Aus dem Reiche der Krau.
Oer Säugling turnt...
... und fühlt sich wohl dabei.
DaS Steckkissen ist zum Glück fast überall verbannt. Freiheit des Handelns soll man schon dem kleinsten Kinde gewähren. Strampeln ist außerordentlich gesund, ilnb dann viel frische Lust und Sonne. Nur direkter Luftzug und Sonnenhitze müssen vermieden werden. Als Lagerstätte dient eine feste flache Matratze oder ein Torftrockenbettchen als Unterlage und ein dünnes Rohhaarkissen für das Köpfchen. 2m Sommer eine leicht« Steppdecke zum Zudecken, im Winter ein Federbettchen. Das ist die richtig bereitete Lagerstätte. Wenn es heiß ist, genügt zum Zudecken ein Leintuch. Verkehrt ist ein Herumtragen des KindeS, wenn es schreit, auch das Schaukeln des Bettchens oder der Wiege oder das Herumfohren im Kinderwagen. Heutzutage „wartet" man das Kind nicht mehr. Wenn sie trocken gelegt sind und die richtige und ausrei- chende Nahrung bekommen haben, läßt man sie lieber einmal schreien, als sie zu verwöhnen. Das Schreien stärkt die Lungern
Mit der Gymnastik kann.man bei einem Säugling schon sechs bis acht Wochen nach der Geburt beginnen. Die ersten Versuche macht man in der Badewanne. Beim Bad, das nicht nur zur Reinigung bestimmt ist, macht ein kleines Kind zumeist die stärksten Bewegungen; das Plätschern bereitet ihm Freude. Dadurch wird die Muskulatur vom ersten Tage an gestärkt. Nach sechs bis acht Wochen beginnt man mit dem Turnen. Selbstverständlich sind es zuerst einfache Bewegungen, die regelmäßig ausgcführt werden müssen. Jede junge Mutter kann sie nach Befragen des Arztes oder der Säuglingsschwester leicht aus'ühren. Diese Gymnastik hat das Ziel, durch eigene Kraftanstrengung den Körper zu stählen.
Eine der ersten Bewegungen ist das Deinheben. Das Kind wird auf eine flache Matratze gelegt, und beide Beinchen werden nach oben gehoben. Nach und nach kann man mit Leichtigkeit die Zehen bis zum Munde führen. Diese Llebungen stärken die Rückenmuskeln. Die zweite Bewegung ist, die Beinchen weit auseinanderzuspreizen und wieder zu schließen. — Zunächst vorsichtig sind Spann- beugcn auszuführen. Das Kind wird auf den Rücken gelegt und an den Beinchen hochgezogen, bis nur der Kopf auf der Unterlage ruht. Die älebung kräftigt die Bauchmuskulatur und trägt zur Stärkung und Wölbung des Brustkorbes bei. Auch seitlich kann man diese Spannbeugen vornehmem Das Kind ruht auf dem Köpfchen, abwechselnd auf der linken oder rechten Seite und stützt : sich dabei auf seine Händchen. Diese Bewegungen stärken außerordentlich die seitlichen Rumpfmuskulaturen.
Bedingung ist, das Kind nicht au sehr anzu- strengen und allmählich die Zahl der älebungen und Bewegungen zu steigern. Nach Beendigung der Gymnastik soll man das Kind zum Liegen bringen. Wenn diese Gymnastik richtig ausgeführt wird, wird das Kind selbst große Freude daran haben. Es wird gestählt und abgehärtet und widerstandsfähig gegen Erkrankungen. Die Grundlage eines gesunden Menschen wird durch sachgemäße Säuglingserziehung gelegt. M. M.
Der gute alte Fett-Topf.
V. A. Llnsere Zeit erfordert ein Zusammenhalten aller Volkskreise. Ein Stand muh für den andern einstehrn un& ihn mit ganzer Kraft unterstützen, sonst kann das große Werk, unser Volk von inneren und äußeren Feinden zu befreien, nicht gelingen. Die deutsche Hausfrau muh sich jetzt ihres Wertes und ihrer Bedeutung bewuht werden und jede Arbeit in ihrem Haushalt unter volkswirtschaftliche Gesichtspunkte stellen.
