29./3V.April 1939
Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Oberhessen)
Hr.iOO Drittes Blatt
mein verlorenes Blond!
Sinb auch vielleicht Sie manchmal traurig, weil Ihr blandes fjaar streifig und immro dunkler wird i Tlun—'oft geht mit der Zeit sein, prahlend heller Ton verloren. Vach jefit gibt <6 filcinol Blondier Shampoo! ks macht Sil dlond wie einst. Dabei ist es so milde, dofi «s dem zarten fiaar nie Schaden bringen kann»
natürlich dürfe ein Raubbau nicht getrieben werden. Dafür seien ja die Schutzgesetze da, und es tei erforderlich, daß sie noch mehr ausgebaut würden.
Auch in anderer Beziehung hat der Kapitän aus eigner Erfahrung die richtige Lehre gezogen, Ge- rade auf dieser Fahrt mit dem ,LLikinger", die vom Wetter keineswegs begünstigt war, wie das ja den Walfängern aller Rationen ergangen ist, hat sich deutlich erwiesen, daß zur großen starken Walkocherei auch große Fangboote gehören. Sie müssen auch bei schwerem Seegang mit großer Geschwindigkeit manövrierfähig fein. Sonst kommen sie dem Wal nicht nahe genug, um gute Beute zu haben. Kam es doch in diesem Jahr vor, daß der Wal dreimal so lange wie sonst unter Wasser blieb, weil er dem kleinen Krebs Krill bis in die tiefsten Tiefen folgen mußte. Wenn er dann auftauchte, stand er mellt weit ab vom Fangboot und die Jagd mußte von neuem auf weite Entfernung beginnen. Kapitän Kircheiß hat die Geschichte des deutschen Walfangs mit größter Gründlichkeit studiert. Er hat von vornherein den Glauben daran gehabt, daß so wie einst die großen Harpuniere von den Nordseeinseln Föhr, Amrun, Sylt, Borkum weit berühmt und nach den Holländern die bekanntesten Fänger waren, sich auch heute wieder ein neuer Stamm bester deutscher Fänger wird heranbilden lassen.
Fesselnd schildert Kapitän Kircheiß den Fang eines solchen Riesentieres. Er betont, daß ja sonst kein Tier der Erde die Ausmaße eines Blauwals erreicht. Sichtet nun ein Fangboot den Blas eines
Hamburg, den 21. April 1939.
Wer lange Jahre Hamburg nicht wieder- gesehen hat, stürzt sich ein wenig erstaunt in das Hasten und Treiben der Altstadt. Em Tempo herrscht da, das dem Fremden imponieren muß, und das man am eindrucksvollsten im Hafe n in sich ausnimmt. Aber man kommt an die Seele dieses wiedererwachten Hamburgs doch nicht ganz heran, wenn man nicht auch die Elbe abwärts, die große und doch so anheimelnd wirkende Elbstraße hinuntergewandelt ist, die von Altona aus Blankenese zuführt. Auch hier ein Wandel, der deutlich spürbar ist. Ein Snobismus, der einst Altes, Traditionsreiches zu überwuchern drohte, ist restlos verschwunden. Wohin man sieht: geschmackvolle Kaufherrnsitze und die schönen- Klinkerbauten der großen und kleinen Kapitäne, die hier mit der Sicht auf die Elbe auch, in der Ruhezeit die Puls- schläqe des Meeres nahe wissen. Mittendrin zeigt sich uns plötzlich ein kleiner Heller Bau, und wenig später ’ steht man vor dem Hausherrn. Kapitän Kircheiß ist es, der Mann, dessen Abenteuer als Offizier des Grafen Luckner und als Weltumsegler im kleinen Kahn weltbekannt sind. Man weiß, daß er genau so wie er einst gegen die Kriegsschuldlüge zu 'Felde gezogen, dann als Deutschland nationalsozialistisch geworden war, auch für die Wiederaufnahme eines eigenen deutschen Walfangs unab-
Erfahrungen einer Walfang-Fahri
Besuch im Haufe des Kapitäns Kircheiß.
Don unserem H. Gr.-Äerichierstatter.
