Ausgabe 
1.6.1933 Frühausgabe
 
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(Ein Zettungsfachmann, der Verlagsdirektor Stolberg von derDeutichen Tageszeitung", hatte einen Voranschlag ausgemacht, aus dem sich ergab, daß ein Kapital von 500 000 Mark notwendig wäre. Da sich bei den weiteren Besprechungen ergab, daß eine solche Stimme von unabhängigen und uneigennützigen Geldgebern nicht aufzubringen war, schlief der Gedanke der Zcitungsgründung ein. Der Angeklagte Dr. Gereke und sein Verteidi­ger Langbehn richten an den Zeugen Staats­sekretär Dr. Meißner die Frage, ob er sich hin­sichtlich der Summe nicht irre, ob Dr. Gereke nicht gejagt habe, er habe jetzt 50 000 Mark zur Verfügung, aber könne später größere Summen bis 500 000 Mark beschaffen. Dem­gegenüber erklärt der Zeuge Dr. Meißner mit aller Bestimmtheit, daß davon keine Rede sein könne. Es sei ganz bestimmt nur von 50 009 Mark gesprochen worden, die Dr. Gereke zur Verfügung habe, hätte er von 500 000 Mark gesprochen, dann hätte ja das Projekt nicht zu fcheitern brauchen.

Dors.: Dr. Gereke Halle damals 3 8 0 0 0 0 Mark aus dem Hindenburg-Fonds zurDerfügung. Wenn Sie das wußten, hätte man dann die Idee der neuen Zeitung weiter ver­folgt?

Staatssekretär Meißner: 3d) glaube ja.

Staatsanwalt: Wußten Sie, daß überhaupt ein Gewinn da war?

Staatssekretär Meißner: 3ch habe über­haupt nicht gewußt, daß ein Heber- schuß aus dem Hindenburg-Fonds vorhanden war.

Staatsanwalt: Herr Dr. Gereke, Sie haben sich in Ihrer Verteidigung darauf gestützt, daß Sie stets Vorkämpfer der streng nationalen Richtung gewesen feien und angeblich ein bedingungsloser Vorkämpfer einer bewußten Hindenburg-Politik. Ich überreiche 3 ro e i Briefe mit dem Antrag, sie zu verlesen, aus denen sich ergibt, daß Dr. Gereke der Hin­denburg-Politik, die im Sommer 1932 dazu führte, daß die preußische Regierung entmachtet wurde, nicht gefolgt ist und daß er in enger Beziehung zu den entmachteten preu­ßischen Ministern gestanden hat, daß er eine ganz bewußte Politik gegen die da- malige national - revolutionäre Be­wegung und gegen die nationale Re­gierung führte, so daß die Andeutung, er habe das gewollt, was jetzt erreicht fei, sich als das Gegen- teil erweist.

Die Briefe werden vom Gericht bann verlesen. Der erste ist an den damals schon abgesetzten preußischen Minister Klepper gerichtet. Der zweite Brief richtet sich an Bürgermeister Zimmer-Düssel- dorf, gegen den jetzt ein Ermittelungsoerfahren schwebt.

Oer ehemalige Reichsminister Treviranus

äußert sich dann als Zeuge zu der Kernfrage des Prozesses u. a., Anfang 1932, als ich dem Kabinett Brüning als Minister angehörte, schien mir und meinen Freunden die Hoffnung berechtigt, daß die unter dem Primat der Außenpolitik stehende deutsche Regierungspolitik noch im Jahre 1932 zum Erfolg führen würde. Wir waren uns darüber klar, daß es darauf ankam, Hindenburg zum Sieg bei der Reichs­präsidentenwahl zu verhelfen. Wir waren uns aber auch darüber klar, daß es mit seiner Wahl allein nicht getan war, sondern daß durchdienotwen- dige Gleichschaltung der preußischen Regierung diese Ziele der Hindenburg-Politik gestützt werden mußten.

