Aus der Stadt Gießen.
Zauber des Waloes.
3n stiller Stunde an einem Spätsommertag mag es fein, daß uns am eindringlichsten der uralte Zauber des Waldes berührt.
lieber den Wipfeln blaut die Weite des Himmels. Satt von Wärme zittert die Luft auf den Lichtungen. Unter den hohen Bäumen weht linde Schattenrühle, und Moosteppiche betten lautlos den Tritt. Im helleren Grün saftooller Zweigspitzen bergen die Nadelbäume das Wachstum des Jahres.
Beerenreife tupft schüchternes Rot in das glänzende Dunkelgrün des Waldgrundes. Seltener ward schon Faltertaumel und Vogelruf. Eingeschlafen sind die Sommerwinde, verebbt ist alles ungestüme Rauschen und Gesumm. Nun ein müdes Rieseln ist noch im Lauf der Wipfel, und bald fällt das erste welkende Blatt.
Besonnt ragt der altersgraue Fels über der Lichtung auf. Würziger Ruch von Waldkräutern mischt sich in die widerstrahlende Wärme des Steins. Vorsichtiger prüft der Einsame Griff und Tritt beim Aufstieg. Ein lautlos von der Felswand abstreichender Vögel läßt fast ein wenig erschrecken.
Ein leiser Unterton von Traurigkeit rührt uns an, sind wir allein im Wald. Ist es Ahnung verlorener Vertrautheit mit den Mächten der Natur? Fabelwesen und Götter erlebte der Mensch vor Zeiten im Walde.
Heute empfinden wir nur noch einen Hauch sachter Unheimlichkeit, die wir vielleicht als den Rest ureingeborenen Vorsicht zu deuten versuchen. Und nur Dichter oder Kinder glauben zuweilen noch ein „Raunen" im Walde zu hören. Tiefes in unserem Wesen ist mit den Wäldern unserer Heimat verknüpft.
Wenn wir aber im Erleben der Waldeinsamkeit bedrängender als sonst die Verlorenheit des Einzelnen fühlen, werden wir auch deutlicher die Notwendigkeit aller menschlichen Gemeinschaft erkennen und gestärkt in sie zurückkehren. J. B.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Polizeifunk meldet".
Ehrung bei der Veichsbank.
Dem Reichsbankinspektor Wilhelm Röhrsheim wurde vom Führer das silberne Treudienst-Ehrenzeichen für 25jährige Dienstzeit verliehen. Die lieber« reichung fand in würdiger Form durch den Behördenleiter statt.
Berufskundliche Heimabende des BdM. für pflicktjahrmädel.
NSG. Bereits in den letzten Wochen find in vielen Standorten unseres Gaues die berufskund- lichen Heimabende für Pflichtjahrmädel angelaufen, die der BDM. u. a. in Zusammenarbeit mit, Arbeitsämtern, der Fachgruppe „Hausgehilfinnen" der DAF., der NS.-Frauenfchast, Vertretern des Hilfswerkes „Mutter und Kind" veranstaltet. Zugelaffen zu diesen Abenden sind alle Pflichtjahrmädel, auch Nichtangehörige des BDM. Diese berufskundlichen Schulungen werden in nächster Zeit zu einer dauernden Einrichtung ausgebaut. Nach einheitlichem Lehrplan können die Arbeitsgebiete in jeweils zehn Abenden durchgearbeitet werden. Für die Mädel, die ihr Pflichtjahr in ländlichen Bezirken abteiften und deshalb wenig Möglichkeit zur regelmäßigen Teilnahme an derartigen Abenden haben, sind jährlich zwei Kurzschulungen von Wochenenddauer vorgesehen, an denen der Lehrstoff in gedrängter Form durchgesprochen wird. Der BDM.-Obergau 13 Hessen-Nassau stellt mit diesen Einrichtungen eine regelmäßige Betreuung seiner im Pflichtjahr erfaßten Mädel sicher und gibt darüber hinaus die Möglichkeit, die jungen Mädel mit allen theoretischen Fragen ihres Berufes, mit der sozialen Gesetzgebung des Dritten Reiches (Iugendschutzgesetz), mit Rechtsfragen, usw. bekannt zu machen und durch Aufklärung und Beratung auf dem Gebiete der Berufslenkung wertvolle Vorarbeit zu leisten.
