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2.9.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 205 Drittes Blatt

Samstag, 2. September 1933

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)

Bilder vom Nürnberger Reichsparteitag.

Hitlerjugend in der einem einzigen Flaggenmeer gleichenden Stadt.

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Der Kanzler begrüßt nach dem Empfang im Rathaus feine alten Mitkämpfer. In der Mitte: Adolf Hitler und Bundesschatzmeister Schwarz. Rechts: Der Führer der Arbeitsfront, Dr. Ley, und der Reichsstatthalter von Thüringen, Gaudet Im Hintergrund der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß.

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Die Verpflegung der ungeheuren Massen, die zum Reichsparteitag in Nürnberg zusammenströmten, ist ein organisatorisches Meisterstück. In jedem der riesigen acht Kochkessel, die in der Lagerstadt eingemauert wurden, können jeweils 5000 Liter gekocht werden.

Ritter, Tod und Teufel", ein Kupferstich Albrecht Dürers aus dem Jahre 1513. Ein Original­abzug dieses Blattes wurde dem Kanzler bei der Begrüßung im Rathaussaal der Stadt Nürnberg durch den Oberbürgermeister übergeben.

Oie Jagd im September.

Im Niedcrjagdreoier steht das Weidwerk im Zei­chen des Feldhuhns. Die Hühnerjagd ist gar manchem Jäger ganz besonders ans Herz gewachsen. Denn bei keiner anderen Iagdart kommt die Zu­sammenarbeit von Herr und Hund so zum Ausdruck, wie bei der Jagd auf das Rebhuhn. Ein wolkenloser blauer Himmel wölbt sich über der Flur; die Sonne meint es noch recht gut, und die Hühner liegen in den hohen Tagesstunden fest in der Deckung oder auf der Stoppel. In flotter Suche nimmt der Hund das Feld, findet, steht vor, zieht nach, bringt das ge- schofsene Huhn oder arbeitet das Geläufe des geflü­gelten und ruht nicht eher, bis er es findet. Wird bei gutem Hunde noch sauber geschossen, dann macht die Hühnerjagd viel Freude. Leider haben sich die im Juli geäußerten Befürchtungen bewahrheitet. Die lange Juninässe ist den Junghühnchen nicht förderlich gewesen. Auch in pfleglich behandelten Revieren ist mancher Platz im Feld, wo immer eine Kette lag, leer. Das muß beim Abschuß wohl berücksichtigt wer­den. Alte Erfahrung hat gezeigt, daß es verkehrt ist, starke Ketten ganz unbejchossen zu lassen.Das Huhn will beschossen sei", lautet ein alter Jäger- jpruch, da es sonst zum Wandern neigen soll. Grund­verkehrt wäre es, einzelne Ketten zu schonen und andere aufzureiben. Jede Kette soll mit einer Kopf­zahl von sieben bis acht Hühnern in den Winter gehen, damit der Bestand für das Folgejahr trotz unvermeidlicher Winterverluste sichergestellt ist.

Es sei besonders darauf hingewiesen, daß die Wachtel, die man nur noch ganz selten einmal antrifft, nicht mehr zu den jagdbaren Vögeln gehört, sondern das ganze Jahr hindurch Schonzeit hat.

Auch der F a s a n genießt noch den Schutz des Ge­setzes. Wer Fasanen im Revier hat, benutze jetzt die Zeit, wo die Dreschmaschine brummt, um seine Schüt- rungen iNstandzusetzen, neu anzulegen oder zu be­schicken. Aller Druschabfall ist dazu geeignet und zeigt dem Wild, wo es etwas findet, wenn später der Winter und der Hunger kommen. Besondere Futter­mittel brauchen noch nicht geschüttet zu werden. Das Aussetzen von Fasanen durch zahlreiche Mitglieder desHubertus" Gießen macht sich schon in vielen Revieren bemerkbar. Hoffentlich findet der schöne Vogel überall den Empfang, den man erwarten muß, wenn alle Reviere von den Bestrebungen zur Hebung des Besatzes Nutzen haben sollen. Drum Fütterungen anlegen.

