Ausgabe 
2.10.1933 Frühausgabe
 
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Geh. Prof. Br. Kisch (München)

entbot dem Leiter der Deutschen Rechtsfront herz­liche Worte der Begrüßung und des Dankes dafür, daß auch den Rechtslehrern Gelegenheit gegeben fei, zu ihm zu sprechen. Reichsjustizkommissar Dr. Frank betonte, daß die Recbtslehrer die große Mission zu erfüllen haben, die Brücke zu schlagen von dem wertvollen Kulturgut deutscher Vergangenheit zu der kommenden Epoche des Deut­schen Reiches. Man werde sich mit aller Kraft da­für einsetzen, daß die Freiheit der Lehre auf dem Gebiete der Rechts- und der Wirtschafts­wissenschaft nie und nimmer angetastet werde.

In der Wandelhale des Reichsgerichts fand

ein Empfang des Reichsjustizkommissars Br.

Frank durch daspräsidiumdes Reichs­

gerichts, die Reichsanwattschaft und Rechts­anwaltschaft beim Reichsgericht statt.

Auf die Begrühungsworte des Senatspräsidenten Oegg erklärte Dr. Frank u. a.: Der National­sozialismus Adolf Hitlers ist stark genug, unab­hängige Richter ertragen zu können, und wehe dem Staat, der unabhängige Richter fürchtet. Die Reichsregierung und die Justizminister der ein­zelnen Länder haben mich beauftragt, Ihnen zu ver­sichern, daß Ihre richterliche Unab­hängigkeit unaeta st et bleibt. Niemals vor­her war eine juristische Kundgebung von dem Geist und den Ausmaßen der heutigen in Deutschland möglich, und auch der Führer selbst wird sich vor aller Welt klar und deutlich zum Rechts st a a t bekennen. Das Recht ist nicht der Diener der Politik, sondern die Politik muß zum Sicherheits­garanten des Rechts gemacht werden.

Riesenkundgebung vor dem Reichsgericht.

Bor dem Reichsgericht waren inzwischen die Tagungsteilnehmer aus allen Gauen des Reiches in einer nach vielen Tausenden zählenden Menge aufmarschiert. Sie wollten dadurch die lebendige Verbundenheit der Rechtsprechung mit dem Volk besonders deutlich zum Ausdruck bringen. Hier führte der Reichsjustizkommissar aus:Ich bringe euch, deutsche Juristen, die Grüße des Füh­rers. Wir deutschen Juristen sind uns dessen be­wußt, daß von der nationalsozialistischen Revolution an eine neue deutsche Rechtsgeschichte zu beginnen hat. Adolf Hitler ist deshalb unbesieg­bar, weil seine Macht in dem Recht des deutschen Volkes wurzelt. Deutsches Volk, glaube wieder an deine Juri st en! Wir sind voll des heiligen Ernstes, Rechtszustände zu schaffen und zu gewährleisten, die deine Zukunft sichern sollen. Der deutsche Geist zieht ein in die Gesetze, in die Verordnungen, in die Rechtsprechung. Wir grüßen in dieser Stunde den Führer des neu» erweckten Reiches, wir grüßen in dieser Stunde das große deutsche Volk. Wenn die Welt jetzt aus Anlaß eines Prozesses, der in diesem Hause spielt, uns vorwersen zu sollen glaubt, daß die deutsche Regierung politische Einflüsse mißbraucht, um diesen Prozeß in ihrem Sinne zu führen, so ist längst diese Lüge zerstört durch die Tatsache, daß dieser Prozeß in richterlicher Objektivität geführt wird. Wir wünschen vor der Welt für derartige Prozeßvorgänge Ankläger, aus denen der eherne Wille des Deutschen Reiches spricht, mit den Ver­derbern aus dem Untermenschentum mit aller Härte abzurechnen. Es solle niemand glauben, daß wir uns beugen. Wir beugen uns nur vor dem ewigen Gott, aber sonst niemand auf der Welt." Dr. Frank schloß:Wir wissen, daß unser Führer unser ©ottes ft reiter ist in diesem Gottesgericht, dem das deutsche Volk sich unterwirft. Dieses Gottes­gericht mag entscheiden, ob der Weg Adolf Hitlers der rechte wär. Wir wissen aber, daß er der ein­

zige Weg in die Zukunft des deutschen Volkes ist und darum beschreiten wir ihn."