Dorsicht beim Genuß von Ziegenbärten
Die Ziegenbärte, Korallenpilze oder auch Hahnen- tämme genannt, werden viel zum Genuß gesammelt. Mancher Pilzfreund hat damit jedoch schon recht „bittere" Erfahrungen gemacht. Allgemein war seither bekannt, daß alle Ziegenbärte eßbar seien. Nur im Alter würden sie bitter, zäh und schwer
Der Täter mitten unter uns
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Gskar Meister, Werdau L Sa.
18. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Willst du dir diesen Schotterhaufen mal besehen, Pembroke?"
Gehorsam kommt der Angerufene näher.
„Lag er so auch an jenem Sonntagabend, als ihr Perkins abgeholt habt?"
„Moment mal!" Auf einem Photo vergleicht er den Zustand des angehäuften Schotters von damals und heute.
„Er liegt noch völlig unverändert."
„Gut!"
Stumm begibt sich Linkerton von neuem an die Untersuchung. Diesmal ist es die Birke am Rande des Abhangs, ein prächtiger Baum, im Sturm zu einem knorrigen Riesen gewachsen. Er trennt den Abgrund vom Schotterhaufen, der sich friedlich an seinen Stamm legt. Zum Teil ragen seine Wurzeln auf der Seite des Abhangs aus dem Erdboden.
Besonders die Rinde des Baumes scheint den Kommissar zu interessieren.
„Besieh dir das hier mal, Pembroke! Aber Vorsicht! Nicht auf den Schotter treten!"
Ein kurzer Blick auf die Rinde des Stammes: „Das sind Kratzspuren! Hier hat sich jemand festgehalten! Wahrscheinlich Perkins bei seinem Absturz."
„Idiot!" knurrt Linkerton. „Seit wann halten sich stürzende Leute auf der Seite des Baumes fest, die nach dem Abgrund sieht? Versetze dich mal in die Lage eines Stürzenden! Wo werden seine Kratzspuren sichtbar sein?"
„An der anderen Seite des Baumes!"
„Siehst du. Außerdem müssen es richtige Risse sein, als hätte eine Katze die Rinde geritzt. Aber hier hat jemand einfach mit aller Kraft seine Nägel in den Stamm geschlagen — Augenblick mal!"
Mit einem Satz ist Linkerton vor dem Baum,
Aufruf an alle Verkehrsteilnehmer.
Der Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei im Reichsminisierium des Innern, h. Himmler, erließ folgenden Aufruf:
An olle Verkehrsteilnehmer!
Hebt Disziplin im Straßenverkehr!
Die gegenwärtigen Verhältnisse erfordern die strengste Beachtung der Vorschriften über das Verhalten im Straßenverkehr. Insbesondere sind die bekannten Anordnungen über Geschwindigkeitsbe- schränkungen für das Fahrzeug genauestens einzuhalten. Vorgeschrieben sind Höchstgeschwindigkeiten! Von allen Fahrzeugführern wird darüber hinaus erwartet, daß sie innerhalb und außerhalb geschlossener Orlslagen möglichst auch mit geringeren Ge- schwindigkeiten fahren.
Strengste Disziplin auf den Straßen ist besonders jetzt erhöhte Pflicht aller Verkehrsteilnehmer. Erleichtert die sichere Abwicklung des Verkehrs auch durch scharfes Rechtsfahren! Alle Verkehrsteilnehmer, ob Kraftfahrzeugführer, Fuhrwerkslenker, Radfahrer oder Fußgänger haben durch mustergültiges Verhallen dazu beizutragen, daß sich der Straßenverkehr reibungslos abwickelt.
