Ausgabe 
2.10.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Ur. 230 Erstes Blatt

183. Zayrgmg

Montag, 2. Oktober 1933

Lrlchetn» tägltd), cmha Sonntags und Feiertags. Beilagen; Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle monat$=Be3ugsprds:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustriert« , 180 Zustellgebühr.. , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

Zernsprechanschlüffe nnterSammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Siehe«.

Postscheckkonto:

Zrankfurt am Main 11686.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick und Verlag: vrvhl'sche Ilnlverfitütr-Sllch. »nd Stelndruckerel B. Lange in Siehe«. Schristleitung und Scschäftrftelle: Schlllsttahe ?.

Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Qr.H.THyriot; i.für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für denAn- zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Deutschland feiert den Emiedantiag.

Berlin, 2. Okt. (TU.) Bei strahlend blauem 1 Himmel an einem außergewöhnlich warmen und heiteren Oktobertag wurde der Erntedanktag in ganz Deutschland unter einer Massenbeteiligung der Bevölkerung gefeiert. In Stadt und Land hatte fast jedermann geflaggt, man sah frohbewetzte I Menschen die letzten Vorbereitungen für die Feier | des Tages treffen, da jeder Ort fein eigenes Ernte­dankfest rüstet. Ueberall veranstalteten die Organi­sationen der NSDAP, ihre Feiern, in denen auf die Bedeutung des Tages hingewiesen wurde. In den Großstädten sah man zahllose Kleingartenbau- oereine mit ihren Fahnen und blumengeschmückten Wagen aufmarschieren.

Zugleich war dieser 1. Oktober aber auch der erste Sonntag, der der Winterhilfe geweiht war. In allen deutschen Familien und allen Gast­wirtschaften gab es zu Mittag ein Eintopfge­richt als Zeichen der Verbundenheit der Menschen aller Stände mit den Opfern der Arbeitslosigkeit. Don Haus zu Haus eilten bann auch die Beauf­tragten des Winterhilfswerkes, um die am Eintopf­gericht ersparten Gelder einzusammeln. So trug dieser Tag auch in dieser Hinsicht den Stempel eines von Gemeinschaftsgefühl getragenen Deutsch­lands.

Der Empfang der Bauern in Berlin.

Der Auftakt für die amtlichen Feiern bildete der Empfang der Bauernabordnungen in Berlin. In sieben Flugzeugen trafen um 10 Uhr gegen 100 Bauernabordnungen auf dem Tempelhoser Feld ein, wo sie von dem Reichsernährungsminister Darre und dem Propagandaminister Dr. Goeb­bels begrüßt und in blumengeschmückten Kraft­wagen des NSKK. zur Reichskanzlei befördert wur­den. Die Bevölkerung begrüßte überall lebhaft die Bauern, die zum größten Teil in ihren malerischen j Landestrachten erschienen waren. Im historischen Kongreßsaal der alten Reichskanzlei bauten die Bauern und Bauernführer zunächst ihre Gaben auf einem großen Tisch auf, die Westfalen: Schinken, Schwarzbrot-und Doppelkorn, sowie zwei Paar gestrickte Handschuhe, die Lüneburger ein gro­ßes fein gegerbtes Schaffell, die Kurmärker einen Riesenkorb mit Früchten, die Danziger ihren Wer­der Käse und Danziger Goldwasser, die Sachsen-An­halter Tomaten, Rüben, verschiedene Samenkörner, Bohnen, Rebhühner u. a. m. Alle Gaben waren künstlerisch in den Landesfarben mit Aehren, Korn­blumen und Klatschmohn geschmückt. Punkt 11 Uhr erschien der Führer, Reichskanzler Adolf Hitler, begleitet von den Ministern Dr. Goebbels und DarrS und Staatssekretär Lammers. Der Landesbauernführer von Pommern, B l o e b o n , überreichte hierauf nach einer kurzen Ansprache eine Spenbenliste ber Bauern zur Behebung der Not.