Eine große Sorge für fast alle Hausfrauen ist die Frage der ausreichenden Fettbeschaffung für die gesunde Ernährung der Familie. Man wird sich in seinem Haushalt wieder aufchlte bewährte Methoden einstellen müssen. Was unsere Vorfahren konnten, das müssen auch wir können. Zum Braten, als Zutat bei der Gemüse- und Tunkenherstellung muß der gute alte Fett- Topf wieder eingeführt werden, wenn er auch vielleicht etwas mehr Arbeit bereitet als fertig gekaufte Fette. Wir hatten uns in manchen solchen Arbeiten bedenklich von deutschen Sitten entfernt
und unS amerikanische angeeignet; fort damit, nur ein ganz klein wenig Sport weniger, etwas mehr volkswirtschaftliches und bauswirtschaftliches Interesse und wir haben mehr wie genügend Zeit, um Talg, Schmalz und Nierenfett und ein wenig Butter zusammen zu verarbeiten und den bewährten Fett-Topf zu füllen. Man kaufe sich dazu ein Pfund Rindertalg, der in kleine Würfel geschnitten und eine Nacht gewässert wird, dann aus dem Wasser nehmen, in einen Topf gießen und ein Achtel Liter 'Wasser aufgießen, den Topf schließen und langsam zwei Stunden schmoren lassen, dann ist das Wasser verdampft, bei offenem Topf noch etwas schmoren lassen, dann das ganze auf ein Sieb gießen. Das durchgelaufene Fett mit den übrigen Fettsvrten später mischen. Die Grieben salzen und entweder zu Hülsenfrucht- und Kartoffelsuppen verwenden, oder bei Frikadellen mit verwerten. Ferner nehme man ein Pfund Schweineflomen, die man gleichfalls, jedoch ohne
Wasserzugabe, ausläht ein Pfund Kalbsnieren- fett, das man mit etwas Milch ausläht. Dann kann man ein halbes Pfund Butter schmelzen und alles heih in einen Steintopf gießen, durchrühren und erklalten lassen. Die Schweine- und Kalbsgrieben schmort man mit einigen ganzen Zwiebeln und Aepfeln und esse sie als Brotbelag.
Das auf diese Weise gewonnene Mischfett, bei dem man die Zugabe von Fett, das aus geräuchertem Speck gewonnen ist, vermeiden muß, eignet sich auch sehr gut, um darin bestimmt Mehlspeisen zu kochen, wie Sprihgebackenes, Berliner Pfannkuchen, ferner Fischfilet und ähnliches. Möge Großmutters bewährter Fett-Topf wieder zu Ehren kommenl Schwere Zeiten sind dazu da, daß man sie klug und geschickt überwindet, sie erziehen und zur Einfachheit und dem stolzen Bewußtsein, daß auch die geringste Arbeit vaterländischen Wert hat.
Wie wird die Lhestandsbeihilse richttg angelegt?
Zwei praktische Vorschläge zur Gründung eines Hausstandes.
Mit der Beihilfe von 1000 Mark für junge Ehen stellt der Staat das Paar, das sich damit ein Heim gründen soll, vor eine wichtige und verantwortungsvolle praktische Aufgabe. Um wertvolle Anregungen zu gewinnen, die den Empfängern der 1000-Mark-Anleihe Zeit und Fehlausgaben sparen können, bringen wir zwei Vorschläge von Mitarbeiterinnen. Wir bemerken dazu, daß in diesen Vorschlägen auf die Angaben von Preisen natürlich nicht verzichtet werden konnte, daß aber die Preise im einzelnen Fall immer wieder verschieden sein werden. Wichtig ist, daß Mehrausgaben auf einer Seite durch Einsparungen an anderen Posten ausgeglichen werden.
I.
Wer eine größere Summe auf einmal in die Hand bekommt, wird gut daran tun, zunächst an die großen Anschaffungen zu denken und die kostspieligen Sachen möglichst restlos zu beschaffen. Für die Ergänzungen ist später immer noch Zeit; größere Aufwendungen aber finb schwierig, wenn erst einmal ein Hausstand erhalten werden muß. Darum gilt es zunächst, das Notwendigste anzuschaffen; die Devise dabei sei: wenig aber gut!