Wer sich diesem Gebot der Stunde nicht fügt, muß mit strengsten Strafen und anderen Maßnahmen rechnen. Reben der Polizei überwachen alle an der Erhaltung der öffentlichen Ordnung beteiligten Organe des Staates und der Bewegung, sowie ihrer Gliederungen die Befolgung dieses Aufrufes!
Beide Hände an das Steuerrad!
Oie Bedienung eines Krastwagens verlangt die ganze Aufmerksamkeit des Fahrers.
„Was du tust, das tue ganz." Dies Wort scheint wichtig genug, jeden übersteigerten Ehrgeiz zu vergessen und die Sache, mit der wir gerade beschäftigt sind, so ernst zu nehmen, daß wir alle unsere Kraft dafür einsetzen. Der Mensch kann nicht drei oder mehr Dinge gleichzeitig tun, ohne daß die Qualität der geleisteten Arbeit leidet. Das gilt für alles, was wir tun, auch für das Autofahren.
Das Wichtigste: Aufmerksamkeit.
Die Bedienung eines Kraftfahrzeuges verlangt eine ganze Menge an Können, Wissen und Aufmerksamkeit. Die Aufmerksamkeit ist sogar das Wichtigste von allem; denn was hilft alles Können und Wissen, wenn der Mann am Steuer fröhlich in der Gegend umherblickt, anstatt seine Augen auf die Fahrbahn zu richten! Man soll nicht immerzu auf die Autofahrer schimpfen, die passen schon auf! Wir wollen gar nicht schimpfen, wir wollen nur einmal festnageln, daß manche Kraftfahrer noch viel bösere Dinge — döse im Hinblick auf die Gefährdung der Verkehrssicherheit — treiben.
Ein „harmloses Vergnügen“?
Der Wagen schnurrt über die Landstraße. „Verflucht langweilig", denkt der Fahrer, „mal zur Abwechslung eine Zigarette anstecken". Eine Hand bleibt am Steuer, Die andere klopft erst mal'alle Taschen nach Zigaretten und Zündhölzern ab. Dann ist die Zigarette da, das Streichholz flammt auf. Genießerisch bläst der Mann den Rauch durch die Nase. Ein harmloses Vergnügen, mag mancher denken. Zugegeben, für den Mann im Wagen vielleicht. Aber auch nur vielleicht, denn was garantiert ihm, daß er mit einer Hand das Steuer in der Gewalt behält? Kann nicht durch ein im Wege liegendes Hindernis das Steuer herumgerissen werden? Das Steuer des Kraftwagens ist so eingerichtet, daß es mit zwei Händen regiert werden soll. Das Führen eines Kraftwagens ist darüber hinaus eine Beschäftigung, die die ungeteilte Aufmerksamkeit des Fahrers in Anspruch nimmt! Warum also gleichzeitig zwei Dinge tun, die sich nicht recht miteinander in Einklang bringen lassen?
Rauchen lenkt ab und birgt Gefahren.
Dabei ist es mit dem Anzünden der Zigarette nicht einmal getan. Während des Rauchens wird die Aufmerksamkeit wieder und wieder abgelenkt. Einmal muß die Asche abgestreift werden, wobei gar nicht einmal sicher ist, daß sie nicht durch irgendeinen ungünstigen Luftzug dem Fahrer in die Augen fliegt — welche Folgen das haben kann, brauchen wir gar nicht auszumalen! —, zum anderen braucht man immer wieder eine Hand, um die Zigarette zum Munde zu führen, eben die Hand, die eigentlich mit ans Steuer gehört. Daß die allgemeine Konzentration auf das Bedienen des Fahrzeuges gelockert wird, ist selbstverständlich.
Bodenloser Leichtsinn.
Wenn zwei sich lieben, pflegt sich das in zärtlichen Umarmungen auszudrücken. Bisweilen werden diese Zärtlichkeitsbeweise durch Küsse ergänzt. Dagegen hat kein Mensch etwas einzuwenden. Aber muß die Liebe gerade während des Autofahrens erhärtet werden? Mitten auf der Landstraße während der Fahrt die Auserwählte feines Herzens an sich zu ziehen, das geht denn doch zu weit! Nicht, daß wir ihm fein Glück nicht gönnten, aber alle jene, die zu dieser Zeit in die Nähe seines Wagens kommen, können ihr Leben nur noch halb so hoch einschätzen. Und soviel ist wohl die größte Liebe nicht wert, daß ihretwegen völlig Unbeteiligte mit gebrochenen Gliedern ins Krankenhaus müssen.