Die Rede Dr. Franks klang aus in einem drei­fachenSieg Heil!" auf den Führer. Dann schritt Justizkommissar Dr. Frank die Front der aufge­stellten Gauabteilungen ab. Die Kundgebung schloß mit einem dreifachen Heil für den Führer der deutschen Rechtsfront Dr. Frank.

Segmn der Sondertagimgen.

Der Reichsgeschäftsführer des Bundes National­sozialistischer Deutscher Juristen Dr. H e u b e r gab auf der Drganifationstagung am Nachmittag einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung des Bundes, der im Jahre 1928 durch einen Aufruf des Führers gegründet wurde. Während ihm noch 1930 kaum mehr als 100 Mitglieder angehörten, umfaßt er gegenwärtig nahezu 30 000 Mitglieder. Reichsjustizkommissar Dr. Frank wies darauf hin, daß nach der feierlichen Einleitung nunmehr d i e praktische Arbeit in den Sondertagungen beginnen soll, um die Teilnehmer auf die große bevorstehende Aufgabe der Schaffung eines deut­schen Rechts vorzubereiten. Die Reichsregierung und die in Frage kommenden ministeriellen Instanzen werden ein Zeitprogramm aufstellen, nach dem die gesamte Rechtsreform systematisch ange­packt werden soll.

Es begannen sodann die Sondertagungen der Wirtschaftsrichter, der Notare und Rechtsanwälte, Richter und Staatsanwälte, Verwaltungsbeamten, der Rechtspfleger und Justizbeamten, der Referen­dare, der Fakultätsfachschaften und der Verleger und Schriftleiter. Auch in einem Teil dieser Sonder- tagungen ergriff Reichsjustizkommissar Dr. Frank das Wort zu kurzen Ansprachen. Besonders ernste Worte der Ermahnung richtete er an die akademische Jugend auf der Tagung der Referendare.

Ein Oonauplan Mussolinis.

Einschaltung des Biermächtepakts.-Wie stellt sich die Kleine Entente?

Berlin, 2. Oft. (CNB.-Funkspruch.) Mit jener bemerkenswerten Energie, die alle diplomatischen Handlungen des italienifchen Ministerpräsidenten kennzeichnet, hat Mussolini jetzt einen Vorstoß in der Donaufrage unternommen, der geeignet sein wird, endlich in die dort schwebenden und durch mancherlei Jnteressentenwünsche komplizierten Pro­bleme Klarheit zu.bringen. Er hat den Regierungen des Viermächtepakts, der Kleinen Entente, Oester­reichs und Ungarns einen Plan unterbreitet, über den zwar Einzelheiten noch nicht bekannt sind, der jedoch anknüpft an die Empfehlungen der Kon­ferenz von Stresa, die vor nun genau einem Jahr ihre Arbeiten abschloß, ohne daß es bisher gelungen wäre, die von ihr vorgeschlagenen G e - treidevorzugszölle für d i e notlei­denden Donau-Agrar ft aaten auch wirk­lich durchzuführen. Hier soll nun der Mussolini- Plan einsetzen. Er ist insofern erweitert, als auch für andere Produkte eine bevor­zugte Zollbehandlung vorgesehen ist. So insbesondere für Erzeugnisse der öster­reichischen Industrie. Die italienischen Dor» fchläge zeigen eine bemerkenswerte Uebereinftim» mung mit den Grundlinien der Donaupolitik, die D e u t f ch l a n d stets folgerichtig und in loyaler Berücksichtigung der Notwendigkeiten der südost­europäischen Staaten vertreten hat.

