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lobend über das fm Gießener Verein gehaltene Zuchtmaterial aussprach.

Da jetzt viele Volksgenossen zur Kaninchenzucht übergehen, hat der Verein eine Vermittelungsstelle eingerichtet, die von dem Vereinsvorsitzenden Krei­ling geleitet wird. Durch diese Vermittelungsstelle werden alle, die eine neue Zucht beginnen wollen, beraten. Die Voraussetzungen für die Zucht sind eigene Futtergrundlage und saubere unter Berück­sichtigung von Licht und Luft erstellte Stallungen. Die Verbreiterung der Kaninchenzucht ist erwünscht. Der Gießener Verein hat eine große Anzahl von Zuchtrammlern der anerkannten Wirtschaftsrassen für die Zucht 1940 in Station gegeben, die auch den Nichtorganisierten Kaninchenhaltern zur Ver­fügung stehen. Die Mitglieder stellen außerdem reichliches und gutes Zuchtmaterial an Häsinnen der Wirtschaftsrassen für die Weiterzucht zur Abgabe bereit.

Bei den Herbststallbesichtigungen, die von zwei Stallkommissionen durckäefüyrt wurden, ergab sich die erfreuliche Tatsache^daß der Verein über zahl­reiche sehr gute Zuchtstämme der Wirtschaftsrassen (Angora, Deutscher Widder, Groß- und Klein-Chin­chilla, blaue und weiße Wiener) verfügt. Die Stall­schauen haben sich bestens bewährt und sind dankbar ausgenommen worden. Neben den Fütterungs- und Zuchtfragen wurde besonders den Vorschriften der Reichsfachgruppe über die gesundheitsdienliche An­lage und die Pflege der Stallungen starkes Inter­esse zugewandt. Aus diesem Grunde wurden auch die vorschriftsmäßigen Futtergefäße und Raufen einer Besichtigung unterzogen, es wurde auch auf das Vorhandensein der nötigen FeÜspcmner gesehen. Nach einer Verordnung ist der Kaninchenzüchter verpflichtet, sofort nach dem Abziehen das Fell auf- zuziehen und es faltenlos und gut zu trocknen. Spätestens nach drei Wochen ist das Fell dem Fell- fammler des Vereins zum Kauf anzubieten. Der Zweck dieser Maßnahme ist, alle Felle zu er­fassen. Die gleichen Vorschriften gelten für die Ab­lieferung der Angorawolle.

Höhere Lebensmittelrationen für die Hackfruchternte.

Für die Landarbeiter und ihre Angehörigen, die in der Hackfruchternte tätig sind, hat der Reichs- ernährunasminister wegen der außerordentlich schweren Arbeit, die das Einbringen der Hackfrucht­ernte darstellt, zusätzliche Rationen an Brot, Fleisch und Fett angeordnet. Diese Rationen erhalten alle in der Hackfruchternte tätigen Personen, soweit sie nicht Selbstversorger sind. Die zusätzlichen Rationen belaufen sich je Woche auf 1400 Gramm Brot oder 900 Gramm Brot und 375 Gramm Mehl. An Fleisch oder Fleischwaren werden je Kops und Woche 500 Gramm zusätzlich bewilligt, an Fett 62,5 Gramm Margarine, Kunstspeisefett, Pflanzenfett oder Speiseöl und 62,5 Gramm Schweineschmalz, Fett oder Talg. Wer Anspruch auf diese Zulagen hat, muß dem Ernährungsamt eine entsprechende Bescheinigung des zuständigen Ortsbauernführers vorlegen.

Zehn Gebotene! Feuersgefahr.

Hausfrauen helft mit Papier sparen'

Nicht nur auf die Geschäftsleute, sondern auch auf die Käufer kommt es an, daß der Papierverbrauch auf das Notwendigste beschränkt wird. Diele ein­sichtsvolle Hausfrauen haben ihren praktischen Ein­kaufskorb wieder hervorgeholl und eine Schüssel für Sauerkraut und ähnlich leicht durchfeuchtende Waren darin untergebracht. An diejenigen Hausfrauen, die das bis jetzt noch nicht getan haben, wenden wir uns heute. Beim Kleineinkauf von Kartoffeln kann der Käufer nicht verlangen, daß hierbei noch eine Tüte mitgeliefert wird, dasselbe gilt auch für das Einwickelpapier bei Sauerkraut usw. Ueberhaupt sollte die Hausfrau sich daran gewöhnen, gut erhal­tene Tüten beim nächsten Einkauf wieder mitzu­bringen. Wie unnötig ist das Einpacken der Bröt­chen in eine Tüte. Hier könnte der Verbrauch auch verringert werden, indem man dem Bäcker dafür

