Ausgabe 
2.10.1933 Frühausgabe
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)

Nr. 230 Zweites Blatt

Montag, 2. Moder (933

verloren.

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Die Aufführung, die zum Teil schon mit neuen Kräften bestritten wurde, stand unter einem gün­stigen Stern. Sie war von Paul W r e d e mit Luft und Liebe einstudiert: die Regie sorgte für ein fluf­figes Ensemblespiel und wußte in gerechter Vertei­lung und Betonung der heiteren wie der gefühl­vollen Elemente der Handlung den richtigen Stil zu treffen. Besonders der Mittelakt kam sehr hübsch und stimmungsvoll zur Geltung. Die Herren B ä u l k e (Tanzregie), Löffler und Keim (Ausstattung) machten sich ebenfalls um die Inszenierung verdient. Kapellmeister Fritz C uj L hatte mit her straften und gefälligen Interpretation der melodiösen Vertonung eine besonders dankbare Aufgabe

len, und woran man diese Anlagen rechtzeitig er­kennen kann, so werde $s möglich, die erzieherischen und strafrechtlichen wie die rassenhygienischen Maß­nahmen demenftprechend zu gestalten. Dazu ist aber eine eingehende Erforschung der Derbrecherfamilien notwendig.

DasAbonnement" und dieDeutsche Bühne" schaffen das nationale Dolkstheater.

läge der Deutschen herbeiführen werde. Hindenburg trug die Verantwortung, Rennenkampf marschierte nicht, und die Schlacht von Tannenberg wurde gewonnen. War es im vergangenen Jahre po­litisch nicht ganz ähnlich? Brüning erwies sich der Verantwortung nicht gewachsen, den siegreichen Nationalsozialismus in einer Form, bie seiner Macht entsprach, an der Führung des Reiches zu beteiligen. Hindenburg nahm wiederum die Ber- antwortung auf sich. Die Geschichte wird ihm Recht geben, und sie hat ihm heute schon Recht gegeben.

In Hindenburg und Hitler sind die beiden Pole deutschen Wesens in einer unüber­trefflichen Weise vereinigt. Temperament der Ju­gend und Weisheit des Alters, Verkörperung des Völkischen und des staatlichen Prinzips, Süden des Reiches mit seinem künstlerisch-kulturellen Einschlag und preußischer Nordosten mit dem überperson- lichen Pflichtbegrisf und der schweigsamen Harte^ Niemals seit Bismarck und Wilhelm I. haben sich die beiden Führer des Reiches so wundervoll er­gänzt wie Hindenburg und Hitler. Hindenburgs Großvater war Landmann und preußischer Offizier und wurde 96 Jahre alt. Hindenburgs Vater be- stellte seine Scholle und diente dem König von Preußen. Er starb im Alter von 94 Jahren. Wir brauchen Hindenburg nur zu sehen und die Ge­sundheit seiner Rasse festzustellen, und wir wissen, daß auch er noch viele Jahre zum Segen des Reiches fe-in Amt verwalten wird. Das Wachsende bedarf der schützenden Obhut seiner greisen Bedachtsamkeit. Alle Segenswunsche ver­einigen sich heute aus den Vater des Vaterlandes. Am 1. Oktober hat das deutsche Volk den Tag der Ernte gefeiert. Möge es Hindenburg vergönnt fein.

Gietzener Stadttheater.

"August Neid starbt und Leon Jessel: Schwarzwaldmädel"

Noch bevor die Winterspielzeit im Stadttheater mit derHermannsschlacht" offiziell und ernsthaft eröffnet wird, gab es mit der Aufführung des .Schwarzwaldmädels", Operette in drei Akten von August N e.id Hardt und Leon Fessel, am Sonntagabend einen heiteren musikalischen Auftakt zum bevorstehenden Theaterwinter.