Was braucht heute ein junges Paar? Es will in erster Linie behaglich wohnen und bequem schlufen; Gesellschasten, auf die früher die Wohnungen in erster Linie zugeschnitten waren, sind überflüssig geworden oder werden eben in bescheidenem Rahmen gegeben. Ich persönlich stelle mir eine Anderthalb- bis Zwei-Zimmerwohmmg mit Bad und Küche als völlig ausreichend vor. Run würde ich aber nicht nach der noch immer beliebten Einteilung verfahren und etwa ein „Speisezimmer" und ein Schlafzimmer wählen. Wer nur zwei Räume zur Verfügung hat, sollte auf ein besonderes Schlafzimmer, das viel zu wenig ausgenutzt wird, verzichten. Auch ein spezielles Eßzimmer, das ganz ausgesprochen den Charakter des Speiseraumes trägt, braucht man nicht. In einem kleinen Haushalt sind viele Dinge weit nötiger als ein Buffet und eine Anrichte oder Kredenz. Ich würde mir also ein großes Wohnzimmer einrichten, in dem auch geschlafen wird; außerdem noch einen zweiten kleineren Wohn- und Ehraum.
Aus dieser Einteilung ergibt sich bezüglich der Möbel bereits, daß man keine sogenannten „kompletten" Zimmereinrichtungen gebrauchen kann. Man wählt also Einzelmöbel, dre man sich nach eigenem Geschmack zusammenstellt. Wer einen guten billigen Tischler weih, läßt sich auch wohl nach eigenen Angaben das Mobiliar anfertigen, und zwar möglichst die gleiche Holzart für beide Zimmer, so daß man die Sachen nach Belieben auswechseln und auch in einem Raum unter* bringen kann, wenn es nötig ist.
Für das Wohn- und Schlafzimmer denke ich mir folgende Möbelstücke als für die erste Zeit genügend: eine große Doppelcouch, einen runden
Tisch, ein paar Stühle, zwei bis drei bequeme Sessel, und- für Kleider, Schuhe und Wäsche einen großen älniversalschrank mit entsprechender Einteilung. Im Wohn- und Eßzimmer nebenan aber müßte ein ovaler Tisch stehen, möglichst zum Ausziehen, ferner Stühle, Tischchen, ein weiterer älniversalschrank, niedrig, hübsch gearbeitet, der sowohl Geschirr wie Nähzeug, Grammophonplatten und Bücher in sich aus nehmen kann, endlich, wenn möglich, eine Chaiselongue, auf die man sich zur Nachmittagsruhe zurückziehen kann und wo man notfalls einen Logiergast unterbringen könnte.
Aus den Korridor kommt eine einfache Schleiflackgarnitur, — im Badezimmer genügen ein Spiegel und ein Bortbrett, und in der Küche steht außer Tisch und Stuhl nichts als ein weiterer älnidersalschrank, der sämtliche Küchengeräte aufnimmt.
An sonstigen Einrichtungsgegenständen gehört in jedes Zimmer außer Gardinen ein Teppich, ferner mindestens je eine Stehlampe, Küchengeschirr und Zubehör würde ich gleich möglichst vollständig anschaffen, da man sich zu Ausgaben für diesen Ressort später nur sehr ungern entschließt. Dagegen würde ich das Gebrauchsservice einfach und nicht allzu vollständig wählen, da es unnötig Platz wegnimmt; aber ein Muster aussuchen, das man jederzeit nachkaufen kann.
Die Summe von 1000 Mk. verteilt man meiner Auffassung nach am besten so daß man für die Hauptgegenstände (die Doppelcouch und die drei älniversalschränke) etwa 400 bis 500 Mk. auswirft; für Tische, Stühle, Chaiselongue und Flurgarderobe bringt man etwa 300 Mk. in Ansatz. Die restlichen 200 bis 300 Mk. würden sich bann nach Belieben auf Gardinen, Teppiche, Lampen und Geschirr aller Art verteilen.
Dr. Eva Wendorff.
II.
Der neue Staat erweist der deutschen Frau ein großes Vertrauen in ihre auf bauenden Fähigkeiten. Er gewährt eine Ehestandsbeihilfe von 1000 Mk., wo es notwendig ist, und er fördert die Familiengründung. Gibt es eine größere Aufgabe für die Frau als Mitarbeit am Aufbau des neuen Staates, die sie löst, indem sie ihre schönste Pflicht erfüllt, nämlich die, Frau undMutterzu fein? Ihr sehnlichstes Streben nach einem eigenen Heim, nach eigener Familie zu erfüllen, hilft ihr der Staat, älngefähr 70 Prozent des deutschen Volksvermögens gehen durch die Hände der Frau, und sie muß sich bewußt fein, daß sie über wertvolles Gut zu wachen hat.
Also frisch zugepackt mit neuen Kräften bei der Gründung des Hausstandes. 1000 Mk. stehen zur Verfügung, da heißt es, genaue Pläne zu machen für die Einrichtung einer wohnlichen und zweckdienlichen Häuslichkeit. Was soll angeschafft werden? Versuchen wir es mit einer Wohnküche und einem Schlafzimmer. Da wir darauf bedacht fein müssen, möglichst praktische Gegenstände zu kaufen, nehmen wir einfache glatte
Kind und Sprache.
