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Der Hinweis - ein Blick in die Zeitschriften

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Seilersweg Nr. 67

Telephon Nr. 3170

mir!« einen

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eines heute vergessenen Dichters (Christian Adolf Overbeck),Komm, lieber Mai, und mache / Die Bäume wieder grün", durch seine Melodie unsterb­lich. Kaum hundert Jahre alt ist das wie ein Volks­lied aninutende Gedicht von Emanuel G e i b e l:

Solches in Worte zu fassen gelingt nur dem lichen Dichter, zum Beispiel Rilke, der Maitag" malt:

Still! Ich hör' wie an Gelände» leicht

denen Mitbegründer des Hainbundes:

Die Luft ist blau, das Tal ist grün, Die kleinen Maienglöckchen blühn Und Schlüsselblumen drunter;

Der Wiesengrund Ist schon so bunt Und malt sich täglich bunter.

Drum komme, wem der Mai gefällt, Und freue sich der schönen Welt Und Gottes Vatergüte, Die solche Pracht, Hervorgebracht, Den Baum und seine Blüte?

Etwa um dieselbe Zeit machte Mozart das

wurde sein Lenzlied:

So die Blumen aus dem Grase dringen, Gleich als lachten sie zu der spielenden Sonne, In einem Maien, in des Morgens Frühe, Und die kleinen Vögelein wohl singen In der besten Weise, die sie kennen, Was für Wonne kann sich da vergleichen? Es ist wohl halb ein Himmelreich.

Weiter ausgemalt wird der Maitag in dem Früh- lmgslied von Ludwig Holty, dem jung gestor-

der Kritik an der Dühnenleistung zugestanden. Ein Ausdruck dieses unmittelbaren Mitgehens war auch das Dakapo, das ungeschriebene Recht des Theater­publikums, von einem beliebten Sänger die Wie­derholung eines Bravourstückes so lange zu fordern, bis fein musikalisches Bedürfnis restlos befriedigt war. Die mit dem Dakapo verbundene Unterbre­chung des Handlungsablaufs wurde um so weniger als ein Uebelstand empfunden, als im Süden die Kenntnis des Stücks als selbstverständlich voraus­gesetzt wird, die Musik jedermann vertraut ist, der Durchschnitts-Italiener also eigentlich nur ins Thea­ter geht, um dem Tenor aufs Mundwerk zu sehen und festzustellen, wie dieser mit dem hohen C fertig wird. Jedenfalls trifft das für die italienischen Opern, namentlich die des leichteren Schlages, ohne Einschränkung zu. Denn natürlich gibt es Unter-

Geheimnissen der Natur offen zu stehen, wir glau­ben die Dinge in ihrem Werden und Wesen besser zu begreifen; auch der Oberflächliche spück einen herbsüßen Hauch, einen berückenden Klang, er ahnt vielleicht, daß nundie Liebe segnend über die Fluren" geht in immer wechselnden Gewändern,

Dieser Monat ist ein Kuß, Den der Himmel gibt der Erde, Daß sie jetzund seine Braut, Künftig eine Mutter werde.

In den Maientagen scheinen die Tore zu

Der Mai ist gekommen / Die Bäume schlagen aus / Da bleibe, wer Lust hat / Mit Sorgen zu Haus!" Wenig bekannt ist, daß die sehr sangbare Melodie hierzu von dem vielseitig begabten Dichter und Zeichner Justus Wilhelm Lyra stammt.

Den tieferen Sinn des Wonnemonds suchte Fried­rich von L o g a u , der Verfasser der Deutschen Sinn-Gedichte (um 1650), festzuhalten in dem Ver­gleich:

Wind vorüberhüpft, Wie die Sonne Strahlenenden an Syringendolden knüpft.

Stille rings. Nur ein geblähter Frosch hält eine Mückenjagd.

Und ein Käfer schwimmt im Aether, ein leben­diger Smaragd.'

Im Geäst spinnt Silberrhomben Mutter Spinne Zoll um Zoll,

Und von Blütenhekatomben hat die Welt die Hände voll.

Dem tieferen Sinn des Naturgeschehens spürt Oskar L o e r k e nach in seinerMaienmeditation", aus der einige Verse hier stehen sollen:

Im Abend steht ein Regenbogendom.

Ein alter Baumgang quert durch das Phantom.

Die Lampenschirmchen der Kastanien sind

Von ihrem grünen Lichte schlaff und blind.

