Ausgabe 
29.6.1939
 
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läßt nicht locker, bis das Hühnerauge locker istl

Eih Hühnerauge und ein einsames Mädchen«

< war das Ende eines Ausflugs, von dem das Mäd­chen sich soviel versprochen hatte. Schon das Gehen war ihrzurQuol geworden,akerals nun zum Abschluß des Tages noch getanzt werden sollte, da machte ihr Hühnerauge nicht mehr mit. Mußte das sein?

Nein, das mußte nicht sein! Mit Elastocorn wäre sie ihr Hühnerauge längst losgeworden. Elastocorn gibt es in Apotheken, Drogerien u. Sanitätsgeschäften. Eine Blechschachtel mit 6 Pflasterbinden kostet 50 Pf.

draußen Interesse

Die Verordnung über die Senkung der Preise der von der Landwirtschaft benötigten Elektro­geräte und Elektromotoren hat den Schlußstein unter eine von der Landwirtschaft feit langem an­gestrebte Entwicklung gesetzt. Der wichtigste Mark­stein dieser Entwicklung war die Verordnung, durch die die Stromlieferungs-Unternehmungen veranlaßt wurden, ihre Stromtarife in weit stärkerem Maße den Bedürfnissen der ländlichen Abnehmer anzu­passen als bisher. Lag vor dem damaligen Zeit­punkt derEngpaß" so, daß Bauer und Landwirt sagten, wir würden ja gern mehr Hilfe aus dem Elektromotor und dem Elektrogerät haben, aber die Betriebskosten dieser Einrichtungen sind bei Kilo- wattstundenpreisen bis zu 40 und mehr Pfennig ja viel zu hoch, so hatte sich nunmehr derEngpaß" da­hin verschoben, daß zwar die Betriebskosten gesunken waren, daß aber der Einsatz zusätzlichen elektrischen Stroms daran scheiterte, daß die Anschaffungs- k o st e n für die den Strom nutzenden Geräte teil­weise noch recht hoch lagen, wenn man dabei nur den vorerst noch geringen geldlichen Nutzen in Be­tracht zog.

Nun ist aber auch dieser zweite Engpaß beseitigt; fünf Jahre lang sollen jedes Jahr bis zu 35 Millionen Reichsmark von allen Un­ternehmen und Betrieben nach einem aus den ab­gegebenen Kilowattstunden errechneten Schlüssel auf­gebracht werden, die Anlagen zur Erzeugung, Fort­leitung oder Abgabe von Elektrizität besitzen oder verwalten, um damit eine ganz großzügige teils kostenlose, teils stark verbilligte Versorgung der land wirt sch aftlichen Betriebe mit Elektrogeräten und -motoren in die Wege zu leiten, durch die eine merkliche Entlastung des Bauern und Landwirts, in vielleicht noch stär­kerem Maße der Bäuerin und Landfrau, hsrbei- geführt werden soll.

Der kenntnisreichen Bewunderung und wissenden Verehrung bedarf es nicht in einem anderen Raum, der ebenfalls musealen Zwecken dient: im Blei­tel l e r " des Domes. Hier liegen in offenen Sär­gen ein Dachdecker, ein Student, eine Gräfin und ein General. Der Dachdecker machte den Anfang. Vor etwa 500 Jathren stürzte er bei einer Aus­besserung am Dom ab. Seine Leiche wurde einst­weilen in den Keller getragen, wo Blei lagerte. Als nach mehreren Tagen die Bestattung erfolgen sollte, zeigte der Leichnam keinerlei Veränderungen, und so wurde die Tatsache offenbar, daß in diesem Bleikeller" Leichen nicht verwesen, sondern ohne Einbalsamierung zu Mumien werden. Zehntausende von Besuchern, die ausziehen, das Gruseln zu lernen, werden alljährlich an den offenen Särgen vorbeigeführt. Zweifellos eine angenehmere Be­rühmtheit hat demgegenüber der Rathaus- k e U e r aufzuweisen'. Nicht nur, daß man dort in Schiffskojen" seinen Rotspon genehmigen kann, für dessen Güte Bremen besonders bekannt ist, son­dern in den tiefen Kellern der Stadt liegen auch Kostbarkeiten aus deutschen Weingärten, so u. a. ein Rüdesheimer aus dem Jahre 1653!