Als eine Neuerung in dieser Spielzeit hatte man was bei passenden Gelegenheiten wiederholt wer­den soll bereits die Generalprobe am Samstag­abend dem Publikum zugänglich gemacht: und es darf erwartet werden, daß mit einer fo volkstüm­lichen Flucht in die Öffentlichkeit der Theaterfreu- digkeit der Bevölkerung neue Anregungen gegeben werden.

DasSchwarzwaldmädel" ist eine ältere Ope­rette, die zu den erfolgreichsten Werken ihrer Gat­tung gehört: ein ausgesprochenes Repertoire-Stück. Der erfte große Erfolg nun schon vor einer statt­lichen Reihe von Jahren hat sich mit einer be- merkenswerten Gleichmäßigkeit über mancherlei Wandlungen des Aufführungsstiles und des Publi­kumsgeschmacks hinweg bis heute behauvtet.

Das liegt in erster Linie zweifellos daran, daß diese Operette von der äußeren Form der Darbie­tung und Aufmachung ziemlich unabhängig ist traft ihrer glücklichen und seinerzeit schnell populär ge­wordenen Instrumentierung. Die Glanzstücke der Partitur von Jessel, vor allem der Rheinländer und der Walzer im Mittelakt, haben sich als regel­rechte Programmsch.ager und noch immer gern ge­hörte Tanznummern beliebt und selbständig gemacht und bis heute nichts von ihrer zündenden Wirkung

und der Musikhochschule in Mainz. Friderich wurde 1899 in Nürnberg geboren und absolvierte dort Realgymnasium und Konservatorium. Nach Unter- brechuna durch Militär- und Frontdienst absolvierte er die Akademie der Tonkunst in München, sowie die Meisterklasse für Dirigieren bei S. v. Hausegger. 1919/20 dirigierte er in Nürnberg und München Sinfoniekonzerte. Gleichzeitig studierte er sechs Se­mester^ an der Münchener Universität. 1921 wurde er nach erfolgreichen Gastspielen als zweiter Opern­kapellmeister an das Stadttheater in Basel verpflich­tet, von wo er nach vierjähriger Tätigkeit als erster Kapellmeister an die Wiener Volksoper berufen wurde. Seine weitere Laufbahn führte ihn ab 1926 in erste Stellungen nach Beuthen, nach Dortmund und an das Landestheater in Coburg. Mit Beginn dieser Spielzeit wurde Friderich an das Hessische

Landestheater in Darmstadt berufen, dessen musika­lische Oberleitung für Oper und Sinfoniekonzerte nunmehr in seinen Händen liegt.

Ehrungen für Werner Krauß in London.

Der berühmte deutsche Schauspieler Werner Krauß wurde in den letzten Tagen zum Ehren­mitglied der englischen Bühnengenossenschaft ernannt. In einem Schreiben, das die Genossen­schaft aus diesem Anlaß an den Schauspieler rich­tete, gibt sie ihrer Bewunderung für ihn und seine Kunst Ausdruck und rückt von der am Donnerstag­abend im Shastesbury-Theater gegen ihn gerich­teten Kundgebung ab, über die bereits be­richtet wurde. Bei seinem zweiten Auftreten wurde Werner Krauß sogleich mit langanhaltendem Bei­fall vom Publikum begrüßt. Zu irgendeiner Demon­stration gegen ihn kam es diesmal nicht.

Zusammenstoß zwischen Triebwagen und Lokomotive.

Der Triebwagen ausgebrannt. 9 Schwerverletzte.