Ich sagte schon bei den Sammlungen für die Hindenburg-Wahl im ersten Wahlgang, daß man mit den Mitteln vorsichtig umgehen müßte, weil nach der siegreichen Wahl noch weitere Mittel zur Verwirklichung unserer weiteren Ziele nötig waren. Mir wurde von Geldgebern zugesichert, daß sie ent­sprechende Mittel für die Preußen­wahl geben würden. Das hatte ich Dr. Gereke

gesagt, und er rechnete damit. 2hm wurde aber wider Erwarten ein zweiter Wahlgang notwendig, und die Geldgeber sagten mir, sie hätten das Geld, das sie für die Preuhenwahl bestimmt Hütten, schon bei den Sammlun­gen für den zweiten Wahlgang mit­gegeben. 3ch sagte das Dr. Gereke und sprach dabei von einer Summe von 10) 000 bis 250 COO Mk., die auf diese Weise vorweg ge­geben waren. Dr. Gereke machte keinen Hehl daraus, daß diese Wendung ihm Schwierigkeiten machen würde.

Verteidiger: wurde von Dr. Gereke davon gespro- chen, daß es ihm darauf ankäme, unter der Führung des neugewählten Reichs­präsidenten v. Hindenburg ein enatio- n a l e Front zusammenzubringen, in die auch die Nationalsozialisten einbezogen werden sollten?

Zeuge Treoiranus: Ja, das war die ganz selbstverständliche Auffassung des krei- ses, dem wir angehörten, wir haben uns immer wieder die Frage oorgelegt, wie man die Kräfte der nationalsozialistischen Erhebung in die Regie­rung einspannen könne.

Verteidiger: Halten Sie es für~ möglich, daß Dr. Gereke überhaupt engere Fühlung mit Linkskreisen unterhalten hat, es sei denn, daß es sich um politische Manöver handelte, um sie über seine wahren politischen Absichten zu täuschen? .

Zeuge Treviranus: 3ch halte eine solche Ver­bindung mit Linkstreisen bei Dr. Gereke für völlig ausgeschlossen.

Verteidiger: hat nicht schon Anfang 1932 Dr. Ge­reke ebenso wie der damalige Reichskanzler Dr. Brüning und wie Sie den Wunsch gehabt, dem Führer Adolf Hitler den Reichskanz- lerposten zu übergeben, und war es nicht fo, daß Zweifel nur darüber bestanden, wie man diesen Plan ohne außenpolitische Erschütterungen durchführen könnte?

Zeuge: Ich weiß nicht, ob ich darüber aussagen darf, denn meine Kenntnis in dieser Hinsicht stammt doch aus meiner damaligen Eigenschaft als Reichs­minister.

Verteidiger: hat Dr. Gereke diesen Plan schon An­fang 1932 gefördert, Adolf Hitler an die Regierung zu bringen?

Zeuge: Er hat diesen Gedanken ganzbe- sonders eifrig verfochten. Er hatte deshalb auch in feiner Fraktion gegen widerstände anju- fämpfen gehabt.

Oer Schriftsteller Heinrich v. Gleichen der die ZeitschriftDer Ring" herausgibt und an den Verhandlungen über dasHindenburg-Zei- tungsprojekt" führend teilgenominen hat, erklärt, Dr. Gereke habe bei diesen Verhandlungen gesagt, er könne sofort 50 0C0 Mark zur Verfügung stellen; im ganzen könnte er 100 000 Mark für die Zeitung aufbringen. Man habe in dem Kreis angenom­men, daß diese Mittel einen Re st betrag der Hindenburg-Sammlung darstellten.

Vorsitzender: Hatten Sie Kenntnis davon, daß zur Erlangung dieser 2Nittel falsche Quit­tungen verwandt worden waren?

Zeuge: Davon ist mir nichts bekannt. Heber das Zeitungsprojekt sagt der Zeuge u. a.: Staatssekretär Dr. Meißner hatte es übernommen, wegen des Absatzes der Zeitung Fühlung zu neh­men. Ich erhielt auch von General v. Schlei­cher die Zusicherung, daß er sich dafür inter­essieren werde. Rachher hat Dr. Meißner aber von Schleicher eine Absage bekommen. Schlei­cher war in dieTägliche Rundschau" eingetreten, und damit hatte die Sache eine Wendung genommen, die zunächst die Verwirk­lichung des Plans aussichtslos erscheinen ließ.