Oer Reichskanzler

dankte den Vertretern ber Bauern unb führte fol­gendes aus: Die Tatsache, daß die Vertreter ber deutschen Bauern heute hier so versammelt sind unb als Deputationen an biefer Stelle in bie Erscheinung treten, zeigt ihnen selbst, daß sich in Deutschland eine Schicksal swende vollzogen hat. Wir sind nicht wurzellos und volksfremd, sondern wir fühlen uns mit ber deutschen Scholle ver- bunben, wir hängen an ihr und damit auch am deutschen Bauerntum. Der deutsche Bauer ist für uns nicht nur ein Stand, sondern ber Repräsen­tant ber deutschen Lebenskraft unb damit auch der deutschen Zukunft. Wir sehen in dem Bauern die Quelle der nationalen Fruchtbarkeit, die Grundlage unseres nationalen Lebens.

können die Ueberzeugung mit sich nehmen, daß wir, so weit es irgend geht, unb wo es nur irgend geht, für den deutschen Bauern eintreten. Ich danke ihnen, daß sie auch draußen auf dem Lande sich in dieser schweren Notzeit ber Stäb ter e r - Innern. Das wird die Bande f e ft i g e n , die Stadt und Land miteinander verbinden müssen zu einer lebendigen Volksgemeinschaft. Die wahre Volksgemeinschaft muß auf T a t e n aufge - baut werden, so wie wir von den Städtern verlan­gen, daß sie heute Opfer bringen, so müssen wir auch oon Bauern verlangen, daß er die Nöte unb bie Sorgen der Städter begreift.

Ich danke Ihnen, daß Sie aus eigenem Willen mithelfen, diese uns alle bedrückenden Sorgen zu beheben. Wir find stolz darauf, daß wir aus eigener Kraft, u s eigenem Vermö­gen, aus unserem Volke selb st heraus ohne fremde Hilfe und ohne fremde Anleihen unse­rer Nöte Herr werden. Wenn wir so alle unsere Kraft anspannen, um die Not zu brechen, so wird der Segen, der daraus entspringen wird, nicht nur den deutschen Bauern zugute kommen, nicht nur den unmittelbar davon Betroffenen, sondern auch denen, die an der Behebung der Nöte so tatkräftig mithelfen.

Bismarcks Gänsekiel als Ehrengabe für den Führer.

Der Führer ließ sich vom Reichsernährungs­minister Darr6 die Landesbauernführer vorstellen, die dann ihrerseits bie einzelnen Anordnungen dem Kanzler vorstellten. Jebem einzelnen drückte

der Kanzler die Hand. Der Reichsbund Deut­scher Diplomlandwirte überreichte d i e Schreibfeder Bismarcks, einen Gänsekiel, der sich in einem etwa 70 Zentimeter hohen histo­rischen Schmuckkasten aus Eichenholz aus dem Sachsenwald befindet, dem Kanzler. Der Führer des Reichsbundes, Dr. Kummer, führte dabei u. a. aus: Diese Schreibfeder hat der Begründer des Deutschen Reiches an dem Tage geführt, als er die Worte sprach:Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt". Wir sind stolz darauf, diese Gabe an dem Wendepunkt unserer agrarischen Ges.chichte mit heißem Dank überreichen zu können, an dem Tage, an dem die deutschen Bauern unter Führung des

Volkskanzlers und ihres Reichsführers mit neuer Zuversicht ans Werk gehen."

Zwei Mädchen überreichten als Dank der schle­sischen Bauern mit einem kleinen Gedicht dem Reichskanzler eine mit Bändern in den Landes­farben geschmückte Erntekrone. Der Kanzler unterhielt sich dann noch kurze Zeit zwanglos mit den einzelnen Bauernvertretern. Nach einem drei­fachen Sieg-Heil der Bauern auf den Retter des Bauerntums verabschiedete sich der Kanzler. Die Bauernabordnungen wurden dann wieder mit 50 Privatkraftwagen in geschlossener Fahrt zum Tem­pelhofer Feld gefahren, wo sie in zehn Flugzeugen über Hannover nach dem Bückeberg befördert wur­den.

