Ausgabe 
2.10.1933 Frühausgabe
 
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Der deutsche Bauer weiß, daß alles, was heule ge­schafft wird, ohne diesen Bauernkanzler Adolf Hitler nicht möglich wäre. Damit weiß aber der deutsche Bauer auch, daß sein Schick­sal mit Adolf Hitler steht und fällt. Wer diesen Mann antastet, tastet gleichzeitig an die heiligen

Güter des deutschen Bauerntums und läuft Gefahr, das deutsche Bauerntum zu entschlossenstem Wider­stand bereit zu finden. Darum fordere ich alle Bauern und die hier Versammelten aus, mit mir ein,zustimmen in den Ruf: Unserem Führer und seinem Kampf ein dreifaches Sieg-Heil!

Der Führer spricht zu den deutschen dauern.

Urquell völkischen und staatlichen Seins.-Dolksgemeinschast in Stadt und Land.

Deutsche Volksgenossen und -genossinnen! Meine deutschen Bauern! Seit im vergangenen Jahre die Ernte heimgeführt wurde, hat sich in Deutschland ein Wandel von geschichtlichem Aus» maß vollzogen. Ein Parteistaat ist gefallen, ein Volks st a a t ist entstanden. Vielleicht wird erst eine spätere Zeit die Größe der Umwälzung dieser letzten acht Monate ganz würdigen können. Wir sieben alle zu sehr im Bann dieser vorwärts- stürmenden Zeit, als daß wir ihren Vormarsch durch Vergleiche messen könnten. Was noch vor wenigen Jahren als unmöglich erschien, ist nun möglich ge­worden. Was Millionen für aussichtslos hielten, ist heute Wirklichkeit. Was dieser Gewalt trotzen wollte, ist gestürzt: Eine Revolution brauste über die deutschen Lande hinweg, ein System zertrüm­mernd, unser VoU aufwühlend bis in seine inner­sten Tiefen.

Nierckmd soll sich wundern, daß aber von dieser gewaltigen Bewegung gerade der Stand am meisten ergriffen wurde, der das tragende Fundament unseres Volkes ist. Denn der Nationalsozialismus hat weder im Individuum noch in der Menschheit den Ausgangspunkt feiner Be­trachtungen, feiner Stellungnahme und Entschlüsse. Er rückt bewußt in den Mittelpunkt seines ganzen Denkens das Volk. Dieses Volk ist für ihn eine blutmäßig bedingte Erscheinung, in der er einen von Gott gewollten Baustein der menschlichen Gesellschaft sieht. Das einzelne Indi­viduum ist vergänglich, das Volk ist blei« b e n d. Es ist notwendig, daß der Einzelne sich langsam zur Erkenntnis durchringt, daß fein eigenes Ich unbedeutend ist, g e messen am Sein des ganzen Volkes, daß daher die Stellung dieses Einzelnen nicht aus­schließlich bedingt ist durch die Interessen der Ge­samtheit des Volkes, daß daher die Ueberheblichkeit, die Einbildung, der Eigen- und Standesdünkel nicht nur lächerlich, sondern auch schädlich sind für die Existenz einer Volksgemeinschaft, daß vor allem die Gei st es- und Willenseinheit ei­ner Nation höher zu schätzen sind als die Geistes- und Willensfreiheit des Einzelnen, daß das höhere Lebensinteresse der Gesamtheit den Interessen des Einzelnen hier die Grenze ziehen

fall Einhalt geboten. Dank dem gläubigen Vertrauen der überwältigenden Millionenmasse un­seres Volkes ist es uns gelungen, die Entwicklung nach unten aufzuhalten und in eine solche nach oben zu wenden. Niemand kann unseren guten Willen be­streiten, das Beste für unser Volk zu tun und unse­ren Mut, die dafür nötigen Entschlüsse zu treffen.