Konzentration auf eine Ausgabe.
Eine groteske Vorstellung, daß etwa ein Mann am Steuer gleichzeitig noch Briefe diktieren, Zeitung lesen und Frühstück essen würde. Wir lachen schon beim Gedanken daran, dabei ist es in etwas übersteigerter Form nur dasselbe, als wenn jemand am Steuer raucht ober, Liebesbeweise austeilt. Wer fährt, hat die Pflicht, sich g a n z auf feine Aufgabe als Wagenlenker einzustellen. Das können wir verlangen und erwarten, auch im Interesse all derer, die unsere Straße benutzen und die nicht wegen eines leicht abgelenkten oder liebebedürftigen Kraftfahrers Leben oder Gesundheit einbüßen wollen
fg. (RAS)
verdaulich. Daß allgemein vor dem Genuß zu alter Pilze gewarnt wird, gilt selbstverständlich auch für die Ziegenbärte. Nachdrücklich muß aber darauf aufmerksam gemacht werden, daß es unter den Ziegenbärten auch richtige Giftpilze gibt. Manche heißen deshalb z. B. in der Schweiz „Bauchwehkorallen". Die beiden Hauptgiftpilze aus dieser Gruppe sind die Bleiche Koralle und der Dreifarbige Ziegenbart. Beide sind Bewohner des Buchenwaldes. Die Bleiche Koralle ist fahlgelbbräunlich gefärbt mit violettlichen Spitzen. Der Dreifarbige Ziegenbart hat einen weißlichen Strunk, im mittleren Teil ist er rosarötlich gefärbt, die Spitzen sind gelb. Wer diese giftigen Arten nicht einwandfrei kennt, lasse seine Hände weg von den Ziegenbärten, deren Verwandtschaft bei uns mehrere Dutzende Arten zählt. Der Genuß der geschilderten Bauchwehkorallen verursacht Leibschmerzen, Uebelfeit, Durchfall und Erbrechen.
Gar nicht zu verwechseln ist der größte Vertreter unserer heimischen Ziegenbärte, die „Krause Glucke". Sie wächst am Grund von Kiefernstäm- .men, wird kopfgroß und sieht mit ihren bandartig verbreiterten Aesten aus wie ein großer Badeschwamm.
Ettern, laßt Eure Kinder auf dem Lande!
DNB. Eine große Anzahl von Jungen und Mädeln helfen seit Monaten den Bauern durch ihre freiwilligen Dienstleistungen im Landdienst der Hitler-Jugend. Es liegt nahe, daß mancher Vater und manche Mutter ihren Sohn ober die Tochter gegenwärtig in ihrer Nähe wissen möchte und in übereilter Vorsicht die Veranlassung zur Heimreise gibt. .
Die Eltern, die sich mit derartigen absolut mv
legt feinen Rücken dagegen und umschlingt ihn rücklings, als sei er von Indianern festgebunden.
„Guck nach, du Trottel, ob meine Hände hinten in die Male passen!"
„Tatsächlich — ungefähr. Nur deine Tatzen sind viel größer. Aber der Betreffende muß genau so wie du gestanden haben: den Baum hinter sich, das Gesicht zur Straße, die Arme rückwärts um den Stamm geschlungen, als wollte er ihn in seinen Rücken pressen. Die Hände haben sich gespreizt, und die Nägel sind in die Rinde eingedrungen, nicht tief, aber gut sichtbar.
„Blödsinnig — aber wahrscheinlich richtig. Wenn ich jetzt Glück habe —," brummt Linkerton, doch weiter kommt er nicht. Denn nun liegt er bereits auf den Knien und untersucht die Rückseite des Baumes, da, wo der Abgrund gähnt.