Die kleine Brigitte macht sich verständlich.
Ost wird man durch die Treffsicherheit eines Ausdruckes überrascht, den ein Kind erfand, um fich verständlich zu machen. Gar mancher.könnte vielleicht sogar eine Bereicherung unserer Sprache sein! Deshalb haben sich denn auch schon viele Seelenforscher mit der Sprache des Kindes befaßt. Im Folgenden möchte ich einiges von der Sprache meiner Tochter Brigitte erzählen, zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr.
Neuschöpfungen sind gewiß selten, kommen aber doch bisweilen vor. Wenn Brigitte, 23/g 2ahre alt, eine eingebildete Spielgefährtin, „Ia-uhda" ruft, so geschieht es ganz offenbar in der Absicht, einen noch nicht vorhandenen Namen zu nennen, ebenso wenn sie etwas zeichnet, was sie „Mosa" oder „Osä nennt. Als ich sie frage, wie denn so was aussieht, sagt sie: „Ach. so ähnlich wie ein Hund", und auf die Frage, was es" denn tut, antwortet sie rasch: „Die Mosa "leckt doch die Sonne auf!“ So nennt sie mit 3 Iahren die Sohle eines neuen Gummischuhes „broffelig" und einen Lufaschwamm in Form einer Keule zum Rückenwaschen ein „Posel". Mit 41/. Iahren sagt sie bei Schmerzen in einem Zähnchen, es sei ein „Schwirl" darin, und mit 5 Iahren heißt ein klei- ' nes Spielzeug, das sich rollend aufdreht, „Schnerps". In der Regel sind jedoch neu scheinende Wörter einer Kindersprache nur falsch gehörte oder falsch wiedergegebene vorhandene Wörter. Meistens werden aber wenigstens die Klanglaute richtig wiedergegeben, wie z. B. in dem Wort „Dida" für Ticktack.
Häufiger als Aeuschöpfungen sind Zusammensetzungen. Brigitte sagt „Spielbär" zum älnterschied von dem lebendigen Bär im Zoo, und weiße Wolken nennt sie „Sonnenwolken" im Gegensatz zu den schwarzen Regenwolken. Bei einer luftigen Melodie auf dem Tonkasten macht sie einen „Tanzhüps".
Noch häufiger sind natürlich die Ableitun
gen. Da werden einmal aus schon bekannten Zeitwörtern neue Hauptwörter gebildet. So fragt Brigitte mit zwei Iahren, als sie zum erstenmal Geige spielen sieht, in der Pause: „Wo hat der jetzt seine ..Schabe' hingetan?" Im gleichen. Alter nennt sie, als sie einmal Auto fährt, eine scharfe Kurve, bei der wir alle umsallen, lachend einen „Drehwinkel". Genau so bildet sie selbständig die „Oele“ für das Oelkännchen, die „Lösche" für Löschpapier und die „Drehe" beim Tonkasten. Als sie zu Weihnachten in ihrer Puppenküche ein kleines Hackmesser entdeckt, ruft sie stolz: „Ietzt hab ich grab so eine .Petersilienhaue' wie die Oma!“ ilnb als sie eines Tages ihr kleines Dlechauto neben den Staubsauger gestellt hat und ich ihn fortnehmen will, ruft sie entrüstet: „Aber das is doch seine .Tanke'I" Ist das nicht hübscher und kürzer als Tankstelle? Den Kontakt nennt sie Lichtanmache, ihr Federbett das „Zudeck", Schippe und Besen das „Kehr". (Besser wäre allerdings der Zudeck und der Kehr.) Als sie sich einmal am Aermchen kratzt und ich sie frage, was sie da habe, sagt sie: „Einen Iuck!" Endlich findet sie an ihrem Kleid einen „Aufhäng". Wie richtig gegenüber der Sprachgewohnheit, die von einem Aufhänger spricht, was doch schließlich ich selbst bin, wenn ich bas Kleid auf- hänge! Ebenso richtig nennt sie die — allgemein — Schieber genannte Hilfe beim Essen „Schiebe".
Für den Umlaut hat sie ein feines Gefühl. Als ich mal sage „röter", belehrt sie mich: „Aber Mama, das heißt doch roter, sonst meint man ja, es hieße „röt". Aber richtig bildet sie andrerseits „Hänfen“, d. h. blank machen.