Reinheim (Odenwald), 1. Okt. (WSN.) Auf der Nebenbahnstrecke ReinheimReichelsheim er­eignete sich heute gegen 10 Uhr ein Eisenbahn­unglück. Der aus der Strecke verkehrende Trieb­wagen erlitt hinter Fränkisch-Crumbach einen Mo­tordefekt und mußte halten. In Reichelsheim war inzwischen eine Lokomotive bestellt und in Fahrt gesetzt worden. Nach Beseitigung des Triebwagen­defekts fetzte dieser seinen Weg fort, was dem Fahr­dienstleiter nach Reichelsheim gemeldet wurde. Es war jedoch nicht mehr möglich, die Lokomotive unterwegs anzuhalten, da die einzige auf der Strecke liegende Zwifchen- ftation telephonisch nicht zu erreichen war, weil sich der Beamte dieser Station zu dieser Zeit außer­halb des Dienstraumes befand. Es kam dann zu einem Zusammenstoß zwischen dem Triebwagen und der Lokomotive. Während der Führer Des Triebwagens abspringen konnte, wurde der Loko­motivführer aus feinem Stand geschleudert und schwer verletzt. Unter den Fahrgästen, die den Zu­sammenstoß kommen sahen, entstand eine Panik, da nach dem Zusammenstoß der Benzintank des Triebwagens Feuer fing. Von den 25 Insassen des Triebwagens erlitten 9 Personen schwere Verletzungen und mußten in das Stadtkran­kenhaus nach Darmstadt transportiert werden. Le­bensgefahr besteht jedoch bei den Verletzten nicht. Der Triebwagen brannte bis auf bie R ä'd e r n i e d e r. Die Landeskriminalpolizei weilte an der Unfallftelle, die wegen des zerstörten Tele­phonkabels ohne Verbindung war.

Marschall der Nation.

*3u Hindenburgs 86. Geburtstag am 2. Oktober.

Das Schicksal geht wunderbare Wege. Es ließ einen jungen Fähnrich bei Königgrätz eine Batterie des öst"rreichischen Brudervolkes erstürmen. Eme Schrapnellkugel durchschlug seinen Helm, aber ließ den Stürmenden selbst unverletzt. Welchen Verlauf wohl die Weltgeschichte genommen hätte, wenn da­mals in einer Zeit, die uns heute schon wie eine Sage anmutet, der Fähnrich Paul von Hindenburg den Heldentod gestorben wäre? Denn aus dem jun­gen Leutnant der Einigungskriege wurde 40 Jahre später der Erretter O st preußens. Aus dem Erretter Ostpreußens wurde der einzige Feldherr des Weltkrieges, dessen Antlitz sich allen Völkern der Erde eingeprägt hat und der zum Sinnbild wurde für sein Volk. Der Krieg ging verloren, aber Paul von Hindenburg führte mit unendlicher Entsagung und Ueberroinbung seines eigenen Selbst bas Felb- heer geschlossen in die Heimat zurück. Damals rettete er zum zweiten Male dasReich.

Heute feiern wir in Hiübenburg b e n Mar­schall der Nation und den Vater des Vaterlandes, in dessen Hand ruhig und sicher die oberste Leitung der Geschicke des Reiches liegt. Denn es ist nicht so wie in westeuropäischen Staa­ten, wo der Präsident nur Aushängeschild ist für ben jeweils herrfchenben Parteiegoismus, sondern der Feldmarschall und Reichspräsident trägt per­sönlich alle Verantwortung für das deutsche Ge­schehen, er ist sich dieser Verantwortung vollauf bewußt, und er hat zu wiederholten Malen bewie­sen, daß sein Wort noch immer den letzten Aus­schlag gibt.