Oer frühere Heichsmimster v. Keudell wurde bann darüber vernommen, wie es z u der Anzeige gekommen sei. Der Zeuge erklärte, daß er darauf gedrungen habe, die Reichsregierung und Oberst v. Hindenburg zu verständigen, weil es sich nach seiner Ueberzeugung um einen schweren

Gchrei über dem Nordmeer.

Von Julius Hufschmied.

Als John Timm die Rachricht erhielt, daß H s.el Timm, unverheiratet gebliebener Bruder seines verstorbenen Vaters Htoe Zimm, das Zeit­liche gesegnet habe und daß also der Inselhof in Rordfriesland nun an ihn, John Timm, falle, bügelte er gerade Hosen in der Reuyorker Dowerh.

Iohn Timm stellte das Eisen hin, betrachtete nachdenklich das an der Wand hängende Re­klameplakat einer Siedlungsgesellschaft, auf dem ein Farmer unter herrlichen Palmen vor seinem Hause stand, inmitten wunderbarer Kühe, und verglich den Barbestand seiner Kasse mit dem mutmaßlichen Fahrpreis nach Hamburg.

Acht Tage später stand er an Bord der Areadia", über ihm funkelten unglaublich viel Sterne, und unvermittelt fiel ihm ein, daß in vier Wochen Pfingsten sei.

Von Hamburg aus fuhr Iohn nordwärts, unaufhörlich nordwärts. Er stand am Fenster, die Luft war seltsam schwer und salzig, Dörfer flogen vorbei, einzelne Bauerngehöfte wie sah wohl das seine aus? Unb wie lange wurde er noch fahren müssen, durch weites einsames, grasbewachsenes Flachland, endlos wie das Meer lag der Inselhof denn am Ende der Welt? Iohn Timm fröstelte plötzlich.

Endlich stieg er aus, in einer kleinen Stadt, an deren Westrand sich das Meer dehnte, zart und etwas fahl, schien ihm, beklemmend öde im Mittagslicht.

Ein schweigsamer Mann setzte ihn zum Insel­hof über. Iohn Timm starrte um sich herum in das Richts, das bereit war, ihn zu verschlingen das Richts? O, da waren noch viele Inseln, friesische und dänische und skandinavische, flache und felsige, glatt gerundete und zerklüftete, be­wohnte und solche, auf denen nur die Meeres­vögel hausten Iohn Timm fröstelte wieder. Dann tauchte der Inselhof auf.

Ein stattlicher Hof, gut gehalten, vom ältesten Knecht Mike sorgsam verwaltet. Mike legte dem neuen Herrn mit freundlicher Ehrerbietung Rechenschaft ab, die Haushälterin Gesine, zwanzigjährige Tochter eines verarmten Insel­nachbarn, von Onkel Haskel sozusagen als Tochter aufgenommen, trug ihm eine reichliche und schwere Mahlzeit auf, von der Iohn kaum ein Drittel . Dann ging der neue Herr hinaus. Am Gartenzaun blieb er stehen und schaute ins Land.

Schöne Wiesen, ja, und die schwarzbunten Kühe darauf sahen prächtig aus aber die gemalten Tiere auf dem Reklameplakat hallen ihm näher gestanden- Und die Gartenbäume hatten alle keine Aeste an der Rordwestseite welche Stürme mußten hier rasen, im grauen trostlosen Herbst, wenn der Winter sich über das ausgelieferte Land stürzen wollte, oder im Vorfrühling, wenn er auf dem brüllenden Meer seine letzten Schlachten ausfocht! Lebendig be­graben würde man sein weitab vorn herr­lichen Strom des vielfältig heiteren Lebens, der schimmerte und lockte und um immer neue Ufer schäumte und nichts mehr wissen würde von Iohn Timmund ich bin doch noch nicht dreißig Iahrel", dachte Iohn verzweifelt.