Hier läßt es sich gut erzählen von der Geschichte sowohl, die denkmalswürdiq ist, wie von der an­deren, die diskreter verlief. Aber immer wieder klingt dasButen und Binnen, Wagen und Win­nen" wieder an. Denn bremischer Wagemut kann auf lange, gute Ueberlieferung zurückblicken: vor 1000 Jahren stießen bremische Schiffe bis in das nördliche Eismeer vor, um 1500 fuhren sie bis Afrika und unternahmen im 17. Jahrhundert Wal­fangreisen nach Grönland, 100 Jahre später ver­trauten sie sich dem Stillen Ozean an. Bremer fahren auf allen Meeren, und mit allen Handels­plätzen der Welt sind sie vertraut.

undin

Wetterbericht

Das festländische Hochdruckgebiet hat sich rasH rückwärts verlagert. Die lebhaft verstärkte Wirbels tätigkeit über dem Ostatlantik hat daher aus Deutschland übergegriffen und auch bei uns wieder! unbeständige Witterung herbeigeführt. Im Zufuhr­bereiche feuchter Meeresluft kann auch für die Folgs mit weiteren Niederschlägen gerechnet werden, doch wird das Wetter im ganzen nicht unfreundlich sein.

Vorhersage für Freitag: Häufig aufheh ternb, doch auch Neigung zu einzelnen meist schauen artigen Niederschlägen, bei lebhaften Winden aus Süd bis West Temperaturen wenig geändert.

Vorhersage für Samstag: Unbeständiges aber kein durchaus unfreundliches Wetter.

Witterungsvorhersaae

für die Zeil vom 29. Juni bis 8. Iuli 1939.

Herausgegeben vom Forschungsinstitut für lang« fristige W i t t e rungs vo rhersage des Reich sw etter« dienstes Bad Homburg vom 28. Juni 1939, abends.

In den nächsten zehn Tagen im ganzen Reich überwiegend freundliche Witterung, die aber voraussichtlich zweimal durch Vorstößs kühler Meeresluft für mehrere Tage unten brachen wird. Im w e st l i ch e n Deutschland wird bereits im Anfang des Dorhersagezeitraums ein Uebergang zu vorübergehend kühlerem und veränderlichem Wetter mit verbreite« ten, vielfach gewittrigen Regenfällen stattfirr- den, während im Osten des Reiches in den nächsten Tagen schönes, warmes Wetter herrschen wird. Tem« peraturen im Mittel des zehntägigen Zeitraumes meistenorts etwas über dem Regelwert, Höchsttempe­ratur über 25 Grad ansteigend, jedoch nur selten über 30 Grad hinausgehend. Gesamtsonnen« sch eindauer örtlich stark verschieden, im Tiefland meistenorts zwischen 60 und 85 Stunden. Anzahl der Tage mit Niederschlag im Nordwestsri und Süden zwischen 4 und 6, sonst nicht größer als 5.

Hilfe derRoland-Stiftung" erworben historischer Treue" wieder hergestellt.

Daß es dazu erst eines Anstoßes von bedurfte, soll nicht gegen das historische der Bremer sprechen. Ihre Bewahrung alten Gutes tut sich aufs schönste im V ä terkunde - Museum kund, im Haus Atlantis der Böttcher­straße. In vorbildlicher Anordnung und künst­lerischer Darbietung zeigt es die Kultur unserer Vorfahren. Der Leiter des Museums, Hans Mül­ler-Braues, erzählt davon in seinem prächtigen HeftchenWo wi herkamt und woans dar hier in oler Tied wör" (wo wir Herkommen, und wie

es hier in alter Zeit war). Zu den zahllosen reiz­vollen Funden gehört das älteste Garn- knäul der Welt! Es ist wohl um 1600 vor Christus gesponnen worden, dürfte also rund 3500 Jahre alt sein. Es wurde in der Schweiz in einem Pfahlbau gefunden. Unsere norddeutschen Moore haben uns aber auch allerlei aufgehoben, denn der Luftabschluß im Torf ließ die Stoffe, mit denen die Leichen bekleidet waren, nicht zerfallen; nur die Farben vergingen. Es wird nun seit Jahren daran gearbeitet, aus gleichem Werkstoff und in gleicher Technik naturgetreu die Kleidung unserer Vorfahren herzustellen. Die Tracht von Mann und Frau vor etwa 3500 Jahren ist so, wie sie im Däterkunde-Museum ihre Darstellung gefunden hat, keine Phantasie, keine Erfindung, sondern sie ent­spricht in allen Einzelheiten den alten Funden.

Oie Verbilligung der Elektrogeräte für die Landwirtschaft.