Welch eine Spanne liegt wiederum zwischen dem Rückmarsch der Frontarmee im November 1918 und dem unter Hindenburg vollzogenen Durchbruch der nationalen Revolution im Frühjahr 19331 Hindenburg selbst ist sich in dieser ganzen Zeit im­mer gleich und treu geblieben. Der getreue Eckhart, der sich nach Hannover zurückgezogen hatte, sprach nur dann Worte voller Nachdruck und Gewicht, wenn es ihm notwendig erschien. Weder der Unter­suchungsausschuß der Reoolutionsgrößen, in wel­chem marxistische Rechtsanwälte über Fragen der Kriegskunst zu urteilen sich erdreisteten, noch das Gekeife desVorwärts", als Hindenburg 1925 die Präsidentschaft des Reiches übernahm, reichten an feine Gestalt heran, die etwas von der Größe des Waffenmeisters Hildebrand besitzt. Auch das Ver­kennen feiner lauteren Absichten durch die natio­nale Opposition konnte den allein seinem Gewissen Verantwortlichen nicht im Tun und Lassen beirren. Hindenburg wurde Jahre hindurch nicht verstan­den. Man erwartete von ihm, daß er sich Hals über Kops in politische Unternehmungen stürzen sollte, die damals noch Abenteuer waren. Wahr­hafte staatsmännifche Größe aber zeigt sich erst darin, daß die entscheidende Tat im rech­ten Augenblick erfolgt. Gerade bie national­sozialistische Revolution brauchte ein retarbierenbes Moment, das jenseits bes Parteienkampfes ftanb und bafür bürgte, baß die Kräfte des Kommenden in aller Ruhe reifen konnten. Die Geschichte wird Hindenburg hier ebenso gerecht werden, wie sie dem Feldherrn von Tannenberg oder dem Füh­rer des Rückzuges von 1918 gerecht wurde.

Ein gütiges Geschick hat Hindenburg mit einer unzerstörbaren Gesundheit und mit einer bewun­dernswerten Frische des Geistes ausgeftattet. Es ist die gesunde Rasse des altpreußischen Edelman- nes, der seit Jahrhunderten seinen Besitz vorbild­lich verwaltet und im Dienst der preußischen Könige ober bes Deutschen Ritterordens die Tugenden der Herrschaft und des Dienstes erwarb. Herrschaft hat Hindenburg rücksichtslos gegen die Urteile selbst seiner Freunde geübt, wenn er von der Gewißheit und Richtigkeit einer Sachlage.und eines Befehls überzeugt war. Bei Tannenberg wollte niemand die Veranwortung dafür übernehmen, daß nicht doch die Armee Rennenkampf der deutschen Dftarmee in den Rücken marschieren und eine furchtbare Nieder-

Die Probe.

Also jetzt schließen Sie Ihre Augen und berüh­ren Sie Ihre Nasel" so sprach der Doktor zu dem Kraftwagenfahrer, der nach einem Zusammenstoß auf einer Pariser Straße ihm zur Untersuchung auf Nüchternheit eingeliefert worden war. Der Auto­mobilist schüttelte über dieses Ansinnen verwundert den Kopf, aber er mußte gehorchen: er schloß also seine Augen und versuchte, so gut es ging, die Svitze seiner Nase zu berühren. Aber seine Be­mühungen waren vergeblich: es gelang ihm nicht, den äußerste Vonrsprung seines Riechorgans in sei­nem Gesicht aufzufinden. Das genügte dem Arzt und er bescheinigte, baß der Mannin betrunke­nem Zustande" gewesen sei. Dagegen aber hat der Kraftwagenfahrer entrüsteten Einspruch erhoben. Er erklärt, baß seine Nerven burch ben Unfall fo erschüttert waren, baß er bie Nasenspitze nicht fin- ben konnte, baß er aber nicht einen Tropfen vorher getrunken hatte. Jnfolgebessen hat sich eine lebhafte Erörterung darüber entwickelt, ob eine solche Probe auf Betrunkenheit berechtigt und wirksam sei. Viele Sachverständige behaupten, daß das Suchen der Nasenspitze nicht dabei verwendet werden solle.

öocbfdnilnodiricbtcn.

Professor Gustav Pfannmüller, Dberbiblio» thekar an der Hessischen Landesbibliothek inDarm- stabt, vollendete am 1. Oktober bas 60. ß e b e n s j a h r. Der Gelehrte ist Begründer und Herausgeber der beiden SammelwerkeDie Klassiker der Reli­gion" undDie Religion der Klassiker", daneben verdankt ihm die Wissenschaft eine große Reihe wert­voller religionsgeschichtlicher Werke, wieJesus im Urteil der Jahrhunderte ,Die Propheten"Die Religion Friedrich Hebbels",Handbuch der Islam- Literatur". v . ......