wenn wir aber auch In der Zukunft Erfolg haben sollen, bann ist dies nur möglich unter der Mitarbeit des Volks selbst. Das ist es, was ich heule von euch, meine deutsche Bauern, wieder verlangen muh: Nur wenn ihr selbst im Vertrauen und in Zuversicht hinter uns tretet, kann das große Derk der Rettung unse­res Volkes und eurer selbst gelingen. Ihr dürst nicht nur der Nähr-, sondern ihr müht auch der Willensstand in den deutschen Landen sein. So wie Ihr selbst ohne Rücksicht auf Wetter und hagelfchlag eure Arbeit tun müht, müßen wir auch als Führung und Volk in der Tat überall unsere Pflicht erfüllen. Auch wenn das Schick­sal uns manchen Entschluß und manche Tat vergeblich sein läßt, so dürfen wir doch keine Sekunde zögern, immer das zu tun, was un­seres wissens und unserer Einsicht nach zu tun notwendig ist.

Wir bauen an einer neuen Gemein­schaft unseres Volkes. Kein Stand kann sein ohne das Verständnis und die Hilfe des anderen. Millionen von Städtern klären wir auf über die gewaltige Bedeutung des deutschen Bauerntums. Sie sind bereit, Opfer zu bringen für Euch und so müßt Ihr, meine deutschen Bauern, auch wieder Opfer bringen für die anderen. Es ist ein ge­waltiges Werk gegenseitiger Hilfe- leistung, das wir zum ersten Mal für diesen Winter symbolisch organisierten. Was Stadt und Land gemeinsam an Opfern nun bringen zur Ret­tung unserer bedürftigen Volksgenossen, zur Linde­rung der Not, wird zu einem Kapital, das e i n ft für alle feinen Nutzen abroerfen

wird. Die Verbundenheit von Stadt und Land, von Bauer und Arbeiter wird damit gewaltiger bekundet, als taufend Reden es könnten. Die Vor­sehung aber wird es am Ende auch hier den Unver­zagten, den Redlichen belohnen.

Wenn wir aber die Größe dieses Ringens er­messen, das wir in dieser Zeit auf uns zu nehmen haben, bann schaudern wir bei dem Gedanken, was ein schlechtes Jahr mit einer schlechten Emke heute für uns bedeutet hätte. Und umso größer ist unser Dank dem gegenüber, der unseren Aeckern so reich­lichen Segen gab. Möge uns dies aber nur bestär­ken in unserem Entschluß, ohne Wanken und Zagen fortzufahren in der friedli­chen Arbeit an unserem Volk. Denn sein Unglück ist unser Leid, seine Not ist unsere Not, seine Freiheit und fein Glück aber sind unsere einzige Sorge.

Sie sind hier, meine Bauern, zur größten Kund­gebung zusammengekommen, die in dieser Art wohl jemals auf der Erde stattgefunden hat. Es soll dies aber nicht nur eine Demonstration

Eurer Kraft, sondern auch eine sichtbare Kundgebung des willens Eurer Führung fein, wir wollen bewußt durch das Fest der Arbeit und das Fest der Ernte den Geist dokumentieren, der uns beherrscht und den weg, den wir zu gehen entschloßen sind. Möge aus der Gröhe dieser Demonstrationen für alle bie gegenseitige Achtung erwachsen unb bie Ueberjeugung, dah kein Stanb für sich, aber alle wohl gemeinsam b e - stehen können. Möge bieses Gefühl der Ver­bundenheit von Stabt und Land, von Bauern, Hand- und Kopfarbeiter sich immer mehr stei­gern zum stolzen Bewuhtsein einer gewaltigen Einheit. (Ein Volk find wir. Ein Reich wollen wir sein! An unseren Herrgott aber rich­ten wir in dieser Stunde in Demut die Bitte, uns auch in Zukunst seinen Segen z u geben zu unserem Werk und das tägliche Brot

Festlicher Ausklang.