Aber als er sich in einem geräumigen Zimmer mit viel dunkler Täfelung zur Ruhe begab, fiel ihm ein:Man kann den Hof verkaufen und zurückgehen."

Dennoch schritt er am nächsten Tage eine Weile neben dem erklärenden Mike durch die Wiesen, es war doch ein seltsames Gefühl, fo über seine eigene Erde zu gehen, ein Gefühl, wie es Könige haben mochten- Dann stand er still und sagte:Ich bleibe nicht hier ich werde den Hof verkaufen."

Mike erstarrte.Der Herr macht Spaß wer verkauft denn seinen Hof?"

Aber es werden doch sicherlich auch hier Höfe verkauft und gekauft!"

Ach ja, freilich, es gibt auch solche Leute!" Mikes Ton sagte:Aber was sind das auch für Menschen, die ihren Hof ohne Rot verkaufen!"

Iohn sah über die blumigen, blauüberwölbten Wiesen, leiser Wind kam vom Meer, weich und doch herb, das machte wohl der Salzgehalt. Rein, man würde diesen Wind nicht so bricht vergessen.Ich bin kein Landwirt", sagte er erklärend.

Mike fragte höflich und zutraulich:Was ist der Herr?"

Betroffen sann Iohn nach Zeitungsjunge und Liftboy und Mafchinenschreiber und Hosen­bügler ja, wie konnte man das bezeichnen? Hr wurde ärgerlich.Ich bin Amerikaner", sagte er und wandte sich kurz um. Mike sah ihm nach. Er hatte nicht gewußt, daß das ein Beruf sei: Amerikaner.

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Also führte der Knecht den Hof weiter, Iohn schlenderte umher, als Gast.

Korruptionsfall gehandelt habe. Bei der Gegenüberstellung habe er Dr. Gereke dann ge­fragt ob dieser nichts zu seiner Entlastung bezüg­lich der Quittungsfälschung vorbmgen wolle. Gereke habe ihm unter vier Augen erklärt, er könne den Herren das nicht mitteilen, a n w e l ch e politische Gruppen Gelder geflossen seien.

Vorsitzender: Um welche politische Gruppen han­delte es sich dabei?

Zeuge: Um die W i r t s ch a f t s p a r t e i, die Landoolkpartei und den Jungdeutschen Orden. _ -

Mit erhobener Stimme fahrc der Zeuge dann fort'Ich übernehme sowohl nach der mensch­lichen "wie nach der sachlichen Seite die völlige Verantwortung für meine Handlung. Ich bin mir oarüber klar, daß ich leider dazu berufen bin, an der Vernichtung eines Mannes mitzuwirken, mit dem ich einmal im Reichstag zusammen­gesessen habe. Heber die Tragik des Einzel- schicksals hinaus besteht die Tragik, daß bis in die hinterste Landgemeinde die Vertrauenskrise ausgebreitet worden ist. Ein besonderes Moment für sich ist, daß Dr. Gereke in Versammlungen wiederholt von der finanziellen Rot­lage der Gemeinden sprach. Wir in der ländlichen Selbstverwaltung haben gestöhnt unter den hohen Beiträgen, die für die ZeitschriftDie Landgemeinde" erhoben wur­den." Die Tatsache, daß Dr. Gereke immer wieder von der Rotlage sprach und durch Täuschung des Vorstandes die Zeitschrift in feinen De- s i tz brachte, fei für ihn mitbestimmend zur Anzeige getoefen.