Das Licht, hat sich an keinem Docht genährt. Es ist der Geist, der in den Stämmen fährt, Der dunkel auffährt, immer auf und auf, Aus ewiger Mitte ein Getrief, Getrauf ...

Du Geist,ich Geist, wir kennen uns nicht mehr Und fahren aus demselben Grunde her.

Die beiden letzten Zeilen besagen, daß die heuti­gen Menschen sich von der Natur entfernt haben; der Wunsch der Dichter ist es, uns wieder hinaus­zulocken in den Maientagen zu den Werdewundern unserer Erde; wir sollen wieder hören, wiein die­sen Tagen und Nächten alles Wachsende Stimme bekommt", und mitschwingen in dem bunten Reigen des Werdens, biswir werden ganz Musik".

sangen:

Nun Han den Tod wir ausgetrieben

Und bringen den Hellen Frühling wieder. Den Sommer und den Maien, Der Blümlein mancherleien;

Wir kommen und bringen mit herein Des Maien reifenden Sonnenschein.

Aehnlich dachten unsere Vorfahren, wenn sie ihren Frühlingsspielen, in denen Winter und Tod verbrannt oder ausgetrieben wurden, im Reigen

Legende von den Männern auf dem Baum Zum Nationalen Feiertag des deutschen Volkes.

Von Herbert Kranz.

Walther von der Vogelweide hat Mai in manchen Versen besungen; am bekanntesten

Preisen wollen wir den Maien." Stimmen der Dichter zur deutschen Frühlingsfeier.

Von Hans Sturm.

Wie nennen den fünften Monat des Jahres den Wonnemond, doch diese Bezeichnung hat nichts mit wonnig zu tun, sondern stammt von dem altdeut­schen Wünnemonat, und Wünne hieß soviel wie Weide; und vom 1. Mai ab wurde das Pieh aus den winterlichen Ställen hinaus auf die saftgrünen Wünnen getrieben. Natürlich trifft das Wort Wonnemond auch den Mai als ersten wirklichen Frühlingsmonat, wie Eduard Mörike in einem Gedicht schrieb:

Es ist doch im April fürwahr Der Frühling weder halb noch gar. Komm, Rosenbringer, süßer Mai, Komm du herbei!

So weiß ich. was der Frühling sei.

werten und waren mit Pinsel und Farbtöpfen tätig, manche noch mit der Kindergewohnheit, im Eifer der Arbeit das rosige Zungenspitzchen aus dem Munde gucken zu lassen, die Kleinsten brachten, wie reizende Putten anzusehen, in blinkenden Eimerchen, in Tassen, ja eins sogar in einem Vo­gelnäpfchen Wasser an, das sie in die Behälter aossen, in welche die Birkenstämme gesetzt werden sollten. Dabei eilten die Hausfrauen noch rasch in die Läden, um vor dem unverhofften Feiertag recht­zeitig alles ins Haus zu bekommen, was an einem Fest gebraucht wurde, und über all dem Gewimmel wehten die Fahnen.

Aber es ist gut, wenn man der allgemeinen Un- besonnenheit gegenüber sich auf seine Grundsätze besinnen kann.

Manch einer hat schon geglaubt, er aäb einem Engel die Hand, und da war es der Gottseibeiuns!" sagte sich Meister Hediger.Fahnen, Birkengrün und Girlanden", dachte Meister Frymann,das nimmt sich nicht schlecht aus: aber wie ist es mit der Aufhebung der Unterschiede?!"

Und der Schreiner Bürgi kam sich wie ein Pro­phet vor:Sie können sich stellen wie sie wollen überall seh ich den Maibaum durchschimmern! Es geht gegen den Fortschritt, und damit Punktum!" Und. wem die verhaltene Fröhlichkeit einer ganzen Stadt, zu der keiner gezwungen war, sondern die sich wie von selbst eingestellt hatte, doch mehr ans Herz ging, als er für möglich gehalten hatte, der hielt sich an den gemeinsamen Beschluß im Herren- stübli wie an einem Geländer und ging daran seinen Weg ganz sicher weiter.