Don besonderem Interesse ist beim italienischen Plan der Vorschlag, die Verhandlungen in irgend­einer Form mitdemJnstrumentdes Vier­mächtepa 5t es zu kombinieren. Dies und die Empfehlung zweiseitiger Verträge zur Lösung der schwebenden Fragen bedeutet einen weiteren Schritt in jener von Mussolini konsequent verfolgten Politik, die Lösung politischer und wirt­schaftlicher Schwierigkeiten den unmittelbar Beteiligten feibft anheimzugeben. Es wird damit der natürliche und den wirtschaftlichen Not­wendigkeiten gerechtwerdende Weg in der Donau­politik eingetragen, der den wahren Interessen der Beteiligten und der europäischen Völkergemeinschaft mehr entspricht als diejenigen Pläne, die unter dem Vorwand einer nichf bestehenden Solidarität wirt­schaftlicher Interessen in Wahrheit rein macht- politische Ziele bezwecken.

Dies und nicht anderes bedeuten die auf der kürz­lich abgeschlossenen Konferenz von Sin a ia er­örterten Pläne der Kleinen Entente, die be­kanntlich eine Aufnahme des Ueberschusses der land­wirtschaftlichen Erzeugnisse Rumäniens und Süb» slawiens durch die Tschechoslowakei vorsehen, was fchon daran scheitert, baß letztere s e l b st an lanb- wirtschaftlichen Probukten Ueberfluß hat. Die Aktivität, bie von ben Staatsmännern bes Kleinen Verdanbes, besonbers von Herrn Bene sch, entfal­tet wirb, geht immer roieber bahin, auch Oester­reich in ben Interest nkreis Prag, Bukarest, Bel- grab einzubeziehen. Die letzten Wochen haben aller­dings gezeigt, daß die Gegensätze innerhalb der Klei­nen Entente nicht gering sind. Sowohl Rumänien als auch Sübslawien bekunden keine Neigung, sich von Prag ausgehenden Wünschen anzuschließen. Man wird die Meldungen, die von einem baldigen Abschluß einesBalkan-Locarno" unter Einbe­ziehung Bulgariens sprechen, mit Zurück- Haltung aufnehmen, besonders weil auch Bulgarien auf seine revisionistische Politik nicht verzichten kann. Unter einer Fülle von Plänen und Erörterungen steht nun der italienische Plan als konkreter, nütz­licher und einer baldigen Durchführung würdiger Vorschlag zu einer Behebung der Schwierigkeiten im Donauraum, die mit Erfolg nur bann in Angriff genommen werben können, wenn die beiden anlie­

genden Großmächte, Italien und Deutsch- land, wie sich aus der tatsächlichen Lage ergeben wird, Berücksichtigung finden.

Die Hauptaussprache der Völkerbundsversammlung

Die Großmächte halten sich weiterhin zurück.

Genf, 30. Sept. (TU.) Die Hauptaussprache der Völkerbundsversarnrnlung wurde am Samstag fort­gesetzt. Im Gegensatz zu früheren Jahren ist die diesjährige Hauptaussprache bis jetzt ohne jedes politische Interesse verlausen. Als einziger Vertreter der Großmächte hat vorläusig nur der englische Außenminister Simon wohl mehr, um die Aussprache überhaupt in Gang zu bringen, in einigen farblosen Ausführungen zur Abrustungsfrage gesprochen. In der Samstagsitzung brachte der Vertreter Haitis, der griechische Konsul Frangulis seinen schon seit einiger Zeit be­kannten Antrag auf Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes aus alle Staaten vor, für dessen Einbringung er offen­sichtlich von einer anderen Macht vorgeschoben worden ist. Ferner nahmen die Vertreter Uru­guays, Griechenlands und Lettlands zu der gegenwärtigen Weltlage und dem Problem des Völkerbundes in längeren wenig interessieren­den Ausführungen Stellung. Der Vertreter I r - lands kritisierte scharf, baß bie Großmächte nicht bie Gelegenheit wahrgenommen hätten, um ihrerseits zu ben großen politischen Fragen Stel­lung zu nehmen. Die Vollversammlung tritt am nächsten Montag zu ben Neuwahlen in ben Völkerbunbsrat erneut zusammen.

Oas Problem der deutschen Flüchtlinge in Genf.