Das Weserbergland im

Hameln, 1. Okt. (TU.) Ganz Deutschland steht im Zeichen des Erntedankfestes. Auf der Fahrt von ber Reichshauptstabt nach bem Weser-Berglanb sieht man in allen Stäbten unb Ortschaften bie Erntekrone aufgerichtet. Der große Festakt auf bem Bückeberg hat ganz Mittelbeutschlanb in Bewegung gesetzt. In Braunschweig, in Hilbesheim, in Hannover über­all ist nur bie Rebe oon diesem großen Festtag des deutschen Bauern. In H a m e l n ist seit Freitag kein Hotelzimmer mehr frei. Auch die Privatquartiere reichen nicht aus, bie Gäste aufzunehmen, bie aus allen Gegenben bes Reiches hierher geeilt finb. In Bab Pyrmont herrscht reges Leden unb Treiben. Viele hunbert Ehrengäste finb Freitag unb Samstagfrüh hierher gekommen. Das Fest bebeutet für dieses Bad eine unerwartete Nachsaison. Fall alle Hotels unb Pensionen sind bis unter bas Dach besetzt. Daß diese beiden bem Festplatz am nächsten gelegenen Orte ein prächtiges Festgewanb angelegt haben, versteht sich oon selbst. Der Schmuck ber Fahnen, Girlanden unb Transparente ist überwältigend und steht hinter ber Ausschmückung Nürnbergs nicht zurück. Neben bem Symbol bes Dritten Reiches steht natürlich überall bie Erntekrone im Vorbergrunb der Aus­schmückung. Auf den öffentlichen Plätzen sieht man bunt gebänderte Erntekronen bis zu zehn Meter Durchmesser, daneben nur Korngaben. Auf den Straßen finb Hunderte von Verkaufsständen für Lebensrnittel und Erfrischungen eingerichtet. Die Eisenbahnen und Kraftwagen bringen Tausende aus allen Teilen des Reiches hierher.

Welche günstigen Auswirkungen die Veranstal­tung auf den Arbeitsmarkt gehabt hat, geht daraus hervor, daß durch die Straßen- und Wegebauarbeiten sämtliche Steinschläger im Bezirk Hameln Arbeit gefunden haben. Für die Arbeiten der Stromversorgung und sonstigen Elek­trizitätsanlagen mußten Facharbeiter aus den

Zeichen der Erntekrone.

Großstädten herangezogen werden. Das Gast­wirtsgewerbe mutzte Aushilfskräfte aus Han­nover, Hildesheim, Minden, Detmold ufw. heran­ziehen. Das Gleiche gilt für die Bäckerei-, Schlächterei- und Gärtnereibetriebe. Riesige Verpflcgungszelte und Verkaufsstände sind aufgebaut. Dampfer-Sonderfahrten zum Ohrberg, der dem Bückeberg gegenüberliegt, finden bereits seit Tagen statt.

Das große Festgelände um den Bückeberg um­faßt ein Gebiet von 150 000 Quadratmeter. Eine messeartig eingerichtete Zeltstadt und zerstreute Zelt­lager kleineren Ausmaßes sind für 10Ö 000 Men­schen in fleißiger Arbeit beiderseits des Berges ent­standen. Der Bückeberg selbst, den ein bewaldeter Höhenrücken frönt, stellt sich dem Beschauer als ein Zentrum technischer Organisationsarbeit größten Stiles dar. Riesige Anlagen für Beleuchtung, Laut­sprecher, Scheinwerfer, Fernsprech- unb Rundfunk- leitungen stehen nun mit Hilfe bes Arbeitsbienstes unb ber SA. in wochenlanger Arbeit fertig ba. Außer ber großen Tribüne für bie 2000 Ehrengäste auf bem Berggipfel ist unten am Fuße bes Bücke­berges jetzt auch bie große Rednertribüne errichtet worben, von Der aus ber Führer unb vor ihm ber Reichsernährungsminister zu ben Massen unb burch ben Runbfunk zum ganzen beutschen Volk sprechen werben. Die R e i ch s p o st hat auf bem Gelände mehrere Sonberpostanstaltcn einge­richtet und sie auch bereits in Betrieb genommen. Die Stapel oon Karten und Briefen werden zur Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag den Auf­gabestempel tragen:Deutscher Erntedank - tag 19 33". Zahlreiche Sanitötskolonnen halten sich in 15 Zelten in Bereitschaft. Sämtliche Aerzte der näheren und weiteren Umgebung sowie auch bie Hamelner Aerzte haben sich in ben Dienst der Sache gestellt.

