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3.2.1933 Erstes Blatt
 
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Hr. 29 Erstes Blatt

185. Jahrgang

äreitag, 5. Februar 1935

Erich«"" «ügllch. nutzer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die 3nuftnerte ©ienenet FamiUenblatter Hrimai m Bild Die Scholle nionat$'Be$ng$prel$: gjlit 4 Beilagen *RM 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr. , -25

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr. Friedr. Wiih. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teck Ernst Dlumschein und 7ür den An­zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Bienen.

Ser mißverstandene Faschismus.

Don unserem römischen E.-fiorrefponbenten.

Rom. im Januar.

Lloyd George:Der korporative Staat, wie ihn Musiolini eröadjt und geschaffen hat, ist die größte Sozialreform des modernen Zeitalters". So formulierte an seinem siebzigsten Geburtstag der alte Arbeiterfreund, der Löwe der sozialpolitischen Reformatoren, sein Glaubensbekennt­nis Der Liberalismus, stellt er fest ist tot. Die Be­hauptung so vieler Politiker und Wirtschaftler, die Krisis sei nichts anderes als ein von Zeit zu Zeit wiederkehrende normale Erscheinung, findet er ein- jach grotesk. Die Heilmittel, die man bisher dagegen angewandt habe, ungenügend, wenn nicht schädlich. Man müsse zur Erde zurückkehren, wie es Mussolini getan habe.

Immer wieder Mussolini. Immer weiter greift der faschistische Gedanke, besonders auch m den intellektuellen Schichten. So finden die ver­einzelten Diplomaten und Journalisten, die schon vor zehn und zwölf Jahren auf die gewaltige Be­deutung der italienischen Umwälzung aufmerksam gemacht haben, die nicht selten bei ihren eigenen Regierungen und Zeitungen auf zweifelnde Zurück- hallung stießen, nun allmählich ihre Rechtfertigung, find selbst der internationale Sozialismus beginnt langsam zu begreifen, die Attentate auf den Schöpfer einer neuen sozialen Lehre haben aufgehört, die polemischen und hämischen Angriffe vom Redner­pult aus werden seltener, niemand spricht in Genf mehr von der Ausschließung der Italiener, wenn die ewige Arbeiterfrage aufgerollt wird. Zu groß sind die Massen in ollen Nationen geworden, die vor lauter Hoffen und Harren ungeduldig geworden sind. Ader auch der Bürger ist unsicher geworden. Er sieht, wie die Flut jeden Tag ansteigt und sein Haus zu verschlingen droht, er hört es knistern und krachen im Gebälk seiner bisherigen politischen Weltanschauung, er merkt, daß alle Experimente, die man ihm unter Zuhilfenahme alter Formeln und alter Töpfe vormacht, mißllngen. Offenbar sind die Zeiten andere geworden, so daß die Mittel, die für die gestrigen Verhältnisse gut waren, nicht mehr taugen. Einen morschen Baum fallen zu lassen, denkt er, ist das etwa revolutionär und reaktionär? Nein, es ist nicht mehr wie natürlich.

Man ist sehr primitiv gewesen, als man wie in schlechten Theaterstücken zwischen dem pechschwarzen Faschismus und dem lilienweißen Liberalismus unterschied, man glaubte es den Massen nicht ein­facher und mundgerechter machen zu können, als indem man Mussolini als Teufel hinstellte, den Erz­feind der Arbeiterklasse, den oierundzwanzigkarätigen Reaktionär. Heute wagt es keine Propagandastelle mehr, Arbeiter zu Studienzwecken, d. h. zum Ab- schrecken, nach Italien zu schicken. Sie würden zu Hause nichts anderes aussagen können als diese ver­blüffende Tatsache: Wenn jemand im korporativen Staate klagt, io sind es eher die Arbeitgeber! Es war ein großes Mißverständnis, als ihr der Meinung Ausdruck gabt, der Faschismus zwinge die Arbeiter ins Joch und 'diene den großen Herren. Umgekehrt wird ein Schuh daraus! Wahrscheinlich sind der Un­zufriedenen mit dem faschistischen Abzeichen im Knopfloch weit mehr als der Tadler in den Reihen der Außenstehenden. Fragt sie doch, die Taglöhner, die Landarbeiter, die Männer in den Fabriken, ob sie mit den gestrigen Zuständen tauschen möchten!