Roland derRiese am Rathaus zu Bremen

Kaffeesäcke und Tabakballen. - Historischer Sammeleifer.

Von unserem ems.-Miiarbeiier.

Arbeitsgemeinschaft zur Fördern nH der Elektrowirtschaft geleistet haben, bef züglich der Einsatzlenkung ebenso bewähren, wie bij Arbeit ber technischen Abteilungen bes Nährstande^ Nicht ganz leicht wirb es sein, mit den 3 n ft au lationen für alle diese neuen Elektto-EinriclstunH gen fristgemäß, d. h. so zu recht zu kommen, daß' die erhoffte Entlastung der ländlichen Betriebe auch wirklich schon etwa bis zur Hackfruchternte, eintritt. Das Elektrohandwerk ist auf dem Land zwar feiR weise durchaus auf der Höhe. Man darf aber nichts verkennen, daß hier durch die neue Werkstoff-Ent^ Wicklung manches in einer gewissen Umstellung be« griffen ist, so daß stoßweise Inanspruchnahme zu! mancher Verzögerung Anlaß geben kann, selbst wenn die Leitungsbaustoffe und -Einrichtungen auch ohne Lieferfristen zur Verfügung stehen.

Die Geräte-Derbilligungsaktion kann für dis Elektrizitätswerke besonders wichtig werden, wentt eine wirklich nutzbringende Energie-Lenkung ftattfinbet, das heißt, wenn es gelingt, die neu aufs Land gebrachten Elektroeinrichtungen und ihren Stromverbrauch im wesentlichen zur Auffüllung beiJ Stromabnahme-Täler einzusetzen, ohne die Winter« lichen Spitzen-Beanspruchungen zu erhöhen. Gerade die Erkenntnis, daß hierzu der Elektrowärme-Ab­satz auf dem Land, wie er im Herd, im Heiß wasser-^ speichet und Futterkocher vor sich geht, entscheidend beizutragen vermag, war ja auch einer der Haupte gründe, weshalb fortschrittlich eingestellte Elektro« werke schon vor Jahren, also lange vor dem jetzigen: Zwang, ihre Stromtarife für elektrisches Kochen! usw. für den Bezug auf dem Lande niedrig, d. nahe den Selbstkosten hielten. Sie erreichten damit außerdem eine wesentlich bessere Ausnutzung bet* für die Vrteilung von Licht- und Kraftstrom allein! meistens kaum lohnenden weitläufigen ländlichen Leitungsnetze.

In ihren weitgreifenden Folgen berührt dabei die Verordnung keineswegs nur die Verhältnisse bei der Landwirtschaft ober bei den Stromversorgungs- Unternehmungen. Das leuchtet sofort ein, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Elektro-Einrichtungen für 35 Millionen im Jahr beschafft werden können. Denkt man dabei womit die Gerätezahlen ge­ringer werden nur an kostenlose Lieferung, so­daß der Bauer und der Hof nur die Installation und die Zusatzgeräte selbst zu bezahlen haben und nimmt man ganz roh an, daß der Durchschnittspreis einer gelieferten Einrichtung ob es sich jetzt um ein Hauswasserwerk, einen Karrenmotor, eine Kühl­zelle, einen elektrischen Herd ober sonst etwas han- beU immerhin 500 RM. betrage, dann sind das in einem Jahr allein 70 000 solcher Einrichtungen, die nun neu und zusätzlich für fünf Jahre in die Landwirtschaft Großbeutsch- lands wandern sollen. Die rasche Bereitstellung einer solchen Menge zusätzlich ober mindestens äußerst beschleunigt zu liefernder Einrichtungen stellt unserer elektrotechnischen Industrie eine außerordentliche Aufgabe, die auch bann nach sehr beachtlich bleibt, wenn man annimmt, baß im ersten Jahr, wenn von jeder Art elektrischer Einrich­tungen nicht allzu^viele Stück aufgestllt werden sol­len, teilweise auf die allerdings nirgends mehr sehr großen Vorräte zurückgegriffen wird. Es liegt hier zweifellos auch eine besonders wichtige Aufgabe für bie R o h ft o f f z u t e i l u n g bzw. hinsichtlich einer Revision der Kontingente vor. Wir müssen auch baran benten, daß weder Motor gleich Motor, noch Herb gleich Herb ist, und daß wir unter allen Um­ständen vermeiden müssen, unrichtige Geräte- unb Maschinenarößen einzusetzen. Hier wird sich bie ausgezeichnete Vorarbeit, bie das Reichskura­torium für Technik in der Landwirt- 'schäft und von der anderen Seite die AFE., die

Am 1. Juli wirb in Bremen ein schwerer Kreuzer vom Stapel laufen.

