Ausgabe 
28.11.1939
 
Einzelbild herunterladen

überflogene Land hat einen Umfang wie unser Großdeutschland im August dieses Jahres. Die deutsche Expedition hat das von ihr entdeckte Ge­biet von den Flugzeugen aus Mit Stahlpfeilen, die das Hoheitszeichen unseres Reiches tragen, ab- gesteckt und außer diesen Pfeilen als weiteres Zeichen der deutschen Inbesitznahme eine große Reichsflagge inmitten des entdeckten Landes ge­hißt. Damit wurde dieses Land, das die Expedition auf den NamenNeu-Schwabenland" taufte, für unser Reich erworben. Weitere Forschungsreisen werden dieses Land immer mehr für unser Reich und Volk erschließen.

Drei Filme mit vielen outen Bildern, die über die Fahrt und die Forschungsflüge prächtig be­richteten, sowie eine Anzahl Stehbilder waren eine ausgezeichnete Ergänzung zu dem spannenden und lebendigen Vortrag, für den die Hörer dem Redner Mit starkem Beifall dankten.

Volkstümliche Vortröge aus dem Ge­biete der Landwirtschastswiffenschast.

Schon seit einer Reihe von Jahren finden im Hörsaal des Physiologischen Instituts durch Prof. Dr. B ü r k e r populärwissenschaftliche Vortrags­veranstaltungen statt, die sich stets einer ebenso zahl­reichen, wie aufmerksamen und dankbaren Zuhörer­schaft erfreuen. Der Kreis der Vortragenden hat sich inzwischen aus anderen Instituten der Medizinischen Fakultät erweitert, und der Kreis der Zuhörer ist im Wachsen begriffen. Die NS.-GemeinschaftÄraft durch Freude", die durch ihre Dolksbildunasstätte Gießen als Mitveranstalter die Vorträge fordert, trägt wirksam dazu bei, diesen Vortragsveranstal- tungen das Interests immer breiterer Kreise zu sichern.

Nunmehr können wir davon berichten, daß diese Vortragstätigkeit eine Erweiterung auch nach einer Seite erfährt, die sicherlich nicht weniger Interesse finden wird, als die bisherigen Vorträge im Hör- faal des Physiologischen Instituts. Die Dolksbil- dungsstätte Gießen veranstaltet nämlich im Laufe dieses Winters in Gemeinschaft mit dem Institut für Pflanzenbau unserer Universität eine populär­wissenschaftliche Vortraasreihe, die eine Reihe grund­sätzlicher Fragen behandeln wird. Der erste Vortrag dieser Art findet bereits am kommenden Sonntag im großen Hörsaal des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung in der Senckenbergstraße statt. Ueber die Themen dieser Vortragsveranstaltungen werden wir voraussichtlich morgen aus berufener Feder näher berichten.

Gießener Wochen Marktpreise.

Gießen, 28. Nov. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Platte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, Wirsing, % kg 6 bis 10 Rpf., 50 kg 6 RM., Weiß­kraut, kg 5 bis 6 Rpf., 50 kg 4 RM., Rotkraut, % kg 7 bis 10 Rpf., 50 kg 7 RM., gelbe Rüben, % kg 7 bis 8 Rpf., rote Rüben 9 bis 12, Spinat 15, Unterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat, Vio 10 bis 12, Zwiebeln, % kg 10, Meer- rettich 35 bis 60, Schwarzwurzeln 40, Kartoffeln, V» kg 4 Rpf., 5 kg 40 Rpf., 50 kg 3,15 bis 3,45 RM., Aepfel, Vi kg 15 bis 20 Rpf., Birnen 15 bis 20, Blumenkohl, das Stück 10 bis 70, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 15 Rpf.

Rundfunkprogramm

Mittwoch, 29. Ttooember.

