Ausgabe 
28.1.1939
 
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Nr. 23 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) 28/29. Januar (939

Wehr und Waffen.

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Raab

Ent-

nun

Die vielseitigste Waffe - Besuch bei der Jnfanterieschule Äöberch

Panzer- und Flugabwehr

Jfaewsieciler äSee

gewehr, nicht beizukommen ist Der in mehrere Teile zerlegte Werfer, auf dem Matsch auf einem zweirädrigen von einem Pferde gezogenen Karren montiert, wird im Bedarfsfall auf feiner Boden­platte schnell in gedeckte Stellung gebracht. Ein Schütze läßt die Granate, die wie ein kleiner Flügel­torpedo aussieht, von oben in das kurze, steil auf­gerichtete Rohr fallen, wodurch die Abschußvorrich­tung ausgelöft wird. Das Geschoß erreicht das Ziel

Don Enns aus ging der Marsch der hessischen Bri° gade nun weiter durch Nieder-Oesterreich nach - Vr-1^ $a österreichische Armee sich auf das nördliche Donau-Ufer zurückgezogen hatte, blieben ^rr Sicherung und Bewachung der Uebergänqe bei Wallsee die 7. Kompanie Merk, bei Pps die 6. Korn- panie de Puis und bei Molk ein Zug der 5. Kom­panie Gödecke unter Leutnant Geyer zurück, sämtlich vom I. Leib-Füsilier-Bataillon, die erst im Juni zu ihrem Truppenteil zurückkehrten. Die übrigen Trup­pen besetzten am 13. Mai Wien, die Hessen wurden in der Leopoldstadt einquartiert. Bereits am 15. Mai wurden unsere beiden Bataillone erneut in Marsch gesetzt, Richtung Preß bürg, um sich dort mit Dem Korps Davoust, das den Auftrag hatte, ein Ueberschreiten der Donau unterhalb von Wien durch die Oesterreicher zu verhindern, zu vereinen. Letztere hielten bei Preßburg die Brücke über die Donau besetzt und hatten das auf dem rechten Ufer gelegene Dorf E n g e r a u als Brückenkopf ausgebaut. ((Enge» rau, jetzt zu Groß-Deutschland gehörend, wurde erst vor kurzem vom Führer besucht.)

Sofort nach Eintreffen, am 1. 6.1809, ließen die französischen Generäle Engerau angreifen. An dem Angriff waren hauptsächlich unsere beiden Füsilier- Bataillone beteiligt, denen es aber trotz anerkannter Tapferkeit nicht gelang, das Dorf zu nehmen. Das Garde-Füsilier-Bataillon verlor 6 Tote und 44 Ver­wundete, das I. Leib-Füsilier-Bataillon (nur l2/s Komp, stark) 2 Tote und 13 Verwundete. Die Kom­panie von Karlsen hatte allein 3 Tote, 21 Verwun­dete. Am 3. Juni wurde erneut der Angriff auf Engerau befohlen. Wiederum waren die hessischen Schützen vorn, gefolgt vom 12. französischen Linien- Regiment. Trotz heftigen Kartätsch- und Gewehr­feuers wurde diesmal das Dorf rasch genommen. Mit schlagenden Tambours (Tambours roulement!) ging es, der französische General Petit an der Spitze, gegen die Hauptverschanzung weiter vor. Liber hier stockte der Anlauf vor einem tiefen Gra­ben, der von einer österreichischen Batterie von einer Donau-Insel her lebhaft flankiert wurde. Da

in sehr steilen Parabelbogen, wobei es bis zu 15 Sekunden in der Luft bleibt. Mit dem Dritten Schuß ist Der Werfer fast immer im Ziel, einige Wirkungsschüsse folgen, unD Der bereitstehenDe Stoßtrupp stürmt noch mit Dem Krachen Der Einschläge seinerseits zum Angriff vor, um Die Feuerwirkung De,s Werfers unmittelbar auszu- nutzen. Da das Werfergerät sich mit wenigen Hand- griffen schnell ab- und wieder aufmontieren läßt, kann Der Granatwerfer je nach Der Gefechtssituation den Stellungswechsel etwa mit der gleichen Schnel­ligkeit wie die Infanterie selbst vornehmen.