Früher war die Ausbeutung des Arbeiters in Italien eine Selbstverständlichkeit, er hatte seine Rechte nur auf dem Papier, Millionen lebten schlechter, jedenfalls nicht besser als ihr Vieh. Star­ben die Kinder nicht wie die Fliegen, gab es einen Mutterschutz? Wie sah es in den Schulbaracken aus, wie in den Gefängnissen? Gewiß, der Sozialismus hat dieses unsagbare Elend gesehen, und es bleibt sein Verdienst, daß er seine otimmc erhoben und die menschlichen Arbeitstiere überhaupt zum Be­wußtsein ihres unwürdigen Abrackerns gebracht hat. Aber es wurde das Verdienst des Faschismus, die sozialistischen Forderungen zu verwirklichen, er er­wies sich stärker als die Bureaukratie, er wagte es auch mit den großen Herren aufzunehmen, wo die irregeleiteten Arbeitermassen sich kein törichteres Kampfmittel wußten als die Besetzung der Fabriken.

Jahrelang nach Mussolini lächelte man noch über­legen von einem reaktionären Experiment, das scheitern müsse. Und was sehen mir jetzt? Etwas ganz Neues an Stelle des vermeintlich unausrottbaren, weil schicksalhaften Kampfes: die Versöhnung zwischen Kapital und Arbeit. An Stelle des sterilen Klassenkampfes ist die Eingliederung der Gewerkschaften in den Staat erfolgt, zum Wohle des Ganzen. Der Parteienstaat wurde durch den Volks- oder Einheitsstaat überwunden. Die Produkion ar­beitet nicht mehr gegen Volk und Staat, sondern durch ihn und für ihn.

Andere sahen im faschistischen Treiben nichts als eine Unterstützung des bürgerlichen Kapitalismus, Mussolini war für sie der Kassenwächter einerseits, der Steuereintreiber anderseits. Nun, die oteuern sind hoch wo sind sie es nicht? Aber weiß man überall dort, wo man auf Italien schilt, daß die Regierung, abgesehen von der Gesamturbarmachung des Landes, mit der sie große Kolonien gewinnt, dem kleinen Unternehmer unter die Arme greift, wenn er nur irgendwie Arbeit schafft oder Verdienst oder die Scholle umgräbt? Wer Wasserleitungen legt erhält nahezu alle Kosten, mindestens aber die Hälfte, vom Staat ersetzt. Wer Bäume pflanzt, zwei Drittel. Die tapferen Kolonen, die in die Sümpfe streben erhalten alle Werkzeuge für die Austrock­nung, Haus und Vieh, sie werden aus Taglöhnern ohne Zukunft zu freien Bauern, denn nach einer gewissen Zeit, spätestens nach 25 Jahren, gehört ihnen das eroberte Land. 25 Jahre, wird mancher

Oer französische plan auf der Abrüstungskonferenz.

Wiederaufnahme der Arbeit nach halbjähriger pause am Jahrestag des Konferenzbeginns.

Genf, 2. Febr. (TU.) Die Abrüstungskonfe­renz nahm am Donnerstagnachmittag zum ersten- mal seit der Llnterbrechung am 23. 3uü ihre Ar­beiten in vollem Almfange wieder auf, somit am Jahrestage ihres Beginnens vor einem Jahre. Im Hauptausschuh, in dem sämtliche 64 Konfe­renzmächte einschließlich der Bereinigten Staaten und Sowjetruhlands vertreten sind, begann die große Aussprache über den französischen Ab- rüstungs- und Sicherheitsplan, den die franzö­sische Regierung in ihrer Denkschrift vom 14. No­vember der Abrüstungskonferenz eingereicht hatte.

Der Präsident der Konferenz, Henderson, eröffnete die Verhandlungen mit einem kurzen Hinweis auf das verflossene Iahr der Ab­rüstungskonferenz, das er als eine tiefe Ent­täuschung bezeichnete. Die grohen Entscheidun­gen mühten jetzt in den allernächsten Monaten fallen. Er hoffe, die Konferenz werde bereits in Kürze denEntwurf eines vollständigen Abrüstungsabkommens Herstellen können. Der Hauptausschuh schritt sodann zur Aussprache über den französischen Abrüstungs- und Sicher­heitsplan.

Oie französische Sabotage.