Er macht das gründlich, sehr gründlich, ja, er nimmt sogar ein Vergrößerungsglas zu Hilfe dabei.
Sa vergeht eine Viertelstunde. Pembroke hat sich's bequem gemacht, denn die Sonne meint es gut. Er muß wohl ein wenig eingeduselt sein, denn plötzlich fährt er von einem Puff in die Höhe.
Linkerton hockt vor ihm und hält ihm ein Etwas unter die Nase, das er im ersten Augenblick nicht gleich erkennt.
„Alte Schlafmütze!" lacht der Inspektor. „Guck lieber mal her und bestaune meinen Fund. Hier —!"
„Ein Fingernagel!"
„Ganz recht, ein Fingernagel, wenigstens der abgebrochene obere Rand eines menschlichen Fingernagels. Wenn wir nur wüßten, ob er Sir John ab- gebrochen ist! Erinnere dich mal schleunigst: waren die Fingernägel der Leiche unversehrt?"
Aber da versagt Pembrokes Gedächtnis. Nein, das weiß er beim besten Willen nicht. Es ist ihm nicht ausgefallen, daß irgendeiner der Nägel verletzt war und schließlich — Der Leichnam war recht zerschunden! Wer achtet da ausgerechnet auf die Fingernägel?
Linkertan beißt sich auf Die Lippen.
„SchaDe! Wenn Der selige Perkins nämlich seine Fingernägel alle in Ordnung hätten. Dann — Pembroke, Dann hätten wir Den Mörder!"
Lange kratzt sich Pembroke hinterm Ohr. „Du meinst, wir hätten Den Mann, Der sich hier einen Fingernagel abgebrochen hat. Weiter beweist Dies Indiz ja gar nichts!"
„Stimmt! Aber ich will mich hängen lassen, wenn der Eigentümer dieses Fingernagels nicht zumindest mit der Geschichte zu tun hätte."
„Vielleicht kann man Die Hände Des Toten auf Den Photos erkennen. Ich erinnere mich, daß man Das sogar noch auf Den letzten BilDern von Der Aufbahrung feststellen können muß."
„Bist ein schlauer Junge! Und nun komm! Jetzt wollen wir mal ins Dorf gehen. Vielleicht läßt sich Da auch noch allerlei BesonDeres feststellen."
Sorgsam birgt Linkerton Den Fund in seiner Brieftasche. Dann begeben sie sich auf Den Heimweg.
„Bleibt also zweierlei!" stellt Linkerton auf Dem Rückweg fest. „Zuerst: ein Mensch hat mit Dem Rücken gegen Den Baum gestanden und sich rücklings in seine Rinde festgekrallt. Frage: Warum schlägt er seine Nägel in die Rinde Des Baumes? Tut man Das normalerweise?"
„Antwort: Nein!", ermiDert Pembroke. „Der Unbekannte muß GrunD Dazu gehabt haben. Er muß sich in großer Erregung befunDen haben. Vielleicht hat man ihn beDroht. In seiner Angst umklammerte er Den Stamm unD preßte vor Aufregung seine Nägel ins Holz, so fest, Daß ihm ein Nagel abbrach."
„Folgerung, lieber FreunD: Der Verlierer Des Nagels war Der BeDrohte, also Sir John Perkins. SchaDe. Denn Daß er bedroht war, wußten wir schon vorher. Da sind wir also keinen Schritt weiter gekommen."
„UnD wenn Der Nagel nicht Dem Toten gehört?"
„Junge, Junge! Dann geht Das Rätselraten von neuem los. Denn welchen GrunD sollte Der Unbekannte haben, seine Nägel in Die RinDe Des Baumes zu schlagen?"
Darauf bleibt Pembroke Die Antwort schulDig. Wirklich, Der Fall beginnt immer verwickelter zu roerDen.
Im Gasthof Des Dorfes wird Rast gemacht. Das einfache aber reichliche Mahl an einem sauber gescheuerten Holztisch munDet Den beiDen ausgezeichnet. Sie finD um Diese Tageszeit Die einzigen Gäste, unD Da Die Wirtin einem kleinen Schwatz nicht abgeneigt scheint, ist Linkerton halb mit ihr in Der schönsten Unterhaltung.