6 Uhr: Landvolk, merk' auf! 6.10: Morgengym­nastik. 6.30: Frühkonzert. Das Orchester des Reichs­senders Leipzig. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Gym­nastik. 9.10: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.30: Musik am Vormittag. Es spielt das kleine Or­chester des Reichssenders Saarbrücken. 10: Frohe Weisen. 11: Kleines Konzert. Es svielt das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. *12: Stadt und Land Hand in Hand. 12.10: Mittagskonzert. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14.15: Das Stündchen nach Tisch ... 15.10 bis 15.15: Bücher für unsere Soldaten. 15.45: Aus dem Opern­haus Frankfurt a. M.: Der Bajazzo. Oper in zwei Akten von Ruggiero Leoncaoallo. 17: Nachrichten. 17.10: Konzert. 17.30 bis 17.40: Nachrichten in fran­zösischer Sprache. 18: Otto Dobrindt spielt. Da­zwischen: Bilder und Klange aus Moselfranken.

Aus der engeren Heimat.

Gemeinden seiner Wirkungsstätten ehrende Nach­rufe. Er starb im 77. Lebenswahr.

' Kreis Büdingen.

Las Hören ausländischer Sender grundsätzlich verboten.

Verhandlung vor dem Sondergericht in Frankfurt.

LPD. Frankfurt a. M., 27. Nov. Nach der Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaß­nahmen vom 1. September ist das absichtliche Ab- hören ausländischer Sender verboten. Nach § 1 werden Zuwiderhandlungen mit Zuchthaus bestraft. In leichteren Fällen kann auf Gefängnis erkannt werden. Nach § 2 dieses Gesetzes wird mit Zucht­haus, in besonders schweren Fällen mit dem Tode bestraft, wer Nachrichten ausländischer Sender, die geeignet find, die Widerstandskraft des deutschen Volkes zu gefährden, vorsätzlich verbreitet.

Das Sondergericht in Frankfurt a. M. hatte sich jetzt erstmalig mit einem Fall der Zuwiderhand­lung gegen dieses Gesetz zu beschäftigen. Aus der Anklageoank saßen drei seit Mitte September in Untersuchungshaft weilende, bisher unbestrafte Ein­wohner aus Höhr-Grenz Haufen im Alter von 26 bis 41 Jahren, die teils in der Wohnung des einen, teils in der Behausung des andern aus­ländische Stationen bei Zusammenkünften abhörten. Die Angeklagten behaupteten, es sei nur Musik ge­hört worden, und man habe nicht gewußt, daß dies verboten sei. Sie mußten sich vom Staatsanwalt dahin belehren lassen, daß auch das Anhören von Musik aus dem ausländischen Sender verboten und jegliches planmäßige Abhören ausländischer Sender­nachrichten unter Strafe gestellt ist. Der Vertreter der Anklage nahm an, daß es sich im vorliegenden Verfahren um einen der leichteren Fälle handle und beantragte gegen zwei Angeklagte je zehn, gegen den dritten Angeklagten sechs Monate Gefängnis, da dieser nur einmal gegen das Gesetz verstoßen habe.

Das Genickt uerurteilfe die Ange schuldigten zu vier, lieben vzw. neun Monaten Gefängnis. Von zwei Angeklagten stehe fest, daß sie mehrfach aus­ländische Sender hörten; der dritte habe nur einen einmaligen Verstoß begangen. Es sei grundsätzlich verboten, einen ausländischen Sender zu hören, auch wenn es sich nur um Musik drehe. Grundsätzlich werde die Zuwiderhandlung mit Zuchthaus be­straft, nur in besonders leichten Fällen könne auf Gefängnis erkannt werden. Das Gericht habe an­genommen, daß hier ein leichter Falle in Betracht komme.

Keine Landes-Kleintierschau.

Lpd. Frankfurt a.M., 27.Nov. Die Lan­des-Kleintierschau, die im 'Dezember in Frankfurt sämtliche Fachgruppen der Kleintierzucht zusammenfassen sollte, wird mit Rücksicht auf die ^ransportverhältnisse nicht abgehalten. Aus dem gleichen Grunde finden auch größere kreisweise Kleintierschauen, wie sie in diesen Wintermonaten onst an der Tagesordnung waren, nicht statt. Um o mehr soll die Bedeutung der Kleintierzucht für die heutigen Zeitverhältnisse in lokalen S o n derschauen für Geflügel-, Kaninchenzucht usw. herausgestellt werden. Sämtliche Ausstellungen die­ser Art die ersten haben schon stattgefunden sind als Lehrschauen aufzumachen, in denen auch die Nichtorganisierten Kleintierhalter und Sied­ler weitgehend über eine zeit- und sachgemäße Klein- tterhaltung und -Zucht aufgeklärt werden können.

