegen zehn Uhr hören wir plötzlich Geschütze wum­mern. Wir recken uns in den Sätteln.

Im nächsten Augenblick bricht es von allen Seiten auf uns nieder. Links, rechts, vorn und hinten tauchen Feinde auf Bolschewiken und Menschewiken. Sechs, sieben unserer Offiziere jagen von der Spitze aus an uns vorüber:Alle Wege um Krasnojarsk sind von aufständigen Truppen abgeriegelt!" schreien sie sinnlos.

Ein fürchterliches Durcheinander beginnt. Hinter jeder Biegung lauern Truppen auf uns, hinter jeder Welle feuern Maschinengewehre auf uns. Wir sehen mit Entsetzen, daß unsere Abzugsstrahe an mehreren Stellen mit Artillerie bestrichen wird. Vorwärts, vorwärts!" r ft Vereniki stählern.Nie­mand bleibe stehen . . . .

Wir marschieren weiter. Einer unserer Gefan­genen fällt mit einem Herzschuß, ein anderer sinkt verwundet zusammen. Hatschet wirft ihn gewandt auf einen Schlitten, treibt feine Pferde von neuem an. Saburoff bekommt eine Kugel durch die Schul­ter, einer meiner Kameraden, der ostpreußische Landwirt mit dem unaussprechlichen Namen, eine durchs Knie, ich selber einen Streifer an der linken Schläfe. Unsere Marschordnung zerfällt völlig, nir­gends besteht mehr ein Kommando. Jede Truppe versucht die Sperre auf eigene Faust zu durch­brechen.

Vor uns galoppiert eine Kappellewsche Husaren­schwadron wenn wir dicht hinter der bleiben, kommen wir durch!" grillt Kostja.Aus die Schlit­ten!" schreit Recke, fliegt heran.Galopp . . ."

zu erobern ... In der Fremdenlegion sind alle Brü­der... Weil wir sie lieben, haßt Deutschland sie. Trotzdem dienen die Söhne Deutschlands in der Legion in großer Anzahl. Sie finden dort eine Freiheit und eine Behandlung, die sie nicht daheim gewöhnt sind, die aber denen zusagt, die Stolz und Ehrgeiz besitzen." In solchen schwülstigen Redens­arten wirbt der Oberstleutnant R e b o u l im Temps", dem von der französischen Rüstungsindu­strie ausgehaltenen Blatt für e»ne Kulturschandk unserer Zeit. Frankreich, das stolz ist, wenn es einige Negersklaven im innersten Afrika aus der Gewalt ihrer Häuptlinge entläßt, bekräht freudig eine Einrichtung, die zivilisierte Menschen zu Skla­ven verurteilt und für Frankreich zur Einspa­rung französischen Blutes st erben läßt.

Im Jahre 1931 hielt ein französischer Oberst eine Rede, am Geburtstage des Beys von Tunis, in der er sagte:Hört mich, ihr Mütter Frankreichs. Das Leden eines eurer Kinder wird g e - spart, wenn einer dieser fremden Män­ner verblute t", und tatsächlich ist berechnet worden, daß während des hundertjährigen Bestan­des der Fremdenlegion, die unmittelbar nach der Juli - Revolution 1831 aufgestellt wurde, in den ewigen Kolonialkriegen Frankreichs rund eine Mil­lion Franzosen eingespart wurden, wofür die gleiche Zahl der Söhne anderer Nationen ins Gras biß. Wie Frankreich mit diesem Menschenmaterial um­ging, gehört zu den blutigsten Kapiteln der Ge­schichte der letzten hundert Jahre. Es verschacherte einst 7000 Fremdenlegionäre an Spanien zur Unterwerfung der Eingeborenen in Spanisch-Ma­rokko, und erhielt l'/z Millionen Franken dafür. Madagaskar verschlang drei kriegsstarke Regi­menter Legionäre. Als Napoleon III. dem Erzherzog Maximilian französische Hilfe zur Eroberung Mexikos zugesagt hatte, schickte er den Marschall Bazaine mit einigen tausend Fremdenlegionären in die fieberheißen Gegenden um Vera Cruz, von denen nur siebzig als Krüppel zurückkamen.