einen Stoffbeutel gibt. Ebenso könnte man das Frühstücksbrot für die Kinder anstatt in ein Butter­brotpapier einzuschlagen in einer Aluminiumdose mitgeben. Wenn alle Hausfrauen sich hieran betei­ligen, kann eine Menge Papier gespart werden.

** Dienstjubiläum bei der St ad t Gießen. Gestern konnte der Monteur Philipp Lenz auf eine ununterbrochene Dienstzeit von 25 Jahren bei den Stadtwerken zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurde der Jubilar für seine lang­jährigen treuen Dienste im Kreise der Arbeitskame­raden geehrt und erhielt neben der Treueprämie ein Glückwunschschreiben des Oberbürgermeisters.

** Kurzschriftprüfung bei d er In­dustrie« und Handelskammer Gießen. Die Industrie- und Handelskammer Gießen^ teilt mit, daß die nächste Geschäfts-Stenographenprüfung am Sonntag, 5. November, stattfindet.

Lebende Motoren.

Vortrag von Prof. Or. Bürker.

Dor einer stattlichen Zuhörerschaft, die sich ge­stern vormittag im Hörsaal des Physiologischen In- stituts einfand, hielt der frühere Direktor des Phy- siologischen Instituts, Prof. Dr. B ü r k e r, einen Vortrag über das Thema:Lebende Motoren". Er wollte damit jene Wunderwerke verstanden haben, die den menschlichen Körper (und im weiteren Sinne den Organismus aller tierischer Lebewesen) lebens­fähig und in Bewegung halten: das Herz und die Muskeln.

Der Redner zeigte zunächst in anschaulicher Gegenüberstellung die Unterschiede auf, Die von i Material, Bau, Wirkungsgraden und effektiven Lei­stungen her zwischen den Maschinen und Motoren bestHen, die menschlicher Erfindungsgeist schuf, und jenen Motoren, die die Natur im organischen Kör­per geschaffen hat Anschaulich schilderte er diese Unterschiede: hier härtester Stahl, dort Eiweiß und Wasser, sowie einige andere Substanzen; hier große Energieverluste durch Wärmeentwicklung, dort gün­stigstes Verhältnis zwischen aufgewandter Energie und tatsächlich geleisteter Arbeit bei einer Tempe­raturerhöhung von nur einigen tausendstel Grad; hier kompliziertes technisches Aufgebot, dort emp­findsamste und zuverlässigste Selbststeuerung!

In allgemein verständlichen Darlegungen wandte sich der Redner dann ausschließlich dem mensch­lichen Herzen zu, schilderte dessen Aufbau, den Ab­lauf der Funktionen, die Aufgaben des Herzens, den wunderbaren Zusammenklang der Arbeit des Reizbildungs-, Reizleitungs- und des Triebsystems und gab schließlich seinen aufmerksamen Zuhörern an Hand einiger Zahlen von der unerhörten Kraft- leiftung Kenntnis, die vom menschlichen Herzen innerhalb von 24 Stunden bewältigt wird. Bei täg­lich rund 100 000 Schlägen des Herzens vollbringt dieses wichtigste Organ im menschlichen Körper eine Kraftleistung, die genügen würde, runb 20 000 Kilo­gramm einen Meter hochzuheben.