Wals, so wird mit Volldampf darauf zugehalten, ober oft ist der Wal schon weggetaucht. Nun ist die große Frage, wo er wieder an die Oberfläche kommt. Da er in diesem Jahr meist tief stand, gab es dann ein Hin und Her, bis endlich der Schütze die Kanone zum Schuß einschwenken kann und bann, wenn der unförmige graue Klotz des Kopfes über dem Wasser sichtbar wird, den Schuß löst. Die 130 Pfund schwere Harpune saust durch die Luft und bohrt sich in die Seite des Wales. Einige Sekunden später ertönt ein dumpfes Krachen, die Granate ist in dem Körper des Wals geplatzt. Nun scheint in dem Wasser eine Unterseebombe hochzu- qehen, o schäumt es auf, in rasender Fahrt geht der Wal ab, über dem Boot rutscht die Leine ihm nach Nun kommt alles darauf an, daß die oft über 1000 Meter lange Leine von dem Ungestüm des Wals nicht zerrissen wird. Das Fangboot muß den Kurs so einrichten, daß die Leine immer noch federt und sich nicht strafft, sonst würde sie wie em seidener Faden zerrissen werden.
Eine Viertelstunde vergeht und noch eine bei dieser Jagd nach dem Wal, erst dann hat sich das Boot wieder so weit herangearbeitet, daß erneut ein Schuß angebracht werden kann. Nun wird der Wal schon müde. Ein blutiger Blas zeigt an, daß er dem Sterben nahe ist. Der Körper wird nun an das Fangboot herangezogen und mit Druckluft durch eine Luftlanze so aufgeblasen, daß er auf dem Wasser schwimmt. So läßt er sich muhelos an das Walfangmutterschiff heranbringen, wo bereits alles auf Posten steht. Wenn der Wal durch die große Oeffnung im Heck des Schiffes an Bord gezogen ist, dauert es nur kurze Zeit, dann ist das ganze Deck ein einziger Wirrwarr von Blut, Fleisch und Speck. Als wir vom Käpten schieden, nahmen wir die Gewißheit mit, daß diese Fahrt nicht seine letzte sein wird.
Oie Studentin im Dritten Reich.
Der goldene Schlüssel.
Äon Otto Eorbach
Onkel Sam oder „Uncle Shylock", um den Spitz- Minen zu gebrauchen, den ihm Detter John Bull cnhängte, als er sich ihm noch nicht mit Leib und .Seele verschrieben hatte, spottete kürzlich seiner sibst, indem er einen seiner eifrigsten Werbeapostel v der „New York Tribuna" schreiben ließ: „So besten wir 14 Milliarden im Werte eines Metalls, ins jeder froh wäre zu besitzen, ohne daß jemand hnran rühren dürste. Für Gold ist überall alles r haben: es ist das größte einzelne Angebot uni- prsaler Kaufkraft, das es gibt. Doch haben wir e; zu beträchtlichen Kosten für uns selbst sorgfältig ergraben, um es vollständig nutzlos zu machen. Las ist eine Absurdität. Wenn Nichts irgendwo in br Welt produziert wird, was wir dafür ober fit einen wesentlichen Teil davon zu kaufen vünschen, bann ist es bas einzig richtige, es j e - rauben z u leihen, der irgend etwas kaufen vill, und dabei zu profitieren, indem,wir uns mit Z nsen bezahlt machen. Ein Mann, der seine Erspar- isse in die Matratze seines Bettes stopft oder im Mterhof vergräbt, gilt nicht als Geschäftsmann, 'ludern als Geizkragen ..."