3n der Wetter ertrunken.

3) Li ch, 27. Nov. Heute mittag forderte die Wetter in unserer Stadt leider ein Opfer. Nach Beendigung des Unterrichts im Kindergarten eilten einige kleine Jungen an die Wetterbrücke am Schwanensee. Hierbei kam das vierjährige Söhnchen Werner unseres Einwohners Hermann Enders, Oberstadt 22, zu nahe an den Wasser­lauf, so daß es indas Wasser stürzte. Einige hundert Meter unterhalb der Unfallstelle, nicht weit von der Untermühle entfernt, konnte der Junge an

Land gebracht werden. Sofort vorgenommene Wie­derbelebungsversuche blieben aber leider erfolglos.

Landkreis Gießen.

cs3 Langsdorf, 27. Nov. Hier wurde der im Ruhestand lebende Lehrer Jakob Bausch zur letzten Ruhe gebracht. Er hatte 45 Jahre in hessi­schen Schuldiensten gestanden. Nachdem er das Leh­rerseminar zu Friedberg besucht hatte, fand er zu­nächst ein Jahrzehnt lang Verwendung in Sieben (Kreis Alsfeld). Danach diente er lange Jahre in Nieder-Gemünden. Seine längste Amtszeit ver­brachte er in Watzenborn-Steinberg. Da er einer uralten, hier ansässigen Bauernsippe entsprossen war, errichtete er sich nach feiner Ruhestandsver­setzung in unserem Dorfe ein Einfamilienhaus im Villenstil, das eine Zierde der Bahnhofsumgebung bildet. Hier verbrachte er das letzte Jahrzehnt feines Lebens in der alten Heimat. An feinem Grabe wid­meten ihm nicht nur seine Kollegen, sondern auch die

h <5 d) otten, 27. Nov. Gestern wurde der Zweit­älteste Einwohner unserer Stadt, der 87jährige Fabrikant Carl Weitz I., unter großer Anteil- nähme der Bevölkerung zu Grabe getragen. Aus eigener Kraft und kleinsten Anfängen hatte der Ver­storbene sein Werk, seine Spinnerei und Tuchfabrik, zum größten industtiellen Unternehmen der Stadt ausgebaut. Er gehörte lange dem Stadtvorstand an, in allen Vereinen, besonders dem Turn- und Gesangverein, dessen Ehrenmitglied er war, hat er stets tatkräftig mitgeroirft und sich große Verdienste erworben. Seine Beliebtheit fand sichtbaren Aus­druck bei seiner gestrigen Beisetzung. Namens der Stadt würdiate Bürgermeister Menge! die gro­ßen Verdienste des Heimgegangenen, im Auftrag des Gesang- und Turnvereins legte dessen Vor­sitzender einen Kranz nieder. Der Männerchor sang zwei Grablieder, die Belegschaft, der Kriegerverein, der Verein ehemaliger Leibgardisten u. a. widmeten ihm Kränze und einen warmen Nachruf. Sein An­denken wird hier nicht vergessen werden.

Fußball-Länderkampf Deutschland - Slowakei.