Professor Dr. B ü r k e r erläuterte weiter in vielen

Einzelheiten den Aufbau und die Wirkungsweise so­wohl desglatten Muskels", als auch derquer­gestreiften Muskeln" und deren Steuerung durch das Nervensystem. Man hörte dabei auch von den 332 nach Form und Zweck verschiedenartig ge­bautenquergestreiften Muskeln", über die der menschliche Körper verfügt und durch die jegliche Bewegung des menschlichen Körvers betätigt wird. Der Redner erläuterte ferner Den grundsätzlichen Unterschied zwischen unwillkürlich und willkürlich arbeitender Muskulatur, ließ erkennen, wie sich Der Ablauf der Arbeitsleistung innerhalb eines Muskels gestaltet, wie er ruhende Energie auf chemodyna- mischem Weg in arbeitende Energie umsetzt, wie aufgebrauchte Stoffe abgebaut, ausgeschieden und wieder ergänzt werden. Schließlich erfuhr man noch davon, wie die Muskeln jeweils entsprechend den gestellten Anforderungen ihre Leistungsfähig­keit zu steigern oder herabzusetzen vermögen. Mit besonderem Interesse verfolgte man die Darlegun­gen des Redners über die vielseitigen Möglichkeiten der künstlichen Einflußnahme auf die Tätigkeit des Herzens bzw. der Muskeln durch Gifte, durch elek­trische Reize (Förderung oder Lähmung der Tätig­keit) und die Antwort der Muskulatur auf diese künstliche Beeinflussung.

Im Zusammenhang mit dem Dortrag brachte Prof. Dr. Bürker unter der Assistenz von Fräulein Mühlberger einige Vorweisungen und Ver­suche, die das gesprochene Wort ergänzten. Mit Bewunderung verfolgte man die energische Arbeit eines Froschherzens, das außerhalb des Tierkörpers in uneingeschränkter kraftvoller Funktion gehalten wurde.

Abschließend wies der Vortragende nochmals auf die unvergleichbaren Unterschiede hin, die zwischen der durch Menschengeift geschaffenen Maschine und den natürlichen Motoren bestehen, unD forderte zur Ehrfurcht vor den Wundern der Natur auf, die in unserem Körper vereinigt sind.

Aus her engeren Heimat.

Es ist eine alte Erfahrung, daß viele Leute bei Feuersgefahr verwirrt werden, den Kopf verlieren und gerade das Gegenteil von dem tun, was in einer derartigen Lage richtig ist. Es kann daher nicht schaden, sich immer wieder folgende Gebote vor Augen zu halten:

1. Ruhe bewahren und vernünftig handeln. 2. Die" Feuerwehr sofort alarmieren. 3. Brennende Raume dicht ab schließen. 4. Bringe zwischen den Brandherd und dich selbst möglichst geschlossene Türen 5. Die Türen nach der Treppe stets geschlossen hal­ten. 6. Ist der Weg über die Stiege unbenutzbar geworden, bann Zurückbleiben. 7. Gefährdete Per­sonen zeigen sich der Feuerwehr am Fenster. 8. Nie­mals auf Zuruf des Publikums herabspringen, son­dern nur die Anordnungen der Feuerwehr befolgen. 9. In verqualmten Räumen auf den Fußboden kriechen, nasses Tuch vor Mund und Nase. 10. Bren­nende Personen am Fortlaufen hindern, zu Boden werfen und wälzen. Ihre Kleidung nicht abreißen, sondern mit anderen Kleidern oder Decken fest um­hüllen, dann begießen. Schließlich: umgehend den Arzt rufen!

Kreisleiter Hans Semmel f.

NSG. Am Freitagabend erlag auf dem Bahnhof Bad-Nauheim der Landrat des Kreises Usingen und Kreisteiter e. h. Hans Lommel, Usingen, einem Herzschlag. Der Gau Hessen-Nassau hat damit einen der ersten nationalsozialistischen Vorkämpfer ver­loren. Er betrauert mit diesem Verlust einen der vorbildlichsten und mutigsten Gefolgsch'astsmänner Adolf Hitlers und einen der frühesten und aktivsten Mitarbeiter unseres Gauleiters.

Hans Lommel wurde am 14. Juni 1874 zu Hir­zenhain (Kreis Dillenburg) geboren. Nach Absol­vierung des Humanistischen Gnmnasiums studierte er Medizin und erlangte im Jahre 1901 die Appro­bation als Arzt. Den Weltkrieg machte er als Frontsoldat und Militärarzt mit. Für feinen Einsatz erhielt er bereits im September 1914 das