Nun behauptet der amerikanische Allerwelts-Jour- Mlist Walter Lippmann, Onkel Sam sei zur Ein- ffl)t gekommen, daß sein zusammengerafster Gold- jlyatz „irgendeine andere Bestimmung habe, als in tentucky. vergraben zu bleiben". Er habe zunächst (men kleinen Teil eines untätigen und bisher nutz o- m Goldhortes für eine Anleihe benutzt, die B r a s i- !1 e n instandsetzen soll, „ein normales Finanzsystem iufzubauen und normale Handelspraktiken wieder- j rzustellen". Dadurch werde der Welt angefunbigt, ,*af3 wir begonnen haben, von bloßen Predigten einer Wiederbelebung des Handels zu konkreten Maßnahmen überzugehen, die den Handel in Wirk- lchkeit wiederbeleben werden". Endlich habe Onkel Um begonnen, „von dem goldenen Schlüssel Ge- i-auch zu machen, der so viele Türen aufschließen Lnn, die einer wirtschaftlichen Wiederbelebung ver-
nordamerikanische Oelgesellschaften unter Porfir o Diaz in Mexiko erlebten, wenig dagegen drang davon in die Außenwelt, wie die Dollardiplomatie unter dem „Präsidenten" Leguia noch in der Nachkriegszeit mit dem Wohl der breiten Massen der Bevölkerung Perus umspringen konnte. Für das Zustandekommen einer neuen Goldeinspritzung erhielt der Sohn des Präsidenten, Juan Leguia, als die Kommission, die Kleinigkeit von einer halben Million Golddollar ausgezahlt.
Aus jahrhundertelanger Verwahrlosung die vorwiegend einer räuberischen britischen Pfund- und nordamerikanischen Dollardiplomatie zugutekam, haben sich einige lateinamerikanische Länder gerade in den Jahren, wo der lähmende Einfluß der Welt- wirffchaftskrise auf die Kräfte britischen und nord- amerikanischen Finanzkapitals noch nachwirkten, zu einer bemerkenswerten Höhe staatlicher Ordnung und wirtschaftlichen Wohlstandes emporzuarbetten vermocht. Es handelte sich um eine weniger gründliche und planvolle, aber im wesentlichen gleichartige Entwicklung, wie sie Japan im Fernen Osten, Italien im Mittelmeergebiet, das neue Deutschland bei sich wie im übrigen Mitteleuropa und durch die natürliche Auswirkung seiner Dynamik mehr und mehr in Südosteuropa anzubahnen vermochte. Die treibenden Kräfte der neuartigen Entwicklungsrichtungen entsprangen hüben und drüben, wie im Fernen Osten, unabhängig voneinander einer Notlage, in die das Zerreißen aller herkömmlichen weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Zusammenhänge unter den nachhaltigen Wirkungen des Weltkrieges und der Weltwirtschaftskrise lebenskräftige Volksgemeinschaften gebracht hatte. Die neue Fuhrungskunst, die sich dabei bewährte, bestätigte eine verschollene Wahrheit, die schon Friedrich List klar erkannte, als er schrieb: „M acht ist wichtig e r a l s R e i-ch t u m , weil eine Nation vermittelst der Macht nicht bloß sich produktive Quellen eröffnet, sondern sich auch im Besitz der alten und ihrer früher erlangten Reichtümer behauptet, — und weil das Gegenteil der Macht — die Unmacht __ alles, was wir besitzen, nicht nur den Reich-
lässig geworben hat.
Gesund und braun gebrannt steht der Kapitän vor uns. Man merkt ihm nicht an, daß er eine halbjährige Fahrt nach der Antark- t i 5 hinter sich hat. Dieser Tage erst hak sein großes Walfangmutterschiff „Wikinger" im Hamburger Oelhafen festgemacht. Nun blieb ihm kaum Zeit, seine Frau und zwei reizende Kinder zu begrüßen, und um natürlich noch einmal — so ist das See- mannsleben — mit den Kleinen nachträglich Osterhase zu spielen. Schon stürmen die Besucher ins Haus, Blumen zum Empfang werden gebracht — man erkennt unschwer, welche große Beliebtheit sich der Kapitän errungen hat. Im übrigen aber sind mir bald' mitten drin im Gespräch über seine jüngsten Erfahrungen b e t m Walfang. Wieder wird ihm, wie schon oft, die Frage gestellt, ob denn der Wal nicht eines Tages überhaupt aussterbeil müsse, ob es wahr sei, was die Engländer vor allen Dingen immer behaupten, daß der Wal sehr bald ausgerottet sein würde. Man begreift sehr schnell, warum der Kapitän darüber so herzlich lachen kann. Er meint nämlich mit Recht, daß ja, wenn der Wal wirklich so selten werden würde, sehr bald die großen, so viel Geld kostenden Expeditionen nicht mehr durchgefuhrt werden könnten. Aber ernst werdend fügt er hinzu,
tum, sondern auch unsere produktiven Kräfte, unsere Kultur, unsere Freiheit, ja unsere Nationalselbständigkeit in die Hände derer gibt, die uns an Macht überlegen sind ..."