Füsilier-Bataillon auf Dem linken Ufer Des Flusses Raab. Die l2/a Kompanien Des I. Leib-Füsilier- Bataillons waren zum Schutze einer bei Halaszi ge­schlagenen Brücke über Die Donau entfanDt roorDen. Bereits am 22. Juni kapitulierte Die nur schwach besetzte unD veraltete Festung Raab. Unsere beiDen Bataillone sammelten sich an Der Brücke bei H a - l a s z i, wo auch Die bisher Detachierten Teile Des I. Leib-Füsilier-Bataillons eintrafen, so Daß Dieses roieDer vollzählig war. Von Dort aus rourDen Die Bataillone zu ihrer seit Der Schlacht bei Aspern auf Der Insel Lobau lagernDen BrigaDe wieder herangezogen und rückten am 4. Juli Dort ein. Am nächsten Tage bereits begann Die blutige Schlacht bei Wagram, an Der unsere Bataillone mit gro­ßer Tapferkeit unD starken Verlusten teilnahmen Ich roerDe Diese hochinteressante Schlacht in meinem nächsten Aufsatz behandeln, ebenso Aspern, wo Na­poleon zum ersten Male geschlagen worden war (21. unD 22. Mai). Unsere Bataillone hatten an Die­ser Schlacht infolge ihrer Detachierung keinen An­teil, wohl aber Die übrigen hessischen Truppen.

(Fortsetzung folgt!)

Geschützkompanie und Granatwerferzua

WährenD man feine Notizen niederfchreibt, kommt von Draußen, aus dem strahlenden W'ntertag, alle Augenblicke näheres ober ferneres Maschinengewehr­geknatter, gelegentlich auch eine dumpfe Detonation von irgendeiner Sprengung, die bösartigen kurzen Knalle krepierender Handgranaten usw. Das kriege­risch-akustische Getümmel wird ergänzt durch Ftte- gergebrumm, dann wieder durch den Marschtritt geschlossener Kolonnen, vielhufiges Getrappel von Pferden, den dröhnenden Arbeitston schwerer Zug­motoren usw.

Das ist die alltägliche Begleitmusik hier zur Tagesarbeit der Döberitzer Infanterie- schule. Sie ist mit ihren Lehrgängen verschieden­ster Art für Offiziere und Unteroffiziere in Dem idyllisch schön gelegenen Olympischen Dors nebst nächster Umgebung untergebracht. Eine Infanterie» schule hat natürlich nur Dann einen Sinn, wenn sie außer allem nötigen technischen und sonstigen Material auch eine Uebungstruppe zur Verfügung hat. Dazu bient praktischerweise bas Infan - terie-Lehrregiment; bie Mannschaften bie- ses Regiments haben bereits einen einjährigen Dienst in einem Infanterie-Regiment braufeen im Reich hinter sich unb finb auf ihre (Eignung zum späteren Unterführer ausgesucht unb für bas zweite Jahr in bas Lehrregiment versetzt. In biefem zwei­ten Jahr burchlaufen sie hier in her Döberitzer Jnfanterieschule eine Hochschule bes Infanteristen finb nach Abschluß bes Lehrganges soldatisch und kampftechnisch mit schlechthin allen Wassern ge­waschen, haben ein Höchstmaß von Ausbildung auf der Basis der. modernen Knmpsschulung und wer­den dann Dort den Frontregimentern begreiflicher­weise sehr gern als Ausbildungsunteroffiziere über­nommen.

Das Wesentlichste und Interessanteste aber an dieser Jnfanterieschule ist die Tatsache, daß sie dem übenden Soldaten wie uns Besuchern einen selbst für uns alte Frontkämpfer erstaunlichen Einblick in die fast unglaubliche Vielseitigkeit der modernen Infanterie gibt. Der Kommandeur der Schule, Oberst Hube, hat sicher recht, wenn er in seiner Begrüßungsansprache an uns Die heutige Infanterie Die vielseitigste Waffe nennt. Aber lobt nicht jeher schließlich fein HanDwerk. unD ist nicht jeDer SolDat von feiner eigenen Waffengattung am meisten begeistert? Also gehen wir mal der Sache auf Den GrunD. Schnell bringen uns Die Wagen hinaus ins weite, wellige Döberitzer Uebungs- gelänbe.