Nach Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, dem Pro­tektorat Böhmen-Mähren und Italien ist die Slo­wakei am kommenden Sonntag in Chemnitz bereits der sechste Gegner Deutschlands in einem Fußball- Länderkampf seit Kriegsbeginn. Für die zweite Be­gegnung mit der Slowakei der erste Kampf endete am 27. August in Preßburg mit einem über­raschenden 2:0-Siege der Gastgeber hat das Reichsfachamt Fußball folgende Mannschaft auf- gestellt:

Tor: Jahn (Berliner SV. 92); Verteidi­gung: Janes (Fortuna Düsseldorf), Kubus (Vorw. Rasensp. Gleiwitz); Läuferreihe: Goede (Ber­liner SV. 92), Rohde (Tvd. Eimsbüttel), Männer (Hannover 96); Sturm: Lehner (Schwaben Augsburg), Schön (Dresdner SC.), Conen (Stutt­garter Kickers), Fiederer (SpVg. Fürth), Arlt (Riesaer SV1.

Don der Mannschaft, die am Sonntag den Wett­meister Italien schlug, werden nur vier Spieler ge­gen die Slowakei eingesetzt: Janes, Rohde, Lehner und Conen. Die Chemnitzer Mannschaft ist eine sehr geschickte Mischung aus erprobten Kämpfern und bewährtem Nachwuchs, der zum Teil zum erstenmal die Nationalfarben im Länderkampf vertreten darf.

Zum Unparteiischen des Länderspiels Deutsch­

land Slowakei in Chemnitz wurde Dr. Remke (Kopenhagen) bestimmt.

Gau - Mannschaftsmeisterschaft im Turnen.

Zum erstenmal wird im kommenden Jahr eine Gau-Mannschafts-Meisterschckst der Männer im Ge­räteturnen durchgeführt. Zu diesem Wettkampf stellt jeder der 18 deutschen Sportgaue eine Mannschaft. In den Monaten Januar und Februar werden die Vorrundenkämpfe in sechs Gaugruppen zu je drei Mannschaften durchgeführt. Ausgenommen bleiben lediglich der 3. und 4. Februar; an diesen Tagen turnt eine deutsche Reichsriege in Danzig und Po­sen. Von Anfang März bis 10. April treffen die sechs Gaugruppen-Sieger zusammen. Frei bleibt lediglich der 3. März, da an diesem Tage die erste deutsche Kriegsmeisterschaft im Einzelturnen ent­schieden wird. Die drei besten Gau-Mannschaften bestreiten dann am 28. April den Endkampf

Boxlönderkampf gegen Dänemark.

Die deutsche Box-Staffel zum Länderkampf gegen Dänemark am kommenden Sonntag in Berlin er­hielt folgendes Aussehen (vom Fliegen- bis Schwer­gewicht): Obermauer (Köln), Wilke (Hannover), Graaf (Berlin), Nürnberg (Berlin), Herchenbach (Wuppertal), Schmidt (Hamburg), Köppers (Han­nover), ten Hoff (Oldenburg).

Wirtschaft.

Rhein-Mainische Börse.

Ruhig, aber fest.

Frankfurt a. M., 27. Nov. Nach dem festen Wochenschluß eröffnete die Börse die neue Woche mit weiter befestigten Kursen, da erneut kleine Kaufaufträge vorlagen, während das Angebot ge­ring blieb. Die Unternehmungslust bewegte sich ebenso wie das Geschäft in engen Grenzen, wobei auch der bevorstehende Ultimo mitgesprochen haben dürfte.

Am Aktienmarkt war die Entwicklung etwas uneinheitlich, zumeist stellten sich aber weitere Er­höhungen von durchschnittlich 0,50 bis 1 v. H. ein. Darüber hinaus waren Mansfelder Bergbau stärker gesteigert auf etwa 173 (169). Im übrigen fetzten am Montanmarkt Verein. Stahl mit 101 (100,75), Mannesmann mit 107,50 (107), Hoefch mit 113,50 (113) und Rheinstahl mit 131,50 (130) ein. IG.» Farben blieben bei kleinem Umsatz mit 159,25 ge­halten, dagegen Scheideanstalt 217,50 (218). Im übrigen begannen u. a. Aschaffenburger Zellstoff mit 105 (103), Rheinmetall mit 122 (120,75), Adler- werke mit 93,50 (93), Holzmann mit 144,50 (144)

und DDM. mit 153 (153,50). Sehr still tagen Elek- tropapiere, die ohne Erstnottz waren.