Wären die Männer von Wallstreet und Washington klug beraten, so würden sie ihren Goldreichtum den neuen Produktivkräften anzu passen suchen, die Schuldnervölker unabhängig von ihnen mit Schlüsseln aus Eisen, ftatt Gold aufzuschließen wußten. Es ist nämlich ein verhängnisvoller Irrtum, zu dem amerikanische Kröfus-Philo- sophie verführte, daß für Gold „überall alles zu haben" sei. Sein gesamter Goldschatz könnte Onkel Sam nicht retten, wenn er sich auf einmal durch blockierte Mittelmeer- und Südsee-Wege von so wich- tischen Rohstoffquellen, wie Zinn und Kautschuk, abgeschnitten sähe. Mit dem „goldenen Schlüssel" mag er sich wohl manche Zugänge zu südamerikanischen Rohstoffquellen öffnen können, die bisher durch verkehrspolitische und andere Hindernisse versperrt waren, aber schon seit einer Reihe von Jahren müht sich Henry Ford vergebens damit ab, aus dem Dschungel am Tapajos, einem Nebenfluß des Amazonas, genügend fleißige Hände hervorzuzaubern, die auf gepflegten Gummiplantagen Aehnliches zu leisten verstünden, wie ganze Heere asiatischer Kulis in den künstlich angelegten Gummiwäldern Malayas. Aehnlich verhält es sich mit den Zinnvorkommen Boliviens und anderer lateinamerikanischer Länder. Und wenn sich Onkel Sam mit seinem goldenen Schlüssel auch Zugang zu den Gedankenwerkstätten der besten Kopfe seines Landes zu verschaffen vermag, fo hilft ihm das doch wenig, wenn diese Kopfe weniger erfinderisch sind, als die Bahnbrecher der deutschen chemischen Industrie. Es wäre Heller Wahnsinn, wenn ipgendwelcher autoritärer Staatsmann in Asien oder Europa davon träumte, die Unabhängigkeit der Länder der westlichen Erdhälste zu bedrohen, aber es. kann nichts sicherer dazu führen, den Frieden der Völker der „Neuen Welt" zu stören, als wenn Onkel Sam nur seine amerikanische, nicht auch eine asiatische und europäische „Monroe-Doktrin" gelten läßt.
wird. . *
Was die Einbildung nicht ausmacht! Sogar physiologische Wirkungen/die ohne ihr willkürliches und ganz plötzliches Eingreifen in den Gefamtzu- tand des Menschen nicht vorstellbar wären, kann ie heroorzaubern. Wie oft hat man schon an sich elber die Erfahrung machen können, daß der bloße Gedanke an eine Möglichkeit, die eintretendenfalls von schlimmen Folgen begleitet wäre, körperliche Funktionsstörungen nach sich zieht, die wieder aus- hören, sobald man sich der Irrealität solcher Eventualitäten bewußt wird. Da bemerkt, wie kürzlich die Zeitungen meldeten, ein fränkischer Dorfbewohner eines Morgens beim Erwachen, daß sein Gebiß, das er vor dem Einschlafen sorglich auf den Nachttisch zu legen pflegte, spurlos verschwunden war. Erster Gedanke: das kann ich nur wah- rend des Schlafes verschluckt haben. Sofort stellen sich auch die Symptome ein: unerträgliche Magenschmerzen, verursacht durch die Anwesenheit des unverdaulichen Fremdkörpers im Darm. Strenge Diätvorschriften des Arztes vermögen sie nicht zu lindern: erst die W i e d e r a u f f i n d u n g des nicht verschluckten, sondern nur verlegten Gebisses können unseren malade imaginaire von seinen Qualen befreien.