So saßen die sieben Aufrechten in ihren Häusern wie alte Einsiedlerkrebse in ihren Schneckenschalen, nur daß ihnen ihre Gehäuse viel zu groß waren, weil nämlich alle Hausbewohner draußen das Fest mitfeierten, so daß jeder, der nun durch die leeren Stuben schlurrte, gleichsam darin klapperte wie eine Haselnuß, die in ihrer einst wie angemessen passen­den Schale einschrumpfte, elend vertrocknete und nun rasseldürr geworden ist. Gewiß hatte ein jeder dies und das vorzunehmen, aber es war nicht das Rechte. Da sie den unwillkommenen Feiertag nicht anerkannten, wollten sie ihm auch die Ehre der Sonntagszigarre nicht antun; andererseits sah es mit dem Essen recht windig aus, da die Haus­frauen, obwohl die Gatten sie deswegen angeknurrt hatten, mit dem jungen Volke hinausgezogen waren und den grollenden Achill auf den Abend ver­tröstet hatten. So mußte ein jeder in der Küche in einem Töpfchen etwas einrühren oder gar etwas vom gestrigen Tag aufwärmen, was sie kränkte, weil sich die gestandenen Männer auf einmal wi? die Handwerksburschen vorkamen, denen man not­dürftig einen Teller voll Suppe auf die Treppe setzt. Denn um etwa die Gelegenheit auszunutzen, sich ein Rumpfstück aus der Speisekammer zu neh­men, es in doppelt so viel Butter zu braten wie

die sparsame Hausfrau und sich noch ein leckeres Ei darüber zu schlagen und sich so einen delikaten Imbiß zu bereiten, auf den der Rote dann auch doppelt gut schmeckte dazu waren sie doch wieder zu lobesame Ehemänner und Väter, die nun ein­mal gewohnt waren, das Gute mit Frau und Nachkommen zu teilen und nicht für sich allein zu verschieden und zu verschlemmen wie Hage­stolze, die beim genüßlichen Bruzzeln und Bräteln sich darüber hinwegzutäuschen suchen, welch hunds- traurig einsamem Ende sie so langsam entgegen- schmoren. Das Aerafte aber war der Südwind, der heute den ganzen Tag wehte, denn der brachte in die leere Stadt vom Festplatz her unaufhörlich die Klänge der Musik, und das Jauchzen, der Jubel der Tausende schmolz in dem leichten Wehen zu einem Klang zusammen, als jubiliere da draußen der Frühling in eigener Person und tanze zur Musik.

Es war etwa gegen zwei Uhr, als Meister He­diger sich sagte, daß gerade ein Mann, der ein Fest wie dieses da draußen mißbilligte, doch allen Grund hätte, einmal hinauszugehen, um nach dem Rechten zu sehen, und um, wenn er schon das Schlimme nicht hatte verhindern können, doch das Schlimmste zu verhüten. Nicht viel später kam Meister Fry' mann darauf, man müsse doch einmal mit eigenen Augen betrachten, wie arg es sich auswirke, wenn es keine Unterschiede mehr gäbe, und schon griff er nach den Sonntagsstiefeln, denn wo alles sih geputzt hatte, konnte man auch nicht wie ein rostet Schlot erscheinen. Der Schreiner Bürgi wieder fand, die gewichtigsten Argumente gegen Die Wiederein­führung fortschrittswidriger Bräuche verlören durch den Einwand, man sei ja gar nicht dabei gewesen, in der Meinung des großen Haufens ihren ganzen Gehalt, und damit nahm er feinen Bratenrock aus dem Schrank. Im Oechsli und im Glöckli fiel es zwei Männern schwer auf die Seele, daß sie wohl zu den sieben Aufrechten gehörten, aber auch Wirte waren, und wie kann man sich gerade als Witt von dem ausschließen, was alle tun, wo man doch darauf angewiesen ist, daß möglichst alle wieder zu einem ins Haus kommen? Wenn sie sich da draußen einmal sehen ließen, meinten sie, so bleiben sie noch immer sauber überm Nierenstück, und was die rest­lichen zwei betraf, so galt für sie, was auch für die andern Geltung hatte: ein eigentliches Gelöbnis war doch gestern im Herrenstübli gar nicht gefpro» chen worden! Gewiß, sie hatten an den Rütlischwur gedacht aber es hatte keiner geschworen, waS bei einem solchen nichtigen Anlaß sich auch gar nicht gehört hätte. Das war es überhaupt: man mußte die Sache nicht wichtiger nehmen als sie war! Hieß fernbleiben nicht beinahe so viel wie sich fürchten? Ein Aufrechter und sich fürchten nein, das gab es nicht, und so war es denn eigentlich gar nicht Ueberrafchendes, daß sich die sieben Aufrechten plötzlich und vollzählig auf dem Festplatz trafen.

ten Verlust an Volksintelligenz in seiner kulturellen Auswirkung niemals ausgleichen. Deshalb darf das Hochschulstudium oder die wissenschaftliche Arbeit der Frau auch nicht Veranlassung zur Ehelosigkeit oder Beschränkung der Kinderzahl werden Die Aka­demikerin muß sich stets bewußt bleiben, daß nicht nur Adel und Reichtum, sondern auch Be­gabung verpflichtet."