Die Jnfanteriegeschützkompanie, bie jebem Infanterie-Regiment ungeteilt ist unb aus drei Zügen leichter unb einem Zug schwerer Ge­schütze besteht, hat die Aufgabe, der vorgehenden Infanterie gegenüber einem in besonders günstiger Stellung schlecht angreifbaren Gegner oder gegen­über stärkeren Widerstandsnestern eine Bresche zu schlagen. Wir sehen hier Das Beispiel Des Einsatzes zunächst für einen leichten Zug. Aus Dem Dek- kenDen WalD heraus sprengt weit auseinander- gezogen, um möglichst wenig Zielfläche Zu bieten, der Zugtrupp mit Dem Zugführer, Den Unteroffizieren, Dem Entfernungsmesser unb ben Melbereitern. Schnell ist bie Stellung bes Gegners von bem abgesessenen Zugtrupp Kunden Em Melbereiter galoppiert zurück, holt den Geschutzzug heran, unb wenige Augenblicke spater sind bie bei­den Geschütze feuerbereit. Sie erhalten ihren tfeuer» befehl vom Zugführer vorne, von dem lnzwstchen schnell eine Telephonkabelverbinbung zum Geschütz, führcr hergestellt ist. Für ben gelernten Artilleristen mag bies leichte Infanteriegeschütz mit seiner Klein­heit und bem kurzen Lauf auf her nieberen Lafette etwas fonberbar aussehen, aber diese höchst moderne

Schnellfeuerwaffe mit ihrem Kaliber von 7,5 Zenti­meter hat dieselbe Feuerkraft wie ein gleichkalibri- ges Feldgeschütz!

Dabei steht verschiedenartige Munition zur Ver­fügung, für kurze ober für weitere (Entfernungen, mit Äufschlagzünber ober mit Verzögerung, so baß man bamit beispielsweise auch gut eingebauten Maschinengewehrnestern unangenehm werben kann. Beide Geschützarten, die leichte wie bie schwere, sind für Flach- unb für Steilfeuer eingerichtet, eine außerorbentlich praktische Waffe. Das schwere Infanteriegeschütz mit einem Kaliber von 15 Zentimeter wirb vom Regimentskommanbeur hort eingesetzt, wo her Schwerpunkt bes Angriffs ober ein befonbers hartnäckiger gegnerischer Wider- ftanb liegt. Wir sahen hier, wie auch bei ben fol- genben Vorführungen, Mannschaften, bie erst zwei Wochen in her Jnfanterieschule waren Wenn man bie Schnelligkeit unb maschinenartige Genauigkeit ihrer Arbeit' sah, bann bekam man eine ungefähre Vorstellung bavon, wie biese Solbaten am Enbe bes einjährigen Lehrganges arbeiten müssen.

Erst seit einiger Zeit gehört zu jeher Maschinen­gewehrkompanie eines Infanterie-Regiments auch ein Granatwerferzug in Stärke von sechs Werfern mit ihren Bebienungstrupps Der Granat­werfer, Kaliber 8 Zentimeter, bient zur Bekämp­fung kleinerer Wiberftanbsnester, benen durch bie Flachfeuerwaffen, wie Gewehr und Maschinen»

Mit den beiden Arten des Geschützes unb mit bem Granatwerfer ist bie Mannigfaltigkeit her mobernen Jnfanteriebewaffnung unb bie Vielfältigkeit her Kampfesweise noch lange nicht erschöpft. Wir stehen gerabe im gut übersehbaren Teil Des Döberitzer Uebungsgelänbes mit seinen leichten Bohenwellen, seinen verstreuten Kieferngebüschen unb kleinen Walbstücken. Die Gefechtsannahme besagt, baß un­gefähr hier in Dieser GegenD eine gewaltsame Er- EunDung starker feinDlicher Panzerspähtrupps er­wartet wirD.' Zur Abwehr ist ein Zug Der Pan­zerabwehrkompanie in Lauerstellung ge­gangen, unb wir werben freunblich aufgeforbert, bie Stellung biefes Zuges in einem Umkreis von nicht mehr als etwa 100 Meter ausfinbig zu machen Mit bloßem Auge unb mit Ferngläsern bewaffnet suchen unb suchen wir unb geben es schließlich auf. W i r sehen nichts. Unb finb hoch zum großen Teil aus vier Jahren Frontkrieg nicht ganz unerfahren in Sachen Tarnung.