Der Dertreter Frankreichs, M a s s i g l i, er­läuterte die Hauptgrundsähe des französischen Planes. Er sei auf dem Grundsatz aufgebaut, dah zwischen der Abrüstung und der Organifativn der Sicherheit ein unlösbares Band bestehe, dah die Durchführung der Abrüstung nur etappenweise erfolgen könne und die Wie­derherstellung des allgemeinen Vertrauens die unerläßliche Vorbedingung wäre. Die etappen­weise Abrüstung schließe von vornherein jede neue Aufrüstung aus. Für eine sofortige vollständige und allgemeine Abrüstung sei es unmöglich, die notwendigen politischen und technischen Bedingungen zu schaffen. Die französische Regierung wolle daher die Ab­rüstung zunächst im Rahmen der eure» päisch en Staaten in Angriff nehmen, wobei die außereuropäischen Staaten ihre eigenen Ver­pflichtungen zu übernehmen hätten. Die fran­zösische Regierung lege eine entscheidende Be­deutung auf die allgemeine Kontrolle und die internationale Organisation der Kontrolle der Zivilluftfahrt.

Scharfe Kritik des Ztalieners.

Der Kabinettschef Mussolinis, Graf A l o i s i. nahm dann scharf ablehnend zu dem fran­zösischen Abrüstungsplan Stellung. Die italie­nische FormelA b r ü st u n g und Sicherheit" entspreche, so erklärte Aloisi, dem Charakter des Völkerbundvertrages. Alle bisherigen Pläne hät­ten die Konferenz den großen Zielen nicht näher gebracht, sondern eher immer weiter ent­fernt Die italienische Regierung sei bereit, den französischen Plan zu prüfen, obwohl er Wege einschlage, die nicht die Wege Italiens seien.

Der französische plan enthalte bedauerlicher­weise keinen einzigen Hinweis aus eine tatsächliche sofortige und wirksame Herabsetzung der Rüstun- gen. Er diene lediglich zur Ausrechter- haltung eines bestimmten interna­tionalen Zustandes, statt zum Schuhe der einzelnen Rationen.

Die von Frankreich vorgeschlagene Bereinheit- lichung des Kriegsmaterials und der Armeen führe tatsächlich nur zu einer Erhöhung, nicht zu einer Verminderung der Rüstungen. Die vorgesehe­nen neuen militärischen Maßnahmen und die Zu­sammenarbeit zu militärischem Zweck könne nur eine neue K r i e g s g e s i n n u n g schaffen.

Die von Frankreich geforderte Dölkerbunds- a r m e e müsse zu einer Bedrohung und nicht zum Schutze des Friedens führen. Der französische Plan sei auf italienischer Seite mit dem Gefühl tiefster Besorgnis und Beklemmung ausgenommen worden. Er gehe von einem als Tatsache angenommenen bösen Willen aus und werde vollständig von dieser Furcht beherrscht. Die angestrebte freimütige Zusammenarbeit aller Nationen müßte in einer Atmosphäre des Miß­trauens immer weiter hinausgeschoben werden. Während die Selbständigkeit in fast unerträglicher Form eingeschränkt werden solle, vergesse man auf der anderen Seite den Kamps der Nationen und der Menschen, den wirtschaftlichen Wettstreit durch Monopole, Kontingente, Einfuhrhinderniste, Ein­wanderungsschranken. Es sei zu befürchten, daß nach dem französischen Plan der unantastbare

Grundsatz der Gleichberechtigung der Nationen wieder eingeschränkt werde.

Aloisi wandte sich weiter gegen das Im fran­zösischen plan vorgesehene kontinentaleuropäische System mit Ausschluß England». Ein europäisches System ohne Großbritannien sei undenkbar. Besonders für Italien und die italienischen Mittelmeerinteressen sei es aus­geschlossen, daß dieserständige große Freund" fernbleibe.

Alle Völker der Welt wünschten heute nicht ein neues System internationaler oder übernationaler Militärorganisation, sondern eine Zukunft des Friedens und die Beseitigung der untragbar ge­wordenen moralischen und materiellen Lasten. Die Rede Aloisis wurde von einem Teil der Zu­hörer mit stürmischem Beifall aufgenommen.

Der deutsche Standpunkt.

Tatsächliche Abrüstung und gleiche Sicherheit für alle.

Der deutsche Dertreter Botschafter R a d o l n h erklärte dann u. a.:

Die deutsche Regierung legt den größten Wert darauf, dah die Abrüstung so schnell wie möglich durchgeführt werde. Sie steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß ihr ein ver­tragliches Recht auf d i e allgemeine Abrüstung zusteht und daß die Erfüllung die­ses Anspruches, auf die sie nun schon mehr als ein Jahrzehnt gewartet hat, nicht mehr länger auf geschoben wer­den darf. And sie steht ferner nach wir vor auf dem Standpunkt, dah nur der Abschluß einer Ab- rüstungslonvention in Frage kommen kann, die für alle Konferenzteilnehmer und damit auch für sie selbst den Erfordernissen des Artikels 8 des Paktes Rechnung trägt Dies ist der unverän­derte deutsche Standpunkt seit dem Beginn der Konferenz, den der deutsche Reichskanzler noch gestern abend bestätigt hat.