Bauerntum und Politik in Frankreich.

Frankreich ist überwiegend Bauernland. Trotzdem hat das Bauerntum an der politischen Vertretung einen sehr geringen Anteil und auch in der fran­zösischen Literatur spielt es nur eine geringe Rolle. Trotzdem hat, wie Fran^oise Denis in einem Auf­satzZur Psychologie des französischen Bauern­tums" in der Aprilnummer derDeutsch- Französischen Monatshefte" ausführt, der Bauer die französische Politik aufs stärkste be­einflußt:Der hartnäckige Rechts- und Eigentums­begriff des Bauern, sein ausgeprägter Sparsinn, seine Abneigung gegen Eroberungen und sein Fanatismus in der Verteidigung des eigenen Grund

schiede. Auf den großen Bühnen mit ihrem internationalen Publikum genießt das Dakapo nur noch ein stark beschnittenes Heimatrecht, und das ist auch ganz in der Ordnung, zumal man als Fremder in Rom, Mailand, oder Neapel ja nicht ins Theater geht, um italienische Volkssitten kennen­zulernen. In der Provinz indessen geht es zuweilen noch hoch her, und niemand, der einmal das ein­fache Volk in solchen kleineren Theatern zu beob­achten Gelegenheit hatte, möchte es anders haben. Italien hat im Laufe des letzten Jahrhunderts schon so viel von echter Ursprünglichkeit verloren, daß man die Hoffnung aussprechen darf, das strenge Verbot möge sich auf diejenigen Operncheater be­schränken, auf denen sich das Dakapo ohnehin über­lebt hat.

Die sieben wackeren Handwerksmeister und bie­deren Gastwirte, die man nicht anders als die sie­ben Aufrechten nannte, saßen nach getaner Arbeit im Herrenstübli ihrer Alt-Zürcher Gastwirtschaft beisammen, aber es ging nicht kurzweilig und ge­mütlich her wie sonst. So still urtb ernst sie sich in größeren Versammlungen zeigten, so taut und munter pflegten sie dann zu tun, wenn sie unter sich waren keiner zierte sich und keiner nahm ein Blatt vor den Mund, und oft genug sprachen alle zusammen. Heute aber sagte keiner ein Wort: der Zimmermeister Hediger, der immer der Wohl- redenste war, schwieg, es schwieg Frymann, der Zimmermeister, es schwiegen die beiden Schmiede, von denen Kuser das Silber und Syfrig das Eisen hämmerte, es schwiea nicht minder Bürgi, der listige Schreiner, und Die beiden Wirte Pfister und Ehnsmann gaben auch keinen Laut von sich. Ja, es schien, als wären die alten Kopfe nicht vom Trinken rot, sondern vom angestrengten Schwaigen, und wie sie jetzt die sieben roten Köpfe schweigend schüttelten, war es nicht anders, als wären mit einemmal sieben rote Monde in Bewegung gekom­men, die um den dunklen Tisch wie um eine runde Erdscheibe und in dem verqualmten Herrenstübli wie in einem dämmerigen Weltall schwebten

Nein, nein, das junge Volk? Das liebte, das heiratete, das setzte Kinder in die Welt, und jetzt wollte es in der Stadt ein Fest feiern, ganz, ganz anders, als es die Alten gewohnt waren. Ein Schützenfest, ja, das war noch ein Fest, wie es sich gehörte, auf dem letzten waren auch sie noch mit ihrem Banner mitmarschiert aber einFest der Arbeit", wie die Jungen sagten, nein, das war nichts, oder vielmehr, es steckte etwas dahinter.

Ich will euch sagen", mit diesen Worten brach Meister Hediger das lastende Schweigenwas das in Wahrheit bedeutet, dieses neumodische Fest: es soll eben von dem Tage an alles anders ge­macht werden! Damit fängt der Umsturz des guten Alten an!"