Eiserne Kreuz II. Klasse. Nach dem Zusammenbruch des Reiches war er einer der ersten Männer, die zur Front des Widerstandes gegen das System ge­hörten. Im Jahre 1924 nahm er mit der national­sozialistischen Bewegung Fühlung und trat im Jahre 1928 der Partei bei. Als Ortsgruppenleiter und Kreisleiter hatte er sich in feinem Kreise Usingen als unermüdlicher, stets einsatzbereiter und immer helfender Nationalsozialist den Rang eines wirk­lichen politischen Führers erringen können. Im Jahre 1931 kam er in den Kommunallandtag, 1932 in den Landesausschuß, tm Jahre 1933 wurde er in den Reichstag gewählt. Am 1. Oktober 1933 wurde er zum Landrat des Kreises Usingen er­nannt. Bis zum Jahre 1937 war er KreisLeiter und Landrat des Kreises Usingen. Bei der dann durch­geführten Trennung der Partei- und Staatsämter unseres Gaues gab er die politische Führungsstelle

SlkLrsiiMöerMSk

Roman dos WaltDcr Rlotpfcr

(oporighi by Carl Dunffcr Verlag / Berlin v 62

28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

,^)ier nimm", sagte Riele hastig,du kannst alles haben. Fühle nur, wie schwer! Persianer kleidet mich so nicht. Auf der Sparkasse sind leider nur 420 Mark: die Krankheit hat mich ein bißchen hineingerissen. Sieh, und da dieser Ring; die Brosche ist von Mutti, wer trägt setzt noch Granat, nimm nur, ich gebe es dir gern", sprudelt sie heraus und steht ausgepackt da, und das viele Zeug will ihr entgleiten.

Wie gut du bist, Riele", sagt er; sonst nichts. Er ist tief ergriffen von dieser spontanen Bereit­schaft, zu helfen, obwohl die Mittel unzulänglich und ein wenig lächerlich sind.

Es ist besser wie nichts. Du mußt dich nur be­mühen, das Zeug gut zu verkaufen. Nicht wahr?"

Ich fürchte bloß, es wird nicht ganz reichen, Riele , meint er zart und voll Schonung. Mit den paar hundert Mark, die schnellstens herauszuschla­gen sind, ist ihm nicht gedient.

Denkst du?" kommt es enttäuscht aus ihrem Mund; denn Umgang mit Gelddingen ist ihre schwache Seite.

Laß nur, Riele. Behalte deine Sachen. Das wäre ja noch schöner. Vielleicht fällt mir noch ein anderer Ausweg ein. Wenn nicht, dann freilich..."

Du siehst zu schwarz, Franz. So einfach, wie sich das dieser Herr Friedrich vorstellt, geht die Chose nicht.Gerichtliches Vorgehen", schreibt er. Mit dem Krankenhaus, fürchte ich, wird er sich hart tun. Das ist doch eine gemeinnützige Anstalt. Der droht halt. Du schreibst ihm, daß Du in Verkaufsverhandlungen stehst und nach Abschluß derselben bezahlen wirst. Das Palaver ist aus. Im schlimmsten Falle gibt es ein wochenlanges Hin und Her. Ich kenne das von Großmama her, da war mal so eine Geschichte mit Bildern. Es ist alles halb so arg, wie du es dir cms- malst, Franz."

Was da Riele vorbringt, leuchtet ihm ein. An- genehmes glaubt man so gern. Ein ekelhafter Blut­sauger, dieser Friedrich! Der schindet die Laus aus dem Balg.

Willst du ein Gläschen Likör, Franz? Eine Zigarette?"

Nein, danke, sehr freunblid) von dir. Ich möchte

jetzt heimgehen und diesen Brief schreiben, wenn du aeftatteft", sagt er, aus Gedanken aufgescheucht. Die­ser aufschubheischende Brief ist eine glänzende Idee von Riele! Leidlich beruhigt wegen Friedrich und in liebebedürftiger Verfassung macht er den Vorschlag, sich heute abend irgendwo zu treffen und eine schlichte Tasse Kaffee zu trinken. Es soll ein nettes, kleines Lokal sein, wenn möglich, ohne Musik, und seinen Sparprinzipien angemessen. Kurz nachher verabschiedet er sich und küßt Riele erst hinters Ohr, dann auf den Hals und schließlich auf den Mund. Servus, Riele! Auf Wiedersehen!" Wie alle Men­schen, die nicht pessimistisch und geldverknöchert sind, hat er eine bedrohliche Situation rasch vergessen.