Die Rebe des Führers löste einen grenzenlosen Iubelsturm aus, ber erst durch bie Klänge Des Horst-Weßel-Liebes unterbrochen würbe, bas von ber Menge mit erhobener Rechten begeistert rnitge- sungen wurde. Dann ertönten bie dumpfen Wirbel des Zapfenstreiches, unb bas Deutschlandlieb, aus vielen hunberttausenb Kehlen gesungen, klang auf. Die Spalier bildenden SA.-Leute auf dem Weg von Bückeberg nach Hameln hatten ihre Fackeln entzündet. Eine gleißende Lichtschnur zog sich weit durch die Nacht. Unter unbeschreiblicher Be­geisterung verließ der Führer den Bücke- berg, während rings auf den Bergen unter ge­waltigen Donnerschlägen die Höhenfeuer auf­flammten, Magnesiumlicht in allen Farben den gan­zen Horizont in ein Farbenmeer tauchte unb ber Ohrberg, von ber Rückseite beleuchtet, wie eine Silhouette aus dem inzwischen dichter geworbenen Nebel heroorstieg.

Wir fahren heim. Ueberall leuchten von Fenster zu Fenster uns die Kerzen entgegen. Man hat illu- miniert. Riesige rote und weiße Hakenkreuze leuch­ten von den Häusern, Fabrikschornsteinen und Ber­gen, leuchtende Transparente mit Sinnsprüchen spannen sich über die Straßen. Auf ber Weser ein Meer von roten Lichtern und Pünktchen: der La m - piontorfo der gesamten Weserflo11e hat den Bückeberg erreicht. Don den Bergen flam­men bie Feuer, Raketen zischen burch bie Luft unb bröhnenbe Donnerschläge des Feuerwerks gehen

sprühenbem Funkenregen voraus. Sternförmig zie­hen sich bie Lichterströme vom Bückeberg nach allen Seiten auf ben Straßen. Die Abfahrt der mehr als zehntausend Autos und Omnibusse hat begonnen. Viele Stunden wirb es noch dauern, bis die oonber« züge, Autos unb Omnibusse, die geschmückten Bau­ernwagen und bie vielen Tausenben von Fahrräder bie Menge abtransportiert haben. Es sind weit über Hunberttausenb, bie noch einmal eine Nacht in den großen Feldlagern verbringen müssen, denn es ist technisch unmöglich, ben gesamten Abtransport in einer Nacht zu bewältigen. Die Vertreter ber aus- länbrschen Gesanbschaften, die Mitglieder der Reichs­regierung traten bie Heimfahrt von Bab Pyrmont aus an, wo sich in ben Anlagen ein bewegtes Trei­ben in ben Abenbstunden entwickelt hatte. Der Füh­rer selbst hat das Bückeberg-Gebiet im Wagen ver­laßen, um in ber Ruhe eines abgelegenen Ortes die Nacht zu verbringen.

Unbeschreiblich ist das Bild, bas bie Stabt H a - mein am Adenb bietet. Die Ausschmückung ber Stabt bietet im Fackel- unb Lichtersck^ein ein wun­dervolles Bild. Viele der alten Renaissance-Häuser sind angestrahlt, hinter ben Fensterscheiben stehen überall Lichter, rote, grüne, weiße und andere Far­ben. Auf der Weser liegen mit leuchtenden Fenstern bie Weserdampfer. In den Wassern ber Weser spie­gelt sich all bieses ßieft unb all biese Farbe unb vermischt sich zu einem fast unwirklich anmutenben Gemälde.

unb Pflichten auferlegen muß.

Der Nationalsozialismus ist daher ein fanatischer unb unerbittlicher Feind jeder Klassen- fpattungunb Stanbestrennung. (Et

Das neue Recht im neuen Staat.

wird deshalb alle Auffassungen unb altes Tun bekämpfen, bie in ihren Auswirkungen ber Na-

Beginn des Deutschen Iuristentages in Leipzig.