Dann sind es auch die von Haupt- und Zeitwörtern abgeleiteten Beiwörter, vor allem mit der Nachsilbe ig, die den Kindern leicht fallen. So sagt Brigitte: „Ich bin heut so „tobig“, ober „das ist aber eine toeinerige Geschichte, er« ftäbt doch mal was Lachiges." Nach dem Besuch des Zoos erzählt sie: „Der Affe war soo nett und fletterig. *
Deirn Waschen, als ihr das Wasser zu kalt ist.
ruft sie: „Ich bin ja ganz berfeigt!" und ihre Hände sind, nachdem sie Iohannisbeeren gegessen hat, „verheert". Ein Haus mit einem roten Dach wird ein „feuerliches Haus" genannt und eine Pappel im Wind ein „Zackbaum“. Ihr 3im- mer will sie „Kind“-Zimmer genannt haben statt Kinderzimmer, denn: „sonst meint man ja, es seien viele darin, und nun weiß man, es gehört einem Kinde.
Wenn das Zeitwort unbekannt ist, werden Ableitungen von den bekannten Hauptwörtern gebildet, Brigitte sagt: „Mama, ich hab eben „ge- biebt“ (statt gestohlen). Auch hat sie mit den Glocken „gebimmbammt“. Einmal lege ich eine neue Platte auf den Tonkasten. Brigitte: „Is das die blaue Donau? dann tanz ich!“ Ich: „Nein, das ist ein Marsch!“ Brigitte: „Da marscht man, gell?" Wieviel schöner ist doch dies Wort als das sonst gebrauchte mit der fremden Endung ieren!
Wie wenig überhaupt undeutsche Fremdwörter dem Kinde „liegen", sehe ich täglich an meiner Kleinen, die nur über solche Wörter, und zwar in jedem Falle stolpert. Wie leicht ist es deshalb, unsere Kinder eine schöne und reine Muttersprache zu lehren, die doch unser höchstes volkliches Gut ist!
Der Sinn für die Klangfarbe eines Wortes ist wohl auch meist beim Kind vorhanden. Cs hört, ob ein Wort hell ober dunkel und damit froh oder traurig klingt. Brigitte verbindet mit dem Klang eines Wortes wirklich eine Farbe: „Das ist aber ein rotes Wort" oder: „sag es noch mal braun" (als wir beim Spielen in verschiedenen Tonhöhen „Bah" rufen).
Diese kleine Auslese erbringt wohl von neuem den Beweis für die sprachlichen Fähigkeiten unserer Kinder, worin Eltern und Erzieher sie nur viel mehr — allerdings mit kritischem Verständnis — unterstützen sollten, ehe diese Gabe verkümmert, anstatt die Kinder nur immer wieder durch Verbessern zu dem Althergebrachten zu führen.
E. L. St..
Holzmöbel. Denn je mehr Arbeitskraft wir spare« im Haushalt, desto mehr Zeit haben wir dann für unsere Familie, für unsere Kinder übrig.
Was gehört alles in unsere Wohnküche hinein? Da ist zunächst das Küchenbüfett für Eh- und Kochgeschirr, für Eh- und Kochbestecke. In einer Ecke können wir einen Vorhang spannen und dahinter Besen und Putzzeug unterbringen. Einen Herd haben wir in vielen Gegenden bereits in der Küche, so brauchen wir noch ein Sofa, Tisch unb Stühle und ein Regal, auf das wir unsere Töpfe mit den notwendigsten Kolonialwaren stellen können, ünb die Preise für diese Wohnküche ? Als Höchstsummen könnten wir die folgenden zur Richtschnur nehmen:
Mk. Mk.
Ein Küchenbüfett mit Regal 80,— Geschirr (ein Satz Kochtöpfe, zwei
Pfannen, einige Emailleschüsseln. Waschwanne, Back- und Puddingform, Fleischmaschine, Reibeisen usw., Ehgeschirr für vier Personen, Eßbestecke für vier Personen, Holzlöffel unb -brett usw.) 120 —
Tisch, Stühle, Sofa 80,—
Puheimer, Putzlappen, Besen,
Schrubber, 12 Küchentücher,
Steintöpfe für Putzmittel usw. 40,— 320,—
Nun kommt das Schlafzimmer an die Reihe. Da brauchen wir zunächst zwei Betten mit Matratzen und Federbetten, ferner einen Schrank, eine Kommode mit Waschgeschirr, falls unser lleines Eigenheim kein Cbaböimmer hat. Außerdem brauchen wir Bettwäsche und Handtücher. Hier könnten wir uns folgende Preise als Höchstgrenze vornehmen:
Mk. Mk.