Am festverzinslichen Markt bestand ebenfalls weitere Nachfrage, das Geschäft hatte je­doch nur kleinen Umfang. Von Auslosungsanleihen Dekofama I und II weiter fest mit 141 (140,75) bzw. 161 (160,50). Reichsaltbesitz jedoch 0,25 v. H. schwä­cher mit 137. Bei kleinen Abgaben ließen Liqui- Pfandbriefe überwiegend 0,25 bis 0,50 v. H. nach, auch Stadtanleihen vielfach nur knapp gehalten. In­dustrie - Obligationen schwankten bis 0,50 v. H. Staatsanleihen weiterhin unverändert. Steuergut- fcheine hatten z. T. wiederum lebhaftes Geschäft.

In der zweiten Börfenstunde schrumpfte das Ge­schäft mehr und mehr zusammen, die Kurse lagen z. T. leicht rückläufig. Verein. Stahl 100,75 nach 101, JG.-Farden 158,75 nach 159,25. Die erst später notierten Papiere kamen zwar uneinheitlich, meist aber 0,50 bis 1 v. H. höher zur Notiz, Siemens allerdings 1,50 v. H. ermäßigt auf 205,50.

Der Freiverkehr war geschäftslos. Tages­geld unv. 2 v. H.

Roman von Meta Brix

CARL DUNCKER VERLAG BERLIN

13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Drüben saß sein Bruder: Der schien ein lang­weiliger Peter zu sein. Er sah mit der Brille in dem kleinen, schmalen Gesicht wie ein Gelehrter aus. Cilly und die blonde Ruth gaben sich alle Mühe, chn ein bißchen munter zu bekommen. Es schien ver­gebene Liebesmüh!

Zaduk hatte doch etwas gesagt ... gefragt ... Wie ... was meinten Sie, Herr Zaduk ...?"

Er hielt die kleine Hand der rotblonden Schö­nen in der feinen und wiederholte feine Frage.

Die Luise Domkat ..., erwiderte Henni.Natür­lich kenne ich sie. Wissen Sie, die Frau ist mir ein Rätsel!"

So .. ." Jofo Zaduk sagte es nicht sehr eifrig und fuhr fort:Ich fragte nur, weil mich diese Frau, als ich sie heute mit den beiden Heitfelds kommen sah, an irgend jemand erinnerte. Aber ich kann und kann mich nicht besinnen ..."

Sie ... fo etwas ist fürchterlich. Ich kenne das!" bestätigte Henni.

Es geht einem immer nach. Unangenehm!" sagte Zaduk.

ftein Wunder", sagte von drüben die Stimme der Dekken. Sie langweilte sich mit dem kleinen Mann neben sich und war mit ihrer Aufmerksam­keit mehr bei den beiden anderen drüben.Sie werden die Domkat im Film gesehen haben!"

Wie ... im Film ...?"

Nun nahm wieder Henni das Wort:Die Luise Domkat war doch Filmschauspielerin. Mit dem Moravitzky zusammen hatte sie sogar ganz schöne Erfolge. Und kein Mensch versteht, weshalb sie aui einmal vom Film weggegangen ist ... Wir waren platt, als wir sie hier als Sekretärin des alten Herrn Heitfeld trafen!"

Wer ist das Moravitzky?" fragte Jofo Zaduk.

Die dunkle Cilln drüben öffnete ihre Handtasche. Sie hatte das Filmtaschenbuch bei sich, darin blät­terte sie jetzt. Sie legte ein Zeichen zwischen zwei Seiten blätterte weiter

Die Rotblonde an Ioso Zcrduks Seite lachte: Himmel, Cilly, du schleppst doch das Filmbuch überall mit dir herum!" Sie erklärte Zaduk:Da

ist nämlich der Cilly ihr Bild auch drin. Drum!" Cilly Dekken antwortete der munteren Spötterin gar nicht, sondern hielt Zaduk das Buch hin: Hier die Domkat", sie blätterte weiter,und hier chr Partner Franz von Moravitzky."