Zuerst gibt er ihr ein Rezept, das unfehlbar hilft, wenn Die Hennen nicht brüten wollen. Darauf erzählt er ein paar hanDseste Späße und bezweifelt
nötigen Gedanken beschweren, mögen, ehe sie an Die Ausführung gehen, bedenken, daß mit Hilfe ihrer Jungen und Mädel Die Einbringung der Kartoffel- und Rübenernte im Laufe der kommenden Wochen erfolgen wird. Schließlich braucht auch die Bäuerin Die Hilfe der Mädel, um die Kühe melken zu lassen, Damit Milch und Butter in den vorgeschriebenen Mengen geliefert werden können.
Alle Eltern sollten ihre Sohne und Tochter Der» anlassen, auf Dem Lande zu bleiben, um Dort an ihrem Platze mitzuhelfen, Deutschlands Ernährung in jedem Falle sicherzustellen.
Gietzener Wochen Marktpreise.
* G i e ß e n , 29. Aug. Auf Dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM.. Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, % kg 6 bis 7, Weißkraut 5, Rotkraut 7 bis 8, gelbe Rüben 7 bis 8, rote Rüben 9 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römischkahl 8 bis 9, Bohnen, grün 13 bis 23, gelb 15 bis 23, Erbsen 15 bis 20, deutsche Tomaten 20 bis 26, Zwiebeln 10 bis 13, Rhabarber 8 bis 15, Kürbis 8, Kartoffeln, % kg 5 Rpf., 5 kg 50 Rpf., 50 kg 4 bis 4,50 RM., Frühäpfel, kg 15 bis 35 Rpf., Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 32 bis 35, Brombeeren 35 bis 40, Preiselbeeren 38 bis 40, Birnen 15 bis 35, Pflaumen 15 bis 25, Zwetschen 15 bis 20, Mirabellen 25 bis 30, Renekloden 15 bis 22, Blumenkohl 10 bis 35, Salat 5 bis 8, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 1 bis 5, Endivien 8 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Radieschen, Das BünDel 8 bis 10 Rpf.
* * Von einem Motorradler angefahren. Am gestrigen Montagmittag wurde an Der Ecke Moltkestraße-Kaiserallee eine Frau von einem MotorraDler angefahren. Die bedauernswerte Frau mußte vom Roten Kreuz Der Chirurgischen Klinik zugeführt werden, wo sie mit Kopfverletzungen darniederliegt.
Amtsgericht Gießen.
Det B. C. in Gießen hatte sich wegen Diebstahls zu verantworten. Er war beschuldigt, im Mai und Juni in Gießen Schokoladenkartons, Die sich als Frachtgut in Der Güterhalle Der Güterabfertigung befanden, erbrochen und einmal eine Tafel Schokolade und eine Rolle Drops, das anderemal zwei Tafeln Schokolade daraus entnommen und verzehrt zu haben. Der Angeklagte war geständig. Der Anklagevertreter beantragte an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von je drei Wochen Geldstrafen von zusammen 60RM. Der Angeklagte wurde diesem Antrag entsprechend verurteilt. Strafmildernd kamen die Unbestraftheit und der geringe Wert des gestohlenen Gutes in Betracht.
Der G. M. und der R. D., beide in Leihgestern, hotten je einen Strafbefehl über 70 RM., ersatzweise 14 Tage Gefängnis, erhalten. Sie wurden beschuldigt, in Der Nacht vom 26.Z27. Dezember 1938 in Leihgestern Beamten Der (BenDarmerie in Der Ausübung ihres Amtes Durch Gewalt Widerstand geleistet und Die Beamten tätlich angegriffen zu haben. M. stieß mehrere Personen, Die vor ihm standen, gegen die Beamten, um diese zurückzudrängen, und rief ihnen einigemal zu: „Hinaus!" D. stieß und Drängte Die vor ihm stehenden Personen in Der gleichen Absicht gegen Die Beamten. Gegen Die Strafbefehle legten sie Einspruch ein. Durch Die Beweisaufnahme mürben Die Angeklagten üb erführt. Der Anklagevertreter beantragte, Die Angeklagten zu ©elDftrafen von 100 RM, ersatzweise 20 Tage Gefängnis, zu verurteilen. Die Angeklagten rourDen zu Geldstrafen von je 80 RM., ersatzweise drei Wochen Gefängnis, verurteilt.