Staatssekretär Kempner

der Geschäftsführer des Hindenburgausschusses, sagte aus, Dr. Gereke im ganzen 1,390 Millionen Mark zu Propagandazwecken übergeben zu haben. Daß Uederschüsse nach der Wahl verblieben seien, habe er erst bei der zweiten Vernehmung beim Staats­anwalt erfahren. Der Hindenburgausschuß habe im November 1932 beschlossen, einen etwaigen Ueber- schuß der Hindenburgspende au über­weis e n. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Zeuge sich damit einverstanden erklärt hätte, daß der Ueberschuß von rund einer halben Million Mark, falls er davon gewußt hätte, für weitere politische Zwecke verwendet würde, erklärte Staatssekretär Kempner, daß er dazu nicht feine Zustimmung gegeben hätte. Bei der weiteren Vernehmung stellte sich heraus, daß der Zeuge in dem Glauben, daß sogar noch ein Defizit von 50)000 Mk. bestände, sich brieflich an den damaligen Reichsfinanz­minister Dietrich gewandt und eine Abschrift des Briefes auch dem früheren Reichskanzler Dr. Brüning geschickt hatte. Auch Dr. Gereke war über dieses Schreiben unterrichtet worden. Die Frage des Staatsanwaltes, ob der Zeuge auf Grund dieses Schreibens auch tatsäch­lich Geldmittel erhalten habe, erklärte Staatssekretär Kempner nicht ohne Aus­sagegenehmigung seiner vorgesetzten Be­hörde beantworten zu können. Er habe die angeforderte Summe beschafft, könne aber nicht angeben, von welcher Stelle er sie erhalten habe.

Verteidiger: Stammten die Gelder für die Hin- denburgwahl nicht vielfach auch aus Kreisen, die nur aus taktischen Gründen Geld her­gaben, also Linkskreisen, jüdischen Warenhäusern usw., die an sich politisch nicht auf der Seite des Reichspräsidenten standen, aber feine Wahl un­terstützten, damit nicht Hitler gewählt würde?

Zeuge: Das nehme ich mit Sicherheit an.

Der Hauptkassierer des Hindenburgausschusses, Regierungsinspektor Grünow, erklärte sodann, daß die erste Abrechnung von Dr. Gereke habe zurückgewiesen werden müssen, weil sie Additionsfehler enthalten habe und un­übersichtlich gewesen sei. Die zweite Abrech- nung habe ein Defizit von 30 000Wk. er­geben, und Dr. Gereke habe auf Abdeckung dessel­ben gedrängt. Damals schon hatte sich der Hin- denburgausschuh in großen finanziellen Schwie­rigkeiten befunden, denn es seien ungefähr drei Millionen M k. Schulden vorhanden ge­wesen, die erst im Juli durch die Bemühungen von Staatssekretär Kempner hatten abgedeckt wer­den können.

Bis Pfingsten bleibt der Herr doch?", fragte Gesine.

3a, natürlich, in acht Tagen verkauft man den Hof nicht!"

Was für ein merkwürdiger Harne: Gesine! dachte 3ohn. Dann überlegte er, wie er das zu erwartende Geld am besten anlegen könne. Er verstand etwas von Börsengeschäften, viel­leicht würde er noch mal ein berühmter Mann in der Wallstreet. Unb wenn er jetzt um des alten Wilton schöne Marjorie anhielt, würde sie ihn kaum abweisen, ihn mit feinen Zukunfts- aussichten. Er sah auf Gesine, deren Haar in der Sonne flammte. Marjorie war dunkel. Wundervolles Haar!, dachte 3ohn. Er meinte Gesine.

Den Pfingstsarnstag verbrachte er in der kleinen Stadt, in dem Hotel am Marktplatz ah er zu Mittag. Ein Herr sprach ihn an, er sah nach Großstadt aus und trug einen Mantel nach dem neuesten Schnitt, wie 3ohn mit plötzlicher Abneigung bemerkte. Er heiße Kleinmann, sagte der Herr, und habe 3ntereffe am 3nselhofe, der ja wohl verkauft werden solle. 2lber er sei sehr eilig, ob er Mr. Timm morgen am Pfingstsonntag heimsuchen dürfe?

Mr. Timm? dachte 3ohn unbehaglich berührt. Wer Herr Kleinmann solle nur kommen, auch er habe es eilig, jawohl.