Genf, 30. Sept. (TU.) Der Tagesorbnungsaus- schuß ber Dölkerbunbsversammlung erörerte am (Samstag ben Antrag ber hollänbischen Regierung, wonach der Völkerbunbsrat eine neue Organisation für bie Regelung ber deutschen Flüchtlinqsfrage schaffen soll. Der Ausschuß beschloß schließlich, den Antrag dem 2. Ausschuß für wirtschaftlicheFragen zuüberweisen. Fran­zösische Versuche, die Frage durch Ueberroeifung an ben politischen Ausschuß zu einer grunbsatz- lichen politischen Frage zu erklären, brangen nicht durch. Der Wirtschaftsausschuß ber Völkerbunbsver- fammhing wirb fij) baher mit biefer Frage lebig- l i ch vom w i r t s cha ftl i ch e n S ta nb pu n k t a u s zu befassen haben, so daß eine politische Be­handlung der Flüchtlingsfrage formal ausgeschlossen erscheint.

Ausschreitungen gegen einen deutschen Diplomaten in Prag.

Prag, 30. Sept. (WTB.) Die Polizei-Korrespon- benz teilt mit: Heute nachmittag näherte sich dem Legationssekretär der Deutschen Gesandtschaft in Prag, F reiherr n v. Bibra, als dieser durch eine Straße ber Altstabt ging, ein tschechoslo­wakischer Staat sangehöriger deut­scher Nationalität unb riß ihm vom Rock­aufschlag das Hakenkreuz herab. Bei der hierbei entstandenen Ansammlung wurde der Lega- tionsfefretär von einer unbekannten Frau beleidigt. Die Sicherheitswache nahm ben Ueberfallenen in Schutz unb brachte mehrere Personen auf bas Polizeikommissariat, wo sie in

Haft genommen würben. Die weiteren Erhe- r bungen in dieser Angelegenheit sowie das amtliche I Verfahren wurden unverzüglich eingeleitet.

Das Londoner Echo des deutschen Erntedankfestes

L o n b o n, 2. Ott. (WTB. Funkspruch.) Die beiben Ereignisse, bie in Deutschlanb ben 1. Oktober gekenn­zeichnet haben, bas Erntebankfest unb ber Beginn bes großen Winterhilfswerks finben in ber Lonboner Presse außerordentliche Beachtung. Der Berliner Korrespondent berM o r n i n gp o ft" sagt: Die Mittagsmahlzeit von einem Gang war eine historische Begebenheit. Es muß in ber mobernen Geschichte bas erstemal gewesen fein, baß eine Regierung fähig war, bie öffentliche Mit­tagsmahlzeit einer ganzen Nation zu beaufsichtigen. Eine warmherzige Schilberung finbet sich im Daily Expreß", besten Sonbertorrefponbent in Dresden der Geburt einer neuen Welt bei- gewohnt zu haben erklärt. Er sagt: Niemals ist ein mächtigeres Fest veranstaltet worden. Hitler, ber Meisterregisteur hat bas Bünbnis zwischen Stabt unb fianb besiegelt.

Denkmalsweihe für R101.

Keine Politische Aussprache zwischen Macdonald und Daladier.

Paris, 1. Okt. (WTB.) In Allonne bei Beau­vais würbe ein Denkmal für die Besatzung des englischen LuftschiffesR 101" einge- weiht, das vor drei Jahren an dieser Stelle im Sturm abgestürzt war. Macdonald war kurz nach 10 Uhr in Begleitung des englischen Luft­fahrtministers und der Ueberlebenden ber Kata­strophe im Flugzeug in Beauvais einaetroffen, wo er vom französischen Ministerpräsi- benten empfangen würbe. In ihren Reben am Gebenkstein wiesen beibe barauf hin, baß bas Unglück bes Luftschiffes auf französischem Boben eine Quelle ber Zusammengehörigkeit ber beiben ßänber barstelle. Macbonalb sagte, baß bie 23er» bunbenheit ber beiben Völker weiter bauere, um in ben Dienst bes Friebens unb bes Fortschrittes gestellt zu werben. Die Gelegenheit zu einem Mei­nungsaustausch zwischen ben Ministerpräsidenten

über bie Abrüstungsfrage hat Macbonalb zunichte gemacht, er ist kurz nach bem Frühstück im Bürger­meisteramt auf bem Luftwege roieber nach ßonbon zurückgekehrt. Vor feiner Rück­kehr betonte ber englische Ministerprcisibent noch, baß bie Unterhaltungen keinerlei politi­schen Charakter gehabt hätten. Der Anlaß bes Zusammentreffens sei viel zu ernst bazu ge­wesen.