Aus der engeren Heimat.
Gcheunenbrand in Affenheim.
Brandstiftung.
Die Staatliche Kriminalpolizei in Gießen teilr mit:
Am 27. 8. 1939 gegen 22 Uhr brach in einer Scheune in Affenheim Feuer aus, Dem fast Die gesamte Ernte von etwa 150 Morgen Land zum Opfer fiel. Nach den Feststellungen kommt mit großer Wahrscheinlichkeit vorsätzliche Brandstiftung durch Den bei Dem Brandgeschädigten beschäftigten 47jährigen Michael G l a p a aus Buchowitz in Frage. Glapa ist seit Brandausbruch flüchtig. Der Schaden an Erntevorräten und landwirtschaftlichen Geräten beträgt etwa 45 000 RM. und der Gebäudeschaden etwa 10 000 RM.
hinterher ernstlich, daß in dieser gottverlassenen Gegend jemals irgend etwas los sein könnte.
Nun hat er die Wirtin da, wohin er sie haben will.
Natürlich, sie tischt ihm Die ganze Geschichte von Dem ToD Des „berühmten Fabrikbesitzers" in aller Ausführlichkeit auf. Er tut auch gewaltig erstaunt, als er hört, Daß man im Dorf munkelt, es fei nicht mit rechten Dingen zugegangen.
„Ach nee, ist etwa der Leibhaftige Dabei beteiligt gewesen?" versucht er zu scherzen, Doch Die Wirtin geht auf feinen Spaß nicht ein.
„Im Gegenteil! Perkins, Der Die großen Fabriken in Der Stadt gehabt hat, war ein sehr frommer Mann. Ich habe Das Bild in Der Zeitung gesehen: Muß 'ne schöne Leiche gewesenem. Aber das lassen wir uns hier nicht ausreben: Da stimmt was nicht. Wenn bloß Der alte Maxwell nicht so sauDämlich wäre. Dann könnte man’s graD Der Polizei melDen."
„Tun Sie's Doch, liebe Frau", wirft Pembroke ein, was ihm einen oerroeifenDen Blick feines Freun- Des einbringt. Die Frau sieht erschrocken auf.
„Um Des Himmels willen! Bloß nicht Die Polizei! Daß man die Beamten hier Herumsitzen hat und keine Ruhe mehr kennt vor lauter Gerenne und Gelaufe! I bewahre! Und außerdem — ich weiß ja auch von rein nix. Vielleicht ist alles dummes Gerede. Man soll da nicht zuviel drauf geben, was so in der Wirtsstube verzapft wird."
Sie fährt schnell mit der Schürze über Den Tisch- „Die Herren entschulDigen mich wohl — ich muß in Die Küche!"
Weg ist sie.
„Alter Esel!" faucht Linkerton Den Freund an. „Nun hast Du sie richtig verscheucht. Du brauchst ihnen bloß das Wort „Polizei" an Den Kopf zu werfen — aus ift's Dann. Na, versuchen wir unser Glück mal beim alten Maxwell!"
Auf Der Straße schnappen sich Die zwei ein kleines Mädchen, Das sie zu ihrem Ziele führt. In einer halbverfallenen Hütte haust Der Alte, Der so schwerhörig ist. Daß sie ihm erst auf die Schulter klopfen müssen, Damit er sie bemerkt.
Linkerton bringt ihn auf eine klassische Art zum ReDen. Er legt ihm nämlich nur Das Bild Des Toten vor unD einen Schilling Daneben. Gleich leuchten Die Augen des Alten auf.
(Fortsetzung folgt.)