Die Zeltstadt am Bückeberg.

Lustiges Lagerleben in der Frühe des Sonntags. Oer Anmarsch der Hundertiausende.

Keine bessere Stätte konntedas Volk ohne Raum" sich für fein nationales Erntedankfest aus- fuchen, als diese echte deutsche Landschaft, diese fruchtbare Gegend, in der ein deutsches Bauern- geschlecht von altem Schrot und Korn wohnt, das in seinem Innern dem deutschen Wesen am meisten entspricht. Im Laufe der Nacht zum Sonntag tra­fen zahllose Sonderzüge ein unb brachten Taufenbe von Menschen hierher. Aus ben Taufenben würben Zehntau senbe, unb in ben Morgenstunben waren es schließlich Hundert- t a u { e n b e. Die Stabt Hameln war in ber Nacht zum Sonntag nicht mehr zur Ruhe gekommen. Ein Strom von vielen Taufenben wogte während ber ganzen Nacht burch bie im Flaggengala prangen­den Straßen ber Stabt. Am Sonntagoormittag würbe das Gebränge lebensgefährlich. Äußer ben So.nberzügen brachten bie fahrplanmäßigen Zuge unb zahlreiche Dampffchife unentwegt neue Gäste. Gleichzeitig rollten auf den Landstraßen in großen Lastkraftwagen heran, bie SS ', SA.- unb Stahlhelmmänner, sowie bie Angehörigen Der

NSBO. brachten.

Um 6.30 Uhr würbe überall zum Wecken ge­blasen, bann gab es Frühkonzerte. Dis Laut- sprechet übermittelten bas IRunbfunfProgramm. -on den Lagern der Arbeitsdienstwilligen wurde um 8 Uhr die Flagge gehißt. Promenadenkonzerte an allen Plätzen folgten, Polizei und SA. leiteten den Abmarsch von den Bahnhöfen und sorgten für Die ordnungsmäßige Verteilung der Massen in Der Nähe Des Bückebergs. Ein buntes Lager- leben entwickelte sich. In dem Tal und an Den Bergabhängen bei Tündern und Grohnde hatten die Pioniere zwei Pontonbrücken über die Weser geschlagen und mit ©uirlonöen unb Fähnchen prächtig geschmückt. Ganze Alleen von Ehrenpforten zogen sich zum Dorf. Der seier- liche G o 11 e 5 b i e n ft in ber kleinen Kirche n OHsen, unmittelbar am Fuße bes ®urfcber9e®' inmitten einer riesenhaften Zeltstabt, hatte einen sehr starken Besuch aufzuweisen.

Inzwischen waren auf acht Anmarschstraßen m endlosen Kolonnen neben ben uniformierten Ber- bänben bie Ehrengäste, bie Bauern aus °lle" Lan- bestellen, ferner viele Angehörige und Frauenschaf ten unb fröhliche Iugenb, außerdem Tausende von

schaulustigen Privatpersonen zum Bückeberg mar­schiert Um 15 Uhr war die SA. in Stärke von 70 000 Mann geschlossen auf dem Platz versammelt. Eine Stunde später hatte sich auch der übrige Teil dieses Massenaufmarsches planmäßig unb reibungs­los vollzogen, eine Glanzleistung ber Orgamsations- leifung, bie in ben Hänben des Regierungsrates (Butterer unb des Referenten Üßeibemann vom Reichspropagandaministerium unb bes Archi­tekten Speer lag. Fast eine halbe Million Menschen aus Stabt unb Lanb hatten sich zu biefer größten Bauernkundgebung zusammenge- funben, bie bie Welt just gesehen hat. Auf ber luf­tigen Bergkuppe bot sich dem Beschauer von der großen Tribüne ber Ehrengäste unb ber Pressever­treter nach vollzogenem Aufmarsch ein prachtvoller Blick auf den menschenbesetzten tiefer gelegenen Ab­hang unb barüber hinaus über bie hügelumschlossene Weser-Landschaft. Die große Rebnertribüne, vor ber die SA.-Abteilungen standen und bie zu beiben Sei­ten hohe rot verkleidete Masten hatten, machte sich von oben fast wie ein Spielzeug. Den ganzen Berg­abhang füllten zu ben Fahnen bie beiden Seiten eine Kopf an Kopf bicht gebrängte Menge.