Hon als Einheit Schaden zufügen müßen. Er wirb burch feine Erziehung unbeirrbar die Aus­merzung jener Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens betreiben, die der Volksgemeinschaft ab­träglich find. (Er wird damit in erster Linie auf­räumen mit der fatschen Vorstellung, daß d i e Arbeit als solche verschieden b e - wertet werden könnte. (Er wird dabei die Ueberheblichkeit und Anmaßung ber einen Seite genau so wenig bulben, wie bie bet anbeten Kopf- und Handarbeit find beide gleichgeartet, wenn fie der Erhaltung einer Volksgemeinschaft dienen.

Mit diesem Bekenntnis aber will die national­sozialistische Revolution nicht nur eine Glorifizie­rung ber Arbeit an sich, sondern auch eine b e ° wußte Verteidigung derer, die durch ihre Arbeit unser Volk erhalten. Wenn ber Liberalismus in seiner Verherrlichung bes Individuums, der Marxismus in ber Verhimmelung ber Menschheit das Volk preisgaben, bann wird sich ber Nationalsozialismus umso fanatischer zum Volk bekennen. Der erste unb tiefste Repräsentant des Volks aber ist jener Teil, ber aus ber Fruchtbarkeit ber Erde bie Menschen nährt unb aus ber Fruchtbarkeit seiner Famillie bie Nation forterhält. So wie ber Liberalismus unb ber bemokratifche Marxismus den Bauer ver­leugneten, so bekennt sich Die nationalsozialistische Revolution bewußt zu ihm als ben sichersten Träger ber Gegenwart, ben einzigen Garanten für bie Zukunft. Wir wissen, baß der Ruin des deut­schen Bauern das Ende bes beutfdjen Volks sein würbe. Der Sinn unseres politischen Kämpfens unb Ringens ist aber nicht bie Gewin­nung ober gar Eroberung fremder Völker, sondern bie Erhaltung unb Sicherung unseres eigenen Volks. Wir treten baher mit Entschlossenheit e i .n für bas beutsche Bauerntum. Unb wir kennen hier keine Kompromiße unb auch keine Halbheiten. Der Blick auf unsere Beoölkerungs- ftatiftii* zeigt uns, baß bie Zukunft ber Nation schon .heute ausschließlich abhängt von ber Erhal­tung ,bes Bauern. Es ist baher bie Aufgabe ber Stao.'tsführung, zuvörberst bieses Element, von dessen Leben Fortdauer ober Vernichtung unse­res Volks abhängen, unter allen Umftänben unb mit allen Mitteln zu erhalten.

Das Schicksal hat uns in eine schwere Seit hin- cingcftellt unb uns baher ben heiligen Auftrag ge­geben, wenn notroenbig, auch schwere Entschlüsse zu treffen. Wir wissen, wie groß bie Not im gan­zen beutschen Volk ist. Wir sinb entschlossen, mit allen Mitteln, bie ber menschliche Geist ausfinbig machen kann, gegen sie anzukämpfen. Allein bie letzte Entscheibuna über ben Erfolg ober Mißerfolg unserer Arbeit hängt ab vom Erfolg ber Rettung unseres 'Bauern ft anbes. Unb wir sinb ganz entschlossen, hier bie Wege zu gehen, bie uns diese Rettung versprechen. Am Ende wird man einst zugeben, baß bie Rettung bes deutschen Bauernstanbes zur Rettung bes ganzen Volks notroenbig war.

Ich muß aber an biefer Stelle wieberholen, was ich vor ber letzten Rcichstagswahl offen unb auf­richtig bem ganzen Volk erklärte: Wenn Jahrzehnte lang in einer Sache gefünbigt würbe, kann man nicht in Monaten den Schaben beheben. Jeder Hof, ber burch langjährige Mißwirtschaft ruiniert würbe, braucht Jahre, um wieder in Drbnung zu kommen. Iebes Gut, bas Jahrzehnte lang oer- luberte, braucht feine Zeit zur Gesundung, wie vielmehr aber ein Staat, der sich Jahr für Jahr an feinem Volk versündigt hat. Acht Monate nun haben wir mit Anspannung aller Kraft ge­arbeitet unb können heute mit Stolz bas eine festftellen: W i r haben bem beutschen Der»

Anwalts- und Richtertag.