So ist es", stimmte Frymann mit umwölkter Miene zu.Sie sagen sogar, es solle keine Unter­schiede geben, der Meister neben dem Gesellen sitzen, die Hausfrau neben der Magd, denn so verschieden ein jeder und eine jede wirke, so webten doch ge»

und Bodens sind Züge, welche die französische Voli- ttk täglich widerspiegelt. Selbst der im politischen Leben der Hauptstadt Paris so ausschlaggebende Advokat ist dem französischen Bauern verwandt, der lieber eine Million für einen Prozeß opfert, als einen Acker von 10 000 Franken Kaufwert preiszu« geben, auf d'en er Anspruch zu haben glaubt. Der Sparsinn, der das ge|amte französische Volk un­feine öffentliche Verwaltung kennzeichnet, und im Ausland schon oft auch Anlaß zu kritischen Bemer­kungen gegeben hat, ist ebenfalls rein bäuerlichen Ursprungs. Der Bauer und die Bäuerin, die sich im Lauft eines Jahres hundertmal bücken müssen, bis aus Saat und Ernte einige Franken in die Kasse des Hofes kommen, wissen den Wert eines Franken höher einzuschätzen als die Arbeiter, Handwerker und Beamte der Städte, denen Lohn und Gehalt müheloser zufließen, als der Kapitalist, der Tan­tiemen einstreicht, ja selbst als der Arbeitslose, der für seinen Lebensunterhalt eine zwar kleine, aber ohne körperliche Mühen und Pein erworbene Unter­stützung erhält. Die dritte der Eigenschaften des französischen Bauerntums, die sich dem Charakter der gesamten Nation aufgeprägt hat, die Zähigkeit in der Verteidigung des heimischen Grund und Bodens, ist vom Weltkrieg her noch in zu lebendiger Erinnerung, um hier einer besonderen Erläuterung zu benötigen. Aus dem nach deutschen Begriffen unmilitärischen" Soldaten der Friedenszeit wurde da plötzlich der fanatische Kämpfer der Marne­schlacht, des Chemin des Dames, des Hartmanns­weiler Kopfes und des Forts von Verdun, der mit ungewöhnlichem Heldenmut und Verbissenheit jeden Fußbreit der heimischen Erde verteidigte und an Tapferkeit den vorstürmenden deutschen Regimen­tern nicht nachstand. Die Holzkreuze, die heute von Flandern bis zu ten Vogesen in langen Reihen in Frankreichs Erde stehen, sind vor allem Söhnen französischer Bauernfamilien errichtet, und es sind Namen aus den Dörfern der Bretagne, Lothringens, der Ile de France, der Picardie und des Landes, Savoyens und der Provence, die wir auf diesen Holzkreuzen finden. Der Prozentsatz an Gefallenen des französischen Bauerntums ist um vieles höhn als der Anteil der anderen Bevölkerungsschichten am großen Blutopfer der Nation."

wissennaßen alle an ein und demselben Webstück, und darum sollten auch alle einmal nebeneinander­sitzen!"

Das ist etwas Neues, und das ist immer ge­fährlich", sagte der Schmied Syfrig.

So ist es", erwiderte Ehrismann, der Wirt vom Silbernen Glöckli, und alle anderen bekräftigten das Wort mit bedeutsamem Nicken.

Jedenfalls weiß ein aufrechter Mann, was er morgen zu tun hat", sagte Meister Hediger düster. Er bl erbt zu Haus und hält sich an seine Grund­sätze."

Das tut er", sagten die sechs übrigen einer nach dem andern und hatten dabei das Gefühl, als habe sich hier im Herrenstübli der Rütlischwur noch ein­mal wiederholt. Das tat ihnen wohl, denn im Grunde waren sie tief bekümmert. Sie waren ja keine überfälligen ©riesgramler, keine aalliaen Raunzer, die das Gute nicht sehen, weil sie eben nicht mehr gut sehen, und auch keine spitzfindigen Klügler, die, weil sie selbst nicht das Zeug zum Ja in sich haben, einer Sache nur das Nein ent» gegenhalten, das in jeder verborgen ist sondern sie waren ernschafte Männer, denen nur das Be­kannte sicher, das Unbekannte aber ungewiß schien, und als sorglichen Hausvätern mußte ihnen nichts verhaßter fein als das Ungewisse und darum Un­sichere.

Als sie nun alle auf verschiedenen Wegen «ihren Häusern zustrebten, sah ein jeder das gleiche, lieber» all waren die jungen Leute tätig: sie zogen grüne Gewinde über die Straße, und indes in Dem einen Giebelfensterchen ein junger Bursch die Tanney- mrlande festmachte, band deren anderes Ende im Giebelfensterchen gegenüber ein junges Mädel an das Fensterkreuz. So halten über alten Türen wohl zwei pausbäckige Engel, aus Holz geschnitzt und vom Alter nachgedunkett, ein starres Gebilde von Mumen und Früchten in den feisten, unbeweglichen Händchen hier aber war es lebendiges junges Blut, das über das schwankende grüne Band hin­weg sich anlachte und das es als Verheißung emp­fand, bald werde wohl noch ein ganz anderes Band sie aufs innigste verbinden. Junge Männer kamen mit sttsch geschlagenen Birken singend aus dem Wald; bie älteren Buben standen auf den Leitern, häm-

$rou und Wort.