Oie hessischen Pfarrer zur hessischen Bischofsfrage.

EPH. Eine am 28. September 1933 zu Frankfurt am Main tagenbe hessische Pfarrerver­sammlung beschloß in ber Lanbesbischofsfrage mit allen gegen vier Stimmen folsgenbe Erklärung: Heute in Frankfurt versammelte 80 hessische Pfarrer erklären: Wir mißbilligen zusammen mit 285 bessischen Amtsbrübern. bie bem schriftlich sich an» schließen, bie öffentlichen unb ber Wahrheit zu- roiberlaufenben Herabsetzungen, bie Pfarrer Knell (Hanau) gegen unseren Prälaten, unsere hessische Kirche unb beren Haltung unb Leitung ausgesprochen hat. Wir verurteilen es, daß Streit um bie Lanbesbischofsfrage in bie Öffentlichkeit getragen worben ist, vor bie sie nicht gehört, unb vertrauen getrost ben berufenen Instan­zen (bem Reichsbischof unb ber tommenben Groß­hessischen Synobe) baß sie bie rechte Wahl treffen werben.

Herabsetzung der Mitgliedsbeiträge der ASBO.

B e r I i n , 29. Sept. (ERB.) Die NSBO.-Presse- stelle teilt mit: Da bie NSBO.-Mitglicber nach An­weisung bes Stabsleiters ber PO. Dr. Ley gleich­zeitig in bie Derbänbe ber Arbeits­front übergeführt werben, erhebt bie NSBO. keine {elbftänbigen Mitgliebsbei» träge mehr. Zur Deckung ber laufenben Aus­gaben zahlen bie Mitglieber ber NSBO. lebiglich einen befonberen Werbebeitrag von monatlich 25 Pfennig bei einem Einkommen bis zu 150 Mark. Bei einem barüber hinausgehenben Einkommen finb 35 Pfennig für ben Werbefonbs zu entrichten.

Aus aller Welt.

Oie Geburtstagsspende des Reichspräsidenten.

Berlin, 30. Sept. (WTB.) Wie alljährlich in ber letzten Jahren, so hat Reichsprösibent von Hin­denburg auch anläßlich feines biesjährigen Geburts­tages bie Unter ft ützungzahlreicher schwer Notleidenber aus ber von ihm im Jahre 1927 errichteten StiftungHinbenburg-Spenbe" verfügt. Rund 300 Kr i e g s b e s ch ä bi g t e, Kriegshinterbliebene unb Veteranen finb mit Beträgen von burchweg je 150 RM. unter­stützt worben.

Russischer Stratosphärenballon erreicht 19000 Meter Höhe.

Der russische StratosphärenballonSSSR." ist am Samstagfrüh um 8.41 Uhr in Moskau aufge­stiegen. Der Ballon ftanb währenb bes Fluges in ftänbiger Funkverbindung mit der Erbe. Um 9.58 erreichte er eine Höhe von 17 900 Meter. Die Stim­mung ber Besatzung war ausgezeichnet. Die Sauer­stoffapparate funktionierten gut. Die Temperatur in ber ©anbei beträgt 14 Grab Wärme, bas Thermo­meter zeigt eine Außentemperatur von 64 Grab Kälte. Um 12.13 hatte ber Ballon nach Verbrauch bes gesamten Ballastes eine Höhe von 18 400 Metern erreicht. Um 12.50 Uhr ging ein Funkspruch ein, baß ber Ballon zu sinken beginne. Zu biesem Zeitpunkt hatte er eine Höhe von 19000 Metern erreicht. Der Stratosphärenballon ist um 17 Uhr in ber Nähe ber Kolomna-Werke, 115 Kilo­meter von Moskau entfernt, auf einer Wiese am Ufer ber Moskwa gelanbet. Der Ballon unb bie Apparate waren unversehrt, bie Besatzung wohlauf.