Wieder nach drüben?" fragte Herr Kleinmann verständnisvoll.3a, ein gebildeter Mensch kann es hier ja auch nicht aushalten!" 3ohn schwieg, er wußte nicht, wie finster der Blick war, mit dem er Herrn Kleinmann ansah.

Am Pfingstsonntag war 3ohn schon bei Son­nenaufgang draußen. Er dachte an Herrn Klein- mann, ein komisches Gefühl schnürte ihm die Kehle zu. Verdammte Feiertage, wäre er drüben, würde er heute nach Cong Island fahren, mit Gesine nein, mit Marjorie, natürlich mit Marjorie.

Die kaum aufgegangene Sonne schoß schräge rote Blitze über die Flut, 3ohn mußte an die feurigen Zungen aus der Bibel denken. Merk­würdig, wie sich solche alten Märchen erhielten. Feurige Zungen, die Offenbarungen brachten--

Wenn alles klappte, konnte er sich schon heute 2lbend als freier und wohlhabender 2Ilann be­trachten und in ein bis zwei Wochen vielleicht reisen westwärts.

Plötzlich erklang ein Schrei über ihm, ein ur- welthafter Schrei, unvergleichbar jedem andern

Eine Erklärung des Zungdeutschen Ordens zum Gereke-Prozeh.

Berlin, 31. Mai. (TH.) Zu der Aussage deS Reichsministers a. D. v. Keudell im Gereke- Prozeh, Dr. Gereke habe nach eigener Angabe Gelder an politische Gruppen, u. a. an den Iungdeutschen Orden gegeben, gibt der 3ungdeutsche Orden folgende Erklärung ab: i

Der 3ungdeutsche Orden hat niemals von Herrn Dr. Gereke oder von Mit- telspersonen Dr. Gerekes irgend­welche Geldmittel erhalten."

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichsminister des Auswärtigen Freiherrn von Reurath zum Vortrag über Fragen der Außenpolittk.

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Reichskanzler Adolf Hitler hatte, wie von Zentrumsseite mitgeteilt wird, am Dienstag eine Besprechung mit dem Parteiführer des Zentrums, S r. (Brüning. Es handelte sich dabei um die Fortführung der politischen Aussprache, die vor etwa 14 Tagen in einer Unterredung zwischen dem Reichskanzler und Dr. Brüning eingeleitet worden ist.

Einer Einladung des Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler an den bekannten Straßenbau­fachmann Dr. Piedro P u r i c e l l i - Rom ist die­ser mit Freude nachgekommen. In der heutigen Be­sprechung hat Herr Senator Puricelli den Herrn Reichskanzler überfeine Erfahrungen im Straßen- und Autobahnbau unterrichtet.

Der Reichsinnenminister hat als seinen ehren­amtlichen Kommissar für denReichsausschuß für hygienische Dolksbelehrung E. 23." den Dr. jur. Ruttke in Berlin-Steglitz ernannt Dr. Ruttke ist beauftragt, denReichsausschuß für hygienische Dolksbelehrung" in einenReichs- ausschuß für Dolksgesundheitsdienst" umzubilden unb hierbei den Aufgabenkreis des bisherigen Reichsausschusses den Bestrebungen der nationalen Regierung entsprechend zu erweitern.

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Der Beauftragte für die Vereinheitlichung der kommunalen Spitzenverbände Oberbürgermeister Fiehler hat den geschäftsführenden Präsiden­ten des Deutschen unb des Preußischen Etädtetags Dr. M u l e r t mit sofortiger Wirkung beur­laubt Mit der Geschäftsführung ist vorläufig der kommissarischeLeiter des kommunal- wissenschafllichen 3nstituts an der Universität Berlin Dr. 3 e s e r i ch beauftragt worden.

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Wie der Evangelische Pressedienst mitteilt, be­grüßt der Gesamtverband evangeli­scher Arbeitervereine Deutschlands in einem Telegramm den R e i ch s b i s ch o f als bewährten Freund der Arbeiter und erfleht für ihn Gottes reichsten Segen. Gleichzeitig hat der Gesamtverband D. von Bodelschwingh um die Uebernahme der Schirmherrschaft gebeten. Der Reichsbischof hat die ihm angebotene Schirm­herrschaft mit herzlichem Dank angenommen.