Wenn in Bremen ein neues Schiff ber Kriegs­marine vom Stapel läuft, ist fein Hotelbett zu haben! Es ist nicht nur bas Schauspiel eines Stapellaufes allein. Wohl locken auch bie lieber« feebampfer zu Besichtigungen, wohl läßt man sich packen von ben technischen Ginrichtungen ber Hafen- anlagen, wo ein Drittel der deutschen Hanbelsflotte ihre Heimat hat, aber es ist auch bie Stabt selbst, bie einen unwiberstehlichen Zauber ausübt. Er um­fängt ben Fremben, ber vor bcm herrlichen Rat- Ha u s b a u steht, vor einem ber vielen Zeugen hanseatischer Prachtentfaltung. Der Rolanb be­wacht auf bem Marktplatz nicht nur Rathaus unb Dom, fonbern auch bas alte Gilbehaus, ben Schütting", ber wie Dom unb Rathaus ursprüng­lich im gotischen Stil errichtet, bann aber von ben prachtliebenben Bremer Kaufleuten mit bem Ge- roanb ber Renaissance geschmückt würbe. Der Wahl­spruch bremischer Kaufleute steht am Portal bes Schütting", ber heute bie Wirtschaftskammer be­herbergt:

Buten unb Binnen, Wagen unb Winnen."

Es gibt für ben Fremben auf einer Wanderung durch bie Stabt viel zu sehen unb zll hören. Aber wir wollen ihm biesmal nicht vom Wind unb Wetter ber Geschichte sprechen, ihn nur an einzelne Winkel unb Erinnerungen führen. Es ist nicht leicht für ben Fremben, sich zurechtzufiuben, benn kaum ein Ziel ist auf geraben Wegen zu erreichenMan yiuß immer erst um Kap Horn" herum, wie die Bremer sagen. So geht man am besten ber Nase nach, im wahrsten Sinne bes Wortes.

Der Kaffeebuft führt uns an bie reizvollen alten Lagerhäuser an ber Weser. Sie stehen nicht als romantische Kulisse ba, sie entbehren jeglichen musealen Charakters. Nach wie vor herrscht in ihnen reges Leben. Aus Kähnen werben Waren in bie Lagerhäuser gebracht, in Kähne werben sie verloben. Wohl find Auszüge, bie von den Anlege­plätzen unmittelbar in die Höhe führen, vielfach an Htelle ber Seilwinbe getreten, aber auch die alten Winben finb noch in Betrieb zu sehen. Viele Kaffee­säcke unb Tabakballen finb unter ben Gütern. Der Kaffee wird hier geröstet unb erfüllt mit seinem Duft ganze Straßenzüge. Auch Tabak wird hier gelagert unb weist begehrlichen Rauchern burch fein Aroma ben Weg. Dieser Ruch gehört zu Bremen, er bestimmt bie Atmosphäre ber Stabt. Denn bem Kaffee unb Tabak verbankt bie Hansestadt ein gut Teil ihres Wohlstandes.

Haß, Nett, Abgunst is gar umsunst, Was Gott bescheret, bleibt unverwehret."

Das schrieb der Bremer Ratsherr Esich an sein Haus eben in bem Jahre, als der Dreißigjährige Krieg begann. Nur drei Fenster breit, aber sieben Stockwerke hoch bie beiben oberen verjüngen sich bis auf ein Fenster steht es in feiner ganzen Pracht zwischen anderen alten Häusern. Damals Ratsherr zu sein, bedeutete viel, benn die Hanse bestand nur noch aus den brei Städten Hamburg, Bremen unb Lübeck. So war bas Haus von Lüber von Bentheim, einem ber besten Baumeister seiner Zeit, mit allem Prunk errichtet. Zu Anfang bes 19. Jahrhunderts wurde es merkwürdiger An­klang an ben Namen des Bauherrn Esich zu einer Essigfabrik erniedrigt. Man wußte wohl um den Wert des herrlichen Giebels unb ber Innen­einrichtung des Hauses, aber es geschah lange nichts, um dieses Zeugnis alter Bremer Kultur zu schützen. Erst als bas South Kensington Museum in London den kostbaren Giebel bes Essighauses für sehr viel Gelb erwerben wollte, würbe bas Haus mit

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