Aus der provinzialhauptstadt
Heist der Winternothilfe!
Jedenfalls nicht eine dreifache Umsatz
O'k’WäXVOsX
Steigerung in 12 Odonaten,wie sie die OBERST-Zigarette dankbar verzeichnen darf. Qanfybar—'weil zweifelsohne die persönliche Empfehlung begeisterter OB ER ST-Freunde wesentlich zu dem, erstaunlichen Erfolg bei getragen hat.
ersten Wahlgang zum Bürgermeister gewählt. Er erhielt 264 Stimmen. Zimmer 173 (beide NSDAP.) und K. W. Schnell (überparteilich) 70 Stimmen.
Feuer in Watzenborn-Steinberg.
■=.= WahenbornSteinberg. 1. März. In der letzten Nacht brannte die Scheune des Landwirt- Johannes Rinn, Fahrtgasse 1. nieder. Gegen 2 Uhr ertönte Feueralarm in den Straßen. Durch sosortigcs Eingreifen der
die 37s Pfg-Zi£arette, bei der nach teurer c/inr^en sirt sichJHCde mit A R OMA paart
Reklame unö Zugaben allem schaffens nicht!
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rückte oom Lokal Soldan aus nach dem Kirchenplatz zu. Auf dem Marktplatz verlangten die SS.-Leute das Zurückgehen der auf der Straße befindlichen Personen. Die SS.-Leute waren hierbei fast durch- weo mit neuen Gummiknüppeln ausgerüstet. Beim Einsatz der Bereitschastsvotizei wurden fünf SS.- Leute und eine andere Person vorläufig festgenom- men und sechs Gummiknüppel sichergestellt. Auf dem Ueberfallwagen, mit dem die SS.-Leute zum Poti- zeiaml verbracht wurden, wurde eine geladene Selbstladepistole (Sauer & Sohn, Kaliber 7,65) durch die Polizei vorgesunden. Die SS.-Leute wurden nach Vernehmung wieder entlassen. Bei der Festnahme wurde den Polizeibeamten Widerstand geleistet, so daß diese gezwungen waren, von dem Gummiknüppel Gebrauch zu machen.
Im Verlaufe der Nacht wurde die Polizei noch mehrmals alarmiert, um Schlägereien entgegenzutreten. Zu ernstlichen Zwischenfällen ist es nicht mehr gekommen."
ODD. und Altienrechtsreform.
Dieser Tage sprach — wie man uns berichtet — Herr C. Dingel in einem Vortragsabend im DHV-Heim über das Thema „Der DHD. und die Aktienrechtsreform".
Die Aktienrechtsreform, so führte der Redner u. a. aus, stehe im Mittelpunkt des Interesses der Derufsverbände. In erster Linie hätten die Angestellten und Arbeiter unter den Auswirkungen der Lückenhaftigkeit im heutigen Aktienrecht zu leiden. Der Vortragende brachte Beispiele aus den großen Skandalen, die die Öffentlichkeit während der letzten drei Iahre beschäftigten, und zeigte, zu welchen Zuständen unser heutiges Handels, und Strafrecht in seiner Lückenhaftig- leit führen kann. Wenn heute ein General- direktor durch Unfähigkeit einen B"tr'eb bankrott verwaltet, leide der einzelne Aktienbesitzer und besonders stark der Arbeitnehmer, der seine Stelle verliere, unter den Ausw r.ungen. Die Verantwortlichen könnten sich nach dem herrschenden Gesetz aber meist ohne Schwierigkeiten vor Verlusten schützen. Die letzten Prozesse hätten gezeigt, daß der Aktienbesitz z. D- eines Aufsichtsrats. Mitgliedes, oder der eines Generaldirektors bzw. Vorstandsmitgliedes im Verhältnis zu seinen Machtbefugnissen außerordentlich gering sei.
Der Schultheiß » Pahenhoser * Standal, dessen Generaldirektor Kahenellenbogen in einem
März kündet den Frühling.
Mit einem lustigen ,Lei-Hopp" hatte Pierrot die lachende Columbine in das Auto gehoben, und fort ging die Fahrt aus Lust und Tanz und buntem Leben, in den neuen Tag. Es war ..Karneval" gefeiert worden, wohl gemerkt: „Carnevale“ ----- Fleisches Abschied. Und nun kam der „Aschermittwoch" ... , .