Der französische Kolonialbesitz ist mit dem Blut von Nichtfranzosen zusammengeraubt worden, und allein die Deutschen stellten ein Kontingent, dessen Verluste größer waren als die deutschen Ge­samtverluste während des Krieges 1870/71. Der deutsche Abenteurerdrang und eine gewisse kämpfe­rische Veranlagung fand im deutschen Kolonialreich der Vorkriegszeit keinen genügenden Raum zur Betätigung, und wie weiland die deutschen Lands­knechte in den Schlachten aller europäischen Poten- tate vertreten waren, haben Deutsch eauch die Kolonial s ch 1achten Frankreichs ge­schlagen. Mehr als siebzig Prozent der Frem­denlegion besteht aus Deutschen, und der größte Teil der verbleibenden dreißig Prozent wird von Angelsachsen, Irländern, Schweizern und anderen Nationen bestritten. Mit vier Pfennig pro Tag, einem Handgeld von 84 Mark wird dieses Men­schenmaterial zusammengeschachert, und der Frem­denlegionär bekommt nach seinen Kämpfen eine Jahrespension von ganzen 25 Mark! Das ist Frankreichs Dank für die Hölle, in der es Millionen verbluten ließ. Das ist Frankreichs Ehre, sagt Oberstleutnant Reboul. Die Ehre, eine Kultur­schande aufrechtzuerhalten, der selbst ein nichtzioi- lifiertes Volk sich schämen würde.

Die Entwicklung der russischen Wirt­schaft ist in diesem Jahr im allgemeinen stark hinter den Plänen zurückgeblieben. Am schlechtesten hat die Metallindustrie gearbeitet. Die Eisen» und Stahlwerke haben in den ersten neun Monaten den Jahresplan erst zur Hälfte erfüllt. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr beträgt 13 o. H. gegenüber 44 v. H. im Voranschlag. Die Steigerung der Stahlproduktion beträgt nur 10 v. H. Die Buntmetallindustrie konnte ihren Jahres­plan in den ersten neun Monaten bloß zu 40 v. H. ausführen. Im Maschinenbau hat sich lediglich die Automobil- und Traktorenherstellung an die Richtlinien halten können: sie hat den Jahresplan bereits etwas über 80 v. H. erfüllt. Sehr unbe­friedigend hat die N a p t h a i n d u st r i e abge» schnitten, deren Produktion unter dem vorjährigen Niveau liegt. Im Kohlenbergbau, der Der-

Um uns wogt ohrenzerreißendes Geschrei. Jeden Augenblick platzen neue Granaten, werfen weiß­schwarze Schneesandfontänen in die Luft. Alles schlägt auf die Pferde ein, klammert sich an die Schlitten. Vereniki jagt allen voraus, dicht an den Schwänzen der Eskadron.

Die ganze Ebene brodelt, foroeit das Auge reicht, von Soldaten und Flüchtlingen, Frauen und Kin­dern. Ueberall liegen umgestüzte Schlitten, zuweilen stoßen wir auf Geschütze, deren Bespannungen zu­sammenbrachen. Das Chaos wächst mit jedem Ga­loppsprung unserer rohrenden Tiere. Ein Regi­ment nach dem andern läuft zum Feinde über. Im­mer häufiger kommen uns eigene Truppen waffenlos entgegen.Legt doch die Waffen ab wie wir . . . Es ist doch sinnlos jetzt . . . Ergebt euch doch . . ." Einem General, der damit auf uns zukommt, schießt Petroff durch die Stirn.