Zwischendurch in ber Mitte war ein breiter Weg freigelaffen, ber bie Verbinbung von oben nach unten zwischen ben Tribünen vermittelte. SA. unb SS.-Männer hatten bort Spalier gebilbet, aber auch Bauern unb Bäuerinnen in ihrer malerischen, bunten Tracht: sie führten Ackergerät mit, bas bie Ernte bergen half. Sensen unb Sicheln zum Bei­spiel unb in Körben präsentierten sie bie Früchte bes Felbes: Obst, Weintrauben, Rüben, Kartoffeln, Kohl. Man sah, mit welcher Liebe sie biefc Pracht­exemplare bes beutschen Ackers gesammelt haben, um sie bem Kanzler vor Augen zu führen. Auch vor ber oberen Tribüne waren vor einem weithin ins Tal leuchtenben Hakenkreuzbanner lanbwirt- schaftliche Erzeugnisse aller Art symbolisch zusam­mengetragen.

Der Sonberzug mit ben 23 Vertreter nber auswärtigen Mächte unb ihren Gattinnen traf gegen 16 Uhr unmittelbar unterhalb bes Bücke­berges ein. Geführt von bem Chef bes Protokolls stiegen bie Diplomaten unter Vorantritt einer Schutzpolizeiabteilung burch bas Spalier ben Damm

hinauf unb nahmen auf ber Tribüne ihre Platze' ein. Dann kam eine 2lborbnung ber San» ziger Bauern an mit einem Schild:Wir Danziger Bauern bleiben beutsch". Heilrufe und Händeklatschen grüßten sie. Ihnen folgten Bau­ern aus bem Saargebiet, aus bem Su* betenlanbe, aus Siebenbürgen, aus allen Teilen Europas, wo beutschstämmige Bauern wohnen, fast alle in ihren schönen Trachten.

Der Führer trifft ein.

Punkt 17 Uhr oerkünben bie Lautsprecher, daß ber Führer eingetroffen ist. Komman- bos ertönen, in ber Ferne sieht man bie Säbel bes präfentierenben Reiterregimentes blitzen unb in langsamer Fahrt bie Wagen bes Führers unb fei­ner Begleitung, bahinter, in eine Staubwolke ge­hüllt, bas Reiterregiment, ben Weg zum Bücke­berg herunterkommen. Am Fuße bes Berges ver­läßt ber Führer ben Wagen unb schreitet bis zur Spitze bes Berges. Der Babenweller Marsch er- klingt, barauf ber Präsentiermarsch, als ber Kanz­ler bie Front ber Ehrenkompanien abschreitet. Lang­sam, nach allen Seiten ben beutschen Gruß ent» bietenb, steigt ber Führer von ber Sohle aus bem Tal zur Hohe, mit einem ungeheuren Jubel über­schüttet. Ihn begleiten verschobene Minister bes Reiches, bie meisten Reichsstatthalter, sowie bie höheren Führer ber SA. unb SS., bie Vertreter ber Reichswehr unb Reichsmarine. Als ber Volks­kanzler auf ber Tribüne erscheint, schlägt ihm vom Berge eine tosenbe Welle begeisterter Hellrufe ent­gegen, bie sich immer unb immer wiederholen. Währenb er noch bie Diplomaten unb Ehrengäste begrüßt, schmettern bie Fanfaren ein fünffaches Signal, eine Batterie ist aufgefahren und schießt einen Ehrenfalut von 21 Schüssen.