Doll Trauer ging Dajazzo durch dre Nacht in den grauenden Morgen. In seiner Laut« klangen die Sehnsucht und der Schmerz verratener Liebe. Ihm war das Grau des Aschermittwochs ganz nach seinem Sinn. —
Gin Dritter noch ging seines Weges, auf den kein Mensch geachtet hatte. Wußte doch niemand so recht, was aus ihm zu machen sei. Ein Landmann schien's, ein Eärtnerbursche? Auf einem Karren brachte er Acker- und Gartenfrüchte, Schneeglöckchen, Märzveilchen. Leberblümchen und Murmeln und Kreisel für die Kinder. Dann Starenkästen und ein Transparent, darauf „stand: „Dem Frühling ein herzlich willkommen!" Und zwei große Säcke, wohlvcrschlossen, waren noch da mit breiten Weißen Bauchbinden, darauf stand zu lesen „Märzenschnee" und „Märzenstaub .
Eine seltsame Ladung und ein seltsamer Mann; doch war es niemand anders als der Lenz- mond in eigener Person, der sich mit all dem Material für die vier Wochen seiner Regent- schäft versorgt hatte. Daß er nun gerade nut dem Aschermittwoch anfängt, wird doch Wohl keine Folgen weiter haben. Er hat immerhin eine Menge von Verantwortung zu tragen, denn ganz abgesehen davon, daß er uns wieder Wahlen bringt, hat er vertragsmäßig dafür zu sorgen, daß mit dem 21. der Frühling sich einstellt. Was sonst an Befürchtungen ihm entgegengebracht werden, soll er durch eine geregelte Verteilung in das' Gute umwandeln. So z. D. die Handhabung, daß sie der Saat weh tun (der Schnee) oder aber daß sie Goldes wert sind (der Staub).
Die Veilchen wollen wir uns gern gefallen lassen, ebenso die Märzennebel, di« ja doch vorübergehen werden, um dem regelrechten Frühling Raum zu geben. M. G.
Wichtig für die Reichstagswahl.
Die Dürgermeisterei veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil die Bekanntmachung über die Reichstagswahl am Sonntag, 5. März. Alle Wahlberechtigten werden auf dies« wichtig« Dekannt- machung hingewiesen. .
Die Ausstellung von Stimmscheinen kann beim Wahlamt (Stadthaus Dergstrahe 20, 3i- mer Nr. 14) nur bis e i n s ch l i e ß l i ch S a m s- tag, 4. März, 17 Uhr beantragt werden. Die Ausstellung ist nur möglich, wenn ein Wahl- berechtigter am Wahltage aus zwingenden Gründen von Gießen abwesend ist und auswärts wählen will.
Fastnacht in Gießen.
Aus aller Welt.
„Karneval wie einst" in Köln.
Der Kölner Rosenmontagszug nahm seinen Weg „wie einst" durch die Straßen der Innenstadt, über die Ringe, um dann auf die Hohestraße einzubiegen. An den wichtigsten Plätzen der Stadt waren Tribünen errichtet. Die Zugstraßen waren von Zuschauern so angefüllt, daß die Menschen auf den Geywegen eine einzige vor die Häuser gestellte Mauer bildeten. Seit 12 Uhr mittag» war in den Zugstraßen ein unaufhörliches Geschiebe und Gedränge. Die Polizei brachte dem Willen der Narren volles Verständnis entgegen. Der Zug zeigte neben vielen Wagen und Reitern und dem Fußvolk der Gesellschaften einige lustige Einfälle in humorvoller Form. Vater Rhein, der sich 111 Jahre lang schon am Zuge beteiligt, trug einen 40 Meter langen Bart, den ihm seine Rheintöchter voraustragen mußten. Der „Treue Husar" ritt auf einem massigen Schimmel, umgeben von vielen Bräuten und einer lustigen Nachkommenschaft. Die alten Kölner Gesellschaften, die „Roten Funken", die „Große Kamevalsgesell- schäft", die „Sonnenritter" in ihren prächtigen Gewändern und die Ehrengarde der Stadt Köln geleiteten den Prinzen Karneval durch die Straßen. Der Wagen des Prinzen und die ganze Ausstattung seiner Umgebung waren in diesem Jahre nicht so sehr auf einen übertriebenen Prunk eingestellt, sondern aus eine würdige Repräsentation. Wie sehr das Volk ihm untertan war, zeigte die tosende und brüllende Menge überall, wo Der Prinz Karneval auftauchte. Die Liede zu seinem Volk kam in ungeheueren Mengen von geschleuderten Karamellen, fröhlich geschwungenen Blumensträußen und Handküssen zum Ausdruck. An diesem Zug, der von Polizei und Ordnern geleitet und gehütet wurde, hängte sich bann das närrische Volk an, bas unbe» bingt mitmarschieren mußte.