Die Fabri, alleingelassen und plötzlich fröstelnd, schließt das Fenster; denn es will regnen. Den Ge­schmack seiner Küsse noch auf den Lippen, wirft sie sich auf Die Couch und beginnt zu grübeln. Sie muß sich in einem wahren Dschungel von Neuig­keiten zurechtfinden. Franz, den sie bislang für wohlhabend gehalten hat, steckt also in Schulden. Hm. Er tut ihr leid, natürlich, sehr sogar aber anderseits ergibt die Erkenntnis feiner Schwierig­keiten auch eine völlig neue Lage, der sie mit großem Mißbehagen gegenübersteht. Ein verschulde­ter Franz kann einer anspruchsvollen und verwöhn­ten Fabri nicht die Existenz bieten, die ihr vor­schwebt. Darum also war er so seltsam in Der letzten Zeit! Armer Franz! Sie hat ihn gern, gewiß, wenn auch nicht mehr so stark wie früher, und sie bemit­leidet ihn. Dann bemitleidet sie sich selbst und weint ein Stückchen, weil sie das erleichtert. Sie macht sich die Zukunft klar. Sie wird mit ihm in engen Ver­hältnissen dahinleben, eine unscheinbare Arztfrau sein, und ihre ehrgeizigen Filmträume fliegen auf einer purpurroten Wolke davon. Sie wird keine Karriere machen und Nicht gefeiert werden, sondern nämlich Patienten fragen, ob sie den nassen Regen­schirm nicht in der Diele abstellen möchten. Sie wird immer unglücklicher, während sie das alles denkt und ausspinnt, sie läßt ihre Tränen reichlicher fließen, große, ausschwemmende, unaufhaltsame Tränen, sie schluckt und einmal sagt sie ganz laut vor sich hin:

Wenn das nur gut geht!"

Ms Severin in feine Pension kommt, nimmt er ein Bad, ärgert sich über die unreinliche Wanne, Dann geht er zu Frau Pickelmann in die Küche und bittet um linte. Denn er will an Friedrich schreiben.

Hier ist Dirrte", sagt die Pickelmann kauend; denn sie ist von ihrem Nachmittagskaffee aufgestö-

bert worden.Ich glaube, Sie werden Wasser zu- gießen müssen. Darf ich Ihnen gleich die Rechnung geben? Meine Gäste zahlen stets halbwöchentlich?

Severin zieht die Brieftasche und gibt Der Frau ehren 50-Mark-Schein.

Wenn einer prompt ist, das freut mich. Aber ich kann nicht herausgeben. Kleiner haben Sie es nicht? Schön, dann muß ich wechseln lassen. Mn gleich wieder da." Sie dind-et die Schürze ab und läuft zum Bäcker an Die Ecke. Aber Der hat auch kein Kleingeld, und so muß sie zum Postamt, das in Der nächsten Straße ist. Sie hat den Grundsatz: wenn einer zahlen nriü, ja nicht Hinzögern!

Der Schalterbeamte betrachtet die sehr neue Bank­note, setzt seinen Zwicker auf, betrachtet wieder und erklärt:Falsch! Da haben Sie sich anfchmie- ren laffen. Wo stammt sie denn her?"

Don einem meiner Mieter. Severin heißt er und Doktor ist er. Eben habe ich sie bekommen. Falsch, sagen Sie?" stottert die Pickelmann und ist blaß.Das ist doch nicht möglich!"

Wieso nicht möglich? Alles ist möglich", erwidert der Beamte verweisend.Scheu Sie mal das Dings an: der Kopf ist verzeichnet, der Fünfer ist anders, und die grünen Fasern sind nur aufgeklebt. Ich halte Ihnen einen echten daneben. Merken Sie jetzt den Unterschied? Unsereins hat das hn Griff."

Nein, fowas! Gibt mir dieser Herr einen fal­schen Schein! Ich fags ja, lauter Verdruß und Aerger hat man als Vermieterin. Was geschieht mit dem Schein?" schwatzt die Pickelmann aufge­regt.

Falschgeld wird eingezogen, Hebe Frau; Das ist Vorschrift."

Aber Das geht doch nicht. Ich kann doch nicht einfach um mein Geld kommen. Das müssen Sie doch einsehen."

Sagen Sie dem Herrn Bescheid und lassen Sie sich einen anderen geben; am besten kommt er selbst her", rät der». Beamte.