Die Spitze der Kappellewschen sieht schon den Jenisseisk!" ruft Recke zurück.Haben wir ihn über­quert sind wir gerettet!" Ich suche Vereniki mit den Augen kennt er denn kein Erbarmen? Nein, er kennt feins, auch Petroff nicht.Peitscht, peitscht!" brüllt er unablässig. Ich sehe Berger sich> nut wei­ßem Gesicht an den Schlitten klammern, Wmdt mit verstecktem Kugelkopf breit auf der Ladung liegen, Schulenburg steil und aufrecht auf den Kufen stehen. Wir jagen über verwundete Soldaten, ge­stürzte Frauen, wimmernde Kinderchen. Um die Kufen unserer Schlitten wickeln sich Därme zer­fetzter Pferde.

Wir haben die Sperre durchbrochen. Unter den Hufen unserer Pferde singt Eis auf.Wir haben ihn erreicht, den einzigen Uebergang! fagt Recke aufatmend.

Wir marschieren. Der ewige Weltenraum scheint in Milliarden Flocken kristallisiert auf uns herab- zusinken. Der Schnee wird immer höher. Niemand darf auf den Schlitten fitzen, "ußer er wäre schon mehrfach zusammengebrochen. Die Pferde sind so unsäglich entkräftet, daß sie keine doppelt belasteten Schlitten mehr ziehen können. Wenn man zuruck- blickt, sieht man eine lange Kette vermummter Ge- ftalten im Gänsemarsch durch den Schnee waten. Einer geht hinter dem anderen, genau in der Spur, die Verenikis schwerer sibirischer Hengst getreten hat. Es würde zu sehr ermüden, eine eigene Spur zu treten, darum gehen wir so. Wie schön war es noch, als man in kleinen Gruppen ziehen, zuweilen etwas miteinander sprechen konnte! Jetzt ist auch das vorbei, man muß die Kräfte sparen. Und geht

hältnismäßig günstig liegt, ist eine Steigerung gegenüber den ersten neun Monaten von 1932 von rund 15 o. H. zu verzeichnen. Allerdings ist damit auch erst die Hälfte des Jahresvoranschlages für 1933 erreicht. Nichtsdestoweniger geht die Moskauer Zentrale an einen weiteren Ausbau der ruffifchen Industrie, der sichtlich militärisch strategi­schen Charakter hat. Das gigantischste Projekt ist der Plan einer Naphtha-Raffinerie im Wolgagebiet, deren Bau 200 Millionen Rubel er», fordern soll.

Große Hoffnungen setzen die Sowjets auf das Geschäft mit Amerika, das bei den Ameri­kanern auf große Gegenliebe stößt. Die Amerikaner schätzen die möglichen Lieferungen nach Rußland auf 350 Millionen Dollar jährlich, die die Russen allerdings mit Rohstoffen bezahlen werden. Aller­dings ist der russisch-amerikanische Handel in den letzten Jahren sehr stark zurückgegangen, wobei die Handelsbilanz zu ungunsten Rußlands passiv ist. Die hauptsächlichste Rolle der russischen Ausfuhr nach USA. spielt Rauchwaren und Erze, während aus Amerika vorwiegend Fertigwaren importiert werden. Insgesamt hat der Außenhandel Rußlands

hintereinander, um die Beine zu schonen. Und spricht nicht mehr, um die Kehle zu schützen . . . .

Zum Glück steckt alles in warmen Hüllen. Die bei­ßende .Kälte hat die Scheu vor den Toten und die Angst vor der Ansteckung langsam, aber unwider­stehlich besiegt. Jeder hat einem Liegengebliebenen Pelz oder Mütze abgenommen, ohne nach den ro­ten Flecken ihrer Träger mehr zu fragen. Aber auch das bringt Qualen mit sich, Qualen neuer, pei­nigender Art ... Wenn es schneit, saugen diese zottigen Bärenpelze derartige Schneelasten ein, daß man sich alle Augenblick schütteln muß, um sich wie­der davon zu erleichtern. Zum andern züchten sie geradezu das Ungeziefer, lassen jeden wahre Läuse­brutstätten mit sich herumschleppen. Wenn man sich niemals ausfleiben kann? Und zum dritten: Jede Laus kann den Tod bringen! Sie sind Träger des Flecktyphus sie ganz allein . . .