Wettervoraussage.
Eine wesentliche Umgestaltung in ber Luftdruck- Verteilung und den Strvmungsverhältnissen ist seit gestern nicht zu erkennen. Die Temperaturen liegen im Osten infolge starker Ausstrahlung noch wesentlich unter Null, im Westen dagegen verursacht Warmluft und Bewölkung Temperaturanstieg über den Gefrierpunkt. Da noch keine Anzeichen auf Umgestaltung der Wetterlage vorhanden sind, ist mit Fort" dauer des Witterungscharakters zu rechnen wobei sich aber die Nachtfröste langsam weiter abschwächen werden.
Aussichten für Donnerstag: Nachtfrost, tagsüber weiterer Temperaturanstieg, stellenweise Dunstbildungen, im übrigen leicht wolkig und auf- heiternd, trocken.
Aussichten für Freitag: Weitere Milderung und Abschwächung des Nachtfrostes, vielfach dunsiig und bewölkt mit Aufheiterung, trocken.
Lufttemperaturen am 28. Februar: mittags 5 Grad Celsius, abends 0,5 Grad: am 1. März: morgens — 3,9 Grad. Maximum 5,4 Grad, Minimum —5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Februar: abends —0,6 Grad: am 1. März: morgens 1 —0,5 Grad. — Sonnenscheindauer 7 Stunden.
** „Das Dreimäderlhaus" alsDolks- oorftellung. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Auf Anfragen hin und um den Wünschen vieler Theaterbesucher Rechnung zu tragen, hat die Intendanz für Samstag, 11. März, eine nochmalige Wiederholung der beliebten Operette: „Das Dreimäderlhaus" angesetzt. Diese letzte Auf- führuna ist eine Dolksvorstellung zu kleinen Operet- tenpreifen.
Wahlversammlungen veranstalten am morgigen Donnerstag die NSDAP. (Redner Abg. Klostermann), die Deutsche Volkspartei (Redner Abg. Dr. N i e p o t h) und die Zentrumspartei (Redner Abg- Prof. S t o h r). Zu den Versammlungen wird im heutigen Anzeigen- teil eingeladen.
" Stahlhelm-Aufmarsch in Gießen. Anläßlich ber Wahlkundgebung der Kampffront Schwarz-Weih-Rot am Freitag, 3. März, veranstaltet die hiesige Ortsgruppe des „Stahlhelm" unter Vorantritt ber Stahlhelmkapelle einen Marsch durch die Stadt nach der Turnhalle am Oswaldsgarten. De Ausstellung erfolgt um 19 Uhr am Stahlhelmheim. Der Marsch geht in folgender Richtung: Kaiserallee,. Neuenweg, Del- tersweg. Westanlage, Bahnhofstraße. naplans- gaf'e, Kreuzplah, Schulstraße. Walltvrstrahe, Nordanlage, Dammstraße, Lindenplah, Kirchstraße, Pfarrgarten, Neustadt und Nordanlage. (Siehe heuttge Anzeige!)