Zur Verwirklichung einer tatsächlichen und weit­gehenden qualitativen Abrüstung und Beschränkung des Materials finde ich leider in dem französischen Plan leinen posi­tiven Vorschlag. Dieser ist aber notwendig, wenn der Grundsatz praktisch durchgeführt werden soll, dah die Angriffskraft der Staa­ten geschwächt, ihre Verteidigungsmöglich­keit gestärkt werden soll. Ich kann mir allerdings von einer Fortsetzung der bisherigen ergebnis­losen monatelangen Beratungen der Sonder­komitees in dieser Frage kein Ergebnis ver­sprechen.

3d) halte es für eine unerläßliche und besonders dringliche Aufgabe der Konferenz, ohne er­neute technische Untersuchung im Dege der Abstimmung über die vorliegenden oder noch einzubringendeu Anträge zur qualita­tiven Abrüstung klar sestzufielleu, wie­weit die Konferenz in der Verminderung der Angrifsswaffen gehen will.

Nach dem französischen Plan soll nun das An- griffsmaterial nicht wirklich abgeschafft werden, son­dern erhalten bleiben, indem es teils zur Aus­rüstung der nationalen Kontingente einer Välker- bundsarmee verwendet, teils in dem Lande des bis­herigen Besitzers zur Verfügung des Völkerbundes gehalten werden soll. Die deutsche Abordnung ist der Auffassung, daß eine solche Maßnahme die qualita­tive Abrüstung illusorisch machen würde. Nach ihrer Ansicht muß das gesamte Material, das in Zu­kunft nicht mehr erlaubt sein soll, innerhalb ein?r festgesetzten Zeit vernichtet und seine Herstellung völlig unterbunden werden. Das ist das

einzige Mittel, um in kürzester Zeit zu der wirk­lichen Abrüstung zu gelangen.

Die Auffassung, daß die von dieser Konferenz erroarlefen Maßnahmen auf dem Gebiete der Abrüstung nur parallel mit einem Ausbau der internationalen Friedensord­nung möglich sind, Hal in den unserer Arbeit zugrundeliegenden Bestimmungen keine B e grünbung. Dir stehen auf dem Standpunkt, daß die Erfüllung der Aufgabe der gegenwärtigen Konferenz nicht von neuen vertrag­lichen Sicherheitsgarantien juri- siisch politischer Art abhängig gemacht werden darf.

Ick) verneine keineswegs die Möglichkeit, daß eine weitere Entwicklung in der Zusammenarbeit der Völker dazu führen kann, als Schlußstein eines Frie­densgebäudes auch eine internationale Armee zu schaffen, vorausgesetzt, daß sich der Ge­danke überhaupt als technisch durchführbar erweist. Eine weitere selbstverständliche Voraussetzung ist di-' Gewähr dafür, daß die Bundesgewalt auch wirk­lich gegen jedes B u n d e s m i t g l i e d mit der gleichen sicheren Aussicht auf Er­folg eingesetzt werden kann.

Zu dem Vorschlag über die Zivilluftfahrt will ich hier nur bemerken, dah die ungehemmte Entwicklung der Zivilluftfahrt nur im freien Wettbewerb stattfinden kann. Die beste Lö­sung des Luftfahrtproblems in der Abrüstungs­konvention scheint mir die zu fein, daß durch völlige Abschaffung der Militär­luftfahrt und durch ein wirksam gesicherter Verbot des Bombenabwurfs die Sicher­heit für die Welt geschaffen wird, daß diese furcht­barste aller Waffen künftig nicht mehr angewandt werden kann.

Die deutsche Delegation wird sich von dem Grundgedanken leiten lassen, daß die e r st e Etappe der Abrüstung wirklich ein ent­scheidender Schritt in der Herabsetzung der Rüstungen der hochgerüsieten Staaten wer­den muh. Die deutschen Vertreter werden den französischen Anregungen ihr volles Interesse entgegen bringen und jedes Moment darin, das dem Ziel unserer Konferenz nützlich sein kann, nach Kräften unterstützen. Der Erreichung dieses Zieles, nämlich des Zieles einer effektiven Abrüstung und der Schaffung glei­cher Sicherheit für alle, gilt unsere Arbeit!

sagen, sind eine lange Zeit, aber 25 Jahre steuerfrei bleibt auch jeder, der ein neues Haus erstellt oder ein neues kaust, sei es auch nur ein Stock in einer Mietkaserne.