Aber wir marschieren dennoch. Und das weiße, puderige Steppenmehl wird immer höher. Die ge­fangenen Offiziere find bis auf zwei noch vollzählig. Ein Offizier entfloh, einer starb an Typhus. Der ostpreußische Landwirt mit dem unaussprechlichen Namen liegt seit dem Knieschuß hoffnungslos dar­nieder. Von unseren Soldaten sind nur mehr sech­zehn übrig, ist schon der vierte Teil tot. Vor kur­zum brachen roieoer zwei mit Typhus zusammen. Auch sie werden sterben.

Trotzdem: Es wurde noch keiner verlassen, solange ein Funken Leben in ihm war! Von unserem Füh­rer Vereniki wie von seinen Kameraden nicht, ob­wohl das Essen mit jedem, den wir seinem Schicksal überließen, reichlicher für die Uebrigbleibenben würbe . . . Unb bas hält uns vor allem, macht es allein erträglich: bie Kameradschaft! Ich muß oft an die Zeit der Lagergefangenschaft denken . . . Damals gab es keine Kameradschaft, wenigstens zu­letzt nicht mehr. Das ewige Eingepferchtsein machte heimtückisch und gemein, wirkte demoralisierend und entnervend. Das starre stete Unglück, das Endlose und Alltägliche schweißte nicht zusammen, riß eher auseinander. Dort gab es keine Taten, keine Hoff­nungen das war es!

Hier ist das anders. Gewiß, unsere Hoffnungen sind nicht groß, aber sie sind noch da! Auch das Ende wissen wir: Weiter als bis zum Stillen Ozean werden wir nicht marschieren. Dort hat es sicherlich ein Ende, weil das große Wasser kommt, wenn nicht schon früher, wenn nicht schon morgen. Außerdem gibt es Gefahren, tausend tägliche Er­lebnisse, erschütternd zumeist, dennoch Erlebnisse, nicht jene Oede, die uns in den Lagern an den Rand des Wahnsinns brachte! Und einen gewissen Kampf,

in den letzten Jahren ziemlich zugenommen. Ein Abfallen ist erst 1932/33 zu verzeichnen.

Die Befürchtungen, die sich aus der Wirtschafts­krise für den Fünfjahresplan ergeben, lassen die Russen nach neuen Märkten Ausschau halten, wo­bei neben Amerika besonders Frankreich vorgezogen wird. Frankreich konnte nicht nur die Einfuhr nach der Sowjetunion in den letzten Mo­naten gegenüber der gleichen Zeit des vorigen Jahres mehr als verdoppeln, es hat sich auch die Ausfuhr der Sowjetunion nach Frankreich ziemlich stabil erwiesen. Rußland bemüht sich, durch Ver­gebung größerer Aufträge nach Frankreich die Be­ziehungen zu vertiefen. Bei den französisch-russischen Handelsvertragsverhandlungen haben die Russen eine Liste von Bestellungen im Wert von 1,5 Mil­liarden Franken ooraelegt. Allerdings ist aus diesen Plänen nichts geworden, weil die französisch- russischen Schulden nicht geregelt sind. Es bleibt abzuwarten, ob nicht die gleichen Hemmun­gen sich dem russischen Amerika geschäst ent« gegenstellen werden, denn bis jetzt sind schon für 1300 Millionen Dollar Ansprüche von amerika- nischer Seite angemeldet.

von Tag zu Tag, von Nacht zu Nacht. Wo aber Kampf zwischen Männern ist, gibt es auch männ­liche Hilfe . . .

Jetzt stehen wir in der großen Probe, der härte­sten, auf die man jemals Menschen stellen könnte! Und wenn nicht alles täuscht, werden wir sie bestehen in einer Art, die jeden zu einem Meister macht, edelstes Menschentum wie eine wärmende Sonne auf Eis und Schnee und Tote strahlen läßt. . .

Das Autogramm.