** Feuer am Bahnhof. Gestern gegen 17.55 Uhr wurde vorn Vorstand des Bahnbetriebswerkes Gießen ein Dachbrand des auf Bahnsteig 4
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Prospekt mit gefälschter Bilanz zur Zeichnung von Aktien aufforderte, fei ein prägnantes Beispiel dafür, wie unser heutiges Strafrecht umgangen werden könne. Der Verteidiger Katzenellenbogens habe nämlich festgestellt, daß die erwähnte Aufforderung im juristischen Sinne als Drucksache zu gelten habe, da aber bei Drucksachen die BeanstandungsHüff na<$ sechs Monaten verjähre und diese Frist bei Eröffnung des Prozesses gerade verstrichen war. fei Katzenellenbogen frei- gesprochen worden. Gin weiteres übles Kapitel sei die Tatsache, daß Männer einer großen Zahl von Aufsichtsräten als Mitglied angehören. So habe es der Besitzer der Danatbank, Iakob Goldschmidt, auf über hundert Mandate in verschiedenen Aufsichtsräten gebracht. Di« Fo'ge davon sei, daß ein solches Dorstands- mitglieö überhaupt nicht in der Lage sein könne, fein Amt gewissenhaft zu verwalten.
Ziel der Aktienrechtsreform müsse sein, geeignete Maßnahmen au treffen, die in Zukunft derartige Fälle unmöglich machten. Der DHV. fei der Ansicht, daß ein Recht, das durch Kunst- kniffe umgangen werden könne, kein Recht mehr sei. Es müßten klar gefaßte Richtlinien ausgestellt werden, die eine fiebere Auswahl der Ausfichts- ratsmiiglieder gewährleisteien. Ferner se e ne wesentliche Verschärfung der Strafrechtsbestimmungen herbeizuführen. Im August 1932 habe der DHV. dem Deutschen Reichstag eine Eingabe ein- gereicht, die einen Umbau des Wirtschastsrechtes fordere, und zwar: 1. Umbau des Rechtes der Aktiengesellschaften. Das geltende Recht sei abzuändern mit dem Ziel einer Verschärfung der persönlichen Haftung der Kapitalgeber, sowie insbesondere des Vorstandes und des Aufsichtsrates, ferner mit dem Ziel einer Erschwerung der kon- zernmähigen Verschachtelung und einer Verschärfung der Publizität und der bilanzmäßigen Offenlegung der Geschäftsvorgänge. In entsprechender Weise sei das Recht der GmbH, abzuändern.
Der DHD. bekenne sich zu dem Grundsatz, daß in einer gesunden Privatwirtschaft die Gröhe der Gewinnmöglichkeit mit der Gröhe des Risikos im Einklang stehen müsse. Die Privatwirtschaft, die der DHV. auch heute noch in einem gesunden Privatwirtschaftsleben als unentbehrlich ansehe, könne ihre Vorzüge nur entfalten, wenn in ihr der Begriff der Verantwortung in feinem vollen Inhalt zur Geltung komme.
Bornotizen.
— Tageskalenber für Mittwoch: Ober- Hess. Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Freiwillige Gailsche Feuerwehr: 20.15 Uhr, Forstwissenschafll. Institut, Brau- gaffe, Lichtbilder-Vortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Kampf um Blond".
Der Fasching hatte es auch in unserer Stadt wieder vielen angetan. Die Straßen im Stadtzentrum waren gestern nachmittag von regstem Leben erfüllt. Im Seltersweg, am KreuAplatz, in der Mäusburg, in der Marktstraße und auf dem Marktplatz herrschte ein beängstigendes Gedränge. Aus und ab fluteten die Menschenmasfen, und gab es auch nicht viel zu sehen, so lohnte es sich doch, einige Zeit zu verweilen.
Am Nachmittag beherrschten natürlich die Kinder das Feld und füllten die Straßen mit ihrem luftigen Treiben. Die halbwüchsige und die ältere Jugend war naturgemäß auch stark vertreten und erschien in mannigfachster Verkleidung: in bunter Aufmachung, einige mit der Ziehharmonika bewaffnet, zogen sie durch die Straßen. Von wirklich originellen Masken war allerdings nicht viel zu sehen. Manch« der Iugendlichen hatten wieder in Mutters ältester Kleiderliste gestöbert und sich daraus zurechtgemacht. Der alte Kinderwagen mit dem Riesenbaby spielte auch wieder eine Rolle, ferner war Ghandi wieder vertreten, und zwar erschien er diesmal mit dem Fahrrad. Er unterhielt die Passanten dadurch, daß er mit feinem knochigen, braun bemalten Gesicht den jungen Mädchen die tollsten Grimassen schnitt, so daß sich wohl niemand der urkomischen Wirkung entziehen konnte.