Professor Dr. Otto Der tel von der Universität Tübingen wurde als Nachfolger von Professor Dr. H e i b e n h a i n zum o. Professor für Anato- mie in Tübingen ernannt. . _ r,

Professor Dr. Traugott Konstantin Oester- reich, a. o. Professor für Philosophie an ber Um- oerfität Tübingen, ist auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem Staatsdienst entlassen worden.

Es wurde auf der ganzen Linie mit Feuereifer qefpielt. Hub machte aus dem Domfapellmeifter Römer eine gemütvoll-humorige Singspielfigur und vermied, übrigens ausgezeichnet bei Stimme, dan­kenswerter Weife die hier besonders naheliegenden Abstecher in eine billige Sentimentalität.

Für Fräulein Bel i n g war d,e gestrige Aus­führung zugleich eine Abschiedsvorstellung: sie ver­läßt uns, um einer Filmverpflichtung nachzukom- men, in der sie ebenfalls das BärbeleJpielenr roirb Sie spielte es reizend, mit Humor und Gefühl unb tänzerisch so gelöst, daß wir uns mitbem herzlich abschiebnehmenben Publikum em balbtges Wicber- sehen in Gießen wünschen. Einstweilen Hals- unb Beinbruch beim Tonfilm!

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Maria Perry hatte mit der großen Partie der Malwine eine Aufgabe gefunden, die ihren gesang­lichen und darstellerischen Fähigkeiten besonders entgegenzukommen scheint. Sie traf ben Gbarafter ber koketten unb eleganten Liebhaberin recht über» ^Ästeb gier ment unb Paul Wrebe stellten sich als bie sahrenben Musikanten mit bem schwung­vollen Wanberbuett sympathisch vor und boten zwei heitere, wohlabgerundete Leistungen.

Hansi Stabiler unb Elisabeth Wielander führten als Hannele und Lorie, lehr niedlich anzu- eben, den Rheinländer-Reigen ber Schwarzwalb- mäbel an. ßuife Schubert-Jüngling als alte Träubel, V o l ck unb K ü h n e in ben berbkomifchen Rallen holten sich einen oerbienten Sonbererfolg.

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Das Haus, leider nur schwach besetzt, zeigte sich dankbar und beifallsfreudig: es gab allerlei Wieder- Holungen und schöne Blumensträuße zum Schluß.

hth.

bie Saat in ihrer reichen Fülle aufgehen zu sehen, bie unter seiner Herrschaft als Marschall ber Na­tion burch den Führer des Boltes, den von ihm berufenen Kanzler Adolf Hitler, ausgeftreut wurde!

Untersuchungen

über Verbrecher-Familien.