Ein anderer Fall. Ein Ingenieur in Budapest, der sich verheiraten will, wird von seiner außer Dienst gestellten Freundin zu einem Abschiedssouper^ geladen und erfährt am nächsten Morgen durch einen Brief der Gastgeberin, daß die Weine, die beide getrunken haben, von ihr vorher vergiftet worden seien. Kaum hat er den Brief gelesen, als er auch schon die Wirkung des Giftes spurt, in kalten Schweiß gebadet zum nächsten Krankenhaus eilt und sich den Magen auspumpen läßt — alles nur, um wenige Stunden später aus einem zweiten Briefe zu erfahren, daß die ganze Geschichte von der „Giftmischerin" bloß erfunden worden sti, um dem Treulosen einen kleinen Denkzettel in die Ehe mitzugeben. Sollten die hier berichteten beiden Fälle nicht aber doch eine Bestätigung der heute von den Aerzten wohl ziemlich allgemein wieder erkannten Wahrheit sein, daß Körper und Seele in einem innigen Kontakt stehen, Krankheiten also zwar nicht immer Einbildungen sind — das wäre natürlich ein irriger Schluß — sich aber in sehr vielen Fällen auf Störungen im Seelenleben zurückführen lassen, ihre wirksame Bekämpfung also auch da einsetzen muß, wo die wahre Ursache des Leidens zu suchen ist?
In der italienischen Oper soll das „Da cap o" für immer abgeschafft werden. Eigentlich schade! Denn das Theater, insbesondere die Oper, , ift für den Südländer nun einmal etwas anderes - als für uns: es ist Volkskunst in dem Sinne, - daß zwischen Bühne und Publikum Beziehungen i bestehen, die eine grundsätzlich anerkannte Treii- . nung der beiden Faktoren nicht zulassen, demnach - auch den uns so geläufigen Begriff der andächtig > und still dem Kunstwerk folgenden Gemeinde nicht i kennen. Dem lebhafteren Temperament des Sud- - länders hatte das Gewohnheitsrecht eine aktivere Art der Anteilnahme, auch eine spontMiere Form
Randglossen zur kleinenZeitgeschichte
Von Ernst von Iiiebelschüh.
Im Zuge der Neugestaltung Berlins hat sich die Viktoria mitsamt der Siegessäule, auf der sie steht, dazu bequemen müssen, ihr angestammtes Quartier auf dem Königsplatz aufzugeben und ein neues auf dem „Großen Stern" zu beziehen, wo sie dem Auge, das beim Abwandern einer so langen Straßenzeile, wie die Ost-West-Achse ist, leicht ermüdet, nun den hier bisher fehlenden Ruhepunkt bietet. Erstaunlich zu sehen, um wie vieles besser sie auf dem ihretwegen vergrößerten Rondell wirkt, besonders aus angemessener Entfernung. Woran liegt es? Im Grunde nur an einer kleinen
s stärker denn je als Magnet auf blinkendes Edel- metall aus aller Herren Länder wirkt. E- hat merk, würdraerweise überall seine Rolle als Tauschmittel reerloren, um auf die eines Wertspeichers beschrankt n werden. Als solcher läßt man es fluchtartig um ioen Machtmittelpunkt der Neuen Welt zusammen- rr ihnen, weil man es dort für am fi^rften gebor= ,-en hält. Dort trennt es die Weite der Weltmeere .int) die Stärke der angelsächsischen Flotten von den