In den Gaststätten herrschte schon am Rach- mittag lebhafter Betrieb. Zu dieser Zeit füllten in den größeren Caf6s die Kinder die Raume mit ihrer unbekümmerten Lebendigkeit. Der Abend und die Nacht aber gehörte den Erwachsenen. Man verbrachte die Stunden bei Musik und Tanz, bei aufgelegten Scherzen und kehrte meist erst zu früher Morgenstunde heim. Als die Sonne ihr Licht schon schräg in die Gassen warf, verzogen sich auch die letzten der bunten Gestalten in ihre Behausungen und überließen die Straßen den Straßenkehrern, für die der Aschermittwoch immer einen besonderen Arbeitstag bedeutet.
Insgesamt ist sestzustellen, daß sich das Mas- tentreiben diesmal in kleinerem Umfang vollzog, als im vorigen Iahr. Die Fröhlichkeit schien ebenfalls um einige Grade gedämpfter, als in den Jahren vorher.
Im Verlaufe des gestrigen Tages und der letzten Nacht kam es an einigen Stellen der Stadt zu Ereignissen, die die Polizei zum Eingreifen veranlaßten. Hierüber wird von der Landes- kriminalpolizeistelle Gießen folgender Polizeibericht audgegeben: .Am 28. Februar 1933, gegen 12 30 Uhr. wurden durch Nationalsozialisten an der Geschäftsstelle der Oberhessifchen Volks- zeitung zwei Aushängekasten entfernt und die Glasscheiben demoliert. Die beiden Kasten wurden mitgenommen. Es wurde beobachtet, daß sie in das Lokal Soldan geschafft wurden. Zu gleicher Zeit wurde der Aushängekasten der Oder- hessischen Volkszeitung am Hause Frankfurter Straße Nr. 25 ebenfalls durch Nationalsozialisten entfernt und beschädigt. Ein Radfahrer war mit diesem Kasten in Richtung Seltersweg gefahren. Der letztere Kasten wurde auf dem 2. Polizei- Bezirk sichergestellt und die zwei zuerstgenannten wurden der Oberhessischen Volkszeitung durch die Polizei wieder ausgehändigt. Im Laufe des Ta- ges erschienen Nationalsozialisten in der Lesehalle im Torhäuschen am Seltersweg und verlangten die Entfernung bestimmter Zeitungen.
Um 22.20 Uhr wurden die beiden Schaufensterscheiben der Geschäftsstelle der KPD., Kirchenplatz Nr. 15, eingetreten. Der Tat verdächtig ist ein S«.- Mann aus Gießen. Um 23.30 Uhr sammelten sich aus Anlaß der Schaufensterdemolierung Kommu- nisten und Neugierige auf dem Kirchenplatze an. Hierauf soll ein SA.-Mann in der Wirtschaft Soldan mitgeteilt haben, die Kommunisten wollten in das Lokal Soldan einbringen. Ein Trupp SS.-Leute
Feuerwehr wurde eine weitere Ausdehnung der Flammen auf die Nachbargebäude verhindert. Das Vieh tonnte gerettet werden, da der Brand bald von Strahenpassanten bemerkt worden war. Es wird Brandstiftung vermutet. Die Ermittelungen der Gendarmerie und der Landes- kriminalpolizeistelle sind im Gange. Der Schaden ist, wenn er auch durch Versicherung teilweise gedeckt fein mag, für den Betroffenen beträchtlich.
Heute morgen gegen 5 Uhr fuhr der Landwirt Otto Wagner von Fellingshausen mit feinem Motorrad, in scharfem Tempo aus der Liebig- straße kommend, gegen das Gitter an der Nord- ost-Rampe der Reichsbahn in unmittelbarer Nähe der Anatomie. Der Fahrer blieb bewußtlos liegen und wurde durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Chirurgischen Klinik gebracht. Wie sich herausstellte. sind die erlittenen Kopfverletzungen nur leichterer Natur. Das Motorrad und das Gitter wurden schwer beschädigt.