Zaduk nahm das Buch in die Hand. Er sah die Bilder. Zuerst die Frau, wunderschön, mit dem weichen, zärtlichen Mund.

Dann das andere Bild. Ein Männerkopf. Schmal, edel geformt, leicht gewelltes Haar. Ein sieghaftes Lachen in den Augen, leuchtende Zahnrechen

Zaduk erkannte den Mann sofort.

Noch einmal sah er die beiden Bilder an, sehr aufmerksam. Dann schlug er die Seiten zurück. Er nahm den silbernen Stift aus der Tasche und notierte den Verlag, der dieses Buch herausgab.

In feine schwarzen Augen kam ein Funkeln. Nun wußte er er hatte sich nicht geirrt. Und nun be­herrschte er die Sachlage.

*

Luise trat aus dem breiten Torweg der weit­läufigen Fabrikanlagen der Parfümerie Heitfeld. Sie trug ein weißes Leinenkostüm, darunter eine, dunkelblaue Bluse und einen gleichfarbigen Hut.

Sie ging mit beschwingtem Schritt, wie ihn Men­schen haben, die mit ihrem Tag zufrieden sind. Und das war Luise. Es war heute ein toller Arbeits­tag gewesen. Der Doktor hatte das Tempo an­gegeben, feine Arbeitsfreudigkeit riß mit. Darüber vergaß man die eigenen Sorgen.

Sie bog von der Franklinstraße zum Salzufer ein und wollte dann weiter durch den Tiergarten gehen. Sie achtete nicht auf die Taxe, die ihr ge­folgt war und nun am Salzufer hielt.

Ioso Zaduk flieg aus. Er kam mit schnellem Schritt näher. Nun war er neben der Frau und zog den Hut. Er ging dicht neben Luise, die auf- blickte und den Mann erkannte.

Sie wich zuerst zurück, ging bann aber rasch weiter.

Ioso Zaduk sagte mit liebenswürdiger Selbstver­ständlichkeit:Gnädige Frau, ich freue mich un­endlich, Sie wiederzusehen!"

Luise neigte sehr kühl den Kopf:Guten Tag, Herr Zaduk", und ging noch schneller.

Der dunkle, sehr elegante Mann an ihrer Seite blieb neben ihr. Er sprach liebenswürdig weiter. Unsere erste Begegnung geschah unter bedauer­lichen Umständen. Ich wäre ' sehr glücklich, diesen schroffen Eindruck, den Sie von mir haben mußten, berichtigen zu dürfen!"

INicht nötig, Herr Zaduk."

IIch bitte. Sie einlaben zu dürfen"

Ich bedauere. Ich nehme keine Einladungen an."

Aber der Mann ließ sich nickt abweisen.

Luise dachte ein paar Herzschläge lang, ob es vielleicht doch klüger wäre, diese Einladung an- zunehmen und mit diesem Menschen zu reden? Man würde sich dabei nichts vergeben. Aber man würde dann doch wissen, ob dieser Herr Zaduk davon überzeugt war, bei dieser Begegnung im Orient-Expreß eine völlig Unbeteiligte belästigt zu haben.

In diesem Augenblick aber tat Ioso etwas Grund­verkehrtes. Er legte feine schmale, gelbliche und sehr gepflegte Hand mit einem leichten Druck auf den Arm der Frau.

Luise zuckte zurück. Sie empfand die Berührung als plumpe Vertraulichkeit, und sie hatte Angst

So sagte sie sehr schroff:Ich wünsche allein weiter zu gehen, Herr Zaduk!"

Der blieb stehen. Er zog den Hut und grüßte sehr höflich. Dabei sagte er, indem ein ironisches Lächeln seinen Mund umspielte:Wie Sie wün­schen"

Luise lief nun fast. Sie dachte immerzu: dieses Gesicht und der Ton der Worte das war doch eine Drohung. Diplomatisch habe ich jetzt wahr­scheinlich nicht gehandelt.

Die natürliche klare Freude, die vorhin in ihr gewesen, war weg. Ein höhnisches Wort nur war da ein häßliches Lächeln um einen schmalen Männermund.