Jrn Kreise der englischen Königsfamilie erzählt man sich noch immer gern die luftigen Einfälle, die König Georg V. in seiner Kindheit hatte. Seine Großmutter, Königin Viktoria, liebte Sparsamkeit über alles. Eines Tages quälte sie der kleine Georg, sie möge ihm doch ein mechanisches Spielzeug kaufen, in das er sich verguckt hatte. Da das Spiel­zeug sehr teuer war, weigerte sich die Königin, den Wunsch des Kindes zu erfüllen. Sie schrieb dem Kleinen einen langen Bries und erklärte ihm darin, daß eine der ersten Tugenden eines Fürsten die Sparsamkeit sein müßte. Der glückliche Empfänger dieses Schreibens hatte nichts Eiligeres zu tun, als den wertvollen Brief einem Autogrammhändler zu verkaufen. Auf dem Heimweg erstand er dann für den Erlös das ersehnte Spielzeug. Wenn doch alle Großmütter-Autogramme so kostbar wären!

Sochschulnachrichlen.

Dr. Wilhelm Freiherr Kleinschmit von ß e n g e f e l b, Privatdozent an der Universität Mar- b u ra, wurde vom Hamburgischen Senat mit der Leitung der Behörde für kirchliche und Kunst- angelegenheiten beauftragt.

Dr. Ulrich Scheuner, Privatdozent für öffent­liches Recht an der Universität Berlin, hat einen Ruf an die Universität Jena angenommen und bereits seine Ernennung zum ordentlichen Profes­sor mit Wirkung vom 1. November ab erhalten.

Professor Dr. Karl Brandt von der Landwirt­schaftlichen Hochschule in Berlin hat einen Rus als Ordinarius für landwirtschaftliche Betriebslehre und Agrarökonomie an die Universität Istanbul (Türkei) erhalten.

Der Ordinarius für afrikanische Sprachen an der Universität Berlin, Professor Dr. Diedrich W e ft e r m a n n, wurde von der südafrikanischen Universität Johannesburg zum Ehrendoktor der Literatur ernannt.

Lebensschulen.

Von Dr. Willy Dierath.

Den nachfolgenden Aufsatz stellt uns das Reichsmini st erium für Propa­ganda und Volksaufklärung zur Verfügung. Die Reorganisation des Eltern­hauses spielt zweifellos gerade für die Be- DÖIferungspolitit eine wichtige Rolle. Der Autor des nachfolgenden Artikels macht den Vorschlag, durch Errichtung von Elternschulen die erLebensschulen" nennt, systematisch alle zukünftigen Eheleute auf ihren wichtigen Beruf vorzubereiten, da gerade für die Elternschaft die meisten Menschen nur ein herzlich kleines Maß von Wissen mitbringen. Friedrich Wilhelm II. hat einmal das Wort ge- sprachen:M e n s ch e n achte ich für den größten Reichtum!" Gpt, dann müssen wir alles daran setzen, Menschen zu haben und sie so zu erziehen, daß sie rechtwinklig an Leib und Seele sind, um einmal inmitten aller Müh- und Drangsale dieses Lebens getreulich ihre Pflicht gegen Familie, Volk und Vaterland erfüllen zu können. Tun wir unsere Pflicht? Erleben wir nicht immer wieder, daß unsere Volk seit vielen Jahren nicht mehr ge­nug Nachkommenschaft erzeugt, daß wir als Volk vergreifen, während uns die Jugend fehlt.

Das Bevölkerungsproblem ist die allerbedeut­samste Frage für jedes Volk, das eine Zukunft haben will. Es greift vom Menschen ins Wirt­schaftliche und von dort ins Politische. Unsere Men­schen, der deutsche Mensch, sind unsere letzte Ho f f n u n g, die einzige Macht, die wir noch be­sitzen!Gib mir Kinder, oder ich sterbe", heißt es in der Heiligen Schrift, und dieser Ruf muß heute stärker und nachhaltiger als sonst ertönen.