Einen anderen? Der hat doch lauter solche; ich habe feine Brieftasche gesehen. Das heißt, ich will sagen, lauter neue Scheine. Wenn die nun auch falsch sind?"

Warten Sie mal, Frau", sagt der Beamte, läßt das Schiebefenster herunter und geht in eine Tele­phonkabine. Nach einigen Minuten kehrt er zurück, nimmt ein Formular zur Hand und examiniert: Ihr Name, Ihre Wohnung? Danke. Und nun der Zimmerherr? Es ist aut, Sie können jetzt gehen. Der Schein bleibt Da.

Die Pickelmann, ratlos und verstört, rennt mit dem Ereignis zu ihrer Gemüsefrau und beginnt zu tratschen, was reichlich eine Viertelstunde Dauert

ab, wurde aber vorn Gauleiter in den Rang eines Kreisleiters e. h. bestätigt. Der Führer hatte ihn durch Verleihung des Ehrenzeichens der Partei be­sonders ausgezeichnet

NGLB., Bezirk Gießen-Land.

Am Samstag hielt der NSLB., Bezirk Gießen- Land, eine Arbeitstagung imBurghof" zu Gießen ab. Es war seit dem Sommer die erste Versamm­lung. Der stellvertretende Obmann, Lehrer Ar­nold (Großen-Linden) begrüßte die zahlreich Er­schienenen und gab Dann einige geschäftliche Mittei­lungen bekannt. Anschließend wurden schulische An­gelegenheiten besprochen. Für die Sammlung von Heilkräutern und Nährmitteln aus Dem Wald stell­ten sich Rektor Lotz (Lechgestern) und Lehrer Kahle (Heuchelheim) zur Verfügung. Weitere An­regungen erfolgten von feiten Des Tagungsleiters, der empfahl, in Den Ob er klaff en mit Den Kindern ein Kriegstagebuch zu führen, Das sicher dereinst für kommende Geschlechter als lebendige Erinnerung an den Krieg wertvoll fein wird. Darüber hinaus soll Der Lehrer das große Geschehen im Rahmen der Dorfchronik festhalten, Unterlagen sammeln und mit Den Frontsoldaten in steter Verbindung bleiben.

Großfeuer im Wächtersbacher Schloß

Lpd. Wächtersbach, 28. Okt. Das Schloß des Fürsten zu Dsenburg-Büdingen in Wächters­bach wurde in der vergangenen Nacht von einem schweren Schadenfeuer heimgesucht. Aus dem Dachstuhl schlugen plötzlich helle Flammen, und binnen kurzer Zeit war dieser ein Raub der Flammen geworden. An den Rettungsarbeiten be­teiligten sich Soldaten, denen es unter eigener Lebensgefahr gelungen ist, erhebliche Vermögens­werte zu retten. Auch konnten die Kinder Des Für­sten, Die in den oberen Stockwerken schliefen, gerefc tet werden. Durch Funkenflug bestand zunächst Ge­fahr, daß die alten Fachwerkhäuser der Stadt Wäch­tersbach, die sich in unmittelbarer Nähe Des Schlos­ses befinden, in Mitleidenschaft gezogen würden. Dank dem energischen Eingreifen Der Wehren aus Wächtersbach, Gelnhausen, Rothenbergen und Hanau konnte das Feuer auf das Schloß beschränkt und in Den Morgenstunden eingedämmt werden. Durch einstürzende Decken wurde auch Das zweite Stock­werk stark beschädigt und durch die Wassermengen im ersten Stockwerk Schaden angerichtet. Die Brandursache ist noch unbekannt.

Nhein-Main'sck,e Börse.

Uneinheitlich.

Fran kfurt a. M., 28. Okt. Die Börse lag am Wochenschluß womöglich noch stiller als an den Vortagen. Am Aktienmarkt bestand weiterhin nur wenig Interesse, so daß Die Mehrzahl der Kurse rein nominellen Charakter trugen und tm allgemeinen nur wenig Abweichung zeigten. Mon­tanwerte waren bei kleinen Umsätzen meist etwas fester, besonders Mannesmann mit 101.25 (100 50), ferner gewannen Verein. Stahl 0,25 v. H. auf 91,75, Klöckner 0,50 v. H. auf 115,50, Deutsche Erdöl 0,65 v. H. auf 131,40, während Hoesch 0,25 v. H. nachgaben auf 106,75 und Rheinstahl mit 125.65 be­hauptet lagen. Chemie werte fast unverändert, IG.« Farben 158,25 (158,13), Rütaerswerke 145 (144,50). Don Elektrowerten gingen Siemens auf 194 (196), Gesfürel auf 131,50 (132,90) zurück. Maschinen- afHen wenig verändert, je 1 v. H. höher waren Moenus mit 111 und MAN. mit 147. Bau- und Baustoffaktien behauptet, von Zellstoffwerten Wald­hof 1 v. H. ermäßigt auf 104.