2 Betten mit Matratzen und
Federbetten 150,—
1 Schrank 100,—
1 Waschkommode mit Spiegel
und Geschirr 60 —
2 mal Bettwäsche pro Bett und
Handtücher und Frvtt^tücher 70— 380,—
Bis jetzt haben wir 700 Mk. ausgegeben. Nun nehmen wir weitere 100 Mk. für Kleinigkeiten, die unser Heim wohnlich und gemütlich machen, d. h. also für Lampem, Vorhänge, Bettvorleger und einige Dinge, die unser persönlicher Wunsch sind, damit wir uns heimisch fühlen. Damit haben wir SCO Mk. ausgegeben, es bleiben also noch 200 Mk. übrig. Ich denke, diese Restsumme sparen wir uns für besondere Fälle, in der Hauptsache aber für unser Kindchen, das wir doch möglichst bald haben möchten. Wir müssen dann>doch Bett und Wäsche kaufen für unseren kleinen Erdenbürger, unb wir wissen ja, daß das erste Kind in bezug auf die Anschaffungen teurer ist als das zweite unb dritte. Nun können wir beruhigter in die Zukunft sehen, weil wir noch eine Reserve haben. Hilde Huber.
Genfgurken.
Man nimmt hierzu große Schlangengurken, schält sie, schneidet sie der Länge nach in vier Teile, befreit sie von den Kernen, schneidet sie in heliebig große Stücke unb stutzt diese rundlich zu. Dann läßt man Wasser mit etwas Salz kochen, tut die Gurken hinein, läßt sie einmal aufkochen, legt sie in einen Durchschlag, läßt sie sehr gut abtropfen, tut sie in einen Napf und gießt so viel guten Weinessig. der mit etwas Salz ausgekocht ist. darüber, daß sie reichlich damit bedeckt finb. Nach einigen Tagen schüttet man die Gurken in einen Durchschlag. läßt den Essig abtropfen. legt die Gurken mit ganzem Pfeffer. Muskatblüten, roten Pfefser- schoten, weihen Senfkörnern, Schalotten, würfelig geschnittenem Meerrettich, Lorbeerblättern und Estragon schichtweise in Gläser oder Töpfe ein, kocht den Essig mit Gewürznägeln auf, schäumt ifm aus. läßt ihn verkühlen unb gieht ihn durch ein Sieb auf die Gurken. Nach Verlauf von 8 bis 14 Tagen gießt man den Essig ab, kixht und schäumt ihn, läßt ihn erkalten, gießt ihn wieder auf die Gurken unb bindet die Töpfe ober Gläser fest mit starkem Papier ober Blase zu.
Die praktische Hausfrau.
Abgebrannte Streichhölzer, Kerzenreste unb getrocknete Kartoffelschalen eignen sich zum Feueranzünden.
•
Kleine Löcher in seidenen Geweben unb seidenen Strümpfen stopft man mit einem Frauenhaar fast unsichtbar.
Waschleder-Handschuhe werden weich wenn man dem warmen Spülwasser ein paar Tropfen Glyzerin beifügt.
•
Einmachgläser springen nicht, wenn man he auf etn heißes ausgewrungenes Tuch stellt und barm einschlägt, bevor man den Inhalt rymetntut.
e
.© a l a t ö l wird niemals dick, wenn man einen ßiter nut einem Teelöffel Salz vermischt.
Leber laßt such muhelos häuten, wenn man ne vorher nur eine Sekunde in heißes Wasser taucht.
♦
Rühreier werden wohlschmeckender, wenn man auf jedes Ei eine Messerspitze geriebenen Parmesankäse gibt
•
Seines Tafelsalz stellt man in einer Minute qer, wenn man Salz in gut getrocknetem Zustand auf ein Kuchenbrett schüttet unb einige Male kräf- tig mit dem Nudelholz darüber fährt.
*
Silbersachen werden bei folgender Behänd« lung wieder wie neu: Man bereite eine Seifenlaug» oon guter weißer Seife ohne jeden anderen Zusatz, stelle oder lege die Silbergegenstände hinein und lasse sie einige Minuten aufkochen. Man reibt sie Darauf am besten mit feinem Sägemehl trocken. Die Gegenstände werden vollkommen sauber und glanzend.