Mit allen Mitteln versucht die Regierung, die Eheschließungen zu fordern, in der weisen Erkennt­nis, daß die Familie das Fundament des Staates ist. Welchen Wert ein Menschenleben hat, weiß nur der zu ermessen, der Kinder besitzt, die er selbst erzogen hat. Eine Mutter, die ihren Haushalt in Ordnung hält, der Nation eine Schar gesunder Kinder schenkt, und mit dem ganzen Ein­satz ihrer Persönlichkeit in Ehren aufzieht, ist eine Heldin und hat so Gewaltiges vollbracht, daß sich alle Menschen in tiefster Ehrfurcht vor ihr vernei­gen müssen! Wahrlich, die Zukunft unseres Volkes hängt ab vonder Qualität unserer Müt - t e r. Ohne gute und erfahrene Mutter gibt es keine tüchtigen Männer, ohne ganze Männer kein Volk, keinen Staat und keine Kultur!

Es unterliegt keinem Zweifel, daß unsere heutige Jugend trotz der unleugbaren Fortschritte unseres Schulwesens für das Leben selbst wenig oder gar­

nichts mitbringt. Lichtenbergs Wort:Das Brauch­barste in unserem Leden hat uns gemeiniglich feiner gelehrt", findet auch heute leider nur allzu oft feine Bestätigung. Das Schicksal eines Volkes aber, feine Blüte wie sein Zerfall, hängen im tiefsten Grunde von der Erziehung ab, die der Jugend zuteil wird.

Bringen aber denn die meisten Eltern für den schwersten aller Berufe als Erzieher kommender Ge­schlechter auch nur das Allernotwendigste mit? In jedem Fach, in jedem Beruf werden Kenntnisse und Wissen verlangt. Ja, es wird nicht mit Unrecht behauptet, man könne eigentlich nie genug ler­nen. Für den verantwortungsreichsten Beruf aber, Menschenerzieher zu fein, scheint nichts wei­ter nötig zu sein, als daß man sich verliebt, ver­lobt und verheiratet!

Die Erziehung des Kindes, das ist die Beförde­rung der Entwicklung der menschlichen Kräfte und im Grunde nichts anderes als die Vorberei­tung zum echten Menschentum: Niemand wird behaupten wollen, daß mit der Beendigung der Schulzeit oder des Brotstudiums auch schon das wis­senswerte Maß von Kenntnissen und Fertigkeiten erworben worden ist, das für eine glückliche Ehe unerläßlich ist.Nichts fesselt mehr an Herd, Vater­land und Menschheit, als eine glückliche Ehe!" . . .

Wir wissen, wieviel Ehen leider nicht glücklich sind, wir erleben es täglich, wieviel Jammer und und Elend aus ihnen entspringt und haben daher das Recht und die Pflicht, nach den letzten Gründen zu forschen. Uns fehlt eben dieErziehung zur Ehe!" Uns fehlenL e b e n s s ch u 1 e n", in denen uns v o r der Ehe von der Ehe das Wichtigste und Wesentliche gelehrt wird. Das muß unsere wichtigste und vornehmste Aufgabe sein. Ein starkes, schönes und sittliches Geschlecht wird unsere Mühe und Arbeit lohnen! Wir wollen endlich Eltern haben, die da wis­sen und fühlen, wie ihr schweres, verantwortungs­reiches Amt aufzufassen ist, die da auch mit ziel- bewußtem Willen der Jugend neue Bahnen weisen, und denen die Ehe ein Jungbrunnen reinster Freude wird.

Einsicht, Belehrung, Erkenntnis braucht die Ju­gend, geistige Ausbildung, um die menschliche Na­tur und Artung begreifen zu lernen. Man kann nur Seelen pflegen und kultivieren, wenn man ihre Grundtriebe und Entfaltungsbedingungen richtig erkennt.

Uns fehlt in dieser Hinsicht noch so vielerlei! Menschenzüchtung! Haben wir sie, kennen wir sie? Jeder Gärtner, jeder Landwirt weiß, daß nur die Auslese, Individuen mit bester Erb- und Auf­zuchtgüte zu Erfolgen führt. Bei Tier und Pflan-