Da brechen hinten aus bem Walbe die feindlichen Panzer hervor. Im selben Augeblick fliegen förm­lich _ keine zehn Meter vor uns! die vierPaks , die Panzerabwehrkanonen bes Zuges mit ihren Bebienungen aus her Erbe heraus, finb eine Sekunbe später mit ihrer höllischen Feuergeschwmbig- Eeit schon bem Gegner an her Gurgel, lassen sich auch durch feindliche Nebelschüsse nicht beirren, wechseln blitzschnell die Stellung unb kämpfen mit äußerster Energie unb absoluter Rücksichtslosiakeit auf etwaige eigene Verluste ben heranrollenden Gegner nieder.

Das Ganze hat sich mit der Geschwindigkeit eines Schnellfilms abgespielt. Schnelligkeit, Schießkunst und äußerste Energie sind für bie Paks unerläßlich. Wie konnten sie mit biefer Schnelligkeit plötzlich auf- tauchen, ohne vorher gesehen zu werben? Sie hatten eine kleine Bobenfalte dazu benutzt, um Geschütze samt Besatzung in vier Bodenlöcher einzugraben, die nach oben mit der buntklecksigen Camouflage der eigenen zusammengeknüpften Zeltbahnen abgedeckt war. Die Erdlöcher sind gerade so groß, daß je ein Geschütz und Mannschaft eng zusammengekauert hin­einpassen. In der Richtung Des erwarteten Angriffs

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Die Kämpfe in Spanien, die dort zu einem all­gemeinen Volksaufstand und einer sehr ernsten Lage geführt hatten, zwangen Navoleon, mit Dem größten Teil seines Heeres selbst Dorthin zu eilen. Diesen Zeitpunkt hielt Oesterreich für günstig, um Rache für 1805 zu nehmen unD loszuschlagen. Aber Napoleon, genau unterrichtet, kam her langsamen österreichischen Kriegsmaschine zuvor. Er war be­reits am 17. Januar aus Spanien zurückgeeitt und schon im März im vollen Aufmarsch im Westen Deutschlands begriffen, während der Kaiser Franz erst am 15. April 1809 DasKriegsmanifest an Oesterreichs Völker" erließ. , .

Schon am 6. März hatte Der Marschall M a s - se na nach DarmstaDt Den Befehl geschickt, Daß Das hessische Kontingent, Das seinem Korps zugeteilt sei, am 20. März in Mer'gentheimdinzutressen habe. Aber erst am 20., 21. unD 22. Marz konnte sich Das Truppenkorps in drei Kolonnen dorthin in Bewegung setzen, 4845 Mann unD sechs Geschützt stark. Das GarDe-Füsilier-Bataillon mit 16 Offizie­ren 687 Mann, Das I. Leib-Füsilier-Batail cm mit 16 Offizieren 672 Mann. JeDes Bataillon hatte dies­mal vier Sappeurs mit Aexten, einen vierspännigen Wagen für Das Offiziersgepäck unD emen Wagen für 48 Kochkessel mit sich. Jeder Mann hatte 50 Pattonen in Der Tasche, weitere 50 besanDen ch in einem Patronenwagen, ulso wesentliche >> rungen gegen 1806. Am 24. Marz wurde Mergent heim erreicht unb am 1 April non dort n ach D u° '^riaab^Mifion dem

4. ftanMschen Sarps Mchs-na zua°t°ilt wurb-m Hier mußten nun in 9^ßter Eile kaiserlichen Exerzier-Reglement und die Signale der kaiserlichen Armee eingeübt werden. wrrnPP «nter

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-mberaezogen °us Regensburg l h seinen Icon benutzte Diese Lageun ) y n bei österreichischen Korps am .( &

Abensberg unb Lanbshu. unb am 22.