Wer konnte berufener fein, überFrau und Wort" zu sprechen als Ina Seidel? Wir freuen uns, von ihr im Aprilheft der ZeitschriftFrauen- k u l t u r" einen Beitrag zu finden, der dem Ver­hältnis der Frau zum Wort mit tiefstem Verstehen nachspürt. Sie knüpft an ein Goethe-Wort an, das in Wirklichkeit aus der Bibel stammt und das lautet:Eine richtige Antwort ist wie ein lieblicher Kuß", und sie führt aus, daß eben die Antwort das innerste Wesen der fraulichen Rede sei:Folgerichtig müssen wir annehmen, daß die der Frau ange­borene natürliche Haltung die des Lauschens, des Zuhören-Konnens ist. Dies entspricht im weitesten Sinne der Bereitschaft zur Hingabe, in der die Frau die Empfangende ist und sich erschließt, um einen Lebenskeim in sich aufzunehmen und aus» zutragen. Welch ein Wunder und welche Wohltat ist es um das richtige Zuhören-Können wer hat das nicht schon erfahren! Wer in der Aussprache auf das, was er sich von ter Seele redete, die rich­tige Antwort empfing, ter fühlt sich wahrlich be­schwichtigt und getröstet, entspannt und befreit Die­serliebliche Kuß" hat nicht das heftig Besitzergrei­fende der Leidenschaft, sondern die erlösende Wärme sanfter, seelisch durchdrungener Zärtlichkeit, in der das Verworrene sich glättet, das Verhärtete auf taut, die gepreßte Brust wieder tief zu atmen beginnt, und die den Horizont für neue Zuversicht sich ent- wölken läßt. Dabei braucht nicht einmal Entschei­dendes oder Endgültiges geantwortet worden z.u fein. Aber wie sich in der Musik die Harmonie erst durch den vollkommenen Akkord, durch den Ein­klang einstellt, fo muß auch die Antwort einen Ein­klang heroorbringen, und in diesem vollendeten Ein­klang liegt dann zugleich das Neue, was vorher nicht da war und was der einsam rufende Ton allein nicht herzustellen vermochte. In Rede und Antwort kann sich neues Leben erzeugen, wie das unnennbare Wunder des Kindes nur durch Mann und Frau vereint zur Wirklichkeit werten kann."

Intelligente Männer brauchen intelligente Frauen.

Im Aprilheft der ZeitschriftF r a u e n k u l t u r" berührt Dr. med. Agnes Bluhm in einer Abhand­lungVon der geistig-seelischen Verschiedenheit der Geschlechter und ihrer Vererbung" Probleme, die nicht nur die Frau, sondern 'auch den Mann und in ihrer Tragweite das ganze Volk überhaupt an­gehen. Die Verfasserin beschäftigt sich mit der für die Zukunft eines Volkes entscheidenden Fragen der Vererbung, der Begabung und schließt mit den Fest­stellungen:Wir haben bärge legt, daß die geistig- seelischen Anlagen sowohl vom Vater als auch von der Mutter auf Sohn und Tochter vererbt werden, und wir haben angebeutet, daß es für die Durch­schlagskraft einer Anlage nicht gleichgültig ist, ob ihr Träger dieselbe in einfacher oder boppeltej Dosis besitzt, d. h. nur von einem ober beiden Eltern über* kommen hat. Daraus folgt, daß ein intelligenter Mann, der intelligente Kinder wünscht, als Gattin eine Frau wählen sollte, die n e b e n ausgespro­chen mütterlichen Eigenschaften auch über einen guten B e r st a n d verfügt. Ein etwas mnisch in die Wortehübsch, reich unb bumnj" ge­faßtes Ehefrauenideal führt unweigerlich zu einem Niedergang der Durchschnitts!) eaabung und damit ber Kultur eines Volkes. Eine Abnahme der Volks­kultur ist auch dann zu euroarten, wenn überdurch- chnittlich begabte Frauen sich in geringerem Maße ortpflanzen als minberbegabte. Ihre eigenen wiffen- chaftlichen Leistungen können den dadurch bewirk­