Wildtauben sind schußbar, auch Wald­schnepfe und Be k a s s i n e kommen gelegentlich oors Rohr. Die Entenjagd auf Seen und Bächen verspricht Erfolg. Ente und Erpel können bald wieder am Federkleid voneinander unterschieden werden.

Im Hochmildrevier aber beginnt die hohe Zeit des Königs des Waldes.An Aegide (1. September) tritt der Hirsch in die Brunft", fagt alte Weidmanns- rcgel. Das soll nicht heißen, daß dann die Brunft schon im Gange wäre. Aber der H i r s ch, der seither als Feisthirsch ein heimliches und träges Dasein führte, tritt zum Rudel, und gegen Monatsende verrät in kalter Herbstnacht sein Kampfruf, daß die Brunft wirklich begonnen hat. Sie zieht sich dann bei uns bis in den Oktober hinein.

Der Schaufler steht noch in der Feiste. Die Pirsch auf den starken Schaufler stellt in freier Wild­bahn so hohe Anforderungen an den Weidmann, daß sic einen ganzen Jäger erfordert. Schwarz­wild bricht zur Nachtzeit vor allem in Kartoffel­felder. Nur Pirschgang und Ansitz bieten zur Zeit etwas Aussicht auf Erfolg.

Die Brunft des Rehwildes ging zu Ende. Der starke Bock ist danach zunächst sehr heimlich und geht kaum um sich. Dann aber pflegen im September die Böcke Wechsel und Austrittszeit wieder so einzu- haitcn wie im Mai. Der Abschuß an Böcken wird in den meisten Revieren allerdings beendet sein.

Die vielen Iunghasen, die man bei der Hühner­jagd antrifft, lassen hoffen, daß das Hasenjahr zufriedenstellend wird.

Der Dachs ist feist und lohnt die Jagd. Seine fast völlige Schonung hat den'Besatz sich stark heben lassen. Ein gewisser Abschuß am Bau dürfte in Fa° sanenrevieren angebracht sein.

Im September setzt der Raubvogelzug ein. Wer Freude an der Natur und Blick für ihre Schön­heit hat, wird dann auch manchen Fremdling zu Ge­

sicht bekommen, der auf dem Durchzug eine Gastrolle 1 gibt. Weihen und Wanderfalken seien besonders er­wähnt. Es gibt eine gewisse Sorte Jäger, die alles, was krumme Fänge hat, dank ihrerhervorragen­den" zoologischen und jagdwissenschaftlichen Bildung für einenHabicht" hält. Ihnen sei in Erinnerung zurückgerufen, daß in Hessen alle Raubvögel außer

demwirklichen" Habicht und dem Sperber geschützt sind. Verstöße gegen die Naturschutzbestimmungen werden im neuen Staat, der Gemeinnutz vor Eigen- nutz stellt, noch strenger bestraft werden als seither. Der wahre Jager ist sich seiner Verpflichtung dem Volksganzen gegenüber stets bewußt.

Hubertus.

Eine Nürnberger Straße im Festschmuck.

Kirchenrat D. Otto Wissig f.

Bad-Nauheim, 1. Sept. (EPH.) Hier st a r b , 80jährig, Kirchenrat D. Otto Wissig, der 34 Jahre lang Pfarrer in der größten hessischen Kurstadt gewesen. Er wurde, seinem Wunsche ge­mäß, in der Stille beigesetzt. Als Schriftsteller war er weithin bekannt geworden durch feine Bonifatius- forschungen. Die Landesuniversität Gießen verlieh ihm aus Anlaß des Augustana-Jubiläums 1930 den Ehrendoktor der Theologie und würdigte ihn als denlangbewährten Prediger und Seelsorger, den sinnigen Dichter kirchlicher Schauspiele, den Ge­lehrten, der seine Altersmuße unermüdlich zu em- dringlichen geschichtlichen Studien nützt und beson­ders die Bonifatius-Forschung gefördert hat". Mit ihm ist einer der verdientesten und bedeutendsten hessischen evangelischen Geistlichen in die Ewigkeit abgerufen worden.