Und dann der Chauvinist, der Kriegsmacher, d c r Friedens st örer, den man aus dem Duce machte! Mißverständnis über Mißverständnis. Ge­wiß, das neue Italien ist national bis auf die Knochen aber tritt es damit anderen ärger auf die Zehen als andere Großmächte? Von Mussolini ging der erste Verdammungsruf über die permanente Kriegserklärung von Versailles aus, diesen Herd unseres Jammers. Italien verlangte als erste Na­tion die vollständige Abrüstung, herunter bis zum Wehrniveau Deutschlands, und wenn dieses auf zehn Gewehre herunterginge, auf zehn Gewehre für alle. Und diese Forderung blieb nicht in der schönen Pose stecken, sie wird Tag für Tag in Genf wiederholt. Wer kämpft gegen die sinnlosen Zollmauern, gegen die militärischen und maritimen Hegemoniegelüste, gegen die Milliarden, die aus den Voglksleibern her­ausgesaugt werden? Wer kämpft für die Dölker- eintracht, für das tägliche Brot, für die Vierzig­stundenwoche? Mussolini, immer wieder Mussolini.

Der Faschismus ist nicht die riesige Maschine im Rückwärtsgang, er strebt gewaltig vorwärts. Es war ein Irrtum, zu glauben, daß er sich dem Libe­ralismus aus Eigensucht in den Weg stellt, den So­zialismus aus Parteifanatismus bekämpft habe. Nein, er ift nur über abgestorbenes Wurzelwerk

hinweggefahren wie der Traktor über die pontini- schen (sümpfe. Ob er ein neues Zeitalter geschaffen oder das neue in ihm nur den rechten Ausdruck ge­funden habe, das mögen die Philosophen unter den Politikern und Wirtschaftlern unter sich ausmachen, dem lebendigen Volke genügt es zu wissen, zu sehen und zu" fühlen, daß die Straße zum Gemeinwohl nicht unbedingt die der ausgefahrenen Geleise zu sein braucht.

Ein Hitler-Jnierview im Giornale d'Italia.

Deutschland und Italien in einer Zront.

Rom. 3. Febr. (TU.)Giornale d' Italia" bringt eine Unterredung, die der Reichskanzler Hitler dem Dertreter des Blattes gewährt hat. Hitler gab zunächst seiner Freude darüber Aus­druck, daß der erste journalistische Besuch, den er als Reichskanzler erhalte, ger ade ein Besuch der italienischen Presse sei. Während des langen und blutigen Kampfes zur Befreiung der deutschen Ration habe er immer die Rot­wendigkeit freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Italien betont. Ietzt, wo er für die deutsche Politik verantwortlich sei, fei er entschlossen, sich für dieses Ziel einzusetzen. Er sei fest davon überzeugt, daß ein enges Der»

ltnis zwischen den beiden Dölkern für den Frieden Europas unerläßlich sei.

Der Kanzler erinnerte dann daran, daß einige ausländische Blätter geäußert hätten, er werde als verantwortlicher Chef der Regierung eine vorsichtigere Sprache führen, als in früheren Zei­ten. Hitler wies eine solche bedauernswerte Der» zerrung der Tatsachen energisch von sich und er­klärte, er habe nie etwas anderes gewollt, aI8 was er auch heute wolle und das sei, dah der deutschen Ration jene Rechte zuer- kann t würden, die ihr wegen ihres Wesens und wegen ihrer Zukunft gebührten. Auch Italien fordere, daß seine Lebensrechte anerkannt wür­den. Aus diesem Grunde befänden sich beide Rationen von Ratur aus auf dem g leichen Boden und strebten nach dem glei­chen Ziel. Daher sei es umso leichter, einen Zu­sammenschluß zur Lösung der grohen Fragen zu finden, die beide Dölker betreffen. Don deutscher Seite werde alles geschehen, was notwendig sei, um ein solches Einverständnis verbeizuführen.

Zum Schluß fügte Reichskanzler Hitler noch einen besonders herzlichen Gruß an die italie­nische Ration hinzu, und zwar nicht als Chef der Regierung, sondern als Kämpfer für die nationalsozialistische Idee Er sei sich der starken Derwandtschast zwischen seinem Ideal und dem der italienischen Ration bewußt.

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