Um im Kampf gegen die Feinde der Gesellschaft die rechten Maßnahmen zu ergreifen, bedarf es einer großen Anzahl wissenschaftlicher Unterfuchun- gen an typischen Verbrecher-Familien, wie sie jetzt von der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie unternommen werben, lieber bie Grundsätze und Ziele dieser Arbeiten berichtet Dr. Friedrich Stumpfl in der bei I. F. Lehmann in München erscheinenden ZeitschriftVolk und Raffe". Wenn man die Schicksalekrimineller" Familien genauer verfolgt, bann erkennt man, baß eine gewisse gleich­förmige Anlage immer wieder in den Generationen auftaucht, die hie und da manchmal gehäuften For- men, zu Verbrechernaturen führt, aber auch bei ben scheinbar normalen und ganz unbescholtenen Ange­hörigen auftritt. So findet man etwa in der Fa­milie des Schwindlers und Hochstaplers Jenner den Zug, bei anderen Menschen einen günstigen Ein­druck zu erregen und damit im Zusammenhang die Neigung, über ihre Verhältnisse zu (eben. Die Fa­milienmitglieder sind überdurchschnittlich intelligent, haben ein gutes Betragen, und es bedarf augen­scheinlich nur eines Anstoßes, einer kritischen Situa­tion, um sie vom rechten Pfade abzubringen. Bei ber Durcharbeitung aktenmäßiger Darstellungen von Berbredjerbanoen findet man viele typische Merk­male in dem Charakterwesen krimineller Familien. Nun gibt es freilich Verbrecher, die unter den denk­bar günstigen Umweltverhältnissen aufwachsen, die keine kriminellen Verwandten haben, und es gibt andererseits Menschen, die in einer verbrecherischen Umgebung unter den ungünstigsten Umständen sich entwickeln und bie buch trotzdem nie zu Verbrechern werden. Man sieht also, baß Umwelt und Erziehung nicht die letzten ausschlaggebenden Faktoren sind, sondern daß es Erbanlagen gibt, die die Charakter­entwicklung stärker bestimmen. Da eine große Man­nigfaltigkeit von Formen des Verbrechens vorhan­den ist, so müssen es auch verschiedene Erbanlagen sein, die bas Zustanbekommen bes Verbrechens be­dingen. Die Erforschung ist demnach sehr schwierig. Durch die für die ganze Vererbungslehre so wichtige Zwillingsmethode hat Professor Lange den Nach­weis erbracht, daß der Einfluß her Erbanlagen bei ber Verbrechens-Entstehung viel weiter reicht, als man angenommen. Er stellte fest, baß von breißig Zwillingspaaren mit je einem kriminellen Partner bei den eineiigen also erbgleichen Zwillingen immer auch der zweite Partner zum Verbrecher wurde. Wüßten wir genau, was für Erbanlagen bei den verschiedenen Arten der Verbrechen eine Rolle spie-

Auch sonst ist das Merkchen mit einer recht ein­fallsreichen und beweglichen Musizierfreudigkeit ge- schrieben, bie sich bei jeder neuen Inszenierung wie- der ausschlaggebend zur Geltung bringt.

Der dankbaren Partitur liegt ein Textbuch zu­grunde, dessen anspruchslos singspielmäßige Hand- lunq gleicherweise von eine volksstückartig derben unb handfesten Situation^- und Mundartkomik unb einer gewissen Gefühlsseligkeit beherrscht wird, die ersahrungsgemäß sowohl im Kino wie aus der Bühne eines einhelligen Erfolges oeim Publikum stets gewiß ist.

Kunst und Wiffenschast.

Deutsche Buhne" und deutsche Arbeiter.

Wie das Vdz.-Büro meldet, hat die nationalsozia­listische BesucherorganisationDeutsche Bühne" die Stellungnahme des Führers der Deutschen Ar­beitsfront, Dr. Ley, zur Gestaltung des Feierabends begrüßt, zumal Dr. Ley darin die Notwendigkeit betone, ben Arbeiter mit ben Kulturgütern bekannt zu machen. DieDeutsche Bühne" erklärt, es sei gleichzeitig damit Sorge da- ür getragen, daß die gesamte deutsche Mrbeiter» chaft der Werbung für die Neugestaltung des beut» chen Theaters im Sinne derDeutschen Bühne" ihr Interesse zuwendet und dem Rufe des Führers Folge leistet. DieDeutsche Bühne" werde es ihrer- feits als ihre besondere Pflicht erachten, den deut­schen Arbeiter durch Eintrittspreise, die den Zeit- Verhältnissen und der Einkommenslage angepaßt sind, immer enger an das werdende deutsche Nationaltheater zu fesseln.

Neuer Staatskommissar

für bas Musikprüsungswesen in Hessen.

Die Hessische Staatsregierung ernannte ben musi­kalischen Oberleiter bes Hessischen Landestheaters, Karl Fr ib er ich, zum Prüfungskommissar als Nachfolger von. Prof. Dr. Arnolb M e n b e l s f o h n; als solcher überwacht er bie Staatsprüfungen ber Städtischen Akademie für Tonkunst in Darmstadt