Der neue Präsident der Reichsbahndirektion Frankfurt. WSN. Frankfurt a. M., 1. Sept. Der guiK 1. September zum Präsidenten der Reichsbahn­direktion Frankfurt a. M. ernannte Dr.-Jng. Steuernagel stellte sich heute im großen Sit­zungssaale der Reichsbahndirektion den Beamten der Reichsbahndirektion und der obersten Bau­leitung für den Bau der Kraftfahrbahn und den Vertretern der Beamten- und Arbeiterschaft, sowie der Fachschaft vor. In einer Begrüßungsansprache stellte Präsident Dr.-Jng. Steucrnagel das Führerprinzip und die Volksgemeinschaft an die Spitze seiner Ausführungen. Er bat alle um ihre Mitarbeit und ihr Vertrauen, wobei er betonte, daß er als Rheinländer mit dem Frankfurter Be­zirk durch Beziehungen des Blutes verknüpft sei und für ein offenes Wort feines Personals stets zugänglich sein werde. Die Arbeit in dieser ernsten, aber auch erhebenden Zeit erfordere neben voller Hingabe an den Beruf begeisterte Stellung hinter den Führer Deutschlands. In das dreifache Sieg- Heil auf den Führer stimmten die Anwesenden begeistert ein. In seiner Erwiderung dankte Vize­präsident Dr. Haas namens der Beamten und Arbeiterschaft und versprach vertrauensvolle Mit­arbeit.

Altertumsfunde beim Bau einer Auioumgehungsstraße.

Marburg, 1. Sept. (WSN.) Bei den Erd­arbeiten zum Bau der Marbuger Auto- umgehungsstraße fanden die Arbeiter u. a. eine Bildhauerarbeit, die aus dem 11. «ober 12. Jahrhundert stammen soll und ein Schiff in Form eines Wikinger-Schiffes darstellt. Der an der Lahn­verlegung tätige Bagger legte eine alte Uferbefesti­gung, anscheinend ein früheres Wehr, frei, das schon sehr alt fein muß, da es in keinem der alten Marburger Stadtpläne verzeichnet ist.

Aburteilung

einer ISföpfigen Räuberbande.

WSN. Darmstadt, 1. Sept. Die aus nahezu 2 0 Personen bestehende Räuberbande unter Führung eines gewissen Decker aus Offen­bach, die namentlich in den Jahren 1931 und 1932 umfangreiche Diebstähle und Einbrüche in der Gegend von Frankfurt, Offenbach, Hanau, Ilsen­burg, Darmstadt, Langen, Groß-Gerau usw. ver­übte. hatte sich heute in Darmstadt vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Die beiden Haupt­führer der Bande, Adam Becker aus Offenbach und Franz Straub aus Sprendlingen, erhielten vier Ilahre bzw. zwei Jahre sechs Mo­nate Zuchthaus. Ein gewisser K. K r e p p e l wurde für drei Jahre und vier Monate und Heinrich Ilost aus Göhenhain für drei JahreundsechsMonate hinter schwedische Gardinen gesetzt. Willi Streb und Willi Himmelreich, beide aus Ilsenburg, erhielten je ein Jahr und einen Monat Zuchthaus.

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Dis Freitag, 8. September, ge­schlossen. Samstag, 9., und Sonntag. 10. Sep­tember. 20 bis gegen 22.30 Uhr, Werbe-Abend.

Schauspielhaus. Sonntag, 3., und Mon­tag, 4. September, 20 bis 23.15 Uhr, auf dem Römerberg,Die Ikungfrau von Orleans". Ab Dienstag, 5. September, geschlossen.