Luise ging jetzt über die breite Brücke und dann am Rande des Tiergartens entlang. Sie kam durch die Fasanenstraße. Aus einem der offenen Fenster der Hochschule für Musik klang das Spiel einer Geige

Die Straße war fast menschenleer.

Lautlos glitt der große dunkle Wagen heran, hielt ein paar Meter oor Luise. Doktor Heitteld sprang heraus und trat chr entgegen.

Sie schrak zusammen und fragte:Mein Gott, was wollen denn jetzt Sie?"

Waldemar Heitfeld, gro^, blond, breit, versperrte ihr den Weg. Eine zornige Unruhe stand in feinem Gesicht. Er faßte Luise mit einem harten Griff an den beiden Unterarmen und fragte:Was wollte der Zaduk von Ihnen? Ich kam mit dem Wagen am Salzufer vorbei ... ich sah, wie der Mensch auf Sie einfprach ... Ihren Arm faßte ..."

Das tun Sie ja jetzt auch, Herr Doktor Heit- feld!" sagte Luise. Sie hatte sich gefaßt, sie loste ihre Arme aus dem festen Griff und warf den Kopf in den Nacken. Es war eine Gebärde stolzer

Abwehr.Weshalb sind Sie dann nicht gleich zu uns herangetreten ... statt zu beobachten und mir dann nachzufahren?"

Durfte ich das? Sie sagten selbst, Herr Zaduk wäre Ihnen bekannt."

Sie werden wohl gesehen haben, Herr Dottor Heitfeld, daß ich diesen aufdringlichen Menschen abwies!"

Waldemar Heitfeld sagte:Ja ... das sah ich. Und ich war sehr froh, daß Sie es taten. Aber dann mußte ich Ihnen doch nachfahren. An der Brücke hielt mich der Verkehr auf, sonst hätte ich Sie schon eher erreicht. Und jetzt werde ich Sie nach Hause bringen!"

Er öffnete die Magentur.Ich bitte ... steigen Sie ein

Luise schüttelte den Kopf:Danke, Herr Dottor ... aber ich mochte gar Nicht von Ihnen nach Hause gefahren werden. Ich wüßte auch nicht, daß ich außerhalb der 'Geschäftsstunden Ihren Anordnungen zu folgen hätte!"

Natürlich nicht ... ttotzdem bitte ich Sie .. "

Der Ton, in dem er sprach, machte seine Worte zu einer herzlichen Bitte. Eine Verlegenheit, eine plötzliche Befangenheit wehte über die Frau. Wort­los nahm sie im Wagen Platz.

Waldemar Heitfeld aber fuhr nicht gleich. Er wandte sich auf seinem Sitz am Steuer um und sagte:Wissen Sie Frau Domkat, was ich wünschte ... erbitten möchte, wenn Sie mir das erlauben wollen ...?"

Und - als sie feine Antwort gab, sondern ihn Mit ihren dunklen Augen nur fragend ansah, fuhr er fort:Mit Ihnen irgendwo an einem füllen Platz sitzen ... bei einer Tasse Kaffee und einer Zigarette. Und dann würde ich Sie fragen Luise Domkat, wer find Sie eigentlich?"

Die Sekretärin Ihres Herrn Vaters, Herr Dok­tor Heitfeld", entgegnete Luise Mit strengem Gesicht.

Doktor Heitfeld seufzte und wandte sich wortlos zu seinem Steuer zurück. Aber dann fagte er ... er konnte einfach nicht anders:Wollte 'Gott, Sie zeigten mir einmal wieder ein so liebes Lächeln wie damals auf der Kärntner Straße!

Der Wagen fuhr an.

Aber jetzt berührte Luise die Schulter des vor ihr Sitzenden und beugte sich zu ihm vor. Er wollte eben in die Hardenbergstraße einbiegen. Jetzt hielt er noch einmal an ... kurz vor dem Bahnhof Zoo.

Er hörte hinter sich die Frage:Was sagten Sie da eben?"

(Fortsetzung folgt.)