1 Unruheherden der übrigen Welt.
Rastlos suchte der Wettgläubiger durch feinen zu lußerster Vollendung entwickelten Anleihemechanismus alle Volker aller Erdteile für immer in feine loldenen Feffeln zu schlagen, als die Weltwirt- tbaftsfrife jenen Mechanismus für lange Jahre in Unordnung brachte und den Schuldnerlandern eine Atempause verschaffte, in der sie versuchen konnten, tnr Wirtichaftsleben möglichst unabhängig von der Tyrannei des Goldes zu regeln. Wo solche Versuche langen, wurde überall der überlebte Grundsatz verkommener „Demokratie": Laßt gehen, laßt tiufen!" zugunsten strenger Arbeitsdisziplin und mehr oder weniger „autoritärer" Regierungsweise nufgegeben, nicht nur in der „alten , sondern auch m der „neuen" Welt. Gerade m den iberoamerika- üschen „Republiken" wurde schon vor dem großen Kriege meist nicht „demokratisch", sondern „a u t o -
i t ä r" regiert, nur handelte es sich bei den „Dlk- ntoren", die nach oft recht blutigen Umstürzen ein- nber ablösten, um solche von Gnaden noro- c merikanischer oder britischen n a n z- 1 apitals, nicht organisierter Volksgemeinschaf- xn. Allgemein bekannt ist, welch goldene Zeiten
Jetzt, wo wieder erste Semester von Studentinnen auf die Hochschule kommen, gibt die Reichs- ftudentenführung einen Ueberblick über die von ihr in der Arbeitsgemeinschaft SJlati o n al» sozialistischer Studentinnen (ANSt.) im NS.-Deutschen Studentenbund geleistete Erziehungsarbeit. Der Eintritt in eine ANSt.-Gruppe ist freiwillig. BDM.-Mädel jedoch, die zur Hochschule kommen, sind verpflichtet, mit Beginn ihres Studiums einer ANSt.-Gruppe beizutreten. Hier werden die Studentinnen der 1. bis 3. Semester zusammengefaßt. Aufbauend auf der Schule des Arbeitsdienstes, durch die fast alle Studentinnen gegangen sind, setzt ein d r e i s e m e st r i g e r Schulungsplan ein, der einen sich regelmäßig wiederholenden Zyklus dreier übergeordneter Haupt- themen zeigt: Im 1. Semester werden einheitlich Hochschul-, allgemeine Frauen- und Frauenberufsfragen behandelt. Das 2. Semester greift im Hinblick auf den in den Sommerferien erfolgenden praktischen Einsatz im Landdienst Bauern- und At-, Volkstums- und Bevölkerungsfragen auf. Das 3. Semester, erlebnismäßig ausaerichtet auf den studentischen Fabrikdienst, befaßt sich mit den gesamten Fragen des Arbeitertums. Bedeutsam ist auch Die musische Erziehung und Kulturarbeit. Lied- und Musikarbeit, praktische Beschäftigung nut Laienspiel- und Puppentheater und eine neue Geselligkeit, die mit Tanz eng verknüpft ist, kennzeichnen Teilgebiete der musischen Erziehung, die ihr Ziel darin sieht, die Mädchen bereitzumachen für die Entscheidungen, die sie als Mütter oder Frauen in Familie und Beruf später zu treffen haben werden. Auch zur politischen Einsatzfreudigkeit wird erzogen. Hat die Studentin während dieser drei ersten Semester Fähigkeit bewiesen, ihren Beruf einmal nicht nur sachlich auszuüben, sondern ihn auch als verantwortungsvolle politische Aufgabe menschlich ganz zu erfüllen, so wird sie als Vollmitglied in die AR-vt. im NSD.-Studentenbund berufen. Mit dem 4. Semester beginnt bann der wissenschaftliche Einsatz, bei dem auch Sonderfragen für Frauen aus Haus und Familie, Mutter und Kind, Familienrecht ufw. behandelt werden.
flössen waren."