Wie bie BerlinerNachtausgabe" zu bem russi­schen Stratosphärenflug ergänzenb berichtet, be­staub bie Besatzung bes Stratosphärenballons, ber am Samstagfrüh nach kurzen nächtlichen Vorberei­tungen zu einem Höhenflug aufgestiegen ist, aus brei Mann. Der Führer bes Ballons erklärte vor bem Start, baß er bie Absicht habe, 18 Stunben in ber Stratosphäre zu bleiben, um bort genaue wissenschaftliche Beobachtungen vorzunehmen. Es sollte versucht werben, eine Höhe von 30 000 Meter zu erreichen, jeboch war ber Ballon nach Erreichung einer Höhe von 19000 Meter, woburch ber Höhen- reforb Piccarbs gebrochen würbe, im Sinken begriffen. Der Ballon hat einen Raum­inhalt von 25 000 Kubikmeter, bie kugelförmige, ganz aus Metall hergestellte Stratosphärengonbel weist einen Durchmesser von 2,4 Meter auf.

Segelflieger ftronfelb abgestürzt, aber unverletzt.

Bei einem Flugmeeting in Laxenburg (Nieber- öfterreid), bei bem vor 30 000 Zuschauern ber be­kannte Segelflieger Kronf elb Vorführungen zeigte, streifte Kronfelb bei ber Lanbung mit feiner neuen MaschinePanhans-Semmering in einem Dark mehrere Bäume. Die Maschine stürzte in ben Laxenburger Teich. Kronfeld konnte sich vom Apparat losmachen und das Ufer schwimmend er­reichen. Die Maschine wurde vollständig zertrüm­mert. Kronfelb ging unmittelbar nach bem Unfall zum Mikrophon unb hielt eine beruhigenbe An­sprache an bas Publikum. Balb barauf setzte er seine Vorführungen fort.

Flugzeugunglück in England. Brei Tote.

Ein schweres Flugzeugunglück, bei dem brei Personen ums Leben tarnen, ereignete sich am Sonntagnachmittag bei Hawkhurst in ber Grafschaft Kent. Dort stürzte ein englisches Prioat- flugzeug ab, bas von ber Gebenkfxier für bie Opfer berR 101"-Luftschiff-Kataftrophe in Beauvais zu­rückkehrte. Alle brei Insassen, nämlich ber Flugzeug­führer, ber Präsibent ber britischen Luftfahrtgesell­schaft unb ein Pressephotograph würben getötet. Das Flugzeug würbe vollkommen zerschmettert. Die Ursache bes Unglücks ist vorläufig noch ungeklärt.

vier Tobesopser eines Familienbramas in Versailles.

Ein furchtbares Farnilienbrarna ereignete sich in ber Villa eines Notars in Versailles. Der 63jährige Notar 231 a bot, ber in Paris eine gut- gehenbe Praxis unterhielt, erschoß im Treppen­haus zunächst feinen 26jährigen Sohn, als dieser im Begriff war, sich in die Universität zu begeben.

Dann begab er sich in das Schlafzimmer seiner 22jährigen Tochter unb tötete sie burch mehrere Schüsse in bie Brust. Die Frau bes Notars eilte in bas Schlafzimmer ihrer Tochter, doch noch ehe sie ein Wort aussprechen konnte, erhielt auch sie meh­rere Kugeln in bie Brust. Einer im Hause anwesen- ben Krankenschwester gelang es schließlich, ben Mör­der zu entwaffnen. Während sie sich jedoch in ein im unteren Stockwerk gelegenes Zimmer begab, um ben Revolver zu verstecken, hörte sie im ersten Stock erneut Schüsse und fand ben Notar mit zwei löb­lichen Kopfwunben auf. Er hatte sich eines zweiten Revolvers bebient, Öen bie Krankenschwe­ster nicht bemerkt hatte. Die Gründe zu diesem drei­fachen Mord und Selbstmord sind noch nicht völlig geklärt. Man vermutet jedoch, daß ber Vater die Krankheit seiner beiben Kinder, bie beibe hochgrabig schwindsüchtig waren, zur Tat getrieben hat. Vor wenigen Tagen hatte ihn ber behanbelnbe Arzt bar­auf aufmerfjam gemacht, daß sich ber Zustanb seiner Tochter wesentlich verschlimmert habe unb keine Hoffnung auf Heilung vorhanben sei.