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n R°°u?ü'b°r die h°Mch°n Truppen im Biwak bei Der Stadt ^^'hestischen General von lete einige Fügen an Den D I 10<9 & un£> ließ

^^kiff^^^^na^bemf.a^Ji; Hb bi- Bataillans-Kammanbeure b.e^ammanbas wiederholten. D>e B-w-gung-n g Il)aff DOr nicht zu verwundern »ar nur Mr « über fid). TrotzDem prach fed) 0er A ;lqT D ans Haltung, Benehmen unD Aussehen Der Truppen an (rtennenD aus.

Der FrieDe, Den Napoleon im Sommer 1807 zu­nächst mit Preußen unD RußlanD sowie später mit SchweDen geschlossen hatte, hatt Den Kriegszustand nicht völlig beendet. England setzte vielmehr Den erbitterten Kampf gegen Frankreich bzw. Napoleon zunächst zur See unD später, als Dieser sich Durch einen Gewaltstreich in Den Besitz von Spanien ge­setzt hatte, auch Dort zu LanDe fort. Auch Hessen wurDe DaDurch roieDer in MitleiDenschaft gezogen. Denn im Sommer 1808 forDerte Napoleon von Großher,)og LuDewig I. für Den Krieg in Spanien ein Regiment Infanterie unD eine Abteilung Ar­tillerie. (Eine Weigerung war unmöglich, unD so würbe Denn die damalige Brigade Groß- und Erb­prinz (bas spätere Infanterie-Regiment 118) bazu. bestimmt, bie bis 1812 auf der pyrenäischen Halb­insel verblieb unb dort außerorbentlich schwere Kämpfe unter großen Blutopfern Durchzumachen hatte. (Näheres hierüber in Der Regiments-Geschichte bes 118. Infanterie-Regiments unb in Nr. 10 unb 11 des Heimat im Vilb, Jahrgang 1938.

Die übrigen hessischen Truppen, also auch bas Garbe-Füsilier-Bataillon (späteres 1/116) unb Das I. Leib-Füsilier-Bataillon (späteres 11/116) fanben im Jahre 1808 zwar keine kriegerische DerwenDung, Doch war Die ganze Zeitlage so ernst, Daß man fort« aesetzt neuen Einsatz bei neuen Verwicklungen be­fürchten mußte. Es geschah also nach Damaliger An­sicht alles, um Die Truppe in kriegstüchtigem Zu­stand zu erhalten. Wiederholt wurden Mannschaf­ten zur Erlernung der Munitionsanfertigung, zum Scheibenschießen und zu Exerzierübungen eingezo­gen. Aber bie Kompanien blieben Doch sehr schwach, höchstens 35 bis 40 Köpfe, währenD bie Sollstärke der Bataillone 14 Offiziere, 36 bis 44 Unteroffi­ziere, 22 Spielleiste unb 480 bis 600 Mann betrug. Das lag an bem damaligen System der Beurlau­bungen, das immer nur einen Teil des Sollbestan­des bei Der Fahne DulDete unD von Den beurlaubten Mannschaften Löhnung unD Ausrüstung ersparte. Außer den Exerzierübungen fanhen keinerlei Aus- bilbungs« ober Gefechtsübungen statt. Nicht einmal das Gefecht in zerstreuter Ordnung nach französi­schem Muster wurde den Truppen gezeigt. Dagegen kam wieder eine Fülle von äußerlichen Verord­nungen, die mit bem Gefechtswert so gut wie nichts zu tun hatten. Höchstens dieordnungsmäßige", d. h. vorschriftsmäßige Einführung von roten und schwar­zen Federbüschen auf den Hüten zur besseren Unter­scheidung war praktisch zu nennen. Weniger aber bie Einführung von anbersfarbigen Westen unb Hosen unb bie Herabsetzung her täglichen 2-Pfund-Brot- portion auf eine solche von IV2 Punb. Dafür sollten 3 Kreuzer tägliche Löhnung mehr gezahlt werben, von benen aber wieher tätlich 4 Kreuzer in bie gemeinschaftliche Menagekasse eingezahlt werben mußten. Gut war bie Errichtung einer Witwen- unb Waisenkasse für Offiziere, Unteroffiziere unb Mann­schaften unb die Einführung einer Erziehungsbei­hilfe für verwaiste Offizierskinder bis zum 25. Jahre.