Leipzig, 30. Sept. (WTB.) Im Zoo ver­sammelten sich bereits um 9 Uhr bie deutschen Richter unb Rechtsanwälte zu ein- brucksvollen Tagungen, mit benen bie praktische Arbeit auf ber Vierten Reichstagung bes Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen eingeleitet wurde. Im überfüllten großen Festsaal eröffnete Rechtsanwalt Voß (Berlin) ben Deutschen Anwa11stag. Er verkünbete bie grunblegenbe Satzungsänberung, bie ben Einbau bes Deutschen Anwaltsvereins als Fachgruppe Rechtsanwälte in ben Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen vollzieht. Sodann gab Rechtsanwalt Dr. Raeke (Hamburg) einen geschichtlichen Ueberblid über bie Entwicklung des beutschen Anwaltsstandes unb for- berte, baß sich der Anwaltsftanb von keinem ande­ren Stande an Volksverbundenheit übertreffen laßen dürfe.

Gleichzeitig eröffnete ber Senatspräsibent beim Reichsgericht Linz den Deutschen Richter­tag. Der Redner begrüßte es dankbar, wenn dem Richterftanb jetzt die Möglichkeit einer Mitwirkung bei ber Gesetzgebung geschaffen sei. Willig unb gern werben bie beutschen Richter dem Ruf bes Führers zur 'Beteiligung an ber Schaffung bes neuen Rechts Folge leisten.

Eine öffentliche Kundgebung.

Die große öffentliche Kunbgebung zur Eröffnung bes Deutschen Juristentages in ber Halle VIII auf bem Gelände ber Technischen Messe würbe von etwa 20 000 Teilnehmern besucht. Als ber Führer ber beutschen Rechtsfront, Dr. Frank, mit fei­nem Stabe die Halle betrat, wurde er mit brau­sendem Jubel empfangen. Unter ben Ehrengästen bemerkte man ben Reichsjustizminister Dr. Gärt­ner mit seinen Mitarbeitern, Staatssekretär Schlegelberger, einige Ministerialbirektoren, Vertreter bes Reichsgerichts, ben Vorsitzenben der Anwaltskammer, ber beim Reichsgericht zugelasse­nen Rechtsanwälte, Geheimer Justizrat Wilb- Hagen, der, wie erinnerlich, beim letzten Juristen­tag für bie Ehre Deutschlands gesprochen hatte und deshalb damals in ber Linkspresse so scharf ange­griffen worben ist. Außerbem waren Juristen aus Ungarn, Italien, Sofia, Warschau, Spanien, Nor­wegen, Hollanb und ber Schweiz anwesenb. Nach einem Willkommensgruß bes Leipziger Oberbürger­meisters Dr. Goerbeler überbrachte Reichjuflizniimsier Dr. Güttner bie Grüße ber Reichsregierung unb fuhr bann fort: Der Gedanke, daß der Einzelne und fein ganzes Werk nur gemeßen werden kann am Dienste ber Gesamtheit, wirb als ber erste Glaubens­satz bes neuen Staates wie eine Fanfare bem gan­zen deutschen Volke verkündet. Aus dieser Grunb- auffaffung heraus muß natürlich die N e u g e ft a l tung des Rechts erfolgen. Daß es sich dabei nicht um Schönheitsliteratur und um Faßaben- arbeit handeln kann, sondern um einen Neuauf­bau auf neuen Fundamenten bedarf keiner weiteren Begründung. Wie selbstverstänblich alle Rechtsgebiete vom bürgerlichen Recht an bis Aum öffentlichen Recht von dieser Grundauffassung bestimmt fein werden, so wird im Strafrecht auch dem Nichtjuristen am augenfälligsten erscheinen etwa die Frage, welches Recht das Volk hat, ge­schützt zu werden gegen den unverbesserlichen Gewohnheitsverbrecher. Ich darf in die­sem Zusammenhang erwähnen, daß auch die 'Juidisregierung entschloßen ist, diese Frage einer allgemeinen Kodifikation des Strafrechtes vor- wegzunehmen unb sie schon mit Ablauf b. I.