Tourislengruppe am Matterhorn vermißt.

Eine führerlose Touristengruppe, bie bas Mat­terhorn besteigen wollte, wirb vermißt. Die letzten Spuren ber Vermißten fanben sich in ber Matterhornhütte. Die nach ben Vermißten ausge» sanbte Führerkolonne mußte unverrichteter Sache zurückkehren. Infolge Schneefalls finb bie Nachforschungen sehr erschwert. Bei ben Vermißten handelt es sich um ben Berliner Erich Gilbrecht, ben aus Bludenz ftammenben Johann Locher unb um Johann Janszewski aus Glabbeck.

Auto vom Zuge erfaßt. vier Tote.

Sonntag früh burchbrach ein Personenauto aus Mallersborf (Nieberbayern) die geschlossene Bahn­schranke Neufahrn bei Landshut unb kam auf bem Bahnkörper zum Stehen. Der herankommenbe Per- sonenzug Nr. 1004 RegensburgMünchen erfaßte burch bie Lokomotive das Fahrzeug, bas 24 Meter weit vom Zuge mitge schleift wurde. Durch den Zusammenprall wurden bie vier Wageninsassen aus bem Auto geschleudert unb waren sofort t o t. Das Auto geriet, nachdem es vom Zuge erfaßt und mitgeschleift worden war, in Brand. Die Getöteten stammen sämtlich aus Mallersborf. Die Unfallstelle ist sehr übersichtlich, doch herrschte sehr starker Bo- bennebel, ber die Sicht auf vier bis fünf Meter be­schränkte.

Deutsche Stahlhelmführer in Ungarn.

Auf Einladung des ungarischen Frontkämpfer­bundes traf in Den letzten Tagen eine aus 20 Stahlhelmführern bestehende reichsbeutsche Reisegesellschaft in Bubapest ein. Sie wurde am Bahnhof von einer SOgliebrigen Delegation ber ungarischen Frontkämpfer feierlich begrüßt. Für bte Begrüßung bankte ber Führer ber beutschen Gruppe, Hauptmann Hauffs. Die beutschen Gäste wohn­ten einer großen Feierlichkeit ber ungarischen Front­kämpfer bei.

Wettervoraussage.

Die Stanbinnoienftörung hat sich süböstlich aus- gebreitet und reicht mit ihren Ausläufern bis nach Nordostdeutschland vor. Da über dem Norbmeer das Barometer noch angeftiegen ist unb sich bie Luft- bruckgegensätze verschärft haben, fließt von Skandi­navien her kühle Luft südwärts, die bis nach Deutschland gelangt und das Wetter vorübergehend wechselhaft gestalten wird. Neben Bewölkungsaufzug ist auch vereinzelt mit etwas Regen zu rechnen, bie Temperaturen werben zum Sinken gebracht. Der hohe Druck im Norbwesten wirb sich jeboch später wieder nach dem Festland ausdehnen unb Wetter­beruhigung veranlassen.

Aussichten für Dienstag: Etwas kühle­res unb mehr wechselhaftes Wetter, bunstig unb wolkig mit zwischenzeitlicher Aufheiterung, ver­einzelt etwas Nieberschlag.

Aussichten für Mittwoch: Wieber beste- res Wetter in Aussicht.

Lufttemperaturen. Am 1. Oktober: mittags 21,9 Grab Celsius, abenbs 14,8 Grab. Am 2. Oktober: morgens 14,2 Grab: Maximum 24,6 Grab, Mini­mum 13,4 Grab: Nieberschläge 0,0 Millimeter. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 1. Ok­tober: abends 17,7 Grad: am 2. Oktober: morgens 15,3 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 3s/< Stunden.