Der Krieg gegen Oesterreich 1809.

ist beim Bau her Löcher, die die Mannschaft selbst mit Dem Spaten hergestellt hat, eine sanft anstei- genDe Rampe geschaffen roorDen, Die für Die auf ©ummiräDern laufende nieDere Pak eine Fahrbahn bildet. Im Augenblick Des Alarmbefehls schleppt Die BeDienungsmannschaft von einem Unteroffizier unb vier Mann bas Geschütz, bas immerhin 8 Zentner wiegt, biese Rampe hinauf unb muß im nächsten Augenblick feuerbereit fein. Denn bie Paks müssen, fobalb sie ein Ziel erkannt haben, mit höchster An­spannung feuern, was aus bem Rohr will, wohlver- ftanhen: immer gezielt. Panzerabwehrkanonen sind bem Panzer immer überlegen, wenn sie rechtzeitig feuerbereit finb. Daraus geht hervor, baß bie Frage Der eigenen Deckung im Gefecht selbst für Die Paks eine völlig nebensächliche Rolle spielt; sie stehen je­weils Da, wo sie Das beste Schußfeld haben. Der vor­hin erwähnte eigene Stellungswechsel, bei dem es sich naturgemäß nur um ganz geringe (Entfernungen handeln kann, da er ja nicht durch die Zugmaschine, sondern durch Menschenkraft erfolgt, dürfte angesichts her hohen Geschwindiakeit Der Panzersvähwagen sehr fetter möalich fein Die eigentliche Kampfphase bei einem solchen Angriff und feiner Abwehr wird im allgemeinen die Zeit von wenigen Minuten kaum jemals überschreiten. In dieser Zeit müssen die an­greifenden Panzer erledigt fein. Entscheidend ist für die Paks bie Ausnutzung bes Ueberrafchungs- moments, sie Dürfen also von dem angreifenden Gegner in ihrer Stellung oder bei ihrem eigenen Vorgehen keinesfalls gesehen werden Die Panzer­abwehrkompanie, die 14. Komvanie des Infanterie- Regiments, besteht aus vier Zügen, jeder Zug zu drei Geschützen unb einem Maschinengewehr, das Re­giment verfügt also über 12 Paks.

Die Maschinengewehrkompanie, be­stehend aus zwei Zügen zu je vier schweren MG s und den Zugtrupps, dazu einem Munitionszug. hat mit ihrer enormen Feuerkraft vor allem die Auf­gabe, flache Ziele zu bekämpfen. Aber wie das mar­schierende Regiment ständig unter hem aufmerksamen Schutz seiner Paks steht, so ist auch bie MG.-Kom­panie an diesem Schutz hervorragend beteiligt, bei»

139 Mann. Außerdem starb noch der schwerverwun- ' bete Kapitän Kekuls im Lazarett. Beibe Versuche, 1 den Brückenkopf von Engerau zu nehmen, waren also fehlgeschlagen. Die Tapferkeit der Hessen-Darm­städter wurde aber im 16. Armeebulletin vom Kai­ser Napoleon besonders anerkannt:Die Hessen- Darmstädter haben sich sehr gut geschlagen." Beide Bataille erhielten 12 Dekorationen der Ehrenlegion bewilligt.

In ben folgenden Tagen finden wir die hessischen Füsiliere wieder im Marsch donauabwärts nach Ungarn hinein. Hier war inzwischen das öster­reichische Korps Des Erzherzogs Iohann, Das bis­her in Italien gekämpft hatte, eingetroffen unD bei her Festung Raab geschlagen worden. Es mußte auf Das norDliche Donau-Ufer zurückgehen, hielt aber Raab noch besetzt. Sofort begann Die Einschlie-1 ßung unb Belagerung biefer Stabt, unser Garbe-

Aus der Geschichte des alten Regiments 116.1

Oie Hessen unter Napoleon 1808/1809.

Von Generalmajor a. O. Rudolf Mohr, Gießen.

. auch zwei österreichische Bataillone zum satz heranrückten, nahm General Petit bie Truppen zurück. Noch währenb er sie für ihre ruhige Haltung belobte, würbe bem tapferen Offizier Durch eine Kartätschkugel Der Kopf zerschmettert. Die Verluste beider Bataillone waren ziemlich hohe, 5 Offiziere