Leider ist aus dem Handelsabkommen, das die iordamerikanische Union mit Brasilien schloß, nichts £i entnehmen, als daß Onkel Sams „goldener Schlüssel" wieder, wie in den Zeiten der Dollar- jiiplomatie alten Stils, die die Weltwirtschaftskrise ;i Grabe läutete, dazu dienen soll, einerseits Türen !mfzu schließ en, die zu fremden Roh- j y f f q u e 11 e n führen, und andererseits Türen zu verschließen, durch die arme Länder die E r - ^ugnisse ihres Gewerbefleißes ein- juhren konnten, um sie zu beiderseitigem
Korrektur, die jedoch, da sie einen Mahstabsfehler berichtigt, von einschneid eist) er Bedeutung ist. Nach einem bekannten Berliner Denkmalswitz wurde der Viktoria nad)gefugt, daß sie „kein Verhältnis" habe. Nimmt man dieser Kritik den zweideutigen Sinn, so trifft sie den Uebelftanb aufs Haar, nämlich die fehlenden Maßbeziehungen sowohl des Monuments zu der Randb^buuung des Königsplatzes wie auch der Figur selber zu der ihr als Sockel dienenden Säule. In seiner bisherigen Aufftellung war das Denkmal nicht der formensammelnde Mittelpunkt eines Freiraums, es schwamm sozusagen im Leeren. Vor allem aber: die Siegessäule war in sich maßstäblich verunglückt, da sich der Schaft über die Figur als zu niedrig erwies. Leute, die über jede Veränderung des gewohnten Zustandes sentimentale Tränen vergießen, haben also wirklich nicht den mindesten Grund, sich über die Versetzung der Siegessäule zu beklagen, die in der Tat nicht weniger als die Rettung einer von Anfang an verpfuschten städtebaulichen Situation bedeutet. Um es kurz zu agen: durch Einfügen einer vierten Säulentrommel ist die Siegesgöttin um sieben Meter gehoben worden. Das Ei des Kolumbus! Der Fall zeigt mit alter nur wünschenswerten Deutlichkeit, wie sehr die Wirkung eines öffentlichen Denkmals, auch wo es sich, wie hier, um ein weniger hervorragendes Kunstwerk handelt, von den richtigen Maßstabsbeziehungen zu seiner Umgebung abhängig ist — eine Wahrheit, gegen welche immer wieder verstoßen
Nutzen gegen Erzeugnisse auszutauschen, für die zu , fr auf e klimatische oder andere Bedingungen fehlen. , las aber ist gerade das Gegenteil wirtschaft- . Icher Wiederbelebung und kann nur immer wieder । izrju führen, daß zu dem „Wettgläubiger" mehr ßiold zurückströmt, als er in fremde Länder leitet, um sich dort Handelsmonopole zu sichern.
Die Geschichte aller untergegangenen großen Reiche l- hrt, daß ihr Schicksal von dem Augenblick an be- jsegett war, wo sie mehr Gold und Silber an sich ;j liehen begannen, als nah und fern aus der Erde (sforbert wurde. Fremde gröberer,«bie den morschen tau jeweiliger Weltkultur stürzten, unternahmen in ter Vergangenheit meist eine Neuverteilung. Ns die Westgoten unter Atari ch 410 Rom einnah- tuen, mußte ihnen laut dem Zeugnis des Zofimas < ne Brandschatzung von 5000 Pfund Goldes und 13 000 Pfund Silbers bezahlt werden. In langen Nagenzügen schleppten sie die errungenen Schatze jväter nach Südgallien und Spanien. Nicht viel (Bringer kann die Beute gewesen sein, die die Sue- ien, Alanen, Burgunder, Vandalen und Franken t den von ihnen besetzten Provinzen machten.
In der Neuen Welt machten die spanischen Erobe- tSr bald die Entdeckung, daß es das meiste Gold nicht dort zu plündern gab, wo es Mutter Erde '6gerungen wurde, sondern dort, wo es auf den Degen des Handels in den größten Mengen auf- -efpeichert worden war. Der Umfang der ge- ioorteten Goldschätze der Azteken und Inkas erwies i.ch als ein Gradmesser für die Morschheit ihrer Staatswesen. Früher oder später waren sie von j. qendfrifcheren indianischen Völkerschaften überrannt worden, wenn nicht schreckliche „weiße Götter" aus unbekannter Ferne übers Meer gekommen waren.
Die politische Krise, die zum großen Kriege führte, war zugleich eine Welt-Währungskrise, ftie schwarze Magie des gelben Metalls brachte es '«rüg, Onkel Sam, der vorher an Europa stark ver- -thuld'et war, sozusagen im Handumdrehen, im Lause mn einigen Jahren Kriegskonjunktur, in den Wett- cläubiger zu verwandeln. Wie hätte bloße Mehr- jrbeit ein solches Kunststück fertigbringen können? I Gearbeitet wurde in den Vereinigten Staaten m ten Kriegs- und Nachkriegsjahren eher weniger als vorher hatte man doch den Auswanderermajsen Die Tore verschlossen, die bis zum Ausbruch des Krieges Tahr für Jahr auf dem Arbeitsmarkt der Union lohnende Beschäftigung fanden. Heute feiern gegen Wölf Millionen voll Erwerbsfähige im sogenann- fen Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, obwohl Xamv. ni« m?nnnet auf blinkendes Edel-
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