3n Schöningen (Braunschweig), wurden der Ortsgruppenführer des Stahlhelms Kröger sowie drei andere Stahlhelmführer von der Polizei wegen Vergehens gegen die Ver­ordnung des braunschweigischen 3nnenministers betreffend Aufnahmeverbot von Mitgliedern des Stahlhelms in Haft genommen.

3n dem Prozeß gegen 22 Kommunisten wegen des Feuerüberfalls- auf vier SA. - Leute bei Waltersdorf am 17. Februar verhängte das Berliner Sondergericht gegen zwei Angeklagte je sechs 3ahre Zuchthaus unb gegen zwei Angeklagte je zwei 3ahre Zuchthaus. Sechs Angeklagte würben zu Gefängnisstrafen verurteilt, die übrigen wurden freigesprochen.

Laut. Er fuhr durch die Luft wie ein Schwert, unb wie ein Schwert fiel er in 3ohns Seele unb verursachte dort einen heftigen und rätselhaften Schmerz. 3ohn hob die Augen, vor dem roten Morgenhimmel, in glasklarer Luft, stand mit weiten Schwingen ein großer Vogel, weih über der noch dunklen Flut, unb stieß seinen wilben und unvergeßlichen Schrei aus, den Urschrei, bet aus den Tagen der Schöpfung herzutönen scheint.

Die Eidergans!" sagte Iohn, unb plötzlich sah er feinen Vater Uwe, wie er mit ihm und der Mutter zur Bahnstation fchritt, um mit ihnen in ein fernes schönes Land zu fahren, wo sie sicher sehr glücklich sein würden. Er erinnerte sich noch genau der Worte unb auch baran, wie sie jäh abriffen, als biefer selbe Schrei über ihnen aus bem Himmel stieß. Wer umgekehrt war Vater Uwe nicht, und deshalb war er so früh gestorben, er und die Mutter, an einer unertlär- lichen Krankheit, von der 3ohn jetzt wußte, daß sie Heimweh geheißen hatte. Und hatte er, 3ohn nicht oft dunkel unb fern in seinen Träumen den Schrei gehört, der aus den Höhen eines zarten Himmels fiel wie ja, es ließ sich nicht anders sagen wie eine Offenbarung, die Offenbarung der geheimnisvollen unb unentrinnbaren Schön­heit des Äordlanbes, über das im Herbst unb Winter die wilden Wolkenwölfe jagen unb von bem im Frühling unb Sommer eine so unsagbar zarte Heiterkeit ausstrahlt, durch die man leise geht wie durch einen sanften Traum.

Wer könnte solch ein Land verlassen? Auch die Eidergans verläßt es nicht, sie brütet nur hier, in der Heimat unb jetzt fliegt sie schnell unb lautlos fort, sie hat ihre Aufgabe erfüllt, sie hat ihre Pfingstrede gehalten.

Erst nach drei Stunben schritt 3ohn feinem Hof zu, Herr Kleinmann wartete schon.Guten Morgen, Mr. Timm", sagte er,ich werde den Hof wohl kaufen."

Herr Timm, bitte, sagte 3ohann Timm heiter, tut mir leib, daß Sie sich herbemüht haben, aber ! ich verkaufe nicht.Rein", sagte er und blickte ' Gesine an, die über die bunten Wiesen herkam, \ ich kann meinen Kindern nicht die Heimat neh­men, ist eine schlimme Sache um einen Heimat­losen aber vielleicht verstehen Sie das nicht?"

Rein, Herr Kleinmann verstand das nicht.

3a. sagte Iohann Timm,man hat es mir auch erst predigen müssen mit feurigen Zungen, direkt vom Himmel herab, wissen Sie." Er nickte Herrn Kleinmann zu, der ihn starr ansah, und ging Gesine über die bunten Wiesen entgegen.