** Schwerer Unfall eines Kindes. Gestern gegen 11.30 Uhr ereignete sich in ber Gießener Straße in Wieseck ein schwerer Unfall. Das fünfjährige Söhnchen des Zigarrensabrikanten B i e r a u wurde, anscheinend während es plötzlich die Straße überqueren wollte, von einem Kraftwagen überfahren. In schwerverletztem Zustand wurde aus Anordnung des herbeigerusenen Arztes Dr. Schmidt der bedauernswerte Knabe sofort in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht. Das Kind hat eine schwere Schädelverletzung erlitten; sein Zu stand ist bedenklich. Die Schuldfrage ist noch nicht völlig geklärt. Die Polizei ist mit den näheren Ermittelungen beschäftigt.
•* Vereinigung der ehemaligen Angehörigen des Realgymnasiums Gießen. Man schreibt uns: Die Vereinigung veranstaltet am Samstag, 4. März, pünktlich 19.30 ilbr beginnend, einen Familienabend, zu dem alle ehemaligen Angehörigen der Schule eingeladen sind. Rach den Darbietungen wird getanzt. Das Fest ist so spät gelegt worden, weil es gleichzeitig eine Feier sein soll zu Ehren der diesjährigen Abiturienten und für ihren Eintritt in den Verein. Wir verweisen auf die Anzeige im morgigen Gießener Anzeiger.
•* Oeff entliche Dücherhaile. 3m Februar wurden 1357 Bände ausgeliehen. Davon tarnen auf: Erzählende Literatur 905, Literaturgeschichte 4, Zeitschriften 30, Gedichte und Dramen 10, Iugendschriften 121, Länder- und Völkerkunde 94, Kulturgeschichte 11, Geschichte und Biographien 86, Kunstgeschichte 12, Naturwissenschaft und Technologie 25, Heer- und Seewesen 6, Hausund Landwirtschaft 2, Gesundheitslehre 11, Religion und Philosophie 18, Staatswissenschaft 18, Sport 1, Fremdsprachliches 3 Bände. Rach auswärts kamen 7 Bände.
•• Die Vogtschen P r iv a t - Handelsschulen Gießen und Herborn beginnen mit ihren neuen Lehrgängen in Tages- und Abendkursen. Der Unterricht erstreckt sich — wie man uns schreibt — auf folgende Fächer: Handelskunde und Schriftverkehr, kaufmännisches Rechnen, Buchführung, Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftsgeographie, Warenkunde, Deutsch, Literatur, Englisch, englische Handelskorrespondenz, französische Handelskorrespondenz, Staatsbürgerkunde, Stenographie Maschinenschreiben, Schönschreiben, Rund- und Pla- katschrist. Interessenten seien auf die heutige Anzeige hingewiesen.
Kommunalwahlen.
y Gedern, 28. Febr. Bei der am Sonntag durchgeführten De igeordneienwahl übten von 1385 wahlberechtigten Personen 1095, fast 80 Prozent ihr Wahlrecht aus. Davon entfielen auf Schmiedemeister Heinrich Beyer H27, au* Ludwig Freymann III. 472 und auf Wilhelm Rullmann III. 88 Stimmen. Acht Stimmen waren ungültig. Da kein Bewerber mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erreichte, muß Stichwahl zwischen Beyer und Freymann stattfinden, die bereits auf den 12. März festgesetzt wurde.
0 Reichelsheim, 28. Febr. Bei der am Sonntag stattgefundenen Bürgermeister- Wahl wurde Beigeordneter Karl Beith im
(Gießen—Fulda) stehenden Nebengebäudes, das von Wagenmeistern und Wagenputzern benutzt wird, bemerkt. Das Feuer dehnte sich, begünstigt durch den leicht brennbaren Dachpappenbelag, rasch aus. Die sofort alarmierte städtische Feuerwache traf wenige Minuten später an der Brandstelle ein. Kurze Zeit später war das Feuer in der Hauptsache ae- löscht. Der Schaden ist gering. Störungen des Fährbetriebes entstanden nicht.
•• M i t dem Motorrad verunglückt.