Das ist ber Beginn. Der Bückeberg ist in einen dünnen Nebel gehüllt, doch ist bas Anreiten bes Reiterregiments 13 noch genau zu verfolgen. Im gestreckten Galopp reiten bie Schwadronen zur Bildung eines Hakenkreuzes, bas sich um feine Achse breht. Den Abschluß bilbet ein Parademarsch, roieber in gestrecktem Galopp, ber erneuten Jubel auslöste. Dann intonierten alle Musikkorps bas LiebNun banket alle Oott!", bas von ber Menge entblößten Hauptes unb mit erhobener Rechten mitgesungen würbe.

Reichsernährungsmimster ÄarrS ber Reichsbauernführer spricht. Er sagt, ber Natio­nalsozialismus hat aus einem jahrhunberte alten Brauch bes Bauern einen Gebenk - unb Danktag bes ganzen Volkes gemacht! Nicht ein einzelner Berufsstcmb steht an biefem Tage im Banne ber Gewalten bes ewigen Lenkers unserer Geschicke. Heute ist es bas geeinte Volk, bas mit seinem Führer unb Kanzler ben 1. Oktober feiert als einen Tag religiöser Weihe, bes immer roieber Besinnens auf bie allgewaltigen Schöpferkräfte unseres gütigen Gottes, aber auch als einen bebeutungsoollen Tag ber beutschen Zei- tenroenbe! Der Bückeberg, bas Wahrzeichen des Sachsenlanbes sieht heute bie gewaltig st e Bauernkunbgebung, bie bie Welt j e gesehen hat. Die hier versammelten 500 000 dauern finb ein lebenbiger Beweis von ber Ver- bunbenheit mit bem Nationalsozialismus im Bauern­tum. Der Bauer ist nicht nur ein Wirtschaftszweig in der Fülle anderer Wirtfchaftsftändc, sondern .st die Quelle unseres völkischen Lebens und Fundament unseres staatlichen! Seins.

Der Minister gab einen kurzen Rückblick au*, dis jüngste Agrarpolitik und betonte, daß ber Nation- >- fojialismus Abolf Hitlers in einem blüchendm Bauerntum ben besten Garanten einer gesicherten Zukunft oon Volk unb Nation sehe.

Wir treffen burdjgreifenbe Maßnahmen, u.m Die Scholle bes Bauerngeschlechts zu erhallen. Das R e i ch s e r b g u t r e ch t soll bie verberbliche Ver- schuldung unb unheilvolle Zersplitterung burch Erb- gang verhinbern unb bie Hofe aus ben Zustllllg- feiten bes wirtschaftlichen Geschehens heraus neh­men. Wir bürfen babei kein Opfer scheuen! Und wir scheuen sie auch nicht, weil wir stark ge.?ug sind, den Sieg zu wollen unb baher auch hart genug gegen uns selbst finb, um großen Einsatz zu wogen zur Rettung bes Bauerntums.

Aus ber Große der Aufgabe heraus haben wir den Herrn Reichskanzler gebeten, uns zu ge­statten, mit bem Reichsnährstand, dem geeinten Selbstverwaltungskörper unseres Bauerntums, aufs Land zu wandern. A m Rordhang des Harzes werden wir uns eine Heimat suchen, wir wollen damit äußerlich die Abkehr vom Liberalismus zum Ausdruck bringen und bartun, daß nicht mehr Asphalt, wüsten der Großstädte das Bauernschicksal be­stimmt. wir gehen wieder in das Herz des alten Deutschen Reiches der sächsischen Kaiserzeit, als noch ein Bauernherzog, König Heinrich, die deutschen Lande regierte. Wir gehen in die Nähe ber Stammlande des Bauern­herzogs Heinrich des Löwen, der ein Symbol für uns Herzog von Riedersachsen und Bayern war. Wir nationalsozialistischen Bauern freuen uns, daß wir heute an unserem Ehrentag, dem Tag des Lrntedankes, diesen

Entschluß bekanntgeben dürfen.