Der Rentenmarkt war weiter fest, wenn auch die Nachfrage im ganzen etwas ruhiger ge­worden ist. Lediglich Steuergutschelne II begegneten weiterhin starker Nachfrage. An den übrigen Ge­bieten ergaben sich bei kleinen Umsätzen nur ge­ringe Abweichungen. Die Unterbringung Der neuen Reichsbahn-Anleihe bei der Kundschaft beansprucht jetzt Den Vorrang. Liqui-Pfandbriefe bröckelten zum Teil leicht ab, Industrie-Obligationen schwankten bis 0,25 v. H. Don Auslosungsanleihen Reichsatt- besitz 134,50 (134,65), dagegen Dekosama I 139,75 (139,50).

Auch im Verlaufe war das Geschäft äußerst ge­ring, so daß kaum noch weitere Notierungen Vor­lagen.

Dann hastet sie heim, um Dem Doktor Die Geschichte zu erzählen. Er kann sich ja selbst auf der Post erkundigen, wenn er ihr keinen Glauben schenkt. Während sie Den Wohnungsschlüssel aus Der Tasche zerrt, kommt ein eiliger Herr Die Treppe heraus und fragt nach Dr. Severin.

Wohnt bei mir, ganz recht", sagt die Pensions­inhaberin.Zweite Tür rechts. Der Herr ist wohl ein Bekannter?"

Der Fremde brummt etwas Unverständliches und klopft an Severins Tür, als sich dieser einen Bogen Briefpapier gerade säuberlich zurechtlegt.

Herein!"

Mein Name ist Zeidler. Ich bin vom Falsch- gekd-Dezemat. Hier ist mein Ausweis. Sie haben der Frau Pickelmann vor einer halben Stunde einen falschen Fünfzig-Mark-Schein gegeben. Wo stammt Der her?" will Der Kriminalbeamte wissen. Er hat die Tür hinter sich geschlossen und macht ein strenges Gesicht.

Was? Falsch soU der gewesen sein? Sie freuen mich. Ich habe ihn vor etlichen Wochen von einem fremden Herrn in Riem erhalten", stottert Severin.

So? Von einem fremden Herrn? Hm", wieder­holt Herr Zeidler ungläubig.Na, zeigen Sie mal Ihre Brieftasche."

,^Hier bitte. Aber wollen Sie mir nicht erklä­ren, was das alles zu bedeuten hat?"

Aha. Da sind ja noch zwei in diesem Seitenfach! Ihren Paß, bitte!" verlangt Der Beamte drohend.

Paß? Ich habe keinen Paß. Wozu brauche ich einen Paß? Ich fahre doch nicht ins Ausland. Das ist mein letztes Geld, und Sie wollen behaupten, daß das falsch ist? Und ausgerechnet diese Scheine habe ich immer aufgehoben, weil sie so neu und appetitlich waren!" stammelt Severin mit grauem Gesicht.

Wie soll Der bewußte Herr Denn aus gesehen haben?"

Es war ein freundlicher, älterer Mann, etwas korpulent, mit einem grünen Gemsbarthütchen. Ich entsinne mich ganz deutlich. Ich besaß kein Klein­geld ich wollte nämlich weiter, und er erbot sich, mir zwei Hunderter zu wechseln. Das ist ja eine heillose Sache", sagt Severin unsicher und rat« los.

Scheint mir auch so", stimmt Der andere fpöttcsch bei, und es ist von feiner Miene abzulesen, daß er Severins Erzählung für ein schlechtgelungenes Mär­chen hält.Na, wir werden ja sehen. Ich muß sie ersuchen, mich zu begleiten. Sie können Dann vor Dem Kriminalrat Ihre Aussage wiederholen."

(Fortsetzung folgt.)