gesetzgeberisch zu regeln. Auf bem Gebiete bes Strafprozesses muß gleichzeitig mit jener Auffassung gebrochen werden, bie ben Strafprozeß als Prozeß zwischen Parteien darstellt, nämlich dem Rechtsbrecher und dem öffentlichen Ankläger. Der 0i v i l p r o z e ß darf nicht dazu führen, daß die unftionen Der Staatsgewalt, Die zur Schlichtung eines Streites angerufen werden, zum Spielball der Parteivertreter werden. Das Forum des klein­sten zioilgerichtlichen Verfahrens darf nicht ein

Turnierplatz gerißener Taktiker fein, sondern muß zum ernsten Raum werden, in Dem das Recht ge­sucht und rasch und gültig gefunden wird (lebhafter Beifall). Auf vielen Gebieten des Wirtschafts- rechts wird fidl in weitem Umfang der Gedanke verwirklichen laiien, daß die ungehemmte Geltend­machung egoistischer Interessen zum Schaden der Volkswirtschaft gehemmt, eingedämmt und verhin­dert werden muß.

Oie Grundsätze des neuen Rechts.

Reichsjustizkommiffar Dr. Frank

urnriß bann bie Bebeutung des Nationalsozialisti­schen Deutschen Juistenbundes und die Entwicklung des deutschen und die Bedeutung des römischen Rechts. Es gelte nicht den Kampf gegen das römi­sche Recht als solches, aber wir Deutsche, so erklärte Dr. Frank, wünschen, daß unser Recht die Kultur­höhe des römischen Rechtes einmal erreichen soll. So wie das römische Recht eine Weltmacht war, so wird auch die ewig-geistige Macht des deutschen Rechtsgefühls eine kulturelle Weltmacht barfteUen. Die nationalsozialistischen Juristen sehen in jebem Recht nur bas Mittel zu bem Zweck, einer Nation bie heldischen Kräfte zum Wettstreit sicherzustellen. Eine naturnotroenbige Folge bieses Bekenntnisses sei es, baß bie Rasse als leitenber G e - s ich tsp unkt eintrete in bie Fülle ber Rechts­begriffe. Das Rasfenproblem fei ber Ausgangs­punkt für bie Befreiung bes gefunben Teils aller wertvollen Volker von bem Irrwahn ber Dekabenz unb feiner Trabanten.

Das zweite große Aufgabengebiet des deutschen Rechts fei die Sicherung des deutschen Wesens. Der heilige Wille aller nationalsozialisti­schen Juristen sei es, daß der deutsche Bauer durch die neue Erbhofrechtgesetzgebung auch die Erziehung zu einem bäuerlichen Herrentypus erfahre, ber ihm als dem Urständ des Deutschtiims zukomme. Das dritte große nationale Gut, das dem Schutz des deut­schen Rechtes zu unterstellen ist, ist die deutsche Ehre. Ehre haben heißt: In seinem eigenen Leben das Gesetz der Nation zu verwirklichen.

Da die Ehre in ber Familie begrünbet wird, biese also gefunb unb lebensfähig fein muh. gilt ber Schuh des deutschen Rechts in hervorragen- bem Maße ber Ehe, ben ftinbetn unb ber Erziehung der heranwachfen- benGeneration. Inder Fürsorge für diese zukunftsreichen Elemente des Volkes müßen Staat unb Recht ihre neuen Aufgaben sehen unb nicht mehr in bem Rechtsschutz für alles Schwächliche unb Feige.

Ferner wies ber Minister bem Recht bes neuen Staates bie Intensivierung bes Reichs- aebantens au. Ohne Rücksicht auf bie augenblick­liche Lage müsse bas Jbeal des Einheits- ft a a t e s angestrebt werben. Auf bem eigenttichen Gebiet der Justiz müsse damit bie Bemühung um bie Verwirklichung bes Reichsrichters, des Reichs­rechtsanwalts, bes Reichsnotars, bes Reichsreferen- bars unb ber Reichsjustizorganisation verbunden werden. Die Erziehung des beutschen Juristen muß aus bas Volksganze hinzielen unb nicht nur auf Teile des Volkes, auf Klasse oder Stand oder individualistische Jntereßen. Die Zeit ist vorbei, wo niedrige Gewinnsucht bie Hjlfe des deutschen Rich­ters in Anspruch nehmen konnte gegen den unver­schuldet in Rot geratenen Volksgenossen. Die Wir­kung des Rechtsspruches muß erwogen werden tm

Hinblick auf diese Wertmaßstäbe und nicht etwa im Hinblick auf die Erfüllung abstrakter, lebensfremder Paragraphenkonstruktionen.

Zur Durchführung dieser Reformarbeit, die aus­schließlich von nationalsozialistischem Gedanken­gut erfüllt sein kann, ist bie Akademie für deutsches Recht gegründet worden. Die Akademie wirb im verlaufe bieses Juristentages ihre erste Sitzung abhalten. Sie ist bie Körper­schaft ber an ber Rechtsform beteiligten Kreise der deutschen Juristen, der Wissenschaft und der Praxis. Durch diese Institution ist es möglich, daßjederFachmannbei berRechts- resormgehört werden kann. Der Reichs­präsident hat sich bereit erklärt, bie Schirmherrschaft über biese Akademie zu übernehmen.

Der Minister bankte bem hohen Schirmherrn für biese Anerkennung unb Ehre unb kündigte sodann an, baß voraussichtlich noch im Lause biescs Jahres wesentliche Teile bes beutschen Strafrechtes, sowie eine neue Zioilprozeßorbnung geschaffen werben. Ferner sollen endlich einmal bie Grundsätze des Handelsrechts den Bedürf­nissen der Wirtschaft und des Volkes angepaßt unb ber ungesunde Hang zur Anonymität im geltenden Handelsrecht beseitigt werden. Es wird in ben fommenben Monaten bie stärkste Propa- ga n b a entfaltet werben im Dienste bes neuen Recktsgebankens. Unser Augenmerk wirb hierbei befonbers ber Jugend gelten, den Referen­daren und Studenten. Denn in ihnen liegt bie Ge­währ bafür, baß ber revolutionäre ibealistische Geist biefer Bewegung unsterblich wirb. Dieser Jugend gilt unsere Fürsorge, der Erleichterung ihres Fort­kommens dienen wir, und zu diesem Zweck streben mir die Vereinfachung der Prüfungs­ordnungen, die Klarlegung der Prüfungsoor- aussetzungen, die Herbeiführung möglichster Frei­zügigkeit in den Universitäten und Justizvcrwal- tungen und die Überprüfung der Anstellungsvor­aussetzungen an.

Zum Schluß gedachte Minister Frank bes Führers Abvlf Hitler unb gelobte ihm bie treue Ge­folgschaft ber beutschen Juristen, bie nur ben Ehr- geiz haben, immer mit in erster Front als seine Mitkämpfer marschieren zu bürfen. Seine Rebe klang aus mit einem begeistert aufgenommenen breifachen Sieg-Heil auf ben beutschen Geist, bas beutsche Volk unb seinen großen Führer Aböls Hitler.

Oer Sonntag.

Leipzig, 1. Oktober. (WTB.) Der Deutsche Iuristentag in Leipzig nahm am Sonntag feinen feierlichen Anfang mit einer Sonbertagung ber j u r i ft i f d) e n unb staatswissenschaft- lichen Dekane aller beutschen Umoer- sitate n im Senatssaal ber Leipziger Universität.